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Full text of "Zeitschrift für deutsches Alterthum und deutsche Literatur"

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1 






PJ-|B^^^-^* 9s< i^ 


'^^1 



ZEITSCHRIFT 



FÜR 



- : .. ' 'S<^ r- 



DEUTSCHES ALTERTHÜM 



;^. . 



HERAUSGEGEBEN 



von 



MORIZ HAUPT. 



DRITTER BAND. 



LEIPZIG 

weidmann'sche buchhandlunc 

1843. 



■ V 

«" 



BRUCHSTÜCKE VOM NIEDERRHEtN. 

Der königlich freti^rische steuermtpector und veremscon» 
trolleur C Becker, dermalen in Pq/kau, übersendete mir 
unterm 2Sn junt 1842 Joggende von büchereinbänden abgO" 
löste pergamentblätter. 



Em JhUoblatt, 2 spalten, je 45 Zeilen, somit 180 verse, 
aus Freidank*, aus einer lateinischen bibel {Köln, Quentel, 
1527), früher eigenthum der abtei Elten unweit Cleve, ab- 
gelöst. 

anfang Swas gesundet hat zio leben 

Vn swem er scaden habe getan 

Des habe er in alles ledic gelan 

Swer des giet der ist bet^gen 

Vn hat den pabest angelogen 
= Alle aflais liggent da ni'^der 

Wan gelt vn gib wieder 

Dein aflais danket toren gät 

Dem eyn goch dem anden tut 

Die genade esele wol gezi'^et 

Das er eines ochsen zünde ni'^met 

(M)arb<Bten vn ander wi*'rte 

Geburen vn hirte 

Vergebend alle zünde da 

Die genate ist niergen anderswa. 

' hei dieser gelegenheit möge bemerkt werden de{fs bei fTk» Grimm 
s. VI Strafsbarger papierhandschrift und mitte des 15n jh. gelesen wer^ 
den mt^s, 

Z. F. D. A. lU. i 



2 FREIDANK. 

Die folge der sprücke ist diese. 

s. 1 sp. a. 150, 3. 4:5. 6:7. 12 : 13. 24 : 25. 22 : 23. 
26 : 27. 151, 1:2. 7:8. 9 : 10. 11 : 12. 13 : 14, 
150, 8:9. 10 : 11. 20 : 21. 151, 1 : 2. 7 : 8. 9 : 10. 
11:12. 13:14. 150, 8:9. 10:11. 20:21. 151, 
3:4. 5:6. 148, 4:5. 6:7. 8:9. 10 : 11. 153, 
7 : 8. 148, 14 : 15. 

s. l sp. b. 148, 16 : 17. 18 : 19. 20 : 21. 153, 23 : 24. 
2K5'ili •163, 27 r lil^ i<r iöi, 23 : Ü. iÜi^^iZ. 
4 : 5. 39, 10 : 11. 12 : 13. 14 : 15. 16 : 17. 129, 
9i 10. 11 : 12. 13 : 14. 132, 2:3. 4: 5. Äl^nrlfe 
21 :22. 11 : 12. 13 : 14. 15: 

9. .2 sp.a. 21, : 16. 19 : 20. 23 ; 24« 25 : 26. 22, 12:13. 
14 : 15. 23, 7 : 8. 9 : 10. 177, 3 s 4. 23, 1 :2.. 3J4• 
5 : 6. 22, 4 : 5. 2 : 3. 22 : 23. 24 : 25. 26:27. 6:7. 
8:9. 10 : 11. 178, 14 : 15. 16 : 17. 18 : 19. 

*. 2 sp. b. 178, 20 : 21. 22 : 23. 24 : 25. 26 : 27. 177, 

9 't 10. 11 : 12. 65, 14 : 15. 16 : 17. 70, 12 : 13. 

. 14 : 15. 16 : 17. 128, 14 : 15. 18 : 19. 16 : 17. 29j 

2 : 3. 4 : 5. 66, 13 : 14. 15 : 16. 17 : fg. 19 : 20. 

21 :22. 23 : 24. 67, 1 Durch wort eio wilder slange gat,. 

hiermit abbrechend. 



Bruchstücke eines gedichtes tfon könig Adolf von Nas- 
sau tmd seinem fall in der schlacht bei Göllheim am 2n juli 
1298. gänzlich verschieden von dem gedichte des Hirsselin 
{bei Rauch scr. rer. austr. 2 und Graff Diut. 3, ^\Aff.) 
das demselben gegenstände gewidmet ist. 

Der dichter zeigt sich im kämpfe gegenwärtig (192. 
290) ; daher seine lebendige theilnahme-, seine klage um die 
einzelnen gefallenen (259. 465) und namentlich um den kö- 
nig Adolf (ien vait von R6me 229, denRftmsere 246. 265. 
271) selbst (531 ffi), derr die fürsten doch alle gewählt hät- 
ten (526). wer an seinem tode recht schuld sei will er nicht 
sagen (525), auch nicht rechte wer aus der schlacht geflo- 
hen (368. 594). ^ . 

Dqfs er vom Niederrhein war zeigt die spräche (ob' 



ADOLF VON NASSAU. 8 

$ekim schreiberflüchtigkeitm eine zweite ahschr\ft vermmem 
Iqfsen) und seine entschiedene theilnahme ßir Adolf (529 
— 556) 5 doch ist er auch gerecht gegen die feinde (267), 
aber er sagt sogar van unser siden (323). unmittelbar um 
den kaiser war er im augenblicke von dessen falle nicht, 
defs ihm Albrecht unter die äugen gestochen und die wild^ 
und raugrafen ihm vollends zum tode verhoffen hat ihm 
Dietrich von Bräubach erzählt (371). aber das gedieht mtf/i 
unmittelbar nach der schlacht gefertigt worden sein, au 
niumwre im reiche : er redet Adolfs söhn Robert mit dem 
besten wünsche an, als wäre derselbe noch in Albrechts 
oder in des Mainzers gefangenschaß (38i5). 

Das vielleicht nicht kurze gedieht ist deshalb durch- 
webt von lebendigen selbstaufgeworfenen und rasch beant- 
worteten fragen (313. 420. 430) und scheint überhaupt reich 
an frischen zügen gewesen zu sein, so heifst es z, b. dq/s 
noch ein rosenrother mund sich freue der tapferkeit des 
ritters den jener zum kämpfe getrieben (599, vergl. 9. 50. 
105. 569), ja dafs die enget lachen und gott frage um die 
tapferkeit Dietrichs von Kimsberg (580y.), bei dem er sich 
Dietrichs von Bern erinnert (582), wodurch wir berechtigt 
werden bei der bezeichnung des unmittelbar vorhergehenden 
Siegfried von Lindau (von Lindauwe Syverit, de was ein 
enstelicher smit 579) auch an Siegfrieds aufenthalt in der 
schmiede (fVh. Grimms heldens, 72 ff,) zu denken, wie nicht 
minder kurz vorher (568 ff,) in den werten Markolf vofl 
Larheym lach da doit, der sin herze ney geboit zu valsche 
noch zu dorperheit ein^ anspielung an den Markolf im Hede 
zu vermuten, 

JVas wir über die schlacht bei Göllheim aus den ein» 
»einen Chroniken, Albert von Strqfsburg, Ottokar von 
Horneck (ganz auf^lbrechts seile), Ellenhard, Hagen, bis 
auf Günderode, Eichhorn, Menzel, an einzelheiten^ wifsen 
hat der jetzige Kölner coadjutor Johann Geissei als dem^ 
capitutar zu Speier in der schrift 'die schlacht am Hasen\ 
buhl und das königskreuz zu Göllheim' {Speier 1835. 114*. 
8°) zusammengefcfsf^iu^h war ihm Hirzelins gedieht in der 
Düitiska entgangen, unser bruchstück fügt manchen namen 

1* 



4 ADOLF VON NASSAU. 

auf de$ Nassauers und des Österreichers seite hinxu und 
stellt uns mitten in die gemütsbewegung der zeit. 

Es sind zwei doppelblätter^ die wir nach der bezetch- 
nung ihres ßnders und mittheilers^ des vorgenannten hn 
Becker 9 A und B nennen, sie rühren aus dem einbände 
eines gedruckten werkes her welches Jrüher eigenthum einer 
klosterbibliothek zu Münster in fVestfalen war. ttrsprüng^ 
Uch waren es vier blätter; die zwei fehlenden giengenent* 
weder verloren oder finden sich noch unter zurückgelqfse- 
nen papieren in Köln. 

Von den tJorliegenden blättern schildert' A 1 auf spalte 
ab cd einen minnehof da eine frau ihren boten {den dich- 
ter?) hinsendet recht und spruch zu verlangen, ob eine 
frau, der ein ritter treu gedient, ihm, wie er verlange, . 
lohn schuldig sei: der hof, an welchem Kraft vaa Ryfer- 
scheit (63) des ritters furspreche ist und die grafen Gerart 
van Guyige (125) und Johan van Spainheim (148) urtheil 
abgeben, spricht zu recht, dqfs die frau ihm das her», 
nieki den leib, schuldig sei (122) und dafs dies anders neit 
dan düreh hüide (liuote) sines lives unde ir 6ren geschehen 
solle (122); mit welchem urtheil van Gfifenstein der minne 
knebfc (also der dichter? aus der fVetterau oder aus dem 
Koblenzischen? schwerlich aus dem Osterreichischen) fort- 
eilt: dat urdeil mir beschreven (aiffgeschrieben) wart — ich 
machie mich up mine vart: mine vrauwe ich alleine vant 
(157 — 159)9 ^^d diese ergibt sich im allgemeinen dem 
Spruche (168). 

Hier bricht bl. \^ ab. das gegenblatt versetzt uns mit- 
ten in den kämpf der beiden k'önige, koninck' Adolf und 
des van Oistennchc, und zwar unmittelbar vor Adolfs fall, 
wie er unaufhaltbar (s. Ottokar 627. Geissei s. 100) in das 
wildeste Schlachtgewühl dringt^ koninc Adolf unversunnen 
dranc, als ein mann de nä dem d6de ranc u. s. w. (489^.) — 
der werde koninc de lach doit (524). der dichter bricht in 
die frage aus wen sal ich des^ geiven scholt? alle hatten 
ihn gewählt und ihm geschworen und er war ein christli- 
cher könig, ein werther graf, ein kühner ritter der sein 
Schwert oft in weibes dienere ^ogy/g^ nehme dich, könig 
Adoif^ in sein paradies auf viele junge herren (560^.) 



ADOLF VON NASSAU. 5 

blieben da gleichfalls todt, fFilhelm von Kronenberg ^ Markoff 
von Larheim. tapfer schlugen sioh durch (575) Nafsauer, 
Laurenburger und Siegfried von Lindau (578), Dietrich 
von Kirensbtirg (580), Johann von Rijnberg (588), Äerw 
mann von IVirtbach (596), Konrad von Mayle (602). kter^ 
fnit bricht das bruchstiick ab. 

Das doppelblatt By \ a b hebt an mit dem beginne der 
Schlacht, wir sehen die banner sich rotten (178), hören 
trommeln und posaunen (179) und den leisen (In gotes aa- 
meo vareo wir 183, nicht Sant Maria, muoter unde mait, al 
unser n6t si dir geklail, wie Ottokar 626 sagt) anstimmen, 
wir sehen beide könige (254), den löwen und den aar 
(194/ 218); der voit van Rome (229) aber (Adolf) spricht 
sein gebet (230). 

Ahff sp. c hat der Romer (246) den B^heim^re (244. 
268. 271) überritten (246) und getödtet (271). 

Atif sp. d sehen wir auch den adler (Adolf) verhauen 
zuf herberge gebracht (291); der dichter ist gegenwärtig 
und fUhrt einen spruchkönig Rudolfs (von Habsburg) oh (SOO). 
Bl. B 2a zeigt uns wieder mitten im kämpfe Wigand 
von Franken (304), Gerlach von Cleve (305), den von Baier- 
land j(Zi2)^ sp. b den grafen Eberhard von KatzeneUenbo- 
gen (Z55f) und seinen bruder (364); sp. c zeigt uns fUich- 
tigCy auch das königskind graf Robert (386), daz kint van 
Nassauwe (392); nun gilt es van der ander siden (4Ö5) ge- 
fangen nehmen (4^07 ff.), tapfer wehrte sich Dietrich von 
Randeck (421), auch das banner von Eppenstein (427). 

Nach dem gange der geschichte mUste das letzte blatt, 
da Adolfs söhn Robert, der treu neben dem vater hielt, 
hier hört dat der koninc wa;re doit (395), den ausgang der 
Schlacht, da auch jener gefangen genommen wurde, dar- 
stellen, Ria aier den beginn (a das anrücken, b Adolfs 
gebet, c einen kämpf desselben mit dem B^heimaere, dem 
böhmischen sztqipan, Zawisch, und d Adolfs stürz mit sei" 
nem pferde (Geissei s. 52)), so dafs nur jenes geriicht 
(msere 394) von seinem iode zum söhne gedrungen, wenn 
die beiden blätter, ,^as auch von der bequemlichkeit des 
buchbinders zu verfnni0$k*sein vyird, würklich auf einander 
folgten^ dann reihte sich, soweit ohne zwischerd)latt zu 



6 ADOLF VON NASSAU. 

\sprefihen ist, bl, B 2 a an, wo einem nickt mehr namentlich 
erkennbaren ritter der de den anker droich (441) entgegen- 
eilt, der aber bleibt (469). nach der klage um seinen tod 
muß dies ein adolfischer gewesen sein ; auch heijst es gleich 
danach koninc Adolf yuoir den sinen nä, stich slach yäk vk 
(472 y*.), uud unmittelbar reiht sich daran sein kämpf mit 
Albrechtf der ihm ins äuge stach, wonach der rat^cif 
(de rü Georgias 509) das übrige that, was hier abschnei* 
det, nach anderen berichten aber bei Geissei s. 55 erzählt 
wird, hierauf B 2 c die klage um Adolf und d die erwäh- 
mmg der gebliebenen. 

fVir werden hiemach wohl genöthigt werden die bei- 
den doppelblätter in einander zu legen, unbekümmert wie 
viel zwischen ihnen fehlt, so zwar dafs A 1 mit der er- 
Zählung vom minnehofe begönne, ob es sich hier um eins 
der vielen liebesabenteuer Adolfs oder um die minne zu sei- 
ner Imagina handelt^ die während des kämpf es bei Göllheim 
im klaster Bosenthal gebetet hatte und den todten nachts 
auf der wahlstatt auf suchte {Geissei s. 86. 106)T eine blofse 
erfindung des dichters kann nicht gemeint sein, da die gra- 
fen von Beiferscheid, Jülich und Sponheim genannt werden, 
deren bürgen alle am Niederrhein lagen, an welchem sich 
Adol/i Schicksal bewegte; der von Spanheim führte nament- 
lich in der schlecht die Nahgauer (Ottokär 628). wenig- 
stens scheint das hier angeknüpfte' bild sich durch das ganze 
gedieht fort^uspinnen, auf B%b heifst es nach erw ähnung 
des grafen Eberhard von Katzenellenbogen swich, minne, 
swichä swich 1 und sp. d von des kanigs söhne Bobert 
schauwe, minne, schauwe dat kint van Nassanwe. aber der 
dichter wünscht sich auch, als er vom Baier spricht {B2a) 
bedde ich sinne unde kunst unde suoizer minnen denne gunst. 

Der buchbinder hat uns die blätter wie angegeben ge- 
l^\0^9 90 lafsen wir denn hier bL A 1 auch voran stehen 
und zählen danach, die blätter A sind oben und unten 
beschnitten, die blätter B blofs unten ; von letzteren dürfte 
die häl/te fehlen, nirgend steht ein punkt am ende der Zei- 
len, innert der zeilen öfter comma, auch punkt. .anfangs- 
buchstaben der absätze, die aber aoM^ abgerückt sind, roth. 

H. JF. MASSMANN. 



■■r■fc'^: 



s r 



Hie vand ein flos ein scigH 

Der minnea aizä male« ' /) 

7 8i iB vreade vode quäle ; 

Bitter herzen grfindis: \^ 

Si is vreude vreudis vnndis, :'^' 5 

Dey troiste in herze sendit '.i 

Vnde alle sor^e swendit 
Vnde lichtit swair gemude. 
Ir munt Tol rosen.rude 

Kunde mich ane sprecb^i. 10 

Durch min herze nebyl brechen 
Began ir engen sminen glast 
*An sich gehaft vn gefaasC 
Sprach si 'hait dey minne / 

Min herze vnde mine sinne« 15 

Dine zucht mich eit des meide: 
wach, na deynstes gelde i 

Eyn ritter zu nnr sprichit* i 

Wy krenkit vnde brichit i 

Min herze reychie in mitten. -j 20 

In der ritterschefte smitten 
Hait hey gew^kit reyehte rn eyn w^rc. 
Dey warheit hait des geyn verberc? 
Sin suysser liif nä loyns gert. 
Wye wurde hey des intwert? V 25 

r Wye hedde ich dan gevaren so? . 
Min herze in wurdis n&nmer vro. 
Ouch träwe ich emer berume mut. ; 
Sin heyser sweis, sin eydil bl&t 
Mit sines gudis koste rieh 30 

Vmmer royfent oner mich 
Vnde royfent v&r d* minnen throyn^' 
Geyne ich eme ouch deynstisv loyn* v« .i^ ' ^^ 
Vnz beyden dat gar na hey lyt^ , v. Ah 

Vfir verlfiste vns mache quyt ti 

Gut gel&ste vnde dye hoiste hant$ 

I. durtktthniitten. vand «iMf^Aw. 15. nach «ehaft. cosima. 



8 ADOLF VON NASSAU. 

Ich meynen vnser beyder pant: 

Dat is sine ere vnde sin lijf. 

Nfi dichte seine vn schrijf, 

Wye ich min herze hey tösge drage. 40 

Mit träwen rait ynde sage, 

Wy ich also weme 

Dat sin loyn neit verdeme 

Ynde wir beide sicher sin 



Lant mich Trage vnde sayn, 45 

Dye de minne kunnen drayn, 

Dat si mir geynen lere 

Wye sin lijf vnde fr ere 

Vnverlustich muge sin. 

Vil mangis rudis mundis scbin, 50 

Dye herze kunnent heylen, 

Solen mir helpen deylen/ 

'Du en Salt beyden langer 

Sprach si: 'mir wart ney banger. 

Den wech salt du wenich sparen 55 

An ien dich dis wil wail erwaren 

Dey wissen vmbe minnen reicht, 

Id si ritter oder kneycht/ 

Minen wech ich hin reichte mas. 

Zii lanc gereiche di* minne sacz. 60 

Van deme perde ich an gerechte trat, ] 

Eyne vursprege mir geynen bat: 

Min hirre kraft van ryferseheit 

An minen werde da erscheyt: 

Hey verdingende sich vn mich, 65 

Gespregis gerde hey weder mich. 

Ich nam den ritter up eyn ort 

45 ff, hier spricht wohl der böte, der minne kneht (157). 
45. durehsehnitten, man sieht nur vrage. 48. nach lyf eomma, 
61. trat fast erloschen. 63. Re\ferscheid in der E\feL 64. fast 
schimmert erscheyn [erocheyn ist wohl richtig und ryferseheit in der 
vorigen zeile ein schreHfehler ßir gryfensteyn ; s, 155—157, wo 156 eine 
Parenthese enthält, 157 mt'^ 155 %u. verbinden ist und den sats besehlüfftt. 
danach ändert sich inhaltsangabe und Vermutung oben i. 4. Mpt.] 



S^ 



ADOLF VON NASSAU. 9 

Vnde sachte ene alle mine wort, 

Dar ymbe ich dar was gesiant. 

Miner vraawS neig hey zu hant. 70 

Hi* sp"ch 'di* reyde is mir wale sleght, 

Ich verstayn mich up d* mine reght: 

Vur den yranwen allen 

Muis vns dat vrdeil vallen/ 

Zu hant hi* an gerethe geynck, 75 

Sine wort hi* sus ane veynck: 

Hey sprach 'eyn bode is gesant 

An dit gerethe durch manich lant, 

Deme in kan ich doch neit kome bi, 

Van weyme hey her gesant si. 80 

Bi deyme stayn ich eyne 

Eyn vrdeil al gemeyne. 

Hey bescheit an gerethe hey 

Sine wort, di* mich sagen wey 

Eyn ritter hait gedeynit vil 85 

Eyner vrauwe, des hie haue wil 

Loyn na siner wirdicheit 

Dey hey in-mangen lande droit 



c 
Gequetzit vnde verserit 

Is des seinen ritters lijf. 90 

Des geit eme des eydel wijf. 
Mit den vrauwen sich besprach 
Reychte als das dat vrdeil sich v*iach. 
Man zalte her, man zalte dar. 
Dey warheit nam des endis war, 95 

Als man an minnen reyche vant 
Dey vrauwen geyngS alze hant 
Weder an dat gerethe. 
Hien trurich herze dichte, 
Wye si dort her swungen, 100 

Wye vür der vrauwen- drungen 

75. es steht hans gerethe steht auch 78.* 83. 98. vergl» 61. 

88. 89. durchschnitten. 91. Des — ' de»] s. 188. 94. vur und 
nach her eomma. 99. so» 



ADOLF TON f^ASBAU. 

Dyo kanere driac a driiick, 

Mit wisen steyoen swino a swinok/ 

Wye vfirieb ougen blicke. 

Rode oiändelin neic zu dicke 105 

Vaa vures varwe schine 

Vp ritters heyze pine 

Sunder lachgeliohe. 

Da gesayssen alle geliche 

Bittere vnde vrauwen. 110 

Nu sal man wunder achauwen. 

Vp stoynt der eydel lijf wol zart, 

De yrauwe, di" gevragit wart: 

Si sprach aUas ''eyn vnd^scheit 

Greit mir der massenie sin, 115 

Als ich al hey gelerit bin. 

Ich bin alsos geleret hey: 

Deynst gerde loyns hey. 

Der ritter hait gedenit vil. 

Ist dal eme gen&gen wil 120 

Also dat dat eydil wijf 

Eme ir herze deylit sunder Ujf 

Mit sinne vnde mit muyde 

Vnde anders neit dan durch huyde 

Sins liues vnde ir eren, 125 

Wil eme den loyn neit meren, 

Hey hait wail rechtis lonis zil. 

Yurbas ich uch sprechen wil, 

Dat sal an siner knre steyn : 

Si in mach ym anders neit intgeyn, 130 

Hey in solde he lonis sin gewert 



d 
Eyn alder heyden sprach hey vor 
'Quid non sentit amor?* 
Minne ist gar. behende. 

Ich wene, alle wende 135 

Dey minne vmbe luge. 
Zu minnen horit vuge: 
iZ%, durehtehnitten. 



ADOLF VON NASSAU. tl 

Sijn vnde behendioiieit ■• f 

Of di* zu rechter schanzd drmt 
Eyn deil dugenthaftis wijf, 140 

Ir ere vn irs vr&ndis lijf, 
Yuuerlustich mogent sio. . 
Ich begiedes bi deme eyde min 
Vnde bi der mianen krönen, 
Si sal vmmer deynstes Ionen/ 145 

Den vorten min yarsprege neic. 
Dye minne da neit langer sweic. 
Van guyige gr^ne Gerräert 
Der vo^e da gevragit wart. 
Van spaynheym greue Johan 150 

Mit eme vi*l oisch dar an, 
Vn der ritter massenie gar, 
. Mit deme reif dye volge dar 
Yil manger yrauwen roder raüt. 
Min vursprege noch da stnnt. 155 

Den dächte dat yrdeil also reycht. 
Van gryffensteyn der minne kneyt, 
Dar yrdeil mir beschreuen wart. 
Ich machde mich np mine yart. 
Mine yrauwe ich alleyne yant: 160 

Den breif sumchte ich in ir haut.' 
Dat ingesegil si besach, 
Dat ouch der warheide iach. 
Dat druchde si an eren munt, 
Dai' ane eyne gülden strale stänt, ' 165 

Eyn belhunt up lasftre 
Na der minnen euentfire. 
Si sprach 'sint ich eme daii tone sal, 
Kunde ich den loyn dan breng^ wal, 
Als ich yan herze eme ganl 170 

Eyn suysser iyf, hey leyuer man, 

138. nach Sgn (= sin) eomma. 140. Byn eydil?. 141. nach 

ere comma. 146. /. Worten 148. Jülich. 150. Spanheim 

{Sponheim) in der Pf ah, an das Zweibruekitche grenzettd. 
157. /. kneycht . 158. /. Dat iW. ich] mieh, n^ korrigiert. 
161. /. SBsehte - • *'* •* ■' 



\t ADOLF VON NASSAU. 

Wye maeh ich dir doch wedUegen? 

Wenich spranc vn hegen 

Kans du lijf vnde goyt 

Nei ritter ritterliche droyc 175 



B ia 
Dye schar vn dey baneyren 
Begunden sich rutteyren, 
Tamburen skch, basunen schal, 
Dat her sich wegede ouer al 180 

Des Tsz zoygens ane wanc. 
Den le(y)sen man zu velde sanc 
'In gotis namen varen wir/ 
Hey weinde manger, gel5fdes mir. 
Sine Sunden, dan smen lijf^ 185 

Sine kint vn ouch sin schone wijf. .;. 
A.voy ouch wechte d^ viande her. 
Wi* geinck d(e)s segil in dat mer. 
Also gein(t) dey b(an)eren zu. 
Ey was d(er) and(er) koninck du: 190 

Vp orse h(i*)U hey strides gar. 
Var hermlin eyns lewen war 
Nam ich, up kelen dar gestracht; 
Vn genck des aren adel macht 
Der lewe climmet vn streyuit: 195 

Dat ors dat weigit vn leyoit, 
Schar de erde, beis den z5m. 
Der vurste sund* sohriches s5m 
Heilt hey behagel vn fier, 
Eynis stolzen herzen solde gier. 200 

Mit troiste kan hi* dye sine manen. 
In sine hant nam hey den vanen 
Vn beval in eyme ritter wert. 
Der eren dicke hait gegert. 
Hey sprach 'nim, ritter hegemuyt, 205 

Minen vane, lijf vn ouch mi guyt 

173 — 175. so, iS%, runde klammem bezeichnen buchstaben die in 
der handsekrift ausgebrochen sind. 186. nach kint comma, 

19%. /. Van 194. /. geyn und adelmacht ^00. /. soldegier 



ADOLF VON NASSAU. 13 

Miner eren schrin, mins landes heil 

Hins • . d d(ei)l 

* 
Den heim sturtzit der vn der. 
Hef wan orsen grois getwinc 210 

Hye zu vrunde drinc a drinc. 
Sich beval ey maych deme mage 
'Hie lach vaste vnde wage 
Lijf, guyt, sele vn ere. 

Ko . . vz ich mere 215 

Da^ la(is ic)h sin. des was genuch. 
Awoy eyn ors dort herre druch 
Den man den lewen vn aren. 
Geiszheten kunt is vn bam. 
Dar np was ouch reyche gelimip. 220 

Hey geynck ouch ernst vur den schimp: 
Id koste me dan eynen pagen. 
Gayn eyn zoygen vn wagen 
Sach man baneir van beider syt. 
We hey tuschen ueder lyt, 225 

Ich meynen zu vergadernngen 
Vnder orse samenungen, 
Der melm moys wyere da sin dach. 
Alsus de vait van Rome sprach .;• 
'Cot du wunderrere, 230 

Beschirme mich sundere ! 
Zu vnrders hude de ere min. 
Ich laissen an dinen genade sin, 
Wye is kome vmbe den lijf. 
Byede kint vnde wijf 235 

Beueijle ich diner gude. 
Yerli mir eyn gans gemude 
An geI5uen vn an ritter wer 
Ich en vorte neit der viande her 
Lais mich .... d ...... . 240 

J^IO. /. Hey wat ItVd. es steht vare [/. enw&ge Hpt.] ;^14. nach 
Lyf eomma, 1^15. Ko(me) v. i. m. [eher kom dk üz iht m^re, ffpfJ] 
!t\S. nach lewen comma, ^35. /. Beyde {Imagina und Robert) 
239. vorte] vorhte ^0. abgeschnitten. 



t» ADOLF VON NASSAU. 

. , c 

Vnde van herzen dar geheiztit, 
Si erstupet vn erse^tit 
Stolzelicbe gewerder arm. 
Deme behefoi was zom vn härm. 
Want h]re dat vnsanfle leit 245 

Dat in der Romer oaer reit. 
Wey wi stolzeliche dar 
Dye vlogel erswanc der adel ar 
Ind gayn des lewen olayn hie. 
Wye doynt de ors ! da mudet sie : 250 

Si scument vn demppent 
Vnde ouch sere wrempent 
Sich van mangen wunden, 
Dey t&ninge beyde hayn beslayn. 
Nu mussent säehten vn clayn 255 

Vnde vlein gode vmb ir lijf 
Alle reyne suysse wijf. 
Dye ors in beyden lagen doit. 
Des iamerde mich ir beyder noit. 
Ir beyder ellent dat was starc. 260 

Vnder in sich eyn lewe barch, 
Der onch geyn deseme lewe vaeht: 
Sulzger kouerunge macht. 
Halpt up eyn ander kastelayn. 
Deme Romer: da war is gedayn, 265 

Als hey is ouch hait gemachil me. 
Ouch duyt mir dat vallen we 
Dat der bebeym neder viel: 
Vsz sime yedelen verge wicl 
Eyn vrsprunc hcis vn roit. 270 

Do lach d^ beheymm^ vur dem rom* doit. 

d 

Mine vreude di"" movs wMen twert: 

« 

J243L so. ^44. der Zawisch, Szuppan von Böhmen, mit ^00 reisigen 
(Geissei s, %9). ?50. nach ors und ^5!2. nach Sich comma, 

!261. wer führte dies wappenT ^63. doch wohl Sulgher {wie 467) 
264. /. Halp !265. nach Romer eomma. v war] /. was 

269. yedelen == eydelen, edelen. 271« Do lach d* starh besohniUeiu 
272. die über der »eile nachgetragen, L twerc. 






»• 



ADOUe VON NASSAU. t& 

• 

Ich seyn nu in din eydel fert 

Vnde in dine reyner wunde vios. 

In iamer bougen vn flois 275 

Mus 44>li:inich ymme sleissen 

Vnde mine ougen sich ergeissen. 

Vp deme orse hey wenede vn wanc 

Van wunden vn i» iamer cranc. 

Van der walwart beygevurt. 280 

In hadde manich swert gerurt. 

Metzer, speis vn sch(o)s. 

Dat ors begois de(r) wunde vlos 

Dat id van Müde (doi)i seig, 

Van me orse hey ned(e)r ste(ig), 285 

Dat hey zu herbergen qtta(m). 

Dye waypen man van eme iiam 

Bludich vn zu baawen. 

Dar geynck man vaste schauwen 

Vn dis mine ougen name war 290 

Vp golt von zabel eyn adel ar 

Was geslayn vn gelait: 

Van me riebe hi* dese waype drail; 

Van arde hi* an deir waypen bait. 

Eyn lewe in hober werde stait 295 

Van kevle up golt gestain, 

Den bi"" vil dicke hait gedain 

Herzen : schickes lere. 

Hye ist eyn rieh bürgare 

Koninc Rodulf, dey d^ kröne pleVgit. 300 

Wisset dat bi* bait geseigit 

Eyn lewe, eyn riUer vnde eyn ar 

(fi) d • • 

B 2a 

Hey beist wigant van francken, 

Of Geirlach van kleen: 305 

273. /. ferc (s, 269) 275. nack boogen, 279. nach wänden, 

282. nach speis comma, 279. /. jamercranc 294. /. andeir 

(ander) 295. in] «in, aber a ist ausgekratzt. 296. kevie=kelt; 
193. 296. /. geslain 298. /. schrickes 302. nach lewe und 
ritter eommata* . 303. weggeschnitten^ . r 



( » 




^ 


16 


ADOLF VON NASSAU. 

Man sach si rilierliche stecn. 
Ayn, dat ich in h'zen iamer drayn, 
Owi owi wolde ich »ayn 
Van eyme hiirc wandcls vri — 






In rucke wey der selue si — 


310 




Hey droych in sincr werder hant 






Den baneyr van byeger lant. 






Of der baneyr bleue da? 






Ja si siclierlicbe ia. 






Si vuyrte eyn rilter in d' hanl, 


315 




Deme vleyn isl vcle vnbekant: 






Dat wissent sunder lougen. 






Hei dreil uocb vader ougen 






(leb spreche iil sünder smeychen) 






Die rechte stridens zeygen. 


320 




Ingesegil vnde hantvestc. 






Vnr wair bey was der beste 






Hye her van vnser sideu. 






Man sach in vil wale striden, 






Biden vnde halden, 


325 




In groysser eren walden. 




, 


Hedde ich sinne vii kiinst 


^ 




Vnde suysser minnen dene gfinst. 






So wolde ich in vyseyren. 






Hei geinc mit deme baneyren 


330 




Ey bas vnde bas da drängen. 






Vmbe sinen heim erclimgen 






Hortte her vü der swerte, 




^' 


Vp der reychter verde 




Want man den eidelen vorlauft 


335 


PVi.* 


Des alden vnde des wisen. 


' 


Ouch müys dey werilt prisen 




F- 


Den milden vd den reynen. 






Wissent ir, wen ich meynen? 




308. nach C 


Iwi eomma. 310. lu rScke — kho ruoclie 


212. /. 


BeyerUnt 


316. viejn] vergl. 356. 321. nach Ii]Sese(^l comma. 


331. Ey = 






k 


-% 







r 


ADOLF VON NASSAU. 


17 






Dea, na der scbiimferturcn 


340 






So lange künde diiren 








Slende in ritterlicher wer. 








Eyn grois conreide, cyn michel her 




, 




Begunde inlgayn eyn bpochen. 








Sin swert dat was zu brochen. 


345 






Als sin ritter art in heis, 








Den heim hey up dat boyft steis. 




' 




Sin ellent ouch zu wenJch sieif: 
Mit denie melzc licy si anc leif 








AI biirlen in der viande schar. 


350 






Wyc driuige si in her vii dar! 








Si driiugeu in mit gioisser noit 








Dal hey de hant vorls sU^cke holt, 




, 




An ganzen eren vmbe drogeo, 








Der Slam van kalzeneilenbogen. 


355 


^ 




Eyuerart de süysse greue: 
In geinis valscbes heue 




» 




In sime herzen ney geveii. 




^ 




Dem konincge da des ricbes crone (veil), 








Do hey van sime rayde scbeit. 


360 






Hey slöioh in doit, de eme dat reit. 








Swicli, rainne, swich a swich 




' 




Vä (lerne seliie stamme ein blü(des zwiuh) 




[ 




Ich meyne des greuü broder d» . . . 








Na sime arde künde hey d . . . 


365 






Hey deyde so ritterliche w(erj 


^H 






Dal vor eme weich der v(iaude her> 


■ 


c 


^ 






. , . j . c . reychter zyt van ym sIeich, 


^ 


i 




(D)at is mir Iierzeiiclie leil, 




%■ 




(Vndje van eme Diichtich reit: 


370 -«r 




(D)at hait van brübach deyderioh 




üs^e. 


^ 


Den der 3iS. metze] vtrgl. mclinr 2S2. 


53. /. 


K«bedr<H;en 




Geliiel 


Hm«, 3. 


103, 35=. 371. Braubach (Breubach) im heraogthum Nat- 


^^Bifc, am 


M 


ein an der greme der grafirkaft HitUeneüenbogen 
aubaeh war Ado(fa ;.eiigm«Uter. 


<hr- 


^KpA von 


Br 


^H 


H.Z. 


D 

1 


A.^UI. 2 


J 



r*** 



ADOLF VON NASSAU. 

(Aljso wale bescheiden mich. 

(ya)a schoinecke niiii h're konroH 

Der Duchle gat' in gefne rait, 

(W)anl eine liprzeliche was It-il 

(D)at ey ir gein danne reit. .;. 

Jft.wi" des adel aren barn 

Vil ritterlichen kunne varn. 

(Na) der ritlerscliefle vesle er zeuch. 

(Na) sime arde vmbe trouuh 

(Al)s des adel arcn kint 

(Gey)n der sfinotin schine weüioh liünl, 

(So) kau dey reychle dar in uol sLarn. 

. . n sach in swimme vn varn, 

(Dat) hey niiist sin d' werill wert: 

(Des kjonincges kint grcue Roprcrt' 

(ya)n dir in dar ich ncit spreche nie, 

(Wan) ich wünsgen dal id dir ri-f^e 

(WeyJ ich mir seine giinde 

(Vn i)ch wale whnsgen kiindp. 

(Sc)hanwe, minne, schnnue: 

(Dat) kint van nassauwe 

(Sai)ch man in den vianderi wayii : 

(Du) eme de mere hrirLe sayii 

(Dal) der koniuc werc doil, 

(Den he)lm hey zii me hoilde boil; 

'(Vnde) is min hirre doit geli"ge, 

(So willje idi dan leydes pli'gen, 

fiint bliuen hey,' 

d 
Ja her, sicherliche. 
Min hirre Johan rilierlicbe 
Künde sine war dar langen, 
Bis dat hey wart geuangen. .;. 
A.lreirsl sach man stride 
Vau der ander sidcn. 
Das . . t van wenBte vasle geinc. 



373. Sahoneck im TrierscAen, in der Effel. 378. /. künde T 

386. /. Ropcrl 31)9, leydes durchlöchert und tu>et/clhaß. 

399. abgerißeit und bfscknilieii. 406. Das . . t erloiehen. 



^, 



- * 



ADOLF VON NASSAU. 19 

Maa sluch) man stach, man veync 

Wat noch da der viande was, 
* De geuangen man up vaste las. 

We wie ritterliche hWt 410 

Eyn ritter, de des vanen wMt. 

Ich neymen dat up minen eit, 

Lege ouer se dey cristenheit 

Intgain der heidenheit geschart, 

Di^s doofes vane were hewart 415 

An deme r(itter), de müde» vidi 

Lies ouer ore eit dringe sich. 

Neyn sin vorder df&ch, sin stolzer hurt 

Magde in de viande mange fürt. 

Wolt ir wissen, we dat were? 420 

13 was der randeckere 

Deyderich, geborn van riitfer art. 

Den vanen up die reychte vart 

Kunde richten vn wisen: 

Also dat müssen prisen, 425 

Sinen eilenthaften lijf 

Ritter vnde guijile wijf. 

Bi deme vane gelichis scheyn 

De baneyre van eppensleyn. 

Hait ir ere wd gehandel sin? 430 

Dat dunkit mich wal mogelich. 

A 2a ^ 

9in swert flamnieret an nn imnt, 
'Als id van vare were verbrant. 

Der viande samenunge 

Leyt skw vergaderunge - 435 

'409u flNNdk «läcfa und nach ftacb commata* 416. An deämr . . . . , 
■'•de -: 417. eit = iht, niht 421. RandMTan der Mmükl. 

423. Den =z De den 429. vergL Diut, S, 321. vom geschlechte 

Eppensieim war Gerhard, der erzbtschof von Mainz, welcher die 
gmute Wendung der terhältnisse verschuldet hatte, und nachdem er 
Adolf, seinem nahen verwandten, früher duteh alle mittel sehlauer 
übeft^OHkfmg zur wähl verhoifen, jetzt wider ihn war, ihn abge- 
sst$tt wäl-nun seinen gegner Albrteht von Österreich gewählt hatte, 
4S0. naok' ere comma, l, gehandelt sich 481. abgeschnitten, 
432. durehsehnitten, 

2* 






20 ADOLF VON NASSAU. 

Vnmayssen ritterliehe 

Mit eyner hurte riche. .;. 

"UTare, here, war a war! 

Vä der and^ siden vur de schar 

Eyn ritter ouch mit sporin sloich : 440 

Ich meynen, de den anker droich. 

Sin ors ho vnde stolz 

Quam noch sneller dan eyn bolz 

Also mit sporen dar gemeint. 

We wyc gefastet vn gedeint 446 

Zunt in siner hant dat swert. 

Hey quam als hey der viande gert. 

We id wolde mirken, 

Sin swert geinck wol dar w^ken, 

Hauwen vnde schimmen, 450 

Ganstren tnde gelimmen, 

Wunden vn seren, 

Van ritteren line reren 

Ir werde lüde spene. 

Ob hei dat wail id bene 455 

Mit sime stolzen hurte? 

Ja in der viande fürte 

Gein hey der broste 

Vn rosten vnde vntrosten, 

Wen hey gayn im sach riden. 4^0 

Wisset dat sin striden 

Ynd ouch sine ritteriiche dait 

Den vianden yele geschadit hait. 

Van siner dait sade ich ach me, 

Want dat mir iamer deit so^we: 465 

Jamer krenkit mir den sin, 

Als ich gedencke reychte an in. 

Her künde sulgher werren pleyn, 

Were hey doit da neit geleyn, 

Her were nümer worden qaijt 470 

Der eren van beyder sijt. 

436. Vamayssen] y Über der zeile nachgetrabten, 441. welches riU 

tere wappen^ 454. 455. so. 458. /. -OeiBC — brosten 

459. Va rosten] gemeint ist wohl nnrnsten, nicht anraBten, anresten. 



ADOLF VON NASSAU. ' 21 

Koninck adolf voyr den sinen na 

Stich slach va a va. 

Dat weyder was ynmayse heys 



475 



Ob mannit wieder drungint 

Ja a kouerünge 

Brachte eyn weder dring6n. 

Man horte swert erclingin 480 

Vn sach dye konincge strideo, 

Dey zagen danne riden. 

Wye mir mit vragen komit bi, 

Wey geriten danne si? 

Gein deme in halde ich geyne baich: 485 

Ich weis dat in geyn min maich 

Noch gein minre birre danne reit. 

Were dat gescheit, dat w^re mir leil. 

Koninck adolf vnuersunne dranc, 

Als eyn man de na dem dode ranc : 490 

Hey suchte den van oistenrich. 

Van dem hey zu hant kirde sich. 

Mir sade eyn ritter, de id sach, 

Dat hei in vnder ougen stach. 

Hey sach intgayn eme dringen 495 

Zwenbrucke vn linningen 

475. 476. durehschmiten. 477—479. so. [481. /. koiiin=kiieneii Hpt.] 
485. baich] d, t. hke (: m4c) 491. obtenriche, aber das zweite e ausge- 
kratzt. 492. hey über der seile nachgetragen. 494. vergl. 318. 
496. Zweibrücken und Leiningen {im fFesterricK) hielten zu Jlbreeht 
(fieUsel 1. ;^8. 31. Diut. 3, 321). über den rauhgrqfen {eomes hirsutas) 
oder die rauhgrafen, den comes de Gemino ponte (496), den comes 
Silvester oder quidam miles s. die stellen bei Geissei s. iÖXff. der 
graj von Zweibrücken 'ertrank bald daraxif in der Blies, der graf van 
Leiningen wurde wahnsinnig, der wildgraf wurde von seinen ei- 
genen leuten umgebracht, der erzbischof von Mainz fiel bei tieehe 
plötzUeh todt aus seinem sefiel (fieissel s. 109). dies alles, nms d^ 
zeitf und auch noch Königshofen, als strafe ansah, hatte unsier^'Ü ^ 
ter in seiner klage auch erwähnt, wenn es schon geschehen gewesen 
wäre, er dichtete also wohl unmittelbar nach der sehiaeht. 



-ti 



« ADOLF VON NASSAU. 

Vn dey baneyr van veldenze. 

Of sich dat spil eit schenze? 

Sich schenzit leider vn dat spil: 

Ruch vnde wildegrenen vil, 500 

In der konreide hey sin slois. 

Sin hoyft was des helmes blois. 

Als hey den ruwen greue sach, 

'Her min ors' vn sprach 

'Ich seyn hey den reychten stayn, 505 

De solen vnder sin gedayn: 

Alher wir willen sücken sie/ 

'Ja man vindit vns alhie' 

Sprach de ru Georgias: 

'Dem dinge is rechte nü al das 510 

Wir nu komen op dat velt. 

Ir vindit hey stridis wider gelt 

Van vnser massenie. 

Dye swache vadie, 

Den wirt van uch han geleden, 515 

Des in wirt vr vert hy neit vermeden. 

Rintfleiz vnde gudemare 

Dar vuirre is vns vmmere, 

Wat vns den schaden han gedain 

......... (u) .. . hain 520 

c 

(ein bro)chen. 

(E)me wart dat ors gestochen 

(0)wi der jemerlicher noit. 

(D)er werde koninc de lach doit. 

(W)en sal ich des geyuen scholt? 525 

(D)ye vursten hatten eme gehült, 

(B)eyde gemannit vn gesworen, 

(G)emeyne hatten si in gerkoren 

497. Felden% aitf^ dem Hundsrück, Mtoisehen Trier und der grqfseht^fi 
Spanheim, vergl. Diut. 3, 321. 499. vn] /. nv 501. so. 

&03. /. de 505. /. de 509. vergl. Diut. 3, 3:^0 ]>er raeh|n^ye 

von Stolzenberc Jörge und der von Liebtenbere Der edele werde Jo- 
ban. 515. /. wir bUtO. 5121. fast ganz weggesehnittenn 

521. (ein br)o«b«n] vergl. 344. 



ADOLF VON NASSAU. 33 

(V)n in weis neit, wey sin reynis leyue 

.' . at ist an dat re gegeyuen. 530 

(I)ch muys den ri^^nsn konine clagen, 

(W)ant an eme wart erslagen 

(E)yn cristen koninck, ein greae wert, 

(Ey)n ritter kone, de sin swert 

(In) wiues deynste dicke erzoych. 535 

S(in) eydil herze was so hoych 

(Da)t ney geyne vndait drin inqnam. 

(Ich) wille deyme dage weysen gram 

(Dat i)n dey sänne ey bescbein, 

(Du e)ine begangeti wart de meyn. 540 

(Ow)acb dat hey des neit in genoys 

(Da)t ia des crismis flos begoys 

(y)n de kröne wart sin hoifdis dach! 

(y)an des rade dat geschach 

(D)at hey sus is doit geleygen, 545 

(D)e in künde neit guder witze pleygen 

(0) koninc adolf, bo gebore bluit, 

(I)n d^r minne zwyge schone id bl&it. 

(D)u brehte ritterschefte fluich^ 

(H)itter^ ellent, wiues schuch 550 

(y)an dime reyme liue scbeyn« 

(Bi) namen du were ye der eyn, 

(D)e ritters orden reychte deyde. 

(G)ot durch siner. müder beyde 

(D)inte eydel sele wiue 555 

(Z)u deme vronen paradisel 

(K)unde ich vär iamer sage me, 

(S)o sade ich wye id den seinen ge, 

. . . de bi eme leden noit, 

(W)ey dri iunge hirre läge doit, 560 

(V)an den ich nu zeirst sprach. 

(O)wemer vnde owacb, 

(D)at ich ir eynis hayn gedacht: 

(D)at hait mir nuwen iamer bracht. 

530. (D)at it is? 555. /. wise 550. (Den) de? 564. am 

ende weggeschnitten. 



i 






24 ADOLF VON NASSAU. 

d 

Eyn iunc arme man doit da liget, 565 

Des iugent brachte gude werc 
Wilhelm van krönen berch: 
Markolf von larheym lach da doit, 
Der sin herze ney geboit 
Zu valsche noch zu dorperheit. 570 

Ir sült wissen dat hey steit 
Reychte als eyn ritter solde: 
De lach doit^up der melde. 
Dey andren, dey d« leyfden, 
In groysser noit si streyfden 575 

Vn schreyden durch d* viande dor, 
Nassanwen, yuilen, l&res borg, 
Vö lyndauwe syuerit 
De was ein enstelicher smit; 
Van kirensb&rg deyderich, 580 

Deme andren defderich gelich 
Dye van berne was genant: 
Sin swert dat geinc an siner hant, 
Dat got seine vrachde mere 
■*We der ritter were; 565 

■,»■ Dey engele musten lachen, 

Dat hey is sus künde machen: 

Van rijnberg her Johan 

Stoynt reychte als eyn man. 

De sich der viande kfinde neyren ; 590 

Eyne sicherhi*'t mfist in doch ueyren: 

Noch dan stoynt hey zo bile 

Vur in eyne lange mile. 

Phia phia phiel 

Si nennent in der vrie. 595. 

Van wirtbach faerman 

De viande geinc affinen an 

667. Kronberg in der JFetterau¥ 57i. /. streit 676. /. d&pch 

de viande dopg 577. schwerlich Laurenzburg im Jachenschen, viel- 
mehr Laurenburg dessen grqfen von 1160 an den namen Nassau ßihr- 
^ ten {Geissei s. 69). 578. /. Vn van L. oder Van L. 579. /. en- 
SesÜioher 588. RAeinberg im QlevUehen. 597. alunen Pars. 



ADOLF VON NASSAU. - ^ 25 

Als eyn ritter hey ouch stunt. 

Des lachet noch eyn rod* mänt. 

Des gru$se leche dar zu dwanc ^ 600 

Dat sin swert so lüde erclanc. 

Van mayle er Conrait 

Sine ere wail bewart hait. 

D^t wissent sicherliche, 

Hey streyt gar ritterliche 605 

Dey bi eime war waren, 

Kunden so gebaren 



337, ^0. Ufr. Tritt. 2489. 608. ahgesekmÜtBn. 



SECHZIG RATHSEL UND FRAGEN* 

Versinnlichnng des geistigen, vergeistigung des sinnlichen, 
personificierung des unpersönlicbcffi, verschönende erhebung 
dessen was alltäglich vor uns liegt, alles das gehört zum 
wesen des räthsels, wie es zum wesen und zu den nutteln 
der poesie gehört ; und so möchte kaum ein y*i)i sein das 
poesie besäfse und keine freude an rathseln. ab€f>or allen 
zeigt sich die deutsche poesie, die ältere wenigstens, gftnz 
durchdrungen von einem zuge nach räthselbafter anschauung 
und rede, die litterarbistoriker zwar nehmen keine notiz da- 
von : Gervinus in seinem grofsen vielbändigen werke berührt 
diese seite mit keinem wort; und doch haben wir in zwei 
gedieh ten, die wahrlich nicht unbesprochen sind, augfilbiallige 
auslänfer jenes zuges, im Traugemundesliede* den vdlksmä- 
fsigen, im kriege auf der Wartburg den gelehrt -meistersän- 
gerischen; und doch streift das räthsel dem inhalte wie der 
form nach an das lügenmärchen (der Tannhäuser vdH. 2, 97^ 
mischt lügen und räthsel neckend untereinander), das Sprich- 
wort (vergl. unten 52), die prianel (31), die gnomische poe- 
sie überhaupt (vergl. 4. 5. 47. 53. 55. 56 und die räthsel bei 

* Jac. Grimm altd. wäld. % 8 ff. schreiht Tragemunt, wie im Grendel 
steht, die handschrift Trovgemunt, bei einem entstellten fremdworte 
wie dieses ist (mittellat. dragumanus drogamundus dolmetscher, ci- 
gentUcb Tarkomane) seheint mehr als eine form zaUibig. 



p^. 



' 4 



26 ' RÄTflS£L UND FRA6BN. 

Reinmar von Zweier vdH. 2, 187*. 192\ 21 1\ 21 7^ 221*)5 
und doch giebt es rätbsel die man ebenso wohl liiärchen nen- 
nen könnte (58), und in märohen sagen und alterthümlichen 
rechtsgebräuchen unseres Volkes wiederholen sich fragen 
und befehle und besümmungen von absichtlich räthselhafter 
Schwierigkeit und unverständlichkeit (3. 50. 59. rechtsal- 
terth. 255. 257 ff.). 

Ich wünschte das interesse welches diesem nach die räth- 
sel verdienen durch nachfolgende aüswahl von neuem anzu- 
regen, sie beruht auf einer alten Sammlung in kleinoctav 
oder sedez, die unbetitelt und undatiert, aber, soviel aus der 
Schrift zu entnehmen, anfangs des 16n Jahrhunderts zu Augs- 
burg bei Hans Froschauer gedruckt ist. dahin weisen auch 
die sprachlichen eigenthümlichkeiten ; nnr derraten 21 für 
erraten ist mehr bairischer und fränkischer art. wie sich 
dies rathbüchlein zu dem von Görres volksb. s. 175 angeführ- 
ten verhalte, ob vielleicht nur als das ältere original, kann 
ich, da jener neuere druck mir abgeht, nicht bestimmen ; von 
dem Strafsburger räthselbuche das Panzer verzeichnet (Zu- 
sätze zu den annalen s. 25) ist es verschieden. 

Eine auswahl also : sechzig von mehreren hunderten, so- 
viel eben höthig schien um das ganze farbenspiel dieser dich- 
tungsart, den leichtsinn neben dem ernst, die ungescheute 
derbheit neben der zartesten Zierlichkeit, zu characterisieren ; 
was minder bezeichnend, so wie manches das jetzt noch gäng 
nnd gäbe ist, habe ich übergangen : so die allbekannten räth- 
sel F'ier bain erwäscht ain batn; Es flog ein vogel feder* 
h/s; Was hat sein btlsem vol stein. 

Von einer art rätbsel, deren mir aus früheren Jahrhun- 
derten keine bekannt sind, zeigen sich in diesem raüibüch- 
lein die ersten und gleich auch reichliche spuren: es sind 
(der unterschied geht ziemlich sicher durch) die nicht mit 
Rat, sondern Ein frag eingeleiteten, hier ist weniger poe* 
tischeS'; auch die reimform mangelt: die hauptsache ist ein 
neckender witz, mitunter auch ein Wortspiel, und die anf- 
lösung ist mehr durch conventioneile willkür bedingt, nicht 
wie bei den eigentlichen räthseln die nothwendige sunune 
all der poetisch umschreibenden einzelheiten oder der natür« 
liehe träger des angegebenen merkmals. dergleichen fragen 



RATHSBL UND FRAGEN. 27 

also finden sich hier zaerst; auch jetzt noch isind sie allbe- 
liebt; für das 17e Jahrhundert bezeugt sie Paul Fleming 
(poet. wäld. 4s buch) als ein geläuGges unterhaltungsmittel, 

der giebet rätzel auff, worein wol alles geht; 

was lieget, wenn wir stehn, und wenn wir Hegern, steht; 

wariimm man käse schabt (29). was eine bunte xiege 

wol habe vor ein felL vor was die elster fliege. 

was doch tool dieses sey, das nicht hat haut, nicht haar, 

und wenn es kömmt zur weit, so brummt es wie ein bahr. 

wariimm der fuchsnicht fleugt, was zwischen beinen wachset, 

und was der schnacken mehr. 
1 Radt. Es ist von oben herab kommen, hat vil leydens 
an sich genommen, von hitz kelt vnd beschneyden. noch 
vil mer mftfst es leyden. hat nit lang do heim gesogen, 
in die firembt ward es gezogen, mit fich vnd.leüten so 
es het. sein leger warn oit linde bet. lust noch fireüd es 
nie begert. xxx. pfenningwas es wert, verkaufil gefan- 
gen gebunden ward es hat geschlagen gezogen gefurt 
manch fart. ein kreütz gemacht daran gespert. nyemant 
wartfunden derdo wert, sein seydt verwundt vnd ander 
glider. nindert geschondt hoch oder nider. daraufs flofsen 
heilsam brunnen. in der finster gantz on sonnen, eim 
yeden menschen zu gut. der sich darzu schicken thut. 
Ant Ein weinfafs das kompt vom bäum herab leyt iuts 
so es gebrut wirt in haissem wasser. vnnd auch kelt zu 
seiner zeyt. vnd von dem pinder geschniten. Es saugt 
oder facht den wein nit lang an eim ort. sunder wirt ge- 
furt vnnd gezogen in die frembdt von pferden vnd fur- 
leuten. sein leger ist hart, ein klein fafs gilt xxx. pfen- 
ning. wirt gefangen so es die raiff hat. gepunden g^ 
schlagen gezogen gefurt hin und her. das kreütz auff dem 
legner mit schliessen gespert. Die wunden ist der spunt 
vnd die zapffen 15cher. daraufs fleüst der wein, eim ye- 
den zu nutz der in praucht. in der finster gantz on sun- 
nen. das ist in dem keller. 
2 Rat. Ich sach drey starcher waren fast grofs. ir arbayt 

i. die yergleichttog Christi mit dem weinstocke (s. leseb. 1, 975), leichtr 
MDBig umgekehrt, eioe ähnliche persouification des weines bei Micol. 
Hansel, leseb. 3, 1, ;269. 



28 aATHSRL UND FRAGEN. 

W18 on ynderiofs« der ein sprach, ieh wolt das nacht 
wer der ander des tages ich beger der drit es sey nachl 
oder tag kein rfiw ich nimmer haben mag. Ant. die 
Son der Mon Vnd der Windt. 
S Es was einer bescheiden zä kommen wann die baoren z& 
ein wurden geen. vnd die vnruwigen still steen. vnnd 
wann die nassen trocken* werden, vnd die leüt vergessen 
ir geberden, vnd so aach das leicht das schwer hebt, 
vnd das todt das lebendig vergrebt. Ant. Die bauren so 
man die tisch zu samen legt die vnruwigen sein die thür 
zfi gethon. das nafs sein die trinck gesohir. vergessen 
der geberden, das ist im schlaff, das leicht sein die fe- 
dern im bet. das schwer die menschen darauff ligen. das 
todt ist die eschen, das lebendig ist das feüer. 

4 Rat ein nagel helt ein eysen. ein eysen ain pferdt. ain 
man ain schlofs. ain schlofs ain landt. 

5 Rat. ein zäun wert vngeferlich drey jar. drey zäun ein 
hnndt. drey hnndt ein pferdt. drey pferdt ein menschen, 
drey menschen ein sehne ganfs. drey sehne genfs ein 
hirschen. 

6 Ein frag, wie vil vnser berget thuchs zu einem par 
hosen bederff. so der hymel als die heilig geschrifft sagt 
sein stul. vnd das erdtrich sein fufsschemel ist. Ant. 
ein eilen thuchs ist genug einem armen menschen, dann 
Christus spricht was ir einem aufs den minsten der mei- 
nen thüt das habt ir mir gethon. 

7 Ein frag, welchs das gr5st wunder werck gottes sey. 

4. vergl. Freidank 79, 19. Reinm. v. Zw. vdH. ^, 2i%\ 

5. kein rathsel, sondern bloCs wegen der formellen ähnlichkeit mit dem 
vorigen auch in das bUchlein aafgenommen. die vier ersten stufen 
schon in einem spmcho Reinmars y. Zw. vdH. !2, 1210% eine weitere 
ausführnng im liederb. der Hätzlerinn s. lxix ; vergU J. Grimm Reinh. 
8. iv. Geilers * über den nennten zäun' (rechtsalterth. s. !216) bedeatet 
also 'über ^7 Jahre.' 6. als antor einer ähnlichen deutung und 
anwendung der beiden biblischen stellen nennt Job. Pauli seh. und 
ernst 28!^ (Frankf. 1550) einen schwäbischen bauern, Hans Werner von 
Villingen, vergl. Berthoid s. 302 fragen wir einen Juden wä got st 
und wax er tuo, so spriehet er 'er sizet üf dem himel, unde g^nt im 
diu kein her abe üf die erden* ow^, lieber got, so müestest du %w6 
lange hasem bän, nach der rede, 7. Quid est maius mirabiU 



RÄTHSEL UND FRAGEN. 29 

Ant« das er so yil menschen geschaffen hat. doch kains 
dem andern gleich ist. 

8 Ein frag, welches die edelsten vnd achtbarsten heiligen 
sein. Ant. sandt Martin vnd sant Jörg die reitten. müs- 
sen die ander zu Ms geen. 

9 Ein firag. Welchs der geringst oder der leychst heylig 
sey. Antwnrt. sandt Quinten, der geen. iüj. aoff ein lot. 

10 Ein frag. Welcher heilig der gröst fölier sey. Ant. 
Johannes euangelista. dann so einer so woi getmncken 
het. das im die zung sein bein vnd ander gelider ver" 
sagten. Dannocht mufs er sant Johannes segen drincken. 

11 Ein frag. Was in der kirchen nach dem Kyrieleyson 
gebett vnd gesungen wirt. Antwurt. Das Christeleyson. 

12 Ein frag. Wo für die banren vnsern hergot am maisten bit- 
ten, Antwurt. Für die Reysigen pferdt. dann wo die selbigen 
abgiengen. wurden die edeletit die bauren mit sporn reyten. 

13 Item so einer, xxx. meil zu einem guten fireündt het vnd 
solt in zwayen stunden oder dreyen das sy beyd ir hend 
aufs eim wasser weschen. vnd die selbigen an einer ma- 
teri trücknen. Ist die frag wie das geschehen müg. Ant# 
des morgens in dem taw zu weschen vnnd in dem windt 
zu trücknen. 

14 Rat was übergint das wasser vnd trinckt nit. Ant. ein 
kuscheil. 

15 Rat. Welchs sein die fnnff köstlichen vnd besten wasser. 
Ant. der tauff. das weychwasser. das wasser so man für 
die sündt weynt. wasser der weynenden kindt so man 
sy strafFt. vnd das wasser so die müln treybt. 

16 Ein frag, welcher stein am maisten im Rein sein. Ant. 
Der nassen. 

17 Ein frag. Welcher dreck ain land schad sey. AnL den 
die ku in das wasser fallen lafst der kann das erdtreich 
uit dangen oder bessern. 

18 Ein frag. Welches das meisterlich vnd kunstreich thier 
sey. Antwurt. ein saw. so die ein alten dreck ifst macht 
sy einen jungen daraufs. 

quod deus unquam in parva re feceriif ^diversitas et eacellentta Ja^ 
eierunC le^nde vom h. Andreas, altd. wäld. %^ 1^9. 
10. Johannes minne, Joh. segen, s. mythol. s. 37. 



30 RÄTHSBL UNO FRAGEN. 

19 Radi ritt er. Zehen v&gel gut. Der erst vnder den hat 
kain mut. Der ander hat kain magen. Der drit maB|[elt 
des kragen. Der yierd hat kein zung Der fünfflt seügt 
sein iung. Dem sechsten gebrist auch sein gall. Der sy- 
bendt singt über sy all. Der acht verkündt die künfiTtig 
zeit. Der neiindt fleugt vor all ander weyt. vnd der ze- 
hent ist so weyfs. das er ifst drey ierige speyfs. Ant. 
Der erst die thürtel thanb nach ahgang irs gemagels. 
Der ander ein habich oder keützlein. Der drit ein bien. 
Der Tierd ein storck. Der fünfft ein fledermaufs. Der sechst 
&n eyl. Der sibendt ein nachtgal. Der acht ein han. Der 
neändt ein schwalb. Der x. ein krametfogel ifstwechaltern. 

20 Rat. Ein vogel in der liifft schwebt seins gleichen auff 
erdt nit lebt, sein flügel sein in der hitz gewachfsen. 
wann in hungert ifst er syben ochfsen. Ant. Der han 
auff der kirchen. seins gleichen hat kein leben, sein flü- 
gel sind im feür gemacht, er hat nymmer hunger. 

21 Rat. Es stat in dem taw als ain schfine iunckfraw. ist 
weifs als der sehne, vnd grün als der klee. darzu schwartz 
als der koU. seindt ir weyfs ir der rats wol. Antwurt. ain 
Specht der badt sich im taw vnnd hat die obgestimpt färben. 

22 Es nist auff den dechern hat lang rot bain. weyfs grofs 
flügel. ain gelen schnabel vnd legt eyer. Antw. ain störckin. 

23 Ein fi*ag. Warumb der bering an der Stangen hang. Ant. 
vmb den grat. 

24 Ein frag, welchs das best an den fischen zu essen sey. 
AbI. Salmeus infederis rupis hechtilisque in leberis. Car- 
peQS in zünglis ifs alius im mittel drommis. Stockfisch in 
blasiis krepsius in schwantzis barba meülein lecker bifs. 

25 Ein frag. Ob der hundt am schwantz hang oder der 
schwantz am hund. Ant. hebstu den hundt bey dem 
schwantz übersieh so hangt der hundt am schwantz. hebst 
aber den kopff übersieh so hangt der schwantz am hundt. 

19. wörtUeh wie das schwed. räthsel altd. wäld. 2, 11, nur dar« der zweite 
vogel dort der kibitz ist, während im Traugemundslied iv der swarbe 
(scharbe, taucher?) keinen magen hat. 20. in hexameter umgeformt 
vom Joh. CUyiis, dem grammatiker, leseb. 2, 163. 21. im Trauge- 

mandealied xii von der elster. 24. also macaronische parodie der 

SBlnla Salemitana aock vor Job. Fischart : geseh. d. hexam. s. 26 f. 



RATHSEL UND FRAGEN. Sl 

26 Ein frag. Welchs thier aim wolff am aller gleiehsten sey. 
«Antwort, die wölfiin. 

27 Es schickt ain ritter über rein, seiner liebsten frawen 
sein, gfitten wein on glafs. vnnd alle andere trinnckfars 
rat warjnn der wein was. Ant. er schickt ir traoben 
darjnn het sy den wein. 

28 Rat es stat hoch ob dem haufs. hat grSfs als ein maufs. 
ist weyfs wie der sehne vnd braun wie der klee. auch 
grien wie das grafs. sag gulter frundt was isi das. Ant. 
ain Baum nufs. 

29 Warumb beschneydt man den käfs. Das er nit federn 
hat das man in beropffen kan. 

30 Ein frag. Wann ein mensch in ein würtzkram oder ga- 
den get. Was am ersten riech. Antwurt. Des selbigen 

nieQSchen nafs. 

.« 

Sl Item. Welchs ist ein wald ou laub. ein strafs on staub, 
ein haufs on rauch ein volck on gauch. ein land on dieb. 
ein geselschafft on lieb. Antwurt. Der wald ist ein thann 
wald. Die strafs ist ein schiflreich wasser. Das haufs ist 
das paradeyfs. Das volck ist Enoch und Helias. Das 
land on dieb ist der himel. Die geselschafft on lieb, sein 
die in der hellen. 

32 Ein frag. Wie oSi einer sein hart geschoren hab. Ant. 
Ein mal das ist zu dem ersten mal das was der hart, 
darnach seins als stümpff. 

33 Ein frag, so einer in aim guten bet leg was er am mai- 
sten begert. Ant. das das bet geöffnet wer vnd er aufs 
auff dem bei leg. 

34 Rat; Was geet über wasser und netzt sich nit. Ant« 
die Sann. 

35 Rat. wann man es hört so erschrickt man vnd hörts nit 
gem. hats doch ye leuger ye lieber. Ant. ain pferds ey- 
sen so das ein reytter anff dem felde hört klappern das 

31. abweichend das räthseUied in Büschings wöchentl. nachr. 1, 68, 
'Die milchstrafs am himmel i^t ohne staub, Der fichtenwald ist ohne 
laab.' übrigens ist dies rathsel in der ganzen abfarsung und in ein- 
zelheiten ein- widerklang der priamel Ain junge maid on lieb in 
Weckherlins beitr. s. 59.. 



32 RÄTHSEL UND FRAGEN. 

es abfidlen wil erschrickt er. vnd so ers lenger hirt.so 
er mer hofft das selbig in die herberg zn bringen. 

36 Ein frag, waromb ain messer ain messer haifs. Ant. das 
es ein hefft hat. dann on das selbig hiefs es ain lomel 
vnd nit ain messer. 

37. Rat. Was ist das. ain lebendiger auff ainem todten safs. 
vnnd als der todt lachen thet starb, der lebendig auff der 
stetL Ant. der todt ist ain klumpen schmaltz in ainem 
tjrgel. der lebendig ist ain brinnender wicht oder dacht. 

38 Ein frag. Welchs das getreust thier sey. Ant. ain laufs 
die löfst sich mit eim hencken bleybt bey im bifs in todt. 

39 Item zu fragen, welcher vnder aim roller vnd dem hencker 
der firumst sey. Antwurt. der hencker. vrsach. der selbig 
färt das leicht böfs volck aufs der stat von den leütten. 
so füret sy der roller hinein. 

40 Ein frag. Welchs den frawen das nützst vnd best hant- 
werck sey. Ant. die waffen Schmidt die machen beyhell 
oder agst do mit man das holtz hawl. das sünst villeicht 
die man auff den bösen weybem entzzway schlugen. 

41 Rat. welchs hantwerck am meisten stilt. Ant. die Uffel 
macher vnd die kefsler an den pfannen machen vil stil. 

42 Rat. Der es macht der darffs nit. der es kaufft der wils 
nit. der es praucht der waifs nit. Ant. ein toden lad. 

43 Rat. welcher vnderm bartscherer oder vnder aim mader 
der das gras abschneit die gröst freyhait hab. Ant. der 
mader mag auff sein stiimpff hofiern oder sein notturfft 
thun das wirt dem« scherer nit zu gelassen. 

44 Ein frag. Warumb die storcken nit auff der mül nisten. 
Antwurt. Sy fürchten der müller stell in die ayer. 

45 Ein frag. Wie hoch vom himel her ab sey. Antwurt. 
Das waifs nach got nyemant dann der teüfel der hat es 
gemessen, vnnd mag nit wider hin auff kommen. 

46 Ein frag. Welch zeit die best zu lachen sey. Antwnrt. 
Der aprill oder sunst so es rengnet werden vil lachen 
oder vil pfitzen. 

47 Rat. ein bäum hat dreyzehen efst vnd yegklicher ast hat 

45. vergl. die stelle aus der legende vom h. Andreas altd. wäld. 2, 30. 
47. weiter ausgeführt in Steinhöwels Aesop, leseb. 1, 1062. in der 
Würzburger handschrift 



RÄTHSEL UND FRA6BN. M 

•iiij. Bester., vnd in jregUehem nest syben iangeu. der hat 
ye^cher seinen namen besnnder. Ant. das iar hat .xij. 
monat. die monat .iiij. wocfaen. die Wochen ir tag. 

48 Ein firag. In welchem landt man nit efs oder trinck. Ant. 
in dem elsefs do zeret man. morgen zeren. zfi ims ze- 
ren.' vesper zeren. abends zeren. 

49 Ein frag* In welchem landt kain pferdt sey. Ant. Schwa- 
ben do sein rofs. 

50 Ein firag. Wie ferr von aim ort der weit an das ander 
sey. Ant. ain tag raifs. als die sunn bezeugt mit irem 
auiSgang des morgens, vnnd nider ganng des nachtes. 

M Ein frag. 'Welches das frolichest volck aoff erdtreich sey. 
Antwurt. die gaystlichen die in den Ciöstern vnnd Stiff- 
ten. wann die singen tag vnnd nacht. 

52 Ein frag. Welches die frolichsten frawen sein. Antwurt. 
die yennen so die kinder seügen singen offt so ander 
leüt schlaffen als man spricht, welcher ain saügets kind 
bat der hat ain singenden fraw. 

53 Ein frag. Wer gestorben vnd nit geborn sey. Ant. Adam 
und Ena. 

54. Ein frag. Wer geborn sey ee dann sein vatter vnd mat- 
ter. Ant. Adams kinder. 

55 Ein frag. Welcher mensch hat ain gantz viertaii der 
weit getödt oder vmb bracht. Ant. Chayn erschlag sei- 
nen bruder Abel darvor lebt niemand t dann sy zwen vnd 
ir eitern adam vnd ena. 

Est arbor qüedam retinens ramos ditodenos. 

Quinquaginta duos rami retinerU sibi nidos. 

Nidorum quisque Septem volucres habet in se. 

Et vo In er um quüqtie sibi notnen habet speciale, 
von einem rater, zwölf söhnen und deren je sechzig theils weirsen, 
theils schwarzen töcbtern Cleobulus antbol. gr. Jac. 1, 5!^; von einem 
viereckichten wagen mit zwölf rädern, zwei und fünfzig frauen darauf, 
vierzehn theils weifsen, theils schwarzen rossen davor, oder mit vier rädern 
und zwölf fuhrleuten Reinm. v. Zw. vdH. ^, ^11". 50. die zweite frage 
im abt von Canterbury (Percy %, 3, 7) und in Bürgers kaiser und abt. 
53. vergl. got hiez werden einen man der nie geboren wart von vrou- 
wen Itbe; diu vater noch muoter nie gewan, die nam er im ze wtbe 
Tannh. vdH. 2, 97^. 54. vergl. ein bruoder sinen bruoder sluoc 

^ dax ir beider vater wart geborn Reinm. v. Zw. vdH. ^,^^1^. 
Z. F. D. A. III. 3 



S4 RÄTHSBL UND FRAGEN. 

56 Ein fhig. Wer ^^biyen hab das die gantz weit bort. 
Anlwuri. der esel in der archen noe. 

57 Ständen so vil frawen fein, als tropfen seindt im rein, 
vnd wer dir anffgesetzet zu bäfs. sy hinüber zft foren 
tmekens fäfs. on brücken, schiff, steg karren oder wa- 
gen, ich lob dich frey kanst dn mir es sagen. Antwurt. 
6eb ir yegklich ein tropffen auff die zung. so beleibt kain 
Wasser mer da. 

58 Item drev frawen worden verwandelt in blumen anff dem 
feldt sten. doch der ayne mocht des nachts in irem haufs 
sein, spfach auff ain zeyt zu irem man. als sich der 
tag nahet widerumb zu iren gespilen auff das feld kommen 
vnd äin blum werden mufst. so du beut vor mittag 
kumbst vnd mich ab brichst wirdt ich erlöfst vnd färhin 
bey dir bleiben, als dann also geschach. Nun ist die frag 
wie sy ir man gekent hab. so die blumen gantz gleich 
vnd an im selbs kain vnderschaydt was. Antwurt. die 
weil sy die nacht in irem haufs vnnd nit auff dem feldt 
was fiel der taw nit anff sy als auff die andern zwo. do 
bey sy der man kant. 

59 Rat. .wer ist des maus liebster vnd getreuster freündt. 
vnd wer ist sein ergester feind. Antwurt. sein weib 
nach dem die wol oder übel wil. 

60 Ein zu fragen welchs der mittelst büchstab im Abc sey. 
Antwurt. Das b. 

56. vergl. dar nach ein hunt erbal, daz alle Hute die dS lebten hör- 
ten stnen schal Taunh. a. a. o. 58. in der oeuesten ausgäbe der 
märchea das 160e. 59. vergl. die in den märchen 3, 176 f. an- 
geführten erzäfa langen aus den cento novelle antiche, den gestis Rom. 
und Paulis schimpf und ernst. 

WILH. WACKERNAGEL. 



u 



SAGEN UND MÄRCHEN AUS DEM AARGAU. 

1 

^8 isch einisch e ma in es ricbs hus cho, and iseh im 
stal nbernachtet. eso um zwölfe umme chunt eine mit eme 
seckei voll gäld, und het ne verlochet und gseit jetz, töfel, 
hfiet, bis se tn wifse geifsbock dar der stal hindere jage/ 
am andere morge isch de ma siner waege gange, aber ro 
der zit a band si ekeis veh meh ha chönne i dein stal : al- 
les isch dmf gange, übers johr isch de ma wider dert ver- 
by ebo, und wo ner ghoert het wies au mit dem stal stöl, 
so het er nes gseit was er i sälber nacht gseh gha het. do 
band se en wifse geifsbock gehäuft, und ne dar der stal hinx 
dere gjagt, and alles isch wider guet gsi, ünds gäld band se 
oTse ggrabe, und dem ma au en schoene theil dervo gge. 

2 

Einisch het zRinach bi der bui^ obe e chnächt mit sim 
meister z'acher tribe. do chömme zwe der bei^ ab, und me 
het ene alles gseh, weder der chopf nit. wo se do noch bi 
de marksteine gstande sind, sind di zweu vordere ross vor 
umme gange, do het der chnächt zum meister gseit 'meister, 
i fare niimme.' 'he, worum nit?' *he, gsehst dene zwe dert 
oben abe cho?' 'abb4! i gseh nüt: far du zue!' *i ferc mi- 
uer seel nit zue. chum, trib du: i wii binde ha. gsehst, 
dross wand au niimme fürse.' ja, do chömme di zwe und 
spanne, dschnuer über all drei markstei hindere und bim 
letste band se enand gge und ufgleit mit de haggene', dafs es 
bi miner wohre seel gstobe het ; und do sind se wider gange 
und fdrt gsi und verschwunde.* 

3 

's isch einisch e künig gstorbe ; si frau und zweu chind 
sind no am laebe blibe, es meiteli und es büebli. do band 

• vergL sagen 1, 374. 

3* 



36 SAGEN UND MÄRCHEN AUS DEM AARGAU. 

se einisch dmaeter gfrogt weles von ene dafs einisch müefs 
künig wärde. do seit se zoe-n-ene Uiebi chind, goend jetze 
zämme i wald ufse and saechet das bluemeli wo-n-ech do 
zeige, und das, wo^s von ech zerst findt, das muefs einisch 
künig wärde.' do sind di z^ea zämme gange, and im wald 
sind se bim sueche e chli ufs enand cho, und smeiteli het 
sbiüemli zerst gfunde. do denkts, es well sim briiederli no-n-e 
chli warte, und lit nsebem wald i schatte, nimmt sbiüemli i 
dhand and schloft i gotts namen i. der wile chunt sbüebli 
au a das örtli, aber sblüemeli het er nonig gfunde gha. 
wo-n-erg do aber im händeli vo sim schwösterli gseh het, 
so chunt 9fn öbbis schröckeligs zsinn, 'i will mis schwö- 
sterli erm^gißj und em sblüemeli neh, und hei goh mit, und 
denn wird ji. künig.' denkt und tho. er hets toedt und im 
wald verscharret und härd drüber deckt, und kei mönsch 
het nüt dervo gwüFst. no mengem mengem johr isch e hirte- 
büebli dert uf der weid gsi mit de schoeflene, und findt es 
todtebeindli am bode vo dem meiteli; do macht er e par 
löchli dri wie amene floetli, und blost dri. do het das beindli 
gar erschröckli trurig äfoh singe de ganz gschicht, wie smei- 
teli vom brüederli umbracht worden isch: me het moege de 
halle thraene briegge, wemme das lied ghcert het. do goht 
einisch, wo das büebli so gfloetet het, e ritter dert verby: 
da het em das ßoetli abgchauA-, und isch dermit im land um- 
me zöge, und het an allen orte uf dem beindli gspilt. einisch 
het do au di alte künigi dem ritter zueglost, und isch ganz 
trurig worde, und het der söhn abem thron gstobe, and 
briegget erer la^btig*. 



Der güggel het einisch zue sine hüendlene gseit 'chöm- 
met weidli i dstuben ufe goh brotbroesmele zämmebicke ufern 
tisch : euse frau isch ufsgange goh ne visite mache.' do säge 
do dhüendli 'nei nei, mer cbömme nit : weist, dfrau balget 
amme mit is.' do seit der güggel 'se weifs jo nüt dervo. 
chömmet er numme : se git is doch au nie nüt guets.' do 
säge dhüendli wider *nei nei, s isch ufs und verby, mer goend 
nit ufe.' aber der güggel het ene kei ruei glo, bis se end- 

• vergL märchen n^ 2S. 



SAGEN mü MÄRCHEN AUS OEM AARbAU. 37 

Ug K^i^ge sind, and ufe tisch, und do brotbroesmeli zämme 
glaese hend in aller strenge, do chunt justement dfrau derzne, 
and nimmt gschwind e stäcke nnd stenbt se abe und regiert 
gar grüseli mit ene. und wo se do vor em hus unde gsi 
sind, so säge do dbüendli zum gnggel *gse gse gse gse gse 
gse gsehst aber?' do het der güggel glacbet und numme 
gseit 'ha ha han is nit gwüfst?' do band se chönne goh. 

WILH. WACKERNAGEL. 



DIE VOGELHOCHZEIT. 

Es wolt ein Reiger fischen, 
auff einer grünen Heyden, 
da kam der Storck, 
vnd stahl jm seine kley der. 

Da kam der Sperber here, 
vnd bracht vns newe märe, 
wie das die Braut 
schon aufsgegeben were. 

Fraw Nachtigall die war. die Braut, 
der Kolman gab sein Tochter aufs, 
der Widhopff, 
der selbig tropff, 
der hupfPet vor der Braut aufP. 

Die Trostel hat die Heyrath gemacht, 
vor einem grünen Walde, 
die Amschel mit jrem Gesang, 
die lobt die Braut mit schalle. 

Der Giimpel was der Bräutigam, 
der Adler auff die Hochzeit kam, 
der Fafshan, 
die zwene waren vomen dran. 

Der schwartze Raab der was der Koch, 
das sach man an seinen Kleydem wol, 
der Grünspecht, 
der war des Kuchenmeisters Knecht. 

Die Alster die ist schwartz vnd weifs, 
die macht der Braut zu Hoff Speifs, 



38 DIB VÖGELHOCHZEIT. 

der Fineke, 

der bracht der Braat zu trincken. 

Der Pfau mit seioem langen schwantz, 
der fährt die Braut wol zu dem Tantz, 
der Emmerling, ' 
der bracht der Braut den mähelring. 

Die Henn wol zu dem Tautze gieng, 
der Han der f&hrt den Reyen» 
der Greiffe, 
must auff der hochzeit pfeiffen. 

Der Gutzgauch war der Kämmerling, 
der fuhrt die Braut zu schlaffen, 
der Baumheckel 
kam auch hernach gelaufen. 

Der Stieglitz mit seiner witz, 
der wolt die Braut ansingen, 
der Rotkopffy 
mit seinem Kopff, 
der wer auch gern darinnen. 

Der Effsvogel was wol gezieret, 
das Behemlein der Braut hofBeret, 
der Schnepfe, 
der wolt die Braut anzepffen. 

Der Sittig was ein frembder Gast, 
kam auff die Hochzeit geladen, 
der Stare, 
wolt mit der Braut nur baden. 

Da kam sich auch die Turteltaub, 
vnnd bracht der Braut ein grüne Scbaub, 
die Meise 
wolt mit der Braut aoTsreisen. 

Die Ganfs mit jrem langen Kragen, 
die fuhrt der Braut den Kammerwagen, 
die ünte 
fuhrt das Regimente. 

Noch weifs ich einen Vogel gnt, 
den darff ich euch nit nennen, 
ja wenn jhren secht, 
jr.wiii4 jn all wol kennen. 



DIE VOGBLHOGHZfilT. S9 

Also hat die Hochzeit ein ead, 
wie jr hie habt vernommen, 
wer dieses nit glauben will, 
soll selbst zur hochzeit kommen. 

ENDE. 
Auf einem fliegenden blatte von 1613 (ohne angäbe des 
druckortes) als Das ander Lied; das erste. Der Stigelits, 
worin der spqfs nur weiter ausgesponnen wird, steht im 
leset. 2, 229 ff. einige reime scheinen auf eine ursprüng- 
lich niederdeutsche abfafsung hinzmoeisen ; der anstofs aber 
zu solchen dichtungen mag von den angrenzenden Slawen 
gekommen sein, wo uns dergleichen häufiger begegnen. 

WILH. WACKERNAGEL. 



INIEDERLANDISCHES LIED VOM 
BRENNENBERGER. 

Q Van Brandenborch. 

Hst is gheleden iaer ende dach 
dat Brandenborch gheuangen lach 
Gheworpen in eenen toren 
Van steenen waren die mueren. 

Daer lach hi meer dan seuen iaer 
Sijn hayr was wit zijn baert was grau 
Sinen rooden mont verbleecken 
Vander liefste was hi gheweken. 

Si leyden hem op eenen disch 
Si sneden hem wt zijn herte frisch 
Si gauent der liefste teten 
Tot eene morghen onbijten. 

Nv hebbe ick gheten dat herte zijn 
Daer op wil ghedroncken zijn 
Nv scheuet mi eens te drincken 
Myn herte wil mi ontsiitcken. 

Den eersten dranc mer die si dranck 
haer herte in duysent stucken spranck 
Nv helpt maria maghet reyn 
Met uwen kindeken cleyne. 



I, 



■J ' 



40 NIEDERLÄNDISCHES LIED VOM BRENNENBER6ER. 

Mer die dit liedekeo eerstwerf ' sanc 
Een vry siu^mer IN» hi ghenaemt 
hi heuet so wel gbesonghen 
Vander iiefster is hi ghedroiighen. 
j4m Een schoon liedekens' BoeeA, Antwerpen 1544 bei 
Jan Raulens, bl. 92 rw: 93 vw. 

WILH. WACKERNAGEL. 

ALTDEUTSCHER CENTO. 

^ck die altdeutsche poesie hat gleich der des abster- 
benden alterthtanes ihre centonen i beispiele sind das akro- 
sticbon am schluße des ^chaehzabelbuches von Konrad von 
Ammenhausen (Diut. 3,451 — 454) und ein lied in Rhaus 
bicinüs (leseb. 2, 38 y*.). ivas aber den altdeutschen cen- 
tonen eigen und vielleicht ein t>orzug derselbe vor den an- 
tiken ist, es wird da keine künstlerische Verschmelzung, 
sondern wie in musikalischen quodlibeten nur eine launig 
neckende zusammenhätifiing unverbundener unvermittelter 
einxelheiten beabsichtigt, 'ein hochspringen und loeitwaiden 
auf der heide der wartet werth ßJtr uns haben diese Spie- 
lereien dadurch däfs sie zeile um zeile bald den anfang 
eines verlorenen Uedes, bald einen sprichwörtlichen scherz 
des Volkes, bald dies oder Jenes ähnlicher art uns über- 
liefern, und so mögen denn auch aus einer breslauischen 
handschrift des 15» jakrh. (iv. foL 85) folgende verse mit- 
getheilt werden; sie stehen unabgesetzt ai{f der rückseite 
des letzten blatten. 

Gekomen is der winter 

wo suUe wyr yor hiccze gebleybeo 

ochzen das sint rynder 

frauwe vor^ meocze loth vns dy rede bescreibea 

was man hawer^ reyth das sint.tencze 

Is das nieht ejm wunder gros 

das eyner her von reyne schos ... 

der reyn vleust heym^ vor mencze 

knapen das sint knethe 

Do quam der aide ruperecht 
1. abkürxung van frfBwe. %, d. A. iiewer kiuer, 3. wohl hin. 

■« 



AliTDEÜTSCHER CENTO. 41 

her sich frawe her wyrt czelit vns rechte 

liitgart treyb ij kelber in dy awne ^ 

Man grub hauwer^ raben aus der erden 

her wirt macht vns dy erde nas 

meyn lyp ist mir worden has 

was roth sal myr werden 

iöubir in weiden 

dys sint des somers an eren reyzen' 

dy hazen loffen balde 

dy phofen scheyren laute treten wcysse* 

1. awe 2. d, h, hewer heuer. 4. die sint des somers an iren 

reisen 4. die phafen sdireyen laute, treten leise? 

WILH. WACKERNAGEL. 



1 



SEGENSFORMELN. 

1. handschrift der wafserkirchbibliothek zu Zürich C^%j$ 

bl. 93^ 

Contra rehin. Primo die pater noster. in dextram aurem. 
Marbphar. nienetar. mvntwas. marbwas. war comedvdo. var 
indinee. ciprige. indine marisere. daz dir zebSze. ter. pater 
noster. 

2. erzählunff in der Heidelberger handschriß 341 bL 166'. 

nach der brautnacht tritt die mutter in das gemach 
der neuvermählten. 

si sprach 'got grüeze iuch, kinder ! 

ras nnde rinder, 

kmfi nnde win 

bescher iu unser trehtin ! 

saelde unde heil, 

guotes ein michel teil 

immer 6wicliche, 

und oaoh sin himelriche 

USSüb -er mit iu beiden !' 

diu vfowe was bescheiden u, s, w, 
der alte spruch den der dichter hier benützt hat (er selbst 
macht keine detgleichen verse) wird mit dem worte himel- 
riche geendigt haben, von Segenswünschen im beginn der 
brautnacht Heinr. Trist, 672 ff. 



42 SE6ENSF0RMBLN. 

3. pergamentblättchen des 14/^ jh,, »wischen dem gS^ÜUAe 

des Eichwalds, eines alten gefängnisses in Basels ge- 
ßinden, 

•{• Ich wil hivt vf stan 

Ich wil io gotes namen hinnan gan 

Ich wil Ich wil {so) mich hegten 

mit den gocz worten 

mit den sige rinen 

mit allen geweren dingen 

daz mir alles daz holt si 

das sant dem tag vf si 

div svnne vnd ovech der mane 

krist selKe ame^N. 

Div helle si mir verspert 

ölle Waffen sin mir ver wert 

want alein eis daz sticht vnd sonit 

swa mans hin wist. amcN. 
ßir fiige rinen lies sigeringen: vergL den siegstein könig 
Nidungs Vük. saga 25, den siegring in einem verwandten 
magyarischen märchen bei Gaal s. WA ff., den ring des 
Scharfenbergers der ie nicht sigpaer war, bei Ottökar 541% 
und Jac, Grimms mythoL 630 y*. — ^ vor ver wert ist wi* 
derleit ausgestrichen. — sunit d. h. snit, snidet.. 

4. pergamentblatt ^es 14n jh. im kloster Einsiedeln, 

ich beswer alliv wafen guot 
bigot vnd bi sim vil heiligen blnot 
bi sinen ' heiligen 5 wnden 
di vnserm herren durch sin site drangen 
das alliu wafen as lind gegen mir sient vnder mir vnd ob 
mir hinder mir vnd for mir vnd nebent mir as der sweis 
was den vnser frou sancte Maria swist do ^i irs lieben trat 
kindes maget wis au dis weit gnas das ndeb kein wafen 
snid das ie gesmidet wart sit das krist geboren wart in got- 
tes namen amen. WILH. WACKERNAGEL. 



43 



SIEGFRIED UND FREYR. 

Saxo Grammaticas hat uus in seiner dänischen geschichte 
mehrere sagen von drachenkämpfen aufbewahrt deren nähere 
erwSgang im vergleich mit der Nibelnngensage der zweck 
der folgenden abhandlung ist. wir stellen zunächst die drei 
wichtigsten erzählangen in der kürze zusammen. 

1. Der schätz des königs Frotho ist durch die kriege 
seines vaters Hading erschöpft, es wird ihm von einem un- 
genannten gerathen einen drachen zu tödten der auf einer 
insel einen schätz bewacht. Frotho bedeckt nach der ep- 
mahnuDg desselben körper und schild mit einer rindshaut um 
sich vor dem gifte zu schützen, tödtet den drachen, als er 
von einem wafser wo er getrunken hatte zurückkehrt, ttül 
nimmt sein gold. Saxo 2 s. 20 Steph. 

2. Fridlev, söhn Frothos des 3n, läfst durch gesandte 
um Frögertha, die tochter des norwegischen königs Amund, 
werben, obgleich diese ihn liebt, weist der vater die gesand- 
ten schnöde ab; andere welche die Werbung abermals an- 
bringen läfst er sogar tödten. als Frotho sich schon gerü- 
stet hat um die braut mit gewalt zu erstreiten und einst in 
der nacht das lager verläfst, rathen ihm drei über ihm flie- 
gende Schwäne den riesen Hythin, der den söhn des königs 
von Thielemark geraubt hat, zu tödten. zugleich schenken 
sie ihm als beistand zum kämpfe einen mit versen beschrie- 
benen gnrtel. Frotho folgt dem rathe der schwane, ver- 
wandet den riesen, zwingt ihn zur flucht und nimmt ihm 
sein gold, welches in einer hole verborgen war. nachher 
wird auch ^mund überwunden und fällt in der Schlacht, noch 
auf der brautfahrt befindlich verweilt der held eine zeit lang 
bei einem gewissen Grubbo, mit dessen tochter er den Olaf 
erzeugt, als er später mit Frögertha nach hause zurückkehrt, 
wird er an eine unbekannte insel verschlagen, woselbst ihm 
gerathen wird den drachen der da auf einem schätze liege 
zu tödten. die einhüllong in eine stierbaut hilft auch hier 



44 SIEGFRIED UND FREYR. 

zum siege, er erlegt den drachen, als er aus dem wafser 
hervortaacbt, und bringt den bort auf seinem schiffe davon. 
Sazo6 s. 99—102. 

3» Alviida, die schöne tocbter des gotbischen königs Sy- 
rafd» Wiur so keasch dafs sie beständig vor männern ihr ge- 
tüobi. ▼füllte, ihr vater verscblofs sie in ein unzugängli- 
«heiir.feaach und setzte eine natter und einen drachen zu 
ikren Wächtern, nur der überwinder dieser thiere sollte sie 
zur^^ttin haben; wer aber vergebens den Zugang zu dem 
gemache suchen wurde, dem sollte das baupt abgeschlagen 
und auf einen pfähl gesteckt werden. Alf, der söhn des kö- 
nigs Sigar, ausgezeichnet durch sein glänzendes hanptbaar, 
tödtet die thiere*, nachdem er sich mit einem blutigen feile 
bedeckt hat. aber Alvilda verschmäht den freier, der ihr von 
ihrer mutter verhafst gemacht ist; sie begibt sich als mann 
verkleidet zu schiffe und treibt seeraub. Alf, welcher sie 
lange vergebens gesucht hatte, geräth zufällig mit ihr in eir 
nen kämpf, erkennt sie aber dadurch dafs einer seiner b^. 
gleiter ihr den heim abschlägt und vermählt sich mit ihr. 
Saxo 7, s. 126—28. 

Dies ist der wesentliche inhalt von drei sagen welche 
eine grofse Übereinstimmung unter sich und mit der Nibe- 
lungensage zeigen, und es sind besonders die mythisch 
scheinenden punkte der Nibelungensage, die erlegung des' 
drachen, die erwerbung des hortes und die befreiung der 
Jungfrau aus dem mit der waberlohe umgebenen gemache, 
welche in diesen erzählungen, freilich in der einen mehr in 
der andern weniger deutlich und vollständig, wiedericebren. 

Die erwerbung des hortes fehlt freilich in der dritten 
erzählung, welche neben dem drachen noch eine natter über- 
winden läfst (eine häufung der gefahr, die für uns weiter 
keine bedeutung hat), ist aber noch in den beiden ersten, 
wie in der nordischen und angelsächsischen sage, von Sieg^ 

* torridum chalybem forcipe comprekensum hianfis viperae fauet" 
bus immersit; eine echt mythische kampfweise. so fabte der riese 
Geirrödhr mit einer zan^e einen glühenden eisenkeil und warf ihn ge- 
gen Th6rr : dieser fieng ihn und schleuderte ihn mit solcher stärke zu- 
rück dafs er Geirrödhr und die eiserne saule hinter welcher er sich 
verborgen hatte durchbohrte. Sn. 115. vergl. Saxo 8 8. 163. 



/ 



. ; SKGFRIBD UND FREYR. 45 

firtei 'Odeir Siegvund mit dem drachenkampfe verbunden, aaeh 
44m IU^ die sage von Fridlev noch in Übereinstimmung mit der 
angelsächsischen von Siegmund erhalten, daTs mit dem horte 
i$§ schiff des siegers beladen wird, der ungenannte 'ird- 
cher Frotho und Fridlev zum kämpfe aufreizt . vergleicht gidi 
dem Regino der nordischen sage, der Siegfried zu dem aboi- 
teuer .bestimmt, der dracbe wird von Frotho getiidtet «U 
erTon dem wafser zu seiner hole zurückkehrt, nach der 
edda und der Völsungasage auf dem wege zu dem baehe ; 
die i||ge von Fridlev läfst ihn unmittelbar aus dem waiser 
hervQÖE&ommen. merkwürdig ist der zug dafs in allen drei 
erzählangen die beiden sich durch einhüllung in häute vor 
dem dnichengifle schützen, fast möchte ich darnach anneh- 
men dafs die sage von Siegfrieds unverwundbarkeit, von 
welcher der norden nichts weifs, einen ähnlichen Ursprung 
habe, dafs demnach der held vor dem drachenkampfe durch 
irgend ein mittel vor wunden geschützt wurde*, doch hat 
anch Frotho ein hemd welches ihn unverwundbar macht. 

Neben dem drachenkampfe kennt die sage von Fridlev 
noch die Überwindung eines riesen, dem ebenfalls sein gold 
geraubt wird, da auch nach der spätem deutschen Nibelun- 
gensage aufser dem drachen ein riese zu überwältigen ist, 
und diese erzählung wahrscheinlich aus der echtem dafs der 
riese Fäfnir in drachengestalt auf dem golde lagerte ent- 
sprang^'', so möchte auch die dänische sage früher auf ahn« 
liehe weise erzählt haben dafs Fridlev einen riesen in dra- 
chengestalt überwand, die aufinunterung der schwane stimmt 
mit dem bekannten rathe der vögel in der Siegfriedssage; 
nur bezieht er sich da auf den mord des zwergs Regino. 

Die sage von Fridlev hat die erlegung des drachen nur 
in einem sehr lockern zusammenhange mit der erwerbung 
der Jungfrau : sie läfst den- kämpf zufällig vor sich gehen 
als der held die braut schon heimführt, während er ein mit- 

* wie PerseuB zu dem kämpfe mit der Gorgo den unsichtbar ma- 
chenden heim des Hades oder Peredur nach dem mahinogi zum dra- 
chenstreite einen unsichtbar machenden stein bekommt, bekam Siegfried 
die tarnkappe vor dem drachenkampfe? 

•* s. meinen versuch einer mythologischen erklarung der Nibelun- 
gensage s. 36 f. 



46 SIB6FRIBD ONO FRBYR. 

td zur eriangung derselben sein sollte, eben so nngenau 
ist die erwahnung einer zweiten geliebten, der toohter des 
Grobbo ; doch deutet diese sage an, dafs auch hier urspröiig- 
lich zwei weibliche wesen auf ähnliche art vorkommen mooh* 
ten, wie in der Nibeiungensage Kriemhilde neben der ver- 
schmähten Briinhilde auftritt, und so ist es auch wnrklich 
der foll in der erzählnng von Regner Lodbrog, die wir hier 
einschalten. 

Regner freit um Lathgertha, von liebe zn ihr ei^f- 
fen als er sie in den scharen der männer kämpfen sah und 
ihm die wallenden haarlocken verriethen dafs sie ein weih 
war. die Vermählung wird gefeiert nachdem er einen hund 
und einen hären getödtet hatte welche ihr gemach bewach- 
ten, später aber verschmäht er sie und wirbt um Thora, 
die tochter des königs Heroth. dieser hatte ihr vater dra- 
eben zum aufziehen gegeben, die aber mit der zeit solche 
gefahr drohten dafs die Jungfrau dem besieger derselben 
zur belohnuug versprochen wurde. Regner, der sich um ihr 
gift unschädlich zu machen in ein wollenes gewand gehüllt 
und sich mit demselben ins wafser gestürzt hatte, damit er 
durch das sich ansetzende eis fester würde *, tödtet die dra- 
chen und erwirbt Thora. Saxo 9 s. 169 fP. später wurde 
er in einen mit schlangen angeHiliten kerker geworfen und 
verlor durch ihre bifse das leben, ebend. s. 176. 

Hier erscheint deutlich die kriegerische nachher von 
Siegfried verschmähte Brünhiide. aufserdem hängt von dem 
kämpfe die erwerbung der braut ab**, wie auch in der sage 
Von Alf, wodurch beide dem echten typus der Nibeiungen- 
sage sehr nahe kommen, denn die erlegung des drachen and 
das eindringen in die mit der waberlohe umgebene bürg oder 
die unterweit stehen auch dort, wie ich in meiner erwähn- 
ten abhandlung nachgewiesen zu haben glaube, in einem in- 
nern zusammenhange, die waberlohe hat freilich auch die 

* so hier statt der einhüllung in eine stierhaut. 
** im tibrigeo erinnert die erzählnng von Regner Lodbrog nehr an 
die von Ortnit, in dessen sage die auffuttern ng von drachen vorkommt, 
auch Regners ende vergleicht sich dem von einem drachen verschinii- 
genen Ortnit. die sage vom schlangenkerker erscheint nur als eine an. 
dere wendang, die sich in der' nordischen Nibelnngensage anch fälsch- 
lich an Gunnar geheftet hat. 



SIEGFRIED UND FREYR. 47 

sage yon Alf schwinden lafsen, obwohl das anzagSngliehe 
gemach noch hinlänglich die frühere gröFsere übereinstiftininng 
der sagen andeutet, auch hier ist es ein verwandter (der 
vater) welcher die jnngfran eingeschlofsen hat, wie wir das- 
selbe bei der Nibelungensage (versuch s. 67) nach vei^ei- 
chang des mythus von Freyr und Gerdhr und der vielfachen 
erz'ählungen von eingeschiofsenen töchtern annehmen mnsten. 
die sage von Fridlev läfst nur die tochter dem freier versa- 
gen and seine gesandten tödten, während richtiger der freier 
der Alvilda das leben verwirkt wenn ihm die kämpfe mis- 
lingen, wie in der deutschen sage von Brünhilde. noch mag 
hier der übereinstimmende zug augeführt werden dafs Sieg- 
fried nach der edda (Saem. 193) in Brünhilde ein weib er- 
kennt, nachdem er ihr den heim abgenommen hat, wie ein 
gleiches bei Alvilda geschieht, als ihr der heim im kämpfe ab- 
geschlagen ist. bringen wir nun auch die namen in anschlag, 
halten wir besonders Fridlev zu Siegfried und bedenken wir 
dafs in Alfs geschlechte in den namen seiner Schwester 
Signe, seines vaters Sigar, seines grofsvaters und bruders 
Syvald sich das wort Sieg eben so wiederholt, wie in den 
namen der Völsungen, so können wir nur noch zweifeln ob 
diese erzählungen unmittelbar aus der schon ausgebildeten 
Nibelungensage, die ja auch in Dänemark bekannt war, aus- 
geflofsen sind, oder ob die mythischen grundideen die sich 
in Dentschland an Siegfried geheftet haben hier träger an 
den sagenhaften dänischen königen uud beiden fanden, ich 
möchte mich mehr für das letztere entscheiden, weil die Über- 
einstimmung in manchen freilich für den mytbus gerade un- 
wesentlichen punkten, namentlich die aus der geschichte auf- 
gekeimte räche der gattin, fehlt. 

An eine historische erklärung dieser sagen wird hier 
wohl niemand denken der den charakter der altern geschieh-' 
ten bei Saxo nur obenhin kennt, ich habe in meiner ange- 
führten abhandlung zu begründen gesucht dafs uns in den 
mythischen theilen der Siegfriedssage ein mythus von dem 
gotte Freyr geblieben ist: die dort vermutete Identität des 
Freyr und Siegfried, welche sich besonders auf das überein- 
stimmende Wesen des gottes und des beros stützt, scheint 



48 SIEGFRIED UND FREYR. 

durch diese sagen bei Saxo, besonders durch die drei ersten^ 
eine erwünschte äufsere bestätigung zu bekommen. 

Betrachten wir zunächst die sage von Frotho. es ist 
firüher schon mehrfach von andern bemerkt dafs Saxo Eb- 
ding, den vater des Frotho, mit seiner gemahlin ein lied sin-- 
gen läfst welches in der Jüngern edda der seegott Njördhr 
uod seine gemahlin Skadhi so auffallend ähnlich singen dafs 
Saxos gedieht fast für eine Übersetzung des eddischen gel- 
ten könnte*, es könnte dadurch die Vermutung raüm gewin« 
nen, däfs unter Hading und seinem söhne Frotho Njördhr 
und sein söhn Freyr verborgen sein möchten (wie ja auch 
sonst Saxo götter in die reihe der dänischen könige ver- 
setzt und Njördhr mit seinem söhne Freyr in der reihe der 
schwedischen könige erscheint), oder dafs wienigstens mythen 
von diesen göttern auf sie übertragen sein dürften, diese 
Vermutung wird dadurch bestätigt dafs auch die art wie 
Hading seine gemahlin erhält, mit einem eddischen mythus 
von Njördhr stimmt. Saxo erzählt s. 16 folgendes: 

Regnilde, die tochter des königs ^er Nitherer, war ei- 
nem riesen verlobt. Hading tödtet denselben, empfängt aber 
in dem kämpfe mehrere Wunden, auctorem beneficü pueUa 
crebris offumm vulneribus^ ignaray medendi cura proseqid" 
tur. cuius ne notitiam temporü interiectus eriperet, crus 
eius annulo vtäneri incluso obsignatum reliquiU eadem post- 
moduma patre eligetidi mariti libertale donata contructam 
canvivio itwentutem curiöstore corporum attrectatione lustra- 
bat, deposita quondam insignia perquirens. spretis ommbus 
Hadingnm latentis annuli indicio deprehensum ampleciitur 
eique se comugem donat qui cotängio suo gigantem potiri 
passtLs non ßierat, wenn wir bei dieser erzählung beson- 
ders ins äuge fifsen dafs es der Jungfrau gestattet wurde 
sich einen gatten zu wählen und die eigene art bedenken 
mit der sie dabei verfuhr, so fällt uns augenblicklich wieder 
Skadhi ein, der die Äsen, als sie zu ihnen kam um ihres 
Vaters tod zu rächen, die erlaubnis gaben sich unter den 
göttern einen mann zu wählen, doch unter der bedingung 

• Njördhr singt dafs ihm das wohnen in den gebirgen zuwider sei, 
Skadhi dafs sie nicht am seestrande wohnen möge: eben so Hading 
and seine gemahlin. 



SIEGFRIED UND PREYH. 49 

iäts sie von deo zu wählenden nor die fübe gehen sollte. 
sie wählt Njijrdhr, den sie wegen seiner glänzenden fürse 
für Baldr hielt, auch der tod des riesen läfst sich mit dem 
tode des Thiassi vergleichen, der sich Idhonn hatte ver- 
sprechen lafsen. freilich hat Saxos erzählong eine ganz an- 
dere Wendung bekommen. 

Der erwähnte mythas von Njördhr ist der einzige den 
wir von diesem gotte in einiger Vollständigkeit kennen ; wes- 
halb es kaum gelingen kann anderes von Hading erzählte 
mit gleicher Wahrscheinlichkeit aof diesen gott zurückzufüh- 
ren, die andeutung einer andern erzäblung, Sffim. 64^, dafs 
Njördhr einst nach osten d. h. zu den riesen als geisel ge- 
schickt wurde und dafs dort die töchter des Hvmir ihn mis- 
handelten, ist zu unverständlich als dafs sie sicher mit Ila- 
dings gefangenschaft zusammengestellt werden könnte, zumal 
da Saxo s. 12 ihm diese gefangenschaft nur weissagen und 
mittel zur befreiung angeben läfst, nachher aber darüber weg- 
eilt, weil er wahrscheinlich nichts vor sich hatte als das lied 
welches diese Weissagung Enthielt, es scheint sonst noch 
manches in Hadings geschichte mythischer natur, wie na- 
mentlich sein Verhältnis zu der riesin Harthgrepa s. 10 ff., 
seine &hrt in die unterweit s. 16, weiches ich nur anführe 
um 'ZU zeigen wie mythisch die sagen von ihm sind, doch 
dürfen wir nicht übergehen dafs Hading als Stifter des jähr- 
lichen Fröblot von Saxo s. 16 erwähnt wird, was wieder 
eine nähere Verbindung mit Fi'eyr andeutet, denn diese sage 
Ulfst sich eben so wohl als eine historisierte fafsen als wenn 
es Sn. 354 heifst dafs Njördhr und Freyr zu opferpriestem 
bestellt sein. 

Haben sich so nachweislich wenigstens einige mythen 
von Njördhr an Hading, Frothos valer, geheftet, so knüpft 
sieh auf der andern seite an den nam«n Frotho bei Saxo 
fiiede nnd freigcbigkeit, was beides auf den gott Freyr passt. 
im übrigen trägt die geschichte von Frotho dem In, abgese- 
hen von dem drachenkampf«? nicht den mythischen cbarakter 
wie die seines vater^ Hading, obgleich dessen ungeachtet 
einiges von ihm erzählte auf dem boden des mythus wurzeln 
möchte. d«5 edda deutet eine feindschaft zwischen Freyr 
und Ftvsyja an, da Loki der Freyja Saem. 64* vorwerfen kann, 
Z. F. D. A. III. -4 



80 . SIEGFRIED UND PRBYR. 

sie habe die göiter gegen ihren brnder aufgereizt: Saxo weiTs 
s. t4 TOB einem streite Frothos mit seinen sehwestem Svan- 
hvita und UIvilda% und die letztere reizt ihren giften auf 
Frotho zu tödten. 

Zweimal wendet Frotho nach Saxo 8.21. 27 fie kfiegi- 
list an dafs er um die feinde zu teuschen die nadnichtYon 
seinem tode ausbreiten und sich einen grabhügel errichten 
läTst**. an und für sich scheint das wohl ohne bedeutung« 
wenn nun aber von Frotho dem 3n, dem vater des Fridlev^ 
umgekehrt bei Saxo 5, s. 96 erzählt wird dafs sein tod drei 
jähre lang verhehlt wurde ut tntae simulatione propagaä 
iampridem hnperii terminos taerentar pristinaque duds au- 
ctaritaie mbfdxi consuetam a subiectU pensionem elieereni^ 
und wenn von Freyr selbst historisierend berichtet wird*{*, 
man habe aus g^cher absieht seinen tod verhehlt^ der zins 
sei auch drei jähre nachher noch in seinen grabhügel ge* 
bracht, zugleich aber dafs ihm menschen geopfert wurden, 
so dürfen wir auch die sage von Frotho für eine verdun- 
kelte gestaltung eines ursprünglich auf den gott Freyr sieh 
beziehenden mythus halten. 

Der tod Frotho des 3n, den Saxo a. a. o. erzählt,, dafs 
eine matrona niagicae rei petita sich in eine seeknh ver^. 
wandelt und ihn zu tode gestofsen habe, könnte in einen 
mythischen zusammenhange mit der sage stehen dafs die 
drachenkämpfer sich in säerhäute wickeln um sich vor dem 
gifte der drachen zu schützen, dafs wenigstens der stm 
nicht ohne bezug auf Freyr ist, geht daraus hervor dafs 
Sn. %2\^ freyr unter den stiemamen hat und dals derriese 
Bell {von at belia brüllen wie eine kuh) von Freyr getödtel 
wurde. 

Diese zusammenstelhingen waren nicht zu übergeheii, 
wenn es auch bef^r gelang Hading an Njördhr als Frotbo 
an Freyr anzuknüpfenv yon Fridlev, dem zweiten drachen*. 

tödter, dessen vater und dtusen söhn beide den namen Fr^- 

*» 

• freilich zwei sehwesterD statt einer, qber nach dem Meraebarger 
Sedichte hat Freyja die Falla zur Schwester. 

•• auch der drachentödter Fridlev wurde todt s^^i^t Saxo 6 s. 96. 

t Tnsl. 1, «. lt. Olaf. Trygv. %, 190. Skalh. i«li habe diese 
iase ans Frays Wesen erlifcntert vers. s. 119. 



S1B6PIUBD UND FRBYR. H 

tho nhm, weifs ich nar beizabrin^n dafs sein nMie reeht 
gst ein beiaame des den firieden liebenden Frejrr sein kann, 
so wif: denn auch der name der Frögertha mit Gerdhr^ 
Fr<^ ^tOHtthlin, stimmt. 

f ^ini Alf, dem dritten drachentödter, berichtet die sage 
anfseviän nnr sehr wenig, doch mag die erzählang von sei- 
ner verwandten Syritha (Saxo s. 125) hier eine' erwägnng 
finden, weil sie uns anf ein ähnliches mythisches gebiet 
IBhrt. Syritha erlangt von ihrem vater die erianbnis dafs 
nnter ihren vielen freiem nar derjenige ihr gemahl werden 
dürfe der es bewürke dafs sie ihn ansehe, die meisten 
anstrengungen diese gnnst za erlangen macht Othar; aber 
da er lange vergebens sich darum bemuht hat, verläfst er 
sie. darauf wird die Jungfrau von einem riesen entführt*, 
ans dessen, gewalt sie Othar nach erlegnng desselben be- 
fireit« der riese hatte ihr das haar in einander geflochten 
oder, wie es mit Saxos worten heifst adeo auiem giganteä 
seduHias puellae caesariem nexili camemm asirfctione re- 
tfimaferat nt pilorum perplexa congeries crispata quadmn 
cfikaerentia teneretur nee Jbcile praeter Jerrum juis po$^ 
sei eonsertos ermium extrieare complexuM, da Othar des* 
sen ungeachtet keine gnade findet, veriäfst er sie abermals. 
Syritha irrt jetzt in der einsamkeit umher, bis sie bei einer 
JemAiä sihestrü unmamsjue die ziegen hfitenmufs**. Othar 
befreit sie wieder, das iibrige lafsen wir mit Saxos worten 
Mgen. eumque Syrithm more pristino decursis late ecopu^ 
Ui in Ebbams Jbrte sedes erronea perventsset, nudiiatis et 
hepüm rubere egentkan 9e filiam astruebat. ammadvertene 
autem hone Othari mater quamvis marcore ilUtmm mopijtte 
eenteetam amieulo a generosü pulhäasse ramaUbus^ kenO" 
reiMm sedendi loeo suseeptam reverenda secum comitate de- 
tüürit. nobiUtatem qtdppe virgtnis index formae prodebat 
et vuiäi genus interprete resultabat^ quam videns Otharus 

* Btcb dem liede bei Saxo •. 11^6 sesekali da« mehrere male. 
** mit diesem zöge hat ähnüchkeit das märchen vmi der kSnigatoeh- 
ter die von ihrer dienerin bei ihrem semahie verdriast die gäose hi- 
tea mufs K. 11. n. 89. aber auch aaderes ia «aaerer cräUilMff fiadat 
sieh ia mehrerea m&rchea ähalich. 

4* 



52 SIEGFRIED UNO PREYR. 

cur vultu»i peplo obscuraret inquirit *. cuius anmum cey- 
ihis txpertnrtis nupturam sibi feminam ßngii eiusque tormn 
conscendens lucemam Syrithae gestandam committii. gnae 
cum absumptis paene lychnis admoto propius igfM preme- 
retuTy tantttm patientiae specimen praebmt ut manum absgue 
motu conünere visa nuUam ardorü molestiam seniire cre- 
deretur, extemum qvippe aestum cohibcbat interiot et pru- 
ritantis animi fervor adustae cutis incendium temperabat* 
quae demum ab Otharo manui consulere iussa placidos in 
cum obtutus verecunda luminum erßctione convertit statimqjue 
semoto nvptiarum, ßgmento genialem tomm nuptura con- 
scendit. 

Das sträuben der Jungfrau gegen die umarmung des man- 
nes findet sich in der Nibelungensage bei Kriemhilde und 
Brünhilde und in dem mythus von Freys Werbung um Gerdhr 
wieder, zeigt also danach schon diese erzählung einige 
Verwandtschaft mit der von Freyr und von Siegfried, so 
führt Syritha selbst^ die verwandte des dracfaentödters. Alf 
(sie ist die Schwester seines vaters), auf eine dem Freyr 
nahe verwandte göttin. weil nämlich offenbar Syritha nm- 
herirrt um den geliebten Otbar, der sie verlassen hat, zn 
suchen, so ist es einleuchtend dafs wir hier dem hauptin- 
halte nach den bekannten mythus von Freyja (Sn. 37) ha- 
ben, welche Odhr der sie verlafsen hat sucht; zum über- 
flnfs stimmen auch die namen. der name des mannes ist. 
derselbe; Syritha läfst sich mit Syr, einem beinamen der 
Freyja *% zusammenstellen, durch diese hier von einer ver- 
wandten des Alf geltende erzählung erhält also die annähme 
dafs der drachenkampf sich ursprünglich auf Freyr besiehe, 
und dafs folglich der Siegfriedsmythus ebenfalls zuerst von 
Freyr galt, eine neue begründung. obgleich wir nun nicht 
näher erweisen können in wie weit der mythus von Odhr 

• alio anch Syritha verhüllt sich wie Alvilda, Alfs ^Ifebtfe. der 
name Kriemhilde, der vom alta. grimä larva (vergl. ^amm. 1, 189) 
abzuleiten ist, iLb'nnte.die yerhiilite bedeuten and auf einen ähnlichen 
verloren gegangenen zng in der Nibelnngensage weisen. 

Sn. 37. sie . bekam den namen als sie Odhr suchte, in dem 
zweiten theile der composition Syritha liegt wohl das ahd. itis nym- 
pha, altn. dU oder dit aus idit, vergl. Jac. Grimm über zwei ent- 
deckte gedicbte b, 5. 



SIEGFRIED UND FREYR. 53 

bei Saxo getrübt ist, da er in der edda nicht ausführlich er- 
zählt, sondern nnr angedeutet wird, so scheint es doch ein 
echt mythischer zng dafs der riese der Syritha das haar 
in einander geflochten hatte, da auch die deutsche firau HoUe 
verwirrtes und struppiges haar hat% so gewinnen wir aus 
dieser erzählung theils den mythischen grund der sage (die 
nach der analogie von Sifs abgeschnittenen haar erklärt wer- 
den mufs), theils wird dadurch meine früher (versuch s. 129) 
au%esteUte Vermutung, dafs die Holle Freyja sein durfte, 
bestätigt. 

Haben wir so zunächst die Verwandtschaft der drachen- 
todtersagen bei Saxo mit der Nibelungensage erwiesen und 
darauf bei den helden derselben und ihren verwandten mehr- 
fiiche, fireilich mehr oder weniger sichere, spuren gefunden 
welche auf die vanengötter und vornehmlich Freyr führen, 
so wird dadurch, weil Untersuchungen wie die vorliegende 
wegen unserer armut an echten quellen für die deutsche 
und nordische mythologie nothwendig an einem gewissen 
■langel an ganz evidenten beweisen leiden, die angenommene 
Identität zwischen Siegfried und Freyr freilich noch nicht 
ganz gewiss, sie hat aber eine neue nicht abzulehnende be* 
stätigüng erhalten, flöfsen die reinen quellen reichlicher, 
wir würden mit gröfserer Sicherheit behaupten können dafs 
wir in den ersten büchem des Saxo und überhaupt in deut* 
sehen und nordischen sagen einen reichem schätz von wenn 
auch getrübten und entstellten mythen besitzen als wir uns 
jetzt gestehen dürfen. 

* ttbw das struppige haar der Holle und den hoUenzopf s. myth. 
166. 96!^. • 

WILHELM MÜLLER. 



BEITRAGE ZUR KENNTNIS DES MITTEL- 

NIEDERDEUTSCHEN. 

Durch die gute des herrn pastor Thilo zu Daberkow in 
Pommern wurde mir eine alte kirchenagende mit fortlaufen- 
der niederdeutscher Übersetzung, die sich in der kirche zu 
Bartow befindet, auf einige zeit zur sprachlichen benutzung 



I 



54 ZUR KENNTNIS DES MND. 

iberbllMa. lie ßDdel sieb zwar ohne zweifei noch in vie- 
l«i kiithen Pommern» nnd Mecklenbargs, ist aber so viel 
idi weib in hinsieht auf die darin enthaltene niederdeut- 
•dM ipimehe noeb nicht benutzt worden, obgleich sie in 
der mitte des 16n jh. abgefafst ist nnd namentlich in den 
iratverUUtnissen schon sehr von dem älteren mittelnieder- 
denIsdMa xn dem heutigen plattdeutschen sich hinneigt, so ist 
ioA £0 spräche dieses umfangreichen denkmals in vielen 
punkten noch entschieden anf der stufe des mnd. nnd bietet 
daher als zeugnis aus der beginnenden Übergangsperiode 
mnehe interessante erscheinungen dar, die hier kirzlich 
nsamnen gestellt werden sollen. 

Übrigens ist die spräche nicht durch^ngig. ganz gleich, 
wominu es zeigt sich in den etwas später abgefafsten vor- 
redetty nnd in einigen theilen der Agenda welche aus dem 
ITb jh« herrühren mögen, eine merkliehe verflachnng« 

Ihis bnch besteht aus zwei abtheilungen welche auch 
ihre besonderen titel haben. 

1. Rercken Oriemnge im lande tho Pamem dorch de 
iforehläohtigen hochgebamen forsten unde Herren^ kerm 
BiOtUm unde kerm PUlipsen hochloffliker gedechtnisy beide 
heriogen tho Stettin, Pamem, der Cafsuben unde Wenden, 
forsten tho Rügen unde graven tho Gutzkow etc. anveng» 
Hek up dem Landdage tho Treptow, Anno m.djulxv. ge-- 
elmten, mnde itzund vemer dorch de dorchlüchtigen hoehr 
gebamen ßh'sten unde herren^ herm Barnim den öldem, 
kerm Johann Friederichen, herm Bugslaffen, herm Ernst 
Ludewig, herm Barnim den Jüngern unde herm Casimim, 
geveddem unde gebröder, hertogen tho Stettin, Pamem ete. 
^p radt der theologen unde bewilliginge der Landstende 
vomyet unde vormeret. Olden Stettin, drückt unde vor- 
hgt idt Friderich Ludwig Rhete, köningl. boeckdrücker. 
Anno iS90. 

Voran geht eine Verordnung des königs Karl von Schwe« 
den die einfährung dieser KO« betreffend, in hd. spräche, ge- 
geben zu Stockholm am 28n juni 1688. dann folgt eine lange 
vorrede der damaligen herzöge in Pommern (Barnim des alt. 
u. s« w.) in welcher wiederum eine Verordnung der beiden 
inent genannten herzöge Barnim nnd Philipp enthalten ist, 



ZUR KBNNTNIS DBS MND. A5 

But hd. aad nd. iext von 1563. dton folgt die KO. «af 
111 foliohüUtern. 

2. Agenda dat ü ordeninge der hiUigen kerckemempter 
Wide ceremomen, wo sick de parrherren, seehergere umdis 
kerckendenere in örem ampte holden schalen, beetellei vor 
de kereken in Pamem up beväl der dorchlüchügen hoch- 
gebamen herren herm Barnim des ölderen etc. Anno 1 568. 
Olden Stettin Anno 1691. vorrede von 1568. dann der 
text der Ag, auf 463 folioblättem ; sowohl tezt als vor- 
rede in neben einander fortlaufender hd. und nd. mnndari« 

Daraus erhellet dafs die KO. zuerst 1535 abgefalst 
worden und 1563 in erneuter gestalt wieder erschienen ist, 
woranf ihr 1568 die Ag. nachfolgte: beide zusammen aber 
sind 1690. 1691. auf befehl des Schwedenkönigs, ohne we- 
sentliche Veränderung wie es scheint, wieder abgedruckt wor- 
den, wir haben also mit wenigen ausnahmen ein denkmai 
der nd. mundart aus der mitte des 16n jh.* 

1. V0CALZERDEHNUN6. 

In den meisten der hier abzuhandelnden lautlichen gram- 
BMlischen und etymologischen erscheinungen zeig^ sich ein 
entschiedener parallelismus des mnd. mit d^m mnl«) da ja 
aaeh diese beiden mundarten in der näcl>«3itcn blutsverwandt* 
schafk zn einander stehen; das mv<i' ist dabei nieht selten 
in vortheil, indem es deqtlicb«^ wortformen und durchge- 
bildetere gesetze darbietet- so auch bei der vocalzerdehnnng, 
von der Grimm für d^ ^^1- ^^ seiner darstellung der mnl. 
voeale handelt; denn die entsprechende mnd. lanteigenthüm- 
liehkeii ist niolit nur über mehr laute ausgebreiteti sondern 
hält sich auch in bestimmteren gränzen und tritt überhaupt 
in viel organischerem Charakter auf als die mnl. dies mufs 
näher erörtert und mit beispieleh belegt werden. 

1» vocalzerdehnung nenne ich den eintritt eines kurzen 
dantes hinter einem ursprünglich einfachen oder einfach ge- 
wordenen langen laute um denselben in seiner länge zu be- 
schützen, wobei der alte laut bleibt nnd nur durch das nach- 

* [die'pommeraehe agende ward luerst 154!^ «« Wittenberg $eh 
dmekt. J» 6. L. Kosegarten.] 



.*.: 



56 im KENNTNIS DES MND. 

lnBeAde in der eirhaltung des zeitma£ses. seiner silbe nn- 
terstntzt wird, welches durch andere eiDflufse bedroht war. 
diese erseheinung hängt nämlich genau mit einer andern zu- 
sammen die im folgenden abschnitt behandelt werden wird, 
mit dem bestreben der mnd. spräche die consonantisch aus- 
lautenden Wörter in ihrem anslant genau und deutlich von 
dem folgenden Worte abzugränzen, wodurch sowohl der aus- 
lautende consonant mit gröfserer härte und schärfe hervor- 
gestofsen werden mufs (also dem inlautenden consonanten 
immer wo es möglich ist ein härterer im auslaute entspricht), 
als auch der vorausgehende lange vocal in seinem zeitmafse 
beeinträchtigt werden maijs, weil die Verschärfung des avslauts 
auch leicht zur eiligeren ausspräche der ganzen silbe ver- 
leiten mag. dadurch finden die mnd. zerdehnungen ihre or- 
ganische bedeutung und die art ihres auftretend eine genü- 
gende erklärung: sie gehen ursprünglich hervor ans dem 
streben des Sprachgefühls dem durch den harten auslaut ge- 
fährdeten einfachen vocale seine alte länge zu erhalten und 
finden sich daher eigentlich nur in geschlofsnen d. h. con- 
sonantisch auslautenden silben, und zwar in solchen deren 
voeal eine einfache länge ist. dies ist der ursprüngliche und 
organische beziric der mnd. zerdehnung, welchen sie aber 
theils nicht vöttJg ausfüllt, indem nicht alle Wörter wo zer- 
dehnung statthaft vräre dieselbe erleiden, theils auch über- 
schreitet^ indem anch e'i^ntlich kurze vocale zuweilen von 
derselben ergriffen werden utA indem auch in offenen silben 
nitniter die zerdehnten laute gefunden werden, während in 
delr regel ein durch flexion an die geschlofsne silbe antre- 
tendes e den einfachen vocal zurückruft, aber die mefarzaU 
der fälle sichert dieser erseheinung die ihr angewiesene 
stelle und bedeutung. sie zeigt sich am häufigbU^n bei a, 
Of u und modificiert diese laute in ae^ oe, ue; bei e, welches 
in ee übergeht (vergl. 8), hat sie einen etwas unorgam. 
sehen Charakter; bei ü und ö findet sie sich nur einzeln; 
bei y, i ist sie meist nur scheinbar und beruht auf. einem 
e einer flexions- oder bildungssilbe, so dafs ye als y-6 za 
fafsen ist. als zerdehnung ist für den zlaut blofs gietx ava-^ 
ritia zu betrachten (ahd. gltd), während gedyen bene suc- 
cedere, gedyent successus, vyent inimicus, vortyen igno- 



ZUR KENNTNIS OBS MN». S7 

seere, vorfyen «i^peditare , nye dovos nicht hieriier gir 
hör«i. 

2. die mnl. brechitng des a in ae kann mit der hier be« 
sprochnen mnd. zerdebouDg ae nicht verwechselt werden, 
weil diese nicht von einem folgenden rm, m, rd, rt abhängt, 
sondern sowohl vor einfacher, als auch vor doppelter eon- 
sonanz statt findet, und überhaupt auf ganz anderen griinden 
beruht als die brechung. vergl. Cirimm gr. 1, 278 ff. 28S. 
zeitschr. f. d.. alt. 2, 270, 4. 

3. der von Grimm (gr. 1, 281 ff.) dargestellte nuü. 
laut ae hat ganz dieselbe natur wie unser ae und tritt aneh 
wie die mnd. zerdebnungen überhaupt nur in geschlofsnen 
Silben auf, während in geöffneten der alte einfiiche laut wie- 
der erseheint (Grimm' 1, 282). 

A. der mnl. laut oe (Grimm gr. 1, 298) gehört gleich- 
fialls hierher und ist im gründe gewiss ganz von derselben 
naUir wie das mnl. ae; aber hier steht das mnd. dem mnl» 
als reiner und consequenter gegenüber, denn dieses ver- 
breitet seine zerdehnung auch über Wörter wo die einfache 
conaonanz durch ein folgendes e als anlaut der endsübe er- 
scheint, wodurch also die silbe in der das o steht eine offne 
wird und der organische grund zur zerdehnuug wegfallt; 
denn dt der silbenton nun auf dem o ruht, so wird dessen 
länge nicht geschmälert, sondern eher verstärkt, im mnd. 
dagegen, welchem sich gelbst treuer bleibt, steht entweder 
das alte o oder der neuere laut ö an dessen stelle, z. b. 
rapen vocare, woker foenus, blöde sangnine, brqder fraterf 
moder. mater, rode virga, böte emendatio. — völen sentire^ 
vord&men damnare, nömen nominare, dröve turbidns, pro- 
vem probare, geröken curare, soken quaerere, flöken male- 
dicere, Hoden custodire, möde fessus, vöden nutrire, gröUn 
salutare, möthen debere, söte dulcis. 

6» das von Grimm (gr. 1, 301 f.) abgehandelte mnl. 
ne aber läfst sich mit unserem mnd. ue gar nicht verglei- 
chen, weil jenes durchaus keinen organischen charakter hat 
und auch an ganz anderer stelle steht als dieser mnd. laut. 

6. mit den getrübten lauten ä, ö, ü können unsere zer- 
debnungen ae, oe, ue schon nach der ganzen bisher gegebe- 
nen darsteUung dieser laute nicht vermischt werden, aber 



ZUR KENNTIVIS DES MND. 

Mch' deswegen nicht weil in unseren quellen fiir diese ge- 
trabten hole nirgends andere zeichen als ä, ö, ü vorkom- 
men «id also die eigenthümlichkeit des ae» oe, ue schon 
dMeh die schreÜMirt anumstörslich festgestellt ist. 
.7* übrigens ist diese phonetJaehe erscheinnng keines- 
wegs in allen fallen conseqaent durchgeführt, ja selbst bei 
den Wörtern welche gewöhnlich mit dem zerdehnten laut 
gefunden werden wechseln öfters die formen mit den ein* 
fachen längen ab, so dafs es fast scheint als ob es in der 
wiUkür des sprechenden gelegen habe die länge durch den 
reinen vocallant oder durch zerdehnung auszudrücken. 

8. endlich mufs mit diesen erstgenannten lauten noch 
ein anderer mnd. laut verglichen werden welcher gleichfalls 
als zerdehnung gefafst werden kann, nämlich ee. er drückt 
überall das lange e aus und entspricht entweder dem ahd« 
ei, miy oder dem ahd. t», so, ia, ie, eo^ oder dem ahd. t 
goth; ai; im nd. selbst wechselt er mit e und S (letzteres 
scheint immer wie ä auszusprechen), und zwar so dafs diese 
beiden laute vorzugsweise den offenen, ee vorzuglich den 
geschlofsnen silben zufällt, demnach wäre dieses ee ganx 
von einerlei art und natur mit ae^ oe, ue, öe, üe, te, vad 
ich .zweifle auch nicht dafs dasselbe nicht blofs müfsiger 
Vertreter des e und ^ gewesen, dafs vielmehr in der nns- 
sprache nach dem ersten starkem e das zweite leiser naeli* 
kUagend gehört worden sei ; der unterschied liegt nur darin, 
dafs ee das wesentliche merkmal der mnd. zerdehnung, die 
beschränkung auf die consonantisch auslautenden silben, öf- 
ters aufgiebt. der grund davon mag wohl darin zu soeben 
sein dafs das e, welches im* nd. eine so grofse ausbreitnng 
hat und daselbst so oft in unscheinbarer gestalt für die klang- 
reiclieren laute anderer mundarten auftritt, da wo es als 
volle länge gehört werden sollte (und zwar als e, nicht als 
i)^ auch selbst als silbenauslaut dem obre nicht genügte, 
sondern sich noch durch den nachschlag des schfidieheren 
lautes, gleichsam durch seinen eignen schatten, verstärkte* 

Es ist uns nun noch übrig ftir die aufgestellten sätxe 
belege zu geben. 

ae = abd. ä oder a. 
ffmert corsoa« 9qn>aeri ascensio, unten opinio, wraeckgirickeit 



ZUR KENNTNIS DES HNO. » 

iracandUy maendi luna, maendttyit mensis, offgespaemi Ah 
tigatas, gehorsaem obedienlia, gaen ire, traech piger, pmedt 
malas, raedi eonsiUnm, *dael vallis, laet sine, sckaep ovist 
«i<«q» somniis, underdaen sabiectus, saedt semen, sodaem Uüb* 
dal vallis, radt conailiofli, loten sinere, selüfe «res, 
fAi^ii dormire, varen rein« 

06. 

1. fSr ahd. o. 

loen,merctSj sckoet greniom, verdroet pignii, geboedi ins- 
sit, koemslagfnge cavillatio, woerdt yerbma. 
Umes mercedis, wordes verbi. 

2. für ahd. ou. 

loep enrsiis, tkoloep adcursiis, roeck fomns, soem nargo, 
loeffwerdick dignus coi credatar. 

gelave fides, gelaven credere, lopen carrere. 
3« für ahd. aro. 
bloed sangois, boek Über, behoeff udlitas, vwrhoiff nok 
sqperUyit, boetverdick ad poeoitentiam prompUis^ boelpre» 
üge sipplicatio, moetunllick lascivas, doen facere, demoei 
nodestia, ßoeek maledictio, ßoei fluctas, egendoem proprio» 
IM, Mindfloet dilavies, groedt sälatatio, kroeck eanpoiia, 
Uoeekheii prndeatia, roep clama, sckoep creavit, scioelmei' 
ster praeceptor, schoeldener minister schoiae, ^toel sella, 
uproer seditio, voeth pes. 

bok über, modt animus, avermodt superbia, klok pnih 
4eB8, blodt sangnis, droch portavit, bokes libri, boie poeai- 
tentia, ropen clamare, schale schola. 

de. 
soet dnlcis, ndien säte; stöelte sobseliia, aber ttSle seUae. 

tM. far ahd* ü. 
gebrmek usus, btedt soniis, ruem spatinm, kruedt hcriia^ 
tmkrmdt heri»a inutiUs, vörhuedt praepudum, vuel piger, 
vmelkeit pigriiia. 

md piger, bruken Uli» stufen hanrire, luden sonare, 
brmU sponmi. 

Ue. 
wUest vastus, däetltck perspicuus, gebrüeckUck asitatus. als 
flexion ist das e wohl anzusehen in thiiet trahit, säet videt, 
geschüet fit. 



eO ZDR KENNTNIS DES HNO. 

I. fSr iM. ei, ai. - 
seheed (JiMrevit, ersckeen apparuit, dreeff pepulit, weethwil, 
^eMAetfut^responsuni, breedt latus, uthbreeden dilatare^ deech 
BMsa, deel pars, deelen dispartiri, eedt idsiurandam, ßeesch 
caro, heekn mederi, keen^ neen nallus, kleen parvus, leedt 
iniuria, meenen opinari, vormeendtlick creditus, steen lapis, 
steenigen lapidibus obmere, unterscheeden discemere. 

beledigen offiendere, allene solas, hene crara, bewenen 
plangere, egen proprius, gemene ecciesia, heten iabere, re- 
kem tendere, teken Signum. — bUv6 maneret. 

2. für ahd. tu, la, /o, te, eo. 

blees flavit, deeff für, deeffstal furtam, entsleep obdormivit, 
keth inssit, heeldt tennil, fleeck effiige, deenst servUrnm, 
deep profundus, heeth nominabatur, knee genu, leeff cams, 
leep cncurrit, meedtlinck mercenarius, vorreedt prodidit, 
sieeffkindt privignus, theen traher^^ deerte animalia. 

anripen adclamarent, b4dtin offerre, gebSden iabere, 
brtf epistola, entspr^ten nasci, g4ten fundere, nSmandi 
nemoy nSmals nunquam, prSster sacerdos, vordriten pigere. 

vorlesen ^tvAere^ denen servire, dener servas, entße^ 
gern effttgere, ummefenck amplexus est, leve amor, leven 
aaare. 

3. für ahd. i, goth. ai. 

heerden pastore^, weerdich dignus, weerdigen dignari. — 
vee pecus kann nicht füglich hierher gerechnet werden, weil 
auch vehe vorkommt. 

Schliefislich will ich noch bemerken dafs auch die heu- 
tige plattdeutsche ausspräche eine analogie für die eben be-, 
sprochene zerdehnung der älteren spräche darbietet: das 
lange e nämlich, welches regelmäfsig dem hd. ei gegenüber- 
steht, wird entweder als reiner elaut gesprochen • o4er . es 
klingt ihm ein leiser tlaut nach, welcher in manchen di- 
sirioten zum breiten hd. ai wird, so dafs weeA seit bald 
= wetj bald •=■ wSity bald = wait gesprochen wird*, der- 

* [die jetzige zerdehnung des ee in ei z.eigt sich auch schon in äl- 
teren Schriften, ick weit. tdo. in Siaggerts cbronik, circa a. 15!^5. 
deyner. servus. Lisch mecklenb. jahrb. bd. 3 s. 186. kleyne keys. 
parvi easH. ebend. s. 187. Rosegarten.] 



ZUR KENNTNIS DBS MND. 61 

selbe Uli ist es mit dem nd. ö welches hd. u oder au ent- 
spricht ^ das ist entweder ganz rein oder ein knner «Itut 
schlägt nach welcher wieder zn völligem au werden kann, 
z. b. baei liber =sbdip oder bo^k oder bauk. 

2. AUSLAUT. 

Die vorhergehende anffafsung der mnd. zerdehnnng wird 
darch eine andere erscheinung dieser mundart unterstützt 
und bestätigt in der sich eine sehr feine und eonseqnent 
hervortretende empfindung für den einflufs des auslauts aof 
die ausspräche der endconsonanlen offenbart, um nämlich 
den schlufs eines wertes deutlich in der ausspräche hören 
zu lafsen ist es nöthig einen druck oder eine gewalt auf 
das ende des wertes zu legen, wodurch fast jeder con- 
sonant unwillkürlich an härte oder schärfe zunimmt, das- 
selbe mufs natürlich dann statt finden, wenn ein consonant 
mit einem andern (und zwar surden) in der mitte eines wer- 
tes zusammentrifft, weil, wenn die laute beide deutlich ge« 
hört werden sollen, die gröfsere anstrengung des organs zur 
ausspräche des zweiten lautes einen ganz ähnlichen druck 
wie beim wortscfalufse auf den vorausgehenden consonanten 
zurückwerfen und ihn dadurch gewaltsamer hervortönen la^ 
fsen mufs. beide falle sind also nur eine und dieselbe er- 
scheinung und können deshalb der kürze wegen beide unter 
dem namen anstaut hier begriffen werden, diese lautmodi- 
fication mufs nun gewiss eigentlich in allen sprachen eintre- 
ten, aber sie wird nicht überall gleich stark sein können, und 
zwar desto schwächer sein, je lebhafter das temperament des 
yolksstammes und je flüchtiger alsQ seine redeweise ist, so 
dafs sie entweder gar nicht oder doch nur in einzelnen lal- 
len durch die schrift ausgedrückt wird, es spricht sich da- 
her in den sehr subtil durchgeführten und ausgebildeten aus- 
lautsveränderungen des mnd, eine characteristische ruhe und 
bedächtigkeit des nd. volksstammes gegenüber dem hd. aus, 
indem der Niederdeutsche sich bemüht in dem ebenen lang- 
samen gange seiner rede jedem werte und jedem laute sein 
volles recht zu gewähren und so alles hübsch ordentlich und 
bedächtig abzugränzen, während der OberdeuUche seinen 



v^ 



tt ZUR KENNTNIS DBS MND. 

Sker akhlnge und feisstöeke dahin rauschenden bei^^trömen 
gleieh meistentheili über die anhaitspunkte der rede lieber 
rueh dahin eitt oder sie gar mit sieh fortreifst als dafs er 
sich die zeit nShme jedem sein.reeht rahig zoznwägen. 

Der einfluTs des abgränzenden Sprachdruckes äuTsert sich 
aaftörlich am deutlichsten bei den mutis, die von selbst ihre 
verschiedene härte stufenweis bezeichnen : er läfst keine stufe 
deraelb«li ganz unverschont, sondern verwandelt die media 
in die tenuis oder aspirata, die einfache tenuis in die ver- 
schärfte oder auch in die aspirata und die sonore aspirata in 
die surde, so dafs jeder stumme consonant so lange es ir- 
gend möglich war seine empfindlichkeit gegen den ihm ge- 
leisteten widerstand zu eriLcnneta gab ; doch konnte die Wan- 
delung der tenuis in die aspirata auch oft unterbleiben, weil 
sieh die tenuis die der media als hilfe genügte auch zur 
Selbstverteidigung stark genug dünken durfte, die Sache 
verhält sich nun im einzelnen folgender mafsen. 

1. am meisten mufs, wie sich von selbst versteht, der 
schwächste grad des consonantischen lautes der Veränderung 
nnierliegen, also die media ; sie kann entweder (und das ist 
das gewöhnlichste) in die tenuis oder auch in die aspirata 
übergehen, und zwar so dafs die dentale media immer die 
tenuis wählt, weil es im nd. eine dentale aspirata nicht gibt, 
die dentale tenuis erscheint in der dreifachen form di^ t 
und ttj worin eine wachsende Verstärkung liegen kann; an- 
fserdem wechselt mit t auch th, die gutturale media gehl 
gewöhnlich in die aspirata ch über, bei vorausgehendem n 
aber in die tenuis ek; die labiale media geht in die aspirata 
/* über, wohl deswegen weil ihr im Verhältnis zum hd. durch 
das lautverschiebungsgesetz diese lautslufe geläufig ist. übri- 
gens kann nach der natur der nd. laute die labiale media 
eigentlich gar nicht in den auslaut zu stehen kommen, weil 
sie im inlaut nur uneigentlich vorkommt; denn da wo sie im 
hd. steht, mufs natürlich im nd. die aspirata auftreten) die 
fermeiy* — b — p für lat. u. s. w. — nd, — hd. aber, wel- 
che für das inlautende b dem nd. ersatz gewähren könnte, 
hat sich für das nd. nicht entwickelt, weshalb die labiale 
media daselbst fiist nur im anlaut gefunden wird, ans wel- 
chem sie nicht bis in den auslaut verdrängt werden kann. 



ZUR KENNTNIS DBS MND. CS 

geieden iabere, gebUdi, gebüth iiibet, geboedi iossit $ 
geraden bene saccedere, gereedt beoe saccessity biddem onh 
re, teH oravit; werden fieri, fc^erl fit, tr«!^ fiebat; holden 
lenere, AäAf/ tenet, Ao/if tene; treden calcare, trett cikat, 
iradt calcavit; «iMfe finis, enUchep finis; leeendi viU, Af^ 
vendes vitae ; vartruweni fiducia, vartruwende fiduciae $ ^0/^ 
vet amatua, geleveden amati; twrbStert emendaUis, vorM^ 
terde emeadata; godt deus, gades dei, göde dii; ^Inft aa»- 
gnia» &/Mb^ sanguinis ; ^e/tf/ pecunia, geides pecaniae $ 1/^ 
den interficere, dodt mors; /Mi]fi^ pignus, pandee piguoria, 
pmnden pro pignore eapere. 

ßegen Tagere, fleeeh fuge, thoßucht refugium; segen 
videreni, sach vidit, nchtlick visibiiis ; leggen ponere, leckst 
ponis, leckt poolt; liggen iacere, lack iacnit, licht iacel; 
geschegen fierent, geschach factum est ; seggen dicere, eeckt 
dieit, #0cA die; swigen silere, swickt silet; dtagen fem, 
drecket fers, JrocA tulit; mögen velle, i»0eA volt, machet 
via; krigen nancisci, krickt nanciscitur; plegen solnre, 
pleekt solet, /i/ncA solebat; ^ö^e traheret, unvorlocklick 
statim; dilcktick strennus, <iläcA/7]$'0 strenui ; ^^ificA benemo^ 
ratna, eid/ge benemorati; genock satis, genögen sufBcere; 
iack dies, dage dies; ao^cA via, wege viae. 

toiff diu, /«rncA longus, lancksam tardua; gingen 
iventnli ginck ivit, untorgencklick aetemus ; gesanek ean* 
tilena, gesenge cantilenae; anvangen ineipere, eneenckliek 
ab initio; ummevangen amplecti, ummevenck amplexus est; 
junge iavenes, junck iuvenis; dinges rei, dinck res; kö* 
ninck rex, köninge reges; nyelinck homo imperitus, nge* 
Unge bomines imperiti ; meedtlinck mereenarius, meedtlingee 



hebben habere, heffH habes, keffi habet. 

2. die tenuis kann sich entwedei^ durch sich selbst vor* 
schärfen, indem statt der einfachen tenuis im auslaute die 
Verdoppelung steht, oder durch die aspiration. daher geht 
die gutturale, tenuis k theils in ck^ theils in ch über; die 
labiale tenoia p aber wandelt sich in ff. 

entwiken aufugere, entwickt aufugit; sprSken loqui, 
spreckst loqneris, spreckt loquitur, spreck loqnere, sprack 
locutns est; brSken frangere, ^erAr^ firangit, ^rocA firegit. 



4H ZUR KENNTNIS DES MND. 

soken qaaerere, söchst quaeris, söcht qnaerit, gesbeht 
qnaeiitns; denken cogitare, dachte cogitavit. 

dopen bapdjsare, ddfft baptizat, döffte baptizavit, ge- 
<{^ baplizatiis ; kbpenemert^ köffst tmis, iöffi emii, köffte 
emit, geköjft einlas. — dagegen lopen currere, l'dpt corrit ; 
r^pen damare, ropt clamat. 

3. fffir die labiale reibe besitzt das nd. eine doppelte 
aspirata , eine sonore v z=z dem ngr. ß und eine surde f 
= ngr. 9>. im anlaut steht v oft ohne unterschied für^^ 
aber im inlaut zwischen zwei vocalen hat die sonore aspi-. 
rata ihre eigenthümliche Stellung, und dafs sie hier auch ei- 
nen weicheren laut hat geht schon daraus hervor dafs sie 
sieh stets in ^wandelt sobald sie in den auslaut tritt: he- 
Pen tollere, heff tolle ; dryven pellere, driffst pellis, drifft 
pellit, i&^t^pelle; geven dare, gifft dat, giff A9l^ g^ff'^^- 
dit; hlyven manere, blyfft manet, blyft mane; sehyven 
scribere, »chrifft scribit ; wyff mulier, wiver mulieres \ bfff 
corpus, Uees corppris ; hoff aula, haves aulae. 

3. MERKWÜRDIGES VON DEN GUTTURALEN. 

Bei dem übergange der niederdeutschen dialecte aus der 
alten in die mittlere periode mufs eine durchgreifende nei- 
gung dagewesen sein die alte lautformel fi in cht umzuge- 
stalten, denn sowohl im mnl. als auch im älteren mnd. tritt 
cht in vielen Wörtern auf welche im alts. ags. und ahd. ^1^ 
haben, auch in unserem mnd. der letzten periode finden 
sich noch mehrere interessante beispiele dieser erscheinong, 
während das pld. davon nur einen sehr unbedeutenden rest 
erhalten hat*, das englische zeigt spuren beider perioden 
in eigenthiimlicher Verwirrung, indem bald fi^ bald gh er- 
seheint, welches letztere in vielen Wörtern wie f ausgespro- 
chen wird, after post, left sinister, sigh snspirare, Imigk 
ridere, enough satis, cough tussis. auch das ahd. gibt in- 
nerhalb der gränzen seines eigenen gebietes beispiele eines 
solchen wechseis zwischen der gutturalen und labialen r^he, 

[die verwandeluD^ des ft in cht hat die Jetsife pommersche 
spräche noeh in manchen Wörtern: iueht luft, smekt sanft, gehackt 
Schaft. Rosegarten.] 



ZDB KENNTNIS DES UND. 66 

kkphan iloohön klacly'm pulsare, lib lih Tita, oorpuA, kruh- 
chen krifan repere, za vergleichen mit ags. creop^n^ engl. 
creepy hord. krh^üy mnd. kripen, nbd. kriechen, lat. re^ 
pere, serpere, griech. i^nvCfü, skr. srap. der Übergang der 
labiale in die guttaralen scheint demnach immer erst eine 
spätere entwickelung zu sein und steht im nd. in abhängig- 
keit von einem folgenden t. wichtig ist diese erscheinnng 
für die erklärung einiger dunkler wortformen; weshalb die- 
selbe hier näher beleuchtet werden soll. 

sacht placidus, saehtmödich mitis, sachimodt mitis ani- 
mas, ahd. samß^ ags. seß, soß^ engl. sq/i. aus dem älte- 
ren mnd. ist zu vergleichen saehtmödich. zeitschr. f. d. alt. 
I9 541, 15. 19. sachtmodicheyt zeitschr. 1, 541, 25, JOcA- 
ten mitigare, wen sik de?ine sacktet sin böse grünt zeitschr. 
1, 542, 32. der nasal ist also in den niederd. dialecten- 
eins timmig verloren gegangen. 

sachten und sitften ingemiscere, ahd. su/tdn, mhd. süif" 
ten, säßen (zeiUchr. i, 489, 19. 454, 559. 2, 198, 17), 
ags. seoßan, engl, sigh, die englische form ist ebenso ans 
der ags. umgebildet wie die mnd. aus der altnd., die wohl 
der ahd. gleich gelautet hat; deswegen ist der guttural in 
sigh und suchten nicht gleich dem in goth. gasvögfoHt 
sanskr. suc. vergl. Graff 6, 173. 

achter pone (das noch heutzutage gewöhnliche wort für 
hinter), achterreden oalumniari, ahd. qftar, goth. qftaroy 
nord« qftiry ags. q/ier^ engl, aßer, alt. mnd. und mnl. ach» 
ter, der achter rage vorsähe im Cato zeitschr. 1, 542. 
dat in is nit achter bleven zeitschr. 2, 321. achter loissen 
zeiUchr. 2, 321. 

bicht und lufft aer, mnl. locht (zeitschr. 1, 106)» lucht 
(zeitschr. 2, 328), ahd. alts. Itß, goth. lu/iu, ags. /j(^ 
engl, to Kß^ altn. lopt, 

Imehter sinister; ebenso im alt. mnd., wente wat dar g\ft 
dm. vord* haut dat sc diner luchteren umbekant zeitschr. 
1, 544, 24. und im mnl., uut sire lucht^ hont, uut sinen 
htchtren voete ^tschr. 1, 103. die etymologie dieses Wor- 
tes ist doakel: das engl, le/i sinister läfst sogleich an to 
leave reliaqaere (ahd. leijgany altn. ietfa, ags. laefan, alts. 
ßarlebian) dräken, dessen part. prät. im engl, wörklich leß 
Z. F. D. A. III. 5 



M ZUR KENNTNIS DES HND. 

heifst und die bedentang relictos, reliqaas = posterior wür- 
de vortrefflich zu der obigeo mnd. stelle passen, wo diie 
rechte hand die vordere heifst; aber dann würde eine ahd.^ 
form leipter, alts. le/ter erwartet werden miifsen, deren 
Vocal wohl zu dem engl., aber schwerlich zu dem mnd. 
mnl. tf stimmt; deshalb wage ich nicht diese lockende spar 
weiter zn verfolgen, sondern sehe in luchter den rest eines 
älteren wortstammes: im alts. müste die correspondierende 
form lufter oder lojter laaten und dies würde auch einen 
ahd. stamm luft oder laft vermuten lafsen, wovon ich aber 
nichts nachzuweisen vermag, jedesfalls ist wohl das latein. 
laevusy griech. kaios als verwandt zu vergleichen. 

brädtlacht nuptiae : dat men am sondage nene brudtiacht 
holden schal Ag. 190. de brudtlachten Ag. 190. datde lüde 
Sre brUdtlacht up den mncndach leggen Ag. 191. wat in 
brudtlachten gebrüecklick is Ag. 172. brudtlachtes predige 
sermo nuptialis Ag. 174. b. unde am drüdden dage wärt 
eine brudtiacht tho Cana Ag. 409 a. über die ahd. form 
dieses wertes, brätloufii, brutlauft haben sich schon Grimm 
(dent. rechtsalt. 434) und Graff (ahd. sprsch. 4, 1120) und 
zwar beide zweifelnd ausgesprochen, der gründe zum Zwei- 
fel über die erklärung der zweiten hälfte von brutlauft sind 
auch, wenn ^lan die verschiedenen dialectischen formen des 
merkwürdigen wertes mit einander vergleicht, gewiss nicht 
wenige, die ags. form bridlop nni die altn. brütlaup sammt 
dem dXn. bnäbqf weisen einerseits durch ihre tennis ent- 
schieden auf den stamm hlaupa, hleapan^ erregen aber dnreh 
den mangel des anlautenden h gleich wieder verdacht; un- 
ser mnd. brudtiacht^ im brem. wb. brutlag brutloft, ^as 
mnl. brulucht (zeitschr. 2, 327), brulogt (zeitschr. 2, 355) 
nnd die modificierten formen bruloyt (zeitschr. 2, 350) und 
bruloit (zeitschr. 2, 327) lafsen eine alts. form brutloftyer* 
muten ^ welche wiederum nur dem stamme lobhön lovön lo» 
bdn angehören kann, während von hlopan müste bräthbip 
erwartet werden, woraus aber kein brutlächt brulucht ent- 
stehen könnte, die hd. formen dagegen geben eine entschie- 
dene hinweisung auf den stamm hlanfan currere ; der an- 
fsere babitus der form btHtlauß brütloußi iäfst eben so 
schnell an hla^f hlauß hlatffH cnrsus denken als brätimqf 



ZDR KENNTNIS DES BIND. 07 

an kUaq»9 MÜlop an hleapan; der mangel des ankutes wür- 
de an und für sich noch nichts entscheiden, da sich finsi für 
alle mit U anlautenden Wörter auch schon ahd. formen fin* 
den in denen das h abgeschliffen ist. aber Graff gibt (4, 
1120. 1121) würklich formen die mit h anlauten, nämlich 
inUhlmf/t nüptiae, bruihlauße nuptiis, tmihlmf/Uc nuptia- 
lem, bruthlaufiiges nuptialis; es wäre aber gewiss eine 
schwierigere annähme das h in diesen formen für eine un- 
organische anschwemmung zu erklären als den mangel des- 
selben- im ahd. altn. ags. für einen auch sonst oft voiiuim- 
menden natürlichen verlust an formfiille, besonders da die 
vollere form würklich vorkommt, aber ahd. bräibnffti bfiU- 
limft, mhd. bräüouf brütlwß brüüoß brüüqff (Grimm d. 
rechtsalt. 434), bair. bräutläuß, silv. briüof (Schott silv. 
gem. 277) reizen auch auf der andern seite gar nicht zur 
ableifung von lobdn^ lob^n spondere ; denn obgleich der Über- 
gang der media b vor /i, t in die aspirata f nicht blofs 
niederd;, sondern auch bd. ist (vergl. gift, gruft^ klufi von 
deU' wurzeln gab, grab, klub) und auch von tob An ein loJU 
UnufH erwartet werden könnte, so ist doch bei diesem stam- 
me das Suffix H sonst nicht geläufig (vergl. gelubeda foe- 
dus, Urlaub licentia), wonach von lobön eher ein brätlobda 
brüilaub brüüobnissa mundgerecht wäre, während für den 
begriff cnrsus das suffix ti im ahd. ganz hergebracht ist und 
im altn. der mangel des Suffixes an brätlaup ganz zu der 
form hiaup cursus stimmt, aus diesen gründen bin ich über- 
zeugt dafs der zweite theil unseres brauüauf für die. hd. 
nord. und ags. formen nur aus dem stamme laufen erklärt 
werden darf; und dahin mufs nun wohl auch das ranl. und 
jDuid. sich vereinigen, wären die formen bruiüacht bru- 
lueht bnUogt auf nd. boden erwachsen, so müste allerdings 
nur an geloße gel'öfie foedus, votum gedacht und eine alts. 
form btiUUf/ie vorausgesetzt werden; aber dann wäre wohl 
dem mnd. die etymologie des wertes noch im gedäehtnisse 
gewesen und es hätte sich wohl eher eine form brudtlaeht 
brudtlöcht als unser brudtlaeht gebildet, da nun das mnd. 
die bedeutung dieses wertes nicht mehr klar gefiihlt zu ha- 
ben scheint und sich auch kein alls. entsprechendes wort 
aufweisen läfst, so glaube ich dafs diese wortform im alts. 



68 ZUR KENNTNIS DES HND. 

entweder gar nicht vorhanden gewesen oder doch sehr früh 
anfser gebraueh gekommen ist. wenn sich dies wärklich so 
verhält (was freilich erst durch eine sorgfältige darchfbr^ 
schung aller alts. quellen erwiesen werden müste), so bliebe 
nur die annähme übrig, dafs sich die mnd. nnd mnl. wort- 
formen aus dem mhd. brütlouft bruüoß entwickelt haben^ 
was an und fEir sich bei dem bekannten einflufse des mhd. 
auf die mnd. und mnl. Schriftsprache nicht auffalten kann; 
beide dialecte waren aber gewohnt in vielen Wörtern dem 
hd. Jt ihr beliebtes cht gegenüber zn stellen und bekleide- 
ten also wohl bald nach der aufnähme den hd. fremdling mit 
nd. gewande. ebenso aber konnte sich in dem fremden dun- 
keln Worte im mnd. aus hrudtlocht leicht brudtlacht bilden^ 
da namentlich im spätem mnd. das mhd. o sehr häufig duroh 
a vertreten wird, vergl. apen apertus, entspraten uatns; 
ß*am pius, gades dei, gehraken fraclus, gegaten fiisas, ge^ 
namen captus, geslaten clausus, gespraken dictus, hapen 
sperare, kamen venire u. a. m. möchte dieser versuch eine 
dunkle wortform in allen ihren verschiedenen erscheinnngen 
anfiEuklären den kundigen genügen. 

Übrigens gibt es aufser den hier aus unserer quelle be«- 
handelten Wörtern mit cht für Ji im mnl. und im älteren 
mnd. noch viele beispiele für diesen lautwechsel. ich führe 
zum schhifse noch einige an. mnl. ogte aut (mnd. effie) 
zeitschr. 2, 356. 353. mnl. Richten constituere zeitschr.2^ 
326. ebenso im älteren mnd. mnl. scachi hastile zeitschr. 1^ 
109. gkescacht creatns zeitschr. 1, 264. craekt robur 
zeitschr 1, 264. (im mnd. unserer quelle krq/if varschmfi, 
ätifften). 

Als eine zweite bemerkenswerthe eigenthümlichkeit der 
mndw gutturalen ist ihre Verwandtschaft mit den halbvoealen 
j nnd tcr anzusehen, von der gutturalen media zum halbvo- 
cal j ist nur ein kleiner schritt und die provincielle aus* 
spräche in Deutschland verwechselt beide laute vielfach, da* 
her ist es wenig auffällig beispiele zu finden wie mnd. f/e^ 
gen contra, yegenwerdtch praesens ; ebenso im Cato zeitschr. 
1, 540, wo sich aber auch kegen nnd legen findet (538. 
540.542), mnl. /9g'^ (zeitschrv 1, 108), ahd. gagan kagmn^ 
ags. gegen, nord. gagn. — so geht auch die gutturale aspi- 



ZUR KENNTNIS DBS MNO. C9 

nU sawalen in den halbvocal übert teyeh deoem, tlU.;te- 
kofif goth. taihuTiy ahd. sekan. 

So konnte sich nun natürlich statt des halbvocals auch 
der wiirkliche vocal t an die stelle des gutturals isetzen, z. b. 
sleit feril, tein decem. vergl. mnl. crait cracht vis, seide 
dizit, bruloit brülogt nupüae, mhd. verireii perfert, seit 
dicil, werzeit pavidus, meit virgo, gekleit accusatus. 

. Und wie^ in den angegebenen fiUlen eine erweiebung 
des ursprünglichen guttural« in den balbyocal y oder in den 
vocai € statt finden, so ist auch die Verhärtung eines hilb- 
vwcals zum gutturalen nicht ohne beispiel, und zwar des halb- 
vootl» m znr media: söge sues («oa^sus. Griff 6, 63), ags. 
MUgm^ tnf^. $oWy ahd. sü sus, mwi suis; negen novem, 
ags« mgan^ goth. ahd. nitm, nord, niu, lat. novem, skr. 
SMMW; wobei das ags.. in Übereinstimmung mit dem nd. die 
fnttnnde media zeigt. 

Aber diese vereinzelten fälle von- erweichten and darch 
vwkärtwig entstandenen gutturalen im mnd« führen uns zu 
einer aaf dem deutschen Sprachgebiete weiter verbreiteten 
erscheinung des wechseis zwischen gutturalen und den halb- 
voealen w und j, wodurch die eben angeführten beispiele erst 
in ihr rechtes licht gesetzt werden« es ist dazu natürlich 
die vergleichung der dialecte erforderlich. 

i. Es gibt eine reihe von deutschen wortstämmen wo 
das ahd. als erweitemng der vocalisch anslautenden wurzel 
k oder w verwendet oder auch die infinitivendung mit dem 
/ der schwachen conjugation unmittelbar an den stamm an- 
sehliebt; das mhd. hat entweder das t der schwachen conj. 
zu / verhärtet oder es zeigt h wie das ahd. ; das nhd. be- 
hält dieses h durchgängig bei. das goth. hat in entspre- 
eheaden Wörtern stammhaftes i, als dessen Verhärtung das 
bd, h angesehen werden könnte, während sieh zngleidi anch 
w an dem stamme entwickelte, für das alts. mnfs wohl als 
Tegel gelten dafs sich weder w noch h in dieser wortreihe 
geiiinden habe, sondern blos das t der schwachen conjngia- 
tion ) demgemäfs haben das mnd. und und. dnrehgängig den 
halbvocal y» /. das ags. zeigt standhaft den andern halbvo- 
cal 9, welohen auch das englische in seinem w beibehält; 



70 ZUR KENNTNIS DBS MND. 

das nord. endlich verachtel jede erweiterung des Stammes, 
so entsteht folgendes Schema 

goth. ahd. mhd. nhd. alts. mnd. ags. engl. 
i j\h,to j\h h i j VW. 

goth. sdian serere, vdian spirare. 

ahd. sdan sdjan sdhan säwan serere, mäkm metene, 
nä/Um ndwan ndfan nectere, bldfan blähan inflare, wdjan 
wähan wän spirare, drdjan drdhjan torquere, bütfan blöhan 
bldwan fiorere, gUJan candere, rndjan möhjan vexare, mö/n 
mdlestia. 

mhd. fflilen g'läejen, bUlen blägen, müen müefen, blw- 
Jen spirare, drcejen fragrare, kroqen crocitare, masgen me- 
tere, nmjen nere, saejen serere. — bwhe foveo, ban fo- 
vere, drashe torqaeo, iran torquere. 

nhd. säeuy mähen, nähen, blähen, wehen, drehen, iU^ 
hen, glühen, bemühen, mühe, 

alts. sdian serere, also auch wohl mdian, ndiam,bUÜm, 
wäum, drdian; und aus blöian florere folgt auch gldüm 
eandere, gamdian vexare. 

mnd. nnd und. seyen, meyen, neyen, bUyen, weyem, 
dreyem. • — bläyen, gloyen, möye, bemöyen. 

ags. sdvan serere, mdvan metere, bUvan fiare, dkra^ 
van dhregüm torqnere. — bldvan florere, glövan candere. 

engl, to *aw serere, /o mow metere, fo blmo flare. 

nord. 8Öa sd serere, md metere, glöa candere, mym 
molestare. 

2. In einer andern reihe von Wörtern steht das ver- 
hlfltnis der dialecte zn einander etwas anders; denn wäh- 
rend in der ersten j und h vorherschten, so ist hier w über- 
wiegend, die hierher gehörigen wortstämme sind nimlich 
solche deren stammvocal seine neigung zum «laut im ahd. 
mhd. ags. alts. mnd. durch anschiebung oder richtiger durch 
prödnction des halbvocals kund gibt; das alts. zeigt anch 
nisere formen; das goth. hat wohl in den gmndfömea 
meistens ßu gehabt, in den ableitungen tritt das suffix.yn 
und die formel ggv auf. ebenso zeigt sich eine guttnrali- 
sierung des (labialen) halbvocals einzeln im nord. und ags., 



ZUR KENNTNIS DES MND. 71 

« 
aber dorchgäogig im vei:häUDi8 des nnd« zum mnd.$ das 

nhd. hat den halbvocal meist wieder aufgelöst, doch zuwcih 

len anch in h verhärtet, es entsteht uns also die reihe 



goth. ahd. 


mhd. 


nhd. 


alts. 


mnd. 


nnd. 


ags. 


««> gg^i (J) to 


w 


Uyh 


w 


w 


g 


^^g 



nord. 

gg' 

goth. gabauan habitare, frvzua» confidere, ii9^gnmiA»s^ 
fraujm dominus, nüga novus. vergl. blaggv =r ahd. plau^ 
glaggv =: ahd. clau. s. Grimm gr. 1, 119, 1. 

ahd. drttwjan drawen minitari, hauan hauwan kauwdn 
hmnufam caedere, büan bäwan habitare, briuwan fenrere, 
mgruSn (auch wohl gruwSn?) horrere, 1rü4n tmwen triu- 
wem eonfidere, iriuwa triwa fides, Jrawa Jrowa Jhwwa nia- 
lier, hrimoa poenitenüa, hriuwan poenitere, räwm röa rouwa 
^es, rAwdn ruow6n quiescere, strawjan spargere, JroMgmi 
frawja» frewjan gaudere, firawida laetitia, scawön scauwin 
contemplari, niwt niuwi novus, niwdn renovare. 

jBE^i^^ hauwen caedere, büwen bouwen colere, brouwen 
fervere, getruwen getrouwen eonfidere, nrouwe femina, rm- 
wen dolore, rouwen dolorem, rdwe ruowe quies, räwen 
nuhoen quiescere, ströuwen spargere, vröuwen vrewem gau- 
dere, sehouwen adspicere, niuwe novus, niuwen renovare. 

nhd. drohen, hauen, bauend brauen, grauen, trauen, 
treue, Jrau, scheuen, reue, ruhe, streuen, freuen, schauen, 
neu. 

alts. gtthrödn minitari, ^üön eonfidere, treuHt fides, 
frahajrö dominus, hrewan poenitere, döian mori, siröwian 
stemere, vergl. hau percussit, s^ seminavit, snäu nix, sUu 
hebes (Grimm gr. 1, 244. 245). 

mnd. drowen drouwen minari, howen Aoi^e» caedere, 
buwen aedificare, bruwen cerevisiam coquere, gruwen hor- 
rere, truwen eonfidere, truwe fides, Jruwe mulier, schuwen 
reformidare, ruwe poenitentia, rouwe quies, strauwen Hri^ 
wen ströuwen spargere, ßröwde gaudium, fröuwen gaudere, 
beschouwen contemplari, nye novus, vomyen renovare (wohl 
firfiher niwe, vomiwen). 

und. drougen, hougen, bugen, brugen, grugen, tru- 



n ZUR KENNTNIS DES MND. 

genj Jrugen mulieres, nmgen quiescere, schugen reformi- 
dare, sirSugen frimgen gandere, nige novas. 

ags. dhrean dkreavjan dhreagan minari, heatxm ca5- 
dere, brivan fervere, treovjan confidere, treova fides, kreove 
poenitentia, hreovan poenitere, streavjan? streagan? spar- 
gere, neov niva novus, nivian renovare. 

engl, brew cerevisiam coquere, tnie veras, strow 
strew sternere, new novas. man halte auch snow nix, draw 
trahere, dew ros gegen nd. snigen, trecken, däugen. 

nord^ brugga fervere, trua confidere, nyr novns, ngß 
renovare. 

Durch diese Zusammenstellung, in welcher ich die for- 
fliett ffir die älteren dialecte nach GraflF und Grimm, die 
mnd. nach meiner quelle, die und. aas dem munde des vot 
kes gegeben habe, scheint die Verwandtschaft der gnttnnH 
len mit den beiden halbvocalen, besonders aber eiuQ neigang 
vieler deutscher dialecte erwiesen zu sein, mit gatlaralen 
und dem halbvocale w in vielen wortstämmen zu wechseln». 

Wenn wir nun w als den labialen halbvocal bezeieh- 
nen, so wie j der gutturale genannt werden kann, so er- 
scheint Mch der oben abgehandelte eintritt des du im miil. 
und mnd. für älteres^. als aus derselben neigung entsprun- 
gen und ist im gründe dieselbe erscheinung, nur auf einer 
andern, nämlich der aspirierten stufe. 

Endlich ist von den gutturalen zu bemerken dafs sie im 
mild, häufig ausgefallen sind, und zwar am meisten vinr s^ 
aber auch sonst im in- und auslaut. 

bÜ8ge pixis^ osse bos, sö$s sex, was» cera, wassen 
erescere, f>oss vulpes. — na post, naber ricinus, näberwskop 
vicinitas, kamöddch superbus, slan ferire (aber slögen, ge- 
slagen)j theen trahere (neben tögen^ getagen)^ gesehem 
fleri, gescküet fit (doch gesehegen facti sunt, geschach fa- 
ctum est), Seen ridere, süet ridet (aber sack vidit, segen 
viderunt), lenen mutuari (ahd. lehanön)^ feen mutnum (ahd. 
hkan)y vortjfen ignoscere, smäen maledicere, smeUck igno- 
miniosus, smaheit ignominia, vorsmaden repudiare, vee pe* 
cus, Giener Cingarus, sMe dixit, IMe posuit. 

Die zahl dieser beispiele würde sich leicht noch ver- 
mehren Ufsen, wenn ich über die gränzeo unserer quelle 



ZUR KENNTNIS DES MND. TS 

hätte hinausgehen wollen, das mnl. geht auch in dieser er- 
scheinung hand in band mit dem mnd., indem es besonders 
vor der dentalen tenuis gutturalen ausstöfst, z. b. vrut firu- 
ctus (zeitscbr. 2, 305) vorte melus (zeitschr. 2, 311) unre- 
the iniustus (zeitschr. 2, 321) geslethe genus (zeitscbr. 2, 
321) gesut quaesilus (zeitschr. 2, 323) besuet (mit zerdeh- 
nung für besut) tentatus, probatus (zeitschr. 2, 329) ; .im in- 
laut zwischen zwei vocalen widersaen negare, obtrectare 
(zeitsebr. 2, 341). 



4. STEIGERUNG. 

Was Grimm (gr. 3, 621 f.) von der comparativischen 
natur der sufBxe an goth. hvapar, ahd. huedar und an den 
possessivis nachweist, so wie (3, 635) an goth. anpar^ ahd. 
andar, und was er (3, 629) bei gelegenheit des goth. hlei- 
duma (sinister) vom mnl. rechter erwähnt, das findet in ei- 
nigen wortformen unserer mnd. quelle einen merkwürdigen 
anklang, für das relativum eiüstiert nämlich daselbst aufser 
den gewöhnlichen Wörtern (de, daty — so, — wat) das dem 
ahd. interrogat. welihher, alts. huilik, entsprechende wel- 
cker, das vollkommen in comparativischer form und flexion 
auftritt und zwar eben so in einer doppelten weise wie die 
ahd. possessiva unserer unser, iwerer twer. in ganz ähn- 
licher art erscheint das indefinite pronomen yeder quisque, 
welches in seiner ganzen flexion durchaus comparativisch 
ist und nur, wie dies im nd. gewöhnlich ist, die definierenden 
endungen im nom. masc. und neutr., und im acc. neutr. 
eingebüfst hat. ich setze die formen der beiden pronomina 
so wie sie in Ag. und KO. in vielfältigen belegen angetrof- 
fen werden, als paradigma hieher. 

1. relativum und interrogativum. 

a. volle form. 

sing, 
nom. wetekSre qui, welckSre qnae, welck^e quod. 

Wdlcker. 
gen. w^ickSres, welckSrer, wetek^res. 



74 ZUR KENNTNIS DES MN1>. 

dat. welck^em, welekir^r, welck4rem. 
«eo. welck^rem, welckSre, weick&e^ welcker. 

plur. 
nom. welckSre. 
gen. welck^er (?). 
dat. welckSren. 
acc; welckSre. 

b. veriLÜrzte form. 

sing. 
nom. welckes, welck qaod, quid, 
gen. welckesy welcker ^ welckes. 
acc. welcken quem. 

plur. 
\nom. welcke, 
dat. welcken. 
acc. welcke. 

Die erste form mit dem comparativsuffix ist bei weitem 
die gebräuchlichere, nur den gen. plur. habe ich nicht an- 
getroffen; beiderlei formen werden für das interrogat. und 
rdat verwendet. 

2. indefinitum. 

a. starke form. 

nom. yeder^ yedere, yeder. 
gen. yederesy yederer, yederes. 
dat. yeder em, yeder er, yederem, 
acc. yederen, yedere, yeder. 

b. schwache form. 

nom. ein yeder, eine yedere, ein yeder. 

gen. eines yederen, einer yederen, eines yederen. 

dat. einem yederen, einer yederen, einem yederen. 

acc. einem yederen, eine yedere, ein yeder. 
Neben diesen vollständigen formen kommen anch die 
elidierten yeders, yederm, yedern vor. 

Diese von welcker und yeder aufgestellten formen sei- 
gen uns das mnd. noch in ungeschmälertem besitze eines at* 
ten indogermanischen erbgutes, wovon andere sonst bevor- 
zugte brüder nur kümmerliche reste erbalten haben f lad 



ZUR KENNTNIS DES MND. 75 

dazo gesellen sich noch zwei andere Wörter welche gleieh- 
fidls anf anerkennung ihrer alterthömlichkeit anspräche har 
ben, das ist rechter dexter and luchter laevus. wie über- 
haupt bei örtlichen bestimmungen wo die vergleichnng nut 
dem eignen oder einem fremden Standpunkte in frage kommt 
das comparatiwerhältnis hänfig gefunden wird (vei^. Grimm 
gr^ 3, 622 ff.) und wie namentlich für die begriffe recht and 
link sowohl in den alten sprachen als auch in den germa- 
nischea- vnndarten die comparativ- und superiativformen auf- 
treten (vergl. Grimm 3, 629), so gibt uns auch unsere 
und. qudle diese begriffe nur in der gesteigerten form, 
thor rechteren hmidt Ag. 3, mitsiner rechtem handt Ag. 188 
und öfter $ ihor bichteren handt Ag. 117. 226. über die 
Wurzel husht ist oben bei gelegenheit des wechseis zwischen 
cht und Jl eine Vermutung gewagt worden ; was aber die 
comparativische natur dieser beiden Wertformen anlangt, so 
ist für sie besonders das mnl. zu berücksichtigen, für rech- 
ter sind mnl; belege bei Grimm (a. 9u o.) gegeben ; für das 
Tön üün nicht erwähnte luchter wiederhole ich die beiden 
sdioa oben angefahrten stellen, wU sire bichi hont, uut sir 
nen lachtren voete zeitscbr. 1, 103, und das mnd. wente 
wat dar gift diu verde hont dat se diner bichteren umbe- 
kant. Cato 24 zeitschr. 1, 544. 

Für die anomalen comparativbildungen mufs hier noch 
erwähnt werden dafs, während melior melius in unserer 
quelle sonst immer b^ter heifst, sich doch auch noch die 
form bSt in dem i^usdruck desto b4t eo melius KO. 20 vor- 
findet; man denke dabei an die im mhd. besonders geläufigen 
ausdrücke vil bax, michel baz, deste ba», und an die ent- 
sprechenden formen der alten dialecte (ver^. Grimm 3, 
589. 591. 593 ff. 604); als beispiel aus dem altem mnd. bie- 
tet love einen anderen nickt bet wan dy Cato 9 zeitschr. 1 , 544. 

5. PRONOMINALSTÄMME. 

Von den reichen pronominalbildungen der alten spräche 
hat sich in unserem mnd. noch manches ehrwürdige altera 
timm erhalten, wenn auch oft entstellt und ohne genaue ver- 
f^ekhuBg plasüsdierer formen unkenntlich, zuerst tritt uns 



76 ZOR KfiNNTNIS DBS MND. 

der in ahd. und mbd. so vielfach verwendete jtamm wiht 
entgegen, er kommt in der form icht vor, ichtes wat quid- 
qoam KO. 8. Ag. 294. der partitive genitiv steht auch ohne 
umtt VOM nemamde ickU KO. 72. tchts tho gSven KO. 109. 
wärdem de vuitatores ichtes vor ordnen KO. 80 (vergl. 
Grimm gr. i (2e ausg.) 318. 392. 393). im Cato 35 icht 
fl/ft^iotf zeitscbr. 1, 540. — mit der negation erscheint gleich- 
fidls sehr oft die vollere form nichtes (neben nichts) j die 
mit ichtes, ichts verglichen sich sogleich als partitivgenitiv 
erweist Grimm 3, 64. 67. 68). für den begriff nolios 
kommen in anserem denkmal beide deutsche bildungen in 
gleichem recht neben einander vor, sowohl neen = alto. 
neinni altfr. n^, ags. ndn, engl, none (entstanden aus hp- 
ein (Grimm. 3, 66), als auch keen =: ahd. nihhein, nffh- 
heiny mhd. nechein, enchein^ nhd. kein, alts. nighi^ oinl. 
neghin (entstanden aus nih-ein Grimm 3, 69 ff.). 

Eine andere aus dem stamme ein erwachsene wortfonn 
ist yennich : yennich söne edder dcchter, — yennich heirate 
giutt KO. 42. yennich prMiger KO. 43. yenmgen hercken- 
deenst KO. 47. ane yenniges hinderinge (sine cuiuspiamiv- 
pedimento) KO. 84. van yMger creature Ag. 118. nätyenr 
niger vorwerringe der conscientien KO. 26 und in vielen 
anderen stellen, das wort bedeutet, wie die belege zeigen, 
uUns, qnidam, und entspricht dem ahd. einicy ags. uenig, 
nnl. tnech Anig, engl, any (Grimm 3, 9) \ aber es ist noch 
mehr als diese Wörter, denn in dem anlautenden y, j steckt 
das präfix ^Oy mhd. ie, nhd. je, so dafs sich yennick mit 
ahd. So einic uUus (Grimm 3, 52) völlig deckt, so wie ye- 
wumdt mit ahd. 4oman. von diesem letzteren wort^ ist zu 
bemerken dafs zuweilen der genitiv, analog dem gen. ick- 
tes, nichtes, elliptisch als acc. oder nominal, vorkommt, so- 
wie also ichtes für ichtes icht oder ichtes wat, nichtes für 
nichtes nickt steht (Grimm 3, 67), so hier yemandes für ye- 
mandes ein oder yeaiandes yemandt: unde schälen nicht licht- 
lick des sondage morgens yemandes absolveren Ag. 140. dat 
de oonscientien nicht vonoerret nochyemands unckristliok be- 
swSret werde Ag. 140. dieses präfix eo, io, goth. aie kommt 
auch als selbständiges wort vor, wie nhd. je (vergl. Gnff 
1, 513 ff.), in der form yo: yo dat ungelücke gröter iSp yo 



ZDR KENNTNIS DES MND. 77 

ie lece t/üriger wert Ag. 176. yo se dergebordi neger sint^ 
yo ie godi lever hefft Ag. 109. yo neger de tydt der gebordi 
heran ttet, yo mer se gade dancken schölen Ag. 110. 

' Ein anderes merkwürdiges pronomen ist ein idtliek unns- 
qnisqae. sehöle wi billick mit grotem vlyte ein idtUck sick 
siUeesi pröven Ag. 355. darum schölen wi em idtliek sin 
crfUze itp sick nimen Ag. 356. da dieses wort nur in der 
bedeataog quisqae, aber nie für aliquis gebraucht wird, ao 
hat es nichts mit ahd. etalih, mhd. etelich, nhd. etUch nn 
thnn, noch mit mnd. ittelik aliquis^ nnl. ettelik (Grimm 
9, 58. 59), sondern es entspricht dem ahd*. iosöwöUh, mhd. 
ieiüch quisqne, für welche letztere form auch als verein- 
zelte yarianten ietsUch und itzleich von Grimm angeführt 
werden (3, 56. •67). diesen mhd. bildungen ist unser 
idtÜck ganz gleich und dieses wort löst also den von Grimm 
ausgesprochenen Zweifel ob die bildung ieslich auf nd. gt- 
biete gefunden werde, wenn man nicht lieber annehmen 
will dafs in unserer späten mnd. quelle das wort blofs als 
ein dem mhd. itzleich, ietslich nachgebildetes gefafst wer- 
den müfse. 

Der begriff talis wird häufig durch sodaen ausgedrückt. 
weUsk ü denn sodaen wer dt gades Ag. 40. welcke sint so* 
dane werdi unde thosagen gades Ag. 41. ahd. s6 getän^ 
mhd. so getan sdtdn (Grimm 3, 62). 

Von den comparativischen formen des relat. ist schon 
oben gebandelt worden ; aber es ist noch ein anderes rela- 
timm anzugeben welches auf den ersten blick etwas be- 
fremdlich aussieht, nämlich wol is qui oder als interrogati- 
▼um quis. wol de gröteste is sy der andern dener KO. 14. 
schal de vader edder wol tqf sinen bevSl tadderen biddet 
KO.I^S; wol (quis) entfengt denn sölck sacrament weerdt- 
gen? de is recht weerdich wol den geloven heffly — wol överst 
dissen worden nicht gelövet eddeif tioivelt^ de is unweer* 
dich Ag. 44. zu erklären ist dieses wol aus ahd. hwioüh 
qualis,- welchem eine kürzere form wel weier (quis) gegen- 
übersteht ; mhd. weih wel (Grimm 3, 47), wobei man sich 
nur über den olaut der mnd. form wundem mufs. 

Andere sprofsen aus dem relativstamme sind das loca- 
tive wor nbi,' mit dem entsprechenden demonstr. dar ibi. 



78 ZDR KKNNTNIS DES MND. 

w€T steit dai geschriven Ag. 42. wor ü denn sökt iAent 
umde drimekent nüite iho Ag. 43. ähd. kwär, alts. hudr 
(Grimiii S, 184. 185); das modale wo qoomodo, wo kan wa^ 
ier solok grot ding doen Ag. 41. wo kan de nunscke sUnde 
tw yA wi Ag. 45.' alte. hu6 (Grimm 3, 183); und das ent- 
aprechende demonstrat. do qaam, tmse herre Jenu Christus 
m der nacht do he vorraden wart Ag. 41. ahd. dö, alts. 
Aue (Grimm 3, 169); endlich das caasale wente nam, wel- 
ches doreh^ngig in unserem denkmal für das hd. denn ver- 
wendet wird, ahd. hwanta, alts. hwand^ mhd. want wante, 
mnl. want (Grimm 3, 183. 184); auch in der bedeutnng 
usqne ad kömmt wente noch vor, ick de herre din godt bin 
ein yverich godt de aver de de mi haten de sünde der vSder 
tho kus söke wente in dat drüdde unde verde geledt Ag.34. 
so auch das mnl. inde also lange als da bes wint doit is 
Herodes mnl. Ostersp. 521 zeitschr. 2, 319. im mnd. fin- 
det sich wente (nam) auch sonst nicht selten, seitscbr. I, 
538. 539. 540. 541. 543. 544. 545. 546. 547. 

Als seltene und vereinzelte bildung habe ich endlich 
noch für das gewöhnliche yhnals das wort yewerle unqnam 
und die negation newerle nunquam für nhnals angetroffen. 
wente nemandt hefft yewerle sin egenfleesck gehatetAg, 177. 
unde dat idt bSter were dat se den wech des Uvendes unde 
de gnade Christi newerle erkandt hedden KO. 4. man denkt 
sogleich an das engl, ever^ never oder an ahd. Sagoweri 
usqoequaque, iogiwar quolibet, mnl. ieweren usquam, niC' 
weren nusquam, und ist geneigt die mnd. endung le mi 
mnl. nieweren el nullibi, eis ieweren alicubi (Grimm 3,220) 
zusammen zu stellen, wenn aber auch der Übergang der lo- 
calen bedeutung in die temporale nichts aufTälliges bat, so 
erklärt sich doch unser yewerle^ newerle viel leichter aus 
mhd. zer werlde nie, zer werlde immer, mnd. newerlde und 
im brem. wb. iewerle «unquam, tmwerle nunquam, Grimm 
3, 224. 

6. ADVERBIA UND PARTIKELN. 

Die mnd. adverbia finden sich theils in der genitivischen 
form (Grimm 3, 88 ff. 127 ff.) auf es, s, theils in der schwa- 
chen form auf en (Grimm 3, 94 ff. 136 ff.) und auf e (Grimm 



ZUR KENNTNIS DES MND. 79 

S, iOiff. 115 ff.), wovon ich beispiele geben will* dageäkes 
KO. S7. yarlikes KO. 102. vorgeve* firastrt. 8tede$ semper 
KO. 8S. volgendes postea. ylendes festinanter Ag. 79. 
sHüetmigends tacite Ag. 246. itxundes nane Ag. 105. wr4* 
veU iiafaria Ag. 134. 

gruwUken horride KO. 4. ersten primo KO. 15. vfy- 
tigen wUh imwliken diligenter et fideliter KO. 18. untgdi^ 
gen praemature KO. 23. nömliken nempe KO. 54. desge- 
fycken demgelycken pariter KO. 69. moetwüUgen pelaüii- 
ter KO. 85. ryckliken abunde Ag. 23. emtfoldigen simpli- 
eiter Ag. 32. tüchtigen caste Ag. 33. faUchliken fidso Ag. 34. 
godtliken divinitns Ag. 38. hefftigen vehementer Ag. 436. 
wysHken sapienter Ag.444. warkn^ffügen veve Ag.Z79. vor* 
siektigenfraLAtn\JbT Ag. 421. tydtlikenundeewiclüiken Ag. 38. 
etUUken Ag. 39. weerdigen digne Ag. 44. lyffliken Ag.44. 
gnedichliken Ag. 90. warliken profecto Ag. 92. erstUken 
primo Ag. 124. swerliken difficile Ag. 132. ehristliken 
Ag. 138. weerdichliken Ag. 148. dütliken perspicae Ag. 240. 
aUthotydigen praemature Ag. 259. demödigen homiliter 
Ag. 347. geisiliken Ag. 354. utkwendigen Ag. 355. alle- 
^amtSken Ag. 356. hiiden hodie Ag. 30. vaken saepe. KO. 
Ag. öfters, z. b. Ag. 180. 186. 

lesterlike ignominiose KO. 96. Ungewisse KO. 102, vSle 
malte Ag. KO. öfters, stede semper KO. 19. eins edder twye 
semel vel bis Ag. 194. allerdinge Ag. 69. rede iam K0.90. 
oek rede Ag. 17. allrede iam KO. 9. wenn rede Ag. 77. 
Me wige semper. ih ander w4ge aliter. in kenem w4ge 
Bollo modo KO. 30. allerdinge omnino Ag. 184. 

Ihosamende wechselt oft mit dem gewöhnlicheren thahöpe 
2. b. wat godt thasamende vöget schal neen minsche schei- 
den Ag. 188. so spr4ke ick yuw eelick thosamende in den 
kittigen eestandt Ag. 188. dat se de helle thohdpe buwen 
Ag. 179. auch steht zuweilen thosamen, dama kamen de 
vorordenten mit einander thosamen KO. 77 und samentliek, 
schälen se samentlick edder sunderlick up den negesten sy* 
nodum bescheden werden KO. 77. man vergl. ahd. samant, 
mhd. sament (Grimm 3, 215) und ahd. zi samana, »i ^a- 
masidey xi houfe (Grimm 3, 147). 

Als beweis dafs das alts. huarba nicht blofs im mnl.. 



M ZUR KENNTNIS DES BIND. 

sondeni aach mni. seine nachkömmlinge gehabt hat dient 
ans unserer quelle anderwerff iteram. de aUmecktige godi 
umde Polder unses herren Jesu Christi^ de di anderwerff ge^ 
hmren k^ dareh dat water unde den hilligen geist. Ag. 98. 
go auch in Bert. Crane 595 der ist uns anderwerf tmreten 
xeitoehr« 1, 94. im mnl. auch dir dewerf z^\\&fiiT. 2, 347. 
fiber die entsprechenden dialecüschen formen ver|^ Grimm 
S, 251. 232. 

Bemerkenswerth ist die doppelte form, in der in unse* 
tet mnd. quelle und wohl überiiaupt im mnd. der begriff 
oder ausgedrückt wird', n&mlich durch edder und effte, beide 
wSrter sind in Ag. und KO. völlig gäng und gäbe und wer- 
den in der weise verwendet dafs edder das allgemeinste 
wort fiir den begriff oder ist, wogegen effie eigentlich and 
gewöhnlich ob bedeutet und gleich dem lateinischen siee und 
an seinen fragenden begriff auf die objectiv unbestimmte mög- 
lichkeit mehrerer sich gleichstehender fälle überträgt, wie 
man auch jetzt noch sagt ob diesy ob das, und wie im wet- 
teranischen dialect für oder durchgängig aber (auch wohl 
nur aus ahd. oba entstellt) gebraucht wird. z. b. sunderlick 
schälen de kerckendener — sülvest neene beerkröge holden 
noch hanteringe so &rem stände ungemSte edder yaget drg^ 
ven KO. 12. idt schal oek neen prMiger capellan edder 
scholmeister angenamen edder tko deenste befördert werden 
KO. 13. were överst twivelhaffiich effte dat j^nige u.b,w. 
KO. 10. schal idt tho der Visitation edder superintendem^ 
ten bedencken unde gevallen stan, effie mer kercken einem 
pastori können bevalen werden KO. 16. efft de anderen 
sermone schälen anstan u. s.w. KO. 20. sampt einem effte 
twe psabnen KO. 19. na dem sermone effi up eine andere 
gelegene stunde KO. 20. dat men dorch de wercke der ge- 
bade gades schäle effte könne den hemmel vordenen KO. 2. 
wenn överst de overicheit ichtes wat gebiUh effie dr(fft 
KO. 8. in stSden effie dörpem KO. 9. unde können mer 
edder effte weiniger classes syn KO. 61 (oder auch), unde 
schal sick nSmandt egendom daran anmaten alse efft (qnasi) 
he tho sinem huse erffUck geUgen were KB. 86. wente efft 
wol (quamvis) de ckristlike kercke nicht up gelycl^förmige 
ordeninge der ceremonien gebuwei is Ag. 62. unde efft wol 



ZUR fUBNNTNIS DES MND. 81 

im oUen testamente bevunden wert Ag. 199. ejffi. he oek 
gedüldieh sy? efft he in angst sy? efflt he angevockten 
werde? Ag. 203. 

Sonst findet sich im rond. qf nom (zeitschr. 2, 198) 
nnd of aut (zeitschr. 2, 199), auch oß nom (zeitschr. 1, 545), 
ifte sive (zeitschr. 1, 539); mnl. ef nom (zeitschr. 2, 306. 
307. 315. 346), ofove sive (zeitschr. 2, 306. 313. 316. 350.), 
ogte sive (zeitschr. 2, 353. 356); 

Was die entstehong unserer beiden formen anlangt, so 
entspricht edder goth. dippäu, ahd. edih, altn. eda; ejffie 
dagq^n alts. eßko, mnl. oße, altfr. jeßha, so zwar daTs 
Leide reihen zusammen gehören und sich ergänzen: edder 
nnd ^ffte sind also eigentlich dasselbe wort und nur dadurch 
hervorgerufen dafs das rond. hier eine doppelte rolle spielt. 
veigL Grimm 3, 60. 274. 

7. .GERUNDIUM SUPINÜM INFINITIV UND 

PARTICIPIA. 

Wenn man innerhalb des niederd. Sprachgebiets das da- 
selbst vorkommende Verbalsubstantiv auf -ent mit dem ge- 
mndinm und supinum auf -ejide vergleicht, so ist man sehr 
versucht von jenem Verbalsubstantiv als dem mittelpunkte 
dieser erscheinungen auszugehen und gerundium und supi- 
num als casus von demselben herzuleiten, wodurch ein sehr 
CNTganischer und classischer Zusammenhang dieser formen 
entstehen würde; allein durch vergleichung des ahd. und 
alts. überzeugt man sich leicht dafs die sache sich ganz an- 
ders verhält. 

1. vom gerundium haben sich in unserem denkmale 
noch deutliche spuren erbalten; der ahd. endang -ndo ent- 
spricht die nd. •ende: da dieselbe aber auch durchgängig 
für das part. praes. gilt, so ist es im einzelnen falle oft 
schwierig, ja unmöglich zu entscheiden welche von beiden 
formen gemeint sei. sicher als gerundia sind wohl anzuse- 
hen de in silnden moetwillich stakende blyven Ag. 46. bly- 
ven in erer hüchelye sinkende Ag. 124. dat du in sünden 
stäkende bUvest Ag. 164. dat dat r'ökelose gesinde thor 
bicht unbereidet lopende kümpt Ag. 127, und verkürzt de 
Z. F. D. A. ni. ^ 



SZ ZUR KENNTNIS DES MND. 

lopen kofnen KO. 43. dagegen mürsen die übrigeo fälle wohl 
lieber als pari, praes. gefafst werden, imde segen des min- 
sehen sJone vor uns mit dem hilligen geist hemedder va- 
rende (deacendentem) Ag. 97. ick sach ein lam staendc 
(stantem) up dem berge Zion Ag. 427. dat alle böker 
vörangerögede erdom anlangende (respicientes) KO. vorr. 
wi willen, gnedichlick begSrende unde emstlick gebedende 
(optantes etimperantes) KO. vorr. wibevdlen, se gnedichlick 
ermanende (cobortantes) Ag. vorr. Christum sittende thor 
rechtem handt des vaders (sedentem) Ag. 30. de gödt pri- 
seden ane underlath singende (cantanles) Ag. 182. de hü- 
lige geist is vam vader unde vam söne uthgande Ag. 459. 

Unsicher scheinen mir folgende fälle, du schalt kneende 
edder Staende sprSken Ag. 46. de knaben singen kneende 
vor dem altar Ag. 72. he bSde dat vaderunser kneende 
Ag. 95. men reke den lyffdes herrn also sprSkende Ag. 214. 
wi singen einen lavesang ane ende seggende Ag. 338. dar- 
under de sünder mit gudem gewMen unde gedult der gnade 
edder des rechten erwachtende s ick schal begSven Ag. 170. 

r 

vergl. Grimm 1 (2e ausg.), 630. 631. 634 ff. 

2. der infinitiv hat überall die endung -en für das al- 
tere -an (Grimm 1, 636). das supinum hat nirgends mehr 
die abd. alts. ags. endung -anne, -enne, sondern nimmt an 
der seit dem 14n jb. eingerifsenen Verwirrung tbeil durch 
welche die endung des gerundii und part. praes. sich über 
das supinum verbreitete; daher zeigen sich überall formen 
auf -ende für das daüvsupinum, während das genitivsupinam 
ganz erloschen ist. im affstigende Ag. 78. im fragende 
Ag. 108. mit beswerende, mit badende im wy water Ag. 237. 
mit bichthörende, absolverende, dopende Ag. 10. holdi an 
mit lesende, mit studerende^ mit vormanende Ag, 10. 11. 
mit zetterende Ag. 50. mit badende Ag. 54. mit predigende 
unde singende Ag. 81. tho theende KO. 48. tho vormidende 
Ag. 191. tho vullenstreckende Ag. 236. tho doende KO. 15. 
tho seggende Ag 11. und so überall. 

Aber neben dieser vorhersehenden form zeigt sich auch 
schon der abfall des charakteristischen Zeichens in formen 
wie tho besorgen, tho vorbeden, tho vormiden^ tho vörde- 



ZUR KENNTNIS DES MND. 83 

ren, tho begegenen^ tho w^en, besonders in den Toireden. 
vergL Grimm 1 , 638 ff. 

3. ftüs diesem noch deatlich als dativ gefoiiUen sopi- 
nnm hat sich nun auch eine nominativform anf -ent ent- 
wickelt, welche sehr zahlreich erscheint und von dem infini- 
tiv eines jeden Zeitwortes ein Verbalsubstantiv bilden kann 
das ganz dem nhd. infinit! v mit das entspricht und vollstän- 
dig dnrchflectiert wird wie ein gewöhnliches snbstäntivum. 
reste dieser bildung hat die heutige pld. volksmnndart noch 
genug erhalten; für unser mnd. denkmal m^eä folgende 
beispiele genügen. 

dat anropent unde förderent KO. 110. neen ansemU 
der persön Ag. inseent KO. 34. vorwisent KO. 14. vor- 
nement KO. 10. dat iSvent KO. 4 n. immer, wisent KO. 4. 
qffwiaemt KO. 39. äne vorw4tent KO. 42. ane siiment 
KO. 106. aUe wise doent unde vormogent Ag. 12. dat lose 
wasschent Ag. 23. aventSthent Ag. 31. sölck Sthent unde 
drmcient Ag. 43. dat men doe biddent Ag. 51. ane küh 
ckenlüdent Ag. 101. dorch dat bloet vorgetent Ag. 229 
ane beenbr4kent Ag. 437. 

des utkreüendes K0.16. vam vötewassckende Ag. 436. 
tho redhtem vortruwende KO. 21. mit stnem unschuldigen 
Hdende Ag^ 36. thom ewigen luvende Ag. 74. in unsem M- 
ven^ unde stervende Ag. 85. disse vormaninge vam schre- 
ckende der öveldeder Ag. 225. by krancken unde doden- 
wükende Ag. 221. 

Analoge bildungen finden sich übrigens auch im ahd., 
wo aus dem part. praes. durch das suffix i substantiva mit 
allgemeiner bedeutung abgeleitet werden, winnandi vexatis, 
deilnemandi parsinomia, ßmemandi electus, wentendi diver- 
ticulum, rogenti accusatio, hroafandi clamor, kepanti gratia 
(bei Graff 2, 1142). es würden diesen ahd. Wörtern, wenn 
auch .nicht in ganz gleicher bedeutung die nd. formen win- 
nenty deelnSment, vom4ment^ wenden^ wrögent, ropenty 
gävent entsprechen. 

4. was das partic. praet. anlangt, so hat dasselbe über- 
all die untrennbare präposition ge als sein zeichen, in Über- 
einstimmung mit dem nhd., aber in grellem Widerspruch ge- 
gen das nnd., welches bekanntlich niemals dieses präßx als 

6* 



84 ZUR KENNTNIS DES MND. 

Charakter des part. praet. gebraucht, als anfaog dieser ge-^ 
wohnheit habe ich in unserer quelle nur zwei beispiele ge- 
funden, nemandt so tho deenste kamen is KO. 89. idt is 
dat heil uns kamen her Ag. 452. vergl. Grimm 1, 841 ff. 

8. WORTBILDUNG UND WORTGESTALT. 

In dieser hinsieht bietet unser mnd. denkmal zwar nicht 
viel eigenthnmliches, aber doch manches bemericenswerthe 
was es mit den ilteren dialekten gemein hat. 

1. manche präfixe, die sich in der neueren deutschen 
m^ehe so fest mit manchen Wörtern verbunden haben dafs 
diese ohne sie nicht leicht mehr vorkommen oder doch we- 
nigstoBS für gewisse bedeutnngen ihrer bedürfen, treten 
im mnd. noch nicht in so grofser Verbreitung auf und be- 
schrünken daher noch nicht so sehr die zahl der einfachem 
wortformen, diese präfixe sind ge, be, er, ver (vor), win-- 
nen affivinnen reciperare, winnst lucrum, wercke societates 
opificum^ werve qnaestus, ringe exiguus, rume spatiosus, 
weldich potens, waldt vis, gerichtswaldt vis iudicii, wände 
vestis, hören pertinere, horcken obedire, brueck consuetudo, 
brüecklich usitatus, laven anlaven polliceri, sick benögen 
contentum esse, unwisse incertus, vorwissen certiorem face- 
re, ledt ledtmate ledemate membrum, b^dt preces, löven 
credere, loeffweerdich dignus cui credatur, unlövisch qui non 
credit (daneben geloven gelöven gelovige), vare periculum, 
sanck cantus {lavesang, sanckböker)^ staden concedere, an- 
wennen adsuescere, gastebade convivia, hiilpe adiutrix, 
deerte (coli.) animalia, stöelte (coli.) sellae, reken esse, 
nStinge usus, smack gustus, röke odor, vdte vasa, vüdde^ 
ren compatres (auch gevadderen). 

waren conservare, rede jam, stan consistere, fiyeh li- 
beräre, drqfenisse moesütia, drögerye fraudalentia, 'nömen 
nominare, gnaden propitiari. 

ehrbedinge reverentia, inlyven incorporare, dreehUck 
tolerabilis, sparen animadvertere, sick holden se habere, 
sprengen divulgare, lösen redimere. 

2. in vielen fällen sind die präfixe durch form oder be- 
deutung bemerkenswerth. 



ZUR KENNTNIS DES MNO. aS 

vor, 
»orfyen suppeditare, vorlenen mutüari, vorgeven ignoseere, 
vorgeten oblivisci, vorsahen deserere, vorwerven sibi com- 
parare^ vorkl4ren explanare, vorschrecken perterrere, v(n^ 
lösen redimere, vorlüchten illuminare, vortömen exaceriMure, 
«^ornjfeitrenovarey vorhSven extollere, vorwackten exspectare, 
vorlöwm permittere. 

tferstören delere, vordrücken urgere, vortaten dimitterey 
vorßven dimittere, vorloffmsse dimissio. 

porbundi foedas, voriruwen matrimoiM-ooiiiwigere, vor- 
iruwmge matrimoniam. 

tho. 
ihorüen diripere, thobrSken fraogere, thoräiten labebctare, 
Aostrauwen dispergere, thosniden dissecare. 

be. 
beleven in vita experiri, beerven hereditate acdpere» behö* 
ren decere. 

ent. 
enivangen accipere, entvinden sentire. 

Merkwürdig ist das präfix bi in dem worte bUoven btf^ 
laven snperstitio KO. 21. Ag. 39; es ist nicht wie im engl. 
ieäeve die verstärkende ahd. vorsilbe bi, sondern die trenn- 
jkare präposit. by (bei), welche denselben sinn hat wie das 
griech. na^a (daran vorbei), so dafs byloveu mit na^idoJ^og 
nofado^la in begrifflicher Verwandtschaft steht. 

3. die Suffixe erscheinen meist noch in nnverkümmerter 
form und bieten auch manche eigenthümliche bildnng dar. 

Aeit. 
erbarheit dankbarheit sämhett (negligentia) ideUmt. — rei- 
nicheit ewicheii einhellicheit avericheit (magistratas) gerecht 
iicheU lädelefflicheit (humanitas) einicheit ummestendicheä 
(remm conditio) nunscheü (genas humanam) käscheit (casti* 
tas) smaheit (ignominia) starckheit (robur) hocheit (altitudo). 

inge. 
ennaninge meninge vormidinge minschwerdinge beteringe 
bekeringe waminge upstandinge und uperstandinge (resur- 
rectio) vortruwinge erdbivinge (terrae motus) blodtvorgS- 
tinge nStinge vortzaginge wilinge (electio) uthvorsehmge 



86 ZUR KENNTNIS DES MND. 

(Providentia) nalatinge Cremissio) ann^inge antöginge be- 
kenmnge» 
,donu 
ckrigtendom pawestdom hiUigedom egendom rikedöm was- 
seioem (iocrementum). 

sehop» 
naberschap JHindtschop vyendtschop rSkenschap landtschop 
gemensQhop sw^gerschop herrschop geselsckop egensckop. 

nisse. 
vorsümetiiste ergemisse gevencknisse dräfe$usse vorlöffiiisse* 

arstedt/e (medicamen) thöverye (praestigiae) offgoderye. 

mne, 
hulperinne (adiutrix) marnihme (femina) wr^kerinne (ultrix). 

de. 
hogede (altitudo) sterkede (robur). 

te (zu bildung von collectiven). 
deerie (animalia) stöelte (subsellia) bSdelt (sacculus). 

lick* 
däetüek brüecklick wyslick ärUck. — liederlick (Urierabiiis) 
KO. %1. fydtäek (grattts) KO. 52. samenttick (nna) sickt^ 
liok (visibiüs) mnstcAtlick (invisibilis) dörlick (stultus) lertif- 
lick (oertus) vormtliken (certiorem facere) eelike menner 
(mariti) eelike ßruwen (uxores). 

ich. 
utioarviendich ewich einich scküldich weerdich. — herhergich 
(bospiialis) haderich (controversns) z. b. haderige sahen 
(res controversae) Ag. 406. — sundrigen (separare) iesu»- 
derge (singulares) bestedigen (sepelire) Ag. 256. tmeereeri^ 
get (integer) Ag. 280. 

isch. 
bitiech (mordax = rixae cupidos) haderisch (b'tigiosns) uth- 
setUsoh (leprosus) unlövisch (qui non credit) sökisek (ca- 
riosos) kindelbeddesch (puerperalis) kindelbeddescbe fru- 
weu' (paerperae). 

e erscheint als abstumpfdng anderer laute (ahd. a, o, i) 
urnme circa, %mde et, minsche homo, gesette lex, gerichte 
iudicium, bilde imago, vorbilde, Jrüchte metus, stUcke pars, 



ZUR KENNTNIS DES MND. g? 

gemöthe animus, ßmwe femina, balde mox, aiiUe cnix, 
ffefyke pariter^ daranne in eo, bevöle iussus, schulde noxa, 
herte cor, predige sermo, herre dominus, stamma stirps, 
deime nam. 

4. viele formen sind als darcbsichtig voll und den ur* 
spränglichen wortformen nahe stehend zu bemerken. 

gelücke res secundae, ungelücke res adversae, geloven, 
fides, gelöven credere, vorgelimpen conciliare, gebfck ae- 
^nns^ gelycken parcm esse, vorgelycken comparare. 

pawest papa, naket nndus, maget ancilla, /römedt pere- 
grinas, vaget praepositus, vögede praepositi, yaget venatio, 
hövet Caput, enthövedinge decoUatio, wedewe vidua, wertet 
foerlt mundus, dädesck germanious. 

Dahin gehört auch vordegedingen defendere (und die 
abgestumpfteren formen vorded^ngen vordedigen), in älte- 
ren mnd» quellen auch noch deghedingen als simplex; es 
entspricht dem nhd. verteidigen^ vei^l. Graff 5, 184« 

5. bemerkenswerth scheinen endlich noch folgende Wör- 
ter theiis ihrer bildung, theils ihrer wortgestalt nach. 

untlath facies, diipe profunditas, siUl trabs, limen, sick 
gewetmen consuedcere, anwennen adsuescerip^ antwerden re- 
spondere, helle infernum, lepel cochlear, weke hebdomas, 
middeweke dies Mercurii. 

sweren iurare, dregen fallere, legen mentiri, schepper 
Creator, scheppinge creatio, betichtigen arguere, geröken 
curare, rökelos scelestus, nömen nominare, iögen osten- 
dere, vardömen damnare, wrögen accusare, vödinge upv'ö- 
dmge educatio, sindtfloedt diluvies. 

lyck (neutr.) corpus, sadt saedt semen, sMUeyer sa«- 
tor, wrake ultio, torekerinne ultrix, wraeckgiricheit ira- 
condia, missgewade stola, lycham lychnam corpus, waren 
exspectare, wachten vorwachten qffivachten exsfecUkTej dlh 
gel virtns, jöget iuventus, vorlesen perdere, averwinnen 
superare, vormögen potens, dives, köninck rex, erdboddem 
solnm, Olyeberg der Ölberg. 

kümpstioh futurus, thokumpst tempus futurum, vomi^ffit 
ratio, vomufftich ratione praeditus, vullenkamen perfectus, 
vullentheinge ratificatio, vorsmaden repudiare, sick nalen 
appropinquare, affivöltem devolvere, ummegördeln ciogere, 






88 '** ZUR KENNTNIS DES MND. 

dürbar pretiosus, deenstlick utilis, nperstandmge upstan- 
dinge resurrecüo, vörstendere praefecti, wolgeval satisfaetio, 
köpen spes, geniit usus. 

bemen urere, vorbemen comburere, bemeholt cremia, 
bom fons, borst pectas, fruchte timor, siok fruchten timere, 
godtfrüchtich religiosus, nodtrofft indigentia, nodtroffüch 
egens. 

almissen eleemosynen ikiiffioavinj, arste medions, arste^ 
dye medicamen, arstelone merces medici (artistae), Christen 
adj. und subst. christianus, pröven praebenda, paschen pa- 
schale, pingesten nevnjKoani, Jtinte Jiintsteen baptisterimii 
KO. 22. 56. (fundere?)'^, patene (und bereidet darüp dai 
brodt in der patene, den win in dem kelcke Ag.211. ve^. 
mhd. diu patSne bezeichent den stein der do wart geleüäf 
das grab dd unser herre inne lac zeitschr. 1, 28f) vom 
lat. patina, p/itena. 

dingsdach dies MarUs, donnerdach dies loyis» narren-^ 
dedinge nugae (vergl. vordegedmgen, ahd. tagading)i cas- 
pel das kirchspiely vastelavendt (mnl. vastelavont zei\&fi\iv, 1, 
266), weedagen dolores (vergl. rikedage opulentia zeitschr. 
1, 545), nabeslßgen avanis Ag. 10. vorschSne praetertapsna 
KO. 72. wanschapen defonnis (vergl.' abd. scaffeUs defor- 
mis und ahd. alts. ags. wan deficiens, mhd. gesehepfode 
forma, ungeschaffen deformis), bademöme obstelrix (vergl. 
ahd. mdma und ahd. bajan fovere)**, widerlegen diversus 
Ag. 237. 

lüdeleejffticheit humanitas, nütbrükinge ususfractiis, 
hoenslaginee cavillatio, nodtsaken res adversae, erenköm' 
lick conv^iens, sochkinder lactenles, uthvorsehmge Provi- 
dentia, maendtydt roensis, undertydten thotydten interdnm, 
leddichgenger otiosus, wedderstal repngnantia, qffsinmeh 
demens, qffhendich abreptus. 

9. WURZELN. 

Aufser den schon angeführten durch laut bildong und 
gestalt eigenthümlichen mnd. Wörtern und aufser den ety- 

[Jünte wird das lateinische /on« sein. Kosegarten.] 
[hadenwme ist wohl badematter, die das neugeborne kind ab- 
wäscht. Rodegtrten.] 



i' 



ZUR KENNTNIS DES MND. 8» 

mologisch merkwördigen deren erläuterung oben versnchl 
wurde (brudtlaeht luchter und die pronomina) gibt es im 
mnd. noch manehen wortstamm dessen etymoiogie auf in- 
teresse ansprnch hat. 

varwiten exprobrare Ag. 163. unvorwttiick inißgetj san- 
ctns Ag. 231 . ahd. wizan farwixan impatare, goth. fra»eir 
tan, alte, farwitan. 

omoen oves Ag. 423, skr. avt, griech. otg, lat. aviSf 
litth. mms, ahd. awi, nord. ä, ags. eava, engl. ewe. 

dömtze conclave KO. 98. ahd. iumig aestnariom Graff 
5, 459. Kosegarten hält das wort for slawisch, drewnixa 
herdstätte*. 

wMeme das pfarrgat KO. 13. 16. 53. Ag. 19. ahd. tot- 
domo (dos), ags. veotoma, nhd. unttkum Graff 1, 778. 

iären tollere, böringe die hebang KO. 39. ahd. heran, 
tndlbart permissio, venia KO. 90. Ag. 134. vergl. ahd. 
munAorio patronas. 

Undelbere baptisma KO. 21. 24. darf wohl des Voeals' 
wegen nicht zum stamme boren gezogen werden, sondern 
enthUt das wort beer cerevisia, wie gildebeer KO. 79. noch 
jetzt ist dies wort das ganz gewöhnliche f3r kkidtan&chmaos 
und lautet kinnelbier. 

knie taglöhnerwohnung KO. 56. noch jetzt im munde 
des Volkes, ags. co/e, engl, cot cottage. Leo rectit. 47. 

gilden convivia. gilden unde gemcne geselschopen 
Ag. 445. dat gildeglas Ag. 446. dat se Sre gildent laien 
anstan Ag. 446. gildebeer KO. 79. eigentlich wohl eine 
handwerkergesellschaft, dann überhaupt schmauserei, vergl. 
ahd. gelt (pecunia, vectigal, ceremonia), goth. gild (tribu- 
tiun), ags. gUd (tributum, cultus, fratemitas), nord. giald 
(pecunia retributio), nhd. gilde, mnl. ghilde (societas) 
zeitsciur. 1, 266 f. 

8oet fons KO. 98. noch jetzt gebräuchlich ; von seden 
abzuleiten, wie das ags. sead (Leo rectit. 72). vergl. ahd. 
siodan ooquere, salzsuti salina Graff 6, 166. 

" Idomtste wird in Lisch meklenb. jahrb. bd. 5 8. 34 dnrch ein 
slawisches drewonice herdstatle, von drewo holz, erklärt. Schmeller 
im bair. wörterb. bd. 1 s. 339 erinnert an ein russisches gomiza 
fenerstelle, mit vorgesetztem deutschen artikel. Rpsegarten.] 



90 ZUR KENNTNIS DES MND. 

imme apis KO. 97. abd. impi. 

ummetrecken- umherziehen KO. 99 (sonst in unserem 
4enkmal immer theen). vergl. iat. trahere, engl, dfaio, nl. 
trecken treckschuite. ' 

wadeL dat de hölter tho rechter tydt unde im wadel 
gehiwwen werden unde nicht allent up ein jar ummegC' 
bracht werde KO. 100; es heifst dies so viel als im rieh- 
tigen schlag, sollte das wort mit dem stamme wat vestire 
und den davon abgeleiteten ahd. witu, ags. vuduy nord. vi- 
dur^ engl, wood (silva) verglichen werden dürfen? -^ der 
iHttsdruck ist noch jetzt gewöhnlich und bezieht sich auf die 
schlageintbeilung der forsten *. 

kavelen. dat ander bemehott np den wSdemhäven mach 
de kerckherre sampt dem dat he in den kavelen naberlyck 
kricht alse idt em na anthall siner haven höret unde van 
olders hergebracht is den buren gelyck siilvest bruken ed- 
der vorköpen KO. 99. auch dieses wort wird jetzt noch ge- 
braucht und bezeichnet das zum hauen fähige und bestimmte 
holz**.. 

varsaken negare. dewile idt överst de ßnswen wemU 
gade' gedöfft is vaken vorsaken^ schälen de pridiger mit 
ernste dama fragen up dat nene wedderdöpe geschee Ag. 8$. 
ahd. farsahhan negare, goth. sakan^ ags. sacan, altnord. 
saca accusare, engl, to forsake deserere. vergl. Graff 6, 
74. 7ö. 

kosten nuptiae KO. 91. Ag. 174. avenikösten coena, 
convivium nocturnum Ag. 172. amtkösten amtausriehtungen. 
jarmarckede^ spSlpletze^ Jecktscholen, kröge dar men beer, 
wyn, mSdCy brandewyn edder anders schencket unde peil 
h^ffty item kosten, kindelbere^ gilden, amptk'östen unde 
gasteryen schälen den dach so lange de predigen waren 
vorbliven KO. 21. — da nuptiae die ursprüngliche bedeutung 

* [wadel bedeutet voUmondszeit, Grimm mythol. s. |0$» 406. 408. 
int ags. wird mona wadol übersetzt luna erratiea, uod atteidiDgs be- 
deuten dort waS und wadema Wanderung; daher GeMMH den sinn 
Der siniiende, abnehmende mond vermutet, in Schmeilerii bair. wör- 
terb. findet sich b. 1 s. 30 uedaln gedeihen. Kosegarten.] 

** [kavel bedeutet lors, abtheilung. noch jetzt sagt man kaveln 
lorsen. es ist wohl einerlei mit kahel schnür, seil ; das mit der sohnur 
abgemersene. Kos^arten.] 



ZUR KENNTNIS DES MND. K 

und eonvivkini nur eine natärlich abgeleitete ist, so möchte 
wohl an ahd. iusti kust, ags. cyst electio gedacht werden 
dibrfens wähl, nämlich braatwahl = hocbzeit. in der be- 
deuUing sehmaus sagt das volk noch jetzt austköst (herbst- 
schmaiur, emfceschmaus) ; in aust könnte entweder august 
als emtemonat,. oder ahd. herbist^ altnord. haust (messis, 
auctnmnus) enthalten sein, s. Graff 4, 1018. 

boleken die geschwister Ag. 195. bölekenkmdere ge- 
Bchwistitq^ndtr Ag. 194. auch in der heutigen Volkssprache 
lebt dieietztere Zusammensetzung noch als halb veraltet fort. 
Ott die etymologie ist man verlegen : vielleicht durfte an lat. 
filbUy fititty oder noch lieber an skr. bMas (puer) bäiakas 
^ (pnemlos) gedacht werden, welche letztere form wunderbar 
ndt der nnserigen zusammenstimmen würde, vergl. Grimm 3, 
<ttMHS. Bopp §652 s.270\ 

§eeliagen mit dem tode ringen, fast verscheiden wol- 
len, wenn överst de krancke in den testen tagen lege unde 
seettagede Ag. 217. wo de krancken rede seeltagen in den 
testen swaren tagen Ag. 220. dies dunkle wort scheint mit 
seeie susammenzuhängen. 

■ sSlen, es sich schwer und sauer werden lafsen. dat 
m mit kummeTy swackheit, schade unde varlicheit unse dach- 
Uke brodt danoan hebben^ sweten, sölen, sl^pen, uns gr4- 
UM» unde plagen bet in de grove Ag. 181. die Zusammen- 
stellung mit sweten und slSpen erlaubt wohl dieses wort mit 
ahd. solön inquinare, solagön versari, natare, altn. sola 
inqninare (Graff 6, 86) zu vergleichen: eigentlich sich im 
kotfae it^ilzcn, daher aber auch wohl sich durch noth und 
Jammer durchzuwinden suchen. 

block, in einen vorslatenen block edder easte KO. 102. 
ahd. UMian clandere, biloh clausura. 

beeren an die glocke anschlagen Ag. 424. wenn apo- 

steUage edder andere hillige dage in der wiken vollen, 

de man Höht vyret, könen se de wSkenprSdige tqf de dage 

^gg^9 ^(^h^rtho beyeren laten Ag. 81. vergl. nord. beria 

. (ferire), ladk berjan (terere) Graff 3, 201 . 

vorhünen locare: derwigen schälen de visitatoren na 

* [böieki^ aneh boh, ist das mhd. buole, bule, freand, verwand- 
ter. KosecariiB.] 



92 ZUR KENNTNIS DES MND. 

eines yedem ordes gelSgenheit de vorsemge doen dat. de 
parrherren unde predicanten idt sy in stSdeken edder dör^ 
pem ällene tko nodtroffHger husholdinge den ackerbuw dri- 
ven unde de överigen hoven tho pachtrechte utkdoen edder 
verküren KO* 82. hirmü schal kümpstich affgedan syn de 
vorkäringe der parren KO. 16. engl, to hire. vergl. ahd« 
harin clamare, forharhi proclamare, foraharo praeco« 

böten faseinari. up dat de herten vom sSgenen, bötem^ 
uricken unde warseggen, thäverye unde dergefyken dMvelr 
ecken bilaven, tho gades fruchte unde tho rechtem vor^ 
tnnoende tho gade gewönnet werden KO. 21. wenn yemandi 
mit valscher opinion in der ISre beladen, unde dessiihigmi 
överwunnen, edder mit sSgenen, böten unde dergefyken lfii^- 
velschmt w4sen ummegeit KO. 28. man kann dieses wort 
entweder mit abd. bözjan buozjan emendare, goth. gabötan 
vergleiehen, wo der begriff der säbne und reinigiiog aof den 
der Zauberei übergetragen wäre, oder man könnte ahd. Ms^ 
Jan tondere, nord. buta ampntare, trancare, ags. beatam 
caedere bierber zieben und für den Übergang der bedeutung 
an selbstgeiselungen oder andere gewaltsame zaubei^ebräu* 
ebe denken (Graff 3, 224. 232); endlicb erinnere ich aueh 
an das nd. bitten (tauschen), nnl. buiten, welches Grionn 
(zeitschr. 1, 576) aus brem. wb. 1, 174 anführt*. 

wichen praestigiari. sSgenen, böten^ wicken unde wat^ 
seggen KO. 21. es ist = ahd. wichön saltare, praestigiari. 
Graff 1, 708. 

quaedt malus Ag. 51. 178. 257. vergl. Grimm 3, 606. 

eide humilis. idt schal ock nene vortruwinge gescheem, 
idt sint denn de personen hoch edder side twe edder dre^ 
mal van dem predigstoel gekündiget KO. 42. noch jetzt im 
pld. gewöhnlich und auch in Ortsnamen (Hogenbiissow^ Si^ 
denbOssow). vergl. ahd. sid inde, sidor postea, sidero se- 
rior, 9igs. sidor sidra, altnord. ^ic^ar «ei/Aart (Graff 6, 155 ff.)» 
wo nur das frühere der gegensatz ist, während das nd. 
wort im gegensatz zum hohen steht. x, 

kindertSlendt kinderzeugen, s. Paulus seeht dat ehriet- 
like fruwen wenn se im geloven unde in der leve gades 

* [boten ist wohl bnfseiii befsern. man sagt ketelhoter kefselflicker,^ 
de tene böten, deo zahoschmera stillen durch zaaberspmch. Kos«garten.] 



ZUR KENNTNIS DES UND. 93 

ifytmh dorch kmdertälendi gehilliget smt Ag. 110. vergl. 
ahd. xäSm contendere, stadere, alts. tüian colere, ags.. teo* 
km Üolan niü, curare, ti^'an parare, procarare. 6raff5,556. 

ersehen postalare, destinare. esschinge destinatio. dat^ 
wkU dat rike Jesu Christi alse mit einem scepter wert re- 
gere^ geesschet, gesamlet unde erholden KO. 2. dat he na 
der hsrekenordeninge em wille gehorsam syn unde kamen 
war he thom synodo effte sils geesschet wert KO. 46. wenn 
eine parre vaceret schälen de patronen eihen godtfiräckür 
gen varetendigen geschickeden man esschen Ag. 17. de 
geesschede nye pastor schal sine bicht doen unde commu^ 
ni eeren Ag. 18. im hysyn etUker ander Christen, de men 
dartho esschen unde vorderen schal Ag. 204. dat du schalt 
Ao em m den hemmet geesschet werden Ag. 216. dat he 
den Jruwen ire esschinge (ihren beruf) vordraten maken 
wü Ag. HO. de erwMinge unde esschinge der prMiger ge* 
sehüth van der christliken kercke Ag. 5. vergl. ahd. eisea 
petitioy eiscön poscere, petere, eiscunga appellatio, nord. 
meüga^ ags. aescjan^ engl, to ask. Graff 1, 493. 494. es 
ist also nhd. heischen, erheischen, wogegen in unserem 
denkmale vorheischen für verheifsen promittere yorkonunt 
Ag. S37. 

witteldach. item de pröven up wynachten an gelde 
wUrsten Schinken brodt na gewönlikem caspelrechte, de wit- 
teldach up paschen dem cöster KO. 98. offenbar sind da- 
mit ähnliche leistnngen der bauem an den küster gemeint 
als die pröven an den prediger waren und es könnte also 
an den ahd. stamm widamo (Graff 1, 778) gedacht werden, 
der in Terkrüppelter und verderbler gestalt darin enthalten 
wäre; aber viel augenscheinlicher und auch den lauten nach 
passender ist eine andere erklärung, die mir Kosegarten brief- 
lich fflitgetheilt hat, witteldach möchte wohl ein weifser tag 
sein; auf ostern folgte dominica in albis, weil die getauf- 
ten oder confirmierten in weifsen kleidem erschienen, ob 
aber gerade diese dominica gemeint sei kann ich noch nicht 

entscheiden'^. 

« 

• \wiiteldach, man VÖante den ^Unen donnersta^ vermuten, wel- 
cher mnl. de wiite donderdach heifst, und an welchem «penden ans- 
Setheüt wurden, Haltaas calend. med. aev. s. 84. doch findet sich in 



94 ZUR KENNTNIS DES MND. 

schSHnge mokstia, querela. wo ock de prSdigere mü 
frioaifirsbnen edder süss yemande in vngüde thodomtde 
hedden, schälen se ire scMlinge undlB g^briken nicht tq^ 
de eantstel bringen KO. 15. 

böne hausboden. dat caspel is schüldich de wSdeme 
mit dömtxe, cameren, koken, keller, böne, soet^ sclnine^ 
stellen, back/ms, kakelwerck, wo idt van olders Mrge- 
bracht, tho buwen vnde dem pastori verdich tho a»erantwer^ 
den KO. 98. 

.In den vorstehenden kleinen anfsätzen glaobeich nichts 
übergangen zn haben was in unserem denkmal einer wi« 
Isenschaftlichen betrachtung werth gelten kann; .den sweek 
dieser darstellungen werde ich für erreicht halten, wenn dem 
mni. dialekte durch dieselben etwas mehr zur anerkennung 
seiner ebenbürtigkeit mit anderen deutschen mnndtrten ver- 
hoifen worden ist. ^ . 

pommerschen Urkunden auch wittelsehülingy eine kleine abgäbe wel- 
che bei gerichtlicher verlarsnng des banerhofes der Verkäufer dem 
knechte des richters gab, Dähnert plattdeutsches w'dfterbueh s. 854. 
Rosegarten.] 

PRITZNOW bei Jarmen in Pommern. 

DR KARL REGEL. 



ÜBER LIODHAHATTR. 

Scheint es vorschnell über nordische versmafse schon 
bestimmungen aufzustellen, so bekennt der verfafser, deita es 
bei bearbeitnng einzelner lieder bedürfnis wurde solche zn 
suchen, dafs er keine geselzgebung, sondern vorläufige fest- 
Stellungen nach dem was Grimm und Lachmann über den 
deutschen versbau gelehrt haben, in der abnung dafs es das 
allgemeine sein müfse, versuchen wollte, wenn auch damit 
nur das bisher darüber gesagte aufgeräumt und der chantk«- 
ter des versmafses in umrifsen beschrieben werden sollte. 

In der ältesten saugweise des nordens, dem fomyrda- 
lag, sondern sich zwei hauptarten, je nachdem acht oder 
sechs durch zwei hauptarsen ausgezeichnete kurze Zeilen zu 
einer sinnesstrophe zusammentreten, unter den bisher von 



LIODHAHATTR. 95 

eitthetmischen sohreibern nnd heraosgebern gewöhnlieh iir 
sechs seilen geiheilten versen gehören entweder jedesmal 
zwei oder jedesmal drei kurze zeilen näher zusammen, die 
erstere art, wie sie oft in der Glumssaga vorkommt, ist von 
der aehtzeiligen im gründe nicht verschieden, nur die andre 
art, wie sie im Hävamäl durchgängig ist, soll hier zur sprä- 
che kommen ; nur sie fuhrt den namen lioäahättr^ worin die 
zweite hälfte wie in bragarhdttr nichts anders als sitte, 
weise, bedeutet, so dafs liod in gegfensatz tritt zum ältesten 
epos, wofSr herschend der achtzeilige vers gilt, indest^nen 
entsprechenden gegensätzlichen namen gibt es nicht, nnd 
wenn der altepische vers nach Vorgang der Snorraedda von 
Rask (Mohnike s. 30. 35 u. o.) Starkadarlag benannt wird, 
so tritt jetzt dies entgegen dafs unter Starkadr des alten 
namen auch liodahättr begegnet fornald. 3, 9. 12. 13. wie 
nnn der achtzeilige vers in vier ganz gleiche paare zerfiUlt 
and von Grimm in vier langzeilen zusammengefafst worden 
ist, so ist dem wesen wie dem gebrauche des liodahAttr eine 
abtbeiliing nach den beiden hälften, in die es durch den sinn 
allemal getheilt wird, angemefsner; die beiden ersten kurzen 
Zeilen haben allemal denselben Stabreim, wie im Hilv. 94 
Astar ßma \ skyU engt maär \ annan aldregi: \ opi fä d 
horskan^ \ er d keimskan nS Jü, \ lostfagur Utir- (über liebe 
keifen soll kein mann auf den andern jemals : oft fängt beim 
weisen was am, thoren nicht fängt, lustsames antlitz). da 
nun was der Stabreim bindet zu einer reihe gehört, wird 
dieses ganze, am richtigsten in vier zeilen getheilt, wie 
ebenbUs schon von Grimm in der ausgäbe der eddalieder 
so oft deren vorkamen geschehen ist; eine vertheilung die 
sich auch rechtfertigt für die Variationen in denen nach alter 
weise sieben- oder mehrzellige verse entstehen würden, wenn 
man nar*gesetz und gebrauch dieser versart näher ins äu- 
ge fafst. 



Das wesen dieses rhythmischen baues zu ahnen liegt 
nach der belehrung über den deutschen nicht fern, nach 
allen denen die immer noch metra in den germanischen ver- 



96 LIODHAHATTR. 

sen machen, wofür sie in den nordischen besondere beKjiAl« 
sehen, soll dieser vers ein adonischer sein, mit oder ohne 
anakniw oder basis ; oft, wähnt man, entstehe ans drei sol- 
cher Zeilen ein hexameter.* dazu stimmt nicht einmal im 
allgemeinen der gang der strophentheile, wenn man die he- 
bnngen mit ihren ausfiillungen auch einmal den versfufsen 
der alten gleich setzen wollte. 

Vor aller riicksicht auf den umfang der groGsen nnd klei- 
nen arsen fällt aber als hauptsache für diese sechs kurzen 
zeili|j)|kin die äugen die Verbindung je eines zweigliedrigen 
regetmäfsig dreistäbigen verssatzes mit einem kürzeren ge- 
wöhnlich zweistäbigen Untersatze, der als eine art abgesang 
zu den beiden stoUen betrachtet werden kann, weniger we- 
sentlich ist die Verbindung zweier solcher gesetze zu einem 
sechszeiligen (vier lange zeilen gebenden) verse, denn es 
kommen auch, z. b. Lodfafn. str. 119. 121. 123. 132 durch 
den refrain gesicherte neunzeilige, und einzelne z. b. Fiörsk« 
15 nicht wohl anzufügende dreizeilige (sechs und zwei or- 
dentliche Zeilen gebende) Strophen vor. auch das angege- 
bene Verhältnis des Stabreims ist zwar das ebenmäfsigste^ 
und die zweistabigkeit des Untersatzes das herschende, wie in 

at hddi nö blatrt \ bqfdu aUregi 

gest n6 ganganda; 

opt vito 6görla \peir er sitja \nni fur^ 

hvers peir ro kyns, er koma. 
aber hauptsache ist nur dafs ein doppelglied mit einem 
einfachen fühlbar verbunden sei: sehr oft hat das erstere 
nur zwei stäbe, zuweilen hat das letztere deren drei, wie 
Oegisdr. 12 

mar ok maeki \ gef ek per tnins ßar, 

ok hoeiir per svd hangt Bragu 
und diese dreistabigkeit ist nicht selten, z. b. eb. 4. 25. 
26. 30. 42. Fiölsv. 1. 2. 3. 4. 11. 38. 47. Groug. 4. 9. 
Fiörsk. 23. 24. 25. 26. 36. 37. Alv. 18.34. Helg. Hadd. 28. 
Sigurdq. n a. 9. 30. 32. Häv. 43. 46. 47. doch in den mei- 
sten fällen so dafs die zwei hauptstäbe zuletzt und zusam- 
men stehen, seltner ist der fall dafs die unterzeile nur 
einen stab hat, denselben mit jedem gliede der obem, wie 
* Rask versl. 37 und danach Legis in den fandgruben. 



UODHAHATTR. 97 

, . « 

'AMf^SO, eine tibergangsstrophe ; ähnlich wird die stablose 
nnteneile Fafhism&i 2 anstofsirei, wenn man statt %eng Kest 
fifr ek emh saman (tößor : fira.) 

Naher ist der bau dieser, der obersatz hat wenigstens 
vier behängen mit mindestens einer Senkung, wovon drei 
oder doch zwei durch den stab gehoben werden, woneben 
aufser auftakt selten nebenarsen vorkommen, jenes minde- 
ste z. b. Häv. 77 deyr fi^ \ diyja fraendr. da aber die- 
ses doppelglied nichts anderes ist als eine epische langzeile, 
so kommt hier als das dem liodahättr eigene nor der^^ter- « 
satE KU aasföhrlicherem betracht. die einfache schlufszeile 
hat nothwendig drei hebnngen durch wenigstens eine Senkung 
nnteriirochen, wovon indess nur zwei den vieren der ober- 
zeile an stärke gleichkommen, so dafs eine sich mit dem 
tiefton begnügen kann, die Stellung dieser unentbehrlichen 
nebenarse vor, zwischen, oder nach den andern erzeugt eine 
dreifache form, deren nicht jede gleiche freiheiten hat. die 
beliebteste weise ist dafs die schwächere hebung vorangeht 
und die beiden starken nur durch eine Senkung unterbrochen 
die zeile scbliefsen; nur hier ist ein über partikeln hinaus- 
greifender bis viersilbiger auftakt gewöhnlich, der indessen, 
elision und synizese mitgerechnet, doch nur noch eine neben- 
hebung anzusprechen pflegt, wie in folgenden aus Hftvamftl 
genommenen fällen. 

ok vülpu^af honom gött geta. 
opt kaupir ser i litlo lof. 
ok kafda^ek p6ss vdetkt vifs, 
petrrar er logdamc arm 'jßr. 
staldan htltir leidr i lid. 

sd fder^ er ßiür. 
a fleU für, 
in andern liedern kommt auf den auftakt vor den drei he- 
bnngen zwar auch nur noch eine hebung, aber zuweilen 
mit doppeltem vorschlage wie S61arl. 21 u. a. unter 4 a. 
angeführte zeilen, und viele der oben angegebenen belege 
dreistäbiger. tritt dagegen die unbestabte dritte hebung in 
die mitte oder ans ende, so ist zwar noch eine leise he- 
bung auf einem tieftone erlaubt, nicht aber wie es scheint 
Z. F. D. A. III. 7 



d8 UODHAHATTR. 

auf dem dann seltenen und kurzen auftakt, wie sich in fol- 
genden darstellt, 

lostfctgir litir. gest nS gdngända, 

änhars briostoin i, bländna briostom i, 

füni quiykiz affiina, färpu ad finna opt, 

n^ sofändi mädr szgr. einhvdrjom dllan hüg. 

peim er sörgaläusastr sevt. opt er gbtt pat er gämltr 

bregdt engi fostoheiti fira, " queda. 

selte^^Ust hier mehr als zwei silben auftakt, eia längerer 
ist besonders im letzten falle schwerlich gerecht gewesen, 
noch dürfte, auch wenn die beiden hauptarsen vorangegangen 
. sind, noch mehr als die eine dritte hebung nachkommend 
mit höchstens einer Senkung gefunden werden, wie in öUum 
at upploki. die mittengestellte dritte hebung erträgt theib 
dreisilbigen auftakt, ok drekta Ulopvis sbnom i hafi Helg. 
Ha. 19. Grimn. 39. Fafh. 27, theils noch eine neben- sieh, 
einmal selbst mit neuer endarse, vigs otraudir, at pccr 
vcga üdU Fiörsk. 24, eine der längsten Unterzeilen, ähn- 
lich, aber ohne endarse Häv. 122. 

Ob diese ganze nichtepische art des fornyrd«l«g von 
sechs kurzen zeilen schon ursprünglich neben der epischen 
von sechs solchen zeilen bestanden, werden die nicht be- 
zweifeln die eine anfänglich alleinige herschaft der epischen 
dichtung und form leugnen, wer aber auch nur eine firtihere 
einheit der form annehmen und suchen zu müfsen glaubt, 
dem bietet sich ungejswungen die möglichkeit den liodahAttr 
auf den allgemein germanisch epischen vers zurückzuführen, 
sein obersatz ist noch eine unverkümmerte langzeile von vier 
hebungen, die vier übrigen sind im Untersatze nur zu dreien 
zusammengesunken, nachdem im nordischen sehr früh lange ^ 
Partikeln und die wortendungen ihre betonung verloren, 
and in folge des auch in der otfridischen Strophe sichüieben 
strebens nach unmittelbarer aufeinanderfolge der letzten ar- 
sen der zweiten langzeile; welche neigung in dieser nordi- 
schen versart begünstigt wurde durch den gedankengang, fnr 
den sie immer ausschliefslicher in gebrauch kam, der im all- 
gemeinen das ganze mit einer spitze schliefsen sollte, ur- 
sprünglich mag also betont worden sein lostfagir litir. 



LIODHAHATTR. 99 

•• 

olban at ippldki. ob sich diese betonung in allen gegen* 
wärtigen venen der art darchführen lafse, würde nicht ein- 
mal nöthig sein nachzusehen, denn das bewnstsein davon 
wird für diese zeit, wo man schon ziemlich regelmäfsig zwei 
mleher atrophen zu einer verband, eben so wenig in an* 
sprach genommen als für das Verhältnis der nibelungenatro* 
phe zor otfridischen. 

Die gegenwärtige erscheinung aber des liodahAttr bildet 
allerdinga auch nach dem rhythmischen gange einen gegen* 
satz zu dem genannten epischen verse. gleieht dieser in 
seinem eihherschreiten völlig dem heroischen verse der al-^ 
ten, wobei er immer regelmäfsig zwei solcher rhythmischer 
heximeter enger zusammenrückt, so läfst sich der fall des 
lioiabftttr, wie er jetzt ist, ganz und gar nicht mit dem ado- 
nisehen, sondern genau mit dem abfall des archilochischen 
Verses von anderthalb hexametern zusammenstellen. 



Dazn stimmt auch völlig der gebrauch dieser nordischen 
versart. die ganzen lieder die in der edda in ihr abgefiJst 
sind ohne Unterbrechung, sind Vaf|)riidnismftl, Grimnismil, 
Fiölsvinnismäl, Fiörskirnis, Oegisdrecka, Hdvamäl, AlvismAl 
nebst 6r6ugaldr und S6larlio^. der umstand dafs sich dar- 
unter alle eigentlichen spruchgedichte, die vier letztern sind 
die einzigen ganzen, befinden und dafs ferner das epische 
versmafs in der Brynhildarquida gerade da wo die rath- 
schläge an Sigurd und die runensprüche anheben, so wie in 
der Hervararsaga da wo die räthsel anfangen, mit dem lio- 
dahAttr vertauscht wird, bezeichnen seinen Charakter hin- 
länglich als den der gnomischen dichtungsform angemefsnen, 
was auch allgemein gesagt werden kann, sobald man nicht 
darauf besteht dafs ihr nur angehöre was sententiosen oder 
e^entlich sprichwörtlichen Inhalts ist. schon nach dem In- 
halt der meisten eddalieder die ganz dieser versart folgen 
iallt der unterschied zwischen dieser und der achtzeiügen 
art nicht mit dem von ethischer und mythologischer Weis- 
heit zusammen, betrifft vielmehr eine form ihrer dichteri- 
schen erscheinung. das mythologische hat doch nur gerade 

7* 



100 LIODHAHATFR. 

4a dieses gewand erhalten wo es in frage and antwori, wo 
es rSibselweise vorgetragen wird, wie in Vaf^r. zwischen 
di^ett und Gagner, in FlSrsk. als gespräch unter Skadi, 
Fref a. •• gegen Skirnir, in Fiölsv. worin mit stehender 
fragfpna r^elmäfsig frage and antwort zwischen Fiölsv. otd 
Vinkald abwechselt, — oder wo die verborgne» verhäUnisse 
der götter und menschen doeh nieht als handlnng, als glie- 
der des weltdramas, wie in der Völospä erzählt, «ondem wie 
in Grimnismäl als stücke des wifsens, oft mit zahlangaben 
zusammen famgend, und lehrweis aufgezählt werden. 

Die einzelnen stellen wo liodahättr innerhalb der epen 
der heldensage statt des epischen verses eintritt begründen 
sieh völlig ähnlich, zunächst das gespräch der riesin Hrim- 
' gerd mit Atli und Helgi, voll streit, nicht lehre oder rittb- 

"^ f4', Helgaqu. Hadd. 12 — 30. die erzählende einleitung in 

^' * ^rynhildarqu. 1, atr. 1 gehl in epischem rhythmus, der gröste 
theil in dem hier besprochenen, weil runenlehren und lebens- 
regeln rathweis aufzählend; Sigurdarqu. IIa str. 19—27 über 
die Vorzeichen des kampfes sind geheime glückslehren ; Lo- 
kis und Andvaris gespräch ebenda entwickelt verborgenes 
wifsen. noch mehr voll von geheimnissen und Sentenzen 
ist das gespräch mit Fafnir und dem rathgeber Regln, da- 
her denn auch Fafnismäl fast ganz bis auf den erzählenden 
scblufs 40 — 44 und bis auf einige lieder der schwalben 32. 
33. 35 in dieser liedform gedichtet ist. 

Da endlich der Wettstreit zwischen Loki und den göt- 
tinnen eben nicht mythologische lehre noch Sentenzen enl^ 
hält^ Oegisdrecka aber dennoch ganz hieher gehört, nicht 
minder als die katechisierende Synonymik in AlvismAl, so 
wird sich der bereich des liodahättr näher bestimmen lafsen 
auf gewisse arten dramatischer darstellung ; er befafst so- 
wohl den feierlichen lehrenden monolog (aufser in Bmnh. i 
und Grimnismäl auch Hävam. Sdlarl.), der in Gr6ugaldr 
erst auf das gespräch der mutter mit dem lehrebittenden 
söhne folgt, als den dialog im sinne der alten als regelmä- 
fsiges wettgespräch, namentlich also wo nicht erzählt, son- 
dern entwickelt, entweder über that und sinn gestritten oder 
über gegenstände des denkens und ergebnisse der erfahrung 
verhandelt wird : solche stellen mögen am frühesten aus dem 



LIODHAHATTR. 101 

epos hervorlreteod, ohne es gerade allemal za veriarsen, 
eigene form wegen ihrer erhebung snr art des allgemeinen 
angesproohen haben. 

In den spätem prosasagen verliert der gebraneh dieses 
iWMSy der auch überhaupt seltener wird jemehr droltqaaedi 
nm sich greift, allmählich seine alte strenge, noch ungestört 
ist seine art und sein umftiBg in den zur heldnsage gehö- 
rigen, welche die alten lieder fortpflanzen, und in der Her- 
vararsaga, da ihm hier nicht jenes zaubergespräch, was nicht 
erörtemng sondern handlung des zaubers war, snfiel, son- 
dern nur die eigentliches wifsen enthaltende räthselrede fom- 
ald. 1, 465 — 87, worauf die gewöhnliche epische Strophe wie- 
der eintritt, im ganzen umfange der übrigen von Rafn her- 
ausgegebenen sagen ist mir nur folgendes aufgefallen, in der 
Ketilssage ist die versart an vier stellen jedesmal im begiM 
eines gesprächs, dreimal (fomaldarsög. t^ 119. 125. 127) ' 

zur anrede an tröllgeister verwendet, in der Gautrekssage 
für die klagen über die verlornen drei eri)stücke (fomald. 3, j^ 
11 — 13) wozu auch die nicht mit Rafn achtzeilig abznthei- 
lende klage über Gautreks that an Snotra, Heimsliga ek veik 
(s. 11), zu rechnen ist. die Hialmterssage hat wieder dne 
weehselrede mit einem tröUweibe (3, 480) im liodahftttr, den 
an&ung einer nachher achtzeilig fortgesetzten anrede an eine 
blendende Jungfrau (ebend. 489) und ein spottlied (ebend.477). 
unter den liedem im landnämabök und in den alten königs- 
sagen kommt unser versbau gar nicht vor, aufser in einem 
liede auf einen gefallenen beiden, wo man den gleichmäfsi- 
gen epischen gang erwarten sollte, im Häkonarm&l, ein deut- 
licher beweis dafs nicht der inhalt an sich, sondern die ihm 
gegebene dichterische form, welche hier fast ganz das ge- 
spräch zwischen den hohen göttem und ihren boten ist, zur 
wähl des verses in guter noch nicht auf blofse lustbarkeit/" 
sehender zeit das bewegende war. 

In ältester zeit waren vielleicht wie die lieder über ru- 
nen und anginge Sig. Ha 19 ff^., so auch Zauberformeln wie 
die vardlokkur, und sprüche womit unholde angeredet ge- 
fragt und verstanden wurden, im liodhahättr abgefafst: oder 
sollte es zufällig sein dafs sich die gespräche mit der fel- 
senbewohnerin Hrimgerd, mit Fafnir, mit Andvari als otter, 



im LIODHAHATTR. 

und in der Ketilssage dreimal, in der von Gantrek wieder 
einmal aiit einem tröUweibe in dieser form bewegen? 

Ans Oegisdrecka und dem spottlied fomald. 3, 477 steht 
zu vermuten dafs auch dem altbeliebten, so oft selbst durch 
gesetze verbotenen mdlioä, obwohl es später (fomm. 3, 97) 
anch vom drottquaedi ergriffen wurde, ursprünglieh gerade 
diese liedform genehm war, besonders wegen ihres spitzigen 
oder keilförmig auf breiterer grundiage aufsteigenden baaes» 
womit sie trifft wie ein epigramm. 



Nicht zu besondern aus dem wesen des liodhahftttr h«^ 
voi^gangenen arten gehören einige abwechselungen mit ver^ 
windten mafsen, die sich auch wo er herschend ist neben 
ihm finden, wie er aus angegebenen gründen unter epischen 
Strophen oft nur den reigen anfährt, meist aber durch den 
veränderten ton heii>eigerufen eintritt, so erscheinen anch 
umgekehrt in einigen gedichten die sich in seinem rhythmns 
regelmäfsig fortbewegen hier und da fremdlinge von anders 
gebundener art die sich nicht ausweisen lafsen. es sind die 
knfzen dienmäfsig fortschreitenden zeilenpaare des epischen 
fiirhjnrdalag, gewöhnlich zur Strophe von acht, oft auch nur 
zu der von sechs hemistichen durch den inhalt verbunden* 
und nicht einzig in später buntliehender zeit, sondern schon 
im Hävamäl, z. b. str. 82 

i vmdi skal vid höggva, \ vedri d sio rda; 

myrki vid man spialla^ \ mörg ero dags augo$ 

d skip skal skriäar orka, \ en d skiöld til Uffitr^ 

maeki höggs \ en mey tu kossa. 
eine Strophe die man nicht fär dreimaligen obersatz sn ei* 
nem gewöhnlichen Untersatz erklärend auf liodhahAttr an- 
rückfuhren darf, da auch die letzte reihe das gewöhnliche 
mafs einer seiner unterzeilen überschreitet und dies doch auf 
die gleich darauf folgende 83e str. nicht anwendbar wäre, 
noch auf andere hernach erwähnte sechszeilige gebtinde. 
auch wird dadurch das gewebe nicht der einheit verlustig» 
der einwurf ist aus demselben Stoffe mit den faden des 
liodhahAttr« 



LIODHAHATTR. 103 

Veraalarsung wie Stellung dieser abweichnug ist beson- 
ders doppelt, entweder vom inbalt hervorgerufen dient sie 
den flufs gleichmäfsig wallender Satzglieder, sein dies sieb 
drängende züge einer Schilderung oder sich häufende gleich- 
artige lehrbiider, schneller zu befördern, oder sie entstand 
durch ein vorhersehend rhythmisches bedürfnis. dem Inhalt 
gewiss nicht unangemefsen treibt im liede auf Häkons an- 
kunft in Yalhalla die vergegenwärtigung der schlackt in der 
er fiel in unverbrochner stropbenpaarung daher; es sind 
acbtzeilige gesetze, denen zum Übergang ein sechszeiliges 
noch gleicher art (str. 9) angefügt ist, während die beiden 
ersten Strophen, die den hauptton des ganzen ankündigen, 
den' liodhahättr, noch den Vorgang bei der abiendnng der 
aomen vor der Schlacht enthalten, zweifeln könnte man 
ob in «inem so aus sprächen und episoden zusammengesetz- 
ten liede wie HävamAl die vom gewöhnlichen versbau ab- 
weichenden Strophen nicht aus anderen spruchganzen einge- 
dmngen seien« durch das angegebene beispiel aus HAkonar- 
mU mindert sich das bedenken, es findet sich der absprung 
dreimal, str. 81 — 83, str. 85 — 90, wozwischen 88 regelmä- 
fsig ist, und str. 140. die beiden ersten stellen gehören am 
meisten hierher; sie geben aufzählungen dessen was man 
zu welcher zeit thun müfse, und dessen dem man erst naeb 
erprokang, und von anderem dem man nie recht trauen dürfe, 
diese sätze verhalten sich zu einander würklich ganz anders 
als die einander über oder untergeordneten,, grund und folge, 
Vorbild und hauptsache, besonderes und regel veirbindenden 
glieder des liodbahättr: der freundliche katalog von vielen 
anter dieselbe vorsichtsregel fallenden dingen welcher von der 
mütterlichen sprnchweisheit vorgehalten wird, das Verzeich- 
nis der orte, wo die runen anzuschreiben, Brunh. str. 15 — 19; 
ein namenregister wie Grimnism. str. 27. 28. 30. 46. eine 
fragenrmbe Runecap. Hav. 143 läuft in der that am besten 
und würksamsten so schnell und ebenmäfsig ab als es das 
regelmäfsige hin und wiederathmen der zeilenpaarung ver- 
anlafat. 

Andern mehr nur rhythmischen grund hat die abwech- 
selnng wo sie am anfang oder zum schlnfs für liodhahättr 
eintritt, nicht eben zur vermittelung mit dem epischen verse 



104 UODHAHATTIt. 

geschieht dies, wie man ausBriinhildarqu. 1 eutuehmen küante; 
auch Lodfafnirsmäl schlielst so (Häv. str. 140), obwohl die 
gleichversigeD Hüoatalsftältr angeHigt sind, und diese selbst 
haben als abgesang des ganzen Hävamäl zuletzt eine gleich 
gepaarte achtzeilige Strophe 167; ähnlich tritt das Grimnismäl 
am ende Str. 53 aus dem herschenden rbylhmusj in Bnmhild. 
ist Str. 5 wieder nach dem älteren fornyrdalag geformt, denn 
damit als einleitung beginnt das eigentliche in der Volsunga- 
sage wiirklich so abgesondert vorkommende mit derselben 
vorstrophe anfangende mnenlied. danach wird sich sagen 
lafsen, eiugang und scfalnTs der lehr- oder wechscllieder konn- 
ten, nicht allemal wegen episches inhalls, vielmehr zu stär- 
kerer würkang oder cbenmäTsiger abrundmig des einschnei- 
denden liodabättr, der mit par impar cinhcrschreitet, in 
gleich gegliedertem gange antreten, einleitende aulforderuD- 
gen konnten freilich auch in der milLe wie Fürsk. 34 in 
diesem gange der neuen rede vorangehen, die würkung war 
dann, wenn man strophenganze mit einer einzelnen rhyth- 
mischen oder metrischen reihe vergleichen darf, wie für den 
iambisch stechenden vers die anakrusis die dnrch ihren tro- 
chäischen fall zur ruhe führte, oder wie fiir eine zusammen- 
gesetztere reihe die vorbereitende basis, und das undaklyli- 
sche uniambische ende anderer. 

Dafs sich in einer und derselben Strophe des liodabättr 
beide arten von fornyrdalag vermengten, wie Rask in sei- 
ner Verslehre aufstellte (nach der übers, von Mohnike s. 35 
— 37), wird nicht zu erweisen sein, er führt Häkonarmäl 
im allgemeinen dafür an, und zwei einzelne stellen aus der 
Hervorsage, in ersterem gedieht sind alle liodahättrstrophen 
1. 2. 10 — 21 regelmäl'sig ; was in gleiche zeilenpaare über- 
geht sind nicht theile solcher Strophen, sondern die ganzen 
stücke 3 — 9, aus dem vorhin vermulelen gründe, die Stro- 
phen BUS dem räthselliede aber (fornald. 1, 467 beide) er- 
härten dies nicht, da in erslerer der refrain es ist der au- 
fser der sonst regelmäfsigen strophe steht, dieser refrain aber 
eben so wie sonst die bezeichnung des redenden bald in 
bald aufser dem verse steht (wie in Häkonarmäl str. 12 
vergl. mit 13. 16. 17); die letztere Strophe aber ist nicht 
zu lesen wie er abtheilt nach sieben einzelnen Zeilen 



LIODHAHATTR. 105 

Gdä er gäia pin, 
Gestr blindi, 
getit er peirrart 
gengr hamar 
ä gl6ä Rinar, 
kveär vid hält 
ok kemr d sitja, 
> dafg die zweite Strophe 11 bällle in vier kurze zeücn zer- 
lele und fremdarlig eingemischt wäre, sondern 
Göd er gäia pin, \ geslr blindi 
getit er peirrar; 
gengr hamar | d gloä Rinar, 
koedr vid bntt ok kemr d sitja, 
r in die erste und dritte zeile eine cäsur fällt, die letzte 
l>er in einem athem zu lesen ist, wie Här. 132, 6 leipis 
^B* B"^ ^f S^^^> °'*^'' Vafj>r. 41 sitja metrr um sdttir 
lin absprung innerhalb der 62n Strophe in die 
(2e würde sie aufheben; wo letztere eintritt, wird sie ganz 
iDgefiibrt, kann aber nicht mehr als besondere abart des 
ifaättr selbst gelten, nchcnfornien können nur die hei- 
1 die noch sein grundgcselz und seinen umfang im gan- 
ten Iheilen; diese verdienen eine besondere beachtung und 
icht weniger sichtung. 



Liest man Strophen wie die ans der Herv. 5. ausgcho- 
beoe so wie die ausgaben schreiben nnd Rask es vertei- 
digt, so entsteht eine siebenzeilige abart. solcher iibervol- 
t gesetze begegnet man vielen in der Kopenh. edda, ent- 
Wreder so dafs die dortige siebente zeile mit der sechsten 
^eicfa lang den zweiten reimstab erst bringt, oder so dafs 
|rtfe selbst zwei von denen der sechsten zeile verschiedene 
gptäbe hat; die siebenzahl kommt endlich auch so zu wege 
lafa einer von beiden genannten fällen nach der dritten zeile 
intrat. und so bat Legis fundgr. 1, 133 als besondere nn- 
nrl des liodahätlr die siebenzeilige Strophe mit dem ge- 
Bsetze gestellt daTs nach der dritten dieser sechs zeilen eine 
Vlierte ihr ähnliche eingeschaltet sei. 



106 LIODHAHATTR. 

Bei deutschen dichtem des mittelalters sind Strophen 
von sieben giiedem sehr gangbar, nur steht dann das letzte, 
sei es ein kehrsatz oder fortführung des gedankens, wie eine 
zugäbe aufser der reim Verbindung, in der nordischen ersehei- 
nnng dieser art ist es nicht der kehrreim der die Strophe 
übrig ausdehnt, er wird entweder ebenmäfsig gemacht oder 
ganz daneben stehen gelafsen, und wird der gedanke würk- 
Uch weiter geführt oder wesentlich vervollständigt, dann trägt 
diese vermeintlich überschtifsige zeile auch einen rein, der 
auch für den rhythmns nnentbehiüch war. dies letztere ist 
aber, wie sich gleich zeigt, auch ein grund gegen die sieben- 
theilung, ein verdachtgrund gegen nachzügler. nächstdedi 
ist hier auch noch das unterscheidende dafs kein gedieht ganz 
in diesem um eine zeile vermehrten iiodahdttr fortgeht, 
wie dies im deutschen der fall war; die abart ist sogar sel- 
ten, z. b. in Oegisdrecka sind es von 66 Strophen vier die- 
ser art, im Hävam. von 140 Strophen nenn, in YaflirAdB. 
zwei von 55, in Fiölsv. eine von 51, in Grimnism. zwei 
von 5S. Strophen, im Sölarlio]^ von 83 nur eine, solche sie- 
benzeilige müsten nach der richtigeren abtheiiung als fünf- 
zeilige erscheinen, wenn der anhang würklich das rhythmi- 
sche gesetz überschritte, und das ist nicht der fall. 

a. in vielen fallen ist eine solche vorletzte kurzzeile 
für sich gar nichts oder die letzte macht doch erst mit ihr 
zusammengenommen eine würkliche rhythmische reihe aus: 
dies ist einleuchtend in der doch wohl von handschriften ge- 
gebenen abtheiiung in Häkonarmäl, wodurch die zweite Stro- 
phe sieben zeilen erhielt, 

Braedar ßmdo peir Biamar 

ar brynio fara 

konung und gwmfäna; 

dnqnio d6lgar 

enn darrar hristiz, 

upp var ßä 

hildr of hafin^ 
wo die zeile upp var pA störend für sinn und alliteration als 
eine einzelne dasteht; allenfalls liefse sich reimen vppiyür, 
aber die Wörter sind zu tief stehend um einen hauptstab tra- 
gen zu können, und zu lesen ist 



LIOOHAHATTR. 107 

Broeäor ßindo peir Biamar\ or brynio fara, 

konung und gunnfdna; 

dngfdo dSlgar \ enn darrar krütiz, 

iifip vor pd hildr of hdßn. 
der gleiche fall ist Hävam. str. 126, za lesen 

SiUom er pd blandat kverr er segta raedr 

ei^i0i» 9Lllan kug; 

aU er betra^ enn so hrigdom at vera, 

era sd yinr ödrom^ er vilt eitt sigir. 
hier wurde die vierte zeile in zwei zerlegt, wodurch die 
reioie auseinander fielen, denn die tiefliegenden ö^om und 
eiti kommen wenig in betracht; die zeile wird lang, aber 
nur durch diese ausfüllungen ; haupthebungen sind darum doch 
nur drei darin wie auch in etnom allan hug* solch eine 
längere zeile kann auch aus der zweiten entstehen; Grim- 
aism. Str. 29 wird nicht anders zu binden sein als 

Viärmt ok Ormtj ok Kerlögar tvaer, 

pat $kal Thdrr vada iag kvem, er hon iomujerr 

€t asci Yggdrastls, pvi at As-brü brenn öU loga^ 

kßüög vötn hlöa. 
nich der Scheidung in der Kop. edda isipar skal Tkirr vada 
schon für sich dritte zeile, und dann die einzige reimlose 
unter den «ieben; die einzige siebenzeilige Strophe im Sö- 
larlioi 2 yerschwindet, wenn man, wie die alliteration fordert, 
die beiden letzten kurzen zeilen zusammen nimmt, 
Eiinn han At opt hardla 
alldri baup kann mannt til matar; 
4jär enn möär oc megin-lüill 
gestr gangandi af götu kom. 
es entsteht so eine dreistäbige zeile, aber solche sind sonst 
ungestört gelafsen, wie Oegisdr. 12 und 42 : veizta pu pa 
vesall hve pu vegr; was zugleich für gröfsere ausdehnung 
dieser zeile beleg ist, wie auch 53. 58 dieses lieds ; likv. 
164 i S61. 3. 20 pa er han lagdi d vald kons Vig-o^fs; 
21 en peir hetu hanom gulU i gegn$ 22. 40. 45. 72 peir 
Yoro [a//ir] villirvega; Fiölsv. 1 kttattu her yemadär vanr 
Vera. — so löst sich auch die siebenzeilig abgetheilte Stro- 
phe Fiörsk. 27 nothwendig in eine gewöhnliche auf, worin 
die unterzeile der ersten hälfte heifsen mufs horva 



108 UODHAHATTR. 

or, snugga hiljar til. ebenso Fiölsv. 50 schliefst at pu ert 
dptrkommn mogr til minna sola* 

b. einigemal bindet der reim an eine schon alliterie- 
rende sechste kurzzeile eine siebente, diese darf nun schon 
dieses bandes wegen nicht als eine neue nberschüfsige ab- 
gesondert werden, gibt auch in den vorgekommenen föllen 
erst eine dritte hauptarse für den Untersatz, so Grimn. 44 
ist die andere hälfte 

QÜom Asom I par skal \nn koma 
Aegü bekki d, Aegis drekko at. 
wo das zweite Aegü gegen die auf dem reimwort drekko 
liegende hebnng bedeutend zurücktritt; ähnlich Fiörsk. 29 
und 28 

at undr-sionom pu verdir, er pu ut kömr, d ßik 

Hrimni hari, d pik hotvetna stari. 
auch der reim ist gerecht selbst neben der alUCeration 18r 
jede rhythmische epische zeile, so im obersatze Yafj^r. 38; 
doch konnte der reim auch wohl Ursache sein dafs man, 
wenn die ursprünglich einzelne erste halbzeile von andern 
anders gesungen wurde, diesen anderen ähnlichen anagang 
mit aufnahm, noch näher liegt diese Vermutung für £e fol- 
genden falle. 

c. sehr gewöhnlich ist von der sechsten kurzen seile 
die siebente nur eine Variation, bald den ausdruek betrefSend 
wie Fiörsk. 10 

myrkt er üti, \ mdl qued ek for fara, 
^^ fi^ll yfi^- = /yrtVi piot yfir. 
so auch Oegisdr. 13. 63. 66. Häv. 110. 114 (Run.) 149. 
152. sogar zwei solcher Variationen H4v. 136 (zweite hälfte) 
apt or skörpom belg \ skiUn orä koma 
peim er hdngir med ham. 
= ok skoUir med skram 
s= ok vafir med vilmögom. 
bald ist die übrige zeile bis auf ein einziges anders gewähl- 
tes wort congruent, Fiörsk. 36 (erste hälfte) 
Mri drykkia \fa pu 9ildregt 
maer qf pinotn munom. 
= m4ier af minom munom. 
ein wiederholender sänger fand wahrscheinlich die dreista- 



'.^ 



UODHAHATTR. 109 

Inge seile noch befser die ihm aas der str. 26 wieder in den 
köpf kam. völlig onbedeutend ist and dämm sicher nicht 
nrsprfinglich eingeführt die abwechselung ebenda in mitte der 
nennzeiligen str. 30 

m Erimpursa hallar \ pu skalt \iverian dag 
krdnga kostalaus. 
= krdnga kostavön, 
der art auch Häv. 1. 106. 145. 158 and die Untologische 
schlufszeile von Oegisdr. 63. an keiner dieser stellen über- 
haapt ist angemerkt dafs eine oder die andere handschrift 
die nachhinkenden übrigen zeilen nicht hätte ; es mögen also, 
was bei so alter langer Überlieferung sicher leicht möglich 
war, früh mit vielem singen durch anfertige sänger eingedrun- 
gene dacapos sein, welche die Schreiber nicht auszufinden 
wosten. dafür liefse sich anführen dafs in dem spätesten 
am wenigsten gewiss vor dem aufiseichnen gesungenem Sö- 
larii(^ unter 83 Strophen keine einzige eine solche Variation 
kennt} hesohdeT!3 aber endlich die folgende thatsache« 

d* zuweilen sind die zusätzlichen zeilen würklich erst 
aus dem rande oder ans einer einzelneu handschrift gegen die 
übrigen aufgenommen worden, anfänglich nur beigeschrieben 
war nach den herausgebem der Kop. edda 3, 127 die letzte 
zeile von str. 137 (zweite h.) 

gest pu nö geyia \ n4 d grind hraekir 
get \p=gtör] pu yalopom yeL 
[peir muno likn per lesd\ 
der zusätzliche grund ii prosperitatem tibi precabuntur, den 
Finn Magnussen schön findet, ist zugleich gegen den sonst 
im heidnischen Hävamäl herschenden ton. sogar zwei über- 
schüfsige Zeilen, welche beide Variationen der letzten zeile 
sind, haben einige hss. Vafj^rud. str. 41, die darin unrich- 
tig vom cod. reg. abweichen, der sie nicht kennt. 

Ähnlich mag es mit der müfsigen anrede Vaf^r. 42 in 
der letzten zeile stehen, und der zusatz Oeg. 55 dürfte blofs 
glosse zu der vorangehenden dichterischen Umschreibung sein, 
dieselbe annähme eines erklärenden Zusatzes durch fahrende 
Sänger — denn die hss. schwanken hier schon nicht mehr — 
liegt nahe Gröug. 10, wo die gerechte letzte unterzeile ok 
siöckr pd ids <^ limom noch die leichtere Wendung nach sich 



110 LIODHAHATTR. 

hat en aff6iom ßotur^ darch welches letzte wort das dankle 
Ids verdeutlicht wird. 

e. nnverßHgliches Verhältnisses zum übrigen texte and 
mit dem gesetz des liodahättr unvereinbar ist nur die sie- 
benzeilige Strophe Vaf^r. 38,- die würklicb fünf völlige Zei- 
len statt vieren gibt, 

Segpu pat it Xionda^ \ als pu twa rök 

ötl Nafpräänir vitir: 

hvadän Niörär um kom med Asa sonom? 

hq/bm ok hörgom \ kann raedr htmn morgom [kunp" 
• mörgom\ 

ok vardat kann Asom hlinn. 
kaum wird man sagen können dafs das unbetonte um einen 
Stab trage zu Asom, die zeile entbehrt des reimes auf den 
haupthebungen, ist aber doch im zusammenhange unverdMch* 
tig. dennoch erbringen auch solche nicht die nothwesdigkeit 
eine fuiifzeilige, nach alter setzung äebenzeilige, Strophe an- 
zunehmen, denn einmal steht fest dafs der Uodahftttr aueh 
nur einmal drei glieder haben kann, so wie dafs er sie drei- 
mal hatj und fürs andere fehlt es nicht an zeilen die ohne 
kehrsätze zu sein, wie im Hervors., ganz anfserhalb der 
verse stehn, mögen sie nun alliterieren oder rein ungebun- 
den sein; so Oegisdr. 55 und 54 der beschreibende zwisehen- 
satz kann tSk vid homi ok dracc af ok quad. — nur in 
den reinen spruchgedichten finden sich solche Unterbrechun- 
gen natürlich nicht. 

Nach allem bisherigen läfst sich die siebenzahl der glie- 
der für diesen vers nicht erhärten ; meist ist die fünffce zeile, 
die nach richtiger theilung dieser glieder auf vier zeilen übrig 
bliebe, am gedanken was ein Jünftes rad am wagen; die un- 
verdächtigen Zusätze aber bilden nur eine längere vierte 
zeile, verschieden von der vielleicht nicht längeren dritten 
durch die fehlende cäsur, zuweilen wie Oegisdr. 64 Al- 
vism, 35 zum abschlufs des ganzen liedes ansgehalten. 



Dazu kommt auch eine ab weich ung nach der entgegen- 
gesetzten Seite, in einigen gedichten wo liodahAttr herscht, 
und zwar schon in der edda, erscheinen auch nur fünfzeilige 



UOOHAHATTR. 111 

fitrofhen, die zwar nach der hier befolgten abtbeilang noch 
vier Zeilen geben würden, aber mit dem wesentlichen man* 
gel dafs die erste oder dritte nicht zweigliederig wäre, wie 
Vaf^r. 29 gegenwärtig auftritt, 
Oroß vetra 

dper veri iärd scöpud 
pd vor Bergeimer borznn. 
Thrudgelmer var pess fader 
enn jiurgelmer aß. 
hier wäre aber die vorletzte zeile nach der sonstigen weise 
in zwei zeileh zu trennen gewesen ; sie bildet würklich eine 
gerechte langzeile mit cäsur nach Thrudgelmery worin peM^ 
noch ungeschwäehtes demonstrativam, den stab trägt (wie 
Volusp. 15). ganz analog nämlich besteht- ein solches hemi- 
stich des obersatzes würklich nur aus einem dreisilbigen 
Worte fomald. 1, 326 istirda; nicht anders ist Häv. 157 
vdgi iy und aus drei einsilbigen mit zwei hebnngen besteht 
dieser theil oft. sind namen im spiele so treten die hebungen 
noeh enger zusammen, wie Grimn. 33 

Hirtir eru ok fiorir, \ peirs af haefingar d 
gag-halsir gnaga: 
. Ddifm I ok Dvdlinn, 
Duneyrr ok Dura^prör, 
worin der zweite obersatz nicht aufTäUigere gliedemng hat 
als der onangefochtene Hftv. str. 76 diyr Je^ deyja ßrdendr, 
derselben art ist H4v. 146 

Odinin med ksom^ \ en Jur klfom Dainn, 
Hvalmn ok isergomfur; 
Asvidr \ lötnumßir: 
- ek reut stal/r sumar. 
nur eine Strophe kam mir vor auf die solche abtheilong kaum 
anwendbar ist, Försk. 12, wo die erklärer nur nach vermn* 
tnng auszufüllen wifsen : hier stehe eine die wenigstens den 
gegebenen wage hält, die Überschrift hirdir ^ad kann wohl 
die erste zeile ausgemacht haben, wenn ursprünglich wie 
kurz Yorhev Jerkirdir gestanden hätte, die alliteration wäre 
wie in Häv, str. 80, und auch in die sechszeilige Strophe 
wird die angäbe wem die rede angehört mit verwebt, wie im 
Hlüconarmäl öfters. 



''- .\«i'. 



112 LIOOHAHATTR. 

Aach solche gestaltungen bleiben also wie die unler 4 
angefahrten unverkämmerte, nur selten etwas freiere^ aas- 
fiihrangen des liodahättrgesetzes, auffeilend nur durch die 
im nordischen wie schon im niederdeutschen gröfsere ans- 
dehnbarkeit der thesen und nebenarsen, aber ohne deshalb 
den namen einer abart oder nebenform zu verdienen, auch 
die anter 3 angeführten abweichungen dürfen ihn schwer- 
lich in anspruch nehmen ; sie beruhen auf ^uizlichem ver- 
lafsen dieser art und auf absichtlicher rückkehr zu der ganz 
anders mefsenden und würkenden achtzeiligen aber gleich- 
gegliederten art des fornyrdalags. davon verschieden ist eine 
an umfang gleiche aber im innem bau dem liodahAttr ange- 
passte Strophenart, die noch zu berühren ist. 



Eigenthümlich ist der gnomischen Strophe das verhült- 
nis ihrer jedesmaligen theile wie zwei zu eins, and zu der 
alliteration die zweistäbigkeit dieses einen untergliedes we- 
nigstens gewöhnlich, das hauptgesetz könnte i^an auch so 
zur erscheinung kommen dafs auf zwei epische langzeilen 
eine solche folgte, wodurch der doppelte umfang entstünde.' 
dies liegt würklich einmal Häv. 148 so vor, wo nach einem 
gewöhnlichen halben liodahättr von drei zeilen noch sechs 
solche kurze oder drei epische langzeilen folgen, doch ge- 
rade diese Strophe leidet auch an grofser dunkelheit nach 
ihrem inhalte, und so möchte sie durch die übereinstimmang 
der ja so jungen hss. nicht hinlänglich sicher sein nm 
darauf etwas zu bauen. 

Eine würkliche abart des liodahättr ist diejenige bisher 
achtzeilige Strophe welche diesen umfang durch gleichmü- 
fsige einsetzung der dieser art eigenthümiichen zweistabigen 
kurzen zeile erhalten hat. es ist nun vielfach erhärtet dab 
das grundgesetz der Strophe sich in schon drei alten zeUen 
ausprägt und deren Wiederholung zwar gewöhnlich aber nicht 
nothwendig ist, dafs es drei-, sechs- und neungliederige verse 
geben kann, desto eher konnten ein paar kurze zeilen da- 
zu oder dazwischen treten, eine cofula die im mhd. leiche, 
in den kürzeren Strophen selbst so oft begegnet, die ver- 



LIODHAHATTR. 113 

Inndimg zweier solcher zeilen zu einer einzigen sträobt sich 
sobald jede ihre stabe hat : so entsteht eine sechszeilige ab- 
arl, dareh eine zweizeilige copnla in der mitte oder am ende, 
wie Brynh. 36 

Ptii raed ek per ip Uunda \ at pu Xräir aldregi 

wwrom Yarg'dropa, 

kvars pä er brödr-ham, 
edr hafir pü {eldan föÄ*. 

tlfr er i\ ungom synt\ 

pd sS han gulli gladdr. 
ebenso Fiörsk. 31 

med ]furst ^rihö/Sudöm \ }fü skaltae nara» 

ed yerlaus yera* 
pitt ged gripi 
pic mam momi; 

eer&i sem \istill \ sd er }f runginn var 

i wann ofanverda. 
der art ist noch Häv. str. 140, ähnlich Helgaqn. Hadd. 26; 
eine naehgesetzte copula scheint mir in Häv. 159 (Rnn. cap.) 
zu liegen 

pat kann ek ip ellista | ef ek skal til orrosto 

\mda langvini 

undir vandir ek gel \ en peir med viki fara 

heilir hilda til 

heilir hildi ß*ä 
koma peir heillir hvadän. 
so aaeh Oegisdr. 23 wo die vorletzte zeile nach einer hs. 
zn lesen ist. und nach str. 33 ok heßr pü par böm of bo- 
rtl« in derselben weise ist Yafj^r. 41 vermehrt dnrch spä- 
tere hss» anter diesen fall gehören denn auch die wieder- 
holten kefarsätze die in Heidreks gedspeki so oft den ge- 
wlAnlichen Strophen nachgesetzt sind, Heidrekr konungr 
hggg pik at gätu. vielleicht ist auch noch der dritte mög- 
liche fall als nebenart des liodahättr zu bezeichnen, dafs die 
seehszeilige, nach den ausgaben achtzeilige, Strophe bewürict 
wird durch eine nach einem jeden dritten gliede eingesetzte 
reihe von vier Stäben, Brynh^ 18 

9illar voro hf-skaßtar \paer er voro k-ristnar 

ok bverjdär vid inn helga miöd, 
Z. F. D. A. IIL 8 



114 LIODHAHATTR. 

ok Sender a viäa \ego; 
, pmer rö med Asöm \ paer ro med Aifam^ 
sumar med yiscm Wonom^ 

sumar hafa mensktr menn, ... 

in dieser weise wohl auch Fiörsk. 34. käme dieser bau non 
auch öfterer vor als es würklich der fall ist, so wurde dar- 
aus doch nicht die folge zu machen sein auf giltigkeit der 
unter n» 4 bestrittenen fünfzetligen, nach den ausgaben sie- 
benzeiligen, Strophe; hier wird die gleichmäfsige eiin auch 
sonst vorkommendes ganzes bildende gliederung dureh unver- 
dächtige gedankeuverbindung geschützt, und, was w*U einen 
unterschied macht, diese Strophe zeigt sieh besonders in den 
meist erzählenden einleitnngen oder schliefsangen zu den 
lehrhaften ganzen. 

Endlich ist auch noch einer erweiterung der einfachen 
dreigliederigen Strophe zu gedenken, worin nach den dritten 
gliede mehr als zwei eben so kurz abbrechender seilen ohne 
rfickkefai^ zum ursprünglichen bau zu einer Strophe zusam- 
men gesetzt . werden, das einfachste beispiel dieser art ist 

Häv. 18 

pat er pa reynt^ \ er pü al vtinom spyrr 

enom vegin-kunnorn^ 
peim er gördo gwregtn, 
ok fddi {imbul-pulr: 
}fd heßr han bezt ef han \egir, 
nimmt man hier peim er gördo — ptUr zusammen, so ergibt 
sich zwar die vierzeilige Strophe in der ausdehnuog wie sie 
sonst ist, aber nicht in ihrem ineinandergreifendea JmlSi. di^ 
Zeilen fallen auseinander, unter diesen ist auch die: letzte 
wie das ganze zerbröckelnd, einmal, Häv. str. 139, besieht 
eine solche unordentlich gefügte strpphe diesem letztem tbeile 
nach aus unerträglichen tautologien, die zu gutem glfiokaiicb 
schon in den bandschriften eingeklammert sind, wie uns die 
beransgeber, welche die mannigfaltigkeit loben, verratbeo. 
unverdächtig ist dieselbe zerStückelung in Brynb. 14 ge* 
braucht 

d bwrgi stüd \ med hrmü eggiar 
haßU ser d höjdt hialm. 
pd maelti Mmis Aö/ud 



LIODHAHATTR. 115 

Mdlict ip lymta ord 
ok %agdi satma staß. 
so aach Helg. Hadd. 28. noch mehr zerfliehl das gaaze 
wo das geseiz des dritten gliedes sich nieht dra mal wie 
hier, sondern ider fünf mal wiederholt, ersteres BJkv. 145 
(Yorwort zu Rane cap.) 

ränar muntu finna \ ok riäna stqfi, 
wiök sUSra slaß; 
miök %\inna staß, 
er iddi ftmbutpulr 
ok giördo ginn regiUy 
ok reist hropttr vögna. 
and Brjmfa. 19 (im nach wort) 

pat ero bökränar \ pat ero hiargrunart 
ok allar ölräaar, 

ok mactar meginrünar; 
kveim er paer knd 
Mläar ok bspilltar 
ser at heiUam bqfa. 
Vkiottu ef pü namt 
unx viufaz vegin. 
statt hoeim vermate ich zur herstellnng der alliteration peim. 
oder liefse sich das zerfiilien des haues abwehren durch zu- 
sammennehmung dieser zeile mit ömlltar n. s. w« zu einem 
neuen obersatze, wozu ser — hafa Untersatz wäre, so dafs 
eine Strophe entstünde wie die vorhin angeführte Brynh. 18, 
nnr gröfserer zweiter copula? 

Man darf auch nicht verschweigen dafs öfters im besten 
liodah&ttr ein drittes glied zweimalige alliteration hat, z. b. 
Bttv. lÄ yaerom p6 y er dir gagns frd godom. so liefse sich 
in der ^n genannten Strophe das ende niottu — Tegin zu 
einer xeile verbinden, so dafs die form ganz wie Brynb. 18 
wäre« 

pmt ero bokrunar \ pat ero biargrunar 
ok mllar ölrunar^ 

ok maetar meginrünar, 
kveim er paer kna ovültar \ ok ospiUtar 
ser at heillom hafa. 
niottu ef pu na$nt. uns riufaz regin. 

8* 



116 LIODHAHATTR. 

wollte jemand aach diese erweiterangeD, deren manche aoF 
bekannten formein zusammen getragen sind, auf rechnung 
einer späteren schon freier nachsingenden zeit da das fah- 
rende Volk iibei*hand nahm, nicht als ursprüngliche, setzen, so 
käme das ansehn der jetzigen für die eddalieder so jangen 
handschriflen nicht auf. 

Überhaupt zeigt sich die bestimmte einfachheit des alten 
reinen liodahdttr besonders geeignet für anfange der kritik 
eddischer lieder, und seine beachtnog wird auch für geschichte 
der nordischen poesie erstes bedürfnis sein, wenn diese ihre 
gegenstände nicht mehr blofs nach dem Stoffe aus mytholo- 
gie Sittenweisheit und heldensage, sondern nach der innem 
dem inhalt immer weniger fliefsend gegebenen form anord- 
nen und beurtheilen will, denn was im mittelalter unter ly- 
rischer form steht ist es doch zuletzt was sich auch immer- 
mehr im liodahättr befestigt hat. 

Nach dem allen beurtheilt sich auch schliefslich die noch 
bei Legis wiederkehrende annähme, aus diesem versmafse 
habe sich das drottquaedi entwickelt, dessen ursprünglich 
epische art unverkennbar ist. dagegen sind mehrere berüh- 
rungspunkte der einfachen und einer ausgedehnteren form 
mit dem mhd. leiche in seinen kürzeren gestalten nachge- 
wiesen, dessen freiere entwickelung im nordischen die ton- 
angebenden hofdichter mögen verhindert haben. 

MARBURG. DR DIETRICH. 



ZU DEN ERFURTER GLOSSEN. 

(bd. 2 s. 204 ff.) 

Aufmerksamkeit erregt ihr alter und ihre heimat« • dafs 
sie nicht völlig thüringischem boden entsprofsen sind verrith 
der abschreiber wo er die glosse unverstanden herüber- 
nimmt; formen wie das entstellte huuelspcepena^ plnrale 
wie die dunkeln lebdaeloccas, wisphas, limas (dies letztere 
ist s. 206 sicher statt limus dem deutschen zuzusprechen), 
endlich ausdrücke wie fathem ulnus, limas glieder, liran 
muskeln (englisch fathom ulna, orgya, limb membrum, ags. 
scanclira sura) weisen auf nachbarschaft mit den gegenden 



zu DBN ERFURTER GLOSSEN. 117 

die von den Angelsachsen verlafsen worden waren, ein frü- 
herer Biehr hochdeutsch redender Schreiber mag sich erlanbl 
haben- in den ihm noch deutlichen Wörtern die altsächsischen 
formen nach seinem munde, was wenige diphthonge traf, 
omsnßlrben. 

Dies zn bestätigen, und was der letzte absehreiber oder 
auch schon ein früherer verunstaltet oder für uns nnkennt^ 
lieh gemacht hat theilweise wieder herzustellen, ist die ab- 
siihrift derselben glossen welche hr professor K. F. Her- 
mann in dem Marburger prorectoratsprogramme vom j. 1841 
aus einer hiesigen han'lschrift mitgetheilt hat auch durch 
die textesverbefserungen dieses gelehrten wichtig, einever- 
gleiehvng beider exemplare zeigt dafs auch der hessische 
mtoeh des 13n jh. nicht, wie ein früherer mag gethan ha- 
ben, für seine zeit die deutschen glossen etwa ganz ummo- 
delte, und dafs selbst dieser Vorgänger dem hochdeutschen 
nmr geringen einflnfs gestattete, aber einen dem thüringi- 
schen verwandten codex mnfs gehabt haben, da bei aller 
ähnlichkeit doch nicht unmittelbar der Erfurter aus dem 12n 
jh. dem hessischen kann zur abschrift vorgelegen haben. 

Da das genannte programm eben so wie ein früheres 
von 1838, welches den Marburger codex selbst beschreibt, 
nicht allen lesern dieser Zeitschrift die an diesem gegen- 
stände antheil nehmen zur band sein möchte, stehe hier «ine 
vergleiehung, wobei die handschrift wieder eingesehen und 
einiges zur aufhellung der dunkleren Wörter über die beide 
ratblos lafsen bemerkt ist. 

Das nahe Verhältnis beider glossenüberlieferungen zeigt 
der gleiche anfang, coloni locatum agrum colunt id est an- 
deres lant sesan nach der Erfurter, wobei die glosse nur 
übergesehrieben ist in der Marburger, und derselbe schlufs 
in beiden, stomachus graecum ^st et tnterpretatur os et 
submiditur ventris M. auch die summe des inhalts, der, wie 
Hermann nachgewiesen hat, aus Isidorus origg. 9, 4 bis 
zum schlufs und wo die gliedernamen anfangen aus 11, 1 
anszugsweise entlehnt ist, stimmt im ganzen in beiden über- 
ein, auch gleiche Unrichtigkeiten im lateinischen, scemmata 
st siemmatü E s. 206, caltis st. glos ebenda , canni st. 
canini s. 206, arpina st. arvina, gleiche dunkelheiten im 



118 ZU DEN ERFURTER GLOSSEM. 

detttsehen, z. b. tautonibus ouerE s.206, M nur ohne leeren 
raom danach) und gleich darauf beide conas tnigan and ge- 
gen dai9 ende vücera vitalia hoc est hartiimeihere E 
s. 207) vitcera vitalia hoc est hart in nethre M« n«r hal 
E einiges mehr, namentlich die vier glossen inbmtthich^ 
vhas, lichhar^ ein schorenlach hat M nicht, welche dage- 
gen voUfitändiger nach rumen wasend, nach sublingium tkin*i 
fSr eadem et svb — eadem et subhird hat, wd E leere rä»- 
me bat^ und noch s. 206 nach liquando nece mehr gibt ei 
Uquamen necethe. M bat auch einiges befsere» an ende 
der verwandtscbaftsnamen lanitrices duorum Jratrum Mäpor&s^ 
im anfang der gliedernamen papilla a pauiditate*, anderemal 
auch fehler, wie Jeror st. soror, concubitus st« cukUui* 

Es wäre wünschenswerth näheres über den Ursprung 
des Erfurter codex zu erfahren, dem Marburger ist vorge« 
scftEt S* Marie virginis de Aulesbvrg. dieses sfiner läge 
nach jetzt gänzlich unbekannte cistercieüserkloster War um 
1141 von Boppo dem In grafen von Keichenbaab gestiftet, 
airiion 1215 aber nach dem näher an der Eder als der Lahn 
gelegenen klosler Hayua verlegt worden, wo die manche 
sieh noch eine Zeitlang de Aulesburg schriebeB* in der 
bandschrift geht unmittelbar vor unsern glossen ein ostoni* 
Verzeichnis vorher über den cyclus von 1125 bis 1190« 

l)ie wichtigeren Verschiedenheiten des Marb» ood.^ wo* 
bei einige fehler im schreiben lat. Wörter übergangen aind, 
bestehen in folgendem, in 2. 3 vom anfang hat burgseMü 
E, burgsezan M. urigelazin urigelaxins sun, geuriethai 
E^ Jrigela»an, ßngelaoen** sun, g^riethat U* eim^hant" 
gengo E, in hant gegan M. die vier nächsten glossen 
lauten uader mage^ müder mage^ maihe (unleserlich) g^ 
landen f mämen sun in Mf , und zwar an denselben stellen 
als in E) endlich statt huuelspcepersa, heimuroaua B heifsl 

• [T — aiM IsSd. 11, 1, 37 voeatur autem pupilia qmd Ht pki^ 
•# impoiiuta, nt tunt pueUae sckeint mir zu folgen dafs 206, 3 Brf. 
xa lesen ist pupiUa a puritate dicta. eadem et pvpula^ ■' Hpt,] 

** nach Hermann ßigelaten. in der hs. ist sun uodeatlicb etwas 
höher geschrieben. 

f so las Hermann, wie es denn anch das entsprechende materte- 
rae filii erfordert, die hs. scheint mndren tun, das depravSerte, «n ge- 
hen, wie K. 



zu DEN ERFURTER GLOSSEN. }|9 

es hmml $eopePse, heintfrouua M. die vorhergehende reihe 
lautet Arrobo datur pro canmgio dicta quasi arra bona et 
dos promtba et paraninrpha. 

Die femern glossen zu den gUedernamen aind genau 
bei denselben lateinischen Wörtern folgende hoiuedhmr. lanc. 

tebde Joccas, wiffas (vielleicht wifsas). theneben. gedana. 
auer, ougan. kinneben» orlappa, the mannes gethunge. 
uintathren. uuasend. thungan, ellenbogo vel elen. fathem* 

seeundum quosdam elen, nam graeci u. s. w. hnäen. oslem. 
nägaia. burstlappa, burstbein. warza. spune^ daräberste- 
head ei uliqwindo nece, im text folgt et liquamen nezethe. 
orspMm et est illud durum in aure, lira (1. dicta Herrn.). 
Afar« et aliquando iitnus (wahrscheinlich iimas?). f^ertibula 
wtjhein, gesooldera. totum interscapilium medietas. pale 
seoUerem. räkebein, rukelende. lendenbein. lenden. kuf* 
bem* Umca. gofen. uuerfbran. kommen, scinkan* scina. 
tUoeh, enkel. beuillet ßesc, rinblood siue giliistr. tharma* 
hart mnethre. scood Uran, se$mliran. leueriu lapa, M. 

Offenliar hat der Vorgänger des hessischen absehreihen 
mebr nederdentsches bewahrt in den Wertformen als der des 
erfiirtiseben, beide bringen vns ungeiähr gleich viel nnver- 
standeiies, in diesem aber wieder hat der Erforter als der 
entferntere, obwohl früher abschreibend, doch gröbere ent- 
steUBBgen. zumeist in der für paranympha vorgefundenen 
Übersetzung huuelspcepersa, wobei das humlscoperse in M 
zom Verständnis hilft, unter der mehrfach erforderlich ge- 
wesenen Voraussetzung eines altsächsischen Originals, die 
endong ^ersa ist bekanntlich im alts. vollkommen gerecht 
der hd. ^erin entsprechend; das erste wort der zasammea* 
setxnng mufs also huuil sein, ein deminativam von hAbe, 
was sächsisch hüve lautete 'roitriola hubef Diut. 3, 148. da 
aber fiör den zweiten theil das mhd. i^oAtfjv/Srn unpassend ist, 
ein alts. sköpan aber nicht vorkommt, c und t ferner über- 
aas oft verwechselt worden sind, wie auch hier in scemmaia 
und mngekehrt in thioth femur, so zweifele ich nicht dafs in 
unserem sehr vergilbten codex oder in dessen orginale hur- 
uilstopersa gestanden hat. st&pan ist von Lachmann zom 
Hildebrandsliedc fiir das alts. hinlänglich festgestellt, das 



120 ZU DEN ERFURTER GLOSSEN. 

nordische zeigt auch die bedentung auf in der das etwas ver- 
schiedene stopan hier genommen ist. es gehört als ablei- 
tnng dritter stufe zu stiapan (yfoiiet staufa cautes, rupes 
Diut. 2, 17 in den keron. gl.)? wovon als verbum wenigstens 
das schwache nord. steypa erhalten ist in der bedentung von 
überstürzen, meist medial erscheinend für prolabi, Sn. edda 
1, 66, und für obdncere sibi, sich einen theil der rüstnng 
oder ein kleid überstürzen; letzteres z. b. Ftidf^ioEs. c. 11 
steypti kuflshöttnum und steypti afser kußmum ebenisi. auch 
im deutschen gilt überstürzen namentlich für kopfbedeckon« 
gen; über schleier stürz und mie eifert Seb. Braut narr« 
s. 90 Strob. für das gefundene wort spricht die s^e. dia 
haubeaufsetzen gehörte von jeher zu den rechten nHJt/i&n^ 
lichkeiten der vermählungsfeiern, nach Grimm rechtsalt, 443« 
dafs es aber gerade geschäft der brautjungfrauen einaial.ge« 
Wesen wäre müste belegt werden, die Hessen Mlbaohten 
z. b. im Rothenburgisohen die nur nicht ganz daUn stim- 
mende sitte dafs der braut nach der tranimg von den sehen 
verheirateten ireundinnen die haube mit gewall. gegen die 
eigentlichen brautjungfern übergestürzt wMf in%egem den 
letztem eine Verteidigung obliegt dafs die braut nicht *g5- 
petzelt' werde, die dann» wenn ihr statt des krauses die 
'petzel' aufgethan ist, den fikerwinderinnen wie den schlitze» 
rinnen etwas zu gute thun mufs. danach möchte eia- käbü-^ 
stapersa mehr Übersetzung von pronuba als von paramgwtf 
pha sein. 

Unter den glossen für die gliedernamen fällt seunäohal 
am meisten auf cirrL id est lebdaeloccas E, drri mit dem 
darüber geschriebenen i. lebde loccas M. schwerlich eine 
Zusammensetzung; schon loccas entspricht den drris völlig« 
'cyrros loccha Diut. 2, 340. auch das erste wird pL sdn» 
wie nachher artus lithe. ist d richtig, so kann es sehr wohl 
ableitung heifsen, der übrigbleibende stamm aber findet sieb 
würklich im nord. wahrscheinlich aus ableitung mit j ent- 
standenen leppr haar, z. b. vom pferde ok tdk ek eitm hpp 
ur tagli kons fornald, 1, 331. die alts. form k$me dem in 
der bedeutung so ähnlichen lofpog (haarbusch, besonders 
die aus pferdehaaren bestehende helmzierde) und dem Ao^/a 
(mahlte und gemahnter hals) in den lauten näher als jene 



zu DEN ERFURTER GLOSSEN. 121 

nordische form, woneben lopi (eia stück, ein flocken wolle) 
iröllig zu der bedeutung des vom glossator zu cürrt vergli- 
chenen griechischen wertes (lallog (wollenflocke, locke, 
baarzopf, anch engl, lock dasselbe) stimmen würde, der form 
nach aber mehr zum lat. loba calmus. 

Das unmittelbar folgende zu crines gestellte, aber gleich 
donkle wisphas E bewahrt deutlich eine niederdeutsche aus- 
spräche j wie es lesfe ist für das hochd. lefse. die unver- 
setzte form bat der Marb. cod., wifsas, wie wahrscheinlich 
statt tp(ffiis zu lesen ist, die Erfurter Schreibung fordert 
auf zn einem versuch dies wort im angegebenen sinne zu 
rechtfertigen, da Isidor bemerkt crines proprie multerum 
sumt- «nd seine etymologie quod vittis discemuntur dicti 
vom deutschen glossator aufgenommen ist, so scheint auch 
dieser ein diesem ältesten gebrauche und Ursprünge entspre- 
diendetfvWort gesucht und an die mit bändern durchflochte- 
nen zöpfe seiner landsmänninnen gedacht zu haben, wie sie 
in einzelnen hessischen und oberdeutschen gegenden noch 
von den töcbtem des landes getragen werden, im englischen 
bedeutet tHift anfser gewebe auch zopf, locke, die alts. 
form wäre aber abgeleitet wie/eUm saxa Diut. 1, 272 ne- 
ben ßall nord, dasselbe, oder wie Itfse neben mhd. l^ 
lippe Dint. 3, 291. 

Bm tmltus gedena hat E schwerlich eine richtige form, 
die ich vielmehr in dem gedana in M finde, obschon auch 
da über das a der wurzel ein e übergeschrieben ist, viel- 
leicht weil das schon seltenere wort, nicht ganz bestimmt 
geschrieben, die letztere lesung begünstigte, denn in einem 
St Flor. cod. des 12n jh. Diut. 3, 147 steht /octe^ getai^ 
und noch entsprechender in dem aus dem 13n jh. stammen- 
den alts. vocabular species gedane Diut. 2, 229, so dafs der 
umfang dieser ableitung etwa so weit als ildog gegangen sein 
mag, obwohl anders als dies und als species abstammend^; 
während getdt besonders in der Zusammensetzung hantgC" 
tat bekanntlich auch geschöpf bedeutete. 

Woraus Tautonibus ouer und conas ougan entstanden, 
woher dann ihes mannes gethunche zu canini dentes ver- 
sprengt sei, da zu lifiguam M schon thungan bat, erräth 
vielleicht ein anderer. 



m ZG DEN ERFURTER GLOSSENV 

Nach ulntis secumbim quosdam fathem empfiebH sieb 
die abtheilung in M, secundum quosdam eleu Nam Greci 
11. s. w., daroh den isidorischen text so wie durch die ge- 
ISofigkeit des ulnus eHn Dial. 1, 531. 

Arpina (arvinä) spunna et Uquando nece E : Tiehtiger 
uad mit einem weitem zasatze gibt M gpune, daräber et 
aHquando nece, im text et liquamen neeethe. das tpune 
wird nicht etwa za dem gleich vorhergehenden nbertf za 
sieben sein, denn mit einer for das yerbältnis von neeethe 
zn neee bemerkenswerthen ableitung zeigt sich ßms epinUm 
de adipibus Diot. 1, 491 und adeps spinth 3, 418.. arvika 
spint altd. bl. 2, 196. die andere glosse meint sieberlicb 
eigentlich die fetthaat, das netz aber den gedärmen, woraus 
zumeist der sehmer bereitet wird; genauer wäre, wie sieh 
auch sonst findet, nezzismero reticulum, Diuf. 2, 44« 3, 423. 
wSre in dem folgenden pulpa orspinna et est ilkti durum 
m aure. lira quod palpitor E, — lira quod palpUet M, 
dieses lira^ wofilr Hermann dicta vermutete, vielleicht noch 
deutsch zu pulpa wie in scoodlira und senuHra? 

Dafs bei artus lidera M statt des ursprüngfichen tUhe 
Erf. (pl.) schon ein neutrnm zu gründe liege, dafür scheint 
ZK \iprwAen dis^ glosse artus Kder Diut. 3, 148. für den 
pl« ISnm aber spricht das nord. und ags. lim glied. 

I^lter Abu letzten verschieden überlieferten glosse» steht 
auch vücum quod est rindblood stue billistr s. 207 Erf., 
rÜUood siue gilUstr M, wo in beiden fallen letzteres das 
ursprBnglicb geschriebene sein wirdi zu dem gils^ findet 
ineh bei Graff nichts ähnliches, denn gelstar goth. gäHra 
(sacrificium, vectigal) gehört zu gildan und gtls (cerebmm) 
stimmt in der bedeutung zu wenig, da die mundart der hs. 
M auch Versetzungen wie burst aufweist, so zweifele ich 
nicht dafs das dunkle wort in dem engl. gUt^ nach Bailey 
mit eiter vermischtes blut bedeutend, wiedergefunden sei. 
es mäste nur aus der früheren spräche belegt werden, ob 
die form gleet, wofür nach Richardson von Skinner gUtt 
mit der Übersetzung iehor gegeben wurde, echt sei^ um ein 
verbum gliotan wahrscheinlich zu machen, die sich zu dem 
durch lat. gluten vorausgesetzten gluo verhalten würde z. b. 
wie fliotan zu fltWy wonach das sächs. >^/t/ für glyt stünde. 



zu DBN ERFURTER GLOSSEN. 123 

Eadlieh in hartinnethere (viscera vitalia) E dürfte kein 
fehler anzanehmen sein, da fast ganz so M bai hart in ne- 
thre nnd die stelle Isidors diese ist item viscera vitalia id 
est eircu»i/ma (oder circumflua) cortiis loca. wenigstens ob 
der erste theil der Zusammensetzung hert'(herxa) ist, wage 
ich nicht zu entscheiden; der zweite aber ist wegen des 
gewöhnliehen innodi viscera nicht anzutasten, denn es findet 
sich gerade so hochdeutsch viscera inedre Diut« 3, 239. 
MARBURG. DR DIETRICH. 



BIBLISCHE GLOSSEN ZU ENGELBERG 

UND RHEINAU. 

Diiit. 3, 422 — 432 werden aus der EogeU>ei|;er hand«* 
L yii 'altdeutsche glossen in einem lateinischen com- 
me&tar tur bibel' mitgetheilt. ich bemerke hierzu folgendes« 

i» die handschrift, eine erst im 12n jh. gefertigte copie 
einest ich weifs nicht wie viel älteren Originals, enthält eine 
forthrafende Worterklärung zu den biblischen Schriften der 
die «Hounentare des h« Hieronymus zum gründe liegen, die 
erklärenden werte sind theils lateinisch, theils delMÜi«>die 
letzteren stehen zwar über den zeileui dennoek griiören'.8ie 
▼on Tom herein und wesentlich zur ganzen arbeil s in den 
meisten fällen ist das deutsche wort die einzige erUämng 
des damnterstehenden lateinischen, z. b. 
rmsta. figono* obelei ivisode. 

llassas caricarum. Benedictionem. Infsisciculo uinentittH; 

incongregatione . 
stfßodi. unsefti* 

Singultnm. Scrnpulum. Sciphum. in quo manus lauantnr. 
mitbin^ ist der commentar eben so wohl ein deutscher als 
ein lateinischer zu nennen. 

2\ Graffs abdruck ist weder genau noch vollständig: 
Worte die er gänzlich übersehen hat sind Collidebantur 
spumten (oder spuritten). purpura purpurpkellola» Cyda* 
rim hout. Unus sumiwelcher. Inscriptio capitan. 

Scribendi capitalunga. Titnlus capitulan, Desursum 

huf. Ederam eboe. 



124 ENGELBERGER GLOSSEN. 

Folgende aber hat er anders gelesen oder geschrieben, als 
wärklich in der handschrift steht. 

Subnla siula: Gr. 422 suila Retorta gizwimetema: 

gizvvimotemo Fricatur gesotanwtrt: 423 gisotan vvirt 

Papuiaram ancheveza: anchweza* Hemiosus hohe* 
^ ther: holother Contenebrati ptoumata: ptoumeUt 

Percrepruisset martvvurda: 424 /Vocrepnisset, mari 
^vourda Coccum bis tinctam zvvirgizatophellol : xnvirgi- 
rato phellol Perendie ubergene: ubermorgene Fi- 

stulas nuosca: 425. ndiosca Bubule camis vvüttmes 

(vvmtines) fleisces Sorbiciunculas mfmosiüz sufimto- 

sili Gv?XmXdL ßrezebin: ßrgebin ^^^Anaglifa munfi&a: 

manltha Rabigo milttou: militou Sicomoros vvädi 

vvihcpoma \ vvidimulpoma : vvildi mulpoma nemum bolz 
\ isinhata: 426. isin, halta Cursim kizolo: kizalo 

Uasa gizinga: gizinga Conuenticula cisammach^ia : 
conventiculam, cisamina chunßa Papillam afhn i^fkel) 
l sehun Emalari kanzan (hazari) \ büiden StiUicidiis 
tropkizuga: trophizunga Depostfetantes afflerzittiguni 
q/ierzntigun Contestabor zurckande zuiho: säuho 

Decaehorde zebantsetigemo : zehantsetigemo Cynoniia 
huntfbdgüi 427 huntßiuga Pila stanph: stampk 

Torax pruniw : prunia Glareis grezin : 428 gremut 

Gnrgustiani rmsa: ruisa Pyramidas irminMua: m- 

mmtüla Armillas armböch: 429 armbvLch Dosolabit 

moadet: uioadet Litura tunichuga: ttmiehunga 

Misce scencka: 430 scenchua Bubalis vvüantmm: 

tmsantain Naulum ferescaz : feriscaz Leanoalos 

leunchuliu: leunckulin SnAmiim Svezuanch: 431 svei" 

zuanch Architectus vverhmiester: Werkmeister 

3. auf den zehn letzten blättern (67 rw. -^ M rw.) 
enthält dieselbe hs. eine alphabetisch geordnete^ dMür- sehon 
im C abbrechende reihe hebräischer griechischer und latei« 
nischer werte mit lateinischen und deutschen erklämngen. 
hiervon steht in der Diutisca nichts, die deutschen glossen 
dieses unvollständigen Wörterbuches sind aber folgende. 

* dies und manches naebher allerdings die richtige berserang, 



EN6ELBER6ER GLOSSEN. 



125 



Analogiiuii . lec torium . Je- 

dar. 
Asthidoiain. contra datum. 

i. tranch. 
Ak« ascella. ouehsa. y 
Ansa hanthaba. l hasta. 
AmU. nas prunarum. i. 

gloulphanna, 
AUetam. aais eringrie». 
Attaons. hehera. I. l ut qui- 

dan. humbeL 
Areola. lectulus wborto. i. 

beitte. 
Alx. genas besti^. i. elaho* 
Aquamanile, hantcar, 
Andela. brantreita. 
Ariija. houba. ^ 
AmienluBi. peplum. fascia 

pectoralis. hobettdch. 
Acer herba gundereba \ ar- 

bor mazziltra. 
AnetoiB. alle. 
ApiaiB. qvAe. 
Ascolium. ascloh. 
Angnilla. aal. piscis. 
Alapa. orslac. 
Anriigo. species colorisi.^e- 



Auliens. houelinc. t haue- 

irut. 
Ancottiacos. incastratura. i. 

Aspiadiscos. uncinus. i. cra» 

pho. 
Acanei. uintime. 
Axidouü. sessorium. i. stuoL 
Anus, uetala. 1 alibi. ars. 
Ascia. dehsela t barta. 
Auca. t anser. gans. 



Aneta. omL auis aquatica. 
Auena. wilthabero. 
Aruina. pinguedo i. unsUt. 
Allieeo. inaito. spdno. 
Assentior. adalor. sHhtelon. 
Amus. i. angel, 
Birsa. pellis. i. hui. 
Bothoma. orna. i. eimer t. 
Botholicala. 8to^f. t. 
Balafiam imago. i. bilide. 
Bootes, sydus bubulcus« oA- 

sinare. t. 
Bucertys. bubalus. i. wisant. 
Bubaius. wüant, carnibus 

magnis boui similis. 
Bubo. aais Boctuma. i. kuo. 
Braca. femorale, t. brich. 
Bulla, sperula aarea. i. 

rinch. 
Balista. sagitta. l genas ia- 

culi. i. federari. 
Ballena. species piscis i. 

walira. 
Bastaban. t. bremo. 
Bitumen, glaten terr^. i. 

erdlim, 
Buculare. labium. i. labil. 
Bracile. brache. 
Bipennis. barta. l piafbis 

acuta. 
Botrus. wintrubo. 
Butirum. hancho. 
Battndo. flegileimo. 
Basis, quicquid fundamento 

super ponitur. i. staffiL 
Balbutiens. t. balpzonte. 
Bombix. gotweppe wrm^ 
Basterna, species uebiculi. 

i. sambuch. 



12« 



BN6BLBBRGBR GLOSSEN. 



Balfcns. t. nesilenter. 
Bulla, t. platera. 
Blesus t. Nsbenter. 
Cidarim. initra. I pellens. i. 

kdtiii* 
Cataplasmo. t. gafasoon. 
Catasta. equuleas. in quo 

rei ligantar et puniendi. 

t. scüla. 
Cyelade. goiw^e, t. 
Cenoeephalas. hnnthoboto. t. 
Cardiacas. herzemht^er. 
Caprea. siluatiea. i. stetngez. 
Capra domestica i. geiz. 
Castor. i. biber. 
Capreolus. ) carabolus. rech. 
Cecalua cecas an^is. bltn- 

dedieho, 
Capedo. species piscis. i. 

ahmt. 
Conca. I cöncala, muscula. 

\ labet. 
Caneer. ckrebiz. 
Capus. falcho. 
Cttculas. t. gich. 
Caradrion. lericha, 
Cornix. chra. 
Cardaellus. distilßncho. 
Coturnix. perdix. rebhon. 
Caatio. scribgezuch. 
Caaterium. l caateriolam. t. 

cantare. 
Calaitium. ehalwa. 
Ceniix. t coUam. i. hals. 
Colaphas. haklag. 
Carülago. molle os i. chros- 

Ulla. 
4. eben jenen commentar enthalten noch so viele wt* 
dere über Deatschland hin verstreute haadscbriften daÜB «s 



Cox^. t elunes. I. 

l goss^. 
Cerebella. himereba^ 
Cleffal. ienar. 
Calx. ) caleanesni. t. fb^ 

se99Ha. 
Gros. ) tibia. t. sdncka. 
Cliens. I cUeiitiilas gfwz. 

l seroitor. 
Coolea. turris ia qua per 

circuitum aseenditiir i, we- 

düsiem* 
Cripta. i. churt. 
Cementam. phlasier. . quo 

murus conpingitiir. 
Calx. chalh. 
Cementarius tiuirare. 
Curia, dinchm. \ spraohus. 
Cnrialis. Ssago. 
Calips. stal. 
Cauterium. fermm qno ani- 

malia uruntur, i. AsAr« . . 
Clautts. tuntmagü^l^asilitek. 
Clauis sluzä. 
Creagra. chrewil. 
Circinus. risza. 
Circulns 1 cidus. i. rMk. 
Carra. 1 carruca. ) carpen- 

tum wagant. 
Carpentarius. wagenare. 
Ceaaculum. muosgwJm* 
Ciatus. calixmodiciiijfl^M^. 
Cratera, naph. 
Cociear. lejffil. 
Cantarus naph \ iatmeta. 



J ■ 



RSBINAUER GLOSSEN. 



in 



nach dea «chöneB ontersuehangen Docens (misoeil. 2> 168 ff.) 
nicht schwer fallen sollte darin einen nachlab d«r grorsen 
.getogoeAm wuricsamkeit des Hrabauus Maurus zu erkennen, 
am so bedauerlicher dafs für den abdruck in der Dintisca 
gerade üa minder werihvoUes exemplar gewählt worden, 
and daCs in der henützung der übrigen der althochdentsebB 
spracfajtohalz so unzuveriäTsig ist. 

• ■ • - * 
Ich will hier aus einer handschrift des klostert Rheinan 
(gez. LXVI, im sprachseh. Btb.W)^ die um etwas aller (aus 
dem lln jh.) correcter und «eichhaltiger ist, die erheblich- 
sten von denjenigen Worten nachtragen welche der Engel- 
beider hs. fehlen und in den fifnf ersten theilen des sprach- 
schatses entweder gar nicht oder unrichtig rerzeicbnet sind. 



Inpr^sentiarum zantitvvrti. 

Pulmenti auomose. 

Subttla ahmsa sulu. 

Corona Prorichramph. 

Labinm prart l cramph. 

Interra^Uem vndirßhtan* 

Sperulas scibun. 

Emnpetoria scarlw. 

Bisse sabvn. 

Bases bokUari. 

Uncinos diragun, 

Labrum labeL 

Ascellaa hoc/usan. 

Conspersa kichetinv. 

Stellio moL 

Perc«iiir^ anrnaL 

Pbitoiins toissagalichotn» 

Albuginem hogusaL 

Impetigo warza sicca Sca- 
bies dtUirovga. 

Pepones erdephele bebinna. 

Manubrio hon halb \ grabvn 
seit* 

abominationibus leiUamida* 



Uentilabit ziweibit. 
Syrenarum meriminonn, 
Denocte etages. 
Defecit vngemagota. 
Aias seemvMga. 
Prioilegium hanffesti. 
Benedixit gotespetota. 
Heri ei nudiiis tertius ge- 

steren vnde egesteren. 
Gremium spaeha \ crieba. 
Novell^ phlansmi. 
linguosus vilsckosiger. 
Manicis haniruhen. 
Ostentacionis ramisales. 
Desertores hereßuhtige, 
Necessarios notfirunda, 
Gestatoria para \ traga 

Stola. 
Placentas fladen. 
Laqueatis gikimihoten. 
Caluari^ gebeis. 
Scenofeia (d. h. scenopoeia) 

gizeltwahta. 
Testimonium livment. 



»*. 



IM RHEINAÜER GLOSSEN« 



manicepift güure. Susurrones rvntzare. 

Paries dealbat^ gichaltv Conmendat giliubet. 

murm. Peripsima (d. h. peripsema) 
SetAm ßoßfskef. vmbtsnita, 

Aimamenta gixviga. Pedagogus magexohana. '^ 

ArtemoDC segellt, Prophetans vorsagintar, 

Bithalassam zwmelickan. Scunilitas seermmga* 

Sarmentoram sfteitaha. Ärmätura gisariwa. 

Signa bisigila. Cauteriam brennüaren. 
Aruit giri/bta. 

WILH. WACKERNAGEL. 



SALOMONIS PROVERBIA IN LATEINI* 
SCHEN REIMVERSEN. 

bl, 1 rw. Salomonis proaeri)ia. quibus saut incognita. 

Httc adaertant animum. ubi discant seientifr 

gaudium. 
Sapienti^ prineipinm. habent timentes domurain. 
Doctiinam patris audiat. qui legem seroare ce- 

gitat. 
Qui anlt ammam seruare. legem debet obseiu:> 

uare. 5 

Ergo fili benigne, andi uerba disciplin^. 
Correptiones noli spernere. si nia regul^ 

obedire. 
Opera iustomm diligat. qai saluiem desiderat. 
Verba quoque malorum. detrimenta sunt bo- 
norum. 
Tuum honorem prospice. ne gaudeat ininicoa 

de te. 10 

Caue ut multum non dormias. ne te deprimat 

paupertas. 
Sed semper operare. si uis animam saloare. 
Ab omni fomicatione. animum tuum remoue. 
Nam omuis fornicator. legis est contemptor. 
Nunquam. proferas mendatia. si uera tibi sunt 

labia. 15 



^•«ut 



SALOMONIS PROVBRBU. |29 

.Qai mendatio nitiiur. perfecto corde non diii- 

giiur. 
Qni ambnlat simpiiciter. ambulat confidenter. 
Qni innuit ocalis. non est in aerbo fidelis. 
Vbi fnerit superbia. ibi erit contamelia. 
Vbi aatem hnmilitas. ibi et sobiimitas. 20 

Non proderunt diniti^. ubi perditio anim^. 
In omni quoqne inditio. fiduciam babe in do- 

mino. 
Honorare parentes. admonent deum iimentes. 
Qoi parentem bonorat. legem semare desidenl. 
Ne sis grauis in domo, ut diteris omni bono. t5 
Familiam corripere. debes in dilectione. 
Peccata tua plangere. non debes in crastinnm 

differre. 
Nam nostr^ ait^ terminus. nobis est incognitns. 
batitia rectomm. nita est beatonun. 
bi, i V. P^ iasticia agonizare. deum est amare* 30 

Qoi despicit amicum» nuUum timet peccatom. 
Haiti subneninnt diniti. sarcina manet paaperi. 

Tel b«Be 

Beate facit anim^. qai misericors est oidn^. 

Pauperi et orphano. hie erit in gaadio. 

Qui propriis habundant. horrea illis redundant. 35 

Multi rapinam diligentes. semper sunt egentes. 

Sapiens mulier. propria seruat diligent^r. 

Qu^ autem est fatua. dissipat in domo quesita. 

Lingua placabilis. est semper amabilis. 

Labia dolosa. omnibus sunt odiosa. 40 

Noli pro amico. inimicus fieri proximo. 

Quandoque declinatur amicus. nunquam muta- 

tur projdmus. 
Cum aliquo homine. noli uerbis contendere. 
Verba enim odiosa. semper odit anima. 
Sperne auariciam. qu^ tibi aufert animam. 45 

Cui enim dominatur. omni tempore tristatur. 
Fuge ab inuidia. qu^ infert mortis pocula. 
Nunquam CQUCordia. ubi regnat inuidia. 
Qui amat concordiam. beatificat animam. 
Z. F. D. A. ni. ^ 



ww 



tae SALOMONIS PROVERBIA. 

(^uin sensQlo homine. stabis omni tempore. 

SUillus proferl oninia. qu? habet abscoiidita. 

Sapiens agit oonsilio. quiuquid habet in »uiuio 

Ne derelinquas amicum. quem babuisli anti- 
quüm. 

Noiius non erit similis. quod erlt mutabilis. 

Pilius sapiens. l^tifKat palrem. 55 

Omne qnod est niniium. uertitur in nicium. 

Omnis auarus. nulli est carus. 
Perg. handschrift der öffentlichen bibUothek (ehemals der 
Johanniter) sti Straßlwrg, gez. j4. 157, aus dem 12« 
jahrkundni. WILH. WACKGHNACEL. 

BRUCHSTÜCK EINES MARIEiN LIEDES. 

i?i einer handschriji der rekdigerscken bibliothek hier- 
selbst, welche das somnium Seipionis und den eommenlar 
des Macrabius enthält, befinden sich zwischen beiden mi/' 
zwei zur häl/ie leer getafsene.n selten folgende verse i>oit 
einer späteren, wohl dem Hn jh. angehangen hand. alte 
abkiirzungen liefsen sich mit Sicherheit außSsen. die ein- 
zelne verre sind durch grofse buchslaben am anfange und 
punkte am ende bezeichnet, letztere habe ich weggelq/sen 
und mir daßlr, so weit et ohne willkilrliche deutimgen in 
den text hiiieitizutragen mSglieh war, moderne Interpunk- 
tion anzuwenden erlaubt. 
BRESLAU. DR TH. JACOBl, 

O Johannes vil guder 

Nu plig wal (liner müder! 

8i en hat n!t kin<les me wan din. 

Nu dn ir ganze Imwe schin! 

Ir edel kint hat s! verlorn, 5 

Dat anc wewen wart geborn 

Van ir in einer suzekeit, 

Des bat si ser und uvcrleit. 

Johannes, godes drut, 

Du liezes eine niiidpr und eine braur tO 



JO 



BRDGHSTÜGK BINB8 MARUtNUBDBSr . ffl 

Diurch live godis minoei 
" Na du ap dine sinoef 

Sich, dir is vergolden wol, 

Da hast di, di der gnaden vol "^ 

Ist und was und immer ist, 15 

€}ebet dir suze crist, f 

De dir so vil der nunnen sehin 
Erzeuget bat, iohannes min! 
Wie sal he dir der minnen me '^ 
Ougen? ime si lof immer me ! 20 

O Johannes ewangelist! 
Nu sich, wi lif da gode bist, 
Dar an, dat he di mader sin 
Dir beval, da det he schin .. • 

Di minne and der minnen vlot. 25 

Dar an gedenke, iohannes gatt 
He beval in dine faiirie 
Marien, di vil gnde. 
Na la si dir bevolon sin, 
Want si is gar dier gnade» schrin, 30 

Si is des heiles bnmei 
Der Werder engel suonnei 
Si is der schaz der heren ort, 
Di dir beval dat godis wort. 
Nu tröste wal din manelin, 35 

Dat du vil selich moaes sin. 
Du bist gar selich, dat is war, 
Nu sage, iohan, wer is din pin? 
Wer ie entslief np godes barst 
Mit also wanneelicher last, 40 

Als du, iohannes, minnecliche? 
Ja bistu aller gnaden riehe, 
Dir is di godes mtider 
Bevolen, o yil gnder! 

Nu bud ir ere und plig ir wol: 45 

Dat du min lif, dat stet dir wd: .^i 

Want so we ir ere erbieden kan, * 

He si iunc, alt, wif oder man, 

33. /. ereohort 38. pin]? der reim verlangte par. 

9* 






32 BRÜCHSTÜCK EINES MARIENLIEDES. 

He sali wat genizeD, 
Want si wil im entslizeii 
Der gnadcR nnd der sctden sclirin. 
Si wil im na bi s!n 
In aller not biz an den dol, 
Si en lezt in nit in siner not. 
Ifti sulen wir wider keren 
Und sulen ocli vurbat leren 
Van der vil reiner guder 
Marien, godes müder. 
Si was unz an den dirden dach 
Dat si grozer ulngen plach, 
Si Dam in ir gemude 
Alle irs kiniles gude, 
Si gedabte, wi he ir was gegcven. 
Und an sin minnecliche leveii. 
Si gedabte an sine mildecheil 
Und an sine groze geduldecbeil, 
Wie milde he und oucb wi gut. 
Si nam vur sich sine demul, 
Wi he van ir gi>t geborn. 
Si en borde van ime nie engeinen zani 
Si gedahte an nianege suze lif, 
Dat bc der werlle badde gedan, 
Si en mohte ir weinen nit Verlan, 
Wi be dar umbe wart verspit 
Und der armer iuden nit 
In verit unz an den dnt. 
Dar af was si in grozer not, 
^ Si sach ir kint vur ir begraveu, 

" Si mobte luzil trotes baven, 

■ Bis dat si gar gevrowet wart, 
Do ir kiut edel und zart 
Mit wunne erstont van deme gravc, 
Do badde ein ende ir uiigetiave. 
O vrowe magcl! o minneclich! 
müder aller gnaden ! 
Des paradises snzecbeit, 
r oder nach 71 fehlt ein rerx. 79. /. trosles 84. feh 



vertu. ^H 






i BRUCHSTÜCK EINBS MARlBnUgM». 13S 

^' « Ein burne aller mildeGiml» 



sf.' Du bist der me^ede gittme, , %-. ^. 

Ein engelisehe stimm«, ^ ^ 

Des himmelriches wonat, ^ dO 

Ein keiserlicbas koniM, 
Seiich, selich, suMi^ pia, 
..y Reine, milde, o mirial 
O rose rotl o lilie wizi 

blome schone! o vrowe pris! 95 

morgen stemel o sunne clarl 
schöner maen! o adelar! 
-tordeldube 1 o godes tron ! 
Der engel vrode, der .seien Ion, 
Des sunders trost van gnaden gut, 100 

Der werelte licht, der wunnen vlut! 
werde maget van fiolvat!. 
Du bist di gotes kint gebar. 
Du mir up der gnaden schrin, 
Der du vrowe nun bist vol. 105 

Du weist, dat ich bedarf vil wol 
Dinrer helpen, maget gut. 
Gevrouwe, vrouwe, mir den mut, 
Ervrottwe mir die sele min, 
Vedrif van mir des herzen pin, 110 

Behude, reine müder, mich. 
Da up di ougen und sich. 
Sich an mines herzen not, 
Verdrif van mir der seien dot, 
But mir diner gnaden haut, 115 

Und brich an mir der sunden baut. 
Lif und sele bevele ich dir, 
O vrouwe! knom ze leste mir 
An uttnes ende und alle dage, 
Dat ich id in der not verzage. 1:^0 

So min sele van mir sal varen, 
So saltu vrmiwe mich bevaren 
Vur des duvels banden 
Und vur den grozen schänden, 

102. /. flolvar? vor od^ nach 104 sehemt ein v$ri %u fehhn. 



tS4 JjHICHSTÜGK £iN£S MARIBNUBIMBS. 

Di alle sanier lident da, .125 

Da hilp mir o Maria! 
dedenke an dine mildecheit 
Di alles trotos crone treit, 
Und hilf mir, dat ich kume dar 
Mit vroaden an die engel schar, 130 

Da ich sihe din kint und dich. 
Erhöre reine vronwe mich. 
Da brenc mich vnr den godes tron, 
Da din edel kaning salomon 
In wunnedicher wniinen ist, 135 

Bi deme da bit vroudeu bist. 
Da hilp mir, maget soze, 
Dat ich dich loren maze 
Da ich vroaden muze taben 

128. /. trostes 

ZUR SYNTAX DER EIGENNAMEN. 

Notier^ bei dem wir doch xuerst die ähd. prosa in 
natürlichem Jb(/s antreffen, hat einen bmnerkenswerthen 
Schwung für die stelbmg des genitivs von eigennamen de^ 
nen sich noch ein anderes nomen appositiv verbindet, er 
läfst dies voran gehen, dann das subst. von welchem der 
gen. abhängt folgen, and schliefst mit dem eigennamen. 

Ps. 50, 1 daz er mit Bersab^ alief sjnea ber^chnehtes 
chendnUriae (bei B. der frau seines kn&Ats !/•). 
Bth. 3 pi des cheiseres ziten Zenonis. 
Bth. 20 gagen sines leidares hazze Gpriäni {odiis Cypriani 

delatoris). 
Bth. 226 umbe des chnninges willen Aristei. 
Bth. 226 üzer des chuninges riebe Alcinoi. 
Cigf. 15 in des fliegenten gotes kewaU Cuj^dinis (in po^ 

tentiam volüantis superi). 
Cap. 37 erwegetin föne des foreleisen «oandedo Mercorii 

ipraecedentif ofjkio coneussa). 
Cap. 46 legeta si zu sinero muoter minna Majae. 

Die zusammengdmigen genitive werden durch das sie 
beherschende subst, getrennt, doch geschieht es nickt noth- 



ZUR SYNTAX DER BIGENNAMBN. 185 

* • 

wendig oder mllerwürU, z. b. ps. 33, 1 liest man riebe mi- 
ois £iter Davidis und nicht niinis fater riebe Davidis. 

Dafs die pomphqß schliefsenden genitive in jenen he- 
legen lauter fremde namen sind thut nichts zur sache^ es 
hätte ebenwohl heifsen dürfen pi des cbuninges ziten Ota- 
ohores ; ferner^ glaube ichy wäre auch »ulqfsig getvesen 
dem eigennamen die vordere, der Opposition die hintere stelle 
zu verleihen, z. b. umbe Aristei willen des ehimiDg^. bd- 
des beweise ich aus* dem ags. Sprachgebrauch.. 

Boeth. eap. 19 bvät sint nu {>äs visan goldsmides bin 
Velobdes? wo sich die metrische Übersetzung ausdrOcit 
hvier siot na {>äs visan Velandes bän [>äs goldsmides? der lat. 
teopt hat auch trennend ubi nunc fidelis ossa Fabricii lacentT 
was N, gerade nicht nachahmt, er setzt Bth. 100 w4r ist 
sir nu daz krab des ketruen Fabricii? statt des keiriien grab 
Fabridi. * aber die ags, prosa liefert genug andere bei" 
spiele. 
Kemhlee ehartae 2y 131 in usses dryhtnes naman haelendes 

Cristes. 
Thorpes anal. 51 ^nih Adelrftdes fasse Myrcna ^ cyninges 

(mssu Athebredi Merciorum regis). 
daselbst 84 on Adelr^des dagum kynges. 
chranol. sax. 538 be AlfirMes b^ne Vestseaxna cyninges 

(prece A. fV. regis). 
Aus dem altnordischen fällt mir die hergebrachte Stel- 
lung von saga o£fer qvida zwischen die genitive ein, Olafs 
saga Tiyggvasönar, Sigurdar qvida FAfhis bana, Biynhildar 
qvida Badla dottar, Helga qvida Hundingv bana m. s. w. 
diese ags. und altn. stellen versichern wis dqfs auch Not- 
kers weise usmachgeahmt war. freilich läfst sich aus Ul- 
filas keine ähnliche structur beibringen, dem sein text dsh 
zu keinen anlafs gewährte; es war natürlich diesem fol- 
gend zu sagen in dagam H6r6dis {»iudanis Luc. 1, 5**; 
gibid inuna fräuja siöl Daveidis aiiins is Luc. 1, 22^ ungo- 

* oder Wielaades, wenn er darauf gekommen wäre wie Jlffr^d 
in Fabrieins faber zu sehen , was auf den berühmten Feland leitete i 
auch fidelis ist passend mit visan vertauscht, 

** ebetuo T. ^^ i. 8, 1 in ta^on Heredes des caninges nach dem 
lat. in diebu Herodis, regis. 



196 ZUR SYNTAX DER BIGENNAIOH. 

thiseh würde aber ein in HerAdis dagam f^iuimis, Daveidis 
siöl attins is, oder in fiiodanis dagam HerAdis facht gemer 
sen seii. auch versieht es sich dafs die irennung der zU" 
sammengehörigen Wörter nicht auf den fall des geniüos 
einzuschränken ist, z. b. der acc, durch das verbum g^ 
trennt werden kann$ N> Bth.- 56 hei/st es aisA GregArius 
Johannem zAh constantinopoiitanam. 

^us der mhd, spräche gehört nun ganz hierher die 
neigung von den eigennamen oder appellaüven derjürsten 
und edein die Opposition ihres landbesitzes durch em andres 
wort öder mehrere zu trennen, dieser besitz wird aber 
nicht mit dem genitiv, sondern den präpositümen ron oder 
Az bezeichnet. 

Parz. 45, ii Az der kängiu iant von Zazamano.. 
Lanz. 4418 in des küneges lande von Maroc. 

' 5066 ze des herzogen huse von dem wizen sA. 

fFalth. 21, i des fiirsten milte uz Österliche. 

85, 10 der den werden iursten habe erskgeö vob 

Kölne. 
fFigal. 8063 eins vil edeln fiirsten tAt von MerAn. 
Ulr. fronend. 92, 27 mit hurte er ^an den grAven qnam von 

Tyrol. 
MS. 2, 152^ waz mac diu küneginne wol jehen von Unger- 

laut? 
2, 132* danne der edele krAne trage Az Beheiml^nt. 



Amgbn 4^ ich bin des grAven künfte vrA von österberc. 

' des vürsten tAt Az Beigerlant. 

MS. 2, t* in dei vürsten dAn von Düringe laut. 

i, 210^ des kfineges knit Az üngerlant, 

Ben. 440 in des haut von Riuwental warf dij^ magt ir bal. 
• ■ ■■ 454 warf ich den bal in des haut von Riuwental. 
Suchenwirt 18, 295 der des küniges banier trnoc vonFradt- 

riche. 
Beiderlei nachsetzung^ die des genitivs wie des UHür 
chen begriffst beholten auch die Chronisten und Urkunden 
des 13n i4n 15»/*. bei. 

Fritz Closener s. 20 Cunrat gräve Cuorates sun von 

Hessen. 
— 59 des bischofes gesinde von Trierci 



fPR,. SYNTAX DER EIGENNAMEN. . 137 

FMm CloseMär s. 72 durch bete willen Johannes Twin- 

gers. 
73 in sante Johannes cappele baptisten. 



Rmigsko/hn s. 283 des küniges tohter von Ungern. 
--— — — 334 herzog Leopoldes tohter von Österrich. 
Lmdenblaü s. 198 des koniges boten nm Bohemen. 

' 203 des koniges vater von Polan. 

Johatm van Guben züt. Jahrb. 69 1 by des geczf ten von der 

Lipon. 

, ß^ 7 dez son von der Lipon. 

^ : ! 8, 18 von dez volg von Mi- 

chilsberg. 
Hmmmfers Ssp. 1, 25 Scrapen kind von Jersleve. 

Heidolves kindere von Wininge. 

SchSpfiin »0 75S (n. 1290) mit mines herren hant von Phirt, 

graven Diebaldes. 
GtMher 3, 531 (a. 1371) nf sente Andreas abent des heii- 
gen aposteln. 
■ 3, 28! (a. 1342) vor sente Margareten dage d«r 

heiigen jnncfrawen. 
3, 526 (a. 1371) af senteMarcas dag des heiligen 

ewangelisten. 
3, 528 {a. 1371) nf sente Vitas und Modestns dag 

der heiligen merteler. 
Höfers deutsche urk. jr. 15 (a. 1261) na sente Mathies dage 

des apostelin. 
— ^ — '• s. 17 («. 1251) unser vrowen dtge der 

laszire (lateren)» 
. ^,29 («. 1275) an unser vronwen 

avende der lafsir. 
s. 59 (ß. 1300) an sente Andreses dage 

des apostols. 
s. 284 in sente Johanneses daghe bap- 

tisten. 
Rugian. landbrauch tit. 184 von des bisehofs geriehte van 

Roschilde. 
Pupikofern^\A (a, 1282) das hain wir an hern Eberhärten 

gesetzet von Stufenegge. 



138 ZUR SYNTAX DER KIGBNNAAlEN. 

Ptqnko/ern^ iS (a. 1285) an hern Ruadolfes stat von Sniz- 

berch. 
n^ 18 (a. 1285) in maister Hainrichs faof des chas- 

ters von Costenze. 

n®14 (a. 1282) ze anser vrowe taitder jangem. 

fFigands archiv 2, 18 to Johannes hus Ryneken. 

2, 20 («. 1361) to Johannes has van Lone. 

Rmdlinger 2, 291 dragen in mins herren sal van Colne. 
weüth. I9 674 alle frige nutze eines appetes sint ron 

Ebersheimmunsler. 
Mindener urk. n^ 20 (a, 1308) twischen Gerwiges hos van 

Meitsen unde Ernestes hns des pipers. 

— »0 28 (a. 1320) Diderikes wif des Wevere. 

Detmar 1, 31 koninghes Lodewighes sone van Vrankriken. 

und so in unxähllichen andern ßillen. namentUeh werden 

auch die präpositionalen willen und wegen auf solche weise 

zwischengeschoben. 

Detmar 1, 27 dorch siner zoster willen Ghertnid mai^- 

grefhinnen. 
Kindlinger 3, 470 (tf. 1367) umb bede willen des vorg. mins 

heren. 

3, 471 (ä. 1368) umme bede willen vranw^n Ri- 

charden. 
Schreiber freib\ urk. »«02 (ä. 1296) von der wegen von 

Friburg. 
weisth. 1, 503 (a. 1338) von mins herren wegen von Ha- 

nauwe. 

'" von eins fauts wegen zu Mnnzen- 

berg. 
Dahb Lorsch s. 38 (a. 1300) von des Stiftes wegen zu 

Lorse. 

'■ 63 (a. 1423) von des bischofs wegen zu 

' Mainz. 
Kindlinger 3, 377 (a. 1339) van Gerlages wegeft van Be- 

veren. 
Duellii misc. 2, 242 von graf Conrads wegen von Helfen- 

49tein. 
Einigemai auch ohne dq/s oriS' oder eigennamen im spiel 



ZDR SYNTAX DER ElGfiNNAMBN. . 130 

simd, jf» i* Kantxow 2, 430 umb tiefe willen des sehes ; 
HMMebtuin^ n** 116 (tf. 1350) durch heiles willen siner sele. 
He Ortsbestimmung Utfse sich leicht in ein adj. oder q»- 
foUaUo verwandeln, von des Helfensteiners wegen grmfen 
Conrades« am läümsten scheint die construction, wenn der 
blofie artikel ellqftisch vorausgeht, in des hant von Ria- 
dental. = m die hand des (herren) von Riuwental; ron der- 
wegen von Friborg = wegen der {herren. oder leute) von 
Frikmrg. Ernestes hus des pipers, Diderikes wif des we- 
Vera gleicht, wenn man den eigennamen in die letzte stelle 
räekt^ des pipers hos Ernestes, des wevers wif Diderikes, 
väl^ der notkerschen weise, von welcher ich ausgieng. 
unsere heutige spräche hat diese, wie gezeigt worden ist, 
altdeutsche freiheit fahren Iqfsen und sich um einen nachr 
drüMiche» sckbffs des satzes gebracht. 

JAG. GRIMM. 



MAICNSNAMEN AUF -CHARI, -HARI, -AR. 

Ich will zeigen dafs die altfiränkisch mit chari, gotb. 
jBit hari, abd. mit hari heri, ags. mit here, altn. mit er 
tBosammengesetzten eigennamen dieselben sind, ein Verzeich- 
nis mnfs vorangehen. 

Dem griech. K, lat. C hat nach dem gesetz der laat- 
versehiebong deutsches CH zu entsprechen, wie dem T die 
aspiratioa TH entspricht, dem P PH entsprechen sollte* da 
aber die goth. mundart CH in H und PH in F milderte, 
während sie richtig TH behielt, so ist auch abd. dieses H 
mid F geblieben, nicht wie es sollte 6 und B eingetreten, 
obgleidi für goth. TH richtiges D sich einMd. diese sttf- 
roag näher auseinanderzusetzen gehört nicht hierher; es 
sei blob bemerkt dafs in den ersten Jahrhunderten, wie die 
sebreibong deutscher namen bei Römern lehrt, das organi* 
sehe CH noch gegolten haben mufs und dafs es sich auch 
in eigennamen, vorzüglich altfränkischen, bewahrte. 

Hiernach ist das altfränk. Charibert = ahd. Her^erhi, 
folglich die. Umstellung Bertachari =: alfd. Perhiheri, und 
so sind alle namen auf "chari zu £sifsen, deren ich folgende 



140 MANNSNAMfiN AUF -GHARI, -HARI, -AR. 

saiBOile. Audcharius MabiUon n^ 14 (a. 690). ötaehar trad. 
paUv. n® 36 (a. 899). Aunacharius Greg, taron. mir. Mari. 
4, 13. concil. paris. iv (a. 573). concil. autisiod. (a. 578). 
concil. matiscoDense 2 (a. 585). Baldaeharius. PaUachar 
trad. patay. ii<>20 (a. 818 — 38). Baudacharnu Marini n®76 
(sec. 7). acta Ben. sec.2 s.i65. Beracharius MabiUon n<'23 

(a. 696). Bemachar Sehannat n^ 79. Bertacharius 

Blaicharms MabUlon n<> 26 (a. 706) 27 (a. 709). Kopp 
taobygr. 1, 377. Clotachari MabiUon n^* 8 (a. 671.) Chlodo' 
eharius id. n0 28. 31 (a. 710. 716). Chrdtekarnts MabiUon 
n* 15 (a. 691). Hrödachär Scbannat n® 8. BkurwJüw^ 
Ebraehar. Eraehar Scbannat n^ 222. Guniraekarnu (1. 
Gnndiacbarins) Marini n^76. Cundacchar trad. patar« n91A 
(a. 788). Gtmdaechar ibid. n^ 34 (a. 788). HeUmehar 
Kopp tachygr. 1, 432. Lacomblet n^ 17. MB. 28*, 10 
(a.814). 31,42 (a. 817). Imnacharius Marini n^7t (860.7). 
Leubacharius conc. paris. 2 (a. 555). conc. anrel. 1 (a.511). 
Magnecharius MabiUon n^' 24 (a. 697). Ragnacharius ... 
. • • Smdaehar trad. fdld. s. 525. Theudaehariui Marini 
n^ 114. Theodaehar. fFßmacharius Marini n« 64 (a. 653). 
Gonvent. cUpiacens. (a. 659). fFtäacharüis Greg. tor. mir. 
Mart. 1, 23. 3, 13. fFolfachar .... meistentheils sa- 
gen diese alten namenbUdnngen vor dem cA ein c, bot 
Audchariu9f Blatoharius, Crötcharius nicht. 

Chart gestaUet sieb, znmal bei lateinscbreibenden, gern 
in cari (wie Catti für Chatti)^ die form aear oder aoctar 
für aehar darf also nicht befremden, ödacar Scbannat b®49!* 
ödaccar Lacombl. n^ 65 (a. 855). ötacar trad. fidd. COS. 
605. Chloihacarius Marini n^ 59 (a. 627). Eburaear Sehan- 
nat n^ 78. Crundacar trad. fald. 603. 605. HiUiear Sehan- 
nat n« 196. Hruadaear trad. fiild. 603. SindacMr trad. 
fnld. 603. 605. Snellacar trad. fold. 603. Theotac^r, I%iH 
tacar Scbannat n« 380. 385. 

Hart oder umgelautet heri ist die gemeinahd« fom, 
und gewöbnUcb schon das a vor dem h ausgestofsen. Air 
pkeri im Waltbarius. Ansheri. Ascheri. Baldheri Sehan- 
nat n^ 448. Paldheri trad. pat. s. 35. Berktkeri, Bert- 
heri. Bemheri, Blatharius polypt. Irmin. 88*. Dietheri. 
Theoiheri trad. fuld. 603. Egüheri Scbannat n« 354. 



MAMNSNAMBN AUF -CHAM, ^ARI, -AR. 141 

heti Schannai n^ 200. Engilheri trad. pat. s. 69. Erpken\ 
Erpkurbu. Fastheri. Frumiheri Schanoat n<'469. Pruotheri 
\x. karesh. Gamalheri tr. laoresh. 3179. Gewinahari Ried 
n«20(a. 819). Güelheri ic. fsni. 55. Göxheri, Közkeri tmd. 
pat. 5B. 65. Grimheri tr. pat. 55. Gundheri Ried n* 4t 
(a. 849). patav. s. 24. 69. Cundhari tr. patav. s. 12. Hra- 
ekeri Scbaonat 200. Lantheri tr. fiild. 609. Liutheri .... 
MakOeri Ried nP 43. 87 (a. 852. 901). Meginhen Ried 
n<'21 (a. 821) tr. patav. s. 22. fold. 615. Jlfiio^rt Schan- 
nat 471 • Mooiheri n^ 429. Nandheri Scbaonat n^ 290. 302. 
Nmdkarms tr. fiild. 608. Oßkere Neagart n« 273 (a. 837). 
önheri trad. fald. 2, 49 (ad önheres fontem). ötheri tr. 
fdld. 618. Ortheri tr. fald. 605. Scbanoat vfi 393. Räi" 
heri tr, patav. s. 7. 15. 25. Reginheri Schaonat n^' 347. 
Bihhm tr. patav. s. 5. Stilliheri Scfaannat 313. Sundwrhari 
Schannat 340. Sundarheri tr. pat. 48. 59. Suäbheri Nea- 
gart n® 145. Suuefheri Scfaannat n^ 72. fFaltheri häufig. 
fFei/hamu Neagart n^ 213 (a. 822). fFerinheri Ried 
n«71.88 (a. 889. 901).. fFiUeharius Pertz 1, 6^ fFinU 
heri tr. pat. s. 91. fFol/harius trad. fald. 609. fFonat- 
keri, fTonadkeri, fFunatheri tr. fiild. 1,44.59.127. 2,16. 
Schannat 203. 205. fFunnaheri. IFurmhari Neagart n<> 59. 
(a, 774). Wurmheri Goldast tom. 2. n^' 94. noch einige 
andere hat Graff 4, 986. im latein wird nicht selten das H 
onterdriickt und geschriehen BertarhUy Guniarius, Regt- 
fuariuM, Waltarius^ ff^ilarms für Bertharius, Guntkarnts, 
Reginharius^ IValthariuSy fFüharius, 

Beispiele des ags. here in eigennamen. Äyhere Kemble 
2, 330. Äschere Beov. 2647. Ealhere Kemble 1, 197. 
Folehere Kemble 1, 36. Gislhere cod. exon. 326, 4. 
Gudhere 322, 20. Ohthere. Öshere Kemble t, 289. 
Radhere. Rondhere. Sighere. Sceaßhere cod. exon. 320, 20. 
Scq/ihere Kemble 1, 39. Stghere, bei Beda 3, 30 noch 
Sigheri. Faldheri Beda 4, 1 1 . Fulßere cod. exon. 325, 29. 
Fuffheri Beda 3, 30. rynhere Kemble 1, 172. ryrm-* 
here cod. exon. 325, 29. 

Für die goth. form können wir nichts aas Ulfilas schö- 
pfen, doch eine der arkanden bietet Attftahari oder Ußta-- 
hart, man darf also mit ziemlicher Sicherheit ein Aunaharü^ 



14t MANNSNAM£N AUF -CHARI, -RARI, -Aß. 

Bmrhtakarüy Gunthaharis, Raginahatnsl ThiudahariSy Vilja-- 
harU Termaten. der griechisch schreibende Procop konnte das H 
in ißt rnXUb niebl bezeichnen, sein *PayvaQig (b. gotb« 4, 34), 
AtAiiifig ffihren auf RagnakariSy Ltudahans; doch sein 
BttwdaXi^g anf f^andalareis und gehört gar nicht in un- 
sere reihen, wohl aber fVinitharitis bei Jornandes cap. 48, 
Araharius der name eines quadischen mannes, Frumarms 
(ss Frumiheri) der eines suevischen königs. auch die lex 
Burgond. schreibt Gundahariiis^ Gislaharius. 

Die meiste abkiirzung gegenüber den viersilbigen fiinf- 
silbigen goth. und firänk. namen dieser Zusammensetzung 
haben die altnordischen erfahren; sie sind gleich den nhd. 
GOtfAer, Walther oder Walter^ Werner zweisilbig ge- 
worden.** in den Nib. erwächst f^o/Ar^ aus Folcheri, 

fm latein geht das anlautende H hei der Zusammen- 
setzung nicht verloren (exhertory ecohaustusj perkibeOf ob* 
kaereo)^ der Grieche aber entsagt ihm und macht aus aAaH 
zp^y ' aTfux, i(m(0, lartifJUr otlxiiiXonzogy diaifiog, neQiiqnoHy ivh- 
arrifu, aus al^iw i^ai^ita^ nur nach cntOy inl, Ttara, fieta 
läTst er die aspiration haften und i(py i<py xa^^ fied^ bewür- 
ken^ alQHa aipm^eof, itpac^ecny fis^oti^my fvdto xad^evdm, 
wenn in irgend einer deutschen spräche gefuhl für das be- 
halten oder weglafsen des H zu suchen ist, so wäre es die 
altnordische, zwar fnde ich nicht dafs aus athuga, üthall 
eili aäuga^ üäall werde, wenigstens drückt die schrift der- 
gleichen nicht aus, und in den meisten Zusammensetzungen 
bleibt das H, selbst in eigennamen, vanheilly einherjar, 
Amhi^ffltf Alßäldr, Grimhildry Lpngkeidr^ Jdtkvatr, aus- 
nähmet! ^^md aber beachtenswerth. emardr pervicax ent- 
spricht dem ahd. einherti^ steht also für einhardr; ebenso 
likami (ahd. lihhamo) für likhami. aus dem ahd. eigenna- 
men Nidhad (Neugart n<> 74 a. 779. 268 a. 835). ags. 
Nidhad (cod. exon. 377, 17) ist altn. Nidudr (Ssem. 133) 
statt Nidhadr geworden, und Saxo gramm. schreibt Gri" 
milda, Regnilda für Grimhüda^ Regnküda. den einleneh- 
tendsten beleg sollen mir aber unsere hier verhandelten ei- 

* Sigotachar bei Schannat no 79 halte ich für ein doppeltes com- 
positam ; mit «St^o/ac (sdichs, Sigedag) verhsind sich nochmals heri, also 
goth. Sigüdagahmris, 



. MANNSNAMBN AUF -CHARI, -BARI, -AR. 143 

gewuuiien hergeben, die sämmtlich das 11 answerfen nnd es 
bereils in firnher zeit gethan haben mtifsen, als der uoilaui 
▼iMi her noch unentwickelt war und har = goth. karis ge^ 
sagt wurde, es sind hauptsächlich folgende. Agnat ^ Alfar^ 
Ddm&r, Binar, Framar, Gardar, Giafar, Grimar^ Gwh> 
nar, Hröar, Hreiäar, Ivar, önar, Ormar, öttar^ Ragnor^ 
S^ur, Stemar, Ulfar, f^aldär, Fikar, Yngvor^ lauter com- 
poflita, die sich nach dem entwickelten Verhältnis leicht in 
die übrigen dialecte übersetzen lafsen, z. b. Agnat in ein 
frink. Aganaehari, goth. Aganaharis, abd. Aganheri; AI- 
fit in ein goth. Albaharis, ahd. Alpheriy ags. Älfhete; 
D&mat in ein ahd. Tuomheri u. s. w. zu den vorhin an- 
geführten latinisierten Gtmtariusy Frumarius stimmt also die 
nori. form und man könnte sich einbilden dafs sie geradezu 
ans ihnen entsprungen sei. nachtheilig scheint die vemi- 
sehnng mit dem organisch cibgeleiteten, unzusammengesetz- 
ten "Or in hamar (ahd. hamar)\ doch von der ableitung -ati 
(dämari, skaparif gramm. 2, 128) bleiben sie durch den 
abgang des t gesondert, während nhd. ff^emer, Walter so- 
w<riil mit dmmer, hammer als mit riekter^ schöpfet gemischt 
sind, merkwürdig ist mir neben Einar = ahd. Einhtri der 
pl. einherjar {fnovofiixoi). 

Die gewonnene Übersicht wird nicht zweifeln lafsen dafs 
Chiathachifri Chlothar Lothar und Luther der nämliche 
name ist. gleich nothwendig stehen nebeneinander Balda-- 
ehari nnd Baldhere;* Gundachari Gundacar Gtmthere 
Gmmarf Ragnachari Reinheri Ragnor; Wamachari 
Wermkari fFemhere; Theodachati Dietheri; fViUachari 
fFiHheri; Magnachari Meginheri Meiner; Crimheri Gri- 
mar; fTolfachari fFolJheri rylßiere Ulfar; fFunm- 
hari Vyrmhere Ormar. da aber eigennamen überhaupt 
ibren besondem lauf halten und das mafs der andern Wörter 
nicht an sie gelegt werden darf, so erklärt es sich warum 
an gleichem ort und gleicher zeit zuweilen ältere und neuere 
foTriup Kusanmien gelten. Graff 4, 219 schliefst ganz über- 
dlt däTs in Urkunden des 9n — lln jh. Gundachat nicht für 
Gundahari genommen werden könne, seine annähme Gund- 

* woraus zngleich folgt dafs der nord. gott Baldr dem ahd. na- 
aoB PaUar entopricbt; Paltkeri fordert ein alln. Baldav, 



144 MANNSNAMBN AUF -CHAM, -BARI, -AR. 

aehar Ist unstatthaft, noch im 13n jh. reimen unsere Heh- 
let Ckmdaeker : wacker; man dachte freilich nicht mehr an 
die Identität des namens mit dem ^ngbaren Günther, wie 
sich heutzutage einer Otto^ der andere Otte nennt, darf 
auch in einer Urkunde des neunten jh. ein Gimtachari ne- 
ben Guniheri stehen. 

An diese betrachtungen der form schliefse ich einige 
über die bedentnng. wenn das goth. harfü (so schreibt Ulf. 
bekanntlich für haris)^ ahd. heri^ ags. here in der compo- 
sition enthalten sind, so kann ihnen ursprünglich nicht der 
sinn von exercitus, agmen beigewohnt haben; ich vermute 
dafs sie blofs miles ausdrückten, was eine ahd. glosse (Graff 
4, 9SS) zu bestätigen scheint, in jedem der aufgeführten 
namen ist der begriff eines einzelnen kriegers oder beiden 
enthalten, und der erste theil des compositums liefert dazu 
die nähere bestimmung. dieser erste theil ist zuweilen ein 
adjectiv (einhert, gamalhefn, berahtheri, baldkerif fastheri^ 
ßrwmkeriy snellheri, stzllihert), weit öfter jedoch ein Sub- 
stantiv das den begriff des kämpfers ausmahlen konnte, 
darunter kommen aber schwere, dunkle Wörter vor, deren ei- 
nige näher besprochen werden sollen. 

AUN EAN ÖN. 

Aunachari, önheri, önar stimmen, und die ags. form 
war ohne zweifei Ednhere. noch folgende weitere zusam- 
menfetzungen mit demselben worte sind mir bekannt, ^u- 
nemumdus lexBurgund. Mabillon n^7. Marini n0 64. (a. 653). 
Fornagalli n^5 (a. 742). ags. Eäntnundus rexüemhle 1, 140 
Aumolf^ Pertz 6, 113. Aonolßts frater Odoacri, Eugippii 
vita Severini cap. 39. ags. Ednulf Kemble 2, 373. 380 
£imw/^ (a. 845) Ingram s. 91. ahd. önolf ir^ii. wizzenb 
19. 151. Schannat n^ 320. önold trad. lauresh., daher 
(moldesbak = Onolzbach Anspach, Aunefrit Fumagall 
n<» 10 (a. 769). ags. Ednfrid (a. 617) Ingram s. 32 
Eanfiriä Kemble 1, 106. önfridinga casteUum Pertz 1, 56 
önhart trad. patav. s. 19 (a. 818). öngast Ried n» 29 
(a. 833). ags. Ednberht Kemble 1, 58. 103. 128. Ingram 
s. 85. Ednbald Ingram s. 77. 82. Edngisel Kemble 1, 137; 
ich meine Aunegisil in fränk. urk. angetroffen zu haben. 



MANNSNAMBN AUF -CUABI, -EARI, -AR, 145 

Omgii. €oi, lauresh. Nun auch fraaennameD. Aune- 

giUis lex Bargund. 52. ahd. Önhilt Neagari n<^943 (a. 830). 
önkUdis polypt. IrmiDonis 133'. Goldast unter den bnrgnnd. 
firauennanien hat gleichfalls Önhild. önsumd Schannat n^' 145. 
ags. Eat{fl4d (a. 625) Ingram 33, wäre ahd. 6i^. ahd. 
Omriim polypt. Irmin. 259*. hierzu kommt endlich der on- 
saimnengesetzte mannsname ahd. öno trad. patav. 76 (a. 1013), 
ags. Eana (a. 689) Kemble 1, 34. 

Niederschlagend für unsere kenntnis von der alten spra- 
die ist es ein wort das ehdem so lebendig gewesen sein 
moTs gar nicht mehr zu verstehen ; Graff hat es nicht ein- 
mal in seinem buch, zwar führt er ein paar jener eigenna- 
men auf 1, 302, verkennt sie aber so sehr dafs er ihnen 
kurzes o beilegt, fiir 6 entscheidet dun und edn: die glei- 
chnng wird nur durch das altn. Onar gestört, für welches 
man Amnar erwarten sollte; ich werde aber eine analogie 
dafiir anfahren. 

Die formel goth. aun^ ags. eauy ahd. 6n gehört in un- 
serer spräche zu den seltnen und ist jederzeit schwierig; 
es werden aufser unserm wort nur noch sechs andere sein, 
goth.^ dann» odor, altn. dann; goth. läun praemium, ags. 
leoHf 9hi. lön^ altn. laun; goth. sduns redemtio, altn. wie- 
denun sdn fiir saun und die ausnähme Onar bestätigend; 
ags. tedn faba, altn. baun, ahd« pdna ; goth. hduns humi- 
lis, ahd. hdni, ags. heäne; goth. skäuns pulcher, ahd. scöni, 
ganz ähnlich lauft goth. din, ags. dn^ ahd. ein^ und wenn 
gründe vorhanden sind, in beiden das n für blofs ableitend 
za holten, zwingen andere ihm schon ein so hohes alter bei- 
znmefsen dafs es mit in den ablaut aufgenommen wurde; 
das ahd. adv. liuni fere scheint mir verwandt mit I6n prae- 
miom, iduns mit siuns visus, und für skduns darf ein ver- 
bnoi sknman^ skdun angesprochen werden, das in skeman^ 
äidäk überspringen könnte, auch runa secretum ziehe ich 
zn dem altn. raun tentamen, vermittle beide wiederum durch 
ein verbum rzunan, rdun. lauter betrachtungen die es ge- 
statten fiir unser aun ein verbum iunan, dun zu mutmafsen. 

Was nun bedeutete duns oder, wenn es neutrum war, 
dun? rathen liefse sich leicht, vis, robur, so dafs Onhert^ 
Önfirid, Ono^f ausgesagt hätten was Megmheri, Megin/rid, 
Z. F. D. A. III. 10 



-& 



14« MAiSNSNAMEN AUF -CriAUI, -HAHt, -AR. 

JUeg-Mio/f, EHanheri, Elhnfrid, Ellmolff 6no, ags. Eann 
wäre was Megino7 die nihd. dichler bedienen sicii einige- 
mal des worlcs w\, Kudoirs wclu^hrotiik (nach der Königsl. 
Ii8. 2S)^) bat Crist herre säeser rater 6n, das scheint aber 
eher ein ^iech, äi; itls das uralte deutsche ß». Lye Hihrl 
ein ags. eaaian parlurire, euiti an, eanod tmxMS aad geeanf 
eova Toetae aves gen. 33, 13; das ist das engl, jfean, aber 
mil der bestimmteren bedeutunf; lammen (rranz. agneler). 
also mit eoi' ovis, ^oth. avi, zusammenhängend, und eaniaK. 
nicht clinian, zu schmbßn? docb liefse sich eaiiian vertei- 
digen und aus eticnian coucipere, partuHre erklären, eäce» 
pracgnans ist das altn. aukin, alts. 6can, und wir raüfsen 
wiederum unser d»n^, üa beiseile liegen lafsen. eine ein- 
zige stelle wo lllGlas das ihm gewiss bekannte »uns, nun 
angewandt hätte wäre allen Zweifel zu liisen hinreiebend. ich 
finde im ßnuischcn onni l'ortuna, csth, Sit, gen. »nne; wfi' 
mag aber so blind in fremde sprachen, die sonst kaum ver- 
wandt sind, hinein vergleichen? 

UELIS. 

Der seltne, jedoch unbezweifelhare name H^lisaehur (bei 
GralT 4, 8ä9 in einen örtlichen verwandelt) macht nicht min- 
der ZB schaffen; gleichviel wäre Hetiskeri, was mir niehi 
vorgekommen ist, wohl aber HelUpert Neugart n" 195, WO- 
frir Elispret n" 178, wie Eiisachar im )>olypt. Innin. 211''. 
den einfachen mannsnameu Elts haben die Lradit. fuld. Otter, 
z. b. 613. 618. 619., das fem. I/isa MB. 28% 173 {a. 94U) 
und einen seitsamen mannsnamen Elisom, Elisam das |mi- 
lypt. Irmin. 6''. 16*. 16^ ans der heldensage sind lUan und 
Ilsung, EUf and Eisung bekannt, kaum steckt in jenem 
alten, wie es scheint echtdeulscben namen das bihlischr 
EHsabelk, Helisabetki lieber stelle ich dazu die Helüii. 
welche Tacitus ueben die Nahauarvall setzt, und weil so 
früh kein nmlaut des « in c sUtl fand, so muh He/is = Ni- 
lis angenoiamen werden, wozu ilisa stimmt, dieser gruod 
lehnt auch eine vergleicbnng des goth. adv. halisäie (aegre. 
tioyi?) ab, nnd in diesem kalis scheint -is comparativisch 
(^gramm. 3, 590). über den sinn von hcln bleiben wir also 
»och ganz nnanfgcklärl. auf irgend eine weise, glaube ich. 



MANNSNAMBN AUF -GHABI, -BARI, -AR. 147 

wM flrit hdü auch der ahd. frauenname Heäspä, gern. Ne- 
H^gän xosaamenhängen, trad. fold. 1, SS 8. 499 (doch 2, 175 
$• 610 atekt EUsba). ableitaDgen auf ^ba sind in nnaerer 
ipraefae flberaas anöblich. 

SUMTH SUND. 

Meiner yermutung (gramm. 2, 299. 477) daTs nmd ans 
sumih hervorgegangen scheine thun auch einige hierher ge* 
bSrige eigennamen vorschob. Marini n<> 76 hat Sumikaharius 
ud Sumthul/us in einer nikünde des siebenten jh., dem er- 
sten eatspricht die ahd. form Suntkeri trad. patav. 28. man 
würde sie für gleichbedeutend mit Sundarheri* erklären, 
lehrte nicht jenes ältere sumih ein anderes, zwar kann ich 
keinen mmen Suntolf, Sundwolf, und gerade wieder Sunkh 
rpff mthreisen, doch mögen beide zusammen gegolten und 
ganzi verschiedenes bedeutet haben, wie Suntkeri nnd Suntar- 
hmet* SundhiU trad. hild. 2, 32 scheint richtig nnd von dem 
soMt vorkommenden Sindhilt verschieden. 

UFT. OFT. 

In einer der goth. Urkunden las man den namen Aufta- 
A«hw iHafsmann hat Ufitahari hergestellt, wenn der das t 
lljHertie zug noch als herabgehende Verlängerung des dachs 
t angesehen werden darf, so entspringt Uftahari, wel- 
vorzüglicher scheint. Außahari (falls ein vor dem n 
•leheaies zeichen a abgibt) und Ufiahari hätten gramma* 
liflch 'Vorerst gleichen anspmch auf richtigkeit. vorerst wird 
Proeo^ Xhra^ (bell. goth. 1,11) ganz dasselbe sein, wie 
T'uywiKftQ Rüginahari^ wenn der lat. text Optant gibt, so 
aeheint das nach einer griech. genitivflexion 'ÖTnaptdog ein- 
geiiilirl, wie man yUiarit für f^iliaris und ähnliches findet ; 
des MG« setzt Procop ^Vitia^iv. Gregor, turon, • • . be» 
wnkrl^^nns die form Optacharius, und ahd. Urkunden ge- 
währen Oßheri, Neugart n<> 273 (a. 837), wahrscheinlich 
ist bei Ried n<> 21 (a. 821) Ostheri zu befsem in Ojlheri, 
die trad. patav. s. 35 geben den ort ad Ofiherigon, wofür 
ich lese Oßheringon^ wie noch eine jüngere Urkunde MB. 

• Sundather trnd. fuld. s. 538 entweder in Sundarhfir oder in 
Sundacher z« befsem. 

10* 



148 NANNSNAMEN AUF -GHARI, -HARI, -AR. 

28**, 456 (a. 1280) Oßheringe schreibt. Goldasi verzeich- 
net nnter den alamannischen namen OfterU !• Ofiheri. aber 
noch andere zusammensetzangen erseheinen. Optermmis (das 
wUre :=Oßahraban, Oßhraban) bei Agd^ardas (ed. Baluzii 
2, 160. 162. a. 874); Oßmdr im cod. lanresh. 769. unter 
den Angelsachsen begegnet ein seltner name; ein a. 692 
oder 693 gestorbner bischof von Worcester hiefs Oftfdr 
Beda 4,23. Kenible1,35. latinisiert Oßforus Kemblel,37, 
Oßoforü \j 41; sollte das nach analogie yfon Chrütapkonis 
gebildet sein? ich kenne im zweiten tbeil der composition 
sonst kein ;/br, das doch -fdr, ^hd. -ßior seih miirte. uns 
liegt hier mehr an dem ersten tbeil. 

An PT neben FT wird man keinen anstofs nehmen, Ul- 
filas liebt jenes nicht, ich glaube er würde von slugßen die 
secunda praeteriti skdß bilden, nicht skdpt^ wie er gmsJkq/is 
ableitet, nicht gaskäpU. er schreibt haßs^ haf^äm^ nnd sol- 
ches FT ist auch der ahd. und ags. mundart gemifa. doch 
das Merseburger gedieht hat uns neulich liapt hqßUdtm dar- 
geboten und die altn. spräche setzt kaptr und skapt. wie io 
dem angeführten Optaeharms, Opteramus können also, ein- 
zelne mundarteu sich dem PT zugeneigt haben, auf die 
griech. Schreibung "Oma^ig will ich kein gewicht legen; 
''Oipd'uQtg würde den goth. namen zu sehr entstellt haben* . 

Ich erkläre nun nft^ oft nicht etwa aus einer naehah- 
mung des lat. namens Optatus, sondern halte sie f3r rein 
deutsch und suche daraus einen scblüfsel zu gewinnen für 
eine unserer dunkelsten partikeln. im goth» wird bekannt- 
lich ußa saepe von aißö forte long, ÜQa, rc(;|fa unterscUe* 
den. für letzteres scheint nur ein einzig mal uftö n atehn, 
Mattb. 27, 64, ist aber wohl blofser fehler, sonst ertrugen 
die lautregeln beides, vor FT tritt zwar sonst keine breohüng 
ein, ea heifst tftuma, hliftus^ nicht aißuma, hlaiftus, sh^ 
vißhi skaüfts; aber sie könnte gerade bei ii4^ begonnen 
haben und noch schwanken. a(ß6 hat man sorgsam von 
ufta zu scheiden, wurzelbaft dürfen sie immer zusammen 
gehören. 

Ußa lautet abd. oßo^ alts. (ßo^ oß, altn. opt, wir se- 
hen in allen späteren dialecten den goth. reinen vocal schon 
gebrochen, die bedeutung der partikel ist ebenso unzwei- 



MANNSMAMBN AUP CHARI, -HARl, -AR. 149 

felhaft als ihre abstammang unbekanat. Graffl, 184 ermil- 
tdt nicht das geringste, denn was ist mit dem stamm m und 
der wnreel i^^ geholfen? s. 185 fallt ihm* freilich der manns- 
MMC Ofiheri ein, übel aber ein Ortsname O/ienmedinCy 
den man nach weisth. 2, 472 beseitige, sieht man rieb 
nach demselben begriff in andern sprachen um, so ist das 
grieeh, "nokXaxig, das span. muchas veses völlig klar, and 
das böhm. casio, russ. tschasto ans cas^ tschas (tempas) 
entsprangen, wie man auch in verschiedenen gegenden Deutsch- 
lands, z. b. in Hessen seitlich für oft hört, doch das lat. 
«0qM liegt im dunkel ; man hat es aus ad ntj gedeutet oder 
mit sa^es = sdpes verglichen; die verwandten partikeln 
crebro und frequenter zeigen welcher sinn darin liegen 
könne : gerade so ist das ital. spesso aus dem lat. sfisse ber- 
vorgngangen, und ahd. wird diccho, mhd. dicke allenthalben 
für fireqaenter, saepe gesetzt, mir scheint nun saq^e ver- 
wandt mit sub supra supremus^ wie das franz. souventy 
alftftanz. saventy ital. sovente an sur^ ital. sovra sapra ge- 
mahnen und sovin aus supinus, souverain soverano aus 
ä u p remu t entspringen, 

Kanm bezweifle ich auch nahen Zusammenhang zwischen 
itfta (saepe), afiuma^ ijiuma (ultimus) und den pnipositio^ 
nen igf (snb), ufar (super), af, afar^ ajira, die begriffe ul- 
tinras and supremus stofsen an einander. u^6 mU i*t 2 Cor. 
9, 1 verdeutscht th^ks^sov fAoi i(ni^ ufj6 kann die schwache 
nentralform des adj. sein, lieber nehme ich es für ein subst. 
snpenracnitas, das was drfiber hinaus geht, allen partikeln 
liq^n riniilicbe bedeutungen zum grund, die aber sehr ver* 
stacht S|Helen und in der einen spräche mehr, in der an- 
dern weniger wach geblieben sind. 

Da die mit heri zusammengesetzten eigennamen in ih- 
rem^ersten theil ein verständliches wort zu enthalten sdiei- 
nev, darf man auch für vft und oft in Üßahari, Oßheri 
einen frischern begriff mutmafsen als ihn ans die partikel 
tffta, oß9 gewahren läfst. üßahari, Oßheri mufs einen 
tapferen, stolzen Streiter bezeichnen, wie in superbus sur 
/IST liegt, könnte ein subst. ufis superbia, fortitudo ausge- 
sagt haben. 

iir schlage ich noch etwas anderes an. neben ^ftM 



150 MANNSNAMEN AUF -üllAHl, -HABI. -AK. 

gilt eine abgezogenere, darum auch im vocallaut gebrochiie 
Partikel aüßö, der die fast enklitische bedeuLung des griech. 
Tax«, «?"' '•""?' ''^^ *^'- 7*"''^ zusteht, tu^k ist aber ans 
lax^i, forte wo oicbt unmittelbar aus fortis, doch mit dem 
nahliegenden ybf.« gebildet, ich welTs nicht, wie uah das viel- 
deutige äiia zu ä^nn gehört, alle dergleichen parLikeln sa- 
gen ursprüuglich etwas lebendiges aus, was hernach abblafst. 

Aber es ist nicht genug diese bedeatung von aüftü 
wahrzunehmen, wie die brechuug akj\6 den vorschrilf der 
abstraction anzeigt, so scheint der hochdeutsche dialect, dem 
nun gebrochnes oflo für golh, ufta (saepe) galt, jene schwü- 
chere enclitica noch weiter, und mit einem bekannten Über- 
gang des FT in IIT {kraß verderbt in kracht, nißel in 
nickte) aäftä in oJU verwandelt zu haben, zwar gewähren 
uns die unvollständigen ahd. quellen diese partikel nicht, 
doch das mhd. oht, cht, endlich ot und et erscheint desto 
hänSger; es wäre unmöglich dafs ein solches wort dem ahd. 
gemangelt hätte und in seiner gestaltung muFs das golh. ai'tflü 
dem mhd. oht, ot vcrmillelt gewesen sein, wir sehen im 
Hei. ein alts. odo forte (17,8. 99, 16), das Schnieller an- 
scheinend wohlbefugt zn ödi facilis rechnet; es könnte wie- 
derum dem goth. ai'ijlö verglichen werden. 

Um aber nochmals zu unsern eigennamen zurückzukeh- 
ren, ich finde kein dem golh, Uftahari, ahd. 0/ikeri glei- 
ches ags. Oßkere, sondern statt dessen mit dem nämlichen 
Wandel des FT in HT Ohthere; so beifsl einer der reise- 
bescbrciber in Alfreds periplus und ein held im ßeov. 4756. 
4784. 5852. 5860, die beiden ersten stellen schreiben man- 
gelbart Ohtere, wie auch in der chronik bei Ingram a. 129. 
131 Ohter für Ohthere gesetzt ist. diesem ags. Ohthere 
entspricht nach der oben gegebenen regel das altn. öttar 
(äatm. 114 — 120), da dieser dialect überall langen vocal vor 
TT = ags, HT fordert, hülte sich PT in opt auch für den 
eigennamen behauptet, so würde dieser Optar lauten, aus 
dem goth. ägan, dhta (melucre) läl'st sich Ohthere nicht deu- 
ten; das wäre eine für beiden unziemende bedeutung, und 
sie würde öhlkere zu schreiben gebieten, wofür sich nir- 
gends ein analoges ahd. UohtAei'i, goth. Öhtaharü anböte. 



MAiNiNSNAMEN AUF CHAIll, -UAIU, -All. t»t 

wälirea4l iini^ekelirL Ohtheri und IJJlaltari Itir die uniwtuid- 
lung der ags. Ohlhere aus Oßhfiiv streiten. 

AliJ. wuils ich neben <tßheri die vollere forin OJla-^ I 

ckari uiclil 2U belegen; von beide» subeinl es rnlhsaa üt- 

keri uud (Huckari abzusondern, dio ciu gotli. Attdahan^ 

«gs. EüJJtert, allu. Aiular runiei-lou, d. Ii. deren erster lIieiL 

I vou äud, lil, eäd («|>es, relii:i(as> zu leiten wäre, womit 

L aucii die uhd. unmeti Ötmür (<iratl' 2, 865) =: ^luiomärut 

yqud ötkram (GrulT 4, 1147) gebildet sind, der berÜfintt« 

: ötachar oder Ötachei; wie das Ilildebrandsfied und 

u prolng zu Boelhius schreiben, hat nur das räthsel- 

»h dag eioTaebe a der zweiten silbe in ewelsilbiges 

E erweitert wird; bei Cusiodor und Mart^elliaus steht 

wcer, bei Kugipiiius i^uji. 7 Odouachar, cap. 31 Odovar 

' (oder Odolitigar), doch i-^p. 38- 39 Olhacar. beim ano- 

1118 Valesü Oduacer, bei Jurnaudes de regnor. suce. Odoa- 

bei Joruaudcs de reb. get. eap. 46 Odovacet'. dachte 

I tiich eine zusaimneitselzuu^ mit ivakar (vigil)'f 

JACOfi GfUUM. 



lONAKR UND SEINE SOHNE. 

Die sage von lätiakr und seinen BÖhneii Hamdir, Sörli, 
iBrpr ist voll bedeutsamer, grors:irtiger zügr, die ein hohes 
l-llter und weitreichende Verbreitung kundgeben, in der Sa^ 
\ snadaredda sind ihr zwei besondere lieder gewidmet, Go- 
r diüiurbvala und Humdismäl ; Bragi der alte hat sie io einem 
I gedieht behandelt aus deni stellen in skäldskapannäl Sn. 145 
toit^elheill werden, eine strophe steht auch Sn. 340. die 
f ibchteraprache hat einige stehen bleibende ausdrücke aus die- 
I aet bbel genommen, neben der erzählung jener lieder wird 
B prosaische Siiorraedda a. U'i— 144 und eine davon inerk- 
?dig abweichende Volsdngasaga cap. 39—42 gegeben. 
Aus den liedern ist woht die älteste gestalt des inytiius 
Exil eatuehmen. (lodrün wird van den wellen, die die un- 
I gtückliche nicht verschlingen wollen, zu lönakurs Und ge- 
■ Jtegen, der sie heiratet und mit ihr drei sühne, Sörli,Er{ir, 
fVaniäir zeugt; Sigurds (oehter, die schöne Svanhildr wird 



m iONAKR UND SEINE SÖHNE. 

neben ihnen grofs ^zogen. om Svanhild läfst lönnnnrekr 
auf des Bicki treulosen rath durch seinen söhn Randver 
werben, das geschält bringt Randver an den galgen und 
Svanhild unter der rosse hufe, die sie nicht zertreten kön- 
nen bis ihre strahlenden äugen verhüllt sind, nun sinnt 
GodrAn auf räche, sie treibt ihre söhne den lörmunrek zu 
morden, ungern machen sich Hamdir und Sörli auf, unter- 
wegs auf Erpr stofsend fragen sie diesen, wie er ihnen zu 
helfen gedenke? 'wie der fufs dem andern oder die band 
der andern antwortet er. was mag fufs dem Alfs, band der 
band helfen? meinen sie, tödten ihn und mindern ihre kraft 
um den dritten tbeil. lönnnnrekr wird benaehrichtigt dafs die 
rieher nahen, er trotzt denGiukungen. sie hauen ihm bände 
und fBfse ab, niemand vermag ihnen zu widerstehen, kein 
lehwert beifst ihre kleider. da ruft lörmnnrekr brüllend sei- 
nen leuten, steine auf sie zu werfen, 'jetzt wäre auch sein 
h?iupt ab, wenn Erpr unser bruder lebte, den wir untere 
wegs tödtetenl' sagt Sörli, doch den steinen eriiegen die 
beiden, Sörli fällt am giebel des saals, flamdir sinkt am 
rücken des hauses. 

Obgleich in dem prolog zu Godrdnarhvata- Sörli, Erpr, ' 
Hamdir ohne unterschied als bruder genannt sind, so Tällt 
es auf, dafs in Hamdismftl Sörli und Hamdir leibliche volf- 
bürtige bruder (sammcedrar) beifsen, Erpr hingegen sundr^ 
mcedri (diversa matre genitus) genannt wird, auch schelten 
sie ihn homängr (spurius, illegitimus) und tarpikamr 
(? skammr), den braunen kleinen (zwerg), und dies hängt 
sicher mit seinem namen Erpr selbst zusammen, das altn. 
tarpr bedeutet badius, rothbraun, ags. eorp, Csedn. 190, 4 
wird das braune beer der Ägypter (eorp verud, Tborpe ver- 
steht es falsch) dem bleichen (vigbldc 190, 24) der kinder 
Israel entgegen gesetzt; im cod. exon. 433, 21 ist wrp 
unvita fuscus idiota, gleichfalls herabwürdigend, ahd. lautet 
das adj . &^f und der daraus gemachte eigenname Erf^ Erpho, 
wober Erfes/urt = Erßsrt (thüring. Erpesjurt). Graft, 
406 mengt diese namen unter ei^o (heres), womit sie nichts 
gemein haben, deutlich halten auch Sörli und Hamdir zusam- 
men und verachten den Stiefbruder, der mntter liebling; er 



lONAKR UND SEINE SÖHNE. 153 

sehflint also nicht ffir lAnakurs söhn gegolten za haben? es 
gtoht nicht klar hervor. 

Snorri weifs nichts von dieser Verschiedenheit; er legt 
allen dreien schwarzes haar, wie den übrigen Niflungen bei *; 
nach ihm rieth Gudrän ihren söhnen, die sie mit achweri- 
feater riistang ansgestattet hatte, lörmunrek im schlaf zu 
überfidlen und anf einmal niederzuhauen, Sörli sollte ihm 

bände, Hamdir die fufse, Erpr das haupt abschlagen. 

zwei ersten machen sich ohne Erpr anf die fidirt, den 
sre unterwegs finden und befragen, wie er ihnen helfen 
wolle? er antwortet 'helfen wie die band dem fhfs/ sie 
meinen, das sei nichts, wie könne der fufs auf die band 
at&tsen? sie erschlagen den bruder, weil sie der mntter zfir- 
■esy deren Uebling Erpr war {pvi at hon unrä honum mest)^ 
die sie in solche gefahr gesandt hatte, nun setzen sie den 
weg fort. Sörli stolpert und erhält sich indem er die band 
zur atfltze nimmt ; da besinnt er sich und sagt 'befaer wäre, 
wenn Erpr lebte!' als sie darauf den schlafenden lörmunrek 
überfidlen und ihm bände und fufse abhauen, erwacht er und 
ruft seinen leuten. da sagt Hamdir 'jetzt wäre auch sein 
haupt ab, wenn Erpr lebte!' ihnen konnten keine waffen 
etwas anhaben, doch lörmunrekr befiibl sie mit steinen todt 
za werfen und das geschab. 

Nach der VölsAngasaga hatte die mutter den söhnen 
sehwerCfeste kleider gegeben, aber empfohlen sie vor stei- 
nen in acht zu nehmen. Hamdir und Sörli stofsen unter- 
wegs auf Erp und fragen ihn, wie er ihnen beistehn wolle? 
'wie band der band, fufs dem fufs.' das dauchte sie wenige 
sie erschlugen ihn und giengen weiter, da strauchelte Ham- 
dir und stutzte sich auf die band: 'Erpr hat wahr gesagt; 
ieh wäre gefidlen, hätte mich nicht die band gestutzt.* bald 
daranf strauchelte auch Sörli und stützte sich auf beide fS- 
fses 'ich wäre bin gefallen, hätten mich nicht die fnfse auf- 
recht gehalten.' bei lörmunrekr angelangt, hieb ihm Hamdir 
die bände, Sörli die fufse ab. 'nun wäre auch sein haupt ab, 
lebte Erpr unser bruder noch.' nun entstand ein heftiger 
kämpf, sie erwehrten sich tapfer der menge, doch kein schwert 
bifa sie. da kam ein ältlicher mann mit einem äuge und 

* aach Bragi oennt sie hra/nhläir, rabenschwarze. 



l&l lONAKR UND SEINB SÖHNE. 

sprach 'ihr seid mir kliige leote, Ms ihr nichl mift diesen 
männem fertig werdet/ 'gib uns rath' sagte der köiiig, 
'wenn du kannst' der alte versetzte Verflt sie mit steinen 
todti' ans allen ecken flogen jetzt steine nnd Hamdir und 
Sörli liefsen ihr leben. Bei dieser darstellung ist vor allen 
merkwärdig dafs Odinn, der unter dem alten einäugigen xu 
verstehen ist/ auf lörmunreks seite steht und rathsobläge 
gibt wie die Niflungen zu verderben sein, und nun wage 
ieh eine mutnufsung« Saem. 272^^ ist eine von den erklärem 
bisher unverstandene oder unbefriedigend gedeutete stelle, 

hitt qvad pd Hrddrglöä, stöd uf hledom 

mefingr mcelti vid mög penna. 
HrAdrgUid schien eine fran und man hat daraus nicht sehr 
glücklich lörmunreks mutter gemacht; aber die folgenden 
werte drücken Verwunderung aus dafs zwei männer gegen 
zehnhundert krieger ausdauern könnten, was mir völlig n 
jener einmischung Odins stimmt, und es fragt sieh, ob nicht 
Hriptr gladr (Odinus laetus) gebefsert werden dürfe, wo- 
mit sieh auch das stod uf hledom (gradibus celsis inaistens) 
und ein näheres Verständnis des schwierigen ausdnioks me- 
fingr einigen liefse. 

Schon solche abweichungen der einzelnen berichte ver«> 
sichern uns des hohen alters das dieser sage in der nordi- 
schen poesie zukommt; was man auch von der abfafsnng der 
eddischen lieder in der form welche sie uns überliefert hat 
urtheilen möge, Bragi des alten lebenszeit wird in den sehlnb 
des achten jh., etwa in die tage Karb des grofsen, gelegt, 
nnd sein skftldgedicht setzt doch die einfachen lieder rorans. 
so bekannt war allen dichtem die begebenheit selbst daTs 
fiir stein grand Hamdis ok Sörla (das verderben H. und S.) 
zu sagen ein gewöhnlicher tropus wurde**. 

Alle anzeichen deuten aber darauf hin dafs der. mythus 
in andern theilen Deutschlands noch fSrüher sn haus war nnd 
von da erst nach dem Norden gebracht wurde. Jemandes 
kannte ihn bereits in der mitte des sechsten jh., er sagt 

' deutsche nytkolosie 9. 133 (der zweiten aussO 
•* Hamdis serk (lorica bellica) fomm. sog. 1, 171 (12, 41^), Harn- 
äis klmm 5, 307 {}%, W3.), Sorla serk 11, 138 («, W9), lauter »tei- 
len aus skalden. 



■^- 



lONAKR UND SBINB SÖHNE. 165 

nur fceiläiifig dafs Ermanaricus die Svanihilda uoter rotse- 
irittem babe tödtea lafsen und oun von ihren brüdera Sarua 
und Aaunius überfallen und schwer verwandet worden ad. 
oMUi sierke dars er nur zwei briider nennt, dieselben weiche 
die that vollbringen, fünfhundert jähre später verlegen die 
ajanales quedlinburgenses (Pertz 5, 31) den Vorgang in die 
a^it des kaisers Anasfasius (ausgang des 5n jh.); ihre kurze 
neldung lautet Ermanariei a fratribus Hemido et Smla et 
Adaccmrojt^ quorum patrem mterfecerat^ amputtatie munihts 
ei pedibue turpiter^ uti dignus erat, occisio. endlich daa 
chronicon nrspergense nimmt an dafs Ermenricus unter Va- 
lentiaian und Valens (in der zweiten hälfle des 4a jh.) 
berichte und a duobus Jrairibue Saro etAtnmiOy quos ceu" 
üeimui ees ßüs$e qui vulgarüer Sarelo eiHamidiecus (viel* 
leiebt Hamidieue) dictmtur, vulneraium. — ßmee. Sarae 
und Ammius hat dieser chronist aus Jemandes, Sarelo mul 
Hamidiecus aus liedem die noch im 13n jh. erschollen» 

Saroa, dünkt mich, wurde im golh. Ued Sarvus, und 
Amndue Hamapius gelautet haben» beide namen scheiBen 
bezügUeh, Smnme gehört zu earv ph sa$n}a (arma), Humor 
fme ist zusammengesetzt aus hama (tegmen) und pim (puer» 
Mlea), SarvuM bedeutet also armatus, Hamapiue miles ar- 
UMltts, loricattts; wir haben gesehen daTs die mutter beide 
beiden in unzerschneidbare rüstuiigen gewaffnet hatte, eine 
stelle bei Ulfilas Eph. 6, 11 gahamöp zzvis sarvam bietet 
uns beide Wörter ungesucbt nebeneinander, die jüngere poene 
zieht für &erus das diminutiv vor, ahd. Äcri/o, Serito, alte. 
SMi^ assimiliert SöUi, das ö (umlaut des m doreh u) würde 
sich beGser aus goth. Semla =? Sarviia (wie magula ffir 
mä^gtfäa, gramm. 3, 666) ergeben, dem Hamapiue entspricht 
ein bäufiger ahd. eigenaame Hamadeo (wie Sigideo,- Lrmm^ 
dee, temndeo)^ noch mhd. Hamdie MsH. 3, 213^; die ahn. 
form Hamdtr, HmdUr hat gelitten, sie mfiste Hump^^ 
HümS^ geschriebea aein. daEs der dritte bruder ahd. Erf^ 
alts. Erpy ags. Eerp geheilsen haben werde ist bereite 
nachgewiesen, altn. wäre larpr recht, das beibehaltene JE&Trr 
neben dem im liede selbst angewandten lebendigen adj. uapr 
mag wiederum die Übersiedlung der sage aus sächsischer 
gegend bezeugen, war Erp kein schwarzhaariger Nibeluag 



156 lÖNAKR UND SGiNG SÖHNE. 

oder GibiehoDg, sondern jener beiden Stiefbruder (was ich 
nicht anders zu erklären weifs als durch die bedenkliehe 
vermulnng, Gudrun habe ihn mit Atli gezeugt), so konnte er 
wohl ihnen zum gegensatz der braune oder der fuchs heifsen. 
Bisher ist gar nicht nach lönakr gefragt worden, den 
vater nnsrer beiden, dessen Jemandes, der annalist und 
Chronist in ihren kurzen erwähnungen der fabel geschweigen. 
ich stehe nicht an zu behaupten dafs er im goth. lied jiu- 
naharis, ahd. önacheri müfse geheifsen haben, was, wie oben 
gewiesen itrurde, mit dem späteren Onheri einerlei ist. di| 
nun sonst in der altn. spräche das volle 'achari gar nicht 
erscheint, immer -ar = -Am, so folgere ich darans von 
neuem enüehnung der namensform mit der sage, önär d* i* 
önheri ist die benennung eines zwergs Saem. 2^. Sn. 11,16; 
Sn. 123 heifst die erde döttur önars *, an welcher stelle 
Resen bemerkenswerth liest döttur lönakurs, zum T^Uigeii 
beweis der gleichheit beider namen. da hier zwei mal an 
rerschiedener stelle Onar für Aunar erscheint, mag ich das 
6 nieht IKr einen saxonismus ausgeben, noch aber bliebe 
das anlautende I zu erläutern; warum wurde lonakr fSr 
önakr gesagt? entweder hatte eine ags. form Ednkere ein- 
flnfs, da auch andremal altn. io dem ags. ea nachgeUMel 
scheint, oder man gerieth falschlich auf die analogie des 
altn. I6n := Johann, engl. John, und wifrklich findet sieh 
auch statt des ags. Ednberht in dem namen eines eraUsehofii 
geschrieben laenberhtus, Tambertus, loanberhtus, leham" 
berhtus (Kembles urk. 1, 166. 168. 170. 180. 183. 184). der 
name sah christlicher aus, und so mochte auch EHsberki 
dem Helüberht vorgezogen werden. 

' Viel zu sagen wäre über Bikki = ahd. S^nchoy ags. 
Sifeca, nach einer in der nordischen mnndart beliebten apbae- 
resis; ich verspare das auf einen andern ort, um mich hier 
noch über einen theil der sage zu verbreiten. 

Diese hilfe, die ein bruder dem andern leisten soll, wie 
die band der band, der fufs dem fufs, die band -dem fab, 
ist tief aus dem menschlichen gemüt gegriflTen ; sie wäre als 
blofses gleichnis schön und wird hier noch durch die vor- 

* d6ttur Onars vidigrmna So. 1!^. eikigrana Onart flioäi fomm. 
sog. 1, 29. 



lONAKR UND SEINE SÖHNE. 157 

l^ge angdriicklich beslätigt. die welche ausgehen, durch 
abhauen der häode und fuFse an ihrem feind die räche zu 
kühlet^, werden an den gebrauch der eignen bände und färse 
gemahnt, bei bänden, fiifsen, äugen wie bei brüdem bedient 
sich die griechische spräche ihrer glücklichen dualfornien, 
diese glieder haben etwas brüderliches, und eine hübsche 
stelle aus Xenophons memorabilien gehört hierher, 2, 3, luti 
fn^p ad€kq>€i ye, dg. i^oi doneT, 6 '&s6g inoitia&¥ im fUi£9P$ m{p&- 

aifkq>u iqiVGBv aifd'QtoTtoig. X^^Q^Q law ya^, fi iioi amug va 
TtXiow ofyvMg duxovra äfuc noitjaac, ovn av dvi^ttiffo u^ s. w. 
die Römer brauchten von solchen zwillingsgliedem frater- 
etUare oder sororiare. Festus 297, 30 sororiae (1. sarartare) 
mmmmae dicuntur puellarum, cum prtmum tumescunt, ut fra- 
tereulare pueroruni. Plautus in Friholaria 'fraterciäabant 
nmUeri p^il/ae primum, sed iliud volui dicere, sorarimbmnt^ 
auh ,das hohelied vergleicht die brüste weidenden rehzwil- 
liogen/ ein trockner hessischer chronist des 16njh. (Laose, 
bd. 1 8. 273 der Casseler hs.) geräth von der nneiaigkeit 
diiiea bröderpaars redend auf vergleicbung der häai|^. und 
ISCm, so nah lag sie: aus dem allem befinden wir klerUchf 
dq/i aejenigen, so irer briider freundschuft begeben ynfH 
hei mni/em ßrembden nato ßreundschqft suchen und MMdHM 
wollen^ nichts anders thuen wider die, so inen selbs ent-- 
weder aus grobem Unverstand oder wansinnigkeit ire eigene 
hemde und fuefse abhauwen und inen domach an derselben 
sMie andere eiserne hende und fi^se lofsen an machen, 
welche ob ^e wol die form und gestalt haben, haben sie 
doch weder krajffi noch macht, bekannt sind die werte des 
starbenden Micipsa zu Jugurtha und seinen söhnen Adherbal 
und Hiempsal, quis autem amicior quam frattr fratri? in 
Bosrer sage bieten die abweichenden darslellungen sogar den 
doppelten nusdruck dar dafs nicht blofs band der band, sour 
dem auch band dem fuTs beistehen solle, und das. erinnert 
an 1 Cor. 12, 15, wo der apostel den fufs unbröderlich reden 
lilst, iap smri b novg, (ki oi^ €ifAi x^'^ß ovx sifil ix toü avifAa- 

* geratbe da» sieb ähnlich ist betrachtet die naive spräche des 
altertboms als verbrüdert, ^/r bro^r Knifs. Sn. 133. 



158 ZUM ERACLIÜS. 

Tog. hier wird wiederam die gemeinschnft nnd dienfllvertiiiii- 
denbeit der glieder yoraasgesetzt. 

JAG. GRIMM. 



ZUM ERACLIÜS. 

xxm. din phendange verstehe ich nicht, was die hs* gibt, 
die pheotange, ßlhrt auf das was der sinn verlangt, die 
phentinge oder in gewöhnlicher form die pbeniiiDge. die 
reimbindmig nxi ist also s. \Z\ und 622 xu streichen. — 
xxT wird herre befser weggelafien. nach bcyeln gebohrt 
sich kol&n, in der folgenden seile nach beln punkt. 

Lxxn — Lxxv nnd sinnlos; ich weifs aber keine sfdkere 
verbefierung. 

78. dafs er sich auf got (59) isurüekbewieken könne 
ist mir unglaublich: auch gewährt die Wiener hs. got, 
und dies halte ich hier für so nothwendig ä^ m 79 ohne 
alte . mM gegen beide hss. getilgt ist. in der folgenden 
xeile'^ die wortsteUung der hss. (denn W weicht nur im 
casus ab) ohne grund geändert, es sind verse von vier ke^ 
bungen. Den got guotes vil yerlihet Und si kinde TorzSiel. 
inf^^kr nächsten zeile natürlich S6 git er ir ab raangem tiI. 

90. der heilig engel unt sin böte, das wären xwei. in 
den hss. steht sehr richtig kein unt. 

154. Daz ez mir iht werre M^ und dies begehrt der 
sinn. Cassinia hofft von gott dafs es (das was sie tkmn loilt) 
ihr kein leid bringe, 

158 — 160. 'wer gottes gäbe durch dienst vergilt, der 
ist immerdar reich, wie es mir darum ergehe' gibt keinen 
sinn. Swie ez mir dar nmbe erg6 gehört zum folgenden^ 
fFie es mir er^he, ich will es vollbringen. — 401 gekSrt 
»um folgenden. 

422. dd ist zu streichen, die lesart der Miinchener 
hs. gibt sonst einen Vordersatz ohne nachsatz. 

430y. falsche interpunction die alten sinn zerrilttet. 
lies 'Muoter sprach er, * weihen wis?* 'Daz da im helfest/ 
'muoter, wes?' warum das im der hs. zm in verwandelt 



ZUM BRACUCS. tu» 

wordem ist perstehe ich täehU aus d^r tnterptmeUan de» 
herauf* kann ich mich swar nicht vemehmem, aber wcm 
mti/h er doch wohl mff helfest bexiehen^ und datm ist in 
ebt sprad^/ehler, 

503 — 505» Si rAtet edelm wibe D«z si an ir llbe lin- 
der wilen nuMtnot Leider darch ein kleinex gnol. das 
müste hier^ denke ich, heifsen mit ir libe. wenigstems U{fsi 
sieh aus den lesarten der Münchener hs. mit leichter milhe 
etwas viel böseres gewinnen, Si netet einen edeln wibe 
Das si verhenget ir libe Daz anderwiln er missetnot u. s. w. 
waierwÜR Jbrdert das versma/s auch 1386. 3652. 

571. logentliche pajit nicht ;7Kmuost. vermutlich lege- 
liehe, wqßir 2337 in M tegenlich steht. 

576. wahrscheinlich Solde ich da wider streben, denn 
Bfooter in Jf, das gleich noch einmal kommt, und Frowe 
m Ff^ sind zusätze oder können es wenigstens seift ; hinge- 
gen dA kann nicht fehlen, ebenso wenig ist da oder dar 
entbehrUoi 585, wo Ich kan iu wol raten zuo nicht mhd. 
ist. aus der lesat*t von M ist blofs wol wegsulq/sen. Ich 
kan in raten dar zuo. ebenso falsch ist 596 gegen die hss, 
gesetzt Dia frowe sich bereite zao : untadelhqft haben die 
hss. Dia frowe bereite sich dar zuo. derselbe, fehler fnde f. 
sieh 664, Diu werlt mich umbe schulte, wo aus dem dar 
nmbe der Miinchener hs. sich drumbe ergibt, ebenso kann 
es 672 nicht heifsen Wie lützel ir ane missetuot: die hss. 
haben dar an, lies dran, denselben fehler zeigt 1769, wo 
^T falsch getilgt ist, und 1792, wo statt Dö was mauegiu 
ander zu schreiben war D4 u. s. w,, und 2548, Die der 
keiser zuo nam, wo M da zv nam hat, W richtigen^ dar zv 
gewan (dar zuo gwan): man, und 4159, Waz mag ich nmbc 
sagen m£, wo zu lesen ist Waz mag ich iu drambe (dar 
vinbe Ml) sagen m6, und 4254, wo nicht an sondern dran 
für das daran der hss. zu setzen war, und 4704, Zwei kriuzc 
wAren üf gesniten, tvo M dar auf, ff^ richtig drüf hat. 

626. Gevazzet mit gewande. dafs des kaisers truch- 
sifs nicht nackt durch den markt ritt läfst sich denken. 
richtig, in versen von vier hebungen^ gibt M Einen rilcr 
von dem lande, Wol gevazzet mit gewande, u?id in W ist 
die zeile wenigstens ohne beeinträchOgung des sinnes auf 



160 ZUM ERACLIUS. 

drei hebunjgen herabgebracht. In gvotem gewandie. das wol 
das der herausg. hier fehlerh({ft Hlgt setzt er qft ganz 
iiberflUfsigy z* b. in einer andern stelle wo von bekkidung 
die rede ist^ 3579, die kaiserin hatte an sich Ein hemede 
wol gebriset, wo die hss. das überfliyHge wol nicht haben 
und es niemand setzen wird dem die anfangsgründe der 
mkd. wsetrik geläufig sind. 

048. /. mfieze. 

650y*. Welt ir daz kint hinne geben? auf diese frage 
iq/st der herausg. antworten Um tdsent bisande. so hat W, 
aber dort passt dies zu der frage Frowe, wie well ir mirz 
geben? wie im franz. gedickte die frage ke fait-hon cest 
enfant? und die antwort Sire, mil besans donr^s zusammen 
stimmen, aber hier, nach der frage wie sie aus M auf- 
genommen ist, passt diese antwort nicht, sie stört den schritt- 
weise in kurzen wechselreden sich bewegenden gang des ge- 
spräches, das der dichter hier und anderwärts in einer weise 
gehalten hat die bei Eilhart von Oberge und Heinrich von 
Veldeke neue manier ist und im Jahre 1156 gewiss keinem 
geläußg war. in M ist alles richtig, 'Welt ir daz kint 
hinne geben?' ' iä.^ 'wie?* 'um tflsent bisande/ Er sprach 
'daz ist ein michel schände' u. s. w. auch hier, wie an ei- 
ner menge von stellen, sind also die vcrse von vier hebun- 
gen nicht, anzutasten. 

698. Sage mir, kanslu aber iht? da man nicht fragen 
kann 'verstehst du abermals etwas ?^ wenn man meint * ver- 
stehst du noch sonst etwas ?\ so würden diese werte be- 
deuten *sage mir, kannst du aber auch etwas?* allein diese 
zweifelnde frage ist hier unmöglich, da der truchstfs schon 
eine der künste des Eraclius erfahren hat. aus den hss. 
ergeben sich zwei gleich gute frfsungen der frage. Sage 
mir, kanst anders iht? und Sage mir, kanst ab anders iht. 

723. si scheint ein druckfrhler fitr s6. aber ich ver- 
stehe nicht warum die lesart der Münchener hs. aufgege- 
ben ist. Ich wil din niht enbern : sie hat volle vier hebungen. 

730. Daz was harte gemelich Daz man si von eiouder 
bräht. dq/s mutter und kind von einander getrennt wrn^ 
den soll sehr lustig gewesen sein? und wie stimmt doch vn 



ZUM ERAGLIUS. 161 

J^lgmdeny Doch beten giz alsA {ohne mth in s6 geändert) 
vor bedftht (fehlerhaft und gegen die hs, vorbedlbt)? e» 
tm/fi he\fsen Oaz was harte nogemellich, oder Daz was harte 
jaemerlich, obgleich fF, die jaemerliche bietet^ iiberhanpt äi* 
dert; unmögäck €ber ist was der herausgeber hat stehen 
üf/sen, den wenigstens der französische vers hätte sollen 
4ttifinerksam machen, auf den er selbst verweist, AI ASptrCir 
ot deul molt grant. — 737 ergibt sich ans demfeÜer in 
M was W richtig hat, Si z6ch sich «. s. w. — 742 ist 
ein unmöglicher vers, Daz diu s6Ie lebte doz fleisch erstarp. 
das ursprüngliche scheint Oaz diu s^fele, d6 daz fleisch er- 
slarp, Fuor vil froelicbe In daz dwege riebe, und darauf 
JUhrt auch die änderung in fV. 

764ff. Mich dünkt, du habest missetän, Als ich mich 
versinnen kan. so ist zu interpungieren, mit einem punkte 
nmch kan. es folgt Od waere ein vii (vil fehlt in den hss.) 
wiser man ; Wan du dich nn versinnet hast Unt dich ein 
kint betriegen Ust* Daz ist ein gr6z unwisbeit. so der her^ 
ausgeber. allein wer sich versinnet der läfst sieh eben nicht 
betriegen, und stünde statt versinnet ein passendes ver* 
bum, so wäre immer noch wan der gedankenreihe unange- 
m^sen, was fUr einen sinn der herausgeber' in diesem sei^ 
nen verse. findet das lehrt »war seine Verweisung auf den 
französischen vers Ains m^s nus ne vous tint por sot, offen*- 
bar soll Wan du dich versinnet hast bedeuten Denn du bist 
immer verständig gewesen: aber das ist überflUfsig nach 
Dn WKre ein wiser man und kann so nicht ausgedruckt 
werden; man vorlangte wan dn wsere ie versunnen oder 
^was ähnliches. M hat Waz daz d« nu v. hast, fV Daz 
da also gevarn hast, ändernd, aber dqfs sie doch mit dazu 
hifft in dem Waz daz der andern hs. einen Schreibfehler 
JUr Daz zu erkennen, lies Du waere Ä {oder ie) ein wiser 
man {diesem verse entspricht jener französische)'. Daz dn 
dich nn versumet hast Und dich ein kint betriegen list, 
Daz ist ein gr6z unwisheit. ich denke, versumet unrd in 
der hs. stehen ; zu erklären brauche ich es wohl nicht. 

772. S6 mag er wol versuochen. was denn? l. Swcnne 
des min herr wil ruochen, So mag er ez wol versuochen 
(ob ich den truchsefsen betrogen habe), vergl. 783 Ich ver- 
Z. F. D. K. III. 1* 



162 ZUM ERAGLIOS. 

suochz in kurzer zit, wo der herausgeher selbst gesehen 
hat dqfs M das pronomen ez irrig ausläßt. 

784. Wie kdme ich des enbite. /. erbite mit deni zei- 
chen des ausrufes. 

881 J^. Eraclius der jungelinc Bevaleh gote sinia dinc 
Ze allem sitae dinge, so mag M haben, aber reden kann 
niemand so. in fF steht Und allez sin gedinge, wobei man 
sieh beruhigen könnte, wenn nicht Ze allem sime gedinge 
nahe läge. — 889 würde man wohl lieber schreiben DA 
sach er allen gäben als Dö sacbr in allen g., wenn über- 
haiqit Ursache wäre drei hebungen zu erkünsteln: es. ent" 
spricht diesem verse einer von richtigen vier hebungen. 
Einen stein, dem gunder näben. — 891 halte die lesart in 
fF'f ein arme, den versug verdient vor ein armer, wenn 
von M abgegangen werden musie. •« 

97Qyi Leides spräcbens im gennoc, Swie Ifiizel si ez 
yerviengen. dies ist mir ebenso unverständlich als was in 
M steht, Swie 1. es sei ueruiengen. lies Swie lützel si 
yenriengen, denn das ik mite der fViener hs. (Dft si lützel 
mite V.) versteht sich dabei leicht von selbst, das es in 
M rührt daher dqfs der Schreiber im sinne hatte Swie liitzel 
ez si vervienge. aber dies ist im reime auf giengen be^ 
denklich. wenn 2A27f. binnen, 2689 gewinnen : keiserinne 
(dat.) reimt, so liegt es, um von binne nicht zu reden, na- 
he an die form keiserinnen (JVh. Grimm gr* Rud. s. 5* 
Hahn mhd. gr. s. 90) su denken, statt ze guoter mlze 
(: gesAzen) 1845 /. ze guoten mäzen {wie mit gootes niA* 
zen 3548). 3199y*. ist ertriebe : luterlicben nur nachläfsig- 
keit oder Wunderlichkeit des herausgebers, die andere form 
des ade.^ lüterlicbe, gewährt eine hs. ; welche, das verwehrt 
ein druclffehler zu sehen, 3469 J^. /. MorfUL buop sich dan 
{Sine wolde langer beiten) Ir salben bereiten, worauf M 
fuhrt. 3497 /. nach M In der selben zite <: rite)- 3507/ ist 
sehen : geschehe nur vom herausgeber durch vermengung 
beider hss. zu wege gebracht, über 3619/. s. unten. 
2565/ und 3445 hilft fV, und will man die änderungen 
dieser hs. nicht zulafsen, so reichen doch so wenige und 
so wenig sichere beispiele in fünßausend Zeilen nicht hm 
diese ort ungenaues reimes glaublich zu machen. 



ZUM BRAGUUS. ISS 

986^. Wir h6rten daz manz ime b6t Mit dem tosten 
gediBge. Umbe sehs pfenninge Haete imz einer lAzen* der 
puakt nach gedinge ist vielleicht zu streichen^ ifnn Umbe 
seht Pfenninge kann ano xo^vov stehen, und dies scheint 
pmssender, einer aber gibt keinen sinn: L jener^ der ver^ 
Jkätffer. 

1016/*. Einen stricket nmbe mich. Heizet mich inz 
wizzer senken, dies ist um nichts befser als die entstellte 
lesart van M, Ein strichen v. mich, das nothwendige Ei- 
nen stein stricket umbe mich ergibt sich aus W, wo steine 
ein geringes versehen ist. der herausgeber scheint gemeint 
ssu haben, stein verstehe sich von selbst, da vorhergehe 
Noch hin ich den stein hie: Denlätmir, herre, in derhant 
Und heizt mich nemen an ein baut. Daz ist genuoc beschei- 
denlich. allein die unverständliche auslqfsung des substan- 
tbmms würde den edelstein und den schweren laststein sehr 
wunderlich gleichsteifen. 

1033. nothwendig D6 si daz vernämen, mit W, als 
verdersaJbf der folgenden zeile Zer Tiver si schiere kAmen» 
denn dtjs Tiver falsch ist lehrt der vers. 

1063« niemand könnte ohne des teufols hilfe sein leben 
fristen In dem wäge lange zit. von selbst verlangt jeder 
in diesem zusammenhange s6 lange zit, und so hat M, 
also W. 

1069. 06 den keiser duhte zit. bei dieser lesart müste 
nach der folgenden zeile kein punkt stehen, denn Er wolde 
scheiden disen strit wäre dann so viel als daz er wolde, 
und das fönende Er hiez u, s. w. bildete den nachsät» xu 
Dd. soll nach strit der punkt stehen, so ist nothwendig 
tJDO» W gibt. Od des den k. d. zit. 

1077. Im was niht kein einem gruz. ausdrücklich gibt 
der herausgeber an dqfs in beiden hss, war steht; er hat 
also darin nicht das verbum werrcn erkannt. 

\YZ\ ff. Man zibet offenbaere, Ich si ein zouberaere, 
Swaz ich rede, ez si ein lüge Daz dirre stein ze nihte tüge. 
Sin tugent hän ich wol erkant. in der ersten »eile ist das 
pronomen gegen die hss. und gegen den Sprachgebrauch 
weggelafsen : l. Man ziht mich off. . in der dritten »eile ist 
ez eine überflüfsige Vermutung statt des überlieferten daz, 

11* 



IM ZUM BRACLIUS. 

da rede sehr wohl einsilbig sein kann: man braucht blojs 
nach läge ein komma su setzen; die folgende zeile gibt 
nähere erklärung. aber ßlr nihte ist ibte %u schreiben^ 

1250 y! die leute freuten sich über des kaisers gebei 
Uode lobten al den tac Der in von bore geboten was. sie 
lobten den ganzen tag der ihnen anberaumt war? die hu, 
haben Unde lobten den tac und das versmqfs begehrt kei- 
ner ernschaltung. — 127f, wo sich aus M ganz untmdel' 
haft ergibt 9 Debeiner dorfte des jeben, bringt die änderung 
Ir debeiner durftes jeben »um überflufs einen Sprachfeh- 
ler. — 1279 ist Welchcz (/. Welhcz) beste wsere ohne 
shiHi ^ ^^^ ^^^' hier nicht stehen kann, das schm, adj. 
aber den artikel verlangt, den die hss, auch richtig ge- 
währen: l. Welhcz daz beste waere. — 1291 ist nie noch 
ohne grund und gegen den gebrauch statt des noch nie 
der hss, gesetzt. — 1295 ist debeiner aus den hss. gegen 
die grammatik beibehalten, denn da Des im ibt gczeeme 
durch die parenthese Daz gienc sinem berzen ni davon 
getrennt ist, so ist an keine attraction zu denkem und es 
mufs heifsen ledoch saeb er debeinez dA und entweder Des 
in, oder, da M öfters dez fUr daz hat, Daz im ibt ge- 
zaeme. 

1316^. nicht sowohl in den hss, als in der ausgäbe 
ist das gespräch zwischen Eraclius und dem bauer von hier 
an zerrüttet, die beiden ersten zeilen gehören dem Era- 
clius und es ist entweder 1316 nach M ir sit {denn das 
ist das er sit der hs.) und dann in der folgenden zeäemit 
derselben hs, Ir erkennet zu schreiben (denn das Ir reken • 
net des herausgebers ist eine unnütze künstelei die er mehr* 
mals statt wichtigerer dinge sich hat angelegen sein Iq/sen), 
oder, da der bauer viel befser geduzt wird, mit AT 1316 
du bist und 1317 Da erkennest, von der \ZiSn seile bis 
zur 1341« gehört alles dem bauer, der glaubt, Eraclitfs 
meine mit seinem Gotweiz, friunt, du bist nibt karc {klug)i 
Da erkennest ez nibt rebte, drittehalb mark sei zu viel ge- 
fordert, und deshalb die trefflichen eigenschaßen seines 
fohlens herausstreicht. — 1320 mag fulzene, das freilich 
auch 1485 sich ebenso zeigt, ein druckfehler sein für fiil- 
zene (Jac, Grimm gr. \, 155 der 2« ausg.) füllenzähne 



2UM BRAGLIUS. 165 

(Frisch 1, 306^); denn an faulende zahne wird der hemus*- 
geber doch nicht gedacht haben? — 1328 ist mit der vdU^ 
kUrtichen änderung Desle baz er ia ^valle ein wenig ge- 
schickter ausdruck und ein ungenauer reim (: fl6zgi|llen) 
der in diesem gediehte kein sicheres beispiel hat (s. oben 
zu 970) zu wegc gebracht, lies mit tV Deste bmz Ut itz 
gevallen oder in der vorigen seile Ez enhÄt und hier mit 
M Dester {oder Diu) baz lät in iu gevallen : das geschleeki 
dm' pronomina schwankt hier durchaus zwischen dem miu- 
culinum (vol) und dem neutrum (pfert). — 1329. Breithnof, 
sinewel. sollte würklich ein adj. breithuof vorkommen^ so 
wäre immer noch sinewel ohne sinn, da das ganze pferd 
unmöglich so heifsen kamt, in M steht Breit huf sinewel: 
das ist Breite büeve sinewel, wobei niemand mit recht ein 
verbum vermifsen würde, IV macht daraus Sin houbte breit 
«ad sinbel. — 1331. Ez zeltet lützel und drsbet wol. den 
metrischen anstofs höbe andre Orthographie, aber kann es 
dem pferde zum lobe gereichen dafs es nicht (denn darauf 
läuft IStxei hinaus) im passe gehe? ich glaube es m^fs 
keffsen Ez zeltet unde drabet wol. 

iZlAff. Daz er gerne nenien wil, Oaz hiezesi im ge- 
ben, des ist ze vil. sinnlos. L Daz heiz im geben (die ge- 
forderten drittehalb mark) : des (was du geben willst,, sech- 
zig mark) ist ze vil. wenn die hss, hiezest haben, so ist 
dies aus heizest entstellt, und darin ist der imperativ nach 
hmußger weise der abschreiber verderbt. — 1382 ist den 
man zu streichen, das versmqfs verlangt Si werten, abe 
er geb6t, Den gebaren sehzic marke. — 1385 /. mit W 

Ais ez. 

1410 jf. Als er des pferdes wart gewar, Da2 er ziehen 
saeh ünt ledic gän, D6 was ez übelHche getAn, En aiUen 
QBgenanne. hier ist iibelliche mie sehr überflilfsige venm^ 
tung, als ob 'übel^ nicht ganz richtig betont wäre, was 
en fdlen heifsen soll wei/i ich nicht, aus M (und auch W 
scheint nur durch weglqfsung von vil abzuweichen) ergibt 
sieb In allen wis vil angenceme, und das ist tadellos .• uuch 
die folgende zeile hat vier hebungen. In wundert« wi« ^% 
k»me. in der nächsten zeile, Ezn was et sebcsne »och «i^hei» 
gaot, ist et gegen die hss. eingeschaltet, 9h»$ grwi m4 



166 ZUM ERAGLIUS. 

nicht sehr schicklich, ich glaube, ursprünglich hie/s es 
Ezn was schoene noch guot und schein ist ein zusatz der 
den ausdruck dem verfolge der erzählung genauer anpas- 
sen soll, — 1429 wird, wenn 1430 nur drei hebungen ha- 
ben soll, d'hflt billigen wer nie von einem zweisilbigen a^f' 
takte gehört hat, denn in den hss. wird dies ebensowenig 
stehen als dVile 2330, wo wiederum auch eine geschicktere 
kUrzung (dAht diu wile) unnöthig ist, 

1434 J^. Die bi uns wären, die jungen, jeheii Sit got 
die werlt werden lie So kam uf einen market nie AIsA ma- 
nec schoene pFert. wenn man warn schreibt, so ist. dem 
versmq/se geholfen, aber nicht der grammatik und dem 
sinne, denn der conjunctivus jehen ist unpassend, und war- 
um sollten sich die diener des kaisers wohl auf das ur- 
theil gerade der jungen berufen? offenbar mufs es heißen 
Die bi uns wArn, die mugen jehen. so wird auch wohl in 
den hss. stehen. — 1448 y. Nune weiz welch der tievel 
truoc Ze jungest einen villän. mag weiz ohne pronomen 
stehen können, was soll denn der, was W nicht einmal 
hat? soll der tievel nom, sg. sein, so ist dies nach welch 
rein unmöglich; soll es gen. pl, sein, so ist es mindestens 
gegen den Sprachgebrauch, l, Nu enweiz ich welch tievel 
truoc. 

1516 gehört zum vorhergehenden, in der folgenden 
zeüe ist Die zu streichen, — 1520 nothwendig nftmen 
m£t fr. 

1526yi Des er sich tet vermezzen Desn wart er niht 
erlftzen. 'sich eines dinges vei^mefsen machen , denn er tet 
sich vermezzen kann kaum ein englisches he did presume 
sebi (s, zu 281 l)y ist eine seltsame redensart. L hfdißlr tet. 

1536. fuorten scheint druekfehler für fuoren (^), da 
der herausgeber selbst auf 1539 verweist, wenigstens ist 
ftiorten ohne sinn; denn elliptisch, wie sprancten, wird es 
nicht verwendet, 

1585. Er was des kaisers herzen trdt. fV, hat Dem 
keis6r was er harte trat und dies kank man billigen, M 
Er was der keisers trat, wo die befserung des genügte 
(denn sein volles mq/s hätte der vers). Er was dem keiser 



ZUM fiRAGUCS. ifff 

harte trat aber nickt unwahrscheinlich wäre, des herausfe- 
bers erfindmg ist allxu zärtlich. 

IÖ96 /. Der kciser was ein jünger wirt Unt ninliche 
zÄrcn komen. das bedeutete dqfs er vorher ohne ehren war. 
btfser wird die bestimmte ehre des kaisertkums durch den 
artikel, den die hss. haben, ausgedrückt. Und ninlich ze 
den ftren komen. 

1633. EnbietenJIf und Gebiete WT ßihren auf das me^ 
irisch nothwendige, dem sinne nach angemefsenere Enbiet 
= Enbietet. 

1635/. Daz si her ze hove komen — Die wffle si le- 
ben, solz in fromen. dies ist, auch wenn man das komma 
nach leben ausstreicht, nicht mit dem rechten modus aus- 
gedrückt, aus W ergibt sich das richtige Die wü si le- 
ben sül ez in fr., und selbst die entstelbmg in M deutet 
doch auf den conJ2incth)Us. 

1709 y. Die si solden leiten, Die muosen sich bereiten, 
SA 81 beste künden, Unt sich ir underwnnden. die letste 
seile ist gegen den Zusammenhang der sätze, aber auch 
gegen die hss,, wider deren lesart Der frowen si sich on- 
derwnnden nichts einzuwenden ist. — 1716 tr^ wünneclichiu, 
wenn auch W -in hat, ein fehler. 

' 1833^. Des enist deheiniu not, Daz ich die mAze er- 
kenne Unt sunder barn nenne Alle dise zierheit Din der fro- 
wen was bereit, diese Zeilen des herausgebers, denn ganz 
so hat keine hs., sind mir unverständlich, das wahre gibt 
ff^. Ob ich die mäze erkenne, Daz ich besunder nenne. 
was snnder barn hier heifsen soll weifs ich nickt, obwohl 
ich Gott. gel. anz. 1839, 636 gelesen habe, das sunder 
bar m M ist sunderbär = besunder. — 1851/ ist bite 
und rite falsch, bite und rite nicht gegen den vers. — 
1880. Daz ir got nA gebe leit. das ohne grund hinzu ge- 
thane nd verderbt die bekannte formet zu dem wünsche dafs 
es der Jungfrau jetzt, also etwa in der hölle, übel gehen möge. 

\WAff* Diu frowe bete es selbe wän, Ir heiles tac der 
wsere komen. Doch bete siez also genomen. in der ersten 
zeile ist von den hss. unnütz abgewichen, nach M htefs 
es Diu fr. des het den selben (so wird das s. des heraus-- 
gebers wohl zu deuten sein) wän, viel b^ser, nach fF Diu fr. 



r 



168 ZUM ERACLIUS. 

het des selbe {u^etm s. so stt deuten ist) wäii, ebenso gvt als 
die neue Icsart, und beßer, wenn selben steht und man den 
selben schreibt, die dritte seile ist unerklärlich: lies Ouch 
(worauf auch die änderimg in W fährt), Aach hätte sie es 
sich g-ef allen laßen.— 191G wird freit ein dnickfehler ßir 
Ireil tein. 

löiay. Des websels mac nians ülilc erbiten. Da wirt 
selten nSch gesirilen. dies int die nutkwendige hsart. man- 
che trägt ihren ß-eimd nicht im herzen, sondern an der 
sehe (sie liebt ihn nicht von herzen), die läßt sich nicht 
sehr anflehen, man kann sie leicht erbitten den geliebten 
zu vertauschen, es kostet wenig kämpf, der Herausgeber 
schreibt mit iV gegen den sinn leider statt seilen, was er 
aus der folgenden seile hierher geralhen glaubt, dort 
schreibt er, das nie beider hss. willkOrlich bei seile schie- 
bend, Daz enwart selten guol, da doch aas }f^ sich das 
richtige Daz wart leider nie guot ergibt und selten oder 
läder in M ojfenbar ein fehler itnd die Verheerung die- 
ses fehlers ist. 

2019^. Daz wfere ein swachiu triuwe, Soldich Idsent 
berzeriuwen Undem frowen machen Durch eines wibes la- 
chen? Wir süln uns beraten baz. Ine tuon ez nihl umbc 
daz Daz ich sus verwinde, Wände ich debeine vinde, Ze 
der flweohest wsre bewant Beidia kröne unde lant. in der 
ersten seile ist Er sprach ohne noth getilgt: die stveite hat 
vier hebungen. in der «weiten fordert die rcimgewohnheit 
dieses gedichles die gewöhnliche starke form herzeriuwe, 
die fV bietet, s. oben su 970. ungenaue reime müstett 
sich in diesem gedichle ich weiß nicht von welchem jähre 
Sfter zeigen, wenn matt sie^ wie hier, gegen die eine hs. 
"'"' S^g'"t "^»e innere Wahrscheinlichkeit dulden sollte, in 
der vierten seile serslört das ßageseichen den abhängigen 
satz: Soldich machen ist fVenn ich machte, von der seclisten 
»eile an hört der sinn auf. fiä' verwinde, was hier nichts 
zu schtfffen hat, gewährt fF erwinde. in der vorletzten 
xeile hat W Ze der swachisten w. wol bew., in M scheint 
freilich zu stehen Ze der swechest wafre bewant, allein 
dies kann nicht etwa heißen 'bei welcher kröne und land 
auch nur im geringsten wohl angewendet wäre'i so wird 



Zmi ERACLfUS. 169 * 



^H swecbest nicht gebraucht und es mäste dann immer noch» 
^F wol aut ff^ hinzu kommen, ich vermute Ichu luon ez nibl 
ambe daz (nicht um die frauen su kranken) üaz jcb aus 
erwinde {von der prüfung abstehe), Wan deich {sonder^ 
ich) deheine vinde Wan (ai{/sei') ze der swecbest waere be^ 
fVranl Beidiu w. t. w. — 2030 hat sich der herausgeber 
"irch AI, wo \il fehlt, nickt abhalten laßen den pers au 
Verderben. — 2063 kommt mir Der zun unt wende wAren 
föl, wie keine ks. hat, nickt sehr mkd. vor, Junferlei u 
befser gewesen. Zun nnd wende wären fül, Zun und want 
Ziin und diu waat w. f., Ziln und die wende w. f., 
oder mit der einen ks. Der zdn der wende der was fül. »i 
der beseichang der kss. ein drackfehler, wie oftmals, ebenso 
ttie hier ist ZGSAf. die mhd. gewohnkeit im gebrauch des 
• artikels verletzt, mir ist diu haf abe unde rücke (der her- 
miugeber achreibt rucke und geht überkaupt mit dem wk- 
tettt nachlq/sig um)i diu mufs gestrichen werden oder et 
miffi heifsen und der r., wie W und oucb der r. hat, — 
S075 ist der plural gebiutet ein fehler, auch wenn er etwa 
t einer oder in beiden hss. steht; denn wer so uiHlkärlich 
tut richtigen formen (/er kss. umspringt, darf unrichtige 
tickt unverbffsert Iqßen. — 2092 wird bei Als got walde 
nnt gebbtkeinem die frage des herausgebers feklt ez, et?" 
eirffallen. 

2149/. Si ist ir iemer eine Von fleische nnt von ge- 
beine. vollständiger unsinn. l. Si ist ein girame reine; im 
Jranx. gedieht Car c'est la flors et c'est la gemme De tont 
eest stMe. 

2170^. Im habt deheiuen Iriwern kneht, Dem Iwer 
£re si so iiep. Ir müget in dicke heizen diep, Ane scfanlde 
schelten oder slän. Mac erz getuon, er sol iuch län, Sin 
dienest wenden anderswar. dies ist im eutammenhange la-. 
eherUck und fast sinnlos; aber davon tragen nicht die kss. 
dfe schuld, sondern der herausgeber, von dem die inter- 
ptmctian und der comparativus Iriwern herrührt. M hat Ir 
enb. Bo deh. getriwen cheaeht, W Ir h. deb. so gelr. chn. 
daraus ergibt sich von selbst der richtige gedanke, die 
Worte können verschieden lauten, es kann keifsen Ir en- 
babt nibl so gclriwcu knebl, tind dies ist das wahrschein- 



170 ZUM ERACLIÜS. 

HchstCy oder Ir enhabt deheinen triwen kneht ; selbst Ir en- 
habt deheinen kneht gienge an. statt der beiden folgenden 
punkte des herausgebers sind kommata zu setzen, dicke ßbr 
zediche M kann richtig sein, deutlicher ist s6 vil, wie IV 
hat^ nur dtfs sie falsch einen diep ßtr diep gibt, der mn 
des beispieles istj in ganz gewöhnlicher mhd. freiheit der 
construction, Ihr habt keinen so treuen und euch so erge^ 
benen kneeht den ihr nicht durch ungerechte besckimpfimg 
und mishandlung so weit bringen könntet dafs er euch, 
wenn es ihm möglich ist, verläfst. zu anfang der letzten 
zeile ist Und aus grundloser abneigung gegen zweisilbi- 
gen anftakt weggelafsen. aus demselben nichtigen gründe 
ist %\7% in getilgt. 

2180 y. Nu var ich nnde bringes her. Got habe iuch 
beide in siner phlege. dies sagt bei dem herausgeber Era- 
cHus, die erste zeile voreilig ohne den befehl des kaisers 
abzuwarten, die zweite hier ganz unpassend, beide zeileti 
gehören dem kaiser. auch gewährt IV Nu var enwec, 
und wenn M Nu var ich hat, so kann dies nur eine irrung 
sein, wahrscheinlich stand ursprünglich Nu var nnde bring 
si her, was der herausgeber freilich JUr falsch halten wird, 
der z. b. 2232 in D6 der tac und diu zit kam nsieh und 
ein unnützes euch einschiebt und zu 2247, Gab er des ta- 
ges swert, wo nicht einmal nöthig ist zu lesen G&b £r, 
sondern G&b er d6s l&ges swert gemeint ist, fragt fehlt 
onch ?' — 2202 ist Die befser als Des. — von 2205 bis 
2207 scheinen bei den lesarten falsche verszahlen zu stehen* 

2242^. geweiht wurden zwei krönen. Dar zno ander 
ir gewant, Sin zeptrum und sin kurzebolt, Koste silber unde 
golt JSäch Romsere rehte. /. mit W Daz koste, das reta- 
tkmm kann, wenn vor koste komma stehen soll, nicht fehlen. 

2268 ff. Diu juncfrowe wol getan Wart geleit an sin 
bette. D6 spiit er Af ir wsete Eins spils daz er künde, Des 
si vor nie begunde. so der herausgeber, und in der an- 
merkung 'ü wete (: bette), ÄF^ wette.' man unlrde an einen 
drudtfehler denken, wenn nicht bette : waete in das reim- 
register s. 121\ 122^ eingetragen wäre; auch s. 622 z. 2 
bleibt der herausgeber dabei, wie lächerlich df ir w«te 
ist lehrt die ganze stelle. Af ir wette heifst, denke ich. 



ZUM BRACLIUS. 171 

SO dafi es beim spiel auf ihren vertust gieng. in der letzten 
xeüe lesen wir des herausg. unnUtse erßnduhgßkr die lesqr* 
ten der hss., M Des si doch nie ror begunde, untadellich, W 
Ht^ sie 6 nie begunde. /. Eines in der vorhergehenden xeile. 

2324. Ir minne diu was eine« so verderbt der heraus^ 
gder das richtige reine der hss.^ was eine bedeuten soll 
sagt er nicht. 

2375. ebenso leichtsinnig wie oben waete % bette ist hier 
der falsche reim wirs : mirz gesetzt^ obwohl M mirs hat. 
fiffst der herausgeber etwa darauf dafs gr. 4, 661 von ge- 
looben mit dem gen. keine mhd. beispiele gegeben werden^ 
so ist hier eins^ wie es mir gerade ssur hand liegt^ Walth. 
74, 26 ob ir mirs geloubet, vergl. die lesarten »u Iw. 1730. 

2398^. Er rorht im daz die diebe — Im die wende 
undergraben. M hat vorcb, fF forbtet, und es bedarf nur 
eines bUckes um zu sehen dafs färbtet nothwendig ist Wid 
vorhte weder als ind. noch als conf. irgend passt. dms 
pronomen im ist unnütze und bei fürbtet schädliche zuthat 
des herausgebers. 

2434. triben M ist nicht nur ungenauer rem (: Bil- 
den), sondern ein ganz ungeschickter ausdruck und lidea 
fV UMTläfslich. 

2489. befser Der. 

2511. /. Uf dem besten tome. 

2525. nothwendig mit W £z würde, Wären nickt die 
sekUde, so würde mancher verwundet der jetzt gesund aus 
dem kämpfe reitet, der tewt der Münchener hs. und des 
h^ausgebers gibt unsinn. 

2576. S6 einer heiles ruom erwarp, 86 k6s man eines 
zageheit. zwar findet sich heil oft genug vom wqffengUlck 
-eines ritters, aber hier fordert der gegensatz beides raom 
Wid dies bestätigt die änderung in fV Als er nach beides 
lop warp, wo Als der zu lesen wäre und damit überwistbnr 
mend im folgenden verse jenes, das überhaupt nöthig ist. 

2628^. Wie sol ein wip sich bewam? Ez bat eiiiiu 
also guot. Diu an ir manne missetuot Unde ir liep aihtes 
entwert. Diu saelde diu ir ist beschert Sam einer, dia.sicb 
twinget Und nach 6ren ringet, ich bi?i unfähig dies zu 
verstehen, die hss. helfen nicht viel. M hat Div vnsaelde 



!72 ZUM BRACLIÜS. 

ist ir b., IV Div saülde div (ir ist b. denke ich), in der 
nächsten zeile M Sam div ie nach eren ranch, vier ver$e 
weglassende W Als einer div sich twinget. der einen, hs. 
Sam ahhorgeny was ganz so viel ist wie Als, und daneben 
den tmsinn der andern stehen lafsen ist eine wundersame 
kritik, lies Ez hat einiu als unguot, Diu (= daz si) an 
ir manne missetuot Unde ir liep nihtes entwert, Die saelde 
diu ir ist beschert Sam diu ie nach ^ren ranc {oder^ wenn 
die Zeilen aus W aufgenommen werden sollen. Als einiu 
diu sich twinget). 

2683 J^. Alsez dar verndmen Die herren, die ir phlA- 
gen, R6maere willen unde muot Si dühte billich nndie guot. 
aus dem reime ye)rnAmen : phldgen ist für das alter des ge* 
dichtes nichts zu folgern^ da es hier sichtlich zerrüttet ist. 
W ändert ohne erfolg, in M steht Als die daz vemamen, 
woran der herausgeber nicht weniger erfolglos geändert 
hat. willen als nominativ ist ein Schnitzer an dem die hss. 
Unschuld^ sind, denn M hat Es dauchte sei ubil vnd gftt, 
fV Ez divht sie billich v. g., beide also beginnen erst hier 
den nachsatZy und dann ist willen richtiger aceusativus. 
für das aus W gewählte billich unde guot spricht die folr 
gende zeile wenige wo es heifst Sie wagten nicht dagegen 
zu streiten, und ebenso wenig die ängstliche vorsteht der 
huter. aus M ergibt sich leicht Ez ddhtes übel und unguot. 

S772 mengt der herausgeber in sein gedieht vom Jahre 
tl56 eine späte schlechte form, den conj. prät. tete: denn 
der conf. ist nothwendig, fVarum sollte er abet das ihm 
(mich ansehen)? was weifs {genauer, wilste) er detm von 
mir? wenn die hss. tete haben, so ist damit natOrBch taete 
gemeint, statt hier die Orthographie zu berichtigen, ist Be» 
6er ganz unnütz geändert 2775 ff. 6ot durch dine gnete 
Bewar mir min gemüete Und gip mir redelichen sin, wo beide 
hss. sine haben, M gebe, und nur W in gibe umsicher 
schwankt. 

2811 J^. Wer dich s6re, deist dir guot. Ich tiete gern 
(•n:! ich wehrte mich gem$ vielleieht aber ist Ich taste zu 
streichen und blofs zu schreiben gerne), möht ich den muot 
Von im gewenden : ich enkan. der herausgeber verderbt 
das Selbstgespräch indem er sehreibt Ich taete gerne, möhtich. 



ZUM BRAGUCS. 17S 

den mnol Von im gewenden u. s. w., als gehörte tsele ge- 
wenden »usammen. s. zu 1526. von auanliarem taon mü 
dem inf. kennt Chrimm gr. 4, 94 nur zwei beupiele, vom 
denen das eine nicht streng beweisend ist, fValth. 6, 2 daz 
si ans taon bewarn, denn hier kann uns zur noth der da-- 
tieus sein, mir fallt noch Biterolf 2784 ein^ aber die. stelle 
ist mir verdächtig. 

2844y*. Im gunden arme unde bein Bibene als ein espin 
lonp. hier ist gunden überflüfsig statt des begnnden der 
bss. gesetzt. Bibene verstehe ich nicht, l. Bibenen. tf^ 
hat Pibnen. — 2854. Als im diu rehte minne riet gehört of* 
fenbqr zum vorhergehenden, es folgt Getorster des gedin- 
gen, Man baeten sehen dringen Birne Ersten kameraere* Daz 
er deste när ir wsere, alles ans machtvollkommenheit des her-' 
ausgebers, und gedingen ist unpassend genug, wer durch 
m^fmerksames lesen die abergläubische furcht vor versen 
von vier hebungen verloren hat, dem ergibt sicji aus den 
kss. ungefähr dieses Getorst er mit deheinen dingen, Man 
fa»te in sehen dringen Bi dem werdesten kameraere, Daz er 
ir-deste näher waere. 'der erste kämmerer ßtr ^der oberste^ 
ist keine mhd. redensart. 

2874. Nein sij aber si ist so guot; diese ^ümwidrige 
interpunction (statt Nein si aber, si ist sA gnot:) würde 
man für einen druckf ekler halten^ wenn nicht in ähnlicher 
Verbindung dieselbe falsche interpunction stände, 2605 f. 
Nein, aber ich, weiz got. Ich hän en ernest und en spot 
Mich vil wol unz her behuot, wo das komma nach Nein 
zu tilgen, nach got- kolon zu setzen ist, der überßäfsigen 
abweichung von den hss. in den folgenden zeilen zu ge-- 
schweigen. — 2889 ist Des naeme ich nehein guot eine 
verwerfliche änderung des überlieferten Da für naeme ich 
nebein (dehein fV) guot. das auf erster silbe betonte debein 
kennt der herausgeber nicht, wie auch andere stellen zeigen. 

2936. Wie ist iu, w6 oder wä? hier ist die schrei" 
bung w£, wenn das etwa so viel als wie sein soll, vom 
übel, weil dann das vorhergehende wie in gleicher form 
wiederholt werden müste und weil ein solches übergenaues 
festhalten einer einzelnen seltenen form in des herausgebers 
durch und dttrch willkürlichem tea?te sich lächerlich aus- 



174 ZUM ERACLIUS. 

nimmt. natärUch mufs hier das komma ganz gestrichen 
oder nach wb gesetzt werden; der sinn ist fVte ist euch 
weh, oder wo? viel/eicht ist das falsche komma ein drucke 
fehler z ich weifs nicht ob ihn dann der herausgeber zu den 
aUzulustigen oder zu den ärgerlichen versehen, rechnen 
wird von denen er in der vorrede s. xii in einer sehr hq/s- 
liehen stelle redet: aber das weifs ich dafs es nicht aUzU" 
lustig ist ein buch durchzugehen das an weit mehr stellen 
als ich anföhre den leser in zweifei läßt ob er es mit 
fehlem des setzers oder des herausgebers zu thm hat. 
doch zeigt sich seinem geschäfte der setzer dieses buches 
um sehr vieles mehr gewachsen als der herausgeber. 

2971 . Ich entbrinqe gar and biD doch kalt, so der her' 
ausgeber. M Ich verbrinne gar, fF Ich brinne, und dqfs 
beides befser ist bedarf keines beweises. die unnütze tmd 
schwächende Vermutung entbrinne ist noch zum Hherßu/s 
mit einer nicht mhd. form ausgestattet. 

3002. die mutter des Parides kann die aUe nicht wohl 
triweliche (Jf getrivleiche) empfangen, aber sehr wohl trA- 
ridiche (ff^)9 in trauer um ihres sohnes krankheii. 

3054 ff. 'Ich will gerne sterben.' Si sprach *dar welbe 

schulde?' 'S6 liep dir gotes hulde, Frouwe, dar lostet michs.' 

die beschwörende formel Sd liep u. s. w. in Parides mund 

gelegt macht die stelle sinnlos : auch ihrzt Parides später 

die Morfea. diese ist es die spricht 'dur weihe schnlde? 

(sage mir es) SA liep dir si gotes hulde.' denn das sie 

der hs. wird befser in si verwandelt, in einem verse van 

vier hebungen, als getilgt, mit Frouwe beginnt Parides 

antwort: aber auch hier hat der herausgeber nach eigenem 

gutdünken schlechtes gesetzt, während die hss. gutes biC" 

ten. sterben ist kein ort, also ist dar lustet michs doppelt 

unsinnig, einmal wegen des unpassenden dar, sodann weil 

es nicht heifsen kann mich lüstet {denn so lautet das. wort) 

es dar, sondern nur mich lüstet ez dar, mich gelastet es 

dorthin (zu gehen). fV, in der die beiden vorhergehenden 

Zeilen fehlen, gewährt * Warumbe?' 'des löstet mich (: dich), 

afi sich untadelhaft. M gibt richtig 'Frouwe, da lüstet 

michs (: dicbs)', mich gelüstet dessen, des Sterbens; und 

dq/s dft unzählliche mal antworten einleitet sollte der her" 



ZUM ERACLIUS. 173 

amgtber doch wohl wifsen. gleich darauf steht in MwJemM 
gegenrede ein neuer fehlet* gcgcn> die spräche oder gegen 
den süm, PArideis, bedenke dichs, Swaz dir anders wirret: 
hier kann es nur Waz he\fsen. und darauf, 3069, mi^ 
derum ein Sprachfehler, Des im lützel doch gezam : er kommt 
{wie 1295) a^f des herausgebers rechnung, da beide hss^ 
das richtige in haben, und an keinen drucl^ehler ist Mt^ 
denken, da sonst die anfuhrung der handschriftlichen les* 
ort keinen sinn hätte, auch 3077 Diu frowe langer enbeiU 
ist {wie ähnliches öfier) ßir die spräche dieses gedicktes ein 
fehlen die hss. ganx richtig Dia firowe nibt l&nger enbeite. — 
3080 rührt die Umstellung Alsam ir meide täten statt b meide 
alsam t&ten M aus der sonderbaren und». A^ von 3629 wider- 
legten Voraussetzung her dq/s man nicht Hssim betonen 
könne; und selbst wenn sich dies so verhielte, wäre ja den» 
noch die lesart von M unanst'öfsig. — ich habe hier, von 
3057 — 3080 die gröberen fehler einer einzigen spalte aur 
sammengestellt: was ich nicht erwähnt habe ist. nicht ta- 
deffrei; eine besonnnene kritik würde noch einiges anders 
gestalten» 

3101 ff. Din siecbtuom muoz ein ende hftn: Woldestao.. 
{so mit dem circumflex und dergleichen wiederholt sich) 
mich wizzen län, Ich swere des wol einen eit Und wizze 
des die wärheit, £zn ist debeinen wis der tdt. hier ist nicht 
viel sinn. l. Din siechtaom müese ein ende hän, Wold^st 
da mich in wizzen lAn. Ich swere wol einen eit Und weiz 
des die wärheit, Ezn ist u. s. w. 

3107^. Daz ir sd vil geMget, Und inch des iht be- 
traget, Daz ist ein gr6z unwisheit. hier ist gar kein sinn* 
in abhängigem satze kann iht wohl negativem sinn genii" 
gen, hier aber nicht; denn dajs ein daz vorangeht macht 
den sota noch nicht zu einem abhängigen, die werte Daz 
— betraget sind der regierende theil des satzes, der das 
subject bildet, so viel als iwer fragen, es versteht sich 
von selbst , dq/s es niht heifsen mqfs; aber das erriethe von 
selbst niemand dafs der herausgeber dieses sprachwidrige 
iht aus irgend einem geheimnisvollen gründe gegen beide, 
hss., die richtig nihl haben, erst eingeschwärzt hat. 

3130. Parides kann die alte Morfea wohl muoter an- 



176 ZUM BRACLIOS. 

reden, oder firowe, oder auch, wie 8164, firowe, maoter ge- 
trenni in doppelter anrede, aber schwerlich xu ihr sagen 
was der herausgeber nach M in einer zeile die kein vers^ 
nuffs hat ihr in den mund legt, Frou maoter, was wmr 
tm deste bas? entweder Frawe, was W wtglqfit^ oder 
maoter ist in M überflilfsig hinzugesetzt: L Mnotör (oder 
Frowe), waz waer mir d. baz? — 3138 ist das triawes des 
herausgebers, der auch sonst den vers ändert, an sich nicht 
unmöglich nach dem condicionalen cotg. praet,, aber ganz 
genau richtig gibt M Ich truwete dir si wol gewinnen; 
der entsprechende vers lä/st sich JÜglich mit vier kebungen 
lesen, ganz falsch aber ist das präsens M54ff. Und ob 
st bi mir waere, Daz ich si müeze ane sehen (falsch steht 
anesehen), Sone mohte mir niemer baz geschehen. /• muese 
und möfat. 

3162/. Bi ir Isege ich genier t6t Danne Aue si ich 
sterben maoz. die unmhd. Wortstellung gehört dem her^ 
geber, M hat Danne ich an sei sterben muoz, W Denne 
daz ich an sie sterben mnoz. freilich geben auch die les* 
arten der hss. nur einen armseligen sinn: aber die noth- 
wendige verbefserung liegt auf der hand, Danne idi An si 
leben mnoz. — 3184 gehört noch zur rede des Parides, 
und nicht der alten an, wenn es auch darauf heifsi Parides 
sprach ir aber zno, welcher vers lehrt dq/s in Parides das 
a nicht lang ist, des herausgebers circumflewe in diesem 
namen also überall von übel sind. — 3189. NA wis mir, 
muoter, gnaedec. die hss. haben kein mnoter; es war an 
dem Zusatz eines einzigen buchstabens genug, Nu wis mir 
genaedec. 

3209. Und sage waz daz diutet der herausgeber; die 
hss. weit mehr nach gewohnter weise Und sage dir. kann 
denn etwa sage in der hebung nicht einsilbig gebraucht 
werden? 

3217. Sol dichs iht vervähen der herausgebers aber 
der genitiv ist fehlerhaft, ivenn auch M Sol es dich hat. 
l. Sol ez dich. 

3252^. Urloup nam si seh6ne Und gie wider an ir 
gemach, Daz si dise rede sprach, die eine hs. (in der be* 
Zeichnung ist ein druckfehler) hat Als sie dise rede sprach, 



ZUM ERACUUS. 177 

tmtoMhqft^ die andere Daz si ditee gespraeh, wo statt 
Daz sich von selbst D6 darbietet, der Herausgeber Amt 
lieber zu der lesart der einen hs. den fehler der andern. 

lüSliff. Morfea kniet nahe zur kranken kaiserin, Daz 
si ez alle ilfaen. Niemen irs «Dgunde, Wan si vil wol 
künde Und gnaoc von erzenien. niemand gönnte ihr dies 
(denn weiter kann dies nichts keifsen^ da engnnde nicht so 
viel ist als niht engunde), denn sie verstand sich sehr gut 
atif heilmittd. dieses 'denn (wan) passt wie die faMstw^ 
muge. ein aufmerksamer findet von selbst was der heraus^ 
geber mit kilfe der sehr kenntlich entstellten lesart von W 
hätte setzen sollen, Nieman ir des erbunde. statt hier s6m 
m die werte zu bringen ändert er lieber, um bei dersel- 
ben spalte stehen zu bleiben, 3224 die tadellose wortstel- 
iuug der hss., 3335 die ganz richtige form gester, die 
3433 unangetastet bleibt, 

ZA30ff. Moffßa berichtet (in versen in denen der ha^ 
ausgeber zum theil unnütz klügelt, zum theil die f orderung 
des verses übersieht) dem Parides, die kaiserin Hebe ihn noch 
heftiger als er sie* Parides antwortet 'Nd hoerich wel, da 
gesffihes nie' (wo saehes erforderlich ist), darauf Morfea 
'Sweic (/. Swic) suon, vernim dia wort Diech ron irniinie 
hän erh6rt. ohne allen zweifei richtig hat W von ir munde. 
dadurch widerlegt Morfea die behauptung, sie habe die kai- 
serin nicht gesehen, die hss. haben übrigens das richtige 
Diu ich. 

3446 ff. Si hat mir gerne gesaget vil, Si fürhte man 
werdes innen, Si müeses schaden gwinnen. in M fehlt 
gerne und es ist weder für den vers nöthig noch für den 
sinn sehr tauglich, das folgende geben die hss. nicht so 
unzusammenhängend: mir scheint der indicativus furhtet 
erforderlich, dann ergibt sich — vil. Si furhtet, man 
werde es innen: S6 müeste sie schaden gewinnen. 

3480. Ich westez wol und seitiu daz Ir gneset kurzli- 
cbe wol. ein fehler statt des richtigen Ir genseset der hss. 

3518/. Ein guotenmantel hiezs ir geben. Der dannocfa 
was genuoc guot. hier ist zu viel des guten. L Einen 
mantel hiez si ir geben, auch fV Iqfst, in anderer fqfsung, 
guoten weg. 

Z. F. D. A. in. 12 



)78 ZUM BRACLIUS. 

3575. An die State, dar si gerne reit. wa$ soll kirn* 
State occasio? L sUt oder stete. 

3588y. di^ kaiserin trug purpur, der stuont ir äzer 
mftzen wol Mit eime borten nach dem site. Da het si sich 
gegürtet mite Weder ze breit noch ze smaL Mit golde be- 
slagen tiberal Was ir mantel gnuoc guot, Scbarlachea r6t 
als ein bluot. durch seine interpunction und durch impüt- 
sende änderung hat der heransgeber den sinn zerrüttet, 
nach wol gehört ein punkte nach site ist der punkt %u 
tilgen^ nach mite gebührt sich ein komma* dann hat M 
Mit golde waz beslagen al Ir mantel genuoc guot, ßreiUeh 
wohl nicht richtige aber was der heratisgeber hieraus und 
aus der lesart von W^ Mit g. b. über al Ir mantel was 
harte guot, zusammengemengt^ ist um nichts befser. lies 
smal, Mit gold^ besiegen al. Ir raänt^l genuoc gaot, ohnp 
verbum, dessen es nicht bedarf, statt hier auf das pas- 
sende aufmerksam zu sein streicht der herausgdwr lieber 
3597 I» Brän und ze rehte breit zum »eitvertrmbe die ganz 
richtige praposition, und 3603/. wo die federn des kutes in 
M he\fsen Beidia lieht unde breit, Mit golde spaehe beleit, 
in W Und mit golde wol beleit, schreibt er Unt mit golde 
spcahe beleit, weil er, wie in vielen stellen^ den richtigen 
vers in M nicht richtig betonte. 

361 9 J^. Wes wildu nü beginnen? Gestatestn dich die 
Minne Verleiten als si mangen hat, Daz wirt ein grdziu 
missetät. der accusativus cum inßnitivo rührt vom Juraus-' 
geher her. fF hat statt der letzten drei seilen Du solte 
(/• solt) dich baz versinnen, und damit genauen rehnf M 
Oestatest du daz dich div minne Verleitet, nicht bedenkK* 
eher als des herausgebers änderung und zugleich genauen 
reim herstellend wäre Gestatest du der Minnen Dich Ter-. 
leiten. — 3630. Wie toerschen ich uu gedäht hl^n. dWt 
Ow6 das M zu anfang der zeile hat ist nach W mit recht 
weggelqfsen; aber das toerlich beider hss. in toersch^, das 
dem versmqfs nicht bq/ser entspricht, ändern ist toürklwh 
thöricht. l. Wie toerlich ich gedäht hünl 

3711/ Si wante d6 ir hende Unt zefuorte ir gebende. 
der herausgeber hat dö, was in den hss. nicht steht und 
dem zusammenhange der sätze nicht recht gemäfs ist^ • aus 



ZUM BRACLIUS. 179 

9U gr^wer torgt ßtr das vergmqß eingeschoben und daiei 
Hersehen däfs wante (wendete) ohne sinm isi^ mag es in 
den hss. stehen oder von ihm erfimden sein^ L want. -?* 
8734« Der wite isl nie «6 tiune. Ich erwerme si noch hlat^. 
so mit fF^ aber der punkt nach tiare siiort das verstand^ 
nis. M hat Ich enwerme, was den vorzug .verdient. -^ 
37W A Daz erz bnehte bereit. — 3772« loh fSrhte, herre, 
ez ai din apot. die hss. haben nicht herre, sondern geselljß^ 
wie 3768, und ich vermag nicht mu errathen welche grille 
den herausgeber dagegen eingenommen hat^ zum duzen 
passt herre weit weniger. 

8794 Jf. als der diep Dem wirt die want an gebabi 
Uttde in die swelien undergrebi, S6 geschibt vil übte schade 
dft. was, an gebebt (Jf) hier bedeuten soll weifs ich nicht % 
verstehn läßt sich abe gebebt {nach ff)^ das urspriingHche 
wird daa gehebt seih. — 3812./. L Da müeze iach got^-^ vor 
(nicht von) bewarn« — 3846« natürlich stabt üf, die ersi» 
pers* ptur. ist hier anpassend. 

3851* Si tete schiere üf sän. em pieonasmus des her^ 
misgebers$ in M Jehlt schiere, ff^ hat wohl das richtige^ 
Schiere hei sie üf getan. 

3866 — ^^79« DA het der keiser F6cas — Vor der stat 
gesezzen Unz er si gewänne mit gewalt. Des maneger dar 
IB (die hs. da inne, dar inne) entgalt, der unpassende cof^\, 
der das ereignis in eine absieht verkehrt^ ist vom heräfts^ 
geber erfimden ; M hat Unz er si (/. ers) gewan, und dies 
wird das wahre sein^ fV Das ers gewnnen .liet, toenigstetis 
nicht gegen den sinn, warum es gleich darauf nicht mit 
den kss. heifsen durße Es wurden die besten von der stat 
giffengenf sondef*n uz der st. geschrieben wardyist mir ver^ 
bärgen, mit beispielen zu belegen was an sich klar ist wi^ 
derstehi mir. 

3968. /. müet »^a^^ muot. ebenso 492\. (ü^er bdre 4919 
vergl. Lachm. Nib. 1462, 2.) 

4029. Saget dr4te, wä ist der man — 7 statt wa ohm 
dmumfiex zu kLfsen^ sagt der herausgeber in der amner^ 
kung "ob weist? doch vergl. 4037' (Saget dräle wÄ er si). 
hier habe ich nur die gegenßrage zu tkun» ob weist soviel 
sein soll als wer ist,— 4034. S6 lÄt in, herre, ie genesen. 

12* 



^ 



iSO ZVM ERACLIUS. 



nicht ver* ^^M 
allen uns ^H 



das widt^rsifinige ie ge&ort dem herausgeher, der nicht 
atand dm t-ers «» fesen. — 4070. Des bat si allen 
vericben. die unmhd. Wortstellung ist gegen die Ass.; lies 
■Des liäls uns illfin verjchen. ebenso falsch ist 4883 Si 
lielea alle sich zesiagea, wo aus der hs. sich leicht Si be- 
ten sich alle zersliigen ergibt. 

4135^'. Lät si bcliaben den selben man, Sit irgot niene 
gan firen und hohes inuotes namen. bei der zweiten seile 
\Jrogt der Herausgeber imnStkig 'fehlt doch?' er halle sich 
lieber fragen sollen was die dritte seile bedeute. muuLes 
üt nichts als ein fehler in M, die (Jrozzer erea u. h. muo- 
ICB Damen hat. dafs etwas au streiche» war lehrte der 
terSf dafs mnotes getilgt werden musle hätte der sinn und 
der Vers lehren sollen, l. Griizcr fire und hohes oamea. — 
41fi6 kann es nicht heifsen üf keisers bette, da der gedanke 
kein allgemeiner ist, sondern das üf des keisers der hss. 
tÜfst sich nur in üf skeisera ändern. — 

4234. s6re missctät er an. zwei Sprachfehler in einem 
eerse. die hss. haben dar an ; /, dran. s. zu 576. aber 
ich beaweiße dq/s sie misselat haben : wenigstens matte 
der herausgebet- missetet oder missetele schreiben. 

4265. Ez dühle micbel wunder fSagicb iu bcsnnderj 
Wie der gezieret wjcre. nicht viel befser als sinnlos, lies 
Ez diubte m. wunder, Sagte ich in besunder Wie der bimel 
gezieret waere, denn bimel auszulafsen ist kein genügender 
grund vorhanden. 

4454^. Manec zeichen unde van Ze den selben stan- 
den Wart dar an gebunden, hier hätte einmal der heraus- 
geber, der so o/t das unschuldige dar streicht, recht ge- 
habt XU sweifetn. ich denke es mufs heifsen W. dö an j^ 
gebunden oder Wart an gebunden. — 4464. /. dra.'te. 

4484. Man snch da mancgen gebären Der da beime get^ 
ner wäre gewesen. Der zage triuwet nibt genesen. Swenn 
er den viant ansiht (/. an sihtj, so stellt er sich froh, aber 
es ist ihm anders zu taufe, der susammenhang lehrt dafs 
blofses gebären dem sinne nicht genügt, aber die schuld des 
unvollständigen gedankens kommt auf den heratisgeber, von 
dem manegen herrührt: M hat mannicbleicb. er hätte der 
vorhergehenden zeile durch die volle form unde au ihren 



% 



ZOM SHACUOS. 181 

vier helmngen verhelfen soUem^ und dann eekreiben Man 
sach dft manliche gebären Der (r= den der) m^e. w. fV hmt 
die eieUe erweitert, aber eo daß sie den uneriäfsHchen 
sinm tutt noch deutUeker macht. 

AW^ff. Gedenkt in iwerm muote, Darch wen irfizkae- 
met Uai daz kriuze nsemet. /• äz kämet : nAmet. 

4854/ Ergip dich, helt, daz rätich dir, So aöfatd fri- 
sten noch diu leben, die unform möhtA ist vom herausge^ 
ber$ die hs. hat nrnhte da, worin mäht du so leicht^mt er^ 
kennen war dafs es der herausgeber selbst 4877 in dem 
mohtv der hs. gefunden hat. statt sich hier zu besinnen 
ieit die 2e pers. conj. praet. hei/st, fügt er lieber ein sehr 
entbehrliches noch aus eigenen mittein hmsu und thut zu 
4858 und 4872 ein paar unnütze fragen und ändert 4871 
ein richtiges erlie in ein unrichtiges lie. — 4878. Touf 
dich, werde kristen. die hs. hat T. d. ynd w. kr. bejser 
also Toaf dich und wirt kristen. — 4888 ist listen ßlr Id^ 
sden em starker fehler. 

5000^. Er b6t deheine lougen Unt bAt gote gnftden 
sAn Als ein schuldiger nan. sinnlos, l. Und bat got genft- 
den sAn. es folgCHts pflager unz an die stunt — Daz ist 
uns Ton den buochen kont, Daz got die sinen nie veriie — Daz 
lore Ton einander gie Aber, daz selbe bnrctor Unt stnont 
olfeii als da vor. auch dies ist ziemlich verwirrt, l. Daz 
von ein ander gie Aber daz selbe b. u. s. w. 

5047 J^. Anastasius rocky Swer den hiute an leit, Ist 
daz cra eine wile treil. Mit dem tievel bevangen, Als ofto 
ist ergangen. Sä ze der selben slunt Wirt er ledic nnde 'gc- 
snnt. viel verständiger die hs. — treit Und mit de« tievel 
irtkevangen. Als ez ofte ist ergangen t/. f.«'. — 5057 »er^ 
Uäü^ werlde den artikel den ihm die hs. gibt. 

Diese bemerkungen berühren was von Störungen des 
Sinnes beim ersten lesen der ausgäbe des EracUus auffiely 
und nur gelegentlich andere irrthibner. die grammatischen 
mängel 'dieser ausgäbe^ die nachläfsige und oft sinnwidrige 
interpunctiony die verstöfse wider das versmq/s, bald mit 
den handschriften bald gegen sie^ die mq/slose willkür über- 
flüfsiger änderungen und einschaüungen und unnützer oder 
schädlicher orthographischet^ künsteleien, die unkritische 



182 ZUM EHACLIUS. 

veAnengung der lesm^ten beider kandschri/ien, die nehwrnn- 
iende unsicherheü in sickern dingen, dieses alles nM eüth- 
ger Vollständigkeit darzulegen Jehli mir die gedulde 

HAUPT. 



SPIGILGGIEN ZUR DEUTSCHEN GRABfMA. 
TIK AUS DER KELTISCHEN- 

1 

Unser deutsches hilfszeitwort sein entlehnt msk^ka- 
men bekanntlich von Yier verschiedenen woj^tämmen. las 
gothische hat nur. drei derselben, denn dio «M* formen pris. 
I 9g. ^tioi, 2 sg. bist, i pl. birutnäs, 2 pl.- birut haben im 
gothischen nichts analoges, ebenso kennt das altnordische 
nur die drei stamme des gothischen, dagegen stuunen mit 
dem althochdeutschen nicht blofs das mitteihocbdentodie und 
neuhochdeutsche, sondern auch das altsäehsisohe angelsäiiln 
sische altfriesische mittelniederdeutsche nenniederdentsche. 
mit einem worte, in den östlichsten sitzen, östlkdi 4er 
Weichsel und des Sundes, ist der eine stamm von welchen 
formen für unser. hilfszeitwort entlehnt werden nicht zu fiar 
den; er ist auf dai eigentliche Deutschland undauf :4m yoü 
da tus bevölkerte angelsächsische land beschränkt nn4 f^ieiftt 
demnach erst neuerdings, nachdem die deutseiiai jidiaipo 
westlich der Weichsel in ursprünglich keltische lattif; Vor- 
gedrungen waren, in die deutsehe spräche gekommen m 
sein, erst in folge stärkerer, längerer mischong« 

Diese Vermutung wird . zur gewissheit erhoben, wenn 
wir in betrachtung ziehen dafs diese formen in einem der 
alten dialekte auch von der seite der bedentung in anffiJr 
lendster anomalie dastehen, im angelsächsischen nämlich wird 
das einfache lateinische präsens sum es est immer nur über- 
setzt durch ebm eart is, dagegen die daneben stehende pri^ 
sensform beam bist bid hat immer eine conditionale oder 
futurische nebenbedeutung, ich sollte wohl sein, ich werde 
wohl sein, ich werde sein, ich bin wohl, die anderen dia- 
lekte können diesen unterschied nicht mehr so scharf bat» 
ten, w^l sie die doppelten formen des gothischen im und 



ZUR DBinSCHBN GRABOiATIK AUS D. KBLTI8CHKN. ICKS 

des deutschen bim nicht so vollständig neben einander zei- 
gen wie das angelsächsische com und beom; doch fiihlt sich 
selbst in ihnen noch zuweilen die bedentungsnnaiiee der von 
bim abgeleiteten formen hindurch. 

Merkwürdiger weise hat nun das gälisobe^ das sein hilft-» 
zeilwort auch aus vier stammen bildet, nicht nur die mit 
d«n infinitiv beith zusammenhängenden forni4i( in der art 
als die in ähnlicher weise vorhersehenden wie las deutsehe 
seine mit wesan zusammenhängenden formen, sondern gerade 
die oonditionalen formen des gälischen beith fallen auch gans 
mit jenem ags. beom^ alts. bium, altfr. bem, ahd. bim zu- 
sammen; nämlich der irländisch -^sche conjunctims prae- 
sentis lautet 1 Mftm me, contrahiert bhim^ 2 bhidir^ Zbkiofm, 
der g^lische conj. futuri 1 b/uom 2 bhioim tu^ ' 3 bhionn »e, 
der i^lische öonsuetudinalis df* 1 bim^ 2 bidhiP^'trbi oder 
Uqs und pL 1 bimaoid oder bidh sin (spr. bimBii^ tishim), 
% iMidh (spr. bihi)^ 3 bidhid (spr. bijid). ganz analog, 
nur in den formen dem deutschen etwas femer liegend, ver- 
hält sich das wälsche hiUszeitwort bod, welches dem gäli« 
sehen beith auch darin entspricht dafs besonders die formen 
welche etwas conditionelles andeuten sollen diesem infini«> 
tire entlehnt sind, als beispiel föhreof wil^ den conjuncti- 
TpnilffMsentis und das erste futurum an, wobei wir bemer- 
das auslautende v ein ursprüngliches m ist. -. 

coiy. praes. ,';• ^ 

sg. t byddiDtfv (spr. böduäw). 2 byddwyt (spr. böäuöt). 

3 byddyw (spr. bödöu), 
pL 1 byddym (spr. bSäöm). 2 byddych (spr. bödöet^f 

3 byddwyni (spr. böAiSni). 

fiitur, primum. 

sg. 1 byddm (spr. bödaw). 2 byddi (sps. £ö^)* 3 bydda 

(spr. böäa). ^ # 

pl. 1 byddwn (spr. bö&in). 2 byddwch (spr. böduch). 
3 byddant (üfr^ bödant). 
Es ist deutUdi, «iser bim bist birumSs birut ist mit ei- 
nigem eingreifen gewöhnlicher deutscher flexionsformen aus 
dem keltischen bim bidMr bios u. s. w. enUtanden. 




184 ZUR DBOTSCHEN GRAMMATIK AUS D. KELTISCHEN. 



Ein im deutschen aller regel trotzendes und in seiner 
anomalie unerklärtes zeitwort ist thun. auch dies aber scheint 
ein firemdling und zwar ebenfalls keltischer abstammung zu 
sein, weder Gotben noch Nordländer besitzen das wort; 
nur damit znaammenbängende Substantive, gothisch d6ds and 
diJfja^ altnordisch ddd, haben sich eingeschlichen, wie denn 
sakstantira immer leichter und eher in fremde sprachen auf- 
nähme finden als rerba. es kommt hinzu dafs sieb die ano- 
malien in den flexionen dieses wertes in den einzelnen dia- 
lekten nicht auf ein gemeinschaftliches älteres, zu gründe 
liegendes, zurückführen und wenigstens unter sich in ein- 
klang bringen lafsen, so dafs auch nach dieser seite daa 
wort als ein fremdling erscheint, den jeder dialekt, indem er 
ihn (vielleicht aus verschiedenem keltischem dialekte) auf» 
nahm, nach eigener, abweichender bequemlichkeit handhabte* 
Das wort ist aber kein anderes als das gallische dein 
thun, machen, ari)eiten, wovon einerseits dan, oder duan das 
werk, die arbeit, die that, das gedieht (dieses wort findet 
sich auch im wäbchen), dana oder danach arbeitsam, an* 
temehmend, kühn, thatkräftig; andererseits dmih kräftig, 
arbeitsam, schneH, gewandt, duad die arbeit, das machwerk, 
duadmkar arbeitsam, duaidh facinus (zunächst kam^ ja* 
strengung, dann in schlechter bedeutung unthat, übd) abge- 
leitet sind, dafs das n des Stammes vor den dentalen weicht 
ist eine den deutschen dialekten mit den keltischen in ho- 
hem grade gemeinsame erscheinung. dem gothischen dids^ 
altn. dad entspricht zumeist das gälische duaidh. 

Am nächsten entsprechen offenbar den gälischen formen 
noch die des schwäbischen dialektes, wo (in den ehemali- 
gen agris decumatibus) wohl auch eine dem fischen zu- 
nächst kommende keltische mundart, nämlich, wie es scheint, 
die gallobelgische, gesprochen ward, die Schwaben conjn- 
gieren in einigen gegenden präs. ind. sg. 1 ich tkua, i dm 
thuascht, 3 er thuat, pl. 1 mar deand, 2 ar deand, 3 sei 
deand. conj. sg. 1 ich thät, 2 du thätesckt^ 3 er ihät, 
pl. 1 mar dhätaty 2 ar dhätat, 3 sei dhätat. inf. thua. 
part. präl. thaun. H. LEO. 



185 



VERSCHRANKUNG DER ALLITERATION 
IM ANGELSÄCHSISCHEN. 

In der feierlichsten stelle des ags. gedichtes .Judith, in 
dem gebete Jadiths welches in dem zehnten gesange vor- 
kommt, ehe sie den Holofemes erschlägt, finde ich ein Ver- 
hältnis der alliteration auf welches ich bis jetzt noch in kei- 
nem anderen ags. gedichte aufinerksam geworden bin; nSm/f 
lieh die beiden durch Stabreime verirnndenen yersbälften 
enthalten zwei buchstabenreime, aber so dafs nicht jede hälfte 
ihren eigenen reim hat (wodurch sie auseinander fallen wür- 
den)^ sondern ao dafs sich beide hälften in beide reime thei- 
len und diese äich also verschränken, ich setze die stelle 
her, und gegenübec die reimbuchstaben, tun die beobachtung 
deutlicher hervorzuheben, die wohl eine weitere beachtung 
verdient. 

icpe.ßymdagodandfröfregcBst, —f—g \ —f—g 

heam alvatdan biddan ville : b — v — \b — » — 
näUse pinre me pearfendre^ 
prinisse prym ! 

Dafs diese feierliche, schwere reimconstruction nicht zu- 
fällig, sondern absichtlich ist, sieht man aus der zu ihren 
gunsten aufserordentlich von der natürlichen abweichenden 
redeconstruction. denn diese wäre ganz einfach folgende, 
frymäa god and fröfre gtBst, ic beam pe alvaldan biddan 
ville : miltse me pearfendre pinre ! prinisse prym ! gott der 
Ursprünge und tröstender geist, ich, ein kind, dich den all- 
mächtigen bitten will: sei gnädig mir der bedürfenden dei- 
ner, o der dreieinigkeit herrlichkeit ! miltse kann hier nicht 
als Substantiv genommen werden; es ist eine conjunctivi- 
sche contrahierte form (für miltsige) welche für den impe- 
rativ miltsa steht, wie das ganz ähnlich häufig bei verbis 
zweiter schwacher conjugation vorkommt.* 

H. LEO. 



m — p — I m — p — 



* [über die überschlagenden reime im Hildebrandsliede und im 
Heljand s. Lachmann über das Hildebrandsiied s. 14. Hpt.] 



im ZUR THIERSAGE. 

KLEINIGKEIT ZUR DEUTSCHEN 

THIERSAGE. 

Nachdem sich die benennnngen des hahns und huhus 
iü der inalb. glosse der lex salica erwiesen haben als die 
originale zn den in französischer Übersetzung in der thier- 
isage auftretenden namen Ckanteclins und Chanteclers^ lag 
der gedanke nahe, xnznsehen ob nicht mehrere von den al- 
ten noch unerklärten übrigen thiernamen der sage vielleicht 
geradezu keltische sein, das ergebnis des versnches ist (bl- 
gendes. Salaura ist name einer saa. gälisch bedeutet sal 
schmutz, rost, schlacke, unrath aller art und salack 
schmutzig, kothig, ear aber heifst der köpf, da nun die 
malb. glosse überall den Übergang des fischen ed in bel- 
gisches au zeigt, ist sal-aui^ Schmutzkopf, kothhanpt, und 
Salaura gewiss ein passlicher name für die sau. — ^ durfte 
man in dem namen Karchofas das auslautende s als la- 
tinisierte endung ansehen, so läge auch bei diesem namen 
die deutung nahe; denn die Galen brauchen das adjectivum 
gearr (wofür malbergisch ohne zweifei car oder kar stehen 
würde, wälsch lautet das wort cor) bei thiernameui z. b. 
ßadh das wild, der hirsch, gearr -ßäadh (eigentlich klein- 
wUdy zwergwild) der hase. da nun cabhar oder cobhar ein 
veralteter ausdrucL zu bezeichnung des pferdes ist, würde 
gearr 'chobhar (spr. garchovar) swergpferd bedeuten und 
hier also der esel zum pferde in ein Umliches Verhältnis ge- 
setzt aein, wie der hase zum hirsehe. H. LEO. 

ZUR GUDRUN. 

' S93, 4 (2374). daz volc ist übermüete : Chaudrun mag ouch 
sy verschmähe, was man hieraus gemacht hat, Rüdrun 
mac ouch si versmsehen, verstehe ich nicht, ich ver- 
mute Gudrune mägen wsene ich si wir smsehe. vergL 
006, 2. 3 (2424/.) dd er sich versau daz si nach minne 
füeren, dd het man si vil sma;he. 
863, 3. 4 (3456/.). lies ouch hete er under bribUM von 



ZUR GUDRUN. 1« 

vil gaoten siden von Abalie ein hemede* He A#« aiieh 
heile vniider der br. und von Ab. an hemede. 

1037^ I — 4 (4iA7ff,) ües Si woltens baz versaoebeD* ze 
hove hiez man gän die vil sohoenen Orlrün, ein maget 
wol getan, die solle mit ir zähten, si mit ir geaindeii^ 
eines gaoten willen die armen Gädrän überwinden. tUe 
h». hat frawen staU Ortrun. die fabche inierpunetia» 
der kerausgeber bedeckt den fehler. 

1099, t— 4 (4d97j^.)* fi^ Si sagten im ir dienest trinwe 
itnde gnot>; swie dA der recke dar «nbe Wttre gemnol 
od swen er siner manne dar wolte bringen, sf sotten 
herverten hin zOrmanie von den Hegelingen, die Ju» 
wie — > darfnn — oder wen — heerferten hin zon Hege» 
liagen. es ist vom übel da/s die Herausgeber, unge» 
warnt z. b. dttrch fFolframs Gaschier der Oriman Pars;* 
. 46, 20 neben von Normandie Gasebier Pars. 25, 14, 
die formen mit N überall durtfhseizen. denn 1626, 4 
(0508) ist die vocalisch anlautende form durch den vere 
gesichert, sd wirt dir zOrmanie ein richiu kr6ne. 

1227, 3 (4911). lies der ander heizet Ludewic von Orma- 
nie riche. die hs, v. 0. der reiche, ebenso ist 1312, 3 
(5251) XU verbqfsem in Ormanie [die] ridie. 

1434, 4 (5740). lies üf dem Wiilpensande dii lieze miaer 
beide vil verbouwen. die hs. deiner, aber Herwig mufh 
ean dem reden was Ludung ihm sugef&gty nicht eon 
dem was Ludwig ertttten hat. 

1454, 3. 4 (5819/.). Hei tS knndenz nibt verenden, im za* 
wetes harte kleiM^ st sähen ab der müre werfen ant 
manegem lassteine, die hs. in zumet es h. daine« 

1484, 4 (5940). lies wir sin her von SAwen. n4 sagt «na, 
maget, wa% säl wir in dienen? die hs* wir na dienes* 

HAUKWi^ 

ICH WEISS. 

Ih weiz her imoa 16n6t, su anfange des Ludmgstiedes 
aus der handschrift glücklich an den tt^ gebracht, istfot* 
meUuiifte redensart* ih weiz iz got worabta Otfi*. 1, 1, 80. 
ib^#lHI thie boton rietan 1, 27, 69. ich weiz er ime dA ge- 



18S ICH WEISS. 

hies genesU (ßmdgr, 2) 27, 41. ich weiz er in vervluo- 
chete 28, 42. ich weiz er ime dien Ate vil wundem gnöte 
37, 3. ich weiz er si vil minnechliche chnste 41, 32. ich 
weiz in got ane rief 45, 36. ich weiz er des gedAhte 47 ^ 36. 
ich weiz er naht ante tach sineme vater ane lach 49, 37. 
ich weiz si inie geswigten 53, 30. ich weiz mich bedühte 

53, 32. 59, 45. ich weiz si in allen gähen chouflAte sähen 

54, 31. icli weiz er in ane w&tet einen sahen guot 61,13. 
ich weiz er ime zelen began al din wort diu er Temam 
«a7oi/v«95,31. ich weiz er chunt im A^zAntichrütißmdgr.lt) 
107, 32. ich weiz sie die vrowidi douwent die si haptin 
unrehti 120, 38. ich weiz iz himel unt erde sani irg&t 
430, 21. ich weiz er sich an in richet 133, 16. ähnlich 
ist in dem Hede auf den heiligen Georg 28 dhaz weiz ih 
daz ist alewür, fif erstuont sih GeorjA sär (: dhftr) tmd in 
dem Hede von der Samariterin 2 ze untame, wizznn thaz, 
er zeinen brunnon kisaz. in der eigentlich mhä^ %eit ist 
das adverbiale und formelhafte ich weiz mu^ser gthrauch 
gekommen. HAUPT. 

KURZIBOLD. 

In Christian Weises absurda comica (aufgeführt in Zit- 
Uu am 12n februar 1682) heifst es 3, 10 s. 325 Ich Un 
— Stärcker als der Schweppermann, Muthiger als der 
Curtxipoltx^ Darum hin ich auch so stoltz. Schwepper- 
mann ist durch das zum Sprichwort gewordene Jedem ein 
ei, dem tapfem Schweppermann aswei noch heute unter dem 
Volke wenigstens dem namen nach bekannt, von Riirzibold 
kann Weise in Goldasts Eckehard (Pertz 2, 104) gelesen 
haben: denn bei dem fortsetzer des Regino zum j. 948 
steht blofs Conradus, qui Curcipoldus dzcebatur, ßüus Eb^ 
h0rdi, vir sapiens et prudens, obiit^ ohne erwäl u K ltty seines 
kühnen mutes. aber er pflegt sonst in seinen tnstspielen 
nicht gerade gelehrsamkeit dieser art zur schau zu tnigtn, 
und er muste bei seinen zuhörern Verständnis voraussetzen, 
daher kann ich mich der Vermutung nicht erwehren dafs aus 
den untergegangenen liedern, die im lln jh. Eckehard kannte^ 
noch im 17n der name Kurzibold sprichwörtlich dauerte. 

HAUPT. 



im 



CHAUCI. 

In dem namen der Chauci schwankt die aspiration zwir 
sehen der ersten and der zweiten silbe^ doeh. scheint CAonct 
befser bezeugt als Cauchf, bei Tacitus ist in den annalen 
alle sieben mal Chauci überliefert, in den historien hat die 
handschrift das eine mal» 4, 79, Cauckis, das andere^ 5, 19* 
Chaucorum, in der Germania 35 gibt Pontanns abschrift 
i^VitTSiCaucorumy darauf Chauci^ im folgenden capitel scheint 
sie wieder Caucorum zn haben, wenn Ptolemaens wie Cas- 
sins Dio und andere Kavxoi schreibt, so scheint mir darauf 
wenig zu bauen, er schreibt zwar richtig XmxM, Xai^ov^ 
aixol, aber daneben, worauf Zeufs s. 139 mit recht aufmerk- 
sam macht, XcifJiavoij Kaaovn^oL und gerade bei Kavxm 
läfst sich Verschiebung der aspiration leicht begreifen, da 
Xwnt keine griechische lautverbindung ist, zu der umgekebi^ 
len Stellung der consonanten aber xavxaa&ai leiten mochte, 
bei Lucanus und Claudianus steht Caucus Cmtcü CaucM 
dreisilbig mit langem u: aber dies ist sicher gegen die ur- 
sprüngliche ausspräche, und dafs die aspiration ganz fehlt 
hat deshalb kein grofses gewicht w«l das Latein aspirielrtes 
c im anlaute nicht kennt, vom inlaute ist es niehi tJttBg 
ausgeschlofsen, so dafs die Schreibart Cauci eher gegm Cmh 
cht als gegen Chauci stimmt, die Kavxoi die Ptolemaens nn« 
ter den hibernischen Völkern aufzählt lafse ich aus dem- spiele. 
Die von Zeufs versuchte ableitung des namens will mir 
nicht, zusagen, er stellt die Chauci und die XaovkMOi Ka,* 
Xovxmpsg Chabilei und die Xavßoi Caviones Avimm etymo- 
logisch zusammen und leitet diese namen von hiuan in der 
unbezeugten bedeutung Kämpfen, mir ist eine andere weisi» 
den namen der Chauken zu deuten in den sinn gekommen: 
ich thejli'.iie, wie sich von selbst versteht, nur als einen 
eiafldil mit. Plinius erzählt 16, 1 sunt vero in septentrione 
viiä» »obig Chaucomm (gentes), qui maiores minoresfue 
appellat^r. vasto ibi meatu bis dierum noctiumque inter^ 
vallis effusus in immensum agitur Oceanus, aetemam ope- 
riens verum naturae controversiam^ dubiumque terrae sit ah 
parte in maris. illic misera gens tumulos obtinet altos aut 
tribunalia structa manibus ad eocperhnenta altissimi aestus. 



190 GHADGI. 

casis ita imposttis, namgantibus similes cum integant aquav 
drcumdata, naufragis vero cum recesserint. wie wenn das 
Tolk ton den hügeln auf denen es wohnte den namen hätte? 
hmtgr ist altn. eoUis, tnmnlas. ahd. kommt das wort nicht 
vor, wenigstens kann ich es bei GralF nicht finden; aber 
mhd. ist houe vorhanden und unser nhd. hügel^ wenn ea nicht 
ans kBbel enstanden ist, wird zu derselben wnrzel gehören. 

HAUPT. 

EXPERIMENTUM IN DUBIIS. 

Experimentum in dubiis. in equinoctio martii in prima partes 
noctis hoc oportet fieri cum psalmis et oradonibus. primum in« 
qnire nbi tn argiliam invenias. cum exire volueris de domo vel 
de ecdesia ubi eris, incipe Pater noster. deinde Credo in 
deum« in via vij psalmos die. si forte alicui obviaveris, nun« 
quam ei respondeas. quando venies ad argitlam, pones talun 
dextrum soifer illam et dices contra orientem 'Syoa% contra 
meridiem 'Sjros', contra septentrionem *Syos\ ad orientem 
itenun 'via eterna, innumerabilis potentia, vera rerum presen- 
tia^ supplex posco tuam clementiam, ut cuiuscunque rei fidem 
hui^ lerre mandavero, &lsitatis excedat dubietas veritatis re* 
tafdfll* ttventus/ tunc accipe artaum**, cum mannbrio albo et 
iaeide temm circa talum : remoto pede fode, ut tibi sufficiati 
cum acceperis, die 'te deum laudamus.' postea ^gloria in exeel* 
sis deo/ hie finitis recede. cum necesse fuerit experimenlum 
beere, accipe duas cedulas. in una scribes Est, in altera Non 
est, et iaclude quamque per se in parvo pastillo illios terre« 
deinde aedpias cifum plenum aqua benedicU et pones inter 
illos pastilloe dicens 'in nomine patris et filii et spiritns saneti, 
amen' et die quisque vult 'gloria, deus qui corda/ cum autem 
pones pastillos in aqua, dices baue adiurationem, 'adiuro vos 
breves interreatos per nomen Eloy et seniorem Moyaii ut hii- 
ius re (/• rei) mihi veritatem ostendatis.' et nota beae ejliM 
cednle terra primo tibi venerit: illa enim tuam duhfl 
certUcabit« 

Aus einer in Frankreich im 13ii oder \An jh. geiohriete^ 
nen Er/urter handsehrf/t. 

* retardet, zttrüd^Mhe, 
** miiftereken, s. Du Fretne untet^ artaimf. - HAUPT. 




I 



ALTE BÜCniLVNDLERANZEIGE. \ 

Adelung (1, 162 jf.> find genauer Wüken (s. 406) 
haben von der ersten seite der in den vie.rsiger jähren dfs 
\^n Jh. geschriebenen Heidelberger ks. 314 ein verseieknis ,< 

pon deutschen biichern mitgetheiU die zn Hageoow py Dy- 
pold läber schreylier lerer die kinder {ein beitpiel au gr. 
4, 755. 963) ste haben waren, abschrf/i eines Hhnliehm 
veraeieknisses, von dem stimblatte einer gleichseitigen Ber- 
liner hs. welche die legende der heilige» drei kSnige ent- 
hält, habe ich vor jähren durch die gute de» hcrrn custos 
dr Gottlieb Friedlaender erhalten, indem ioh dieses vetr 
seichnis hier abdrucken l^j'se ,pige ich sur beguemlichkfit 
zaJilen hinsu. 

Item, welcher HauHe biiuher inun gerne hat, gros oder j 

kleio, geisliich oder welUiuh, hübsch geniolt, die Gndet man ' 

alle bei Dicbell Louber schrlber in der hurpe zu Hagein»«. 

1 Itcm das grosse buch (^euaiiut Geslu Itomaii. ii. Hgel 

was zu Jtom geschehen et«. I 

2 — Vila christi. 

3 — die XXIV alten gcmolt. 

4 — e. gereymte bibel. t 

5 — d. Kitler H. Wigalois. ■• 

6 — WolF Dietrith gemoU. i 

7 — d. ganze Passional leben, winterleil u. sumincrleil. 

2 bücher. 

8 — Episteln u. Evangelien durch das Jar. 

9 — Wilhelm v. Orliens gemolt, 

10 — Her Ivan u. Her Gobbin u. kunig Artus genioll. • 

11 — der H. dry Kunige bucb gemolt. 

1^ — Parcifal gemolt. ^ 

M — suben meysler Bucber gemoll- 

14 — Belliai gemolt. 

15 — d. wilfarn ritler. ' 

16 — d. grosse Troye gemolt. 

17 — d. bymmclstrasse j^enannl d. welsche pasl- 

18 — d. zehen gebot mit glosseii- 



l 



trtzo 



IW ALTE BUCRHANDLERANZEIGE. 

19 Item Von einem getruweu rilter der siu eigen liertze 

gab Dmb einer sclinnen frowen willen. 

20 — yflopus gemolt. 

21 — gate bewehrte artznien bncher. 

22 — Frigetlang. 

23 — pfaffe amyh u. sust deine bette biirhei 

24 — d. Rosencrantz. 

25 — d. Ritter unter dem znber. 

26 — gemolte lofsbiicher. 

27 — d. seien trost. 

28 — Von dem ritler Sant Alexiiis. 

29 — Sant Anscheluis Frow. 

30 — d. knnig von Frankrich. , 

31 — t. Keiserlich relitbuch. 

32 — Tristram. 

33 — V. Sant Gregorius dem sunder. 

34 — moroir gemoll. 

35 — ein saller latiu u. tiitsch u. sust andere. 

yon diesem büchem sind in dei- Heidelbi'.rgev hs. die Jol~ 
gaiden verzeichnet, 1. 12. 34. 9. 13. 14 fitem der acker- 
mann vnd belyal gemalt). 7. 11.3. 32. IC. 5. 

Der witfarn ritter (15) ist vielleicht die reisebeschrei- 
bung Johanns von Mandeville. — den titel diu himel- 
sträze, genant der welsche gast (17) hat aus einem bücher- 
verMeichnisse Diebold Loubers, ick weifi nicht ob ans dem- 
selben, bereits fVh. Grimm aitgeßihrt, Gott. gel. anz. 1835 
s. -419. ich bemei'ke hier gelegcftllich dajs unter den bü- 
chem die im j. 1436 sich in der Ordensburg su Königsberg 
unter aufsieht des ordensmarschalls befanden auch der 
wäUche gast war . s. Voigt, Johann i^on der Pusilie s. 18. — 
die gesekickte von dem treuen ritter der sein eigen kers 
einer schiinen Jrauen willen (19) ist vielleicht das 
berzmiere (von der minnen in Mullers Sammlung hinter dem 
Parsival s. 208^.) — auch der sßlen tröst (29) war unter 
den bückern der Königsberger ordensbvrg. 




IIAUPT.^^ 

mm 




DIE SAGE VON DEN NIBELUNGEN WIE 
SIE IN DER KLAGE EKSCHEINT, 

NEBST DEN ABWEICHUNGEN DER NIBELIINGE 
NOTH UND DES ßlTEROLF. 



(VERGL. lACHMANN ZUR KI,\Gi; S 291.1 



DES HOP zu WORMS. KRIEMHiLD IST MIT SIEGFRIED 
VKHISJILT. der streit der KÖNIGESNEN. SIEGFRIEDS 
ERMORIIUNG. 



^^H Der burguiidische küaig Daiicrat (13) tiatte mit seiaer 

^H[ gemahlin Ute (t4) drei söfane, Günther Gernot un<l Gisel- 
^^H her, und eine toi:iilcr, Krienihild. die drei konige bebersch- 
^^^Ljcu die weiten ererbten lande (13) und besal'sen alles in 
^^^^plle was reichen küoigen zukommt (15 f.). Günther war 
^^V mit Britnhild vermühlt und erzeugte mit ihr einen soha 
^B (1736. 1822. 18S5. 1997. 2001. 2038 und sonst), dessen na- 
^^P me nicht genannt wird. Gernol war wal gewahsen an 
grcese und an lenge (964 f.), so dafs, als man die todten 
nach dem kämpfe aus dem saal trägt, für ihn die tfaür zu 
eng ist (965). auch Gisciher der junge, dessen milte ge- 
rühmt wird (897 f. daz galt git nu nieman sam du lirte), 
.war von kräftiger gestalt; denn als man seine leiche auf- 
hob, wäf sie den hebenden zu schwer und fiel in das blut 
zurück (917f.). das beiwort der vngehiiire (776) mag sicli 
blofs auf den kämpf beziehen, die könige herschen zu Wurms 
am Rhein, ihre unterthanen belfsen Bnrgunden, einmal wer- 
|en sie die stolzen Rheinfranken (152 vergl. ßil. 9729 und 
l^ranken Bit. 5965. 9310. 9733. 12123) gcnanut und einmal 
heifsl Giselher der vogt der Nibeluuge (771). der name 
A'i'ÄeÄwg-e kommt aufscrdcm nur noch einmal (1713) vor und 
wird dort den früheren besitzern oder hütern des schalzes 
beigelegt, von den beiden am hofe zu Worms begegnen uns 
I folgende. 

Z. F. D. A. III. '3 



•1 



194 DIE NllthLllNOESACE IN DEH KLAGE. 

1. Hageiic voD Trongc (545.710. 1938), <lei- überh/h-r 
(115. 579)i [■■>> kämpren UDcrsältliche (1760)], Günthers 
mann (1950). auf Uageus frühern aufenlhalt bei lien Hen- 
nen (vergl. N. N. 1 120. 1 141 , 4. 1359, 4. 1464, 3. 1 597, 3. 
Ifli)3 _ 95. 1734 — 36) wird nicht aogespielt; auch dar» ir 
mit den küiiigen verwandt sei weifs das gedictil nicht (N. 
N. 841, 1. 1073,3. Bit. 2763). 

2. Dankwarl, marschall (719), Hagens bruder (708. C53) 
nnd wie <^r den Burgunden nnlerthan (ll83r.): der dichrt^r 
des Bit. kcniil ihn ntchl. 

3. Volker von Alzey (681. 1911), der spielmann (696. 
905. der spiehr videhere 207 wie N. N. 1697, 2, dervitl. 
699), der ans freiem gesclilcchte slamml (697 vergl. N. K. 
1417) nnd nach 679 f. das land am Rhein mit Gunlher 
besitzt; nach tl83f. jedoch sind die Bui^undcii seine her- 
ren; ancli er ist dem Bit. fremd. 

A. Sindolt, der schenke (1870; im Bit. 10357. 11902 
Irnchscfs). 

5. Kumolt, der uicht in Worms, sondern dii heima in 
tinem leiide wohnt (2007), doch Günther unlergcben ist 
(2008), nnd dessen treue gegen diesen weit bekannt war 
(2009 f.). dafs er Je ein amt am bnrgundischen hofe ver- 
waltet habe (in N. N. und im Bit. ist er küebenmcisler) 
erfuhren wir nicht. — Hniinlt, in der N. N. käninierer. 
im Bit. schenke, wird nicht genannt: ebenso wenig Ortwin 
nud die beiden markgrafeii Gere nnd Eekewart. 

Kriemhild diu edelt tuid diu milde (35), die von Dietrich 
nOr.b als leiuhe ihrer Schönheit wegen bewundert wird (388: 
über ihr aller in der N. N, vergl. Wh. Grimms heldensage 
s. 64, in der klage linden sich jene Zeitbestimmungen nicht), 
und von der nie jemand mit recht übel reden konnte (76f.). 
war mit Siegfried, dem sühne Siegmnnds (60) und der Sic- 
gelinde (62j Vermählt. Sirgfried war so stark dal's er wohl 
alle länder hätte unterwerfen kouncu (:i3 — 55), vergl. N. 
IV. 22, 3. 102, 4. 1671, 3); von seinen jugendlhaten hören 
wir nichts, ebenso wenig vun seinem aufenlhalt bei Etzel 
(N. N. 1097, 3. Bit. 9471—9495), von dem beistand den 
er Günther zur erringung der Brüuhilil geleistet hal oder 
von neinem frithern verhällnrs zu Brüriliild, das, von si) un- 



DIB NIBELUNGESAGE IN DER KLAGE. 195 

gemeiDer bedeutung es für das verstäadiiis der sage ist, von 
den deutscheo diubtern bekanntlich stets nur leise und ua- 
fiicher berührt wird, auch Sieg^frieds und Kriembildens söhn 
fehlt hier, und von ihm hat der dichter ohne zweifel nie ge> 
hört, denn er würde sich diese Gelegenheit zu neuen kla- 
gen nach dem tode der muller und der olieime nicht haben 
entgehen lafseu. woher SiegrHed stammt, wo Siegmund 
herscbt, errahren wir ebenfalls nicht. Siegfried wird von 
Hagen getödtet (1707. 1888. 2014). die veranlafsung zu 
seiner ermordung war ein worlsLreit, in den Krieniliild udd 
Briinhild ihorichter weise (in fr tumpkeit) geralhcn waren 
(1986 — 88. 2023—25) ; KriembiM hat ihn begonnen C198fif.). 
in welcher weise dieser streit die Ursache zu Siegfrieds eiv 
morduug geworden ist, was sieh In der Zwischenzeit znge> 
tragen hat, wird nicht erzählt; doch gesteht Bniuhild dafs 
sie schuld an dem morde hat, 1982 dö gedähte si dar an * 
tto/ sis erholte, das feil das si nu dolie, und 1989 daz 
Jröude ir (Kricmh.) wart önnome/i, das ist mir nu her heim 
kamen, aul'ser Briinhild und Hageu, dem vdlant der es at' 
tes riet (625 f.), ist es nur noch von Günther entschieden 
dafs er an dem verbrechen theil gehabt, an drei stellen 
zwar wird nur Hagen schuldig genannt (114 — 119 und 13t. 
Ki4f. 2013) und 954 heifst es ausdrücklieb ex h(ete wol 

'.gesckeiden Crimhilt Hagen von in drin, niwan u. s. w. ; 
doch da Gunlher aufserdem stets mit als schuldig aufgeführt 
*drd (z. b. 52. 247 jd riet er das ersterben Sijrit muase, 

'fr ärst^- man), da Kriemhild ihn hafst (246f. 605) und ihm, 
Üs er nach dem kämpfe gefangen ihr übergeben wird, das 
leben nicht schenkt, so folgt wohl dafs au Jenen stellen Ha- 
bens schold nur besonders hervorgehoben wird weil er den 

^mord ansgeßihrt hat (1707. 1888), den jene beiden nur be- 
schlofsen. die N. N. sagt nicht dafs Kriemhild nur ihn habe 
tÖdten wollen. Gernot heifst 246 und 961 schuldig; sonst 
wird er unter den schuldigen nicht genauut, 1705 ausdrück- 
lich für unschuldig erklärt. Giselher bat in keiner weise, 
weder mit rathe noch mit bänden an dem verbrechen theil 
gehabt (240 f. 1705). 

Siegfried ist gestorben von siner Qbm'maot (20), was 
wohl nur edel wegen seines allzu stolzen sinaes heifsen 
13* 



I 



iJ 



196 DIB NIBELUNGESAGE IN DER KLAGE. 

kann; denn 2021 f. hören wir dafs Siegfried Hagen niehlfi 
KU leide getban hat nnd dafs er ohne grund ermordet wor- 
den ist, der dichter scheint durch diesen ausdruck andeu- 
ten zu wollen dafs Siegfried den tod hätte Toraussehn und 
vermeiden können, wenn er nicht zu edler gesinnung gewe- 
sen wäre um argwöhn gegen seine freunde und verwandte 
zu hegen, doch hat schon der iiberarbeiter an der stelle 
anstofs genommen und sie geändert (s. anmerk. s. 292)* 

Aber nicht blofs der gemahl wird Kriemhilden getödtet, 
Hagen beraubt sie auch des Schatzes m grdxen untriuwen 
(2014f.); auch dieser raub scheint 96 — 99 und 1713 — 17 
mehreren zugeschrieben zu werden (vei^l. § 7). bei dem 
schätze selbst wird nur vom golde (96. 1713), nicht von 
den steinen, der tamkappe und Wünschelrute der N. N. 
gesprochen (vergl. heldens s. 76 — 78). anfserdem verletzt 
Hagen die königin zu aller zeit durch viele onverschuidete 
Schmähungen (2018 f.)* so sinnt Kriemhild schon daheim auf 
räche (2015 ick sack e» an ir riuwen, swie six an getrüe' 
ge, daz man si drumbe slüege^ swenne ex och gesckteke). 

Ute hat eine abtei zu Lorse gegründet (vergl. heldens. 
s. 114) und bringt dort ihr alter mit andachtsübungen za 
(1839—42). der Biterolf kennt Ute nicht. 

Nur der übersrchllichkeit wegen schliefse ich hier noch 
den bischof Pilgerin von Pafsau an, einen reichen und weit« 
berühmten mann (1646 f.), den bruder der königin Ute 
(1649. 1653. 1699. 1712; stirbt 991, vergl. heldens. s. 71. 
109). die alte bürg Pafsau (1645) liegt auf dem wege von 
Bechlaren nach Baiern (1643) zwischen der Donau nnd dem 
Inn (1644). im Biterolf kommt auch Pilgerin nicht vor. 

Dies wenige ist alles was das gedieht aus dem ersten 
theile der sage enthält, und hiervon wird Pilgerin bekannt- 
lich erst im zweiten theile der N. N. erwähnt, Volker tritt 
hier erst selbständig hervor, dafs die alte liedersammlung 
durch den ausfall so vieler einzelheiten welche das Ver- 
ständnis der sage, wie wir sie in der N. N. besitzen, er- 
schweren, vorzüglich des dunkeln früheren Verhältnisses 
Siegfrieds zu Brünhilden, durchsichtiger gewesen sei und in 
ästhetischer hinsieht somit vermöge der schärfer hervortre- 
tenden einheit gewissermafsen höher gestanden habe, kann 



ms NIBELUN6BSAGE IN DER KLAGE. m 

man Gerrinns (1 , 359) zogeben ; doch der veriast, den die 
Sagengeschichte dadurch erlitten hat, ist sehr grofs. wenn 
Genrini» ebenda jedoch die alte liedersammlung firfiher als 
die eittfahrang der vollständigen Siegfriedssage stellt, so weib 
ich sieht wodurch er diese ansieht stutzen will; die vier a«- 
gelpunkte dieser Verbindung, Kriemhildens ehe mit Siegfried, 
der streit der königinnen, Siegfrieds ermordung in folge die- 
ses Streites, und Kriemhildens zom hierüber ahi die qnelle 
des spätem untei^anges der Burgunden, liegen bereits voll- 
ständig vor, und daraus dars die alten lieder nicht mehr von 
einzeUieiten enthielten folgt doch nichts als däfs ihre ver- 
Mser nicht mehr zu geben wüsten oder für ihren zweck zu 
geben für nöthig hielten, höchstens dafs in der heimat des 
Sammlers keine in bezug auf die Siegfriedssage ausCähi& 
dieren lieder vorhanden waren. 



ETZBL, SEUMfi VERMÄHLUNG MIT KRIEMHILDEN, SEIN 

HOF UND SEINE HELDEN. 

Etzel, Botelungs söhn (29. 443. 619. 1208), der rei* 
che, hehre <23ff. 88. 186. 231. 253. 995. 999. 1011 n. s.w.), 
dessen gleichen es unter Christen und beiden nie gab (26 f., 
vciigl. N. N. 1184, 2. 3. und 1278 — 80. 1282 — 87), war 
könig der Heunen und herschte über zwölf könige (25, vergl. 
N. N. 1175,2. 1331,3. 1852,3; doch Bit. 328 über drei- 
sehn; N. N. 1282 sind vier und zwanzig fursten sein In- 
gesinde), viele die von seiner macht gehört hatten ritten zu 
ihn in 'das land (27 f. vergl. Bit. 338), und er wird von 
fremden Völkern so gefurchtet dafs man seine boten, als sie 
dorbh Baiem nach Burgund ziehen, nicht nur nicht verietzt 
{dag mutost man durch ir herrem Idn), sondern sie beschenkt 
(1743 --45, vergl. N. N. 1434 und Bit. 4784 ff.), von ge- 
hurt heÜe war er fünf jähre christ gewesen (498), darauf 
jedoch von seinen götzen (Machmet und Machaz^n 483, 
vergl. anmerk. s. 290 u. 302) wieder zum abfall vom chri- 
stenthum bewegt worden (491 f. 494 f.). * nach dem tode 

• W. Grimm (heldens. 114) vermutet ohne zweifei mit recht dah 
der dichter dies aar aBfdhrt um die ehe Kriemhildens mit einem hei- 



198 DIB NIBELUNGESAGE IN DEH KLAGE. 

seiner tugendlichen gemahlin Helcbe (31 — 34 vergl. Bit. 
334 ff.) rathen ihm seine verwandten (vergl. N. N. 1083, 3) 
zu Kriemhild (35). Kriemhild sitzt bei den Hennen gewal- 
tig wie einst Helche, alles gesind im heunischen reiche, 
mehr firauen als in der heimat und viele Streiter sind ihr 
unterthan (42 — 46), zehn oder mehr gekrönte könige sieht 
sie zu jeder hand (58 f., vei^l. 12 könige oben), allein sie 
bleibt die eilende und weder das ansehn noch die macht lin- 
dem ihren schmerz um Siegfried (37 — 41. 47 f. 60). wäre 
sie ein mann gewesen, sie hatte wohl mit eignen bänden das 
grofse unrecht das ihr geschehen war gerächt (64— 66); so 
beherscht sie ihren zom und bereitet schweigend die räche 
vor (49 — 51). sie gebiert Etzel einen söhn (261. 431. 
1903* 1925), Ortlieb genannt (432). 

Von dem leben und den sitten der Hennen erfahren wir 
nichts ; sie sind beiden . und unterscheiden sich durch die 
kleidnng von den Burgunden, denn Elzels boten werden in 
Worms an den kleidern erkannt (1764 f.). einzeln treten 
folgende helden hervor. 

1. Blödelin, Botelungs söhn (1170) und Etzels bruder 
(444. 465. 1.892), von dessen mannen im kämpfe 3000 der 
höchsten und besten &llen (166 f., in den N. N. 1286, 2 
fuhrt er beim empfange Kriemhildens 3000 mann mit sich). 
Bit. 13057 ist er fürst von Walachen. 

2. Dietrich von Bern und die Amelunge. 

Von Dietrichs von Bern (1055. 1949. 2133) jugendtha- 
ten schweigt das gedieht, er ist aus seiner heimat Bern 
vertrieben (871 mb^ langez eilende hat vaste sieh gemiret. 
der tack st geynirei das ich ie schiet von Berns ^ %\i ich 
soll vil anveririben sin von kiingen immer mire, ob lebt 
der degen häre [Rüedeg4r'\, 523—26. 693. 1018. 2064) 
und sucht sie wieder zu gewinnen (die eben angeführten 
stellen 911. 525. 2064). wie er Etzel gedient hat wird 
nicht erzählt, es begegnen uns nur die allgemeinen äuCse* 

den zu entschaldijpen. von dem relijpiösen bedenken mit welchem Rriem* 
liild in d. N. N. (1188. i;^0O ansteht sich mit Etzel zu vermählen 
erfahren wir hier daher nichts, die auf das christentham bezU{;lichen 
steilen sieh in n« 8. der überarheiter der N. N. hat dieae äademog 
auch in ale aofc;eaommen. im Bit. ist Etzel stets beide. 



DIE NlßfiLUNGESAGE IN DER KLAGE, 199 

mögen, 1060 dem er dd diente manegeti iao (Hildebraiid 
dem Etzel), der dient im nu von schaden, er het nach si- 
nen hulden.vil dicke harte wol geriten; und etwas bestimm- 
ter spricht Dietrich bei Wolfharts leiche 864 Etzel der iü-^ 
nek hire hat manegen sie von dir genomen (vergl. 164 f. 
und 737 f.)* auch von dem heereszage, den Dietrich von 
Etacel unterstützt zur Wiedergewinnung seiner Vaterstadt an- 
. lemimmt, wird nicht ausführlich genug gehandelt, und wir 
würden diese für die geschichte der sage wichtigen verse 
(987 — 1012) gar nicht verstehen, wenn nicht eine stelle 
der Yilkinasaga (c. 293—316) sie aufklärte (ver^. Rabett- 
iwhlacht und heldeus. s. 121 f.). aus dieser erfahren wir: 
Etzel hat, auf bitten seiner gemahlin Erka, dem Thidrek 
ein grofses beer gerüstet, mit dem dieser die Vaterstadt wie- 
der zu erobern zieht; diesen zug berührt Dietrich in un- 
serm gedieht mit den worlen dö ich den viänden min muose 
rämenminiu lant (993 f.)* nach der Yilkinasaga siegtDietrichf 
nach OBserm gedichte wird er besiegt, und dies ist als rich- 
tiger anzunehmen, da nur hierdurch- begreiflich wird wes- 
halb er zu den Heunen zurückgekehrt ist« ferner erzählt 
die Yilkinasaga dafs Etzels beide söhne, die Dietrich auf 
seinem zuge begleiteten, gefallen sind ; dies scheint Pietnch 
zu berühren, wenn er von Etzels haTs spricht (995-^997), 
wenn er die Heunen seine feinde nennt (998) und sich freut 
dafs Etzel seine grofse schuld vergefsen habe (1001 L). in 
dieser noth steht ihm Rudiger der treue bei (994 f.). Bä- 
diger gelobt, Etzel solle ihn selbst eher hängen als Dietrich 
gefinagen nehmen (999) \ auf diese büfgaehaft bin kehrt Dietrieh 
ins Heunenland zurück (99S) ; hier wijrA «r von Rüdiger ge^ 
heim gehalten (1003—5), bis dieser Helche von Dietrichs 
läge unterrichtet (1005—7) und mit ihr vereint Dietrich und 
Etzel wieder versöhnt (1001. 1007 — 1012). dieser kämpf 
bat zwölf jähre vor dem untergange der Burgunden statt ge- 
habt (988 ; wenigstens scheint Dietrich ihn im sinne zu ha- 
ben wenn er hier vor zwölf jähren gestorben zu sein wünscht, 
da er gleich darauf ausführlicli von dem kämpfe spricht), 
auch Kriemhild hat sich liebreich gegen Dietrich erwiesen 
(393 f.). von Dietrichs kriegern, welche die Berner (904, 



200 DIB NIBELUNGBSAGE CV DER KLAGE. 

1930) und die von Amelunge lant (1586* 1934) heifsen, 
werden aufgeführt 

a) EGldebrand, der greise (2102 und oft der alte), kühne 
(162>, meister (507. 550. 1943. 1968 und oft). 

b) Wolfhart, Hildebrands schwestersohn (879), der volk-^ 
degen (831), mit röthlichem harte (835) ; seiner treue und 
tapferkeit wegen gerühmt (857 — 65). 

c) Wolfbrand (731—42), Dietrichs mann (730), tapfer 

(737 f.). 

d) WoUwin, Hildehrands neffe (765), der sehn des küh- 
nen Nere (766), Dietrichs burggraf (765),* dessen leiche 
später an dem glänze des helmes erkannt wird (761). 

e) Siegstab, herzog von Bern (744), der reiche (743), 
dessen mutter und Dietrichs valer eines vaters ktnder wa- 
ren (747)^** edelsteine, licht wie die Sterne, leuchten durch 
sein gewand (744); auch er wird seiner treue wegen ge- 
priesen (749 f.) 

f ) Helpfinch (674) wird unter Dietrichs freunden auf- 
geführt (661 dd her Dietrich siner träte manegen reken 
ligen vanty diese Schilderung der Berner erstreckt sich bis 
784); ebenso 

g) Gerbart (774). 
h) Wikhart (782). 

i) Wiknant (778).*** 
160 — 163 heifst es^ sechshundert von denen die Dietrich 
ins Heunenland gebracht seien im kämpfe gefidlen ; doch wie 
wir 523. 1587. 1935 hören sind alle getödtet. es scheint 
daher anzunehmen dafs ihn ursprünglich zwar mehr begleitet 
haben, dafs die übrigen jedoch früher gefallen sind* — nur 

* über diese einzelheitea schweigen sämmtiiehe andern gedichte. 

* * in d. N. N. 1^220, 3 ist Siegstab Dietrichs schwestersohn ; das 
altersyerhäitnis in anserm gedieht ist natürlicher, und Wh. Grimm (hei- 
dens. 105) vermutet dafs es die N. N. nur ändert, damit der in der 
ganzen sage höchst dunkle vater Dietrichs nicht berührt werden im 
Bit. (5254) heifst Siegstab nur Dietrichs neve, 

••• Wiknant kommt nur im Bit. vor und ist hier Wolfbrands bru- 
der (10365); die N. N. und der Bit. nennen anfserdem Ritsehart und 
Helmnot, und der Bit. noch Siegher Wikher und Adelhart, vergl. hel- 
dens. 102. 



DIB NIBELDNGESA6E IN DER KLAGE. 201 

Siegstab wird, wie in der N. N., aasdrücklich Dietrichs ver- 
wandter genannt ; die worte möge und man (874. 1942) körnten 
als episch« >lDrmel wenig gelten ond der aosdnick min aller 
bestes künne (390) bezieht sich vielleicht nur auf Rüdiger, bei 
dessen leiche ihn Dietrich (990) wiederholt (ver^. heldens, 
s. 106). 

Hier schliefse ich noch Herrat an, Heichens Schwester« 
Und (1099 wie N. N. 1321, 2), von der sie grofse schätze 
geerbt hat (2070—73). Herrat heifst meit (1145), June- 
frottwie (^\\S)^ wodurch wohl ihr dienst bei der hennischen 
königin angedeutet wird (vergl. heldens. s. 103, näher wird 
derselbe nicht bezeichnet). Dietrich und Hildebrand haben 
Herrat zu schützen geschworen (1253); Dietrich nennt sie 
diu iriutmne min (2064, schwerlich gemahlin, was sie in 
der N. N. 1321, 3 ist, im Bit. deutet nichts darauf hin) 
und wird von ihr min friunt genannt (2121). über ihre ab- 
stammung (in N. N. 1321, 4 ist sie die tochter könig 
Nentwms) erfahren wir nichts ; dafs sie eilende (N. N. 
1329, 3) ist sagt uns der dichter jedoch, indem er sie un- 
ter den 86 Jungfrauen nennt die an Etzeb hofe erzogen 
werden (s. unten). 

3. Rüdiger Gotelind und Dietlind. 

Rüdiger von Bechlaren (m der stat sse Becheldren 1569. 
1624. xer hurk ze Becheldren 2109). Bechlaren liegt auf 
dem wege von Wien über Treisemmauer nach Pafsan (vergl. 
1392. 1396. 1645), unfern der Donau (1402). Rüdiger ist 
markgraf und wird wie in der N. N. besonders wegen sei- 
ner ergebenheit gegen den forsten gerühmt. Etzel sagt er 
sei durch seine treue empoi^ehoben worden wie eine feder 
durch den wind (1023 f.). auch Dietrich ist von ihm anter- 
stützt worden wie schon erwähnt ist. er heifst vater aller 
tngenden (1067 wie N. N. 2139, 4) und wird vielfisich ge~ 
priesen (z. b. 934 f. 943 f.). auf die kriegsdienste, die er 
nnd seine mannen Etzel geleistet, wird angespielt mit den 
Worten swte dicke in was gelungen bi Etseln dem riehen 
(230 f.). im kämpfe mit den Burgunden führt er fünfhun- 
dert ritter (229). über sein rofs Poimunt (1426) sieh anmerk. 
s. 290. dafs er von Etzel leben trägt, wie in der N. N., 
wird nicht ausdrücklich erwähnt, doch gehörten seine firau 






%in DIB NlBfiLUNGESA<;fi IN DER KLAG£. 

uod lochter zu Ktzels hofgesinde (1039*— 41). auch von 
llfidigers braulwerbuDg für Etzel bei Kriemhilden hören wir 
nichts, ebenso nicht dafs er wie in der N. N. und im Bit. 
aus der heimat vertrieben ist (heldens. s. 97 f.) ; übrigens 
aber stimmt wohl kein Charakter unseres gedichtes mit der 
Nib. N. so genau liberein. 

Goteiind, Aüdigers weib und Dietrichs basenkind (913 
wie N. N. 2251, 3, nißel 1039, Dietrich ihr neve 1558). 

Dietlind (1349. 2112. 2120; kein anderes gedieht nennt 
sie, vergK heidens. 118), Rüdigers tochter, Dietrichs nffiel 
(1343. 1350. 2126). 

Dafs Rüdiger mehr kinder gehabt habe wird nicht er- 
wähnt; N^ N. 2103, 3 sagt er ich bevilhe zu üf genade 
min wip und miniu kint, vergl. 2251, 4 und die anmerk. 
sn 2101, 3. Bit. 3337 ist Nuodunc, der edle junge mark- 
graf, Gotlindens kind; die N. N. kennt ihn zwar (1637,3. 
1840; 3. 1843, 3. 1844, 3. 1864, 4), doch giebt sie nicht an 
wessen söhn er ist. 

4. Imfried Hawart Iring. 

Imfried, Hawart und Iring sind, um schwerer vergehen 
willen in die reichsacht erklärt (190), üf gndde zu Etzel 
gekommen (185), dem sie ängestlicken dienen (186); vergeb- 
lich hat man mehrfach versucht sie mit dem kaiser auszu- 
Böhtien (191 — 193). sowohl von der ächtung als den snh- 
neversuchen weifs die N. N. nichts ; im Bit. musten Hawart 
dnd Ipifiried durch ir viende haz ihr land räumen (5296 f.); 
Iring ist vom herzöge von Lothringen in die acht gethan 
(7722 — 25), Irnfried vom landgrafen (wohl dem von Thü- 
ringen, seinem nachfolger) vertrieben (7726 — 29). da hat 
Etael mit reichen gaben sie vermocht dafs sie ihm dienen 
(193 — 195). sie haben zusammen 3300 mann -insHennen- 
Und gebracht (204 ; N. N. 2007, 2 fuhren Irnfried und Ha- 
wart 1000 und 2014, 1 bestimmter 1004 nach Irings tode 
8wn kämpf). Imfried, der reiche (208), war landg^f von 
Thüringen (198 f.), Hawart könig von Dänemark (1185. 
200), Iring von Lothringen, ein kühner mann (201 f. 551), 
ist von Hawart durch grofse geschenke bewegt worden dafs 
er sein mann wurde (202 f. 543), der er auch in der N. N. 
ist. in der N. N. (1965, 1) ist Iring markgraf von Däne- 



ms NIBELDN6BSA6E IN DER KLA6B. MS 

mark, von Lothringen ist er auch im Bit« (z. b. 1589. 3435. 
5289. 8750), in Dietrichs flacht und der RabeascMaeht wird 
er BOT genannt, noch wird von Iring gerühmt wie. gnt er 
nach schöner frauen huld zu ringen gewnst habe (552 f.). 

5. Ferner begegnen uns von einzeln stehenden forsten 

a) Der herzog Hermann von Polen (173). 

b) Siegher vonWalachen(174); diese beiden haben 2000 
ritter zn dem folgenden feste gebracht (175). 

c) Walber, der edelfiie, der aus der Türkei' durch 
Griechenland 1200 seiner mannen heri)eifnhrt (178 f.). 

d) Nitigere (772). 

Ob diese vier als freie nur zu dem feste geladen-^wov 
den (vergl. 11 87 f. 21 9 f.) oder in irgend einer abhängigkeil 
von Etsel stehen läfst sich nicht erkennen, dafs Hermann 
von Polen von Etzel besiegt und sein vasall ist Wird im 
Biterolf (3585.3750.3805.3994—99) erzählt, in dem aneb 
^egher Etzels unterthan ist, doch Siegher von Tiirkie (3456. 
7639 f«) heifst. Walber findet sich in keinem andern ge* 
dichte (vergl. heldens. 115). 

6. Aufserdem hören wir von 86 edelgebomen jung* 
freuen (1094), welche fremde forsten Etzeln und Heiehen 
zn ehren an den heunischen hof gesandt haben (1116 — 19)^ 
und die vonHelche (1093—95. 1115), später von Kriemhild 
(1116) erzogen werden; von ihnen werden, aufser Herrat, 
die schon besprochen ist, namentlich aufgeführt 

a) Siegelind, diu nunnecliche, des künee iVtä^fd^f ]|6tf 

(1162).* 

b) Croldrun, Liudigers v. Frankreich tochter (1103 — 5)/* 

e) Hildburg von Normandie (1108).*** 

d) Herlind von Kriechen (1109) f; sie und Hildbufg lidi<* 
laen reicher forsten kinder (1107). 

e) Adelind, die herzogin, des kühnen Sintrams kind 
(1111; Bit. 1107 wird ein Sintram von Griechenland er* 

* aneh im Bit. (13191) wird eine tochter Nitigers erwähnt, doch 
fehlt der ntme. 

** sowohl tochter als vater kennt kein anderes gedieht. 
*** im Bit. heifst sie die tochter Ladwigs von Ormanie and Her* 
berdt gemahlin (6465. 6505). 

f auch Herlind treffen wir sonst nirgend. 



204 DIB NIBELUNGESAGfi IN DER iLLAGfi. 

wähnt), eines berühmten fnrsten, er het hi österlande em 
kAs an Ungermarke stdt: Paten noch den namen hat 
(lll2f.) •*- die N. N. (1320, 3) erwähnt nur die töehter 
von sieben königen ; Heirat pflegt des gesindes noch bei 
Kriemhildens ankanft (1321, 1)» 



EINLADUNG DER BURGUNDEN ZU ETZEL. IHRE FAHRT UND 

IHR EMPFANG BEI DEN HEUNEN. 

Längere zeit nach seiner vermählang mit Kriemhilden* 
lad Etzel edle (JobKche) forsten zu einem grofsen feste 
(80^ — 83), wobei Kriemhild niemand von denen zu laden 
vergafs die sie gern sehen wollte (83 — 85). wer die botschaft 
an die Bnrgnnden bestellt habe wird nicht ansdrncklich er- 
wähnt; doch daraus dafs Swemmelin, als er nach dem tode 
der Burgundien mit der tranerbotschaft nach Worms gesandt 
wird, der wege kundig ist (1296 dem sint die wege wol 
bekant, 1643 dd er sine wege vant) und zu Worms von 
den Burgunden erkannt wird (1790 f.) schliefse ich dafs er 
schon jetzt, wie in der Nib. N., sich unter den boten befiii- 
det. Wärbel wird nicht erwähnt. Rumolt widerräth Gan- 
ther die fahrt (2028 hete min herre getan als ich im mit 
triwen riet dö er von disem lande schiety so emoitr er niht 
erstorben. 2007 mit triwen was im ande daz sin vil lieber 
herre mit schaden also verre was üz sinem rate komen). 
in gleicher weise ist er N. N. 1405 — 9 dagegen, und Wol- 
frams anspielung hierauf ist bekannt. 

Wann und wie die Burgunden zu Etzel gekommen seien, 
sagt der dichter ausdrücklich, wifse er nicht (85 — 87), und 
dieses geständnis reichte bekanntlich auch ohne die übrigen 
gründe hin zu beweisen dafs er bei der abfafsung des ge- 
dichtes nicht die Nib. noth vor sich gehabt habe (vergl. 
anmerk. s. 287). er weifs nur dafs die Burgunden über 

* Ortlieb ist inzwischen geboren, eine genauere zeitbestimmiing 
fehlt, in der N. N. 1330, 4 sind es dreizehn jähre ; so viele nimmt 
die klage nicht an, wenn es richtig ist dars Dietrichs zog gegen Bern 
zwölf jähre vor den Untergang der Burgunden fallt, da Heiehe danals 
noch lebte. 



DIB NIBBLUNGESAGE IN DER KLAGE. 206 

Beeheburen gezogen sind und dort eine zeit töenceill Im^ 
ben.'^ hier wird Dietlinde mit Giselher verlobt (M8— 910» 
1521. 1639. 1921), auf Volkers rath (905); «itfh in- der 
N. N. (1614 — 16) ist Volker die veranlarsung der Varto* 
bong, doch hier nor zufällig, indem Hagen vielmehr Volkers 
and Gemots worte aufgreift und offen zu dem veriöbnis räth. 
auch werden die Burgunden von Rüdiger beschenkt (1591 
sagt Dietlind s6 manegen baue röten s6 wir in gäben hier 
en lani)\ unter den gaben wird besonders das schwort wel- 
ches Gemot erbalten hat um seiner tugent willen gerühmt 
(941 nach dem kämpfe scharten noch flecke er da ninder 
ane vant); hätte Rüdiger das schwort nicht weggegebtv^- 
so würde er im folgenden streite wohl nicht gefallen sein 
(936 dö sach der alte Hildebrant die gäbe in G4m6te$ 
htfni die im het Rüedegir getan, het ex der heli verläm, 
was ob er wasre genesen?), dies bestätigt auch die N. N. 

Die drei könige fuhren viele ritter mit sich (93 — 96) 
und 9000 knechte (1204). 

Oio gaste werden von Etzel firenndtich emp&ngen (100 
— 102. 155. 131 8 f.), sein ganzer hof freut sich ihrer an* 
knaSt (105 f.). wie sich Kriemhild beim emp&nge der brö- 
der gezeigt hören wir nicht, denn was die boten 1511 — 13' 
Dietlinden von ihrer freundlichkeit erzählen kann nicht gel* 
ten, da sie Dietlinde durch falsche nachricht zu beruhigen 
suchen« doch ist entweder anzunehmen dafs Etael beim 
empfiinge, wenn Kriemhildens feindlichkeit auch J^or wie in. 
der N. N. (1679 bei der frage nach dem schatse, vergl. 
Kl. 96 f« und hierzu Über d. urspr. gestalt der Nib. s. 41fL) 
bereits durchblickte, nicht zugegen war, oder dafs Kriem- 
hild die brüder allerdings mit verstellter freundlichkeit be- 
grübt hat, da sonst Etzel ihr sinnen hätte erkennen müfsen; 
doch nach dem kämpfe klagt er wiederholt dafs er die blu- 
tige absieht der königin nicht geahnt habe, da er alsdann 
das verderben von den fursten abgewendet hätte (557 do 
sprach er 'ex solde wesen : jd wcerex anders mir geseit. ir 
tot und min arbeit het ich wol understän*; 607 'wcer ex mir 

* die klage des mark^afen Else über seinen unverschuldet ge- 
todlctcn bruder (1751 — 58, vergl. N. N. 1526—89) übergehe ich als 
Doeeht, vergl. anmerk. s. 160. 



-'^■.^ 



** DB mBELVNGBSAGE IN DER KLA6B. 

^ Aamt gtÜM, si müesm alle sin genesen; vei^l. 142. 144. 
4M «-458. 624. 131 6 f.; N. N. anter vielen andern stel- 
len 1803)^ erst naeb dem tode der Burgunden hört Etzel 
von Dietrieli die rehten nuere (408 f.). 



DAS FEST. DER AUSBRUCH DES KAMPFES. 

Uker das fest selbst erfahren wir nichts genaueres; die 
werfe 155 swie wol ir der wirt phlae nnd 1318 wan ichz 
in güetKeh erbot lafsen sich auch bieber ziehen; nnd da- 
dueh dafs Etzel bei Gemots leiche sagt ndch den von Bwr- 
gendelant het daz kint geraten (946 f.) scheint angedeutet 
dafs er auch in der klage wie N. N. 1853 f. beschlofsen 
hatte Ortlieb den Burganden zur erziehnng mitzugeben (Cr^ 
sprüngl. gest. der Nib. s. 44). 

Während die burgundischen fürsten beim mahle sitzen 
(1902) befindet sich Dankwart mit den knechten in der von 
Etzels palaste entfernten herberge (1895. 1897). hier greift 
ihn Blödelin von Kriemhilden gewonnen (168 ixirch eines 
wibes I4re$ 169 f. diu im xe wibe was geswom, der dient 
er näh ir hulde; 652 het diu kUnegin da» eine Idn das si 
BlmdeKnen Hagen den bruoder sinen ze töde nihi het hei^ 
zen sldn, so enwcere es alles niht getan), um ihr leid zu 
rächen (630), feindlich an nnd wird so urheber des Streites 
(167. 448 f. 631). alle Burgunden in der herbei^e werden 
zum kämpfen gezwungen (1895), die Hennen erstürmen ihr 
haus (18d6f.), Blödelin selbst fällt zuerst (171. 1893) von 
Dankwart getödtet (723. 1894, vergl. N. N. 1864) und 
mit ihm 3000 der edelsten von den seinen (166 f.); doch 
anch die 9000 bui^undischen knechte fallen sämmtlich, es 
bleibt niemand als Dankwart am leben (1898 f.). iü der 
N. N. 1869) 3 werden von Blödeis knechten nur 500 oder 
mehr erschlagen ; hierauf erheben sich 2000 oder mehr an- 
dere Heunen und tödten Dankwarts noch übriges gesinde 
(1871), nur mit möhe entgeht diesen Dankwart, die klage 
fährt fort : Dankwart eilt zu den königen in den palast, das 
unrecht zu berichten (1900). wie diese ihn gehört, d6 sluog 
Hagen des wirtes kint se siner angesihte sint, dax ezjär 



DIB NIBBLDN6BSA6B IN DBR KLA6B. 207 

den Hscb icMx und im da» blnot sin häni begd» (1903^ 
yei^l. 4S2f.); die Bargunden springen anfand beginnenden 
kämpf (1905); Etzels mannen wollen den tod' des kindes 
rächen (250 — 254), and so entbrennt von beiden Seiten ein 
allgemeiner kämpf (1906 — 9). — Hagen hätte niemand ver- 
letzt, wenn die königin nicht seinen bruder hätte tödten 
heifsen (651 — 654); and die Burganden alle wehren nar 
ihr leben, wenn sie nicht von den Hennen zum kämpfe wä- 
ren gezwangen worden, hätten sie ihn nicht begonnen (454 
— 456. 619 — 21). aus den ungenauen versen 1959—1961 
darf man nicht folgern dafs hiermit im widerspräche die 
Burganden nrheber des Streites genannt würden, die werfe 
die brähtens in die arbeit brauchen sich nicht aaf den be-* 
ginn des kampfes zu beziehen, auch könnten unter den Chri- 
sten Etzels christliche unterthanen gemeint sein; doch 145. 
456 f. (vergl. N. N. 1803, 3. 4) wird geklagt dafs die Bar- 
gunden libermütiger weise den kämpf zugelafsen ; vergl. 1319. 



DER KAMPF. 

Hennen und Burgnnden kämpfen innerhalb des palastes. 
Imfried Hawart und Iring sind bereit Kriemhildens leid zu 
rächen (195 f. nach N.N. 1962 scheint ei^ dafs Iring nur durch 
Kriemhildens gold zum kämpfe bewegt wird, Imfried und 
Hawart aber 2007 nur seinen tod rächen wollen). Irafried 
wird von Volker getödtet so wie viele von denen welche 
den drei forsten in Etzels land gefolgt sind (205 — 208); 
Hawart fällt durch Dankwart (214; N. N. 2012 durch Ha- 
gen), iring durch Hagen (209. 543) ; Iring hatte Hagen zu 
tüdten gesucht (212), doch obgleich er ihn bereits verwan- 
det hat (545), ergreift er ängstlich die flacht (543) und fällt 
auf dieser; er flieht aus dem hause, denn seine leiche wird 
aufserhalb desselben gefunden (538 — 541) von dreifsig lei- 
eben seiner mannen umgeben (564). in der N. N. 1989, 3 
und 1991, i entkommt Iring glücklich, greift Hagen aufs 
neue an (1997) und wird erst jetzt von ihm tödtlich ver- 
wundet (1999), doch stirbt er nicht auf dem platze, son- 
dern, zu den seinen zurückgekehrt, von den Thüringera 



208 DIB NIBELUNGESACe IN DER KLAGBi 

Dänen and Kriemhild umringt (2002 — 6); dafs seine leiche 
in der n%he des hauses gefunden wird ist somit auch der 
N.N. zuwider; von den 30 mann spricht sie nicht, ob Iring 
wie in der N. N. vor Hawart und Irnfried fallt ist nicht 
ersichtlich. Siegher von Walachen wird von Günther ge- 
tödtet (781), die 2000 mann welche er nnd Hermann von 
Pden, die beide Kriemhildens leid eifrig rächen (174 f.), zu 
Etzel gebracht, fallen sämmtlich (177). Ni tigere stirbt durch 
Giselher (772). Dietrich und Rüdiger - meiden den kämpf, 
jener weil er das kämpfen auf beiden seilen mit schmerz 
sieht (1916 — 19), dieser weil er Giselher seine tochter ver- 
lobt hat (1919 — 21); doch vergeblich. Etzel will den tod 
seines sohnes gerächt wifsen (1924 f.). und zuerst geht Rü- 
diger, durch Kriemhildens bitten bewegt, in den kämpf (1925 
—27); er tödtet Gernot (227. 929—931. 1555. .1928 f.), 
der unten an der brüst eilen wtt verwundet wird (927 f.); 
N. N. 2156, 3 wird er durch den heim verwundet. Gemot 
hat in dem kämpfe so viele feinde getödtet dafs sich der 
ruf davon wohl durch dreifsig königreiche verbreitete (222). 
aber auch Rüdiger fällt von Gernot (224. 934. 1413. 1555. 
1641. 1928 f.) durch dasselbe schwert verwundet welches 
er ihm daheim geschenkt hatte (936 — 38) ; seine leiche wird 
später in dem schilde liegend gefunden (986), innerhalb des 
Saales, denn als Hildebrand ohnmächtig bei ihr hingesunken 
war, heifst er beim wiedererwachen die thür mehr öffnen 
(1063 f.). Rüdigers 500 ritter fallen sämmtlich (229), nach 
V. 1284 und 1415 jedoch sind sieben von ihnen am leben 
geblieben, welche die trauerbotschafl nach Bechelaren brin- 
gen, im Schmerz über Rüdigers tod fordern die Berner den 
kämpf (1929 — 31) nnd wider Dietrichs verbot beginnt ihn 
Wolfhart (1931 — 33). Giselher aliein tödtet mehr als drei- 
fsig von ihnen (903), unter diesen Wolfw^in (770), dessen 
leiche an der wand liegend gefunden wird (764), Geri>art 
(774 — 77) und Wolfhart (830 f.), auch hier scheint er je- 
doch, wie N. N. 2233—35, 1, durch Wolfharl getödtet 
zu werden, da beider leichen neben einander gefunden wer- 
den (831 — 833), von vielen die durch Giselhers band ge- 
fallen sind umringt (894 f.). dafs Wolfwin und Gerbart von 
Giselher getödtet werden weifs die Nib. noth nicht. Wolf- 



DIB NIBELUN6ESA6E IN DER KLAGE. 208 

harU unbändige kampflust (vergl. heldens. 60) bezeichnet 
es vortrefflich dafs er noch todt mit zusammengebifsnen 
(durhbizzen) zahnen daliegt (&52) und das schwert so fest 
HmUammert hält dafs Dietrich und Hildebrand es mit zan* 
gen aus seinen langen fingern brechen müfsen ^841 — 46). 
durch Dankwart fällt Wolfbrand (730 f.) innerhalb des saales 
(726), durch den heim verwundet (728) ; Wiknant (778) und 
Wikhart (782) durch Günther, auch von Wolfbrands Wik- 
naats und Wikharts tode erfahren wir in der N. N. nichts, 
die bei dem kämpfe der Berner überhaupt ärmer ist und nur 
den tod Siegstabs und Wolfharts schildert, im übrigen mit 
allgemeinen Wendungen sich begnügt (vergl. 2225. 2226, 4)« 
Volker allein tödtet wohl zwölf Berner (687), unter ihnen 
Siegstab (750, vergl. N. N. 2221 f.), der noch im tode den 
Schild im arm hält (756). wie Hildebrand Siegstab fallen 
sieht, dringt er auf Volker ein, und obgleich er schwer ver- 
wundet wird und schon am leben verzweifelt (669 — 71) 
und in der that erlegen wäre, wenn Helfrich die kämpfen- 
den, nicht geschieden hätte (673 f., auch von diesen einzel- 
heiten weifs die N. N. nichts, vergL 2224), tödtet er ihn 
(751 — 53), aufserhalb des saales an der wand (662). hier- 
auf verwundet Hagen den Hildebrand (1939 f.), eben£ills vor 
dem gadem (589; N. N. 2237 — 2244 in demselben), dafs er 
kaum mit dem leben davon kommt, doch zu Hagens grofsem 
leide rettet er sich durch die flucht (587 — 90). von den 
Burgunden ist niemand mehr übrig als Günther und Hagen 
(1936 — 38), ,yon Dietrichs schaar niemand als Hildebrand 
(1935). 

Wie und wann Dankwart gefallen, der mehr als vier« 
mal so viel feinde wie Hagen getödtet hat (711), wird nicht 
erzählt, doch ist er innerhalb des saales (705 — 9) und im 
kämpfe mit den Bernern gefallen, da wir ihn in demselben 
noch J>emerkt haben, (von ihm weifs die Nib. noth dafs ihn 
Helphrich getödtet hat, doch nur in der spätem Strophe 2228.) 
auch von Helphrichs tode erfahren wir nichts. Hildebrand 
überbringt Dietrich die nachricht vom untergange der seinen 
(1938 f.), der hierdurch erst erfährt dafs sie überhaupt ge- 
kämpft haben (1934, vergl. N. N. 2247). er eilt mit Hilde- 
brand zu den beiden noch lebenden Burgunden (1942 f*)* 
Z, F. D. A. III. 14 



210 DIB ISdBELUNGBSAGE IN DBR KLAGE. 

Hagen, wieder im saal, schilt Dietrich von oben hertb (579). 
doch Dietrich will sie erhalten (1944), er svcht Gnnther zu 
versöhnen (582 f.)» dringt in ihn dars er Etzels nnd sein 
geisel werde, nnd verspricht beide unverletzt wieder an den 
Rhein zu bringen (691 — 95, vei^l. N. N, 2274. 2277). 
allein Hagen ist dagegen (583 — 87), und der könig selbst 
hofft noch alle überlebenden feinde zu tödten (595f. ; Vergl. 
N. N. 2263, 4. 2275. )9 auch wollen sie nach dem tode der 
ihren nicht leben (1945 f. diesen grund giebt die N. N. nicht), 
da mufs Dietrich den Untergang der seinen rächen (1946 f.). 
als Dietrich mit den beiden kämpft, hat der streit schon zwei 
lange sommertage gewährt (19^). dreimal wird Dietrich 
von Günther zu boden geschlagen (598), und er. wäre nicht 
am leben geblieben, wenn nicht die feinde voni kämpfe matt 
gewesen wären (1952); so verwundet er mit nnermüdeter 
band (600) Günther auf den tod (601 mit einer verchwun" 
den) und nimmt zuerst ihn (1950), darauf Hagen (1950 ff. 
1964) gefangen. Hagen wird gebunden (374, wie N; N. 
2290, ob auch Günther, wie N. N. 2298, wird nicht gesagt). 
N. N. 2289 wird Hagen zuerst überwunden; die genaue 
Schilderung, dafs Dietrich dreimal zu boden geschlagen wird, 
fehlt dort, vergl. 2294 — 97, doch wird 2287, 4 Dietrich 
von Hagen verwundet. Dietrich übergibt dio gefangenen 
Kriemhilden (1965.601) und hofft sie wird des bruders scho- 
nen (602 — 4). nach 375 (wie N. N. 2310, 3) wird 
Hagen von ihr mit eigner band, nach 1967 wie Günther 
(602 — 5, vergl. N. N. 2306, 2) auf ihren befehl getödtet. 
Günther wird das haupt abgeschlagen (569). seiner selbst 
nicht mächtig (366 mit unsinne) erschlägt Hildebrand jetzt 
die königin (261. 367. 375. 400. 1968) vor Etzels äugen 
(262), und zwar schlägt er ihr das haupt ab (398, die Ver- 
wilderung der N. N. 2314, 2, dafs Kriemhild zu stücken ge- 
hauen wird ist der klage fremd), so lebt niemand mehr von 
den beiden als Etzel Dietrich und Hildebrand. 

Etzel, der auch in der N. noth den Bnrgunden gegen- 
über sehr dürftig dasteht und im Atlamäi (99) offen der feig- 
heit beschuldigt wird (heldens. 69 f.), erscheint auch hier 
weder selbst unter den kämpfenden, noch feuert er zum 
kämpfe an oder hält von ihm ab; er heifst den tod des soh- 



DIB NIBELUN6BSAGE IN OBA KLAGK. }ll 

ntB riehen (1924. s. o.), doch weiter geht er nicht, und 
selbst hierbei scheint dem dichter die läge der dinge nicht 
ganz klar gewesen zu sein ; alsdann müste Etzel wenig«> 
stens am anfange des kampfes gegenwärtig gedacht werden, 
doch mit den werten 454 wie solden si dö hdn getan, die 
vil werlioh wären ie, dö man si siriies niht eräe, die heUe 
erwerten och sich? daz si das verdagten mich, daz kam 
von ir iibermuot klagt er dafs die Burgunden, als man sie 
zum kämpfe gereizt, geschwiegen, ihn nicht zur abwendung 
desselben herbeigerufen haben, und deutet, wie es scheint, 
an dafs er beim beginn des kampfes nicht zugegen gewesen 
ist, wenn man auch die übrigen zu ende des 3n § angeführ- 
ten stellen^ in denen Etzel wiederholt versichert, wenn er 
den plan der konigin durchschaut hätte, würde er das ganze 
verderben abgewendet haben, nur darauf bezieht dafs er.als- 
dann die Burgunden nie zum feste geladen hätte, und was 
sagt Dietrich dem könige (408 f.), wenn dieser den sti^ii 
selbst mit angesehen hat und somit auch längst Kriemhil* 
dens gesinnung mufs erkannt haben? 1589 wird er vom käm- 
pfe zurückgehalten; die königin selbst hat es listiger weise 
zu verhüten gewust dafs er von dem kämpfe der Burganden 
er&hre (145 f.)« wahrscheinlich war der könig also zwar 
bei dem tode des sohnes zugegen, ist jedoch gleich darauf 
von Dietrich, der, wie wir gesehen, ebenfalls während des 
kampfes nicht gegenwärtig ist und nicht einmal von dem 
streite der Berner weifs, weggeführt worden, damit iiicht 
auch er getödtet würde (vergl. N. N. 1932, wa Kriemhild 
und Etzel von Dietrich aus dem saale geführt werden), dann 
mästen sich die obigen werte, durch die, wie ich sagte, 
zweifelhaft wird ob Etzel beim beginn des kampfes zugegen 
war, auf einzelne beleidigungen, herausforderungen, beziehen, 
durch welche die Burgunden, wie N. N. 1704 ff. 1775 ff., 
ehe der kämpf in der herberge ausbricht, gereizt werden, 
und die sie zu stolz sind Etzeln zu klagen, damit es nicht 
scheine als ob sie unritteriich dessen beistand forderten (vergl. 
N. N. 1801,1803,4). bei Kriemhildens ermordung ist Etzel 
wieder zugegen (wie N. N. 2310, 4 schon bei der ermor- 
dung Hagens), doch da konnte ihn auch Dietrich nicht mehr 

fem halten. 

14* 



m DIB NIBBLUNGESAGE IN DER KLAGE. 

Der saal wird nach 294 (daz käs daz lac gevallen 
ob den recken allen) und 854 {üz dem aschen) verbrannt; 
sonst besteht er in dem ganzen gedichte (790. 821. 891. 
1064. 1139. 1246 u. s. w.). die todten werden während 
des kampfes nicht aus dem saaie geworfen (wie N. N. 1947 ff. 
vor Irings angriff), denn Ortlieb wird 432 darin gefunden. 

Es sind 40000 oder mehr im kämpfe gefallen (119. 1955). 



ETZEL DIETRICH HILDEBRAND UND DIE HINTERBLIEBENEN 
ZU WORMS UND BEGHLAREN NAGE DEM KAMPFE. 

Was auf die schlacht folgt, der eigentliche inhalt der 
klage, ist für die darstellung der sage von geringem belang. 
Etzel Dietrich und Hildebrand irren unter den todten, wel- 
che wie von löwen erbifsnes vieh (1036) rings liegen, mit 
stets erneutem klagen umher; dadurch dafs in ihren klagen 
nicht einmal eine Steigerung hervortritt wird das ohnehin 
dürftige gedieht noch schlaffer. Hildebrand, vom unglück am 
wenigsten niedergedrückt, dringt umsonst wiederholt in die 
beiden andern, den schmerz zu beherschen. bei der Schil- 
derung des Schmerzes finden sich arge Übertreibungen, 313 
schreit Etzel wie ein wisenthorn, 31 5 f. dafs palast und thür- 
me davor erzittern, 788 dafs das haus hätte über ihm zu- 
sammenbrechen mögen u. s. w. doch dies gehurt in die ge- 
schichte der poesie : für die sagengeschichte ist folgendes 
herauszuheben. 

a) Etzel wird nach dem Untergang der Burgunden der 
geistesklarheit beraubt und siecht zwischen tod und leben in 
dumpfheit dahin (em was. t6t noch enlebte^ in einem twalm 
er swebte)] was er nach Dietrichs abreise gethan, wann und 
wie er gestorben, weifs niemand zu sagen (2090 — 2100). 
von geringerem gewicht ist dafs er in seinem schmerze daran 
denkt wieder Christ zu werden, doch von der scheu der chri- 
stengott werde ihn jetzt verschmähen zurückgehalten wird 
(488 — 490. 495 — 98. 501 f.). er heifst waffen und klei- 
der der erschlagenen sammeln (1271) und verspricht sie ihren 
verwandten zu schicken (1275 — 81). auch im schmerze 



DOS NIBELUNGESA6B UV DER KLAGE. 213 

zeigt sich Etzel durchaus unmännlich (yergl.307.839«503f. 
644—47 u. a.). 

b) Dietrich Herrat und Hildebrand kehren heim gegen 
Etzels wünsch (2054 — 68). der Herrat wird zu der fahrt 
ein Sattel aus der kammer getragen, der von gold und edel- 
steinen schwer und auf den der beste sigelat der weit ge- 
schnitten ist (2075 — 2083). wahrscheinlich gehört er zum 
nachlaCs der Helche. wie sich der dichter diese heimkehr 
dienkt ist nicht deutlich. Dietrich klagt wiederholt dafs er 
jetzt aUer hilfe beraubt sei (vergl. 513 — 31, wo er, um Etzel 
zn trösten, ihm sein eignes geschick als weit trauriger ent- 
gegenhält, vorzüglich die werte 526 jd mäht du, künc^ die 
dme vil wol überwinden: du mahl noch manegen vinden 
der dich niht under wegen lät. umbe mich ex leider an- 
ders stdt, als du hie selb mäht schouwen. ja ligent st ver- 
houwen gevallen tief in dax bluot^ die durch mich Hb unde 
guot satssten üf die wage; ferner 851 wie mir min helfe 
ist benomen! 989 zuo wem sol ich nu tröst haben? vei^l. 
N- N. 2256, 2—4. 2257, 4. 2259, 4 ff. 2266, 4). er wünscht 
sieh selbst darum den tod (754. 988. 850) ; und gleichwohl 
zieht er vollkommen friedlich mit einem einzigen saumthier 
das die kleider der Herrat trägt (2104 — 6) in die heimat, 
zn der Herrat und Hildebrands grofser freude (2055), ja er 
sagt ausdrücklich er müfse nach Bern zurückkehren, weil er 
bei Etzel hilflos dastehe, 2061 wie wolt ir da» ich wasre dn 
helfe und an die mine? ein isüch man die sine bi im vil 
pHUehen hat. ir seht wol wie min dink stdt: ick unt diu 
trnUintie min suln hie niht eilende sin; ohne welche freunde 
jedoch will er nicht leben? weshalb ist er nicht längst von 
ihnen unterstützt in die Vaterstadt zurückgekehrt was- er so 
sehnlich gewünscht (vergl. 2, b)? dafs Dietrich oder d^ch 
Hilddirand heimgekehrt ist erfahren wir bereits aus dem Hil- 
debrandsliede, doch hier findet der Zweikampf zwischen zweien 
beeren statt ; auch in spätem gedichten wird Dietrichs rück- 
kehr oft erwähnt, doch wie dachte sie sich der dichter nach 
den firüheren äufserungen möglich? jedenfalls fehlt das Zwi- 
schenglied, es scheint fast dafs der dichter des letzten lie- 
des der alten Sammlung (denn nur in diesem wird die rück- 
Lehr erwähnt) von Dietrichs zuge gegen Ermenreich (vergl. 2) 



214 DIB NIBELDN6BSA6B IN DER KLÜfiB. 

nar den glücklichen erfolg, von dem die Vilkinasaga und die 
Rabenschlacht spricht, kannte und somit meint, Dietrich sei 
bereits zwölf jähre wieder im besitze Berns, doch er habe 
sieh Etzel zu liebe später noch bei den Hennen aufgehalten ; 
in diesrera liede ist von Dietrichs hilflosigkeit nicht die rede, 
denn die werte 2129 überwinde ich aber mine ndt können 
sieh auf seine augenblickliche lege und auf den schmerz über 
den tod der freunde beziehen. Herrat nimmt von dem er- 
eri)ten schätze 80000 mark werthes (2073), mehr kann sie 
nicht mit sich fähren (2071 f.). — auffallend ist auch dafs 
Dietrich dem Hildebrand aufträgt die Herrat den weg nach 
Bechlaren zu führen (2102), als ob er ihn nicht wüste oder 
nicht zugleich mit ihnen zöge. 

c) Etzel und Dietrich senden boten nach Bechlaren und 
Worms, und zwar nach Bechlaren die sieben noch lebenden 
knechte Rüdigers (1284 ff. 1415), die der markgräfin ond ib* 
rer tochter grüfse von Dietrich (1340 — 43) und das schwert 
rofs nnd gewand Rüdigers (1288) bringen; nach Worms 
Swemmelin den spielmann (1298. 1791) und zwölf andere 
(1297). die boten ziehen vereint durch Österreich (1365), 
über Wien (1376) und Treisemmauer, (1396 N.N. 1272,3. 
1276, 1 Zeizenmüre^ Bit. 13368 auch Treisentnüre) nach 
Beohelaren (1398); hier bleiben Rüdigers knechte, sowohl 
Gotelind (1439--49) als Dietlind (1450—54) ist durch bange 
träume auf das bevorstehende Unglück vorbereitet, diese 
stelle (1402 — 1630), die Schilderung wie die boten das Un- 
heil verheimlichen wollen und wie sie es nach nnd nach, 
wider willen, verrathen, ist die beste des matten gedichts 
und in der that tieipoetisch. — der sinne nicht mächtig kann 
Gotelind für die boten nicht sorgen (1620 f. 1633 f.)) doch 
16^1 heifst sie, vielleicht Dietlind (vergl. 1635), dieselben 
in der Stadt heri^ergen (vergl. anm. s. 289 oben). Swemme- 
lin und seine begleiter ziehen uf m der Beier lant (1643) 
nach Pafsau (1645), wo der bischof Pilgerin sie freundlich 
aufnimmt (1665 f.) und eine trauermesse hält (1687— 94)| 
hierauf durch Baiern (1743) und Schwaben (1745) nach 
Worms (1763). die klagen des Volkes beim empfang der 
tranerbotschaft, sowie Dietrichs befehl dafs die boten auf der 
fahrt niemand erzählen sollen was geschehen ist, and der 



■'■vV ' 



OUF^filKELUMGBSAGE IN DER KLAGB. 215 

Widerspruch dafs bald gesfagt wird, dieser befehl sei gehal- 
ten, bald, er sei überlreteo worden, endlich die herzogin 
Isalde von Wien sind als für die gescbichte der sage be- 
deutungslos zu übergehen (doch vergl. anmerk. s. 289. 290). 

d) Ute bringt man von ihrer abtei nach Worms (1848); 
sieben tage darnach stirbt sie vor leid (1976 f.) und wird zu 
Lorse bei der abtei begraben (1991). 

a) Günthers und Brünhildens knabe wird zum ritter ge* 
schlagen und gekrönt (2000—2005. 2039 — 47)» vornehm- 
lieh auf Rumolts rath (2037), der erst aus seinem lande 
herbeigekommen ist (2004), also nicht wie N. N. 1459 zum 
reidisverweser bestellt war; alle empfangen die leben von 
de» kinde. (2045 f.) Sindolt gelobt in seinem und der übri- 
gen namen Brünhild und dem knaben treue (1875 — 80). 

^ f) Dietrich kehrt auf seiner rückkehr in Becblaren ein 
und fangt am siebenten morgen daselbst an (21018 f.)*. Gote-, 
Und ist drei tage vorher vor schmerz (2114) gestorben, für 
Diettind verspricht Dietrich zu sorgen (2130—55). 

g) Zur .bestattung der fürsten werden drei tage ge* 
braucht (1191). die Christen werden von den beiden getrennt 
begraben (921 f.). die drei burgundischen könige und Kriem- 
hüd kommen in herrlichen sargen (1149) an denselben, ort 
(919. — 21). Hagen Dankwart und Volker werden in der 
nähe ihrer herren beerdigt (1 182 f.) ;. Imfried Hawart und 
Iring wohl ebenda (1185—^1187). Kriemhild und Ortlieb 
liegen in einem prachtvollen sarge (1163 — 67). zum be- 
graben der knechte wird eine sieben speerschäfte weite und 
d)en so tiefe grübe gemacht (1200). viele ^ deren gewänder 
sieh nicht aufstricken lafsen, werden aus denselben geschnit- 
ten (802 f.) 

^ nach Swemmelin wollte er binnen zwölf tagen, nach ankunft der 
boten iir Beehlaren, Gotelind besuchen (1494—1503); dafs dies hiebt 
gMehehea ist ergibt sich daraas dafs er bei der rückkehr der boten 
noob nipbt abgereist -ist (1^)50 f.); im Biterolf (4790) aber werden zur 
reise von Etzeiburg nach Worms sechzehn tage gebraucht, und hier 
müsten die boten in rdnf, oder wenn man nur Dietrichs abreise be- 
zeichnet meint, in zwölf tagen von Bechlaren nach Worms und von 
Worms zurück zu Etzel gelangt sein, wahrscheinlich geben die boten 
nur om Gotelind zu trVsten diesen zeitrtam an. 



216 DIB NIBELUN6ESAGE IN DER KLAGE. 



DIE URSACHEN DES UNTERGANGS DER BURGUNDEN. 

An dem antergange der Burgunden war Kriemfaildeiis 
zom wegen des ibr zegefügten Unrechts schuld; um Sieg* 
frieds tod und den raub des Schatzes zu rächen lockt sie 
die brüder ins verderben, diese ansieht geht durch das ganze 
gedieht (vergl. 18 f. 50 f. 117. 159 f. 174 f. 195 f. 247—249. 
255 f. 273 — 276. 632 — 634. 1595—1599. 1713 — 1717. 
1886 — 1890. 1966. 2014—2017 und die vielen stellen in 
denen Etzel klagt dafs er den sinn der königin nicht gekannt 
habe und in denen den Burgunden selbst die schuld ihres 
todes zugesehrieben wird). 

Hildebrand meint dagegen, die räche gottes habe die 
Burgunden ereilt (635 — 639) obgleich hier ihre schuld die- 
selbe ist, so entspringt doch daraus ein grofser unterschied 
dafs die Burgunden nicht in folge einer menschlichen, vieK 
leicht verdammlicben, leidenscbaft sterben, sondern daCs ihr 
verbrechen so grofs ist dafs gott selbst sieh zum räeher er- 
bebt. 

Etzel sagt, das unglück sei ihm vom gott der Christen als 
strafe gesandt, weil er zum heidenthum zurückgetreten sei 
(477—488. 517 f.). 

An einer andern stelle sieht Etzel allgemein nur eine 
vorherbestimmang, ein Verhängnis, in dem untergange, 557 
dd sprach er 'ez solde wesen : jä tocerex anders mir geseift 
vei^l. myth. s. 503. 

Einmal endlich wird mit sehr unbestimmten allgemei- 
nen Worten der schätz als grund des Verderbens angegeben. 
96 Krimhilte golt rät heten si ise Rine Idzen. dm zit si 
verwdzeny daz sis ie gewunnen künde, ich woen si alter 
Sünde engulten und niht m&re, wenn man hiermit folgende 
beiden stellen vergleicht, 1713 der Nibelunge golt röt, he- 
ten sie daz vermiten, s6 mähten si wol sin geriten zuo ir 
swester mit ir hulden. von ir selber schulden und von ir 
starken übermuot s6 hon wir die recken guot verlorn alle 
geliche in Etzeln künecrichcy und 2014 do er (Hagen) vro- 
wen Kriemhilt nam . ir fnan und ir ir guot an gewan in 



DIB NIBELUN6ESA6E IN DER KLAGE. 217 

grdxen untriuwen, ich sack ez an ir riuwen^ swie si» an 
getrüege, da» man st drumbe slüege, swenne e» och ge- 
sckofke, so könnte man schliefsen dafs die alte sände wel- 
che die Burgunden entgelten aach dort nur der raub des 
Schatzes ist : allein wenn der dichter dies in der that meinte, 
warom drückte er es nicht deatlicher aus? die dunkelheit 
seiner worte erweckt die vermutang dafs hier eine anspie- 
lung auf die alte verhängnisvolle macht des Nibelnngehortes 
verborgen sei; der dichter der Klage müste dieselbe in der 
alten sammlang vorgefunden haben, er selbst verstand sie 
ohne zweifei nicht mehr, die stelle bekäme dadurch die 
höchste Wichtigkeit dafs sie die einzige wäre, in welcher 
das nordische Verhängnis auch in Deutschland durchbräche; 
doch eben deshalb wird die annähme um so gewagter. Wh. 
Grmim (heldens. 111) fafst das gold nach ihr entschieden als 
verhängnisvolles, in der N. N. deutet nichts auf das Ver- 
hängnis hin. 

8 

ANSICHTEN DES DICHTERS UND SEINER ZEITGENOSSEN 
VON DER SAGE. VERBREITUNG DERSELBEN. 

CHRISTENTHUM. 

Hier ist zuerst der tiefe gedanken hervorzuheben, wel- 
cher der N. N. fehlt, dafs Kriemhilden, obgleich sie durch 
das blut von tausenden und durch brudermord befleckt ist, 
von gott vergeben sei, weil nur die treue der grund ihres 
vergebens war. hierbei beruft sich der umdichter ausdrück- 
lich auf seine quelle, 285 des buoches meister sprach dax 
S. dem getriwen tuot untriwe w4. sit si in triwe tot gelaCy 
an gotes hulden manegen tac sol si ze himel noch geleben, 
got hat uns allen daz gegeben, stoes lip mit triwen ende 
nimty daz der dem himelriche zimt; vergl. 76 — 79. da» 
Volk hingegen hält Kriemhilden für verdammt (276 — 282). 

Auch wundert sich das volk wie ein weib Hagen zu 
tödten vermocht habe und hält dies für eine lüge (368 — 372, 
vielleicht fügte sich der dichter des letzten liedes nur dieser 
ansieht, wenn er 1967 Hagen auf Kriemhildens geheifs tödten 
läfst ; vergl. 7 f. wo von solchen die rede ist denen das märe 
missehagen könnte). 



218 DK NIBELUNGESAGB IN DER KLAGE. 

Etsels reichthum setzte der dichter bei seinen zuhörem 
als bekannt voraus (24); ebenso hatten diese gewiss schon 
gehört wie Kriemhild bei den Heunen der Helcbe gleich 
herschte (36), wie Etzel die färsten za einem groben feste 
lud (80) und wie treu Rumolt seinem herren diente (2009). 
auch sprachen die leute davon iu wie kurzen tagen man das 
grofse fest bereitete bei dem Günthers söhn zu Worms ge- 
krönt wurde (2041). 

197. 203. 217. 709. 2070 ist nicht zu entscheiden ob 
sich der dichter auf sein buch oder auf die lebendige sage 
beruft (über 190 vergl. die anmerk. zu dieser zeile). 

Die sage hatte man schon oft in deutscher spräche ge- 
dichtet und die alten und jungen kannten sie wohl (2155 
—2157)- 

Bestimmte christliche ansichten enthalten die rerse 291 
— 293. 437 f. 921 — 923. 1171 — 1174 und 1176 — 1179. 
1687 — 94 und die oben besprochenen stellen von Etzels 
bekehrung und seiqem rücktritt zum heidenthum. 

E. SOMMER. 



EIN LEICH VOM NIEDERRHEIN. 

Mein freund Zacher erlaubt mir ans seiner abschrift 
der in dieser xeitsckri/t 1, 227 — 262 von ihm beschrieb 
benen Uedersammlung im Haag die stücke 74* — 77 miP- 
zutheilenf welche ich zusammen Jzir einen Mch halte, 
als solchen scheint sie mir die gleichartigkeit der gedan- 
ken und ausdrücke in allen vier stücken, so wie die Wie- 
derkehr derselben' Strophen in den drei letzten zu bezeich" 
nen. wie das ganze zerrifsen werden konnte begreift man 
leichty da es sich von selbst in diese vier abschnitte zer^ 
legte, der erste, die einlettung^ stellt sich dw*ch den durch- 
gehenden reim -6de gleichsam als eine Strophe dar; bei 
dem anfange jedes folgenden aber nimmt das versmafs et- 
nen neuen aufschwung und der gedanke eine wendung, dqfs 
nicht ein grundgedanke in sirengem f ortgang das ganze 
durchzieht fällt bei einem leiche nicht auf, die Überschrif- 
ten der letztem theile mögen in der hs, weiche dieser zu 



BIN LBIGH VOM NIBDERftUIM 219 

gründe liegt entstanden sein nachdem der Schreiber die 
abschnitte bereits hervorgehoben hatte; um den leser nicht 
zu irren ßigte man das dreimalige vürbaz hinzu, — der 
wald Osenic (48), Ober den Lersch in d. Jahrb. des Ver- 
eins von alterthumsßreunden im Rheinlande \y 2^ f, zuver- 
gleichen ist, bestimHit uns, da er nicht sprichwirtlich be^ 
rühmt war, ohne zweifei die heimat des dichter s, von 
dessen kräften der leich übrigens keinen hohen begriff 
gibt. — UM reim stehen folgende niederdeutsche formen : 
versmMß {hd. versmäbte) 10, karte 31^ uom^re (hd. un- 
maere : h6re) 76, singen {hd. singent) 114, gdart 123; 
auch smd die reime jogent : tagen t 58. 60 und leben : ge- 
geben 126/*. wohl als klingend zu nehmen, hiemach wollte 
dm* dichter offenbar hochdeutsch schreiben, doch ziehe ich 
es bei dieser beschaffenheit seiner spräche vor nur die für 
versmqfs und sinn unerläfslichen änderungen in. den text 
zu setzen. E. SOMMER. 

Bilde, milde bys teghen myr; 

Dir bin ich bolt vor alle wyb. 

Blib an mir arman stede. 

Sint tu bist al myn toeversicbt 

Vnd muest zi zun an ende, 5 

Zo hayn icb gantz zu dir gbepiicbt 

Dinn lieben gruetz myr sende. 

Zuze, gruetze bista rych. 

Mich troeste, zarte reyne vrucbt, 

Zueht, du dicb nie versmede. 10 

• Alle vrouwen bant der eerc 

Die myn herlze haet ercoren. 
. Liebes liif van zwifel keere ; 

Anders bin icb gaer verloren. 

Blicke scycke wol bebut, 16 

Gut is it vur der nider scal. 

Val neyt an yr gberede. 

3. stete 5. Vede m&ea zieh 7. Dineir 9. Vrftcbt erxt in der 
folgenden zeife. 10. dn (diu) ohne dich fl. vor der seiie ([^ 

ebenso 95. 53. 41. 46. 50. 5S. 73. 86. tOO. 117. 134. 12. Den m. 
bertz 13. lief 16. it] its 



220 BIN LEICH VOM NIEDERRHBIN. 

Zint das yst mir eyn heyl gedaen, 

Das ich eyns wibes eyghen byn, 

Zon wulde ich vür zi gheyne haen. 20 

Si ervroawet mir den sin. 

Denke, senke mine pin, 

Hyn hört end hoyste paradys, 

Prys ye du gerne hede. 

Wol mich vmmer wol der lieben stände, 25 
Ich sach dri bloemen tugendriiche staen; 
Zo eener tsyl mir god des heyles gunde 
Of eenen zuverlychen grünen plan. 

Die bloemen fiin so zarte 
Mich mächten sorgen vri, 30 

Dat ich mich mit willen zfi yn karte; r 
Het waren wael ghewunste yrouwen dri, 

Vyl hoogheboren, tugeden vol; 
Das weys ich zunder zwifel wol: 
Ich moes ant sol 35 

Yr vmmer wal gedencken; 
Want sii siin alles wandeis baer. 
Ich wensche yn vmmer heyles zwaer 
AI durch das Jaer. 
Zi können leyt versenken. 40 

Ze vrueden zint si wal ghestalt, 

18. teyl 20. zo ne — bayn Hl. So /&3. Myns herten (herl 

en) %A, zwischen dieser und der folgenden zeile Desen houedans 

zanch vorbas, roth unterstrichen wie die beiden folgenden Überschrif- 
ten, wahrscheinlich ist blqft hovetanzsanc zu schreiben ; vergl, tanz- 
liet in dem bekannten spruche Reinmars des fidelers (Jf^aekemagel 1, 
519) und tanzwise bei Ulr, v. Lichtenstein; auch derTanhauser sagt 
ich sing in wol ze tanze, MS. 2, 66^. disen bovetanz sine vörbaz 
ist weniger anzunehmen. H^. Wolmich — liebliche, was bleiben 

kann, wenn man das zweite wol streicht^ 26. drie 29. die 

einrückungen sind gegen die hs.; dieser und die nächsten drei verse 
stehen in der hs. zwar als vier Zeilen, doch schliefst die erste mit 
machte, die zweite mit willen, die dritte mit wael; hinter vri und 
karte stehen punkte. 31. ym 32. hets (vergl. 16 its) w. w. 

d^wunste der vr. drie 35. Ich sal vn moes, von der folgenden 

zeile nicht getrennt, 36. ym, vergl. 31 . 38. 37. siin] sim 

38. ym 40. versinken 41. Zen 



BIN LEICH VOM NIEDERRHBIN. • 22\ 

Werlich bi minem eyde, 

Yr tuegent die sint menichfalt. 

God hued zi mich voer leyde, 

Dey lieben oghen weyde. 45 

Ich weys vyl wal eyn bluendes rys. 
Gar zauerlich gestellet, 
Der Ozenynch zwaer in keyner wys 
Mir nicht so wal benellet. 

Zucht WS dem rise spruzil, 50 

Daer zu vil werdicheyt, 
Ondaet dem rys verdruzit; 
Des yst siin lof so breyt. 

Daer van myn hertz ervruwet wyrt, 
Wan ich des rys ghedencke; 55 

Myn sin myn moyt vyl sorge embyrl 
Daer mit ich leyt versenke. 

Ich meyne eyns wibes jughent 
Gar alles wandeis vri; 

Men zayt van yr vyl tugent, 60 

Daer yst die waerheyt bi. 

Das weys ich wol oph minen eyl, 
Daer an ich zwifel nvmmer: 
Myn bluynder walt die crone dreyt - 
Der tfigeden werlich vmmer. 65 

An yr yst wensches vlyt gheleyt, 
Dey mir vuer alle vrouwen wal beuellel. 
Van yr zucht men wonder zeyt; 
Zo gutlich yst der zarter liib gestellet 
Dat ich moys yr eygen ewich bliuen. 70 

Dey crone zi mit züchten dreyt 
Der tugent werlich gar vur alle wiuen, 

A%» miaen 44. huede. vielleicht ist zi zu streichen, zu mich 

vergi, 5!2. 66. 91. 97. 48. ozenynch, das versmqfs zeigt d({fs z 

JUr 8 steht. 55. gbedenken ; wohl rises denke; wan zz: swenne. 

56. sorge vmbyrtj/i^r imbyrt {wie vmmer, nommer) =: embyrt? 

57. versinke 65. hierai^f soll nach der angäbe der hs. 46 — 49 
wiederholt werden j es folgt die Überschrift noch vorbas 68. yre 

69. lieb, zu zarter vergL 87 mynnentiycher. 72. vor allen? 



2» KIN LBICH VOM NIEDBRRHEIN. 

Des vreawe ich mich ail allen wank. 
Han ich es van den gueten dank, 
Der sorghen dwanc 75 

Wer mir dan gar ynmere. 
Ich weys zi sander zwiuel gaer, 
Zyn lesset mich nicht tnnestes bar. 
Der eeren scaer 
Becronet zi dey here, 80 

Die vber mich gebieden sol, 
Dey zarte minnentlyche, 
Behaghet yr myn dienest wol, 
Si eyne macht mich ryche 
Aen vreuden vyl s myn gonst van ir nicht wyche. 85 

Myn moet zu yr ghehuldet hat 
Der minnentlycber tsarten, 
Dey vry ist aller missetaet. 
Myn hertze zwoer yr truwelich za warten. 

Das moys aen ende werlych zun: 90 

Vyl sorghen swaechet mich der scyyn 
Der WS haer oghen blicket. 
Zo wold ich das ich qneme dar 
Vnd haer liebliche neme waer, 
Ws sorghen bände wurde ich wol erstricket. 95 

Sibe ich das minnendlyche heyl 
Ob got mir des ghewerte, 
Dan weer so groys min vreuden teyl 
Das mich vur alle sorgen wol ernerte. 

Ich byn yr holt opb minen eyt. 100 

Yr tngent yst lanch vnde breyt. 
Ich vreuwe mich yr guete. 
Was mir dar van al yst bescert, 

74* ' ich es] ichz 78. zey oe 79 mit der folgenden zeile zu-' 

sammengeschrieben, 80. gehere 8^. ininnenclyche? 83. dienst 
85. Aen {das wäre 4ne) vreuden vyl itt unverständlich ; vielleicht 
und vreuden vol als besondere zeile, 88. mistaet 89. hertz 

zwaer; die änderung zwoer d. i. swuor ist unsicher» 91. swaecht 
m. ir 9!2. Ws heren ohne der ? 94. Vnde h. liblich nemen 
96. ich] mich 97. ob] D«it 98. mir 99. vi^rc. hi9ra^f ist 

68 — 89 zu wiederholen, \^%, yre 



BIN LBICH VOM NIEDERRHBIN. m 

Des bliue ich Trolich wol gewert. 

Ich wensche das si vmmer god behüte. 105 

Yr gut gehet, yr walgestalt 
Das yst gar ane maze; 
Syst alre zücht eyn bloynder walt, 
Bi der ich zwaer al mine sinne laze. 

Höret wie der vogei zanch 110 

Zieh erhoghet in dem lachte scone. 
Wye si winters noet ye dwanc, 
Das yst hyn, ich merkes an dem done, 
Wan si so wünnentliche zueze singen; 
AI myns leydes weer verganch, 115 

Of ich mucht in yrme dienste ringen, 

Die. ich gar liep in hertzen 'haen 
Vnd vmer ir alre eeren gan 
AI sonder wan 

Aen alle vaischen rete. 120 

Vaer allen vronwen yst zi fzaert, 
Ir keine mir nie lieber waerl. 
Mich hat gelart 
Yr tugent Minen stete 

An yr werlych al minen tsyt, 125 

Der wile ich mach geleuen. 
Nv dar, das zi ghegeuen ! 

Wal vf, la hyn mit vruden gaen, 
Hes yst mir alles wol ghetaen. 
Was zi mir deyt, dey reyne. IBO 

Ich wil onstede in allen siin 
Wan der vyl lieuen vrouwen myn. 

107. mazen 108. Se yst a. z. myn 109. hierauf S& — 89 noch- 
mals iu wiideriwlen, dann die Überschrift noch vorbas, darunter 
eyne honedans. 111. luchtc 113. ich in merkens in de doene 
114. Dan si so winnentliche (minnecliche?) zuez 115. rei^anc, 

subsLf 116. dienst 117. Die] Den 118. Vnde ymmer in 
119 und 120 eine zeile, 1)20. alre valscher l%%. In keyner d, 

hs.: an keiner? 123 und 124 eine zeile. 124. bliuet 

125 — 127. die analogie der Strophen 33 — A5 U^fst vermuten dqfs 
hier zwei Zeilen fehlen. 131. al onsteden sün 132. Vander v. 

lieae yrouwe 



•4f 



224 ETYM, ymeiu. D. D. GÖTTERN. M.^LT. WORTF. 



*• 






Si mach diiob troesten eyne. 
Du wandeis heve ttarte, 
,. AI fflynre vreudcn Izyl, -^ 135 

Miin blofiider walt, ich wah»^' 
Zu dyr myns heiles viL 
ia4. Pes 137. myn 

... i 

ETYMOLOGISCHE VERGLEICHÜNG DER 
DEUTSCHEN GÖTTERNAMEN MIT KEL- 
TISCHEN WORTFAMILIEN. 

Indem ich im folgenden deutsche mythologische «amen 
mit keltischen Wortfamilien . sntammenhalte , ist meine ab- 
sieht nicht die meinung auszusprechen , die deutsche my- 
thologie sei keltisches Ursprungs; nur auf das merkii^dige 
Verhältnis will ich an einigen beispielen hinweisen d^^s sich 
der gröste theil der mythologischen terminologie der Deulpr 
sehen eben sowohl und mit denselben resultaten./|eltisch als 
deutsch etymologisch erklären läfst. 

1. die Äsen, äs heifst im nordischen, ans im deut- 
schen ein riegelbalken , eine Stange, der wälsehe plur. 
dgg>*6g. ais bedeutet latten, - sparren, ribben. der einzelne 
gegenständ dieser art heifst äsen; der plural hiervon lautet 
asau und esenau, im gälischen lautet das wort aisean und 
asna* 

2. Odhin. im nordischen heifst odhr animusy mens, 
sensus; das deutsche wuot bedeutet ursprünglich mens^ m- 
genium. im wälschen bedeutet ^zc^c? cbarakter, gemüth, 
leidenschaft, wuth, sünde; gwydion oder gwydien ist der 
name eines göttlichen geistes der in den lüften, über ätber und 
Sternenhimmel waltet, gälisch bedeutet (nach ganz richti- 
gem lautwechsel) f odhin (contrahiert fonn) die leidenschaft, 
neigung. 

3. Thdrr. der in der deutschen etymologie zu gründe 
liegende begriff ist. donner. im wälschen bedeutet taran 
donnerschlag, taranu wettern; im gälischen torann (oder 
torunn) donner. die Gallier hatten einen gott Tarantis 
oder Taranucnus. 



r 



BTYM. VERGIß. D. GÖTTERN: M. KltT. W0R1T, 225 

4. BaMr im wälschen bedeutet beiR die öflinng, der 
ansgang, 'der vorhof, hof; alles was heransstrebt f aach die 
spitze eines thames oder tanmlii»; dasselbe bedeutet bal; 
und baia der ausbrach, das bervorschiefsen ; bmll bat beide 
bedentungen, sowohl von bal als von bala. damit hängt 
zusammen dafs 6e/ bedeutet der ausbrach, der kämpf, der 
auszogt' der krieg, und bela ausziehen, kämpfen, so wie dab 
baldardd heifst das ausbrechen der knospen der blätter und 
blumen. im Rüschen heifst beal, der krieg, aber auch die 
<&Hiinng (auch die sommerliche sonne), die Kelten hatten 
einen gott Belus^ der noch in den resten des aberglaubens 
als Beal bezeichnet wird. 

6« TjT. dieser name ist im deutschen ursprünglich all- 
gemeiner gottesname. im wUschen heifst duw oder dew 
gott , dwyfawg oder dwyfawl göttlich , dewin der prophet, 
und .'als adjectivtim göttlich, im gälischen heifst dia gotl« 

6. Freyr bedeutet im deutschen ursprünglich herr. im 
wüschen heifst gwr ein mit willen begabtes, selbständiges 
wesen, ein fireier mann, ein herr; später ein ehemann, 
ein hansherr, ein mann überhaupt, das adjectivum gwriawg 
keifst einen herren habend, hörig, die frau ist gwriawg 
in beziehung auf den mann, der vasall in beziehung auf den 
lehensherm. die fran heifst gwraig. nach ganz richtigem 
laatwecbsel lautet gtvr im gälischen fear , der mann ; und 
gwraig zieht sich ^Uisch zusammen in Jrag, die frau. 

7. Loki. dieser name bezeichnet ursprünglich einen 
riegel, eine abschliefsung. im wälschen bedeutet lloe das 
gefängnis, der eingeschlofsene räum, der dämm, die bürde, 
die einsehliefsung, und llociaw einschliefsen. im gälischen 
heifst loc der aufenthalt, das hemmnis, die beschränkung, 
und das verbum loc - bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, 
beschränken, etwas abschlagen. 

8* Hei. im wälschen heifst hui die hülle, und hyll, oder 
kell, quod celandum est — also widerlich, häfslich, wild, 
schrecklich, hyllu häfslich machen, wild werden, sich er- 
schrecken, hell'gre die hexe, im gälischen heifst cul die 
hülle (auch die verdeckte, hinlere seile), ceal die decke 
(auch der himmel) und der lod, cuil böse, und colaeh 
gottlos. 

Z. F. D. A. ni. 15 



226 BTYM . VBRGL. D. D. GÖTTERN. M. JKÜBLT. WORTF. 

9. Muspell. im wMisoheii heifst mud alles mtm bewegt, 
veräiiiert werden kann, was nicht fest ist, nnd ytpel die 
v^reibnng, hinaussehafiiing. gäliteh bedeutet muih - ver- 
indern, bewegen, nnd spuiU die wegfSbrong, wegscbaffnng, 
beraubung, piünderung, Zerstörung, die kteiniscben werte 
movere^ mutare und spoliare liegen nabe. 

10. Niordhr. fuhrt nach deutscher lantlehre auf die ta- 
citeisehe Nertkus. im wälschen bedeutet nerih kraft, macht, 
hilfe, und nertkus kräftig, mächtig, bilfireich. im gäliscfaen 
heifst nettrt die kraft, die gewalt, und neartor kräftig, mächtig. 

H. LEO. 



ZWEI URKUNDEN AUS DEM XIII JAHR- 
HUNDERT IN NIEDERDEUTSCHER 

SPRACHE. 

Nachstehende ßtwei Urkunden vom Jahre 1994 enibat^ 
iem emen münxvergleich »wischen dem erxhüokef Eriek 
tHWi Magdeburg und den grafen Busse und ff^elter vom 
Barhy^ damals herren der stadt Zerbsi*'^ worin bestiamt 
wird dq/s der erzbisebof keine münzen mit dem g^^9*äge 
der grqfen in seiner münze zu Magdeburg und ebense die 
genanntem grqfen keine münzen mit dem erzbisehq/Uohen 
gepräge in ihrer münze zu Zerbst fortan schlagen selhn* 
dabei wird bedingt dq/i die münzen der grafo» von Barby 
im erzstifte stets geltung haben sollen, auch wenn andere 
münzen verbeten werden, und dq/s der grqfen münamrisier 
zu Z^rbst dem münzmeister des erzbischqfs von jeder neum 
mänzsorte die er schlägt 12 n/und übermache, oder, wenn 
der Magdeburger münzmeister esßir nöthig erachte, edteii 
hüter auf dessen kosten bei sieb dulde, der da wache dqft 
zu Zerbst keine münzen unter Magdeburgischem gepräge 
geschlagen werden. 

Die Urkunde unter 1 ist vom erzbisehqf Erich und 
dem domkapitel zu Magdeburg ausgestellt und mit den 

• welche He MZU vom damaligen besitxer Richard von Zerbtt 
erkaiiften nnd bis 1307 behielten, wo die ttadt, unbekannt wie, an 
die fönten »u Anhalt kam. 



NDDUERDBDTSCHB URKURDBN» UT 

km gmiM siegeln de$ enOüebofs und des domkepäels per- 
ssksn, muek in Beckmanns chronik van AnkmU nr, vn, 1 
s* Sftty jsdeeh feUerhtfft, abgedruckt. 

Die Urkunde unter 2 ist eine xeugenbestät^ung des in 
der ersten getroffenen vergleiche durch die rathmmne und 
innungs meister van Magdeburg, ausgestellt an demselben 
tage, fiersehen mit dem hangenden stadtsiegel van Magde- 
hürg, und ungedruckt. 

JHa Sprache beider Urkunden ist rein niederdeuteeh und 
Ar hohes alter, als niederdeutscher urkufiden deren echt-» 
heit keinem sweifel unterwerfen ist, gibt ihnen einigen 
werth. ich kenne keine so alte Originalurkunde in deuS^ 
scher spräche weder aus dem erzstiße Magdeburg nach 
aus den anhaltischen landen auf dem linken und auf dem 
rechten elbufer, wo das slaventhum^ erst sdP Albrecht dem 
Uhren mit afolg bekämpfi, am ende des 13» Jahrhunderts 
neek sa verbreitet war dqfs nach Beckmanns angäbe (iU* 
Jtem des Jurstenih. Anhalt iv, tx ^^ 551) die ßkrstm 
Hemkerd dpf ie und Albert der ie xm Anhalt gemem^ 
sekfßliek mü dem abte Konrad xu Nienburg an der Saale 
verflügtän^ fortan solle in den öffentlichen geriekten mekt 
mehr die wendische, sondern lediglich die deutsche spraehe 
M amoendung kommen^ diese bemerkung, wichtig seweU 
für die gesehichte der deutschen spräche an der Mittelelbe 
üierimqii, als auch hinsichtlich der aeitfttr die nachfal" 
gendan beiden Urkunden, die ein Jahr später fdlen, ist U^ 
dar van Beckmann mckt urkundlich nachgewiesen, sondern 
eien nur an der angeführten stelle und sonst noch einige^ 
rl Ungemorfen. er hat, wie es scheint, diese naehridu 

dem manuscr^te eines ankaltisehen archiasecretärsBar* 
thehmiue Schwaneberger (um 1580) entlehnt, welches, m 
meinan esfempiare, diese angäbe auch nur sMechtweg 
enihäii. 

ffenn es irgend urkundlich sieh nachweisen li^e, was 
spätere . sehrifUieller blaß behatqften, dafs der kaiser &h 
doff der ie m Mainz 1281 oder zu Würsburg VtlU vsr^ 
ordnet habe, es sollten fernerhin alle qgentliehen instrsh 
mente in deutscher spräche abgefufst werden, und wenn 
die uneehtheit des von ihm darüber angebüoh ausgestellten 

15* 



y 



228 MIBDERDBUTSCHE URKUNDEN. 

üptomSf welches sieh bei Goldast findet^ nicht eruriesen 
wäre, so könnte man auf den gedanken kommen die deut- 
sehe abfqfsunff dieser beiden Urkunden mit jemr verord» 
mung in Verbindung zu setzen. 

Übrigens ist das gewiss .und bekannt, dq/s Budo(fdes 
\n vorUebe ßlr deutsches wesen und deutsehe spräche dem 
erstem wie der letztem bedeutendes gebiet gewonnen hat* 
nachdem fast hundert jähre lang mehr oder weniger tt»* 
deutsches und fremdes wesen in den deutschen königen sich 
kund gegeben, ist Rudolf der ie wieder ein durchaus deut' 
scher mann, und von ihm an ist eme neue zeit seines vol* ^ 
kes zu rechnen. 
Zerbst, F. SINTEinS. 



In deme Namen des raderes. vnd des sunes. vnd des 
fceylegen geistes« Amen. Wie Eric von der gnaden Codes 
erzepiscop ta magdeburch. Albreeh die diimproaest. Bemart 
die deken. vnd dal capitei gemeine des Godeshases tä mag^ 
debärch. bekennen openliken an disseme ieghenwardigen 
breue. dat wie gededincget hebben mit den edelen lüden« 
herciii Bässen, vnd heren Wolthere von Barbeye dem briH 
derea. Vmme vnse mantye tu magdeburch. vnd vmme ere 
montye tu ceruuist alsogedane wis Dat sie henne von dis« 
seme dagbe sie noch ere ernen. tu ener ewieheit diewile 
Tn^^'Godeshns steit. vnd de stad tu cerwist. neue penninge 
skn ne scholen vppe vnse yseren. noch wie nppe ere. Vnd 
sie moghen slan swelkerleye penninge sie willen, snnder 
meydebnrsehe penninge. Ere penninge die scholen gan in 
al nnseme lande, sunder allerleye vare geistlik vnde wer- 
Uk. na erme werde, ofte man wol allerleye penninge iror^ 
bode. Hir vmme ne scal ere muntmester von Cerwist neue 
penninge slan hie ne hebbe tu voren vnseme Muntmestere 
vorwisset twelf punt t& me slage meydeburscher penninge. 
vnd scal ok liden enen hudere swem ene vnse muntmester 
sat sunder wederrede in sineme brode. vnde bi vnses mnnt* 
mesteres lone. die ne scal nich mer bewaren wan dat hie 
neue penninge ne sla vppe vnse yseren. Vppe en openbar 
vnd en ewieh orkunde disser sake. so hebbe wie dissen bref 



NIBDERDEUTSCHB URKUNDEN. 22» 

• 

gegenen vtid besegelet mit vnseme logesegele vnd mit vnses 
capiteies ingesegele. Die tughe disser dinghe sint. Her Go- 
deke von hessen die sancmester. Her hinric von wederden 
die Seoimester. Her albrech von keteliz. Her bfirchart von 
Blanekenbftrch die kemerere. Her hinric von barbeye. vnse 
dienstaunne vnd vnse riddere. her heyne von alslene. her 
huines. borcgreue von louburch. Her henning von bardeleae. 
Her thile von scerenbeke. Vnse Burgfaere» her wesseke Ke- 
seling. Bethanan hose. Hannes von honsten. Heren bnssen 
vnd heren woltheres man. Wolter von Sticboye. Henning 
Sehoitechte. Henning muntmester. Michel de voget. Disse 
bref die is geghenen vnd disse dincg die sint geschin An 
deme iare von Codes gebort, ouer dasent iar. tweybandeir 
iar. in dhem verdhen vnd Neghentheghisten iare an deme 
heyligen anende sente matheus des apostolen. 



In dheme Namen Dhes vaderes und dhes sones und dhes 
belegen gheistes amen. We Ratmanne und we Meistere dher 
innnnge in dher stat tu Maidheburch bekennen dhes opeli- 
ken an dhisseme Jeghenwardighen breue dhat dhe Erbare 
herre vnse berre Erzebiscop Brick. von Maidheburch. her 
Albrecht dhe dümprowst her Bernart dhe deken und dhat 
Capitel ghemene dhes ghodeshnses ghededinget hebben mit 
dhen Edhelen luden hem Bussen vnd hern Weitere dhen 
broderen von Barboy umme dhe muntie tu maidheburch vnd 
lunme dhe muntie tu Cerwist also ghedane wis dhat dhe 
beii&meden heren her busse und her weiter henne von daghe 
se noch ere eruen tu ener ewicheit dhe wile dhat dhat ghodes- 
hns und dhe stat tu Cerwist steit nene penninge slan ne 
seholen up unses heren Maidheburcsche yseren noch unse 
bere wedher up ere yseren vnd se moghen slan suelkerleye 
penninge se willen sunder maidheburchsche pennige Ere pen- 
nige seholen ock ghan in alle unses heren lande sunder al- 
lerleye vare gheistlick vnd werlick na erme werdhe oft man 
wol allerleye pennige vorbode Hirumme ne schal ere munt- 
mester von Cerwist nene pennige slan hene hebbe tu vore 
unses heren muntmester vorwisset tvelf punt tu dhemd sUghe 



280 . NSBDJrainVTSCHB URKONDBN. 

Maidheborcbfiche penoige ere muntmester schal odt 
enen b&dere säen eme aase muntoiester sat sonder wedher- 
rode in sime brode nod bi unses muntmesters lone dhene 
schal nicht mer bewaren went dhat he nene pennige ne sla 
üp nnses heren f seren Vp en ewich und openbar orkonde 
dhisser dhinge so hebbe we durch bede unses bjoren dhissen 
bref besoreuen laten nnde dhen beseghelet init unser stat 
ingheseghele Dhisser dinge toghe sint unse heren dhe d&m* 
heren her Godeke dhe sangmester« her Uarink Yon .wed«^ 
den dhe scholmester. her albrecht von ketelii. her BorchnrI 
von Blanckenburch. dhe kemerere. her hinrid^ von barbojr. 
Dhe dhenestmanne und Riddere her heineman von alslene 
her Johans borcbgreue her hennig von bardeleue. her Tile 
von. schcrenbeke* Dhe borghere von Maidbeburoh her wes* 
seke keseling. her Beteman hose« her Johans von bonsten« 
hem bossen und hem Wolters lüde. Wolter von stickbn* 
hennig dhe schulthechte. hennig muntmester* IKchel dhe 
voghet und anderes ghetrnwer lüde ghenuch, Dhisse bref 
dhe is ghegheuen und dhisse dingk dhe sint gfaeschen an 
dbeme iare von ghodes ghebort ouer Dhosent iar* Taeihttn* 
dort iar in dheme verdben und Neghenteghesten iare an 
dbeme helegben auende sente matheusses dhes apostolen. 



WIE DER BUCHSENMEISTER DER STADT 

ZERBST 

IM JAHRE MCCCXCra GEFANGEN WARD, VON 

IHM SELBST ERZÄHLT, UND BERICHT ÜBER DIE 

FEHDE IN DER DIES GESCHEHEN, VOM ZERB- 

STEH BÜRGERMEISTER PETER BECKER. 

Die nachfolgende erstähbrng, (1) des Zerbeter bUckiem* 
oder gexchüUmeüterM Syverd Luden beginnt mit gedrängt 
ter daretellung seines Verhältnisses zum rathe und jsur bir^ 
gergemeinde der Stadt Zerbst. er gibt zuerst den Mtf 
durch welchen ihn ßi^f jähre vor seiner gefimgennehmumg 
der rath zu Zerbst aufs schleunigste dahin berufen habe^ 
erwähnt wie er dem rtffe sogleich gefolgt und unter wet' 
ehm betUttgungen er als besorger der bikhsen dort amge- 



NffiDfiRDBÜTSCHB UBKUMDKN. 2U 

noMmtem worden sei, und berichtet dmm eeine g^fimgemmek- 
mmg unter der Stadt bauner mit wehrender hand, woher 
der Stadt die Verpflichtung obliege, ihm lösegM und ersatn 
fibr erlittenen echaden zu geben, welches beides er fordert. 

Als beitrug jsur frühesten geschichte der femerws^fen 
ist dieea ensäUung nicht unwichtig, wie hundert Jahre spä^ 
ter die iuchdruckerkunsty mafs die anwendmg des pulvere 
au geschäiz und schie/sgewehr^ beides damals bUchsen ge- 
nanni und sebmr gestalt nach mehr dem heutigen gesckütM, 
semem iaUber nach mehr dem heutigen handgewehr glei- 
chend, aufs sehndlste sich verbreitet haben; denn eine 
Stadt wie Zerbst, damals freilich blühend und mächtige 
Mai sehen 1387 einen biichsenmeister^ 

Es fr Igt hierauf (2) der bericht des Zerbster bärger' 
meutere Peter Becker über die frhde in welcher der er* 
Mfähnte büchsenmeister Syverd Luden gefangen ward, er 
ist der chronik entnommen welche dieser bürgermeister im 
auftrage des rathes und der bürger im Jahre 1451 auf 
setjstOm das original derselben liegt im geheimen archive 
der Stadt Zerbst; ati/ser emzelnen abschnitten, die ich in 
den neuen ndttheilungen des thiirmg. sächs, Vereins habe 
abdrucken U\fsen, ist von dieser chronik noch nichts ge* 
druckt. 
ZerboL FR. SINTENIS. 



Vfisen dinsi vnde vordernisse to vom. leae siaert wy 
bten i& bidden dat gy alzo wol dun dorch vnses denste« 
willen, vnde besundem dorch iuwes swagher wenemara wil- 
len« Tode komen to vni« to cerwist alzo gy erst moghen an 
tortogheringhe. wente wy myd iu hebben to reden, dea wy 
nä itznnt nycht moghen entbeden eder scriaen. — 

Do sad ik von stunden an up myn perd vnde red to 
cerwist to den radmannen, vnde ende my myd en vnune de 
aake de se my do hadden to screnen* Don gheuen se my 
de-borgerscop vnde der brower inghinghe. vnde atedigheden 
ny io enne denere. vnd gheuen my also disse brif na ludet. 

wy ratmannen Schepen innigmeystere borgherghemeyne 
der stad to Cerwist bekennen openbar in dissem ief^MBWW- 



232 NIEDERDEUTSCHE URKUCfDEN. 

dighen breae. vor allen luden, dal wy hebben entfanghen 
Mester synerd luden to eyneme dener ynser stad. vnd scal 
bered wesen myd den bussen. to denende bynnen der stad 
edder dar buten wan men des wert bederuen vnde scal de 
bussen an richten myd puluere med al deme des men dar 
to wert bederuen med syme arbeyde. vnd med der stad ko- 
ste, vnd scal en geyme beren edder stad bussen gheten eder 
dynen vedder vnser stad wille. vor dissen vorghescreuen 
denst scal he wesen Scotes vry vnd scolen eme gheuen von 
der stad weghen to Cerwist* alle iar uppe snnte iohannes 
baptisten dach ver mark gheldes vnde ene halue mark Cer» 
wister weringbe to syner kledunghe to synem lyue. de wile 
dat he an dem dinste wil blyuen. Des to eyner openbarer 
bewisunghe hebbe wy eme gheuen, dissen openen brif vnd 
vnser stad inghes^bel dar an benghet. Na godes bort drit- 
teynhundert iar in dem seuen vnd achtighesten iare. an dem 
dagbe des hilghen heren sunte mertens» 

Don scach* dat de radheren na my sanden^ vnde spre- 
ken mester syuert wy sint drapliken ghewamt sed dat de 
bussen synt verdick eft man se scolde bederuen. Do scach dai 
enes dinsedagben morgens (ßaX fehlt) de vyende vor cerwist ran- 
den vnd nemen dar vor. don luddeme de klocken to storme» 
Do ghing ik vor dat radhus vnd wolde de bussen hebben 
dat men se bedde ut gbevoret. alzo ik de des auendes badde 
verdich ghemaket. Don konden se my nycbt utghevoret wer- 
den. Do gbiug ik by den sekhof myd den borghem. Do 
quam predemitz reden de der radmanne en was. den bad 
ik da(t) he de bussen lete utfören. eft wy se bederuen 
senilen dat wy se hebben went ik hebbe hir al myn gfae- 
rede dat ik dar tu bedarf, don konden se my nycbt werden. 
Do het my bulendorp predemitz vnd arnt ghercke dat ik 
scolde volghen den vyenden myd den borghem». Dar ouer 
wart ik ghevanghen vnder der stad banneren myd werender 
baut, bedde ik don de bussen dar bad myd der hulpQ godes 
wolde ik den scaden wol bewart hebben. Hirvmme bidde ik 
dat gy iuwe gnade to my kern dorch god vnd des rechtens 
willen vmme myne haue de ik verlorn hebbe vnd vmme dat 

* hier sind im originale die worte dat enes mandaghen auendeii 
ausgestrieken. 



AUS PETER BECKERS ZERBSTER CHRONK. 2» 

ik dar oaer vortered hebbe vnd dat ik to scbatiinghe hebbe 
gheaen Q Edder duo my dar ymme alzo gy my von rechtes 
weghen pliehtich synt. wente an rechte schal my alle we- 
ghe wol nughen. 



Item by des genenten vnszrs herm grauen Segmnndes' 
tyden Anno domini mcccolxxxxiii so he dat regement ouer 
ms hadde geschach eyn merklik stryt in deme stiffle to hil- 
densym tnschen deme hocbgebornen forsten vnd herm herm 
frederike hertogen to Brunswick vnd Ern hänse van Swi- 
chelde vnd Cnrde vame Steinberge vnd andern stifFtgenoten, 
den snlnen stryt wan der genente hertoge frederik vnd fengk 
vele der stieffgenoten gude lüde borgere vnd biir. Tha deme 
snlnen stryde ward der genente vnsze herre grane Sege- 
mnnd van deme genenten hertogen frederike geheyschet vnd 
gebeden de denne med resiger haue siner manne deme ge- 
nenten hertogen fredericke to hulpe toch. 

Item so der genente vnsze herre deme hertogen wolde 
tha hulpe komen so vorbodede he den Rad thu Czerwest 
thn den tyden vor sik vnd seyde deme rade liuen getrawen 
wy willen med vnser manscbap so wy de rästigest hebben 
mögen vnszem liuen Ohemen vnd herm hertogen frederiken 
to Branswigk volgen vnd vns in syne hulpe genen weder 
de süefftgenoten. So gy denne wol weten dat wy vnd gy 
vnd vnsze gantze land med dehn aldemerkischen befeidet 
sin weiset sake dat de merkischen vor czerwest oder in 
vnsze land welken namen deden gy schollen in vnszem aff- 
wesende nicht lagen wen wy besorgen vns gy mochten dar 
ouer sdiaden nemen Sodaune rede vnde sage vnszes gnedi- 
gen herm brachte de Rad vor de borgere. 

Item so vnsze gnedige herre vppe de reyse vte waz 
suchten de olden merkeseben vor lyndow** vnd Czerwest 
alse de honetman van Angermunde geneut koningesmark de 
aitenplitzere de van Stendal de van Angermnnde vnd ore 
hulpere vnd nehmen vehe vnd drefen dat vehe wen legen 

* ßirst Siegmvnd der \e xu Anhalt, starb 1405. 
'• hurg und flecken lyk stunden vonZerbst; die trütnmer der er- 
stem sind heute noch sehenswertb. 



n4 AUS PBTBR BECKERS ZERBSTBR CHRONIK. 

looborch So ward dat gerächte bynnea dasser stad so ia- 
geden de borgere na thu perde vnd tha fate aö de borgere 
Ihn der tyd gantz ferdich weren vnd vele borgere perde 
bilden, wen tha der tyd bilden de borgere perde naeh oreii 
gaderen. So de borgere vor dat Annckunsche* dor qwemeii 
fugeden sik de Radmanne by sik (/• äy) vnd spreken lineii 
firunde vnsze gnedige herre graue Segemnnd hefft ras ge- 
seehi vnd gar emstliken befolen so he van vns scheiden 
wolde effl de vd der alden marke edder andere welken veha 
aamen in synem lande ader vor der stad nemen we schol* 
den nicht na iagen vnd de rad bad vppe de tyd de borgere 
dat sy dar an vnsKem gnedigen herm horsam weren Ok 
qwam vppe de sulne tyd eyner genent Eferken de badde 
tbtt der tyd dat slot lyndowvan der stad wegen in so lyn- 
dow ihn der tyd vnsze pandslot waz vnd sprak tho den 
borgeren linen fronde iaget nicht na wen de ffande hebben 
by lonborch med eyner grothen sampnunge vorbalden Des 
snluen glik wurden ok de borgere van itzwelker manschap 
van louborch gewamet dat de fyande by lonborch vorbalden 
hedden dar wolden de borgere deme rade vnd sodanner 
wamunge nicht achten vnd weren deme rade tha der. tyd 
gantz vnhorsam vnd spreken deme Rade vnd den ibennen 
de sy wameden bönliken vnd togen tho perde vnd tho fiite 
wente vor loborch ofer vnd thogen gantz wiet vnd breit van 
eyn deger vngeschicket wy ryden adder lopen kande de toeb 
vor. So de borgere twuschen groyden vnd zcepemick qwe- 
men so brack der vyande halt vp vnde de ronre wedder- 
wenden sik vnd togen dehn borgeren iegen vnd so de vyande 
den borgeren iegen toghen so qwemen vele borgere thn 
Czepernik vppe deme kerckhoff thu perde vnd Ihn füte b»- 
stan vnd slügen der Stadt bannir dar loesz vp^ sunder ly 
weren thu der were nicht geschicket, wy ryden ader lopen 
künde de reden vnd lepen dehn iennen iegen de noch na 
rp de volge weren med eyneme groten geschrey in der 
wiese, liuen frunde fleht hir is verloren liff vnd gnd^ So 

* Ankuhriy eine grqßte vorstadt bat Zerbst, seit jahrhundorUn 
durch ihren trefflichen gartenhau bekannt; dernatne, in alten Urkun- 
den Aiikona, Ankan, ist Mweffelsokn^ siavisoher herkuftft, seine deu- 
tung mir der slavisehen sprachen unkmuUgem nicht vibgOck, 



AUS PETER BECKERS 2BRBSTER CHRONK. tU 

iMden ie iyande vnsseD borgdren iegea vnd n ni sUigeii 
4er wol bf xmi dol vnd fengen der bouen anderbaUBmn- 
dert thn fole vnd tho perde dsir feie mechtige vod rfke lade 
laede weren vnd forden de gefangen icgen Angennnnde vnd 
leten der eyn deil tho Stendal füren vnd eya deil hiUen tha 
iergel dal der van nitzenplita waz vnd de thn Angennunde 
gefangen weren de aeten in eyner knien vppe dcme alotob 
Item ao de snlnen borgere de thn der tjrd dot worden ge» 
alagen vppe deme velde liggen bleuen wurden de aulnen ganCs 
vd gelogen vnd geblötet vnd sere getreddet vnd gewnndei. 
10 de dodea wurden in de stad gebracht vnder vppe denn 
radbnae qweaien vele lüde vnd künden ore frnnd dar msmg 
kanHß bekennen« 

Dusse nedderlage vorluat vnd schaden ia gesehen nach 
godea gebort also man schreff H<'ccG<>xcni am dage aenei ca- 
lixtus des hilligen paweses. 

Item so de sulue vnsze gnedige herre wedder inheniisch 
qwam vode aodannen iammer vnd schaden borde wart he 
gantz vnwillich vppe den rad thu Czerwest dat sy syme bode 
nicht weren horsam gewest. 

Item so de sulnen gefangen itzwelke tyd geseten had- 
den vnd sere gepyneget weren würden de gebngen vnder- 
langes alle eyn dat se sik wolden vdborgen laten vor vehr 
dusend bemische schok gr. vor hundert fuder zcerwester ber 
vor hundert parchame vor hundert punt pepera vnd sanden 
dar vp ore bpdeschap an den rad thu Czerwest vnd de sul*? 
men gebngen vorwilkorden sik legen den genenten bonet* 
man van Angennunde vnd legen den andern de sy gefangen 
hadder, weret dat de Rad van Czerwest sodanne scbattinge 
vor sy nicht vorwissede so wolden sy hundert fuder berss 
legen sy vorfallen sin vnd vorborgeden den willekor med 
itzwe||Ä<borgeren bynoen Angermunde. 

tusm so de gefangen ore bodeschap an den Rad brach-« 
ten thn Czerwest so lyten de rad de gemeynen bürgere 
vppe deme radbuse yorboden vnd brachten sodanne wiese 
vor de borgere. so de börgerc sodanne der gefangen schätz 
tinge vnde wiese vornemen wolden sy oren willen vnd ful- 
bort dar to nicht genen noch in keyne wies folgen. Sunder 
de borgere wurden eyn vnd geuen deme Rade in^ wy dir 



2S6 PSALM. 

^Euigen were de sulde sik mfaies losen, wen sy alle loesz 
werenr so schulde de rad de borgeare tho sampne hebben wes 
sik denne de böigere dar vmb vordrBgen dat würden tlo ge- 
&ngen denne wol vornemen so kwede sik eyn iowelk ge- 
fangen nach syme vormögen. 

Item dar nach so de gefangen ore schatlinge besät bad- 
dcB so würden de borgere vppe deme radhuse yortiodeiymb 
wedderstadinge der gefongen beschatdnge dar würden de bor- 
gere vppe de tyd eyndrechliken eyn dat de rad scheide ey- 
neme iowelken gefangen den drüdden penningh wedder genen. 
Dar badden de gefangen nicht gnd genüge thn noch bleff ed 
dar by. Sünder eyn borger genent bans krcigher de wolde 
dar in nicht folborden so dar van hir nach steit wn hans 
krögher med deme rade dar vmb.sakede. 

Vnde dar thn geaen de borgere alle eyn gemeyne schot. 



BRUCHSTÜCKE EINER PSALMENUBER: 

SETZUNG. 

bl. 1 Ä. ps. 118, 7— 13. 

in der rehtheide der herzen in gerehteite 

in directione cordis in eo quod didici iudiciB, instkie 

diner gere behvde niht mih verlaz . • • 

tne. Instificationes taas c«#todiam non me dereUnjmt« 

hemo rihtete der lungere 

usfuequaque. In quo corriget adolescen^r mam smtm m 

te • . . . rede mime yorskete dik 

ctfstodiendo sermone« . ^i^^ • Jn toto corie meo exqoisioi te 

B ten dinen in herzen 

ne repellas me a »landatis tuis. In corde meo abscöndi 

. . de dine daz ih niht svn • • . . bis h*re 

e/oqaia tua ut non pecce^Tt tibi, Benedictus es domine 

lere mih sere mvnden mine wrekvnde 

doce me ixkstißcationes tuas. In labüs meis pronuntiatft 



bl.\ b. ps. 118, 19—24. 

nde ih bin inerden gebot dine 

ola ego sum interra tum abscondas a me mandata toa« 



PSALM. 2S7 

iz • • • « . • . • min ^ifa gpere • • • m 

Conetgnuit anima mea desiderare insttficationes hias in 

alleo idtea fcvl • «... vervlvhet dl du a^neiget 

onuii tempore. husrepmBU. sttperbos maledicti qui deetinanl 

•• • . • aKe Bim vo mir idewize 4 • . • . 

a mmudatU üds. Aufer ame obprobmfli et conümpimm 

. ide- Trekrade din lazen rvTstea ▼& 

^ida testimoiiia tua ea^jmsüä. Etenün «edenmt priacipea ^ 

• . . • • knehte svnder diu • . . 

adiremini me loquebantm serans aatem tuos eserc^iOntt im 

« t eiten dioe wUe 

naldfoatioiiibiis tuis. Nam 



bl. 2 a. ps. 118, 113 — 118. 

minnele belfere v5 pliahere min • . . . rfi inwotl dio 
düexi. Adiutor et sasceptor meas es tu et inaerbam iunm 

yher köffete vonmir vbelwilUgenvn scol k^nde gpebat 

supersperaiii. Decfthate ame maligni et scratabor man« 

"^ gotes mines inpbab mih nab re • . diner t2 

data, d«. mei. Suscipe me secundam eloj^idum taum et 

l^e sal Tn nibt gescendes mib . . n beitrage miner Jiilf 

uinam et non- confundas me ab expectatione mea. Adiania 

mir Yn . . . ic werde vn scol betrabte in gerebtbeitea dine 

me et sabms ero et meditabor iniastificatioiiiÄiui tais 

iemer smebetes alle abe 

senper Spreuisti amnes disce- 



iL 2 b. ps. 118, 124—129. 
gnadea dinen vn gerebtbeile dine ... mich kneht 

misericordiam toam et iustificationes tuas doce me. Senilis 

din bin icb gib mir ve « . . . daz wize vrekvnde diae 

ta«s sam ego da mihi inte/Zectiim at sciam testimonia tua. 

sU ... tvnde berre zestorden ewe dine • • • 

TemptCf faciendi domine dissipauerant legem taam. Ideo 

minnete gebot din vber golt vn ..pazion dvrfa daz zv 

dilexi mandata tua saper aurum et fopazion. Pn^terea ad 

all^me geböte dime wartgeribtet allen weg vnrebten bezlib ba . . 
omnia mandata tua dirigebar omnem uiam iniquam odio habui 

ynderlib 

mirabilim 



SM PSALM» 

U. S* p*. 118, 133— 1S44 

« • • •••*«« min ille vnivkt 

(#) iltti ttttBB et Bon domiiietiir mei omnis iniatlida. He* 

i%se ' mik von seanden itr Ivte das lek bebvte (pebot diiie 

dime me acalomniis bominam et (30) osstodiam iiMiiifbitft taa. 

aoUls« dtn irtvhte vber knebt dinea yd 1er» nib ger* 

Paoiev tiam illamina super seruim tnan et doee me in» 

rebtbeite dine TSgaae ^ wazere binelciten . avgaa aiin 

eUfieatkiiies toas. Exitvs a^oarain dedoxerunt emli mm 

wäde aibt bebvtea ewe diae rebt bis b^rt vn 

qnia non eustodierunt legem tuam. Iiistns ea domine et 

rebt vrteil dia g^ebot (perebtiieit Trekvnde dine 

reetom iadicium taam. Mandasti iusticiam tesümonia tua 

vfi warbeit dine zevile wrbte mib tete zorn min 

et neritatem taam nimls. Tabescere me fecit Zßhis meos 

Wide i^SOBep aint wort dia viaode aua wtia gefctat 

qnia obliti sunt UQrba tua inimici mei. I^nitam eioqnimn 

dia * cebtUb yä kaebt dia miBäela daa ivanÜMt 

toum uehementer et seraas tuus dilexit illadt AdoTeseeii- 

bin ih rn V(. . • ^t gcrebibelte diae ailit Ua 

iviu9 swax ego et contempios iustificatiooes tuaa noo smo 

v(*.*..) gerebtbeit dia gerebibeit (• .) vi ee din warbflii 

eoUtiis. lusticia tua iosticia ineternum et le;^ taa aeritas. 



(••••*,» ^ •) , waden ( • •) betnditvap 

Tribulatio et angustia inaeneraot me mandata taa meditabo 

min (. . .) gerebtheit vrekvnde dia iaewe ^ veniTflift 

mea est. (b) Equitas testimoDia tua inetemam intellectum 

gib mir vn sal tebe rif in alleme berzen min irbore mib 

da mihi et uiuam Cujiavi iptoU> corde meo exaadi me 

bVe gereblbeit dine sal vorske rif zvdir vn 

demine iostifieationes taas reqairam. Clamaai adte et 

beilie mib dv vn sal behvte gebot diae rare qv^m in 

saloom me fac et custodiam mandata tna. Preoeoi ui- 

Tificbeide vn rif in werte dime vber bolTete varqaa- 

maUiritate et eiamaui in uerba tua saperapera^i. Preae- 

mea avgen mine zvdir vrvwe daz betrabte rede diae 

oerant o<mH mei adte diluculo ut medÜtarer eloquia Um. 

stime mine nab barmherze diner b*re vnd* 

Vocem meam ^ seeundum miserieordiam tuam domine et 

"* dia inewe oben meist weggeschnitten * * audi ist amsge- 



PSALM. 

nah ^ vrteile dime geneve mih iz neheden 

aecandmn iadicium taum uiaifica me. AppFopinquauerunt 

nah • • Igeten mih ynrebte Yon ee sand* . . . verre (pemaJiet siiit 

persequentes me iniquitati alege antem tua longe facti sunt« 

nahe ' wia h re yS • • •/ wef^e dine warheit inaaeaenge 

Prope esto domine et ornnis uie tue ueritaa. lucio 

bekan(.. ..) vrckvnde dinea wäde inewe (.,)stift(.,) ai 

c(^om 'de testimoniis tais quia ineternom fbndasti ea. 

sih demvte mine ( ) mih wäde ee diu a(. •) 

Vide hamilitatem meam et eripe me quiä legem tuam non 

hin v'ipezen (...) 

am oUitas la 

Zwei pergamentblätier» vom einbände eines buches im 
besitze der Leipziger deutschen gesellschqß abgelöst, mit- 
getheilt von herm doctor Leyser» von dem ersten blatte 
nur etwa die hälfte in zwei. stücken übrig ; das zweite blait 
fast unverstämmelt, auf der seite achtzehn lateinische zei^ 
len^ in octav. die schri/i aus dem zwölften Jahrhundert, 
cursivschrifi im lateinischen texiy punkte in der deutschen 
Übersetzung bezeichnen was weggeschnitten ist, eingeküm' 
mert« punkte unlesbares. 



DER STARKE BOPPE- 

Bruder Berthold sagt in einer seiner lateinischen pre^ 
digtm (Leipziger hs. 496 bl. 57'*) sunt at Popponea» qoi vir 
delieet doplicem habuit virorum fortitudinem et anum diem vel 
etiam parasceve ieiunare non potnit. der * starke Poppe* des^ 
sen der ackermann von Böheim gedenkt (JVh, Grimm d. het- 
dens. s, 402) wird derselbe sein; der dichter Boppe aber, der 
in der Überlieferung der meistersänger der starke hiefs, m'nfs, 
da er nach Beriholds tode (1272) dichtete, diesen behtamen 
einer anspielung auf ältere sage oder gesckichte verdanken. 

H. 



240 



•1 



EIN LOBSPRUCH DER SCHÜTZEN. 

Darinnen die aoTsreden, vnd furwort der löblichen Büchsen- 
schützen, anf aller hand vrsachen vnd allerley zufallende ge« 
legenhelten, so im schiessen fürfalle, auch in was gestalten 
sich die zutragen mögen, erzelt vnd beschrieben werden 
Gantz kurtzweilig, vnnd den Schützen sond'eriich nutzlich 
zu lesen. Gestelt Zu Ehren vnd Wolgefallen der Loblichen 
GeselschaSt der Bnchsenschützen, der vralten Statt 

vnd Landtschafft Zürych.^ 

(holzscknitt) 

Dem Edlen Vesten Janckeren, Johans Hartman Aeschern, der zeyt 

Zeügherren der Statt Zürych, etc. Seinem insonderf 

{^nstif^en Janckeren, etc. 

CSideler, Ehrenvester, insonders günstiger Junckher Zengher: Naeh 
dem ich difs gedieht, vor etwas zeyts, aufs etliche alten vnd 4ieaweB, 
getmckten vnnd geschriebnen brieffen, vnd zädlen, zftsamen getragen 
gemehret vnnd gebesret, vnnd anff das scbiessen, weliehes Anno Do- 
mini 1504. (so albereit schon hundert Jahr ist, syder her es genbt) 
alhie zu Zürich gehalten, gestelt hab, bin ich die ;ceyt hero, etwo dieker 
mals, von vilen schützen alhie angeredt worden, söliches durch den 
Tmck an tag zugeben. Hab aber dits bits auff jetzt vnderlassen müs- 
sen, eins theils von wagen etlicher geschafften, anders theils dafs ich 
besorget, difs kleinfog wercklin mochte von etlichen vnruwigen leuthen, 
denen nichts rechts ligt, getadlet werden. Sitemahls aber ermelte 
sehüUea, mnd etlich ander ehren personen, mich jetzo neüwlieh wi* 
demm ermant, vnd an mir angehalten, in disem wercklin fürznfahren, 
vnnd ich auch betrachtet den spruch : Ein weyssen Geist müfst der 
gwits hau, der anfieng das gfiel jedermä, so hab ich jhnen hierin ge- 
wilfahret, vnd ermeltes gedieht, zu ehren den Büchsenschützen, dtfr 
statt vnd landschafft Zürich anfsgehen lassen. 

Dieweil vnd aber edler vester insonders günstiger Jungher zeug- 
herr, ein alter brauch gewessen, ^ dafs wo je etwas notzlichs, vnd 18b* 
lichs im Truck aufsgangen, hatt das selbige alweg seinen Protectoren, 
dem es zugeschrieben, gehebt. Dero wegen ich alhie sölichem brauch 
gefolget, vnd mich vmb ein Patronen vinsehen, dem das schiessen mit 
den handrohero, wie auch gleichs fahls mit grobe geschütz geliebe. 
Hab derhalben ein hertz gefasset, E. V. difs Tracktätlin zu dedicieren. 

* ttebiehn quariblä'tter. 



GROSS AUSRBDJ^ DER SCHDTZEN. 241 

*Sin^ jAat fiirnemlich vmb dreyer vrsachen Villen. Ersüichea, data B. 

^ V. yon jngeod aelT ermelt schiessen, mit grossem vn kleinem geschütz, 
oit lian alein geliebet : sonder der gstalt geübet, daQs jbr ancb der 
zeyt von einer ehrsamen obrigkeit , alhie* zu Zürich, vber Jhr zeng- 
kanb, greb vnnd klein geschütz, sainpt aller bereitschafft, vn muni- 
tion (weliches alles sich jetziger zeyt, Gott lob, treffbnlich gemehret 
hat) gesetzt 9ind, bey vnnd neben dem edlen, vesten, vnd hochgeacb- 
tcn Jnnckherren, J. Hans Heinrych von Schönanw, alter vogt der herr- 
sehafft Greiffensehe, welicher anch ein besonderer liebhaber defs gros- 
ces Tond kleinen geschosses vnd der selbigen geübten ist. Anders 

^ tbeilfl hab ich E. V. dirs gedieht darum dediciert, dieweil ich weifs, 
dalli jhr es mit enwer anthoritet vnnd ansehen, wider alle lestermeS- 
1er, die alles kh tadlen wüssen, protecktiere vn schirmen werden. 
Letstlichen, dafs ich doch den aller geringsten theil der Obligation, 
damit ick E. V. von wegen vilfaltiger be wissener friindseha£ft vnd 
guththaten, so mir von £. V. vn dero geliebten bruder Janckherr Ge- 
rolden Aescher, meinen insonders günstige Jnckherren, von Jugend an 
widerfahre (obligiert vnd verbunden bin) danckbarlich zu bezalen er- 
zeigen mochte. Wiewol difs wercklin der selbigen nach allzu geriag 
vnnd Ueinf&g möchte geachtet werden, etc. Bitte hiemit E. V. 
wolle disere meine kleinfuge arbeit, im besten von mir auffhemmen, 
vnd verstehen, vnd mich in eiiweren gunsten vnd gnaden, wie bifshere 
noch weyter lassen befolhen seyn. Befilch euch hierauff sampt euwe- 
rem geliebten gemahel, vnd kinderen, auch die euwerigen alle in den 
sehirm Gottes, neben wunschung eines neuwen gluckseligen jahrs, 
welicher euch in dem gluckseligen wolstand vnd ansehen, in den eh- 
renempteren (mit welichen jhr von vnsere genadigen herren begäbet 
sind, vnd verhoffenlich durch sein genad noch zu vil höheren vnd 
wichtigeren Ümpteren aufi^steigen werden) genädigklich erhalten wolle. 
Amen. Zürich den 26. Decembris, Anno Domini 160!^. 

E. V. Dienstwilliger 

Hans Heinrych Grob 
der jünger. 



Z. F. D. A. IIL 16 



242 GROBS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Aufsreden vnd Fürwort der Loblichen tiesellsehafflb / Jj^ 
BüehseDSCiitzeD, wenn sie. Bit vil Träfen, wie sififc: .. ' 

du zutragen mag, 

Auff aller band vraadiMi^ *'S€r in Schiesgen förfallen mogenf, 

gesteh. Gantz nntzBch md knrtzweylig zuläsen, etc. 

Gedicht durch ein Hebhaber defs hochberümpten 

Buchsenschiessens, in Ztirych. 

Ich thet mich auff ein zeyt auffmachen, '''^' 

zn bschauwen aller hand weit vrsachem 
Durchreifst vil Länder feer vnd weyt, 

zog vmbher fast ein lange zeyt. ^ 

Sach hin vnd her, vil schöner ding, 

auffs Schweitzer land ich auch zngieng: 
Dann ich vernommen het neüw mär, 

wie das ein schiessen darin wer. 
Zu Zürich in der hanptstatt ghalten, 

mit grosser freud von jung vnd alten. 
Begab mich defshalb schnei auff dstrafs, 

gar bald ich auch in Zürich was, 
Wolt selbst besehen disere Sachen, 

Was gstalten man es möchte machen. 
Mit den hauptschiessen grofs vnd fein, 

Ob gleich mir worden was zu klein, 
Der seckel, vnd das galt daraufs, 

•Zog ich doch zu eim freund zu haufs. 
Der mich kostfrey gehalten hat. 

Die zeyt die ich was in der statt: 
Dan von Züricheren man thut sagen, 

wie sie nichts reüwt, zu keinen tagen. 
An frembde leuth, mit kostfrey halten, 

mit gesellschafft leisten, jung vnd alten. 
Mit vmbhin füren an ort vnd end, 

wo man vil kurzweil übt behend. 
Wölchs mir, auch widerfahren "was. 

Von der Herrschafft, gwifs sag ich das. 
Nun dafs wir an difs schiessen kommen. 

So wüfst, wie ich es hab vernommen : 
Dafs vor viln jähren hiebeuor, 



enoBs AOsRjuQp^ß schOtsi&r. 

yä ^ Den (/. Die) Biichsmscbatzen offenbar, 
■SL. 1° ganlzer Eydgaoschafll lieriun, 
. ' Begert Land, an jhr Herren fruni, 

, Von orl za orl, emcn krantz zehaltcn, 

das ist ein schicssen vnzerspalten, 
Damit die schiilzen der Eydgnoschafft, 

Also durchs schiessen mit b'ebes krain, ■ 
:' 'Süll ander möchten bkantlÄä werden, 
•^^i ouch desto gheimer in kriegg gferden. 
' y .Weil nun zu tagen ward liirbracfat, 

Dib b^re, vnd gar wirf bcdacbt, 
Da. namen die Ziiricber d^acli zu band, 

Vnd scbreiben auf», in vile Und. 
Im tausend vnd fünffbundert Jahr, 

Viere darzo, ist offenbar, 
Im Ängsten, rmli Lorenzi tag, 

(wie jhr aoTsschreiben fein vermag) 
Dafs »an sfilt kommen gehn Zürieb, 

aoff dises schiessen, grors vnd berrlich, 
Anff obbestimpte tag vnd zeyt ; 
' defs kamen von stett vnd landen weyt. 
Der schützen eine grosse anzat, 

von allen orten, vast vberal. 
Die zugen bie zu Zürich ein, 

Zn halten disen schiessen fein. 
Die besten gaaben wurden gmacbt, 

anff beyder zeilstatt wolbedacht, 
Hundert vnd zeben gülden grad, 

die man anff beyde ziehlstatt gab. 
Zum Toppel ward gelegt nit mehr, 

dan andu-balb gnlden vogefebr. 
Den schützen schanckt man brot vnd wein, 

auch käfs vnd obs, vnd anders fein, 
Zu der Tagürten, wie ich sag, 

weil scbiessen Weret, alle- tag. 
Auf dem platz fand auch menigklich, 

vmb gälte wie in der statt zugleich: 
JCessen, ztrünken, was man wolt. 

So hat man da, in siUier vnd gold: 

16" 



2M GROBS AUSRBDBN DER SCHÜTZEN. 

Yil schöner gschir, wie auch hienebei, 

in den vil auffgerüsten gäden: 
Köstliche wahr, vnd krämerey, 

welchs man da fand zu kauffen frey. 
Hiemit das stihiessen fahet an, 

ich hett damals nit yil zu than: 
Dan dafs ich gieng da auff vnd nider, 
' bschauwet alle örter hin vnd wider. 
Damit ich sehen möcbt mit lust, 

das ich daruon zu sagen wufst. 
Vnd wen ich solt die warheit jehen, 

so hab ich schöneren lust nie gsehen, 
Von aller hande kurtzweil vil, 

vnd sonderlich von manchem spiL 
In Silber, kleinot,' gold vnd gelt, 

defs liefs sich sehen mancher held. 
Da thet gar manchem der seckel krachen, 

defs doch der ander nuhr thet lachen. 
All ding waren wol gerichtet an, 

vil zälten stunden auff dem plan. 
An beyder zieblstaU gspannen auff. 

ich gwaret vasf-. der büchsen lauff. - 
Auff sambrost ich mich nit verstund, 

Darumb zu sehen~ ich begundt. 
Wie dschiitzen am platz fiengen an, 

hatt mich gar nach zuhin getban. 
Nam mich der sach doch an mit nichteu, 

Vnd liefs mich ander leüth berichten. 
Wie all ding waren zu gelon, 

ein schütz thet in den andren gohn. 
Der erste schütz der war vollendt, 

die netiner waren da behendt. 
Von Scheiben zogens die schütz aufs, 

Liefferten träffer ins schreybhaufs. 
Die fehler giengen neben hin. 

wer nit trifft, der hat kleinen gwiin. 
Mein achtung gab ich eben drauff, 

wie sich beklagt der fehler hauff. 
Was mancher für ein vrsach het, 



GROSS AUSREDEN DER SCHlJTZnN. 245 

dab er den schütz nit träffen thet. 
Eim fehlet difs, dem andern das. 

defs klagens was vil über dmaars. 
(1) Da hört ieh gleich den ersten klagen, 

wie sichs den schütz hab zugetragen. 
Er sprach, die scheyben thut mich äffen, 

all mine schütz kan ich wol träffen, 
In der wettscheyben, sag ich zwar, 

die anderen scheyben fehl ich gar. 
Zar wettscheyb, bin ich recht gestellt, 

der rächten hab ich gar gefehlt. 
Die wettscheyb hat mich gar betrogen, 

oder die rächte scheyb hat glogen. 

2 Dort schiefs ich hoch, da schiefs ich nider, 

ich wil mein büchsen seübren wider. 
Der ander schütz ward auch volbracht, 

ii^h mir in meinem sinn gedacht: 
Was wil sich nun jetzt heben an, 

bin schätzen die nichts troffen han. 
Die hatten vil za schaffen alle, 

wer da nit traff, thet mir gefallen. 
Einer ksm her, thet sich sehr klagen, 

h5r mein gsell, solt ich dir nit sagen: 

3 Es hat mir einer sabsehen gschlagen, 

das thet den schütz auff dseiteii tragen. 
Solt mich das nit vnlastig machen, 

ich mofs bas achten auff die sachen. 
DaTs ich nit schiefs so über zwer, 

wolt dafs ich wider daheim wer. 
Ich war da heim gar wol beschossen, 

alhie bin ich schon gar verdrossen. 
Hab gmeint bey allen meinen sinnen, 

ich wölt alhie das best' gewinnen. 
Da heimen gwint mir niemands an, 

Hat mich ein gut jähr her gelohn. 
Ich dacht, was wil noch werden dranÜB: 

das schiessen ist doch noch nit aofo? 
Was wollen dan die andren sagen'. 

bald kam einer, thet sich klagen: 



L ba 

■ Ven 

^M Giei 



GROBS AUSREDEN DER SGHIITZEN._ 

Bocks marter, was hab kb vergessen, 

ich bio vor bey der zäch gesesseo, 
Ynd bab mich nit einschreiben lohn, 

ein schönen schütz ich troETcn han, 
Vnd sol mir nun Jelzund nil gälten, 

so schlage doch darein sant velten. 
Ich sähe zu, gieng wider vnd für, 

defs klagens ich kein ende spür. 
Wann ich sie euch all soll erzellen, 

es möchte mir am papicr fehlen. 
Der schimpf der gficl mir also wol, 

wann ich die warlieit reden sol. 
Bald kam einer her gegangen, 

□ach seinem gsellen Ihet verlangen. 
Sich mein gsel, ist das nit ein pofs, 

dafs den tropfen all plag anstol's, 
Der mir mein büchs abglasseu hat, 

ich stund dreymal an der schielsstat ; 
Zum ziel ich scbiessen wolt geschwind, 

kein kraut nach loth ich darin find. 
Drey mal gabs fcwr^ wolt doch nit lassen, 

gar bald die neüuer darhey wasseu, 
Heissen mich gschwind gcbs aufs dem stand, 

kein gnad ich bey jnn gar nit fand. 
Gsell sprachen sie: Tbu wider laden, 

dein scbiessen tbut so kleinen schaden. 
Kein aufsred wirt dich balffen nit: 

hetst du der bücbs rächt gwarl hiemit. 
Ich gieng darvon mit scbläcbtem muth, 

wie icbs klagt meinen gsellen gut, 
Sprach er zu mir: Ach bruder mein, 

lafs dir das nit ein wunder sein; 
Sich wie gehts mir anlF disem scbiessen, , j, 

soll mich difs auch nit hart vcrdriesseai: ii<j 
Wie ich zu lang bim trunck gesessen, '. 

bab ich der kugel gar vergessen. 
Vermeint het sie in dbiicbs gelegt, 

wie bald der ban in ligel schlegt, 
Gieng zwar als an mit schlächteiu klapf, 



r 



k 



GROSS AUSHBDEN DER SCHÜTZEN. 

Ich stund da wie ein voller zapf. 
Der Zeiger woU sicL gar nit regeii, 

Der Britscheumeister kam enigegea: 
Binder mir her, mit seinem gseilen, 

Vud tliet sich eben lütz gestelleii. 
Macht mit mir da niL lang verdanck: 

Vnd legt mich auf den Narreubanck : 
Uauwt mich gar sehr mit seiner brutschen, 

Ich meint er wolt mir sgsefs zerknütschen. 
So gut gschirr hat er mir gemacht, 

Das volok auch meinen gnug hat glacht. 
Als diser hat sein klag vollendt, 

vnd ehe ich mich recht vmbgewendt: 
Da sach ich bei, vnd vmb jn stahn, 

vast sieben oder acht, neun man. 
Die Ihellen jbre noht erhellen, 

wie jeder seinen schuCz thet feleu. 
Der ein der bat zuvil gebawl. 

Der ander zvil dem dritten drawl. 
Der viert sabsehen bat geschlagen, 

thet jm den schütz gar weit abtragen. 
Der (ünSt spracli, ich hab nit gelogen, 

mein bulffer gut isf mir verzogen. 
Kein schütz wil mehr zum andren gähn, 

vnd solts sant Vellens siccbtag han. 
Der sechfste sprach, mir ligl nichts dran, 

wenn ich nur hie mein knrlzweyl han. 
Da heim wil ichs wol bringen ein. 

Der siebendt sprach: ach warlich nein: 
Wann du was köntest hie gwinnen, 

du wurdest dich nit lang besinnen. 
Das poperle im crmcl dein, 

das wil auch jetzund bei mir sein. 
Dem achten war das schlofs zerbrociien. 

So hat der neündt gar offl gestochen, 
Aufl* den hauptschiessen vmb das best. 

das glück ju jetzund gar verlefst, 
Defs mufst ich jn mein busen lachen, 

Ich dacht sie Werdens besser machen. 



24» GKOBS AU^IEDEN DBR SGHUTZBN. 

Der dritl theyl sschiessens war nit hin, 

16 Ich acht nnr, wer das best gewin« 
Bfancher sagt: ob jch nichts gewinne, 

so wil ich doch sein gatter dinge. 
Mein lieber Hans, der gilt euch anfs, 

vnd machet nun nichts anders draafs. 
Hat nnb der ritt das rofs dabin,' 

so nem er auch den zäum mit hin. 
Da fieng sich sschiessen wider an^ 

defs abendts bat man schlaaSlrnnck thaii: 

17 Die schlaafftriinck hört man morgens klagen, 

darmit war mancher gsein beladen. 
Mit zanck vnd hader, scblegerey, 

das gab vil seltzam fantasey. 
Difs wil ich jetzund bleiben lan, 

vnd wider naufs zun schützen gan: 
Dann bald sy schiessen wider an, 

do macht ich mich schnell auff den plan. 
Thett femers bin vnd wider bsehen, 

was weitter thetten zsammen jehen. 

18 Eim was etwas am schlofs zerbrochen, 

19 dem andren war ein stich drein gstochen. 

20 Dem dritten bat das ^schlofs gelossen, 

defs hat er in den stock geschossen. 

21 Der viert hat vil zu lang gehalten, 

22 dem CinflFten war der schafft zerspalten. 

23 Dem sechfsten einer für thet stahn, 

darab er jm ein schrecken gnon. 
Hiemit er vmb sein schütz thet kommen. 

24 Dem siebenden war der hau abgsprnngen. 

25 Der acht den anschlag zfast truckt hat, 

defs gieng der schütz beseits von staU 

26 Der neündt das schlofs nit kont gestächen. 

27 Dem zebenden thet sabsähen brächen. 

28 Dem eüften war das schlofs gehangen, 

im schiessen nit zu mal vmbgangen. 

29 So war dem zwölften sschlofs zubart, 

wolt nicht vmgehn zu einer fart. 

30 Der ein seins Stands nit recht nam war, 



6A0BS AUSREDEN DER SGHlTitBN* 2^^ 

defs schob er zvast beseits VDgfahr. 

31 Eim andern ist der wind zu grofs, 

32 dem dritten gar zu schwer sein gschofs. 

33 Der viert der sagt : kön nit recht halten, 

34 dem fünften thet der finger kalten, 
Mit dem er hat das züngle gmckt, 

dafs er den schütz nit recht abtruckt. 

35 Das rad dem sechfsten war gar stumpf./ 

36 Dem siebenden sror ein wenig krumb. 

37 Dem achten szünglin war abgstossen. 

38 So thet der neündt auff sschwätzen lossen. 

39 Der zehendt hat das treff nit recht. 

40 In dem der eilft gespant vnrecht. 

41 Gar weh dem zwölften war im köpf. 

42 vom stand auff dbücbs fiel eim ein tropf, 
Dafs er das bützlin nit kondt sehen, 

also den schütz nit recht aufsspehen. 

43 Eim andren gieng das schlofs zfast auff. 

44 Jebner sich mit dein hart selbs rauff. 

45 Dem einen i«t der 1t^ zu feucht. 

46 Dem andren dann das zünglin kreucht. 

47 Jehnem wirt zu blöd das gsicht, 

dafs er weit nebend dscheiben sieht. 
Es wil jm mancher selbs nit trawen, 

48 ' defs thut er an dem anschlag bawen. 

49 Zu vil der ander drab bat brochen. 

50 Dem dritten hat das gsicht verstochen. 

51 Gat schmutzig band hat jhener ghan, 

defs mocht er dbücbs ilit wol behau. 

52 Einem bracht das gnappen schaden. 

53 Zvil bulffer hat der andet (/. ander) gladen. 

54 Der eine hat nit recht gwischt. 

55 Dem andren dann das bulffer pfitscht. 

56 Jehem hat der schütz versagt. 

57 So ist der ein zu vil verzagt. 

58 Der ander hat den schütz versäumt. 

59 Der drite nit recht eingeräumt. 

60 Der scher wol bat der viert vergessen. 

61 Der fünfte sich zu vol gefressen. 



200 GROSS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

62 Dem sechfsten sfedeiiin zfast lureucht. 

63 Das balfer ist dem sibenden zfeucht. 

64 Zu vil der acht hat ghalten aafs, 

drumb schofs er aoff die seit hinaufs. 

65 Der neündt hat zu grob fiitter tbach, 

geh heim, vod dir ein reiners such. 

66 Dem zehenden wil der schwum nit brinnen. 

halt ich wil dir ein andren bringen. 

67 Der ellft der hat sich gar verihrt, 

vnd nit zu vor die kugel gschmirt. 

68 Der.zwölft hat zii vil gladen wein. 

69 J ebnem schlug der bau nit ein. 

70 Einer .im stand auffghaben het, 

den andren vast erschrecken thet. 

71 Einer hat zu hoch geladen. 

72 zu nider thut dem anderen schaden. 

73 Einer hatt zu vil am backen. 

74 der ander thet heraber hacken. 
Damach ein anderer thrat dahär, 

75 der selb vergässen hatüas schmär. 

76 Wie disem bat das scblofs zfrü glassen, 

bat er oben durchs Tächlin gschossen. 

77 Auff dbüchb dem einen safs ein muck. 

78 der ander hat den schütz verschupft. 

79 Mit Geyssen kam der dritte aufs, 

defs bracht er wenig gwins zu baufs. 

80 Zu liecht das Ror dem vierten ist, 

macht dafs jm gschwind der schütz entwischt. 

81 So bort ich von dem funlFten klagen, 

als jm sein bücbfs hat thun versagen. 
Legt er die selbig von Jm gschwind, 

ein gliinfslin klein sich drin befindt, 
Ehe er rächt lugen mocbt darzu, 

lag dBüchs binder jm wol siben schu. 

82 Dem sechfsten widerfure das, 

als er im besten schiessen was, 
Hat troffen drey schütz wol vnd gut, 

(defs er zwar was gar wol gemuth) 
Wie er den vierten laden wolt, 



6R0BS AUSREDEN DER SGHirrZSCN. 251 

bat er ein lätze kagel.gfaolt. 
Die war zn grofs wolt nit hinein, 

wandt an ril arbeit, grosse pein. 
Dafs sy zu letst binab ward bracbt, 
^ als er den scbntz zethnn gedacbl, 
Für dkugel zbocb, lud sieb zetbrang. 

83 Dem sibenden macbt gar angst vnd bang, 
Dafs sieb ins bdfer bat gemist, 

ein klötzlin bleyg, welcbs sebnel gewisebt: 
Zum zündlocb da wolts belfen nit : 

das luderen wie dann ist der sit. 
Gab wol fünf mal im tigel.fübr, 

aber aoTs der büchs wolt nicbts berfiir. 
Bfufst YOgescbossen aufs dem stand, 

den febler er damacb befand, 
Als er die bücbs anrsgsebranbet bet, 

fand sieb das klötzlin an der stet. 

84 Der acbt sein kuglen zlang bat bbalten, 

dafs sie wol müfsten gar veralten. 
Altbacben kuglen sind kein nutz, 
sy geben gern ein kurtzen scbutz. 

85 Der neundt klagt sieb hab nit gnug gsoffen. 

Sonst wolt er gwäfslich ban getroffen« 

86 So bat der zebend sieb übernommen, 

mit zu vil weins, vnd kondt nit kommen, 
In dscbeiben mit keinen fugen, ^ 

wie väst er nacb ir bruebt das lurgen. 
Dcumb mufst er bleiben auch dahinden, 

weil er die Scheibe nit kont finden. 

87 Der eilft sich des beklagen mufs, 

bat zweit für gstelt den rechten fufs, 

88 Schofs gegem zeiger auf die seit. 

Gleich bald der zwölft auch gfelt bat weit. 
Der sprach : ich brauch all renck vnd tdck, 

nach so hab ich weder fahl nach glück. 
Bin wol gerüst in allen Sachen, 

nach wil sich sglück nit zu her machen. 
In dem sich disere thetten klagen, 

ibet ich mich bafs herumbber wagen. 



252 6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Dacht bei mir selbs: wann ists am end, 

mit diser klegt: do hört ich bhend, 
Ein schützen mächtig fluchen, toben, 

89 zu nider scbiessen ich dort oben. 
Jetz hab ich dunden zboch. geschossen. 

Ein andren hat das sehr verdrossen, 

90 Hat zlang anghan, macht müd den arm, 

defs traff er nichts, das Gott erbarm. 

91 Der drit sein schätz gschwind hat verschickt, 

ehe dafs er dscheiben recht erblickt. 

92 Was der viert für ein aufsred ghan, 

thet er mit schmertzen zeigen an: 
Der Zeiger ist für dscheiben kommen, 

darab er jm ein schrecken gnommen, 
Darauff kein schütz mehr gar nit troffen, 

dafs jn all plag anstofs den tropfen. 

93 Dem wind der fünfft zu vil hat geben, 

defs lieff die kugel auch darneben. 

94 Nafs zündseyl hat der sechfste ghan, 

die wollen nit recht zünden an. 
Dem siebenden thets an dem erwinden, 

95 kont kein fewr mehr am zündstrick finden, 
Hat troffen wol drey gutter schütz, 

der viertte aber was kein nütz, 
Welchen man jm nit gelten liefs, 

zu dem er ein andren strick anbliefs. 
Den achten hat zu sehr verdrossen, 

96 dafs er nit nach der Ordnung gschossen, 
Die ich nit gwüfst, klagt er sich vast, 

mufs mir gwüfs sein kein vberlast, 
Zulesen die mich recht zuhalten. 

Dafs sein der rit hie müsse walten: 
Sprach der neundt schütz, wie hab ich gschossn, 

97 ich hat den daumen zvast gestossen 
In dnafs, drum schofs ich vber zwer. 

Ein ander redt gleich gen jm her: 
Hetst du in gstossen weifs wol wo, 
so bettest du nit gfelt also. 

98 Der zehend zu vil drauff hat ghan. 



GROjBS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 253 

99 So hat der eilft za wenig dran. 

100 Den zwölften thut der Schnee vast blenden, 

darff sich nit sicher hinanfs wenden. 
Ich dacht domals in meinem mut, 

färwar das waren schützen gnt. 
Wann sy i^ur besser glückfahl betten^ 

ich mufs jn jre wort bestetten, 
Sy stehn zwar dapfer zu dem ziel, 

vnd trifft der mertheils doch nit viel. 
Doch steckt man sziel zu weit hinaufs, 

welchs ztreffen mir zwar brechte graub. 
Drum wil ich keinen nit verachten, 

wil doch vmbgehn sy zubetrachten, 
Was jre aufsred weitter sind, 

gar bald ein schätz sich da befindt: 
Der thet also sein klag vast treiben, 

101 ich sach zwey schwartz in einer Scheiben, 
Des kompts das ich nichts treffen kan, 

ich sprach zu jm: mein gutter man, 
Ir habt furwar ein böfs gesiebt, 

zwey schwartz sind in der Scheiben nicht. 
Zwo maafs jr truncken band villicht: 

nit übel auff nam er den bricht. 
Bald sich ein ander zu her stalt, 

102 der wil erfrieren hat zukalt, 

Mufs nur vast zitteren, rieht nichts aufs, 

die kelte treibt jn wider zhaufs. 
Ein dicker wammefs zleggen an, 

als dan bsteht er auff dem schiefs plan. 
Eiii andren hat sein büchs ghasset, 

103 drum dafs er sy zu starck gefasset, 
Defs het der schütz nit recht sein gang. 

Ein ander hat gebraucht zu lang, 

104 Sein Zündloch, das war all zugrofs, 

ein pfriendspitz ich schier darein stofs. 

105 Die Sonn die thet eim vberlast, 

dafs er in bänden schwitz zu vast. 

106 Ich sach ein hat ein böfs schwantzstraube, 

defs kondt er wüschen nit sauber. 



^tt 6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Dafs nit ein wenig wnst bleib dran^ 
mit dem er lang zuschaffen ghan. 

Gab nit gschwind fewr nach seinem sin, 
bifs dafs ei* macht ein ander drin. 

So hat jm jehner aufsgesucht, 
1Ö7 zu gar ein reines futter tuch. 

Die kugel nam den zug nit an,, 
sy thet zu gar gern abbin gan. 

Es kam einer klagt sich vast, 

108 wie er nit vor der Sonnen giast. 
Die scheib könt treffen wen sy gläntz. 

109 Eim andren Ward ein schut2 abgschwentz: 
Dann dkugei gieng nit durch die Scheiben, 

sy was zuklein liefs sich nit treiben, 

110 Ein ander hat auch, wol getroffen, 

ist aber vor in boden gloffen. 
Brach grfins mit in die Scheiben fein, 
defs war der schütz nit gschriben ein. 

111 So hat der. drit zweimahl angs($hlagen, 

der selb sein aufsred führt mit klagen: 
Ach wer der schütz zu erst abgangen, 
die scheib het ich gwüfs thun erlangen. 

112 Der viert ein newe büchs hat kauffl, 

weifst nit wohin die kugel laufft. 
Wie der fünft zlang bimtrunck gesessen, 

113 hat er defs dritten schutzs vergessen, 
Dafs er den selben nit angab. 

So hat der sechfst klein gfallen drab, 

114 JDafs. er den tigel nit recht gwischt, 

drum hat jm das zündp ulfer pfischt. >^ 

115 Der siobendt war ein feiner knab, 

slofst dkugei vor dem bulfer nah. 

116 Dem achten, wie ich hab vernommen, 

hat szündloch ein klein schrentzlin gwonnen. 

117 Der nebel fiel dem neundten zfücht, 

defs halff jn nichts sein fleifs vnd müh. 

118 Der zehend gibt die schuld vnrecht, 

dem büchsenschmid vnd seinem knecht. 
Rüsten jn nit nach seinem willen. 



GROnS AUSREDEN DER SCBOTZKN. 255 

119 so er doeh nit kan halten stille« 

Viel schuld der Buchsenschmid mnTs han, 

120 wo nit grad eben schlegt der han. 
Der eilft thut sich defs vast erklagen, 

dafs er den scbntz hab gar verschlagen 

121 Am backen, dram schofs er anff dseit. 

der zwölft auch schiessen kont fiit weit, , 
Dann als er einem zvast thet losen, 
hat er znm ersten hinab gstossen 

122 Die scherwol, also gar vnbsint, 

die ob sy gleich des fewrs empfindt, 
Wils doch nit gehn zum vierten mahl, 

defs mag er dbüchs aufsschlahen wol. 
Gleichs ist eim andren widerfaren^ 

der thet das wüschen zwar nit sparen, 

123 Liefs aber drin ein fätzlin klein, 

drum wolts nit an gehn vberein, 

124 Eitf enges zundloch ein ander hat, 

defs gieng der schütz auch nit von stat. 

125 Zündbnlfer fucht der dritte nam, 

das jm doch zu vnstatten kam. 
Der viert was vor gsein vnverdrossen, 

126 hat aber jetz zu spat geschossen. 
So kam der brütschenmeister gloffen, 

127 zum funfften der hat wol getroffen 
Die letze scheib, mit grosser klag, 

brütscht er jn schier ein halben tag. 

128 In schütz hat man dem sechfsten gredt, 

den er sonst wol getroffen het. 

129 Dem siebenden hat man grötlet aufs, 

dem kamen wenig gaben zhaufs, 

130 Der achtet kan gar nicht nach dienen, 

sein schiefsen sol sich säumen nienen. 
Nit recht thet sich der neundt bedeneken. 

131 liefs dkugel zvast eutweris lencken. 
Als er sy lud vnd stiefs hinab, 

darum kein gutten schütz sy gab. 

132 Der zehendt verschüttet mit vnheil, 

defs bulfers emen gutten theil. 



»n 






.» • 



:^ 



2S6 6R0BS AUSREDEN DER SGH&TZBN. 

Aufs der ladang, het defs kein acht, 

welchs jm ein kurzen schütz hat bracht. 
Gwüfs wolt der eilfte han getroffen, 

133 wann jm dbüchs nit ein schifer gworfen. 
So ist dem zwölften gsein gar zgach, 

134 truckt ab eh er recht dscheiben gsach. 
Mit einem schwetzten frembd leüt vil, 

als er ein schätz gschwind schiessen wil, 

135 Bsindt er sich nit, dafs er nit gladen, 

das bracht jm zwar nit kleinen schaden : 
Dann er schon troffen hat drey schütz, 
defs wafs der vierte jm kein nütz. 

136 Ein andrer, wie auff kriegscher plan, 

zum ersten wolt geludert han, 
Als dann erst laden wie ich bericht, 

defshalb jm billich recht beschicht. 
Zum ersten luden vnsere alten, 

vnd Hessen dann den schütz fein walten. 

137 lehnen hat vnlustig gmacht, 

nafs Wetter, als er dschütz verbracht. 

138 Wie auch den so vngwischt geschossen, 

das fagen macht jn gar verdrossen. 

139 Am fliehten ort hat einer ghan, 

sein bulfer darum wolts nit gähn, 
Nach seinem willen zu dem ziel, 

140 . Ein anderer hats gedert zu viel. 

141 Dem einen ist das bulfer zschwach. 

142 Vnd dann dem letsten gar zustarck. 
Hiemit sind vast all mengel bnent, 

so etwan haben abgewendt, 
Den schützen jre schütz im schiessen, 

dafs sy nit troffen mit verdriessen. 
Doch ihrt sy dises nit so sehr, 

dafs sy darumb nit schiessen mehr. 
Als ich also beschawt herum, 

die schützen all in einer sum, 
Gfiel mir jhr wäsen solcher gstalt, 

dafs ich fragt einen schützen alt: 
Woher die schützen kommen sind? 



GftOBS AUSREDEN DER SCflUTaBN. 257 

Der antwort mir, meiii lieber frimd: 
Ich ghör euch woi am reden ao, 

dafs jhr ein last zun schätzen han: 
Defe wil ich euch zu lieb vnd g&llen, 

etwas von jnen sagen allen. 
Als Gott erschuf den ersten man, . 

wolt er gleich auch ein schützen han : 
Adam gebar sein söhn Cain, 

der war ein mörder recht vemim: 
An seinem bruder Abel firomb, 

vom gschütz er Tmb. seih leben kompt: 
Lamech erschofs jn in eim wald, 

in eines wilden thieres gstalt. 
Sonst findt man gar vil in der schrifft, 

was, dschützen vnd jhr thun antrifft. 
Auff dafs man aber bafs versteh, 

so sagt die Bibel von schützen meh: 
Ismael war ein iunger schütz, 

vnd Esau war Isaac vast nütz. 
Im alter von seim vatter bgärt 

ein wildbrät, das er wirt gwärt. 
Dann Esau jm ein gwild bald schofs, ^^|^ 

ob wol er sein vast wenig gnofs. ^"^^ 

Als man im buch Genesis findt, 

auch ander Partiarchen (so) sind 
Gut schützen gwesen, llfs nur fort 

im Königbuch an manchem ort. 
Gott stratFt durch das gschütz den Jehu, 

wie weiter wirt gemeldet nuh 
Im gmelten buch, da findst du. klar; 

dafs Jonathas auch ein schütze war: 
Mit David glitten hat vil noht. 

Das gschütz den Säulen bracht in todt. 
König Asa des gschlechts Beniamin, 

bedacht sein krieg mit klugem ,sin. . ^ 

Vil schützen er zu sammen bracht, 

damit zwang er seins feyndes, macht. 
Im vierten buch der König steht, 

wie Heliseus der Prophet, 
Z. F. D. A. III. ^'^ 



188 CRHHS AU5HBDEN DER 8GHUTSBH. 

Ein hdlger nam vai %m der zeit» 

der selb das gaobofs (JekU hat) benedeil. 
Dein Kömig m InitA grofs, 

er spraoh s ein sohvlz deb heili w» ^as. 
Der Prophet selb amn hund dnm kgt & 

welch» mieh nit viAiUieh liwegft. 
Die sehitIzftA sloben, boch zupraiseii^ 

weil mans kana wl der schfiffl. beweiac». 
Im Tito Limo» wik du wüaainiy 

borst dtt gar vil von alten sohfltira« 
Als dlMiBMr gav vil krieg«n ballM^ 

begiengen dsebätnen gwaltig tbalton. 
Marens Manlins mit streit, 

die slardLeii Gfiecben aiderleil: 
Defs seine sobütsen yrsaab waren^ 

die bracht^nd dfjrnd in grosse gfibrmb 
Als Troia antengklieh fiel, 

Schossen schpn dRömer xu den lifL 
Nach wil ieb dir ton einam aagen^ 

von blat vergiaj^aen yal geragen, . 
Hiefs Tamerlin, der waa ein Heidy 

der fiir efai mäektig stutt sieb leidt» 
Die selbig war Sigifsbaob genant, 

wie vast dei> Heid die atat berani : 
Mocht er Ihr doeb nichts gwinnen an, 

mit sechfkmal hundert tansend manv 
Vorm gschols der sebntnen in der statt, .: 

der Heid des kriega kein ehr nit bat« 
Weitter schreibt Yirgilina meh, 

von Königs San Arohaide, 
Defsgleiebeii auob Ton Heronle, 

auch von dem grieobsehen Aehille, 
Weleken Paris Ter Trei eraohofs, 

da ward der Troier freude gre£s« 
Der Scipio Tä gfofs manbeit, 

mit seinen s^ülien übt bereit: 
Er hat das 8<rtiiea9en sehr geliebt. 

Die Persei» kabeia vast geiiht. 
Cambises der ein K^Mg was. 



X ] 



GROSS AUSREDEN DER SCEUniBKi «M 

in Persia, wie ich es lafs, 
Der war ein sehöiz, doch voller weiis, 

wie ichs mit seinr bisieri bweifs. 
Mann weifst noch wol was hat gethon, 

der brümte brnnst schiits zu AleoB. 
Fiori sein gschiits kam w<d xa sbewr, 

erlöfst sein gliebfce v«n 4em fewr. 
Wilhelm Tbel wafs ein gutter schütz, 

wafs jm vnd seinem kini vast nütz, • 
Das het er seins lebens branbt, 

wo er jm nit het ab seim haupt, 
Den apfel gschwind da dannea gscbossen, 

obs gleich den Landvogt vast verdrösse». 
Dann er bald draoff grad sdba erschossen: 

die ^dgnoschaSt ist draoTs entsprosaes« 
Dann diser schätz mit seiner ihat, 

den Schwmizerea aniofs geben hat, 
Dafs sy sich abo bald vereint, 

ein ander recht vnd trewlich gmeinl, 
Ire fyend allsambt gschwind zveriagen. 

defs wir jetz sind noch diser tagen. 
In einem solchem fireyen staht, 

als kaum ein volck so lang gbebt hat. 
Gott gab vns gnadvnd weitter bstand, 

vnd bware vns mit seiner haad. 
Als nun da* alt schätz aufsgredt hat, 

wolt er von mir gehn von der stat. 
Ich aber thet jn weilter hätten, 

er solte keins wägs von mir trätten, 
Mir mehr von schülzen zeigen an, 

das hat er non mit willen tban. 
Er sprach : weil dann die gschriffi tbni jefcen, 

was nun von alter bar ist gachehea, 
Mit dem geschütz gwaltig vnd fein^ , 

so ist es nit zu halten klein^ 
Ja so mana braucht mit Gottes ehr, ; 

mann weibt sonst aucb der schütäBon meii#, 
Die sind vor zeitten hodi erhöben^ 

mann thuA jetz aber biUich M>6n» 

17^ 



260 GROSS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Die büchsenschützen allgemein, 

wie ieh dann hie wil fähren ein : 
Gleich wie mann jetz vor tagen sieht, 

so acht mann vast der bogen nicht, 
Ob gleich das stahei schiessen drai, 

von alters har sein vrspmng hat, 
Vnd man jm gar vil ehr hat geben, 

so merck zu diser zeit darneben. 
Jetzund so hats nit solche macht, 

es wirt nur für ein knrtzweil gacht. 
Dram band bifshar nach vnverdrossen, 

vil stattlich leuth mit bogen gschossen. 
Vnd glicht mir nach jr schiessen sehr, 

die bifcbsen aber nach vil mehr. 
Dann weil mir dbächfs so vast geliebt, 

hat mich mein vatter darauff gübt, 
Mit büchsenschützen schiessen lahn, 

als ich kaum schier zwölff jähr hat ghan. 
Defs bogens kein acht mehr ich hat, 

schofs mit der btichs auff der zielstat. 
Von jngendt auff bifs vntz hieher, 

vnd noch vil mehr ist Gotts beger. 
Den bogen wii ich bleiben lassen, 

die büchs ist darauf» hergesprossen. 
Was man jetznnd wil fangen an, 

so müssen dbiichsen vornen dran 
In kriegen, wie man hat gesehen, 

ich mufs mit gantzer warbeit jehen. 
Kein reüfer ist schier nit so klein, 

er führt auff jeder Seiten ein : 
Darnach ein par am Sattelbogen: 

darmbrost sind weit hindan geflogen. 
Vnd wann dann geht das treffen an, 

so feit ein büchs gar manchen man. 
Mann findt wol manchen starcken gecken, 

lafst sich mit einer büchs erschrecken. 
Wann schon kein kugel nicht ist drin, 

es weifst keiner des andren sin. 
Die büchsen mufs ich billich loben. 



GROSS AUSREDEN DER SCRUTZBN. 261 

sy schweben warlich jetzund oben. 
Land vnd leüt wirt mit bestritten, 

durch dbüchsen haben vil erlitten, 
Viel Fürsten, Graffen, Ritter vnd knecbt, 

das kein armbrost zuwägen brecht. 
Es ist aaff erd kein man so bhertzt, 

der sich nit vor der büchs entsetzt. 
Mawren, Tbüm vnd grofs Pasteyen, 

können sich kaum vorn büchsen gfireyen. 
Es wurd lang kein statt vest gemacht, 

wann dbüchsen weren nit auf gbracht. 
Ich wurd all waffen bleiben lahn, 

dafs ich möcht bey den büchsen stahn. 
GroTs kosten wirt darauff gewendt : 

der büchsen lob hat gar kein end. 
Keiner kan nit spacieren gähn, 

er wil ein büchsen bey jm han, 
Er gehe in thälren, oder bergen - 

sein büchs die kan er wol veiiKsrgen. 
Kern einer mit dem armbrost her, 

eh er gspant wer der sattel lehr. 
Die büchsen sind gar wol erdacht, 

ffh wer zu erst das bulfer gmacht. 
Difs so jetz ist von büchsen gmelt, 

hat mir der alt schütz alls erzelt: 
Mit jm darnach zuhaufs genon, 

vnd mir vil guts vnd ehr anthon. 
Des morgens gieng ich wider bhend, 

wolt bsehen wann der schiessen end. 
Auch was die schützen weitter thetten, 

lofst was sy zu ein andren redten. 
Ir zween begundten zsammen jehen: 

wie ist VHS so grofs ehr beschehen. 
Ja soltens vnser weiber schmecken, 

was gutter bifslin in büchsen stecken, 
Sy wurden dschleier all verkauffen, 

vnd mit vns auff die sehiessen lauffen, 
Vnd sich darauff auch loblich halten, 

so müssen sy da heimet walten. 



GROSS AUSREDEN »ER StiHlJtZfitt. 

Mein fraw wird mir den bnbeh Imteen, 

bsorg übel müfs mich mit jhr statzeii : 
All fluch sf über mich hat gfelt, 

sich gegen mir vast letz gestelt. 
Sy sprach: da zeuchst von mir hinanfs, 

ist oben vnd vnden nichts im haufs. 
Kom ich, vnd hab kein fanen gwonnen, 

bsteh ich wie batter an der Sonnen. 
Der ander sprach : ich mufs dein lachen^ 

du kanst dir bald ein lassen machen. 
Vnd kombst also mit ehren heym, 

ich wil dir ein par Cronen leyn. 
Lafs dir ril gnlden daran mahlen, 

ulso kanst du dein fraw bezahlen. 
Er sprach : was sei ich sy l^etriegns, 

du weist dars es nit bleib vei'iA Wiegdll.. 
Mir dürft es nach dem sprüchwort gafan; 

den spott zum schaden müfst ich hau. 
Doch fragt ich nit vil nach dem gspüt, 

wann ichs nur überwunden het. 
Gar frewdig bin ich zogen aufs, 

jetz kumm ich trawrig wider zhaufs t 
Ich mein mein weih die wirt mir zwagen. 

Gott hilf dtt das Creütz mir traget; 
Als disre ^ween das redten bsunder, 

da, bort ich Treffer auch darander. 
Ir keiner nam sich gar nichts an : 

doch sach ich ein Toti fehren st&hn, * 
Sprach ich hab nach sechfs schütz zethun, 

o thettens all in dscheiben gähn, 
Könt ich sy nach ein ander treffen, 

so hoff ich vmb das best zustechen. 
Auff jn ich eben achtung het, 

hernach er sy all fehlen thet. 
Grofs fluchen fieng sich bey jm an, 

hiemit er auch in orden kam, 
Mancher war ein gntter schütz 

anfenglich,^ aber Bietst kdn nütz. 
Ich thet mich vast vefWundren drab, 



GBirn AUSRUMCN DI» MKM^^ Mfr 

wie lAttcher froFs gliok Yor jti liabv: >V 
Vnd meint in allen seinen. siAn^ . ' * 

er müfst ohn fehl das liest g^wiineii^* ! 
Es ist doch gleichwol müh dal^bdy^ 

wann schon das glnck darbejr ist freyl '! 
Doch sol man darbey auch abnenaieiif 

wer abest nit gwünt Sol sich nit aohemtoieii. 
Es sey im dooh gleich wie im sey, 

die gütte gseUschaffk war darbey, 
Vnd thut jm. das halb nit so weh^ 

daTs er sich daramb klagte raeh« 
Ein jeder nacht sein rechkinng got^ 

sey nichts destddnder woigemath, 
Triff ick beut nichts so triff ioh mergensi^ 

bedarff idahalb nit giosses sorgensl ■■ ^ 
Binidi idlworim schiessen dran^ . 

so hab ioh doch mein kartzweil ghan. 
Das glück das wirt bald auher tringeh, 

dafs ich ein gaab darvon Wirt bringtel 
Will mich auch üben ohn verdriessen^ 

dafs ich etwan mit meinem sohieftsen« v' 
Dem yatlerland behilflich sey 9' 

thuns darnmh gern mit willen frey«. 
Hiemit das schicsSen ward yoUeadt^ 

die gaaben hin vnd wider gsendu .'* 

Ein jeder schütz zog an seiki «rt. : 

Ich woltrunn audh gern ziehen fort, 
Bin doch nach etUch tag da bliben, 

hiemit die mengel all bescbriben^ -^ 

Die ich hab in dem schiessen gsefaeft, 

doch mocht iohs nit allsiEUnpt attTsapohen, '> 
So in dem schiessen thnn fürfallev^' ..^^1' 

wann sy mit lob 2am ziel thnn ichalleiL;) V 
Mann kan die mengd nit all seilea^ :.'..\ii -i 

die täglich thnn den schütseo fehlen. ' r ) 
Doch wie lA selbs yon jn bort sa^f . - v 

so ist gar -bald ein sohuts yenchhigeii.>s 
Es sind der mengten all zu yil^^ : > 

die ich nit aU ersellen wiL * ^^ 



gggk mehr 
heßniU 



§fi ^n^ ]*?. a ^^ lassen walten. 

^'^^ ick im*"'' ^^^^ bedacht, 
^^^ ^, ^y^ an mich ist gebracht : 
f^ jUff gwUschafft sey das sehiessen, 
■ jj ^ Mt thut jhr gemessen. 

j«k lic gatten gschdlschafft (^o) beid, 
j^jjkwn dienst bin ich bereidt. 
j^<Mh wer dschützen verachten thut, 

Air hat kein recht verstand nach muth. 
S$ spricht manch, grosser Hans merck eben, 

6m büchsen schützen möcht ich geben, . 
Wolt mich gar eben darauf fleiiseD, 

wann ich nit müfst die band besebeissen: 
Mein armbrust wolt ich wol Ipnlegen, 

verdriefst mich nur das wischen, fegen. 
Das holderen wil der ein nit hören, 

thut jm zugar sein ghör verstören. 
Denckt mit der biichs nimt keiner war. 

ob jme auch der boltz wol fahr. 
Verlachet Jeden schätzen gschwind, 

wann er gfelt aufs dem stände springt. 
Keinr vrsachen er nit gwaren wil, 

derhalben mancher schweig wol stil. 
Dafs ich all ding zum besten kehr, 

im armbrost hats der menglen mehr. 
Vnd welcher schütz ein mangel findt, 

der schaw in difs gedieht geschwind. 
Ob er was könte klauben draufs, 

darmit er ehrlich kom zuhaufs. 
Vnd nem jm ein exempel dran, 

forthin darvor sich hätten kau. 
Es ist sonst manchem sehr gefehr, 

wann ich an seiner stelle wehr, , 
So wolt ich schweigen aller still, 

es gieng mir wie der lieb Gott wil. 
Geht es dir einmahl vberwerz. 



GROBS AUSREDEN DER SCHCtZEN. «Q6 

vnd klagst eim andren dein beschwer. 
So lofst er eben auff die sachen, 

vnd thut dann deinen spotten, lachen. 
IXa hebt sich das vexieren an. 

Mann findt anch manchen seltenen man^ 
Der eben sgspöt nit leiden kan, 

sitzt auff den Esel vnd reit danron. 
Besonders wann er sich vbersicht, 

mit etwas fehls, vnd falt ins gricht, 
Dem Brütschenmeister vnder sschwert, 

so der jn etwas trift zu hert, 
Nimpt er sich des zu mühen an, 

meint es sey gar nit recht gethan. 
Drum wer jm selbs helffen kan, 

der deaek, was geht dich diser an, 
Vnd ndb «einer sachen selber war. 

Gott bhütt der frommen Schützen schar, 
Thü jnen seinen sägen geben, 

hie szeitlich, dort das ehwig leben. 
Hiemit die schützen der Eidgnoschafit, 

ermane ich durch liebes kraft, 
Sich züben dapffer mit dem schiessen, 

anch sich in kurtz nit lan verdriessen. 
Ein grofs frey, loblich schiessen zhalten, 

wie dann gebraucht ist von den alten. 
So bringts vil liebs vnd firündtlichkeit, 

vnd alles guts zu jeder zeit. 
Alle Obri^eiten hochgenandt, 

die seyen hiemit wol ermandt: 
An dschützen euch lafst rewen nütb, 

man braucht sy vil für ander leüth : 
Zu schimpf vnd ernst, nach vnd auch fehr, ' 

der feynd gar vbel förcht jr gwehr, 
Vü lobs ist wärt ein gntter schütz, 

besonders in den kriegen nütz. 
Ir Zürych schützen thund euch fleissen, 

so wirt nan euch wie allwäg preysen : 
Ir band das lob nach vnd auch fehr, 

das wifUind jr behalten mehr. 



m GROSS AWREDIN OBR SGflÜTZEIH. 

Was nan der mengleB nach mehr sind, 

ein jeder schätz hej jm befindt. 
Ich kont nit alle mengel bhaltea, 

wll es defshalb Gott lassen walten. 
Doch hab ich weitter mich bedacht, 

auff das was an mich ist gebracht: 
Wafs guttergsellscbaSt sey das sehiessen, 

land vndleiit thut jhr gemessen. 
Ynd lob die gutten gschdlschafft (^o) beid, 

in jhrem dienst bin ich bereidt. 
Darumb wer dschützen verachten thut, 

der hat kein recht verstand nach muth. 
Es spricht manch, grosser Hans merck eben, 

ein bächsen schützen möcht ich geben, .. 
Wolt mich gar eben darauf fleiMeOt ^ 

wann ich nit mtifst die händ ]>es^he!s8en : 
Mein amibrust wolt ich wol Ipnlegen, 

verdriefst mich hur das wischen, fegen. 
Das holderen wil der ein nit hören, . ^ 

thut jm zugar sein ghör verstören. 
Denckt mit der büchs nimt keiner war. 

ob jme auch der boitz wol fahr. 
Verlachet Jeden schützen gschwind, 

wann er gfelt aufs dem stände springt. 
Keinr vrsachen er nit gwaren wil, 

derhalben mancher schweig wol stil. 
Dafs ich all ding zum besten kehr, 

im armbrost hats der menglen mehr. 
Vnd welcher schütz ein mangel findt, 

der schaw in difs gedieht geschwind. 
Ob er was könte klauben draufs, 

darmit er ehrlich kom zuhaufs. 
Vnd nem jm ein exempel dran, 

forthin darvor sich hätten kau. 
Es ist sonst manchem sehr gefehr, 

wann ich an seiner stelle wehr, . 
So wolt iob schweigen aller still, 

es gieng^mir wie der lieb Gott wil. 
Geht es dir einmahl vberwerz, 



GROBS AUSREDEN DER SCROtZEN. «QS 

vnd klagst eim andren dein beschwer. 
So lofst er eben auff die sachen, 

vnd thnt dann deinen spotten, lachen. 
IXa hebt sich das vexieren an. 

Mann findt auch manchen seltenen man^ 
Der eben sgspöt nit leiden kan, 

sitzt auff den Esel vnd reit darvon. 
Besonders wann er sich vbersicht, 

mit etwas fehls, vnd falt ins gricht, 
Dem Brütschenmeister vnder sschwert, 

so der jn etwas trift zu hert, 
Nimpt er sich des zu mühen an, 

meint es sey gar nit recht gethan. 
Dmm wer jm selbs helffen kan, 

der deaek, was geht dich diser an, 
Vnd ndb>«eiiier Sachen selber war. 

Gott bhutt der frommen Schützen schar, 
Thü jnen seinen sägen geben, 

hie szeitlich, dort das ehwig leben. 
Hiemit die schützen der Eidgnoschafit, 

ermane ich durch liebes kraft, 
Sich züben dapffer mit dem schiessen, 

auch sich in kurtz nit lan verdriessen. 
Ein grofs frey, loblich schiessen zhalten, 

wie dann gebraucht ist von den alten. 
So bringts vil liebs vnd firündtlichkeit, 

vnd alles guts zu jeder zeit. 
Alle Obri^eiten hochgenandt, 

die seyen hiemit wol ermandt: 
An dschützen euch lafst rewen nütb, 

man braucht sy vil für ander leüth: 
Zu schimpf vnd ernst, nach vnd auch fehr, 

der feynd gar vbel förcht jr gwehr, 
Vü lobs ist wärt ein gutter schütz, 

besonders in den kriegen nütz. 
Ir Zürych schützen thund euch fleissen, 

so wirt nan euch wie allwäg preysen : 
Ir band das lob nach vnd auch fehr, 

das wSlIind jr behalten mehr. 



2M - tmuMc. 

Gott wfHt 4hü jr mit frSlohem mut, 

lang scfaiessifid dem vatteriaiid ctt gul» 
Wünsch euch M«mit etn gut New Jtaihr, 

vnd bhüt euch Gott vof aller gfiihr. 
Der "wSH each ewer gsellschaSk mehren, 

damit es reieh tn seinen ehren: - 
Auff dafs wir IctstUch all m gleich, 

erbind sein ewigs himmelreioh. 
Das gebe Gott durch Jesiim Christ, 

der aller weit erloser ist. 

AMEN. 

Cietruckt zu Zürych, bey RudollF Weissenba^li. 1603. 

ZU HARTMANN VON AÜE. BERICHTIGUN- 
GEN UND NACHTRÄGE. 



(mit Sternen sind drud^thler beneitdm^t,') 

ZUMEREC. 

50. selben B (Benecke) 218. s, Lachnumn' zum Iw. 

M. 409. anmerktmg zu 233. Gerhard 5282 <^u^ w. be- 
herberget d. St. 240. Über han s. L. zum he. s. 434. 
267. strit* ^ 337. swarzen dornen bedarf keiker än- 
derung. uz dem swarzen dorne lachet wtziu bluöt vil ma- 
necvalt Ronrad von fFärssburg MSH. 2, 314*, vergL 316*. 
der swarze dorn ist worden wiz [Neidhard\ MSH. 3, 185*. 
er {dermal) kleidet swarzen dorn in wize blüot 3^211*. 
355. rite* 358. vielleicht schine 421« vergl. L. zum 
Iw. 1537. 427. der* 431; meine Vermutung edeln 
armen billigt G (WHi. Grimm), indem er vergleicht Freid. 
40, 15 man sol sich gerne erbannen {iber die edeln armen. 
474. stuont üf WfSt fT (fFaekemaget) 479. üf gnidc 
fV 499. deheiher ^ 533. veriAzen vWkide h&t mit 
gote kein gedinge d^ir Meisner MSH: 3,88". 663. bei- 
legen (s. L. zum Iw.- 651) 669. imbiz habe ich ohne 
noth eingeschaltet: L alsA der dd ergic (#. L. zum Iw. 
656) 674. Hl* 808. undem arm ■' 832. zesamne 
liezens sider gftn B 898 — 901. wir relsehen beide rit- 



ZDM KHBC 2gr 

lers intot d4 mite und wir enmitten tadiit ez ist suftder 
prts und Am ihoa. unser £ 908. t^mlerbi wStd Üeie 
aieüe wohl Mein (ptrgL L. zum Iw. 6379), über ich we^k 
keine wmhrecheinliehe verbe/serung. 919 — 921. si jfi* 

lende beliben. sas^siz vil lange getriben daz B i9d9.''di 
streuet L. %um Iw. 6500. 1108. undem L. sntm ho. 

1208. 1140. got"^ 1151. Wdiwin 1152. KUn] 

Uier die sehreibung dieses namens s. £. »um Iw. 74. 
1S16. leit in 1347. baz enmohler ff^ 1392. die fie 
wärett iLomen -dar ff^ 1466. bater ohne puMkt^ 1489. 
d6 w^hseltens yil diclce nach der hs., s. L. %um Iw. 7212. 
1516. Lüeana der schenlLe Heinrich tarn Türlein fKe* 
ner hs. bl^iU^ iJVolJ über die lais s. 399). 1628^. 

Heinrich pom 'Türlein bi. 138^ (JFolf s. 411/.) zählt zum 
iheil dieselben rftter der tafeirunde auf obwohl er dann 
aus ungenauer erinnerung behauptet die von Hartmann im 
Eree übergangenen genannt zu haben. 1741. zer schceD'* 
sten fF 1764. die'^ 1783. s. L. zum Iw. s. 562. ^ 
1871. danc L. zum Iw. 1500. 1883. im da fF. 

11^11/ s. L. zum Iw. 897. 1981. gekleit* 1985. 'den: 
besten scbarlach. denn brfitlach kenne ich nicht. Parz^ 
313, 4 steht brutlachen, ebenso Wh, 63, 22' B. vergl. £j 
zum Iw. 326. 2006. beslozzen* 2167. niht eines B 
2168. den gwis L. zum Iw. 7785. 2213. langte oder 
leogeit L. zum Iw. s. 530. 2299. in habe ich irrig 

hinzugefügt, s. L. zum Iw. 4428. 2324. Artäses 

2375. *mit liebten bestabt, vergl. frauend. 299, hff. Gerh^ 
5980 #.' fF 2401. der Sselden sebol L. zum Iw. 4449. 
2435. so daz nie ritter taete baz G. leichter scheint 
mir als6 nie ritter baz. vergl. 2672. 2497. trimte, #. 

L. zum Iw. 415. 2500. endet, s. L. zum Iw. s. 530. 

2565 ist nichts zu ändern, s. zum g. Gerh. 1753 zeitsökrj 
I, 199. 2567. wUpenroc und kr6ne ^ 2600. mme 

L. zum Iw. 4067. 2615. erledegte (s. L. zum Iw\ 

881 s. 402) 2702. wie hier ist h^mit in fünf stellen dm 
Biterolf verderbt und vom herausgeber verkannt wordeni 
l. 8487 sendet lAsent degene zuo zin an din b4mit (: sit). 
8594 dA si sider diu Uimit stakten kurz oder wit. 8773 d6 
begttnde enstete stän dA daz rittcfriicfae spil fnr din hAmit 



208 ZUM ERBC. 

ao ir zil. 8959 Walthftres wigande, sibene fdorten si sit 
der RiSedegtres durch diu hftmit. 9016 in diu hämit getfto 
wurden die helde kecke. 2723. nimmer dehein die hs., 
vergL Zr. eum Iw. 894. 3094. *niwan bi dem libe, 

v&rgL 841. 1052.' ^ 3106. zu den beispielen räumlich 
gebrauchter substantivischer aceusative ßlge ich sie fuoreii 
enalverte diu mos joh die herte, b6diu berge unt tal Wemh. 
Mar. 158, 36 Uoffin. er var lant oder mer klage 1482. 
vil ungevertes er dd reit fVolfr. Parz. 180, 6« nibt wan 
durch des gräles kraft streich er wazzer unde lant 479,22. 
in siner jugent fürt unde wisen reit er vil durch tjostieren 
502^ 2. ine weiz wie manec lant er reit 821, 29«. den bra- 
cken, der walt und gevilde phlac der verte als er von. arte 
solte Tit. 153, 2. 3. ir stritet berge ode tal IFh. 212,23. 
d6 reit diu maget wol getan mit ir geselleschefte dan beidiu 
berge unde tal Wimt fVig. 2351. wan er sin ors het ver- 
lorn, des enmoht er gedrenge unt dorn ze fiiezen wider 
strichen Heinrich vom Türlein Wiener hs. bL \Z7^. si 
fuoren an dem mitten tage eine beide diu was breit Kon- 
rad von Fufsesbrtmnen kindheit Jesu 83, 69. ob ich ein 
miehel her n4ch ir fiieren solte erde unde mer Gadr, 594, 1 
(2375). lant unde sträze da wart ez hin geseit 746, 2 
(2983). ein jegere äne jagennes list, der doch an jagenne 
stntec ist, der volget nach dem wilde walt unde gevilde 
Kenrad von Heimsfurt Iff. ich wil beide unde plan nach 
ftventiuren riten Bertolds Darifant 104. daz si tal unde 
bere der kinde einez muoste tragen von der guoten fraß 
1652. ich solde eines morgens gän eine wise breite Miinr 
chener lieders. bl. 59* (MSH. 3, 444*). ein snecke wolte 
springen vür den 16bart beide berc unt tal Remmar von 
Zweier MS. 2, 149^. ez (ein wunder) vcrt die Tuonouwe 
und den Hin der Mamer MS, 2, 169*. die Verbindung von 
verbis. der bewegung mit den accusativen wec strAze pfat 
ist, wie noch heut zu tage, zu gewöhnlich als dq/s sie mit 
beispielen belegt zu werden brauchte, in der Gudrun 208, i 
(831) verdirbt meine verbefserung, wenn man interpungiert 
Er was ze Friesen herre : wazzer unde lant, Dietmars unde 
Wftleis was in siner haut, denn Dietmars unde Wäleis kann 
nicht erklärung oder weitere ausführung von wazzer unde 



ZUM EREC. fG9 

lant sein. SVZ7/. wären : gebären L. zum Iw. 1321. 
3155. s. L. zum Iw. 4871. 3223/. sin geselle in wolte 
gerochen hän: dem wart alsam getan. B und W, vergL 
3337. 3253/ — nimer geUete — nimer v. hselc oder 

nimmer tsete und nimmer v. h. L. smn Iw. 6670. ' 
3258. iehz 3281/. geschach an B 3400. den vanTen 
sige an gewan fV 3762. vil nk tz L. zum Iw. 5487. 

3800. iuch* 3935. Lachmann nimmt iu zurück zum 
Iw. 2939. 3940^3942. begunde d6 fristen ir tre nnde 
ir mannes lip frowe Enile, ein getriwez wip G 4037. 

stille wird kaum richtig sein. 4042. zweinzegest, s. L. 
zum Iw. 651. 4073. du wsen ein ableitaere bist L. zum 
/tt^. 842. A\77.'9\s^m^ ivie sonst diebe" W 4211. sider 
n. enverswar* 4247. vielleicht flienden L. zum Iw. «.526. 
ßtr do wird da zu lesen sein. 4265. vergl. L. zum Iw. 
8080. 4296. äs (gramm. Ze ausg. 1, 169 z.2Z ist zu be- 
richtigen.) 4301. w. d. d. rede däwaer zev. oder doch wirt 
ze y. L. zum. Iw. 3560. 431 6 J^. erriten. dA — vant, 

dd u. s, w. aber lückenhaft scheint mir die stelle auch jetzt 
noch. 4322. ]^rec 4325. [er sprach] L. zum Iw. 

3637. 4393. dafs scfailte nicht richtig sein kann lehrt 

AAOSff. vielleicht zoume. vergl. 9126. 4505. erfiirbte 
4&2i8. des ich unz an dirre frist und in der anmer- 
kung nnz L\ mafse 4620. leider* 4790—4793 fafst 
B als parenthese, enbeiz (den tiuvel — teil), dö 4822. vergl. 
L. zum Iw. s. 556. 4953. nie man W 4959. VeA 

zweifle nicht dafs mich richtig isf B umbe mich hftt 

er verscholdet wol G 4967. tuo] L. zum Iw. 2112. 

*. 434, 3181 s, 455. Eraclius 3359. Heinr. Trist. 4298, 

5085. nach kann bleiben. 5103. vergl. L. zum Iw. 
5541. ^210. unangestliche. so auch ff^ und Jetzt L. zum 
Iw. 7236. 5279/ gebären 2 wären 5352. s. L. zum 
Iw. 1316. 5390. möhte 5413. begangen, 5417. 'er- 
sigen, vergl. 5719' fF 5424. s. unten zu büchl. 1,429. 

5494. dan* 5539. swaz der crapfen w»re G 

5611. daz den sige an leide nam: 5699. unt * 

5747. ir niemen mfere ff^ 5748. Iierzesfere* 

5841. sach. * 5936. du* 6006. sin gelücke 

6083. schrient L. zum Iw. 5335. 6100. getriute 



tn ZDM EREG. 

6338. eotrist 6411. Si »pracli 'daz got «owelle, sit daz 
lair nun geaelle alsd mnon sin verlorn. ^ ff' die folgende 
iwh des wart vil tiare d6 geswom ist ab eitgeacbaUeter 
ver^ dee dickters von Etutens werten, zu sondern* 
6424. st niht von W 6514. nune nohte der gr&va wsk^ 
wergL L. zum Iw. 4067« 6598. mich fremde» g* B. 

vergl. If. zum Tw. 1321. 6606. wan du bist et leider 

lAl Bf vergL zum Iw. 2469, ie ausg. s. 292. in der 

mmerkung l. Ntb. 1728. 6620. er «nlooc B 

6634. hie ütch der bof» dort fl6ch der hof t B 6717* m 
rotewange er sane, Rarajan. vergL Ferd. fFolf über üe 
bus s. 248« 6747. in dem gewert der hs. hmt gerftwot 

eristnnt L. zum Tw. 5862. 6894. der d6 mit wölken 

wat bedahu B 6942. s. L. zu Ulrichs ß^auend. iiS^i. 
6973. von im mir leidiu m. fjT 7027. vergL L. 

zum Iu>. s. 443. 7042. dazn B 7149. erz. dirre 

wilthan ff^ 7154 — 7165. onch bet der wirt die bände 
die des mannes willen 'täten : mit den ditz jagebds waa b^ 
Täten, awenn er dar uz sacb manegea aite der ik rande ik 
nute, 8W& er bi den zinnen saz, sft sfthen!& jene nibi vil 
ban die da mit den hunden randen. wer soM im ab das 
«»blanden, swenne er mit den firouwen mobt ab dem Mae 
sebanwen loufen die hunde? B, der zu rande MS* 2, 226**. 
vergleiekt, waz hilfet daz man trsegen esel mit snelleK marke 
rennet f 7167. ersprenget Zt. zum Iw. s. 404. 7195. der*^ 
7207/. wer sol n& s. a. s. der heile fF 7249^ vergl. 
L. zum Iw. 749^. 7292. volblanier ^ 7327. aairy/. 
£. zu Nib. 1852, 1. 7388* spricht ieman 7509. seht 
dasichz rehle tF 7540. genauer diu Gefooge 

7578. gewalteger 7610. dar inne sam er lebte IV 
7613. bitwet ameres //. zum Iw. 2516. 7691. vor? . 
7702. bonmol fV 7727. 'ick glaube. Alle aitf gleiOm 

weise gefqfsf G 7742. hou[rte, s^ L^ zum Iw. 777Äf 

7816. gebttwen, vergl. Erec 5319. Herb. 14M0. 
Ottacker a. 120^ gr. 4, 598. Skk^Uer 1, 136. 
7875. ein gevelle BH^ 7904, mich j», vergL Gotffir. 

Trist. 5226. Berth. s. 254. 7905. winstern baut fF. 

zu Lachmanns erklärung gehert im ist noch wirs dan den 
die gint n&ch porte aldä din venater stint Pars. 171, 5. 



ZUM ERBC. 271 

7930. es Ut ^ 7933. uade 79S7. od wie bAi fT 

8011. Titlejr 8012^ gevinne 8929. edel' 
8123« vergL L. zum Jw. 3041. 8136. 'tisch üt gm» 
rithUg. die ti^cblijueo hat iren nammeni dohär» das von ir 
eUlicher wjb ein Usch in der bandt gcfonnier et wart, wenn 
das Md oder apaciuv so »wüschen der mittelnatfirlicheo 
UiieB,. Tnd der tlscbUnien erschynti ist der bandt tisch ge- 
WUiaU /a. Iniaginßy Oie kunst der Chiromaniaiej/ Sir^ffi^ 
^g 152;3 «/M» U* 8\ ein seer bfils zeychen ist, wo ein 
Uniott von der mittalnatürlichen linien entsp rüngt» vnd godt 
4«r«b den tisch vnd die tischlinien» vnd an dem end vff des 
MtlfelSngers bnhei ein gabel maehet ebend. bL 8^. streckt 
sich ein Unien vfs yoia quadrange), oder dem tisch der bandt, 
Yad go4t gerad durch die tischlinien zu dem bubel des mitr 
Islfipgcvniy vfi hat am end ein kleines kreüulin» gibt ein an- 
zAig eins gew&Uigen vnuersebenen ends ei^. bL 9*. die 
leldyemog so zwüsohen der tischtinien vnd mittelnatürlichen 
IJMMM iaty wiirt geheyssen die Tycrung, oder der qoadrangel 
der handt« -^ ist die feldyerung des . quadrangdis weyt vnd 
breyt» sq i^ der mensch miltfrey vnd eins hohen herrlichen 
femjktat -r^ wenn sieb die tisohlinien der maflsen vereynt 
mit der i^atärüchen linieni als machten sy heyd ein triangeU 
so iat der mensch Yffset2.i§ vnd begyrig bluL zn vergiessen. 
etwen findt man ein syehtlich kreütz bey dem end des tischs 
der bandt» vnden bey dem handtschlagk». das bedeütt vil wal- 
lens^ bilgerscbafften„ vnnd anderungen der stett, yedoch mitt 
CeUigem gluck« vnd ist zu mercken^ wo obgemelte zwo 
Unien d«r«h die der bandt tisch erkundet, seer weyt von 
einander stond, so bat der mensch vU überflüssiger bitz» 
vnd ittie) temperierte feuchtigkeit in seinem leib, bärwider 
ist aii^be feldyerung zwischen den zweyen linien eng he- 
a«Uessen, sq ist der mensch geytig, vnd gantz geflissen gelt 
%^ aMweln, einer grymmen vnbarmhertzigen art ebet^ 
Uk Ws «n viel ms dem mimde desi ersten zeugen* »wei- 
iw mugt sagt am, sr nmne sioh Das Grofs PUnete Buch, 
Sampt der Geomanej, Phisiognom] vnd Chiromanqji. Alles 
anfs Flatone, Ptolomee, Hali^ Mhumasar vnnd Joanne Kü- 
nigspeiiger, aaffs kürtzest vnd fleiaaigst gezogen u^ ^. iv. 
Jetnniid von Jfewem gebessert «. «, ic* Strq/iburg 1675, 8®, 



272 ZUM EREG. 

und bl. 137^ stehe bei ihm Cap. viij. von dem tisch der handt. 
Der tisch der handt der zviseheo der mittelen linivnndder 
lini des tisch ist, so der eng ist in der mitte, bedeüt ein 
kargen geitigen menschen, ist aber mensa breyt in der 
mitte, so bedeüt es einen der keyn mafs hat in kosten, son- 
der er gibt reichlich, vnd wey fs nit wann er geben soll« — 
also ist auch z& erkennen an dem tisch der hitndt, wwm 
kalte complex mangelt der natürlichen hitz, das macht ein 
engen mensam, der da bedeüt ein kargen mensdien, vnd ein 
kleynm&tigen, aber so der tisch grofs vnd weit ist, bedeüt 
vil natürliche hitz in dem menschen, der reichlich anlsgihc 
u. s. w/ K. H. G. van Meusebach. 8203. Ober rich- 

sent vergL L. zum Iw. 7493. 8217. s6 gebent 

8286. zweinzegest 8288. under den w. JL. »um Iw. 

1208. 8333. bewegte 8334. Erecke 8346. er- 

barmte 8348. wan des wftrens gwis Ane wAn. 

8364. vol L. zum Iw. 6569. 8380. vielleicht kmm in 

entbehrt werden, s. L. zum Iw. 2986. 8406. 'belangen, 
zögernd* G 8469. swie er wser nnumbegeben B 

8491. dewederm 8568. ezn B 8584. vergL L. »um 
Iw. 155. 8696. vielleicht und ahte ez 8753/1 NA 

reit der wirt vor in gegen dem boumgarten hin, fF" 
8786. diu houbet kann bleiben, vergl. 8515. 8794^ d. 

d. ritter sigte an L. zum Iw. 6604. 8836. und* 
8885^. ergie: ez enwas et ritter nie m6 guntroestet W 

8909y*. vlügen : trügen s. L. zum Iw. s. 423. 
9032. vergL der wirt sprach sin 6re Parz. 173, 11. htere, 
ir sprechet iwer zuht fFh. 343, 3. si redent ir zuht: got 
gebe in heil Heinrich Tescheler MS. 2, 88". 9092. nergl. 
wände der stolze Ehcunat ein lanzen durch in Itrte pbl 
Parz. 413, 15. 9107. si minnetn Ane b. L. zum Iw. 

s. 530. 9168. Geselle Hartman, und in der anmerhmg 
Hartman L] fehlt. 9178. geruoter stände dem fehler der 
hs. näher und wäre nicht unrieht^. vergl. L. zum Iw. 
3643. 9189. do* 9197. vielleicht ist möglich enkande 
sich erbarmen, vergl. L. zum Iw. s. 514. 9200. sluoc: 
9253. umbe slac, und in der folgenden zeile mit der 
hs. gegen W 9294. 'doch des, obgleich das* W 

9348. hAtz ein unedels man getAn, B 9435. wacker- 



ZUM EREC« 273 

lidMT IV 9436. wie mich des yerwundern kanl fV 
1)439. von iemaunes g., vergL L. zum Iw. 194. 
9451/« bebalteo, und solde ieb hinne alten, fF 9498. da&e 
£r. Mum Iw. 1500. 9503. zur anmerkung vergL Eree 

2396. büchl. 1, 886. 9513. schinet diu minne guot fF 
9534« wfinneclicher mufs bleiben. 9637. 'unde rie- 
ten nach der hs.y vermuteten* B 9657. schöne* 
9677. mnostii L. zum Iw. 483. 9685. s. L. zum Iw. 
I2O84 9752. began L. zum Iw. 3560. 9786. dem 
barmheraen L. zum Iw. 4856. 9812. leben, s. L. zwn 
Iw. $. d50. 9843. verk^ren, fF 9847. 'tilge wan' 
fF 9870. bat' 9919. vieUeic&t beßer ir herren, mit 
vier Hebungen, s. L. zum Iw. s. 412. 9962. genauer 
Aren 10048. sin, {so antworte ich) von diu, und schein 
der lip nü dA, s6 was sin lop anderswä, B 10058. wiin- 
nediche L* zum Iw. 105 s. 374* 10114. 'wurdens, wie 
se rftte werden und dergV fF 10115. wan si got fV 
10118» vergL L. zum Iw. 2112 s. 434. in der anmer- 
ioing zu 10124 kann Gudr. 422, 4 (1690) hinzugefügt 
werden. 

Eine leider verlorene lis. des Erec wird im Serapeum 
Z (184S), 339 enoähnt. 

» 

ZU DEN LIEDERN. 

8, 19« vergl. L. zum Iw. 3694. 12, 16. trurec* 

13» 9. ich b. e. st. dienestman L. zum Iw. 5522. 

ZU DEN BÜCHLEIN, 

1, 222. s. Lk zumiw. 2943. 251. vielleicht sim ilther- 
ren. 9. L. zum Iw. s. 412. 429. ungehörten leann rich- 
tig sein. s6 unvernomen arbeit Erec 5424« daz ist ein un- 
gehosret dinc und wart vil selten ie vernomen Nom^ von 
fFürzb. trag. kr. 47^ 449. vielleicht ist der zu strei- 

chen, s. L. zumiw. 1208.. 494. zcsamen sie ir pfirüende 
truogen und lurzten (teuschten) in mit Worten klnogen Kol. 
codew 185, 1047. 511/. dÄ von g^nt den reinen man 

danne zw6ne schaden an L. zum Jw. 5522. 591« er ist 
Z. F. D. A. III. 18 



274 ZU HARTMANNS BUCHLBIN. 

ein sinnelAser man, der Ane bürgen durch daz wfp iemtr 
geveilet den lip Trist. 9894. min lip der ist geveilet mit 
kämpfe and mit vehte Trist. 13240. 811. wische den 

mies vonn ougen L. zum Iw. 1208. 881. gerowen] s. 

L. xum Iw. 415. 1111. ze fr. mich n. v. L. zum Iw. 

5172. 1216. gebiutst et L. zum Iw. 6261. 1497. wan 
s6 ziuht si üz in a. L. zum Iw. 2738. 1612. gezieh. 

vergl. L. zum Iw. 2868. 1681. gelant (denn gewant 

steht 170^) L. zum Iw. s. 561. 1762 #. jA lebe ich 

sam ich swande über tiefen s6, dan man hAt verre üz se 
lande, so^ und 1778 in dem sande, ist wie ich glaube mu 
schreiben, ich hegte diese Vermutung schon fiilher, und 
auch herr von der Hagen sagt MS. 3, 844^ 'sawainde iH 
wohl swamde', allein ich konnte das verbum swemmen nur 
beim Suchenwirt nachweisen, was ßlr Hartmaim nicht ge» 
niigt. aber auch Ulrich von Tärhehn sagt Trist. tSÜSff. 
er viel selbe an den bach. hin über er geswande. aH in 
balde rande beide mAge und man. in Ottackerß cknimiksteht 
s. 61^ Af einem meiden er sA swemte über die TrA ze sin* 
yinde angesiht: wan si mohten im uiht mit sweäimen fjfh 
volgen, und s. 88** ez was dA mosig unde murc. dA swemt 
der alt von Liuhtenburc Af eim verdahten ravit fiber dai 
wazzer wit. die stellen des Suchenwirt sind folgende. 
4, 446 tief was geroer und auch der sant, pei den schiffen, 
und daz muor. ainer swemt, der ander fuor, piz daz uns 
got von himelreich her über half gensedicleich. 9, 197 ze 
Vizenz über die Prente swemt er: schol man (/. manz) go- 
lauben? 13, 134 pei Ölsnitz swemt er über die muor. die 
transitive bedeutung, aus der sich die intransitive des über 
Setzens gebildet hat, findet sich beim Suchenwirt 4, 192 mit 
müe und auch mit arebait von mitten tag zuo vesper zeit 
swemt man über daz wazzer weit pei den schiffen, daz ist 
wAr, nftr wen dreizik tausent gar. 

i, 110. willn L.zumiw. 1159. 479. vol L. zum 
Iw. S079. 582. geloubte. s. L. zum Iw. 1730. 

736 ff. wan sol mir immer dA vone geschehen — guot daz 
— tuot, des u. s. w. L. zum Iw. 901. 



275 

ZUM ARMEN HEINRICH. 
174. arzte L. xum Iw. 1553. 189. dia rede ist h. n. 

L. »um Iw. 6372. 328^. liebt — mohte — tobte. 

vergl. L. »um Iw. 4194. 436. zuo L. xum Iw. $. 514. 

865. sant L. xum Iw. 901. 1018. zno L. xum Iw. 
8. 514. 1035. niemer m^ mit A. 1055. s. L. xum 

Iw. 6774. 1089. binde, s. L. xum Iw, 3560. 

1382. sines gelückes 1392. engeloubten 1411. spaehe. 
s. L. xum Iw. 7300. 

Zur vorrede, s. x x.2 v. u. l. Wesperspul xu s. xn 
X. 1. der von Absalone wird aus der reihe dermhd. dich-- 
ter XU streichen sein. s. Jac. Grimm in dem bericht über 
die Verhandlungen der Berliner academie 1843 april s. 122. 
XU s. xsf. HaUg von Salxa ist von herm von der 
Hagen aus derselben Urkunde erwähnt worden MS. 4, 644, 
an einer stelle wo niemand etwas von den herren v&n Salxa 
erwartet und auf die auch weder s. 870 noch s. 020 ver^ 
wiesen^ igt, so dafs ich sie übersehen habe, die behauptung, 
Saug von Salxa werde mit Veldeke genannt^ verstehe idh 
nicht: wo Heinrich vom Türlein {den herr von der Hagen 
Ulrich XU nennen pflegt) von ihm redet y steht von dem 
yeldeker keine silbe. HAUPT. 

ZUM GÜTEN GERHARD. 

• 

Die Gelehrten anzeigen herausgegeben von mitgUedem 
der konigl. baier. akademie der wifsenschqften kommen 
schwerlich in die hände aller die sich mit der mittelhochr 
deutschen poesie philologisch beschäftigen, daher mögen 
die- wohlüberlegten Verböserungen des textes von Rudolfs 
gutem Gerhard die herr Franz Pfeiffer in seiner recension 
meiner ausgäbe dort (Jahrg. 1842 «070 — 72) niedergelegt 
hat^ so wie mit geringer ausnähme die Vermutungen. die er 
Jragwdse ausspricht^ hier räum finden. ' H« 

1127. selbe hiez, nach B. 1347. sd oder als Man? 

1368. altherren? 1936. wan eine mines h. h. ai^eine 

ßihri one in B. 2471. Dilz 2666. unde ir fr. zw6. 

vergl. 2679. 2685. 2702/. ob et ir gedenket min 

u. s. w. 2799. ze kferenne? 2849. die rehten w. 

18* 



27« ZUM GUTEN GERHARD. 

m.7 2851-. vrowe, daz gage ioh dir yü woI. {vielmehr 

wphl duz gesage ich dir vil wol. Haupt») 2884. froelieh 
\n min büs bin hein 2890. rilicber w»te 29Ö9. D6 

fr. a. m. liebe kr, 3081, ach w^nic deist? 3341. als67 
3429, bi m. d. hdcbgezit alhie 3529. &wie kranc et 
was 7 3595. ' diu ist mit B wegsulqfsen, vergl. 636. 

2536. 3493. Wilhelm 1753 d6 messe balp gesungen was. 
1956 dd messe was gesungen. 3649. daz was ir kric 

mit St. kr. im Wilhelm reimt krie : hie 1383.6387.6453, 
krie« »r sie 9171. 3666. durch der vreude ez a. s.? 

4239. beilegen 4532 y*. des genädet im zehant der 
4766« sOez rede, senfler umbevanc naeh B? süezsenfter 
ambevano? '4981. alse 5145. das mir der hs. A ist 
nicht mfxugeben. Alexander Münoh. hs\ 14* in nppeeli- 
cbcm wl^ne wirt er alsA 16s gemnot daz er sich setzet durch 
sin gnot wider der h6rscbefte gar diu in geboobet hlt biz 
dar. 33* in vientliohem zorne was dA der woigeboni^ ge- 
gen At£ne der stat, daz si bäte sich gesät wider im in sdher 
wer. Hemzelin von Kostens in der Minne lehre bei MiÜr 
ler M. 352 «^ swer sich wider mir (: dir) setzet und. der 
muoter min, — dem zünde ich an sin herze mite. 1482^. 
— wes zfbstu mich, daz du strebest wider mir (: dir) 7 da- 
gegen im nämlichen sinne 319 jf*. sich setzet maniger wider 
mich alsd ye$leclieh daz ich mit güetc in nibt betwingen 
kau. vergl. gramm, 4, 795. Graff präp. s.i92 — 197. 
sprachsch. 1 , 638/ 5367. ik 7 5470. der ist ze 

lihtsemfte gemnot mit A. . 'dieses wort, dem hier etelieher 
ist ze karc gegenüber steht, ist uns öfter begegnet wnd 
bedeutet nachsichtig, nachgiebig, mild, auch haeU^ng, 
träge. Flore ^Aff. er hat der boßsn näture kraft mit Ühi^ 
aenfte überwunden, cod. monac. 100 bL 144^ — daz daz 
wäre wort, daz unser h^rre selbe ist, in ir herzen ist der^ 
loseken und daz sie lihtsemfte sint worden an gotes dienale 
und nngedultic und snel ze unnützer rede u. s. w. bruder 
Berthold, Kling 422 libtsenflekeit. ähnliche zusammense- 
tsungen sind, bruder Davit min jocb ist senftsüeze und min 
bürde ist ringe. Emst^ 1990 und kom ein lihtsüezer {so 
steht bei v. d. Hagen und es braucht nicht, wie gramm. 
2, 576 geschieht, in liehts. verändert zu werden} tao dar 



ZUM GOTEN GERHARD. 277 

sie nAob ieide machte yrA.* 5495^ komen sit her in dits 
lant mü B. ^die partikeln her hin dan dar u^ s. w. smd 
il. sekt geläi^ und er wendet sie in dieser weise hätffig 
mh M. i. 1195« 1208. 6831 der brft'hte bz her ia dits Unt. 
WUhebn 848 h»te brftht dar in daz lant. 59.97 voa der 
stat hinäf daz yelt.' 5527. von dränge? 5557. alte 
5589. an] km in? 572»^. D6 wir sA groeziiche in 
daz kfinecriche schöne enpfangen wurden dA. ^diese redens- 
art und andere ähnliche kommen auch in fFtlhelm vor. 
X. 14541 und wurden riliche enphangen in das riehe. 13122 
(Haager perg. hs.) er hlite al den ainen einen hof gespro- 
chen dar armen unde riehen gar ze Norwtege in daz riche. 
10722 (ebd.) dirre beiden künege her -^ samenden sich sä 
zehant mit krefien werliche ze Tenemare in daz riebe. 
11582 (ebd.) er teilte in daz riebe den berren die gevan- 
geii gar« 5564 und gruozten in mit vreuden gar bin wider 
hein in ftn lant. 3046 (Uaager hs.) herberge nemen in 
die stat« vergL darüber gramm. 4, 827. 825^ 5736. dar 

Ate 5746. ir ie? 5749. und von gesteine 5772. oueb 
Wis dem künege ein guot gelimpf, 'denn es ist wohl zu 
beachten dajs, wenn vom k'önige die rede ist, nicht blo/s 
der berre, sondern der berre min oder min berre gesagt 
wird; vergl. 5779. 5879. 5967. 6022. 6042 u. s. wJ 
5929^. — liebte breben sach — gevilde die u. s. w.? 
5966. tozen als man s. 6140. fiir alles gnotes öberguoL 
pef^L 5563. Barlaam 11814 ein übergnot des guotes (bei 
K&pke 295) 14, wo die ganze stelle lückenhaß ist, über- 
g61te) 6144. selben? 6271. daz lant, der kröne hör« 
Schaft, 6361. vollebringen k« 6384. An? 

0686^ ob ich d. g. iht geb. möhte, daz ez daniioeh niht 
tobte? 6831. ditz lant 'die beiden »eilen 4887 und 
4888 swer oncb nd spil merken wil, dft was nunc ritterii^ 
cbez spil verrathen sich durch schlechten bau umi msttte 
Wiederholung als einschiebsei des schreibets und sind J0U til- 
gen, dafs B mit 280 versen die Kicke von 2 blättern in A 
richtig ausßUlty beweist noch nicht dafs sie auch in dieser 
vorhanden waren, indem die 35 Zeilen auf jeder spalte die- 
ser hs. 'nicht immer eben so viele verse betragen.* ebenso 
mSekten auch die z. 2905 — 2908 zu streichen sein, woß^ 



278 KLEINE BEMERKUNGEN. 

durch die kurz vorhergehende lücke auf sechs »eäen 
mäßigt würde, femer ist auch x. 6924 mit B zu sireir 
chen;.sie enthält einen nichtssagenden Musaiu umd iäf^^ps^' 
dicht soll mit 7 gleichlautenden reinem eehÜfftisth tmti ^4fih^. 
Barluam mit zweimal 7 und fFilhelm mit 9, welche : leüik 
tere so lauten^ 

Swelch min friunt mir fnundes rftt 

erzeiget ine missetai 

(ob mir der rät ze staten stät 

und mich niht tnmplich irren Iftt), 

der tuot mir wol, swie ez ergät, 

and leit an mich der triuwen wät. 

daz ist ein friuntlich getät. 

n& helfe nns der erbermde sät. 

ditz msere albie ein ende hat» 
damit vergleiche man die schlufsverse der kindheU Jeem 
von Konrad von Fufsesbrunnen (K. A. Hahn^ gedickte des 
\2n und \Zn jh. s. 102. 146), die Rudolf sowohl da' form 
uls auch dem Inhalte nach offenbar nachgeahmt, kei** 
' [2161 lies 'kan si Franzoyser spräche?' 'ja.*. Haupt^ 

KLEINE BEMERKUNGEN. 

1. ZU FREIDANK. 

Frmdanks zdlen, 1, 7 — 10 borgt Ottacker #.70% *« 
dem in der i(hi zeile büwet statt zimbert steht. Th.JacM 
(de Ottocari ckronico Austriaca ^ Breslau 1839) hat dies 
mcht bemerkt, was er s. Zßf über Ottackers kenntnis 
deutscher gedichte sagt ist überhaupt sehr ungenügend. 

73, 22. So ebene nie kein künec gesaz, Im.wärre dan- 
noch. eteswaz. vergl. Ottacker s. 378^ -r- wir haben ge- 
hört Ein altez Sprichwort, 'Nie kein man s6 eben gesaz, 
Im gebreste etewaz.' 

Den Spruch 127, i6. 17 Ich weiz wol daz niemen mae 
Verbieten wol den widerslac hat, wie Wh. Grimth s. xcvn 
bemerkt y Neidhard s. 392 Ben. in persönlicher fqfsungy 
Der keiser Otte künde nie den widerslac verbieten, ich ver- 
snochte ez, kamt er (der von Reuenthal) her, ob in diu 
swert iht schrieten. in dem alten drucke steht dafür (Ha- 



KLEINE BEMERKUNGEN. . 279 

gens MS. 3, 671^) es mocht der keiser Caroi nie u. s. w. 
und wie Otto mufs Karl in diesem Sprichwort auch sonst 
gemmsHt woriem sein^ denn Ottacker s. 134^ sagt Mir hit 
Unk Karle Den widerslac erloubct. Ich bin an rehte be- 
tonbet Und gestAzen von minn landen. 

163, \b dashtA von siben vtiezen halte ich nicht ßtr 
den sarg, sondern ßtr das grab, wie in der von fTh. Grimm 
ang^ßlhrien stelle aus dem Alexander und M Almms 
parab. 1, 109 (Leyser hist. poet. m. aevi s. 1070) Omnin 
Caesar habet, sed gloria Caesaris esse Desinit, et tonralani 
yix habet octo pednm, und in Karajans ßiihUngsgabe s. 86 
Vis nnnc tnus Uunulus septem capit pedes. 

2. MEIER HELMBRECHT. 

Ottacker s. 2Z7^ff. erzählt wie der abt Heinrich von 
Adnumt bauef*n aus den Ensthal außietet um den Ungern 
davon gqßlhrtes vieh wieder ab zu jagen, die ^ackertrap^ 
pen, die an den pflüg gehören, fliehen schimpßich und 
verschwören es gegen ein solches langbärtiges volk, das 
die zahne so greulich bleckt wenn es seine bogen spannt, 
je wieder aus zu ziehen : mit solchen dienstforderungen möge 
sie der abt verschonen, mancher sprach (s. 239^) 'sendet 
mich unser herrgott heim ins Ensthal, da will ich mich, 
dq/s vater und muhme es loben, an den lichten bbanen mit 
meiner sense rächen. 

mit der Unger geschrei 

wil ich sin unverwarren. 

hinz Ungern in die scharren 

läz im ein ander wesen gftch 

unde in daz stadach. 

dem abbte diene ich gern: 

mag aber er min eiü)em, 

für triben kam ich nimmer mir. 

Helmprehtes vater Kr 

wil ich gerne volgen 

und der knäppscheit sin erbolgen.' 
die anspielung atff den meier Helmbrecht, wo.{2A2ff-) der 
vater den söhn ermahnt beim pflüge zu bleiben, ist deutlich. 

H. 



ALTSACHSISCHE GLOSSEN. 

Die Mersebtirger ks. 42, perg., äi klehtfolio, aus dem 
iOn j'k., enthalt unter dem titel hidorns de »ita clericontm 
eine Sammlung von bruchslüeken am Isithna, Hieronymus, 
Augustinus, Gregoriua dem Iw, Probier, Leo dem \n, Gela- 
sius, und von coiicHiensck/u/sen. die fotgenden altsächsiscken 
glossen tiad meist mit derselben li/ite und vielleicht von der- 
selben kand, zum theil von andere?' katid und mit schwärxerer 
tinte übergeschrieben, viele dieser glossen sind schwer, man- 
che gar nicht zu lesen. H. LEYSEH. 
bl. 103° noa tarnen in cauendis uilüs (, . enu uardianun) — 

dislare (uramstan) — qui euangeücum preceptnm 
frequenler distniclis (foisaldun) atqne rentmiiatis 
{end Jorsekenun) palrimoniis — quatentis ad ea 
qnf conlempserunt (thet se titk enfkingun) — 
103* copiosioribus (manigeru) sumptibtis {7tot..'} — 

ntuiiLur (niethat) indigere (bithurf. . .) — 
104* pro temporntn oportunitate (Mburilicurs) -~ 
104'' et niliitibus xpi sttpendiarie {laiisticce) debent intel- 

legi — etpauperes foueant (uitlistien) — 
104° iacffabiUter (unteliica) i'nstantissioie {ons&nda»- 

lica) — 
104* qui uero haec qup prcmissa snnt (Helene?) — quod 
possibilitas subpetit (iuul. . . .) — canendum sum- 
mopere (alleromest) — 
lOS* necessilatibus • — admintcnlari (iuuilistian) — 

corporis — solatia (jaillust) — 
105'' gule (kieluriiki) — 

105° aliquid incommodum (unimeces) fecissent — Dihil 
qu§rimonip (c/dge) contra se obiccre (duuan) prae- 
sumant. ne aut seuerissimis nerbcribns officiantur 
(iuuegdc uuerthan) aut humane sernilnti denuo {sön) 
Jjt crudeüter addicantur (idomde vueräan) — prae- 

^H[ sertim oam (tithitrs/edti) apud dcum non sil pcrsona- 

rttin aoceptio (srlredia oder se/fedia) — prelalo- 
lum sculusis (hC bis/aleiiuii) nobilibus — 



f^ 








•s 


■. 


ALTSXCRSISCHE GLOSSEN. 




281 




H. 105 


iDofficiose (unforthia nadlac) accipere dcbere iion ab 






re pulauimus (mateliat tetfun) — 








106 


quibus opus (iharua) non habent — aut libenter 


% 




accipiunl aut exigunl {lErehiad) — si 


üdelis et 


r 


operosa (imerkiic) deuotio (t'frmhed) -~ 

{mithan) — 


nitare 


1 109" ut neccssaria pulmenta {hirrdrari) liabcant- 


- 






110^ 


summo pontifici secum in tremeadi examiuis 


die 


nle- 






lesas presenlanles hod cnm reprobis el diuii; 


a ultione 






seniandis damiiaotur {»nthemii deg^ t? ßt 


■htu 


■UfV 




( 


tkah das übrige DDlesbar). 








DER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE. 






. 


Ifu wünschen wir alle geliche 


308, 


10 




' 


dem herzogJD Uainriche 

daz im got I6ne 

diu matterjä diu ist scßne; 








L 


die suoze wir von im Laben. 








\ 


daz buoch hiez er vor (A für) Iragen 




15 




gescriben ze den KarÜDgens 










des gerte diu cdele herzoginne, 








^ 


eines riehen kuniges bam. 

mit den liechlen bimil [wizen] scaren 








■ 


nach werltlichcn arbeiten 




20 




\ 


werdent si geleitet 








: 


unter allen erweiten gotes kindeu 

da si die 6wigen mandange vinden, 

daz si sin ie gedflhten. 

daz man iz für bräbte 

in liutische znngin gekfret, 
' da ist daz riebe wol mite gßreli 

sine tugende dwungin in dar zuo. 

wä lebet dehein furste nu, 

dem ic so wol gescähe? 

der hfirre der ist getriwe uul gewire. 
. Bfune mugcn wir in disem zilo 

dem kuninge Dävile 

L 




25 

30 
309 


M 



282 DER EPILOG ZUM ROLANDSLIE0B. 

niemen 86 wol geliehen, 

s6 den herzogen Hainrichen. 5 

got gap ime die craft 
daz er alle sine viande enraht. 
die cristen hat er wol geftret, 
die heiden sint von im bekftret; 
daz erbet in von rehte an. 10 

ze fluhte gewant er nie sin van: 
got tet in ie sigehaft. 
in sinem hove ne wirdet niemir naht, 
ich meine daz twige lieht, 
des ne zerinnit im niht. 15 

untriuwe ist im leit: 
er minnit rehte wftrheit. 
j6 uobit der h^rre 
alle gotliche l^re, 

unt sin tiure ii^esinde. 20 

in sime hove mae man vindin 
alle State unt alle zuht. 
da ist vroude unt gehnht: 
dft ist kiusche unde schäm, 
willic sint ime sine man, 25 

da ist tugint unt ftre. 
wä fraiste (/• freiscetet) ir ie msere, 
daz im baz geschähe? 
sime schephaere 

opheret er Up unt s61e 30 

sam Davit der hirre. 
swä er sich virsumet hat, 
zuo gerihte er im [nu] stät 
an dem jungistin tage, 

dft got sin gerihte habe. 310 

daz er in ze gerihte nine vordere, 
snndir er in ordine 
zuo den 6wigin gnaden, 

dar umbe ruofe wir alle 'amen.* 5 

'Ob in daz liet gevalle, 
so gedenket ir min alle. 
ich heize der pfaffe Kuonräl. 



DER EPILOG ZUM fiOLANDSUEOE. 283 

alse iz an dem buocbe gescribin stät 

in franzischer zungen, 10 

s6 hän ich iz in die latine bedwungen, 

danne in die tiuüake gekßret. 

ich ne hin der niht an gemfiret, 

ich ne hän dir niht überhaben. 

swer iz iemir h6re gesagen, 15 

der scol in der wAren gotes minne 

ein patemoster singe 

ze helfe mtnem harren, 

ze tröste [minen] allen geloubigin s^len, 

daz unsich got an rehtem geloubin mache 

veste, 20 

daz uns an guoten werken nine gebreste, 

unt mache uns sin riebe gewis. 

tu autem, domine, miserere nobis. 
Diesen epilog enthält bekanntlich die fßilzueke Atfmf- 
schriß, die meiner ausgäbe des gedichts xu gründe Hegt, 
allein, ich stelle ihn mit einigen verbefserungen voran, 
weil ich veränlq/sung habe, ihn näher zu erläutern. 

Der dichter beginnt damit dem herzog Heinrich, tui- 
ter, dem, wie ich in der einleitung (xxxi. xxxii) ausgeßihrt 
habe, nur Heinrich der Löioe kann gemeint sein, gottes 
lohn zu wünschen, weil man ihm die bekanntschqft mit dem 
gedieht verdanke, dessen Inhalt schön und voll sif/sigkeit 
sei. der herzog liejs das in Frankreich und in französi- 
scher spräche geschriebene {wahrscheinlich sorgfältig ver- 
wahrte) buch herbeibringen (fare tragen 308» 15. vor in der 
handschri/i ist niederdeutsch, vergl. grqf Rudoff ^, 10) 
und zwar auf begehren der herzogin (308, 17). ich habe 
unrecht gehabt dieses begehren auf die deutsche Übersetzung 
SU beziehen; die herzogin kannte schwerlich schon den in- 
halt, und trug zunächst nur verlangen die handschri/i zu 
sehen, die vielleicht mit bildem ausgeziert war. inöglich 
dafs auch sie die Übersetzung anregte, denn es ist von 
mehreren die rede, denen dafür dafs sie des gedichtes gt* 
dacht haben (308, 24), was freilich ein allgemeiner aus- 
druck ist, die ewige freude des himmels zugesichert wird, 
das reich, keifst es weiter, ist damit geehrt, dqfs man das 



284 DER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE. 

lied in deutscher spräche dichtete (für bräfate, zu stände 
brachte, vollendete (308, 25 — 27). indessen war es doch 
wohl der herzog der den auftrag ertheilte^ denn es he\fst 
von ihm allein (308, 28) sine lügende twungen in dar zuo. 
wenn ein so hoher werth auf das werk gelegt wird^ und 
ein so grofser lohn ßlr die mittheilung desselben in an" 
sprach genommen, so mvfs man bedenken dafs es, wie kern 
anderes, den kämpf der Christen gegen die heiden verherf' 
lichte und als die höchste pflicht tapferer männer darstellte, 
ist das deutsche gedieht, wie ich wahrscheinlich gemacht 
habe, in den Jahren 1173 — 77 entstanden, so muste der von 
seinem zug nach Palästina zurückgekehrte herzog, wie sein 
ganzer hof, besondere theilnahme dafUr empfinden. 

Nun geht der dichter auf das lob des hm^zogs über, 
er we(/s ihn nur mit dem köfiig David zu vergleichen, wie 
diesem verlieh ihm gott den sieg über seine feinde; nie wen- 
dete er seine f ahne zur flucht, vorzüglich aber weg^ sei- 
ner fHmmigkeit setzt er ihn dem biblischen heiden gleich. 
wie dieser bringt er gott leib und seele dar (309« 30. 81). 
die cristen hJit er wol ge^ret, die beiden sint ron im b6- 
kftret (309, 8. 9), was sich wahrscheinlich auf seine kämr 
pfe mit den heidnischen Slaven bezieht, an seinem hqfßn* 
det man alle tagenden vereint: keine nacht gibt es da, weil 
das ewige Kcht ihm niemals erlischt, wenn er sich irgend 
eine sündliche Versäumnis hat zu schulden kommen tafien^ 
so steht er dafür am jüngsten tage zu gericht. mdge ihm 
dort die gnade gottes zu theil werden, ich habe 309,59 im 
getilgt, weil offenbar von Heinrich dem lebenden und iet- 
nem gegenwärtigen hof die rede ist. ich glaube diesee lio 
rührt von einem abschreiber, der nach dem tode des Mr* 
zogs (1195) diesen nur ^für ihn geltenden zusatz unbedüxkt^ 
sam einrückte. 

Zuletzt spricht der dichter noch von sich selbst* ät 
ist ein geistlicher (pfaffe) namens Konrad. er war ein ßtt 
seine zeit gelehrter^ in sprachen bewanderter mann, vieU 
leicht capellan an dem hofe des herzogs* er bewältigte 
das französische werk erst durch eine Übersetzung ins Är- 
teinische, und legte diese dem deutschest gedieht zu grund. 
dqfs er nichts zugesetzt aber auch nichts übergangen habe 



DER EPILOG ZUM ROLANDSUBDB. 285 

(ich ne ban dir niht überhaben 310, 14) sagt er ausdrück- 
lich; er ist also seinein vorbild treu gefolgt, wenn er hin" 
%ußigt^ jeder der das gedieht vortragen höre möge ein 
patemoster »um heil seines herm singen^ so ist damit mchi 
gesagt dqfs. dieser schon todt sei^ sondern Konrad denkt 
an spätere xuhörer. 

Diese erklärung des epilogs mufs ich noch gegen den 
Herausgeber des Eraclitis vertheidigen^ der in seinen flei- 
Jsigen und dankenswerthen Untersuchungen über dieses ge- 
dieht anlqfs genommen hat eine ausfuhrliche Widerlegung 
(s. 559 — 56 1) einzuschalten . 

Er legt auf das von mir ausgewiesene nu (309, 33) 
ein anfserordentliches gewicht, man höre, jenes nu, das 
wir, sowohl wegen des versrmafses als weil das streichen 
in einem unicum überhaupt bedenklich ist, nicht su fügen 
wagen, scheint vielmehr einen vorzüglicheren sinn und, was 
die seit der abfafsung betrifft, dem ganzen gedichte eine 
gänzlich andere bedeutung und heziehung zu bieten,^ der 
erste grund ist nichtig, wenn das versmafs auch bei Ron" 
rad geregelt wäre, loas es nicht ist^ so gestattet es doch 
die Partikel auszuwerfen, ja der vers lautet be/ser als 
wenn man nü (mit langem vocal, der gar nicht nöthig ist; 
vergl. grammatik \^ 81 Se auß. Graff 2^976. 977) hinzu- 
fügt, der zweite grund empfehlt bedenklichkeit, als wenn 
ich leichtsinnig verfahren wäre, die kritik darf sich das 
recht nicht nehmen Iqfsen mehreren, ja einer ganzen reihe 
von Handschriften, in welchen sich ein fehler fortgepflanzt 
hat, zu widersprechen, sobald sie nur hinlänglichen grund 
dazu hat: sie hat bei einer einzigen offenbar geringere Ver- 
antwortlichkeit. Mafsmann hat sich bei dem text des Era- 
clius (freilich nicht zu dessen vortheil), zwei handsehrißen 
gegenüber, ganz andere freiheiten genommen ohne sie mit 
einem wort zu rechtfertigen. 

Doch zur .Sache, toelche befsere erklärüngen, welche 
neue aüfschlüfse empfangen wir? es heifst (309,29 — 30) 
von dem herzog sinie schephaere opberet er lip unt s^Ie; 
das wird erklärt ''Heinrich denkt nun (nach dem zuge ge- 
gen die wendischen Heiden) ''um seiner seele heil unlleti'^ 



2S6 DEK EPILOG ZUM KOLANDSLIEDE. 

an eine nachträgliche {der aiisdruck ist nicht glücklich ge- 
wählt) Pilgerfahrt ins gelobte Imid,' was unmittelbar auf 
jene warte folgt, sam Davit der härrc, wird ausgetafsen 
and ganz mit slillschwetgen übergangen, dieser zusatz 
aber macht allein schon die besiehung auf eine pilgerfaltrt 
unmöglich; ohnehin ist von einem blofsen vorhaben nicht 
die rede, sondern von einer that. swä er sich vcrsflmet 
hat (309, 32) sott eine 'fromme, geistliche ausdi-ucksweiie' 
sein, sie kommt aber auch bei ganz weltlichen dingen vor, 
z. b. Aeneide 12907. Parz. 233, 12. Freidank lt6, 24. 
177, 26. diese seile wird nicht blqfs mif die versäumte 
kreasfahrt bezogen, was den warten nach möglich wäre, 
wenn sieh nur beweisen liefse dafs Konrad daran gedacht 
hätte, sondern auch auf die bisher unterlqfsenen gedartken 
'ans geistige leben.' ich verstehe das nicht, wenn nickt 
durch einen druckfehler geistig für geistlich gesetzt ist. 
aber unbegreiflich bleibt die behavpturig immer, da ja der 
dichter des hersogs frömmigkeit, seinen eifer für das ckri- 
stenthum, ausdrücklich rühmt; er sagt sogar mit Übertrei- 
bung (309, 14. 15) daz 6wige liebt, des ne zerinnit im 
niht. jetzt kommt die hauptstelle mit dem schwer wiegen- 
den wörtchen (309, 33), ze gerihte er im nu slät. diese 
ganz deutlichen worte, was sollen sie aussagen? man er- 
räth es nicht; so viel als 'das will er nun gut machen', 
durch eine pilgerfahrt nämlich, der blofse vorsalz einen 
sag nach Syrien zu unternehmen soll schon als ein einge- 
tretener gerichtstag angesehen und nn auf diesen vorsats, 
van dem nichts gesagt ist, bezogen werden, unmittelbar 
auf jene zeile folgt im tart an dem junglstcn tage, dA got 
siQ gerihte habe, das gekört noch dazu; will man es aber 
abtrennen und zu dem folgenden ziehen (dö für dA bei 
Mqfs}nann ist wohl ein druckfehler), so bleibt doch die be- 
ziehung auf das jüngste gericht so klar dafs eine unglaub- 
liche befangenheit dazu gehört dies nicht auf den ersten 
blick einzusehen, die neigung überall zwcifel bedenklich- 
keiten und fragen anzuhängen, wenn man nichts befseres 
ZK bieten hat, wird schon lästig, weil sie die forschung 
mehr hemmt als fördert, aber grandiose einfalle bekämpfen 
XK mtysen macht verdriefslich. und dock nennt Mafsmann 



■ UER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE. 287 

»eine erklibieng 'eine gewiss nicht erswungene', die dem ge- 
dickt 'einen i^orsügltchern sinn' gewahre. 

Gesetst der text wäre einer solchen deutung irgend 
zugänglich, milsle man sich nicht den einwurf machen 
da/s es ganz unnatürlich gewesen wäre, wenn der dickter 
auf einen so wichtigen, ruhmwürdigen enlschlufs des kei-- 
xogs nur nnbeslimmt und dunkel, nur aus der ferne kingewie- 
sen hätte? er muste laut davon reden, ihn mit andern kel- 
den der sage oder der geschickte, mit Roland oder mit Gott- 
fried von Bouillon, vergleichen, nicht mit dem könige David. 

j4ber weiter, das gerettete uu soll auch 'was die seit 
der alifafsung betrifft, dem ganzen gedickte eine gänzlich 
andere bedeutung und besiehung bieten.' dnfs es dieser 
ansiebt gemäfs kurz vor der fahrt des hersogs (1172) ge- 
dichtet ist, macht an sich keinen merklichen vntersckied, 
denn ist meme meintmg die richtige, so ist es nach seiner 
rückkekr (1173) entstanden, allein das ist auch hier nicht 
der kauptpunkt, sondei-n die weitere behauptung, das Ued 
sei gedicktet 'zur Irostanschauu/tg der rückbleibende/t ker- 
sogin, welche die verdeuUckmig des welschen buchs wünschtet 
vorher wird sogar behauptet, Konrad habe es ihr gewidmet, 
wie es sich mit der einwirkung der kersogin auf die Über- 
setzung verhält habe ich erörtert, ich weifs nicht wo* 
Mafsmann darunter meint, wenn er sagt 'der herzog hiefs 
das buch vortragen.' doch wohl nickt was wir heute dar- 
Witcr verstehen, er liefs das buch vorlesen ? aber gesetzt 
die kersogin veranlafste das deutsche lied, so konnte sie 
dock, während der herzog den gefahren einer solchen reise 
nnterworfen war, sckwerllck einen trost aus einem gedieht 
schöpfen das den jammemollen unlei'gang Rolands und sei- 
ner genofsen auf eine ergreifende weise schilderte i im ge- 
gentheil, es muste sie mit angst und besorgnis erfüllen. 

iVir sind noch nicht zu ende, die Erklärung 'des ivin- 
zigen aber gewichtigen' nn trägt noch weitere friickte. der ' 
Übersetzer des liedes soll Konrad bischof von Lübeck ge- 
wesen, sein, dem Heinrich 1162 diese würde verlieh, ich 
bejurchte er ist es so wenig als Otto von Freisingen dich- 
ter des Eraclius ist, an sich ist es unwakrsckßinlich dafs 
Ronrad seiner würde nicht gedacht, sondern sich biqfs ei- 



*A 



388 DEH EPE.OG ZUM ROLANDSLIEDE. 

»en geistlichen genannt habe, xumal die häufige ermähnung 
des bisckofs Titrpin ihi daran erinnerte, und die beschei- 
denheit der geistlichen jetier seit nicht darin bestand, nicht 
einmal bestehen konnte, ihre Stellung zu eerbergen, meine 
Vermutung (mehr ist es nicht, und ich lege kein gewicht 
daraiif), d<\ft er capellan des kersogs gewesen sei, beruht 
m^ den allsu höfischen ausdrücken mt welchen er van sei- 
nem herrn spricht, darf man sie vo?i einem bischof von 
Lübeck erwarten? doch davon abgesehen, es ist noch ein 
anderer umstand entgegen, der bischof Konrad begleitete 
den kersog auf seinem zug und starb in Serien, es ist 
nicht glaublich da/s er vor einer so wichtigen Unterneh- 
mung and während der aurUstungen dazu an eitien 'schwa- 
nengesang' gedacht, das keifst last und mufse gehabt habe 
ein gedieht von diesem umfang (etwa 9250 xeilen) erst ins 
lateinische, hernach noch metrisch ins deutsche xu über- 
setzen, wenn Mqfsmann gar noch die (gelinge) einmisehung 
niederdeutscher sprachfonnen, die ja in den meisten gedick- 
ten des zwiilfien Jahrhunderts sich zeigt, aus des bischofs 
schwäbischer herkunft vnd seinem aufentkalt in Lübeck er- 
klärt, wenn er 'zu kilfe nimmf dafs bruclistücke einer 
handsckrifi in dem 'nicht fernen (?), nicht beziehungslosen 
Schwerin (etwa weil Heinrick das land der Obotriten er- 
oberte ? was hatte das Jiir einen einßufs auf die Übersetzung 
des liedes?) sich befinden, so führe ich das nur an um zu 
zeigen wie ein athu grqfses bestreben scharfsichtig zu tain 
auf falsche fährte verlockt. 

WILHELM GRIMM. 



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*^^^H^H 


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DIE VORREDE ALBRECHTS VOiN 




HALBERSTADT. 


M 


Arme uode riebe, 


m 


dea ich willicliche 


M 


mines diensles bin bereit, 


■ 


zc Mne miner arbeil, 


-% 


vernemeot alle besunder 


■j 


diu manicvalden wunder 




diu ich in in disem buoche sage. 




wie vor manegem altem tage, 




d6 diu weilt gemachel wart. 




diu liute wurden verkart 


lü 


unde maaege wis verschaiTeD, 




daz ez leijen unde pfaffen 




ungeloabelich ist. 




i!^ doch wizt ir wol, sit dirre frisl 




^^ daz goL geschuof Adamen 


iü 


H unz üf Abrahamen, 




■ der sin Srste holde 




H was, daz er nie wolde 




■ sich iemanne künde. 




■ durclkder Hute sünde. 


20 


^L die sich versenket hälen. 




^P swaz si dd täten, 




H si betten an die abgot«. 




^T in der tiuvel geböte 




^^^^^^ stuonden si gemeine. 


25 


^^^^L bolze unde 




^^^^^^Lir opfer si brähten. 




^^^^^^ die stumben nnbcdäbten 




^^^^^L hälenz an den m^ren 




^^^^H^4>z si von goten wseren. 


30 


HeirMw.ArbreGhtB Prologas hebet sieh tie slias, 11. Viid m 


»pig 


n.et.fMt. 15. .idBin 16. Bifs ^ü Abraham 17. 


hnld 




■> 


32. Was s. •!. tiietten 




Z. F. D. A. m. 19 






1 



290 ALBRBCHTS VON HALBERSTADT VORREDE. 

si wirren anversunnen 

und gloabten an die bruanen 

nad an die boume im walde. 

des muoste ir gewalde 

diu tiuvelische meisterschaft, 35 

der an in wiste sine krafl 

dureb maneger bände pine^ 

wan si wAren sine. 

des moht er sicherlieh: 

er erliez es die werli niht, 40 

wan dd was grAx sin suoche. 

Der sin sione an disen buoche 
ze rebte bAt geflizzen, 
der er ist snlt ir wizzen : 
enweder dirre zweier, 45 

weder Swftp noch Beier, : ^^ 

weder Dürinc noeh Franke, 
des lAt iuz sin ze danke, 
ob ir fundent in den rimcn, 
die sich zeinander limen, 50 

valsch oder unreht: 
wan ein Sahse, heizet Albreh t, 
geboren von Halberstat, 
iu ditze buoch gemachet hki 
von laline ze diäte. 55 

86 vii gaoter linte 
an tihtenne gewesen ist, 
daz siz an mich habent gefirisl, 
daz wil ich läzen äne baz, 
daz man oach etewaz M 

genüzze miner sinne. 

33. inn dem Waldt 34. gpewalt 35. Der Teaffelifcbe 

meysterschaft. die alUächsisehen maseulina a^f -scepl itelli Sekmel- 
ier im gloss. zum Hei. s. 92^ zusammen, aber für Jfbreekt twn Halber' 
iiüdt ist der meisterschaft §ehweriick zuzugeben, iek habe Um $9- 
setzt: das folgende der bezieht sich auf das im a^'eeiivum liegmiäe 
tinreL %^. vielleicht des moht er nit in haben pfliht. 4#* •> 

der weit 41. Wann do war gr. s. gesnch 43. Inn rechten 
48. Des lars ich sein 49. fliaden 50. zunander ftS« i& 

Teutsche 56. g&te leute 58. haben 



**'.- 



AUMBCHTS VON HALBERSTAOT FORRBDK. 29t 

In dem ersten beginne ^ 

saget ez wie diu werli wart 
(an ir wart niht gespart), 
wie den Hüten geschach 55 

Wunders, als ich ^ sprach, 
nach ir gelouben vil, 
wie daz werte nnz an daz zil 
.;^z Augustus zuo kam, 
der zins von al der werlte nam 70 

und machte s6 getinen fride 
dasB inan diu swert begundo smide 
in segense unde werken hiez 
zuo den sicheln den ipes« 
dt6 wolte geboren werden 75 

und erschinen uf der erden 
Knstus unser heilant, 
von gote dem vater gesant, 
von einer juncfrowen gebom, 
dar zuo sunder üz erkom. SO 

Dar nach über lange stunt, 

ab ich iu iezuo tuon kunt, 

zwetf hundert jär und zehen bevorn, 

Sit unser herre wart geborn, 

ergiengen an die stunde 85 

daz ich des buoches gunde, 

bi eines fürsten ziten, 

in allen landen witen 

von siner tugent wol bekant. 

daz was der voget von Düringe lant, 90 

der lantgräve Herman. 

ich hän billichen dran 

den fürsten iezuo genant, 

wan ditze buoch in sinem lant 

k wart JM/^ 66. als] wie 67. jrem 68. uns] bitig 70. von 

>i»eU 71. Frieden (:-en) 73. Ion Segen M. «onderlich 
11 — S3. ßi^f »eilen Darnach vber lange zeit Als idi euch jetzt be- 
deit Aach da setz zu vor ZwSlff hundert jor Vnd zehene beuorn 
35. Argangen 86. das buch beg. 88—90. Der in allen Landen 
weiMi Das was der Vogt von Türingen last Von seiner Tugent wol 
befcani 93. Dem Fürsten zu handt 

19' 



292 ALBRBCHTS VON HALBERSTADT VORREDE. 

df einem berge wol bekant 95 

(er ist Zechenbuocbe genaat) 
wart ze tihtenne gedäht, 
begannen unde yoUenbräbt. 

97. Wart iDn dichten ^. 

Nach der ausgäbe von 1551 (getrackt zu Meyntz bei 
luo SchSffer yb/.), deren lesarten angemerkt sind, die 
ausgäbe von 1545 stand mir nicht su geböte. ELAUPT. 

EIN MÄRCHEN AUS THIjRINGEN. 

AUFGEZEICHNET VON GEORG FRIEDRICH STERTZING. 

Eines tages kam vor das kleinste und ärmlichste häas- 
eben eines dorfes ein präcbtiger wagen, mit secbs glänzen- 
den rappen bespannt, angefahren and hielt da still, eiir 
bedienter in einem kleide das ganz von goldenen und sil- 
bernen borten flimmerte, öffnete den wagenscblag and es 
sprang ein junger schöner mann heraus dessen anzug nocb 
viel kostbarer war als der rock des bedienten f er trug einen 
Säbel der mit edelsteinen besetzt war, hatte einen stem anf 
der brüst und starrte überall von gold und silber. in dem 
bauschen wohnte ein armer alter mann mit seiner firau. die 
giengen dem gaste bis auf die schwelle entgegen and waren 
verwandert, wer nur der reiche fremde sein möchte, and 
fragten sich leise, was der vornehme besuch bedeutete* aber 
ehe sie sich von ihrem staunen erholen konnten war der 
fremde schon' auf sie zu getreten, hatte dem alten freand- 
lich und traulich die band gegeben und ihm einen guten tag 
gewünscht, 'ich efse' sprach er dann weiter, 'nichts lieber 
als kartoffelklöfse, und da die stadtköche sie durchaus nicht 
so gut bereiten können wie die frauen auf dem lande, so 
möchte ich mich einmal recht an klöfsen erlaben wie man 
sie auf dem lande macht, seid also doch so gut and berei- 
tet mir welche; ich will euch gut dafür belohnen/ als die 
beiden alten das hörten, wurden sie ganz freundlich and 
riefen 'tretet nur ein; ihr sollt klöfse haben so gut wir sie 
zu machen im stände sind.' der fremde trat in die niedrige 
Stube; die alte holte kartoffeln aus dem keller, wusch sie 



EIN MÄRCHEN. 2BS 

ab. und rieb sie auf dem reibeisen, presste sie und schickte 
sich an sie zu ballen und zu kochen, unterdessen nahm der 
alte seinen gast mit in ein gärtchen am hause, wo er, wie 
er sagte, nothwendig zu thun habe ; der fremde könne ja 
zusehen, der alte hatte im gärtchen löcher in die erde ge- 
graben und fieng nun an bäume darein zu setzen, da sagte 
der firemde 'hört, alter, habt ihr denn keine kinder?' 'dafs 
es gott erbarme, gnädiger herr herzog oder wer ihr sonst 
sein mögt; freilich habe ich einen söhn, aber einen gar un- 
gerathenen buhen, er war als kleiner junge träge und faul, 
machte nichts als böse streiche und lief mir zuletzt davon, 
weit weit in die weit hinaus ; ich habe seitdem nichts yon 
ihm gehört.' — unterdessen hatte der alte einen bäum in 
das loch gesetzt, einen pfähl daneben gestofsen und das loch 
■lit erde gefallt, darauf nahm er hast und band den bäum 
an den p&hl. 'sagt mir doch' sprach der fremde, ''warum 
ihr dies bäumchen an drei stellen so fest an den pfohl 
sehnürt.' 'seht, gnädiger herr' antwortete der alte, 'an 
den drei stellen hat das bäumchen krümmen und ich binde 
es deswegen an diesen stellen an den pfähl damit es hübsch 
gerade wachsen möge.' *gut' sagte der fremde: 'aber war- 
um befestigt ihr denn nicht den krummen knorrichten bäum 
dort oben in der gartenecke auch an einen pfähl, damit er 
gerade wachse?' *ja, gnädiger herr' sprach der alte lachend, 
:der ist schon zu alt und su verwachsen als dafs man ihn 
noch gerade machen könnte, wifst ilir denn nicht dafs man 
die bäume ziehen mufs weil sie noch jung sind?' * alter, 
da habt ihr recht' antwortete der fremde traurig; 'ihr hät- 
tet nur euern söhn auch ziehen sollen wie er noch jung 
war, so wäre er euch nicht davon gelaufen, gewiss läfst 
er. sich jetzt nicht mehr ziehen; es wird ihm wohl gehen 
wie dem krummen bäume dort. aber sagt mir doch, 
würdet ihr denn euern söhn wieder erkennen, wenn er 
euch vor die äugen käme?' der alte meinte 'das ist wohl 
nicht leicht, denn er ist schon lange fort und mag sich sehr 
geändert haben, doch hatte. er ein muttermal wie eine bohne 
auf der Schulter;* daran könnte ich ihn erkennen.' da streifte 
der fremde seinen rock ab und zeigte dem alten die nackte 
Schulter, 'herr gott, du bist wahrhaftig mein söhn!' rief 



ÜH EIN MARGHBN. 

der alte, aber dann sagte er bedächtig 'nein, es ist nieht 
möglich, es kann nicht sein, ihr seid ja ein herr herzog^.' 
*nnd doch bin ich euer söhn' sagte der fremde, 'aber ein 
ränber* ich bin der verzogene bäum dem kein pfiihl mekr 
fruchtet/ darauf ergriff der alte die band seines sohnes ud 
führte ihn zur mutter, die eben die dampfenden klöfse siif 
den tisch trug, als er ihr alles erzählte, weinte sie rm 
freude und sagte 'wenn auch mein söhn ein riuber ist, was 
thuts? haben doch meine alten aagen ihn noch einmal gese» 
hen.' darauf verzehrten sie zusammen die klöfse; und ds 
me fertig waren, sagte der alte bekümmert ' aber, söhn, lange 
darfst du hier nicht verweilen, wenn dein herr palhe, der 
graf im schlofse droben, erfährt wer und was du kist, io 
wird er dich nicht auf den armen am taufsteine schankels, 
sondern die lüfte am rabensteine dich schaukeln laben.* 'o 
nein, vater^ sagte der rauher; 'ich werde ihn heete abend 
noch besuchen, und er wird mir nichts thun ; denn ich ver» 
stehe mein handwerk.* darauf liefs er anspannen und -fohr 
aufs schlofs zum grafen. 

Als er ins zimmer getreten war, gab er sich seinem 
pathen zu erkennen, der freute sich sehr dafs er ihn in so 
guten umstanden sah; als er aber hörte, sein patheken aei 
ein rauher, da ward sein gesiebt gar lang, isndlieh aber 
machte er doch gute miene zum bösen spiel und sagte *mmf 
ich habe nichts dagegen dafs du ein rauher bist, wenn in 
deine sache nur gut verstehst, aber wehe dir^ wenn in. 
schlecht bestehst in der prüfong die ich mit dir vornehmen 
werde.* 'nur her mit der prüiung, herr pathe' sagte der 
rinber. da sprach der graf 'wohlan, zum ersten sollst dn 
mir man leibpferd aus dem stalle stehlen s den stall werde 
ieh von innen und anfsen wohl bewachen lafsen und ein 
Wächter soll auf dem pferde reiten, zum andern s<^t du 
mir, während ich mit meiner frau im bette liege, das bett- 
tach unter dem leihe weg stehlen und meiner frau den tnm* 
ring vom finger. zum dritten endlich sollst du mir den pbr* 
rer vnd Schulmeister aus der kirehe stehlen, wenn dn aber 
von diesen drei aufgaben auch nur eine* nicht lösest, so 
mufst du unfehlbar sterben: das merice dir." 'nichts leidn 
ter als das' rief der rftaker wd lachte, darauf nahm er ab- 



EIN MARCHBN. m 

sehied and verliefs das schlofs indem er fieinem kutscher he- 
Gull in die nächste Stadt zu fahren. 

Als er in die Stadt kam versoba£Fle er sich die kleider 
einer alten banerfrau, zog sie an, mahlte sich falten ins ge- 
siebt, und kaufte sich dann bei einem brantweinbrenner ein 
fiUaeben brantwein und bei einem apotheker eine grolse fla- 
sehe voll seblaflrank, den er dann unter den brantwein 
mischte, das fafsehen legte er auf eine kötze, die kötze 
hockte er auf, und so gieng er mit wackelndem tritte Ivie 
eine alte firan auf das schlofs seines pathen. es war spät- 
herbst und es wurde schon dunkel als er im schlofshofe an- 
kam, er setzte sich auf einen stein und rieb sich die bände 
all wenn ihn recht fröre; dazu hustete er und keuchte als 
wenn ihm die seele aus dem leibe iahren wollte, an der 
Ihfire des Pferdestalles lagen Soldaten um ein feaer, denn 
die nacht war kühl, einer von ihnen sah die alte frau und 
rief *seht einmal dort das alte miitterlein, wie das friert! 
wir woUens herrufen, damit es sich am feuer wärme; das 
arme weibleiu wird wohl sein nachtlager nirgend und doch 
überall haben, wie es bettelleute gewohnt sind, mütterleia, 
biMt ihr? kommt her und wärmt euch.' als nun die alte 
frau näher trat rief ein anderer 'sie hat ja ein fäüslein auf 
dem rucken 1 vielleicht handelt sie mit brantwein. in dieser 
kalten feuchten nacht wäre ein schnaps eine gute arznei.' 
unter derlei reden war die alte an das feuer getreten und 
sprach mit heiserer stimme 'guten abend, ihr herren Solda- 
ten 1 gebt mir doch etwas zu lösen, ich hausiere mit brant- 
wein der eine wahre herzstärkung ist.' da kauften die Sol- 
daten ein glas nach dem andern und waren fröhlich und 
goter dinge, über eine weile rief einer in den stall hinein 
'kameraden, hier ist ein weih ail schnaps der den magen 
so schön wärmt als wäre ein feoerlein darin angeschürt.' 
die Soldaten im stall bekamen da auch ein gelüste und fpr- 
derten die frau auf in den stall zu kommen, als sie ein- 
trat, sah sie rings um die wände Soldaten gelagert; auf dem 
leibpferde des grafen safs einer, ein anderer hielt den zäum, 
nnd ein dritter den schwänz das pferdes. der brantwein 
gieng reifsend ab, Und das {äfschen war kaum leer, da fieng 
ein Soldat nach dem anderü u w schnarchen, zuerst die 



296 EIN HfÄRGHBN. 

vor dem stalle, dann die im stalle, dann die schwänz und 
zaam hielten, dann der welcher auf dem pferde safs und dier 
Anführer der Soldaten war. als alle eingeschlafen waren» 
nahm der ränher einen strick und gab ihn dem in die band 
der den zäum gefafst hatte ; dem der den schwänz hielt gab 
er ein strohseil zwischen die finger; dann nahm er eine 
lange starke Stange die im stalle angelehnt stand, schnallte 
den Sattel des pferdes los und brachte die Stange unter den 
Sattel ; darauf wand er mit seilen die an der decke des stal* 
les festgemacht waren den reiter mit sattel und Stange in 
die höhe und band die seile an einem pfosten fest, nun 
wickelte er läppen um die füfse des pferdes, führte es saohte 
aus dem stalle, schwang sich darauf und jagte ins fireie. 
ab es schon hoch am tage war, kam er unter die fenster 
des grafen gesprengt und rief '^herr pathe, das erste kvnat- 
stück wäre gemacht; da ist das pferd! seht nur wie schön 
euere Soldaten noch schlafen.' da sah der graf aus' dem 
fenster und sprach 'dein erstes stück war gut; nimm dich 
nur bei den andern in acht.' dabei that er ganz freund- 
lich, d>er im geheimen beschlofs er den räuber zu todten, 
denn du solcher gauner schien ihm doch zu ge&Lhriich für 
seine grafschaft. 

Als es nun wieder nacht geworden war, legte sich der 
graf mit seiner frau, die den trauring anstecken muste, zu 
bette, wie sie nun zusammen im bette lagen, sagte der 
graf ' meine liebe frau, hilf mir wachen, damit ich mit die- 
sier geladenen pistole den räuber erschiefse, wenn er zum 
fenster herein steigt.' der räuber aber schlich leise zum 
'nächsten galgen, woran er einen armen stinder wüste, schnitt 
den ab, lud ihn auf den rücken und trug ihn vorsichtig in 
den schlofshof. dort lehnte er eine lange leiter an ein fen- 
ster im schlafgemache des grafen, warf den todten über die 
Schulter, stieg mit ihm die leiter hinauf, rückte das fenster 
tind schob ihn behutsam, den köpf voran, hinein, der graf 
lauerte schon im bette, und als er den köpf durch das fen- 
ster kommen sah, drückte er los, und so wie es krachte, 
schlug der leib eines menschen hart auf den boden. da rief 
der graf *frau, nun sind wir den spitzbUben los. aber da- 
mit, es weiter kein aufsehen gibt will ich aus dem fenster 



BIN MÄRCHEN. 297 

die leiter hinab steigen und den leichnam im garten ver- 
scharren.' das billigte die gräfin als sehr verständig, und 
der graf stieg hinab und trug die leiche in den garten, un- 
terdessen hatte sich der rauher versteckt; als aber der graf 
mit der leiche hinweg gegangen war, kletterte er au& neue 
die leiter hinauf und stieg in das schlafgemach, dann fieng 
er an und sprach, indem er die stimme seines pathen nach- 
ahmte, ' liebe frau, bedenke, der mensch war mein pathcben« 
es ist billig dafs ich ihn anstandig begrabe; gib mir also 
das bettttch, damit ich seinen leib darein hülle, so dafs er 
nicht in die blofse erde kommt, auch gib mir deinen ringt 
er hat sein leben um ihn gewagt und soll ihn wenigstens 
im tode haben.' die gräfin bedachte sich nicht lange, denn 
die stimme teuschte sie, und gab dem rauher tuch and ring, 
der rauher aber stieg mit beiden eilig wieder zum fenster 
lunäus. als nun der tag da war und die sonne hoch am 
himmel stand, da trat der rauher mit bettuch und riog in 
das admmer des grafen und sprach mit lachendem gesiebte 
* hier ist die zweite probe, herr pathe, ' der graf sagte ver* 
drielslich * aller guten dinge sind drei, erst vollbringe das 
dritte und schwerste stück,, dann will ich dich für den mei- 
ster aller diebe halten.' 'es wird schon noch, herr pathe' 
sagte der rauher und gieng von dannen. 

' Als nun die sonne schon lange zur ruhe gegangen war 
und £e nacht schwarz einherzog, da kam der räuber mit 
einem sack voll krebse, die er bei einem fischer, und mit 
einem bündel wachslichtchen, die er bei einem krämer in 
der Stadt gekauft hatte, in das' dorf gegangen, er gieng auf 
den gottesacker an der kirche, that einen krebs um den aur 
dem aus dem sacke, klebte auf ihm ein Stückchen Wachs- 
licht fest, brannte es an, und setzte den krebs auf die erde, 
als der letzte krebs aus dem sacke war, zog er ein langes 
schwarzes gewand wie eine mönchskutte an, klebte sich ei- 
nen langen falschen hart an das kinn, nahm den sack worin 
die krebse gewesen waren, und gieng in die kirche auf die 
kanzel. als nun die thurmuhr zwölf schlug, fieng er an mit 
lauter gellender stimme zu rufen und zu predigen, der Jüng- 
ste tag sei nahe und das ende aller dinge sei gekommen, 
zwischen seiner predigt rief er beständig 'wer mit mir in 



296 EIN MÄRCHEN. 

den himmel will, der krieche in diesen sack! ich bin Pe* 
trus, der die bimmelthüren schliefst und öffnet ; der jüngste 
tag ist da, die weit geht anter; da draoTsen wandeln die 
todten nnd lesen ihre gebeine zusammen, damn, wer mit 
mir in den himmel will, der krieche in diesen sack!' nnter 
diesem schreien und predigen waren pEarrer und sohnlmei» 
ster, die zunächst der kirche wohnten, nnd die den lern 
hörten nnd die wandelnden lichter sahen, in die kirche ge» 
treten, als sie nun die predigt eine weile mit angehört hat» 
ten, stiefs der Schulmeister den pfarrer mit dem ellenbogea 
in die Seite und sagte 'nun herr pCarrer, wie ists? da wire 
noch vor dem einhruche des jüngsten tages in den himmel 
zn kommen.* 'wohl' sagte der pfarrer, 'habt ihr lost, 
seholmeisterT' *ei nun ja!' antwortete der scbnlmeister, 
*aber euer bochwürden haben den vortritt, mir ziemt nacln 
zufolgen.' der pfarrer gieng voraus, hinter ihm her der 
Schulmeister, bis auf die kanzel, wo der rauher stand und 
den sack aufhielt, da krochen beide hinein und der ränber 
strickte den sack zu. dann ergriff er ihn beim bausch und 
zog ihn langsam die kanzeltreppe hinunter, so dafs die köpfo 
des pfarrers und des Schulmeisters auf jeder stufe hart aof» 
sehlugen ; der rauher aber sagte 'jetzt gehts schon über die 
berge.' so schleppte er den sack alle stiegen der kirdbe 
hinab, über alle strafsen im dorf und durch alle lachen und 
pfQtzen, und wo es durch einen tümpfel gieng, da sagte er 
jedesmal 'jetzt gehts durch die wölken.' endlich kam er in ' 
den schlofshof, und als er den sack die schlofstreppe hin* 
aufzog, sprach er 'jetzt sind wir auf der himmelstreppo nnd 
bald im vorhof. ' als er aber oben im schlofse war, nahm 
er den sack und schob ihn in das hübnerhaus, gieng darauf 
zum grafen und sagte ' herr pathe, pfarrer und Schulmeister 
befinden sich im hühnerhause, so wäre ich denn fertig und 
hätte auch das dritte stück vollbracht.' 'ja ja' sagte dar 
graf, 'du bist der meister aller diebe. aber zeige mir auch 
ob es wahr ist dafs du pfarrer und Schulmeister gestohlen 
und ins schlofs gebracht hast.' da führte der rauher den 
grafen ans hühnerhaus, machte die thüre und dann den saek 
auf, und richtig, pfarrer und Schulmeister kamen herausge* 
krochen, 'du bist ein erzdieb' rief der graf mit lachen, 'und 



EIN MÄRCHEN. MB 

ich schenke dir das leben, das du eigentüeb y«rwiirkt hlfil» 
lest. . aber dabei befehle ioh dir dafs da im angenblick ans am* 
ner grafsehaft gehst und dich nie wieder darin betreten läfst; 
es wKre sonst dein tod.' da nahm der räober abschied Tan 
srineai patben nnd fahr zu seinen &ltern ^ nnd als er anch 
▼on denen abschied genommen hatte, fahr er in die weit 
hinein, und es weifs niemand bis auf den heotigeB tag w^ 
er hingekommen ist. 

versh die sweite enäbliuis ia Strapparolas erster lackt. 



BONUS. 

Im »weiten bände dieser sseitsehrift (s. 2Wff.) hmbe 
üA das altdeutsche gedieht vom bischof Bonns heroMsgege* 
ben und dabei Hoffmanns nachweisung eines lateinischen in 
einer Göttweicher handschrijl aus den altdeutschen blättern 
(I, 327) angeßlhrt. ich wüste damals noch nicht dafs die- 
ses lateinische gedieht längst gedruckt war» aber auch 
herr Edilestand du Meril, der es aus der Cröttweieher 
handschrijl in seine Poisies populaires latines antSrieures 
au.douui^me sidele s. iWff. aufgenommen hat, weifs da- 
f>on nichts, in seinem buche treibt viel scheinbare gelehr- 
samkeit auf der Oberfläche, selbständiger und gründlidher 
Untersuchung zeigt sich oft wenig, so ist die bemerkung dan- 
kenswerth 'dafs Albericus Triam Fontium bei dem Jahre 764 
dieses gedicktes erwähnt; aber herr du Meril gibt die stelle 
unvollständig und kann sie nicht ordentlich angesehen ha* 
ben; sonst hätte sie ihn auf wege fähren mäßen welche die 
rathlosigkeit seiner anmerkungen . zur 6^n und zur 69ii 
zeile verhüteten. Albericus sagt (Leibn. access. histor. 
2) 100) civitati autem Avernis sanctus Bonitus, vir nobilis, 
praehit. de hoc Petrus Damianus in epistola sua meminit, 
qnod hae occasione* cathedram contemsit atque ad remotioris 
vitae custodiam se contulit, quam (quodiam) de manu regis, 
laici videlicet hominis,. episcopatum suscepisse eum contige-* 
rat. de eodem sancto Bonito habetur illa narratio rhythmica 
in miraculis beatae Mariae qui (quae) sie incipit 'Praeanl 



300 BONUS. 

erat deb gratus ex Francoram genere natas. Bonus erat ei 
Dornen, quod designat bonum omen' etc. 

Vom heiligen Bonitus oder. Bonus, bischof von Cler^ 
mont in Aueergne, der nach Savaro und Mabülon um das 
j\ 709 starby so dafs Albericus in der zeit irrt, hand^ 
auf/Uhrlich die acta sanctorum unter dem \^ Januar und 
Mabillons acta sanctorum ordinis s. Benedictt, saec. S, 
1, 7% ff. Surius Bolland und Mabillon geben eine lebens' 
beschreibung die von einem zettgenq/sen verfufst ist: in ihr 
steht nichts von dem wunder das in dem lateinischen ge- 
dickte erzählt wird. 

Dieses gedieht gibt Bolland s. 1077 aus einer hanir 
schri/t der carthause von Köln, ich wiederhole es hier^ 
da es vielleicht dem deutschen gedichte zu gründe U^t, 
und bezeichne in den anmerkungen die Kolner handsehrfß 
mit A, die Göttweicher mit B. die wähl zwischen beiden 
ist qft unsicher, wie es bei lateinischen gedichten de» mA^ 
telalters zu gehen pflegt. 

Praesal erat deo gratus, ex Francorum genere natos. 
Bonus erat ei nomen, quod designat bonum omen. 
ille iuxta dei legem custodivit snum gregem. 
sanctitatis dans exemplum Michaelis petit templnm. 
solus loco in obscnro orat deum corde puro, 5 

planctus agit, pectus tundit, inter fletus preces fundit. 

1. quidam nach Hoffmann vor, nach du Mertl nach erat B. 
in FraDCoram, wie in beiden his, und hei' Albericus steht, klammeri 
du MSril die buchstaben or ein, damit acht silben herauskommen. 
aUeim die verse dieses gedichtes sind nicht blofs an den ßngem ek- 
gesMUt; sie sträuben sich gegen eine solche betonung ^x Franeiia 
genere natiis. auch ist man nicht berechtigt den ungeschickt kütut" 
liehen genitiv Francum einxußihren. ginere mit verschl^ffenen beiden 
ersten silben ist unanstofeig. 3. iste dei iuxta 1. B, 4. Bfichael 
pctiit templom B. über die Pilgerfahrten nach Mont - Saint - Mieket 
verweist du MSril auf Desroches histoire du Mont- Saint- Miekei 
li 107. 151 y. 5. Solus loco in obscnro orat dominnm pure cor4e 

rogat B. wenn man mit du MSril loco verwirft, so geht diese les- 
art an, nur darf man nicht mit ihm domnum schreiben wollen, da 
domnus von gott und Christus und domiia von der Jungfrau Maria 
ungebräuchlich ist, 6. tuodit pectus agit coetus inter preces fandil 
fletus A. 



BONUS. 301 

quae convenit plebs, abscedit, et ad sua qmsqne 

redil. 
ille solas ibi iacet, iit divinae laadi vacet. 
CQStos loca perscrutatar, ne quis ibi relinqaatur. 
hie manere solas aadet nee se capi posse gaudet. 10 

dam ex corde deo psallit, perscratantes servos fidlil. 
hi recedant, iste orat calparamqae memor plorat. 
Bora noctis intempesta, dum revolvit sna gesta, 
dam amaros agit planctus, angeloram audit cantos. 
oblectatar dalci melo, descendente quasi caelo. 15 

iamque verba vocum audit memorique corde claadit. 
admiratur tanto sono, tam suavi gaudet tono. 
dum precatur dei numen, videt late fnsum lumen 
et caelestis adest coetns, unde virum subit metns. 
angelorum chorus praeit et vexiiia sacra vehit: 20 

subsequuntur sancti dei, quos precantur omnes rei, 
iaceditque sie festiva virgo mater sicut diva. 
quae rogata quis cantaret quisve missam celebraret, 
' Bono^ inquit 'boc concedo : illam enim dignum credo.* 
verba praesul audiebat seque tremens retrahebat. 25 

ipse lapis cedens ei servat Signum huius rei. 
statim sancti Bonum quaerunt et quaesitum invenenmt. 
quem indutum vestem ciaram statuebant contra aram. 
hie caelesti veste dives caeli stabat inter cives. 
patriarchae hune ducebant et prophetae praecinebant. 30 
incedebat sie deductus, memor tamen sui luctus, 
et accedens aram petit, quam cum sanctis ante stetit. 
hinc suscepta manu pura ipse deo offert thura. 

7. qaae j4: qao B, 8. iste B. 10. posse capi B, 

12» plorat B, et calparum m. orat B, 13. hora noete iot. B,- 

10. namque vocum verba audit B. 18. dum deprecatnr B. 
19. inde A, %2. sie B : ut ^. mater dei 8. d. J. %d. rogata 
A: rogaret B, vel quis B. ^6. credens B, womit sieh du MSrii 
beruhigt, im deutschen gedichte \%2ff» habe ich das rechte verfehlt: 
et wird zu lesen sein do entweich diu sul von der stete wol zwelif 
kl^fter wit: daz zeichen sach man immer sit. servat A, und du 

Meril aus Vermutung: servans B, %S, praeclaram B, statue- 

bant \<^: duebant B, %9. sie B, stabat inter c. c. B. 

31. tamen B: tantum A. ^%. sanctis B: suis A. 33. hie ac- 

cepta i^. offert deo B, 



aOS BONUS. 

resosabaat diüees meli, prtecinente tuba caeli. 

ut divinam opus digne vir peregit et benigne, 35 

virgo mater ei vestem pro mercede dat «aelestem« 

agil grates, reddit vota, laudat deam nente tota, 

et quam virgo sibi dedit aamit veatem, et abacedil. 

bis oocalte ita gestis, orevii fama datae vesUa. 

iUe quidem nihil celat» aed quod vidit, hoc revelai. 40 

Alter quidam, credens male promereri qniddam tale, 
praeceaaoria ad exemplum illud quidem peüt tempkun. 
inirat solua valde sero, bebetatua multo mero, 
et labore longo fessua gravi somno fit depreasns. 
hinc aurora lucem dedit et cum somno nox reeedit, 45 
capiteque vix erecto se in suo videt lecto. 
signo cmcis se munivit thalamoque sie exivit, 
apectat servos et salutat et errare sese putat. 
tandem praesul in se redit, vocat illos et conaedit, 
qnodque secum fuit gestum suis facit manifestom« 50 
o quam pia, quam benigna et laudari vere digna 
Christi mater est intacta, cuius mira'sunt tot fiusta, 
quae sie parcens negligenti sanum reddit snae genli« 
malens illum poenitere quam pro culpa mox delere, 
Bonum autem vigilantem nee incassum excubantem 55 
sie dilexit ut caelestem krgiretur ei vestem, 
volens eum celebrare opus dei salutare. 

Ne quis putet hoo commentum esse, ecce argu- 
mentum« 

34. pereinen te tnrba c. ü. 36. ei H : yiro A, 38. tibi Tiino J. 

39. bis ooenltii A. 40. sed A: et B» 4f. promereri le 

qniddam t. B: pro merito qniddam t. A. 42. qnidem Ä: enim B% 

vi^lMeht idem. 43. et heb. B. 44. lacet qnaai fessoa B, wat 
du Miril gut durch bnmi naeh iaeet autfullt, 45. mox A* 
46. mos A, utt ms, du Moni -Saint- Michel, ierit probabkmmd 
ä laßn du lOe iieele, que Von conserve d la bibl» d'AvranehM $cmi 
U HO 34, raconte cette aventure d'une maniSre dißhente; »aSmt MiekU 
lu4 dit 'surge eeclesiamque egredere et prout poteris satitfae* IMf 
jöuvM apris Ü Statt mort. du MSril, 48. erraMe B* 40. iUos Bs 
servoi A. 50. et qnod B. 51. et quam b. est B, oaai 

qnoqne lande di^na A. 5!^. Gbr. mater haec int. A^ mater Ghriiti 

sed int. B, cnins mira snnt et f. B, per quam sunt tot mira f. A* 

55. Bonnm A: bene B, 56. largiatnr B» 58. Ne i{mM pntet 
esse comm. eece arg. B, 



BONUS. MS 

darat adhuo vesiimentum, niillum ferens deirimeiiUiin« 
Älvernensis urbs praedives est quae multoa habet 

civcs, 60 

Orient! tota patens, occideati parti latens, 
fama sui satis clara, belli qaippe non ignara. 
Qarns moDS haee nuBcupatur. apad eam reseiratnr 
illa Boni bona restis, raro visa nisi festig, 
sfiayissimi odoris et nitentis est coloris, 65 

multae quoqne levitatis, sed et niirae laevitatis. 
modus vero contextnrae, cuius artis vel facturae 
Sit introrsns et extrorsas, ignoratur qnidem prorsn^. 
domnus praesul hoc Herbertus Norwicensis est ex- 

pertus, 
qai dicebat hanc vidisse, hanc et manu tetigisse. 70 

ergo qni non credls vere rem nt dico se habere, 
vade et fac tibi fidem, vestem videns hanc ibidem, 
et cntt tibi fiet satis, landem sanctae trinitatis 
enarrare tanc memento oorde puro et intento. 
verum ne obliviscaris stellae maris salutaris, 75 

cuius donis non privatur qnisquis ei famulatur. 

60. Amernensis urbs perdives A, Alnmnensis (nacA Boffhiann Alom- 
piiends) est nrbs praedives B» ick habe die nicht stliBne form A1-- 
yetnensiä gewählt, weil sioh so das Verderbnis in B leichter begreift, 
wenu man die abkür»yng erwägt die sich in der mentelinschen ausgäbe 
des Fineentitis findet, aluneusis, est quae] qnae B, qaae et j4, 

61. partim B. ^%. sni B: fait A. qaippe A: qnidem B. 

63. apte ea reservutur A, 64. vestis] eaadem in catiiedrali b. Ma- 
ria« eeelesSae Arvemica hactenos adservatam eonfluenti popnla cano- 
mel 4» festo s. Boaiti ostendnnt. Mabillon s, 78. 65. svavissimi 

est od. A, et nitentis A und nach Hoffmunn B: nitissimi nach du 
MSril B, 66. modus quoque lenitatis B, sed miraelevitatis B, 
67. vero A : quoque B, et cuius sit creaturae B, 68. tarn 

abintns quam extrorsos B, 69. dominus quidem Herebertus B. 

Norwacensis B. gemeint ist Herbert, bisehof von Norwich, der 

nach Matthäus von fFestminster 1119 starb, aus dieser stelle schlitfat 
Bolland mit recht dafs der dichter ein Engländer war. 70.^ hanc v. 
A: se V. B. palpavisse B. 71. rem A: istam rem B. ut B: 

quam A, se B: sie se A. TX, banc videns B, 73. cum B: 

tunc A, laude trinitatis B, wo du MSril sanctae richtig einschiebt, 
an dem sinnlosen laude abei* nicht anst^st, landem scire quam non 
sapis A. 74. attento B. 76. doaa A, 



a04 BONUS. 

ipa atque nalo eius salus honor laas et virtus. 
'amen amen, fiat fiat' quisquis isla legit dicat. 

77. atqne A: qaoqae B. laas et B: atque A. statt der iwei 

htxten »eilen Amen A, 

Aus diesem gedickte hat Vincentius von Beauvais im 
spec. hist, 7j 97 (bei Bolland s. 1076) seine erxahlung ge- 
schöpß. HAUPT, 



ZU KONRAD VON FÜSSESBRÜNNEN. 

Hahn hat bei seinem abdrucke der kindheit Jesu (m 
den gedichten des i2n und i3n Jh.) übersehen dq/s zu der 
fViener und der lafsbergischen handschriß und zu den 
Leipziger bruchstUcken ein pergamentblatt kommt das Dronke 
in Mones anzeigervom j. 1839 sp. 200 ff. bekannt gemacht 
hat. es enthält was bei Hahn s. 93 z. 21 bis s. 94 z. 52 
steht. 

Die Leipziger im anzeiger vom j. 1833 sp^ 96 ff. ab- 
gedruckten bruchstäcke sind dort falsch geordnet, i tmd 

II enthalten von Hahns abdrucke s. 72 z. 46 bis z. 77; 

III und iv s. 74 z. 37 bis ;?. 68 ; vi ^. 74 z. 69 bis s. 75 
z.Z\ \ s. 7h z. A bis z. 19; vii — xii s. 84 z.% bis s. 85 
z. 16. von derselben pergamenthandschriß: hat herr doctor 
Leyser später auf dem deckel einer anderen Le^ziger 
handschrifl noch zwei bruchstäcke gefunden. 

Das erste dieser beiden stücke besteht aus anderthalb 
zusammen hangenden blättern und enthält die folgenden 
Zeilen (bei Hahn s. 73 z. 24 bis s. 74 z, 2) 
1* Wände si en. di schulde .... 

Er wände si were ime ge . . . . 

Wände er sie vnrechtis .... 

Vnde vorchte ir hulde .... 

Doch was se sentfte an ... . 

Do quam den iuden zu ... . 

Daz ioseph kumen we . . 

Vnde maria trüge en . . . . 

Do waren sie alse sie h ... . 



i 



« " 



ZD KONRAD VON FÜSSESBRÜNNEN. 305 

Vngetruwc vnde nid ... . 
Sic sprachen vnse me . . . . 
An disem aide er uaren 
Dem andirs nicht woi .... 
Dise vrowen bevolen .... 
Wie er sie sns habe be . . , . 
Man sol in noten ir . . . . 

t^ azkint lr(u)ge. 

alden misse zimit 

bosiz ende nimit 

s abiatar. 

....... ch ir rate dar. 

balde vor cumen. 

seph wir haben vornamen. 

nger si 

...... as du dabi. 

siz gelegen. 

er werlte bewegen. 

er ane wan. 

immer sin irgan. 

...... er danc gesen. 

dich selben ien. 

ede das gesach. 

2* Das se manigen man versprac. 
Junge vnde riebe. 
Die allewis ivngeliche. 
Vnde sie sich vf den alter lie. 
Durch anders nicht wan daz du sie. 
Mit truwen soldes bewaren. 
Nu hastu ir vbele mite gevaren. 
Vnde dich selben misse halden. 
Daz man vber dich alden. 
Sulche dinc rieten sol. 
Daz stet vns andirs denne woh 
Der vnuersagete sprach do. 
leben uwrchte nicht vuuer dro. 
Also ture als ein bare. 
Vnde were dise rede wäre. 
^ So soldit ie richten vbir mich. 
Z. F. D. A- III. 20 



■c 



Zu RONRAD VON PUSSCSBRUNNEN. 

Swie die e. geböte abir mich. 
2^ Deme sulte dar ane han. 
So sult ie mich mit v. lan. 
Iq minen eren genesen. 
Heziet vwer de eretin lesin. 
Swas mir ze tune gesit. 
Daz ich mich dirre Tirzit 
En schuldege mit der warheit 
Des bin ich hie zu stete gereit. 
Nu stunt naen da bi. 
In deme templo domini. 
Ein wazzir daz so helic was» 
Vnde segenden man da vmbe las. 
Swer vmbe deheinen argen wan. 
Zu not solde rede stan. 
Als er des wazzeris getraue. 
So was ein sone vnbe ganc. 

Das zweite bruchstäck^ ebenfalls aus anderthalb zusam- 
menhangenden blättern bestehend, enthält folgendes {bei 
Hahn s. 89 x. 52 bis ;9. 83, und s. 90 s. 65 bis s. 9\ 
z. 11). 

r 

1* Di stige waren irsesam. 

Swer ane geleite dar quam^ 

Der en weste schire wa er gif. 

Der wirt die geste nie verlie. 

Biz sie an ir straze quamen. 

Vrloup sie do namen. 

Sie sprachen got sie mit v. 

Syridiii. vot condiv. 

Sus anwrte in der man. 

Sie füren hin der wirt gie dau. 

Josepe tet die sorge we« 

Daz er so inaiuge wis was e. 

Besweret in der wvste. 

Er vorchte daz er muste. 

Lieden groz yngein^cb* 

Zv deiQß t^ndpUne ei* sprach. 



zu RONRAD VON FUSSESBRUNNEN. M7 

sen 

t^ Nu hast du herre wol getan. 

* « • 

oh 

Waz vns. leides ist geseu. 
Vude noch lichte als man tut. 
Ob iz dich nu dinkit gut. 
Bi dem mere zv der zesewen hant. 
Da sint stete vnde gute laut. 
So riet dich daz wir keren dar. 
Durch daz wir di lip nar. 
Vnbe rechten kovf fnnden. 
Vnde nicht vermissen künden. 
Swie wir varen wolden. 
Alle nacht wir solden. 
Wol beliben da lute sint. 
Joseph sprach daz kint. 
Din sorge die ist manicvait. 
Na weistu wol [ich han gewalt] 
2* Ein got der ob in . . . 
Ich en kan andirs . . . 
In minem mute i . . . 
Daz sie muge ge . . . 
Der herzöge effr . . . 
Dir ovgen her vi . . . 
In dem t . . . 
Nu sach er in dem . . . 
Die reinen mut . . . 
Er. gedachte daz ... 
Gestozen von ir . . . 
Vnde widir eim . . . 
In selben noch vn . . . 
Daz ist von disei . . • 
Der vil beds^chte . . . 

2** den lutc. 

n hüte. 

geschie. 

er wäre got nicht. 

vnd erden hat gewalt. 

10* 



308. ZU KONRAD VON FUSSESBRÜNNEN. 

nden im irvalt. 

ligil- 

n gedigit. 

ir hat getan. 

vil lichte irgan. 

pharaone. 

aodes crone. 

cliche truc. 

tarn durch in sluch. 

liehen slehen. 



• • -• 



STROPHENANFANGE DER ALTEN LIEDER- 
SAMMLUNGEN AaDdHhR (HEIDELR. HSS. 

357. 350). 

^. lieder mit 34 dichtemamen, in der heidelbergischen 
handschriß 357 bl. 1 *?* 39. 

1. Reimar. bl. 1 vorw. 

1. So ez ienir nahet deme tage = MS. 1, 63** 

2. Div liebe hat ir varnde gft. 

3. Div weit verswiget miniv leit. 1, 63'' 

4. Owe Irvren vn clagen. 

5. Swaz iar ich noch zelebenne han 1, 65** 

6. Ich wirbe ymbe alles de ein man. 1, 64'* 

7. Si ist mir liep vn dvnket mich 1, 65" 

8. So etteswenne mir der lip. 1, 64^ 

9. Vnde ist de mirs min selde gan. 

10. So vil so ich gesanc nieman. 1, 64" 

11. Ich halte ie von tage ze tage. 1, 63^ 

12. Ich wände ie ez were ir spot. 

13. Sit mich min sprechen nv niht kan 1, 64" 

14. \h wiste ich niht de si mich mac. 

15. Woi ime de er ie wart gebom 

16. Dar ich min leit nv lange clage. 

17. Ich wil von ir niht ledic sin 1, 64^ 

anit ^ sind die Strophen bezeichnet die bis jetzt nur einmahl über- 
liefert zu sein scheinen. 



STROPHENANF> DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN, ao» 

18. Gnade ist endelichen da. 

19. Ein wiser man sol niht zevil 1, 66* - 

20. War vmbe vfigel mir div Icit. 

21. Si iegent de stete si ein tvgent. 

22. Wie dikke ich inden sorgen doch 1, 65"* 

23. Hette ich der gvten ie gelogen. 

24. Daz beste de ieman gesprach. 1, 65* 

25. Min rede ist also nahe komen« 

26. Do liebe kom vn mich bestvnt 1, 65** 

27. Ich minne sinne lange cit. 1, 116^ 

28. Gewan ich ie deheinen mvt. 1, 62** 

29. Wiest ime zemf^te wundert mich 1, 62* 

30. Ich weiz bi mir wol de ein zage. 1, 62^ 

31. Min herce ist swere zaller zit. 

32. Mich ger5 noch nie de ich. den sin. 1, 63* 
33» Got hat vil wol gezieret ir leben. 

34. Swaz ich nv nivwer mere sage. 1, 66^« 

35. So wol dir wip wie rein ein name. 1, 67* 

36. Die hoch gem^ten zihent mich. 

37. Ich han ein dinc mit sorge geleit.- 

38. Der lange sfzer kvmb^r min 1, 67** 

39. Vvan gelrvwet frvnde niht. 

40. Daz si mich alse vnwerden hab;. 

41. Mac si mich doch lazen sehen. 1, 68* 

42. Redi der Ivte t^t mir we 1, 67^ 

43. Et wirt ein man der sinne hat 1, 61^ 

44. Min liep ich mir vil nahe trage. 

45. £z ist ein nit den nieman kan. 

46. In miner bestin firoide . firoide ich. saz. i, 74^ 

47. Het ich ze dirre svmer zit 

48. Ich han nach wane dikke wol 1, 77* 

49. Ein wiser man vil dicke tft 1, 75* 

50. Sol ich leben tvsent iar 

51. Ez ist ein spehes wibes sin 

52. Nv mvz ich ie min alten not. 1, 76* 

53. Ich enmac in alles niht gesagen. 

54. Von herze leides jschvlden hat. 
"^55. Mir sol ein svmer noch sin zit. 

56. Div weit wil mit grimme zei^an nv Vil schiere 1, lÖO* 



SlO STROPHKNANF. DER HEIDBLB. LIBDBEiSAIIIILUNSKN. 

57. Div weit hat sich so von vreoden Bescheiden 

58. Swer nv den wiben ir reht wil verswacben. . 

59. Spreche ich nv de mir gelvngen were. 1, 76** 

60. Yvil div vil g^ daz ich iemer singe 

61. Ich bin niht tvmp mit also wisem willen 

62. Vvie tvt div vil reine gvte so 

63. Lieber wan ist ane trösten da. f, 77* 

64. Vvaz bedarf ich denne vr&den me. 

65. Ich sach si were ez aller der weite leit. 1, 66^ 

66. Mich hoehet de mich lange boehen sol 1, 66* 

67. Owe de ich einer rede vergaz. i, 66^ 

68. In disen bösen vngetrvwen tagen 

69. Swaz in allen landen 1, 68^ 

70. Mich betwanc ein raere 

2. Reimar . der . videler. bl. 4 rw. 

1. Ez waz ein Hnig gewalüc vn riebe 2, 110^ 

2. Höret wnnder wie ich sol gibaren. 

3. Dvr torbeit ich der weite erkenne 

4. Nv wache herre balde völ wirb vmbe ere. 

5. Maneger lat mich vnge grvzit 

6. Ez ist in vil swere 2, 111* 

7. Stetiz lop er nie gewan. 1, 79'* 

8. Aller seiden selic wip 1, 71* 

9. Frowe tf des ich dich bitte 1, 77* 
10. Frowe mit rede de herze min 

"^ll. 6ot welle sone welle doch smget der voa «evm 
* 12. Daz erste wip den ersten »an den ersten schaden eiiet. 
3. Reimar • der « ivnge. bL 5 tw» 
*1. Die wil idi nr lebe in so menegin leide 
*2. In disen firoiden vn in disen eren 

4. Walther . von . der . Vc^elweide« bL 5 ru). 

1. So die blfmen vz deme grase dringen!;. 1^ 110^ 

2. Swa ein edeliv schone fix>we reine 

3. Nv wol dan weit ir die warheii «chowen 

4. Aller werdeefaeit ein vugerinne 

5. Nidere minne heizet div so swachet 

6. Die zwiuelere spreeheat ez si aüet tot 1» 12lf 

7. Ich wände daz ä were jgar vor missewende ^ 

6. Die leMA sehekeni fj^^tm wiben ninen sanc. 1, IIM)^ 



STROPBBNANP. DIR HmDCIJI. UEDflRSAIMUMJJNfi^ Ml 

9. Der also gftes wibes gert als« idi da gtr 

10. Frowe ich eine eioe trag^e ein teil seawere t^ 123* 

11. Kan min frowe s^ze saren. 

12. Obe ich rehte bitten kvnde 

)3. Saget mir ieman wc ist minne . 

14. Gnade frowe also bescheidenlicbe 1» 123^ 

15. Gewinne ich iemir liep de wil ich haben eine 

16. Si selic wip si zvrnet wider mich z» lere. 

17. Ich wil dir iehen de dv min dicke 3ere l^te. 

18. Ich firevde helfelorser man .1, 119^ 

19. Vil minneclichv minne ich han 1, 119* 

20. Gnade frowe minne ich wil 

21. Gnedeclichiv minne la^ 

22. Vro selde teilet vmbe 9ich. 

23. Wer gap dir minoe den gewalt. 

24. kb lebte ie nach der Ivte sage 1, 13$*. 02** 

25. Ich bore ime meneger eren iehen 1, 124" 
29.* Ist de mich dienest helfen sol* 

27. Wie kvmet de ich so wol verstau 

28. JlCch bat ein wunnecUcber wan. 
29- Mit vaUcheloser gvte liep. 

90- Pio mine vreide bat ein wip 

31. Frivntlicben lac ein riter vil gemeit 1, 107" 

32. Fr^ndinne min dv soH din trvren lan 
33.:FP9we nv. ich wU beliben bay. 

34. Pax viH also geschehen 
SjEÜ. Frow^ ez i^t üi 

36. Waz helfent bl^mea rfyu 1, 107"» 

37. Der riter daunen schiet 

38. Ich bän ir so wol gesprochen 1, 113*' 

39. Frowe. minne ich plage ych mere }, 114* 

40. Frowe lat mich des geniezin 

41. leb bin vwer frowe minne. 1, 137* 

^42,. Ja Uge ich mit gedwl^e» der alrebefMn hl 

43. Ich saz vf ümß steipfi 1» X0!$* 

44. Ich horte Wl wazzer di^j^o 1, lOS^^ 

45. Ich horte in jüm^ ti^gf^P 

46. Vil svze werc minae 1» |?5* 

47. Diz kvrce i^b^n 



312 STROPHENANP. DER HEIDELB. LlfiDBRSAMIILDNGBN. 

48. Div raenscheit ai?'Z verderben. 

49. 6ot dine helfe vds sende i, 126* 

50. Nu alrest lebe ich mir werde 1, 104* 

51. Schone lant rieh vn here 

52. Hie liezir sich reine t5fen. 1, 104^ 

53. Hinnen vur der svn zerhelle 

54. Do er den.tievel do geschande 

55. In diz lant hat er gesprochen. 

56. Jvden cristen vn beiden 1, 105* 

57. Lr svlt sprechen willekomen 1, 119^ 

58. Ich wil tvschen vrowen- sagen 

59. Ich han lande vil gesehen 

60. Von der elbe vnz an den rin 

61. Tivsche man sint wol gezogen. 

62. In noie dni ich wil beginnen sprechen am 1, ISI^ 

63. Nn wil ich mich des scharpfen sanges och genieten. 
. 64. Ich han gemerket von der seine vnz an die m^. 

65. Ich han des karaderis gäbe dicke enpbangen 1, 132* 

66. Ich enweiz weme ich geliehen mfz die hovebellen. 

67. Ir bischof vn ir edeln pfaffen ir sit verleitet 1, 13$^ 

68. Die cristenliche doch der habest vnser lachet. 1, fS^ 

69. Swelch herze sich bi disen ziten nibt verkeret 1, fSS^ 

m 

70. • hove so lobelicher manne 

71. Ich bin des milten lantglrave ingesinde 

72. Hensoge vz ost^riche la mich den Ivten. 1, 132^ • 

73. An wibe lobe stet wol daz man si heize schone, f , 134* 

74. Vil wol gelobter got wie selten ich dich prise 1, ISi* 

75. Ich han des hern otten trivwe er en mache mich noch 

riebe 1, 130* 

76. Von rome vogt von pvUe kvnic lat vch erbarmen 1, 131* 

77. Sit willekomen herre wirt dem gr^ze wil ich swi- 

gen. 1, 131** 

78. Herzoge vz osterriche ez ist vch wol ergangen 1, 135* 

79. Ein schale in swelchem namersiderdankes triege 1,130^ 

80. Der keiser sit ir willekomen 1, 103^ 
81.. Her keiser ich bin frone hotte 1, 135^ 

82. Her keiser swenne ir tvschen vride 

83. Got gibet ze kvnege swaz er wil 

84. Des gottes syn hie inerde gie 1, 103^. 



SniOPHBfUNF. DER HEIDELB« LIEDERSAMMLONGCN. S18 

85. Hi vor do man so rehte minneclichen warb 1, 116^ 
86« Ich sanc hvteyorden frowen vmbe ir blozen gr^s i^IlT* 

87. Ich sage vchwaz.yns den gemeinen schaden t^ 1,116^ 

88. Wip mvz iem* sin d* wibe hohste name 

89. Si wunder wol gemachet wip 1, 118^ 

90. Got hat ir wengel hohen vliz 

91. Si hat ein kvssen de ist rot 

92. Ir kel ir hant iewer tvz 

93. Ir h&bet ist so wunnenrich 

94. Phylippe kvnec here i, 113* 

95. Wir svln den. kochen raten I, 135^ 

96. Waz eren hat vro hone 1, 136' 

97. Her wicman ist d' ere 1, 113' 

98. Mir hat ein lieht von vranken 1, 111' 

99. Dv sele mfze woi gevarn 1, 123' 
100. Ich hat ein schonez bilde erkom 
101.^ Lr reinen wip ir werden man 1, 122^ 

102. Lat mich an eime stabe gan 

103. Welt ich han dinen Ion wol gesehen 

104. Daz milter man gar warhaft si 1, 136' 
lr 105.. Min frowe wil zeschedelichen 1, 115^ 

106. Ich weiz si dv daz niht ennidet 

107. Sich crenken frowen vn pfafTen 

108. Nv sol der keiser here 1, 136' 

109. Der misseneresolde 

110. Ich han dem missenere 1, 136^ 

111. Lange swigen des hat ich gedaht 1, 124^. 

112. Hoeret wunder wie mir ist gescheh 

113. Herre waz si vluche liden sol. 

• • • 

114. So mich dVhte dc'si were g^t. 

115. Solde ich in ir dienste werden alt 

116. Die mir indem winter vroide hant bemomen 1, 136'' 

117. Zwene herzeliebe vluche kan ich och. 

118. Wan sol sin gedvltic wider vägedvlt 1, 124^ 

119. Ich wil alder weite swem vf ir lip 1, 125* 

120. Herren vh vrvnt» nu helfent an der zit 1, 136^ 

121. Herze liebez vrowelin 1, 117' 
.122. Si verwizent mir de ich 

123. Bi der schone ist dicke haz 



MM MIII I MHA HF, PgB HEIPKL», tMBBOAMmiSSWMK. 

24* Idi rtrtngß ab ich rerifit. 

Sfliu Haft dhr trinre rh stetocheit 1, 117^ 

M* BHe ipeW nr goC vil git» taa. I, S3^ 

tr. Si bat mUk io ich iragest tob ir fcUet. I, Si* 

28« Waz obe anch da böte rmaaMt gar. 

29» Mir feit eia elleader bilgcrui 1, 3S^ 

30. Werit 4t enfolt aibt Taibe it 1, Itl' 

31. Dr baft lieber diage tiI 1, 120^ 

32. Wie fol ieb gewarten dir 
33« Vro weit ir filt deaie wirte aagea I, 111^ 
34. Neaieat frowe difea ctaaz 1, 125* 
35« Frowe ir fit fo wdgelaa 
36« Si aam de ich ir bot 
37« Mir ift von ir gefehefaen 1» 136^ 
38« Mieh drbte de arir ie 1, 137* 
39« Do der fraier koa^n waz I, 109* 
40« Bi dem bnraaen f tirat eia bSai 
41« Da bedrbte nieb zebaat 
42« Gerne flief ieb ieaier da 
43« Wan ein waader altea wip« 
44« Werder gr^ top frowen aiTiide 1, 160^ 
4ft« Wilen fragt ich der aiere 
46« Sift Til gft de ieb wol fwnre 
47« Dv weit waz gelf rot tö bla 1, 12d* 
48« leb faz rt eime grfnen le« 
49« Die toren fprecbent fnia fiii« 
50« E danae ich lange ako, 
51« Ich bin Terlegea alf eia fT« 

5« Der . von « Monrnge« bl. 13 rw. 
1« Owe war vmbe volg ich tvmbeai wane 1,54' 
2« Min f teter mi^t gelicbet nibt dem winde 
t« Jcb han ao tiI gi^procben v4 gesvngea. 
4. DiT Til gfto 
5« leb m^z rargen 1, 54^ 
6« Die der frowen k^ni l, 54* 

*7. AKboloie 

8« Von den elben wirt enUeben, vil manic maii }< M^ 
9. Si gebetet Tn ist in den» bersten mi»^ 1, 51* 

10« Mich enzvndet ir vil Ubter igen s^bJA« 



«b- 



STROIWiNANl^. DER HBWBLB. UBOBR8A]llfU}9^^ SU 

11. Swenne ir lihten OTgen so verkereal »eh 

12. Ist ir liep min leit vü miii vngemach. t, M* 

13. Si hat liep eio deine vogellia 

14. Sist mit tagenden vn mit werdecheit 

15. Ich bin iemer ander vn nibt eine. 1, 52^ 

16. Si ensol nibt allen Ivten lachen 

17. Sit si herze liebe beisent minoe 

18. JUin liebeste yn ocb min erste 1» 49^ 

19. Wer ich mit minem sänge 1, 50* 

20. Ny Patent liebe frowen 

21. Frowe wilt dv mich genem» 1, 54^ 

22. Frowe mine swere sieb 

23. Der also vil geriefe in einen t&ben walt 1, 51' 

24. Wist ich obe ez mobte wol verswigen sin 

25. In so bober swebender wunne 1, 50^ 

26. Swer mir des verban obe ich si miane tögen 1, 55* 

27. * Swaz dv weit nach vrei4ea ie vf bobea m^t gewarp 

It IW* 

28. Wol gedingen vn iedoch nibt volle wol gelebea 

29. Swer zürnet so de er gat vur die ere sin« 

6. Der . trvbste . von . S. Gallen. M 15 vWf 

1. Daz fro min mft von hensea 4i- si 

2. Der werden wirde wirdet nicb« % 

3. Ir sprächet ie den frowea wol 

4. Hobische vrowen bohgem^tea It 151* 

5. Dannoch baten si mich mere . 

6. Solde ich iemer vreide erwerben 
*7. Minne minnecliche ninne 

*8. Swer rehten wiben dienen sol 
"^9. Git got der lieben den gedanc 
*10. Dvr not dv liebe liebet nucb mir 

11. Frowe ich were gerne vro, 1, 15l* 

12. Nein vil sfze frowe nein* 

13. Ir svlt selchen spot verbem. 

14. Das min rat vn och mm clage. * 

15. BcBS^r tvcke ist mir nibt kynt. t^ 15i^. 

16. Swer wunder daz ich si geswigeiB 1? l&O* 
17« Ich Bvbte liep 4a vant ich toit 

* hier sollte der name des /oJfgßndM dißÄtßits Hehm* ; 



ra:- 



316 STRWHBNANP. OBR HEIDELB. LIBOBRSAMMLUNeEN. 

18. Kvnde ieh der werden werdecheit. 1, 151'' 
ff; Nv stet doch rehter g^te wol 

20. Div liebe liebet sich san mir 1, 150' 

21. Swie hohes mftes ist ein man 1, 151** 

22. Geselliclicher vmbe vanc. 

23. Der tac mich leider, hat betaget 

24. Der svze wehsei vnder zwein 

25. Der tac wil scheiden ritter werlt 1 ,* 1 52"" 

26. Der vil selderichen 

27. Sit der gvlen g^te 

28. Swer an gvteii wiben 

29. We wer sol mich grfzen 

30. Kvnde ich so gesingen 

31. Vreut vch vreat vch froiderichen 1, 152** 

32. Solde ein sfze wip ir ere " 

33. Wer kan ny den slvzzel vinden 

34. Wir svln danken wibes g^te 

35. Uitk wer e vil lange mvtes 
*36. Svmer vn svmer wunne 

*37. Hovelschlich tanzen vrölich singen 

38. Waz kan wibe vn wibes eren 1, 152^ 

*39. Ich weiz ein in hohem mvte 

40. Svn die alten vur die ivngen 

41. Wie gerne ich mit vreiden were. 1, 153* 

42. Ich mvz lieben vn leiden 

43. Liezent t5ben sich die wisen. 

44. Wer sol sich an valschen keren. 

45. We de wir so crancke werben. * 

46. Swer minnecliche minne 

47. Nv beeren trvt geselle 1, 153*' 

48. Owe mins herzen herze 

49. Sol ich nv von scheiden 

50. Min vreide vn min sinne. 

51. Von vreiden vreut min herze sich. 

52. Mir ist de ofte* vor gesaget. 

53. Min gemfte tifihet sich 1, 154* 

54. Leider iare wirt mir bfz. 

5$. Swie vil ein wip vn vreide machet 1, 150*. 2, 208* 
'^56. Got herre dv schüfe mich. 




DER HEIDBLB. LlBDBRSAlUmUNHN. S19 

.nne riebe aelic wip 

vil vrlop von vruDden semcD. 1, 171^ . 
■ gut dvr dise weit uv Ut 1, 172* 
l^h wii mieh einer schvlde gar 
^Vnrde ich von der g^len vro, 1, l?!*" 
. Lobe ich ir vil reine ivgent 
, Kvnd ich aller ivte leit 
^23. Han ich niht mit der nahtegal gesvugen 1, 170* 
j mir wol die selben not erwenden. . 

25. Wie t^t si so dv vil liebe lobe s^ze 

26. Nieman an vroidcn sol verzagen 1, 169* 

8. NivDB. bl. 21 rw. 
IVv geit mir nach, ein ander leit 2^ 117'' 
1. Nv iarlanc stet vil höbe min ni*t 2. 118"'. 208'' 
2- Er nam si bi der wizen baut 

3. Jvnge vr'i alte ir belfent alle vreide mcren 2, 1 IS** 

4. Wir sin bezzer vro so wir nach tvgenden ringen 

5. Nieman kan mit sweren m^te niht verendeo 

6. Prowe ir bat vwer schone vn vwer gvte 

7- Mich enwil der lieben g^le niht eriazen 2, 119* 

8. Sol min sprechen sol min singen 1, 163' 

9. Sich abe der tac so rieb 

10. Alder weite vroide meret 1, 160* 

11. West ein wip min vngemvte 1, 160'' 
•12. Wol mich hvte vö ieroer mcre 

'13. Wol ime swer uv g^t gedinge 
*14. Ez lebet in minem dvncke niht 

15. Hat ienian leit also ich ez han. 1, 157'' 

16. Der kan ir selchv mere sagen I, 168* 

17. Ir m^git wol wennen swez ir weit 

18. Ist halbes war de ir da clagit 

19. Bz dvhte vch lihte baz getan. 
*20. Ich bin der g^len mere vro. 
*21. So.liebez ich mir nie gesach 
*22. Wie roac dV liebe selohea mW . 
*23. Owe hen:e cvmberltchV cbge 

24. Min senedes denken 2,28*. l,St* 

25. Selic ich were 

26. Ich wansche ich dinge 



318 STRÖPHKNANP. DER HEIDBLB. LIBDBRSAlllfLIINGIN. 

96. Ob ich der gvten g^tes gan. 

97. Sich hvp ein vngevuget zorn 1, ld4^ 

98. Zehant do ü versanden sich 

99. Si git vns iemer vroiden vil 

100. Wan de ich minnecliche tobe 

101. Soi ich 'mich rihten nach dem A. 1, 157^ 

102. Gn^ge sprechent singe als ft 

103. Ichmae wol sprechen baz- owi. 

104. Ich vreute mich do stvnt ez so. 

105. Ich mac wol wunder schrien wfl. * ' 

106. Waz hilfet ane sinne kvnst 2, 150^ 

107. Vns ist wol von meren worden kmt 2, 138* - 

108. Ich wise an wiser Kte rat 2^ 151* 

109. Swer sich des stetezvriundesdvrTberm^tbeheret« 1,131' 
'^llO. Ich wil niht me den ovgen volgen noch den sinnen. 

'^ 1 1 1 . Der g^ win wirt selten g$t. wan Aein g^n Tuze 

* 112. Ez nam ein wittiwe einen man. hie ror in alten ziten. 
'^ 11 3. Der kvnic behielte kvneges namen dem in bebalten hiesc. 

* 114. Si iehent do böser kom ie nach de hat sich nir Terkeret. 
^115. Da hin da her wart nie so wert, in allen tischen knden. 
*116. Vil meniger mich berihtet 

*1!7. Gilerter vursten crone 
*118. Vns ist vnsers sanges meister an die vart. 

7. Rvbin. 6L 20 rw. 

1. Lob der reinen wibe mao 1, 170^ 

2. Von der ich mines lobes bin 

3. Diest dv weit also verzaget 1, 171* 

4. Der vogele sfzez schallen 1, 170* 

5. Ich bin noch von ir selten If 170^ 

6. Ich han noch den gedingen 

7. Wie künde. leider mir geschehen 1, 171* 

8. Do sprach der ritter ellenthafti 

9. Div vrowe ir liep zfzir gevie. 

10. Do kvst er do wol tvsentstvnt 1, 171»' 

11. Doch mfzen si sich scheiden do 
*12. Div t5gen minne ime geriet. 

13. Got hat uns aber san gemant 1, 168* 

14. Swer nv de crvce niht en ninmet 

15. Ez brahte ir missebieten mich 



STROP^NANP. D£R HEIDELB. LIBD£RSAMBIßIIN6BN. M7 

.*57. Do got den riehen riche schff. 

*58, Der rihter wird dvr de genant -t 

59. Nv gert ich niht d^ weite me i, 154* v 

60. So sfz lachet svzet mir 

61. Gedinge soi^e viehen tvt 

62. D^ höh gemfte hfihet sich mit tvgende so. 1, 154^ 

63. Min kvmber d^ mich ie so kvmberlichen twane. 

64. Swaz ieman weiz ich weiz ein wip so voUekomen 

65. Seide riche selic wip 

66. Minneclich gebaren wil 

67. Sfzer vreide ich waz gewent. 1, 155" 

68. Alder weite nieman kan 

69. Waz sol singen oder sagen. 

70. Clage ich mine seneden clage 

71. SeUc wile selic zit 

72. Der ich diene vn al da her gedienet han. 1, 149** 
^73. Waz dv werde minneclicher minne git. 

74. Deht ich iemer ich verdehte ir gvte niht. ^ 

"^75. Diz ist min vro weit die ich so sere lobe 

76. Swaz wibes ere wol gezam 1, 155" 

77. Wan sol in dienen vmbe de. 

78. Ich bin der gvten vndertan 

79. Kunde ich vreide volgi ich vrevte gerne mich. 

80. Wart ie iht so reine alsam ein reines wip. 

81. Dv sfze wip do dich min ögeu alrest gesach 

82. Noch enpfant ich nie zegvte leider mir 

83. Sol von rehter gfte wahsen and^ gvt. 
^^84. Ich wil minem vatir gerne wol . raten. 
*Sb. Rvdelin dv bist ein ivnger blappen blap 

86. Rehter liebe vz stetem mfte 1, 156'' 

87. We däz ich der svzeu mere 

88. Waz bedorft ich langer stete 

89. Ich wil in dem vierden liede 

* 90. Ich m^z von verdiender schvide 

91. Frowe selic frowe 

92. Sit ir mich so seret 1, 156^ 

93. Ir weit mir verkeren 

94. Wiz ich nv den willen 

95. Seide schone gvte 



318 STRAinirfANP. DER HEIDBLB. LUMiRSAMMLONGIN. 

96. Ob kh der gvten g^tes gan. 

97. Sich hvp ein vngevflget zorn 1, 164^ 

98. Zelltnt do ü versanden sich 

99. Si git vns iemer vroiden vil 

100. Wan de ich minnecliche tobe 

101. Sol ich 'mich rihten nach dem A. 1, 157** 

102. Giifge sprechent singe als ^ - 
lOS. Ich mae wol sprechen baz* owi. 

104. Ich vreute mich do stvnt ez so. 

105. Ich mac wol wunder schrien wfl. 

106. Waz hilfet ane sinne kvnst 2, 150^ 

107. Vns ist wol von meren worden kvnt 2, 138* - 

108. Ich wise an wiser Kte rat 2^ 151* 

109. Swer sich des stetezvrinndesdvrTbermftbeheret. 1,181* 
*11Ö. Ich wil niht me den ovgen volgen noch den sinnen. 

* 11 1 . Der gvte win wirt selten g^t. wan dem g^n vazze 
*112. Ez nam ein wittiwe einen man. hie vor in alten ziten. 
*113. Der kvnic behielte kvnegesnamen dem in behalten hiesc. 

* 114. Si iehent do böser kom ie nach de hat sich ntr verkerel. 
"* 115. Da hin da her wart nie so wert, in allen tischen knden. 
*116. Vil meniger mich berihtet 

*117. Gilerter vursten crone 
*il8. Vns ist vnsers sanges meister an die vart. 

7. Rvbin. bL 20 rw. 

1. Lob der reinen wibe mac 1, 170^ 

2. Von der ich mines lobes bin 

3. Diest dv weit also verzaget 1, 171* 

4. Der vögele s^zez schallen 1, 170* 

5. Ich bin noch von ir selten I9 170^ 

6. Ich han noch den gedingen 

7. Wie künde leider mir geschehen 1, 171' 

8. Do sprach der ritter ellenthafti 

9. Div vrowe ir liep z^zir gevie. 

10. Do kvst er do wol tvsentstvnt 1, 171** 

11. Doch mfzen si sich scheiden do 
^^12. Div togen minne ime geriet. 

13. 60t hat uns aber san gemant 1, 168* 

14. Swer nv de crvce niht en ninmet 

15. Ez brahte ir missebieten mich 



STR0PHBNANF.1l£RH£m£I^*LIBD£R»AlillttKWBN. Si9 

16. Eid sinne riebe selic wip. '^ 

17. Ich wil vrlop von vründen nemen. I, 171^- 

18. Swer got dvr diso weit nv lat 1« 172* 

19. Ich wil mich einer schvlde gar 

20. Vurde ich von der gvten vro. 1, 171'' 

21. Lobe ich ir vil reine ivgent 

22. Kvnd ich aller Ivte leit 

23. Han ich niht mit der nahtegal gesvngen 1, 170* 

24. Sie mac mir wol die selben not erwenden. . 

25. Wie tvt si so dv vil liebe lobe svze 

26. Nieman an vroiden sot verzagen 1^ 169* 

8. Nivne. bL 21 rw. 
Nv geit mir nach, ein ander leit 2y-117^ 

1. Nv iarlanc stet vil hohe min mvt 2. 118^. 208** 

2. Er nam si bi der wizen hant 

3. Jvnge vfi alte ir helfent alle vreide meren 2, 1 18^ 

4. Wir sin bezzer vro so wir nach tvgendea ringen 

5. Nienan kan mit sweren mf te niht verenden 

6. Frowe ir hat vwer schone vn vwer gvte 

7. Mich enwil der lieben g^te niht erlazen 2, 119* 

8. Sol min sprechen sol min singen 1, 163* 

9. Sich alse der tac so rieh 

10. Alder weite vroide meret 1, 160* 

11. West ein wip min vngem^te 1, 160^ 
*12. Wol mich bvle vn iemer mere 

*13. Wol ime swer uv g^t gedinge 
*14. Ez lebet in minem dvncke niht 

15. Hat ieman leit alse ich ez han. 1, 157'' 

16. Der kan ir selch v mere sagen I, 158* 

17. Ir m%it wol wennen swez ir weit 

18. Ist halbes war de ir da clagit 

19. Ez dvhte veh übte baz getan. 
*20. Ich bin der gvten mere vro. 
^^21. So.Iiebez ich mir nie gesach 
*22. Wie mac dv liebe selohen m^ . 
*23. Owe herze cvmberliehv clage 

24. Min senedes denken 2, 28*. 1,%2* 

25. Selic ich were 

26. Ich wünsche ich dinge 



320 STROPHENANP. DER HEIDELB. LIEDERSAUMLUNGBN. 

27. Wol mich der sione 

28. Mine hende ich valde 

29. Wie sol ich den ritter nv gesoheiden 1, 16^ 

30. Din kvslicb nivnt din lip dar vn svze. 

31. hftrestv vrant den wahter vf der zinnen 

32. Ich wache vmbe eines ritters lip. i, 17)* 

33. Min lip mfze vnselic sin 1, 18^ 

34. Din zom si dir vil gar vertragen 

35. Minne ir habt mich so besweret 2, 110* 

36. Minne volget miner lere. 

37. Ich kfse an deme walde 1, 9^ 

38. Mich dvnket niht so gfles noch so.lobesam. 2, 110* 
'^39. Nu singe ich als ich i sanc. 

40. Swa so liep bi liebe lit 1, 139^ 

41. hat der winter kvrzen tac 

42. Selp var ein wip 1, 137* 
^^43. Ich "^l iemer minen mft. * 

44. Mir ist ein not vor allem mineme leide. 1, 68** 

45. Niender vinde ich trvwe dest ein ende 
^^46. Mir hat ein ritter sprach ein wip. 

47. Solden sich ez die vreidelosen niht anmir ver driezen 2,208^ 

48. Ich vn ein wip wir haben gestritten 1, 174* 
49.. Ich minne si vur allv wip 1, 175^ 

50. Swie verre ich var so iamert mich 1, 174* 

51 . Svmer diner sf zen wetter mvzen wir vns anen . Bgn 3,244** 

52. Also hat dv gvte mir de herze min betwnngen 

53. Wer ist nv der geielste vnder tvmben gettelingen. 

54. Odelichen wart von ime vf minen traz gesprvng^n. 

55. Enge rocke tragenz vn smale schapperune. 

56. Seit ich nv zemeren wie siz vnder in gesch^fen 

57. Wa bi sol man min geplepze hinnen wur bekennen 

58. Ich saeh vil wunnecliche stan. MS. 1, 73* 

* ich setze diese Strophe her, weil ich sie in der hagensektm 
Sammlung nicht finden kann. 

Ich wil iemer minen m^t. 
hohen dyr ein wol bescheiden wip. 
«he li mir niht anders t^t. 
wan de dvr si eren gpert min lip. 
so hat si wol ze mir getan, 
swenne ich rehten mft ze vreuden han. 



^ '» 



STROPBBNANF. DER HEIDELB. LIEDBRSAMMLÖNGEN. 321 ^ 

59. Mir enmac niht niissegan i, 73^ 

60. Ich bin steter vreiden riebe 

9. Gedrvt bl. 2i rw. 
*i. Von kuDzeebeo ber wabsmft 
*2. Wer aber icb so sclic de 

3. Hct icb einen knebt der svnge iible von siner frowen 2, 1 1 9» 

4. Wan singet minne wise da zebove vi innmBe adialle. 

5. leb ban ein wip erseben 

6. Ir vil roter mvnt 

7. Der walt vnd div beide breit 

8. Ich wii min trvren lan. 2,119'* 

9. D^ m^ter vor zorne spracb. 

10. So werde aber altez wip 

11. Tobter wer mac er sin 

12. Icb singe svnder minen danc. 1, 166^ 

13. Icb gesacb den walt vn aldie beide Hagm 3j 227 

14. Swer nv sine brieve boren welle 

15. Spracb ein magt den wil icb gerni beren 

16. Ir gespil si vragen do begvnde. 

17. Icb mac woi din vngevägez scbelten. 

18. Spricbes dv de ich si vngevfige 

19. Dise tr^en tagen MS. 2, 74* 

20. G^ Ifte holt 1, 176** 

21. La mich minne vri 

22. Owe spracb ein wip 

23. Wol si selic wip 1, 176^ 2, 208* 

24. Die gemf ten vmbe nit 2, 208* 

25. Sold aber icb mit sorgen iemer leben 1, 74* 

26. Sit si iehent wie wol mir vreide zem 

27. Ez ist nv lanc de mir dv ovgen min 

28. So siz nv vii gerne wenden wil. 

29. Swie vil ein wip vn vroide machet 1, 150". 2, 208* 

30. Maneger claget die schone zit 1, 148^. 2, 208* 

10. Nithart bl. 26 vw. 
1. Swaz an einem wibe Hagen Z, 192^ 
*2. Si hat mit ir strale 

3. Diebe ich mir gedenke Hagen 3, 256^ 

4. le lieber vn ie lieber is si mir dV wol getane MS. 2, 83* 

5. Sine tage lovfent von der hob gegen der neige 
Z. F. D. A. III. 21 



322 STaOPHBNANF. OBR HEIDELB. LIBDBRSAMMLUNGBN. 

6. Wie vber winde ich beide Hagen 3, 246* . 

7. Sol mich niht vervaheo 

8. Engel wan vn vze 

9. Owe liebe svmerzit Hagen 3, 271* 

10. Wist ich Werne ich soldc clagen 

11. Owe liebv svmerzit Hagen 3, 249'* 
12* lemer an dem svnnentage 3, 250'' 

13. Dar an siner gele spranc 

14. Owe lieber svmer diner lichter tage lange Hagen 3,270** 

15. Hat aber ieman leit de mineoie leide si gelich 

16» Ich engewan vor menegen ziten vngenaden mere 3, 271" 

17. Sine wolde ie doch in sinen Spiegel nie gelegen 

1 1 . Spervogel bL 27 vw. 

1 . Swer in vrenieden landen vil der tvgende hat. MS. 2^ 220'' 

2. Wan sol die ivngen bvnde lazen zv dem bera 

3. Swer svchet rat vfi volgol des der habe danc 

4. Ez zimpt wol beiden de si vro nach leide sin 

5. Waz vromt dem rosse de ez bt dem vuter stat 2, 227' 

6. vn vert zewalde spvrn so der sue zergat 

7. Swer lange dienet da man dienst niht verstat. 

8. Dv selde dringet vur die kvnst de eilen gat. 

9. Wan sol einen biderben man. wol drizzic iar^ 

10. So we dir armvt dv benimest dem man 

11. So wol dir wirt wie wol dv doch dem bvse ziinpft 2,227** 

12. Ich sage vch lieben svne min 

13. Mich ruwert vurt vber mer 
14- Wer sol vf steinberc 

15. Do der gfte wernhart 

16. Steinberc die tvgende hat 

17. Wan seit zehove mere 

18. Mich mvt de aller sere. 2, 228" 

19. Swie sich der riebe betraget 

20. Wcistv wie der igel sprach 

21. Swie de wettcr t^ 

22. Ez WC ein wolfgrawe 

23. Ein wolf vn ein wizzic man 

24. Ein wolf sine svnde vloch 

25. Ez mac der man so vil vertragen 

26. Swene hvnde striten vmbe ein bein 2, 228^ 



STROPBBNANP, OEH HEIOELB. UBOBRSAMHLIINGIN. 82S 

12. Der . ivnge . Spervogcl W. 28 iw. 

27. Ich bin ein wegemfder man 

28. Entwerfen ist ein speber list 

29. Swer des biderben s wache phligt 

30. Swer mir dvr sine kvndekeit 

31. Der alten rao 2, 229* 

32. Gvsse schadet den brennen 

33. Swa zwene dienent einem wibe 

34. Alder weite höh 2, 109^ 

35. Zwo gespilen mere 

36. Sage bi den tr^wen • 

37. Icit vn vngemftc 

38. Genedich inder maze 2, 110'' 

39. In dem walde yh vf der gr^en beide 1, 162^ 
40.^ Wol in den der deinen vogele singen 

41. Er ist gewaltic vn starc 2, 229* 

42. In der helle ist michel vnrat 

43. In himelrich ein hvs stat. 2, 229^ 

44. Swer gerne z^ der kilchen gat, 

45. Ich han gedienet lauge 

46. Mich hvngerte harte 

47. Swa ein g^t bom stat 

48. Swel man ein gvt wip 

49. Ein man sol haben ere. 

50. Korn säte ein bvman. 

51. Crist sich zemarterenne gab 

52. An dem österlichem tage 

53. Yurze des waldes 

13. Rydolf . von . Rofcenber bL 29 vw, 

1 . Waz verzagetes herzen hat min lip 1,32^ 

2. Ich het ir doch ein teil geseit 

3. So ich bi der hochgemHen bin 

4. Ir svlt mir selic vrowc ein wort 

5. Getorst ich vch mins herzen willen sagen 

6. Were an der minne valsehes iht 1> 33* 

7. Owe de ich ez mit der lieben ie begvnde 1, 34' 

8. Owe wes hat sich dv liebe an mir gerochet 1, 34** 

9. Ich wil gein der lieben singen vmbe ein scheiden 
10. Ich wände ie de ich eiz waz der weite were 

21* 



SS4 STROPHBNANP. DER HEIDELB. LIBDERSAMMLURGEN. 

14. Heinricli . der » riebe. bL 29 rw. 

1. Nv lange stat dv beide vai 1, 99*" 

2. Die vindetit micb io meueger 2»t. 

3. Mir were starcbez berzea not 

4. Solt ieb an vreiden mv verzagea 

15* Heinrieb • von . Rvccbe. bl. 29 ncf. 

5. Nacb frowen scbone nienan sol 

6. leb tfn ein sebeiden de mir nie I, 100^ 
7» leb gerte ie wunneclicber tage 

8. leb borte gerne ein rogelin 

16. Hartman . von . Owe. bl. dO vw* 

1. Mir battenbotten frowe g^t 1, 182* 

2. Dv solt ime botte minen dienst sagen. 
S. Min erste rede die si ie vernam 1, 182** 

4. Swez vroide an g^tea wiben stat I, 180" 

5. Mobt ieb der scbonen minen m^ 

6. Ez ist ein elage vn nibt ein sane 

7. leb spraeb ieb wolte ir einer leben I, 179^ 
8* Sit ieb ir lones m^z enbem 1, 179^ 

9. Mir sint dv iar vil vnverlom 
10. Der ieb da ber gedienet ban 

17. Wolfram . von . Esebebaeb. bL 39 rw. 
1. Ez ist nv Ue 1, 147^ 
2» Daz g^te wip 

3. Si beide Ivste 

4. Ir ovgen naz 1, 148* 

18. Wabmft. */. 30 rw. 

1. Lobe ieb nv des meien g^te 1, 162' 

2. Liep vor allem liebe ein wunne 1, 162** 

3. leb wil dir mit trvwen singen 

4. Obe ieb vngesvngen swenden 

5. We war vmbe trvrent si 1, 161* 

6. Frowen diene dieb vnverzaget 

7. Waz bilfet de ieb kiege da. 

8. Waz hat mieb d^ liebe zit vervangen 

9. Vz ir 5gen vliegent stralen sere- 

19. Rvdolf Offenbvrc bl. 31 vw. 

1. So dv nahtegal ir sane 1, 34** 

2. Not vn angist sint da bi 



9niOIWU!(ANP^DBRH£IDfiLB.IJEDBRSAIilILim S2ft 

3. Ir wol eren ricbez leben 

4. Ist de ich verderben sol 1, 85* 

5. Si sol wizzen de dv not 

20. Walter . von . Mezze. bL Zi vw. 

1. Ich lide zweier bände 1, i63^ 

2. Ob si mich hazze nein si niht 1, ld4* 

3. leb wände senften minen mft 

4. Er dvnket micb ein kfne man 

5. Sieb vreat meneger in gegen der wnnneclicben zit 1, 165* 

6. Mir ist selten berzeliebes iht gescbeben 

7. So we dir weit de ich dir niht entrinnen mac 1, 166* 
'^8. Hetin nv die bl^en den gewalt 

'^9. Dir enbiftet edel riter g^t 
'^lO. Der walt in grüner varwe stat 
'^ll. Ein winken vn ein vmbeseben 
'^12. Ich wil weinen von dir gan (/. hftn) 
'^13. Div linde ist an dem ende nv iarlant liebt vn bloz 
14. Mirst min altv clage noch nVwer denne vert 1» 166* 
15« Sold ich wünschen so wold ich den vogelen wünschen des 
16« Swes die nahtegal mit ir sänge nemo war 

21* Gotirit • von . Strasbvrc. bL 32 vw. 
1« Div zit ist wonneclicb 2, 183* 
2» Wiplicbv werdecheit 
3« Ich vnverdabter man. 

4. Was sol min vmbesagen 

5. Der svmer si so g^ 

22. Heinrich . von . Veltkilcben. blß^ 32 vu>. 
1« Tristrant m^ste svnder danc 1, 19* 
2« Sit dv svnne ir übten schin 
3« Swenne ich bi der vil hohgem^n bin 1, 21^-^ 

4. Swer mir an alle schvlde si gehaz 

5. Der winter were mir ein zit 1, 40* 
6« Wie tft der besten einer so 

*7. Swer meret die gewizen üiin 

8. Ich bin dir lange holt gewesen frowe biderb vn g^ 1,39^ 

9. Ez dvnket mich wol tvsent iar daz ich an liebes arme lac. 
10. Oben ander linge den zwige. da sanc ein dein vo- 

gellin. 



826 STKOPBBNANP. DER HEIDELB« LIBDBRSAMIILCNeEM. 

23. Der • marcgrave . von • Hohenbyro. U. 32 rw. 

I. leb han erweit min selbe svzen kvmber 1, 15^ 
*2. Ich han in minem herzen vroide vil 

3. Ich het ie gedaht wie ein wip wesen solde 1, 17^ 

4. Ir lip vn ir ere de ist alles vil reine 

*5. Si enist niht in allen so schone nun firowe 

6. Sit alse vngelovbet 2» 109^ 

7. Wolde sich div gvtc 

8. Ich wände yngemvte 

9. Er mac wol verderben. 
10. Der ich gab var eigen 
li: Nv han ich gedinge 

24. Heinrich . von . Veltkilcbe. bL 33 tfw. 
*11. Swer wol gedienet vn erbeiten kan 
'^12. Wer ich vnvro dar nach alse ez mir stat 
*13. Ich bin vro sit vns die tage 

14. Hie bete wilent zeiner stvnde 1^ 18^ 
'^IS« Et kam von tvmbes herzen rate. 
16« loh wände dat he hovesch were 1^ 18^ 
17.' Hei isch an ime theloso minnen 

25. Havvart. bL 83 rw. 

1. Ich wil dir herre ihc der vil reinen megde kinde S» 111^ 

2. Wie lange svln die beiden vns mit dinem^ lande pfenden 

3. Dir herre clagen wir armen grozer vngenadett me 

4. Crist enbi^tet sinv mere 

5. Nv tf svnder vf din oren 2, 111^ 

6. Dvlden mfz in dinen hvlden 

7. Nv bvte vur vns dine hende 

8. Vz den bvchen sagent die pfaffien 

9. Obe ez an tninen eren mir gesohadeii niene mac. 

1 0. Sich diner eren firowe envare ich vf die tmwe niht' 2, 112' 

II. Sage mir waz ist minne von der singes dv so vil. 

12. Waz minne si vil liebv firowe min. do sage ieh dir 

13. Ich en minne niht doch merke ich eines de verderben ist. 
14« Mäht dv doch mine stete kiesen bi der grozen not 
15« Nv kvs ich an der vogel swigen 2» 112^ 

16« ACcb iamert nahe ir tvgenden iemer 
17. Dv bist min il*ost vn och min wunne 



STROPHBNANP. DER HfilDBLB. LIBDBRSAMMLDNGBN. 327 

26. Gvnther . vz . dem . Voratc. bL 34 rw. 

1. Ich han liep mit seneder leide 

2. la enweiz niht di^ wolgetane 

3. Swer ie senedea m^t gewan. 

4. Nr svlt ir mir lere geben 2, 113* 

5. Were ich in der werdecheit 

6. Noch han ich ein troestelin 

7. Wie wIrt ir min stete kvnt 

8. Wol mich de ich ie den m'^t gewan 

9. Sine weiz niht wie liebe si mir t^t. 

10. Si liebe si schone si g^te 

11. Si werde si here si riebe 

12. Si senfte si sfze si reine 2, 113** 

13. Nv her obe ieman kan vernemen 

14. Ez warp ein ritter lange oit 
15« Div schone frowe kan gegan 

16. Si waren beide enzvndet gar 

17. Do alle ir wille wol ergienc 

18. Nach der vil grozen liebe kam 

19. Dir minnecliche frowe sprach. 2, 114* . 

20. Der ritter gft sprach do hin zir 

21. Ich sol dir sprich dir firowe her 

22. Owie mohte ich leisten dinV wort 

23. Do sprach de wunneeliche wip 

24. Swer sich an liebe mazen kan 

25. Die mohte ich lengen baz din leben 

26. Min sorge swaehet mir den sin. 2, 114'' 

27. Nr höret wie der rrowen g^ 

28. Do sprach der ritter rber lano 

29. Do sprach dv rrowe wol getan 

30. So wol mich de ich han rernomen 

31. Nr boret wie dv lieben do 

32. Hie mvgt ir merken fremede zal. 2> 115* 

33. Swer reh ron ende solte sagen 

34. Dir schone frowe sprach also 

35. Srz endet sich der zweier strit 

36. Gvten Ivten wil ich kmden 

37. Sol ich ir den trorm betrten 

38. Min stimme hiez mich rro beliben 



SlS STROnffiNANP. DER HBIDBLB. UEDERSA1IIILIIN6BN. 

39. La mich noch ein Kzzel sprechen 2, 115^ 

40. Sold ich mich von schvlden yroiwen 

27. Der . herzöge . yon . Anhalten, bl, 35 rw. 

1 . Ich ^ den winter enphahen mit gesange 1,6^ 

2. Wol mich iemer mir ist wol zem^e 

3. Mohten si deme walde sin 15p verbieten 

4. Sta bi la mich den wintlan weien 

5. Ich sach die schonesten in den landen 

28. Albreht . von . Johannes . dorf. bl. 36 vw. 

1. Min erste liebe der ich ie began 1, 173^ 

2. Ich wände de min kvme were erbitten 1, 174* 

3. Ich han dvr got de crvce an mich genom I, 173^ 
*4. Mich mac der tot von ir minnen wol scheiden 
*5. Do dv wolgetane gesach de crvce an mine cleide. 
*6. nv min herze vrowe nv entrvre niht so sere 

29. Der . marcgrave . von . Rotenbvr(c abgeäcknitien) 

bl. 36 VW. 
t. Deme kvnege dem vure ich swererwil den. lip. 1,144* 
2. Min ovgen mfzen dvr de selic sin 1, 18*; 144^ 
*3. Swer sich so sere an die minne verlat 

30. Brvder . Wemher. bl. 36 rw. 

1. Ich weiz der herren menegen obe ich hete ir eines^g^ 
*2. Ich wil dem crvce singen [2, 161* 
*3. Ze tröste wart vns allen 

31. Lvtolt . von . Seven bl. 36 rw. 
*1. Die nv bi liebe slafen 

2. Man sol nv singen 2, 98* 
'^3. Von deme scheiden 

4. Wer kan nv zedanke singen 1, 137* 

5. Yroide vn sorge erkenne ich beide 

6. Wol vch deinen vogellin 

7. Frowen lat vch niht verdriezen 1, 106** 

8. Ich wil vch ze redenne gvnnen 1, 106* 

9. Frowe so wil ich vch leren 

*10. Ez ist wol daz wir die lieben beide 
*i\. Wie solt ich ze tanze wol gesingen 

12. Mir gab ein sinnic herze rat 1, 78*. 99* 

13. Min lip vor liebe m^z irtoben 

14. Han ich iht vrvnt die wünschen ir 



8TR0PBBNANP. DER HBIDBLB. LIBOBRSAMinilBfClir. St» 

15. Ich svhte gfter vrvnde rat I, 42* 

16. Mir wont vil yDgemaches bi 

17. Ich bin mit rehter stete einem {^tenriteryndertaii.29it7'* 

18. Sine mvgtn alle mir benemen den ich mir lange han er- 
*19. Solde ich den ivngen raten [weit 
'*20. Ich horte manegen vragen 

*2i. Mich wnndert wie den IVten si die sich der eres schament 

22. Nt wil aber der deinen vofalo singen 2, 115^ 

23. Do min oygen si alrest irsaheä 

24. E daz si anders ieman lieber were 

25. Als ich gemeinlichen mix gebaren 

26. Die lichten lieben s^ze tage reine 2, 116* 

27. Daz ist ein wip dar ich mich han gewendet 

28. Nv wil aber der bl^en schin 

29. Des mich tvmben sit verdroz 

30. Si ist so noch gnfge sint 

31. Laz ich in des get mir not 

Si. Tr^g er inder holden wan 2, 116^ 

33. Iiieb% yroideloser kneht 

34. Div vil minnesliche die ich da meine 

35. Ich weiz wol ez hat i^ schone svnde 

36. Nv ist mir aber leide 

37. Wes ich wa ich svnge 

38. Nt sehe ich an ir mfte 2, 117* 

39. We waz wil si me 

40. Ich enwil niht twingen 

41. Wil mir ein wip gnedic sin ^ 

42. Ich han gedingen wirt si mir 

43. Vns wil schiere wol gelingen 1, 117^ 

44. Mygit ir schowen waz dem meien 

45. Wol dir meie wie dv scheides 

46. Scheidet vrowe mich von sorgen 1, 118* 
*47. Der die schonen zit mit vrpidcn hfre waz* 

32. Hvg . von . Mvlndorf. bl. 39 vw. 

1 . We waz hilfet al min singen 2, 207^ 

2. Swer den vrowen an ir ere 

♦ tn den minnesingem des herm vom der Hagen 3, s. 468 c ! 



890 SnUNPHENANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGSN. 

33. Der , bvrcgrave . von . Regensbvrc. bL 89 vw. 

1. Ich lac den winter eine wol tröste mich ein wip 2, 117^ 

2. Nt heizent 5i mich miden einen ritter ine mac 
84. Grave . Otto . von . Bottenloben. bL 39 9w. 

t. Wizzet daz ich singen wil 1, 168^ 
2. Ich wil selic vrowe dir 1, 169"^ 
Vro minne ich lachet miner swere 1, 16* und Benecke 

s,\ — 8 gewinne« 
Die Sammlung ist beendigt: denn unter die riickseite 
des S9n blatles htU der Schreiber die »ahl y gesetxt, 
als ob der ßin/te qtMtern dort schon zu ende wäre. 

[FerzeichnU der diektemamen, 
der hensoge von Aabalten %7, 
grave Otto von Bottenloben 34. 
Wolfram von Eschebach 17. 
Gedrvt 9. Gotfrit von Strasbvrc 21. 

Hawart 25. der marcgr. von Hohenbvrc 23. 

Albreht von lohannes dorf 28. 
Walter von Mezze 20. d«r von Morvnge 5. Hvg von 

Mvlndorf 32. 
Nithart 10. Nifne 8. 

Rvdolf Offenbvrc 19. Hartman von Owe 16. 

der bvrcgr. von Regensbvrc 33. Reimar 1 .2.3. Rvdolf 

von Rotenber 13. der maregr. von Rotenbvrc 29. 

Rvbin 7. Heinrich von Rvcche 14. 15. 

der trvhste von S. Gallen 6. Lvtolt von Seven -31. 

Spervogel 11. 12. 
Heinrich von Veltkilchen 22. 24. Walther von der VogeL- 

weide 4. Gvnther vz dem Vorste 26. 

Wahm^ 18. brvder Wernhcp 30.] 

a. Anhang von späterer hand in derselben hanisckrift 
bL 40 VW, bis 43 rw. 

*\, -och gonde ich gutin lutin wol. 

2. Ich singes vnder minin dano. 1, 166^ 

3. Ich wnzhe daz ich ir gelige 1, 167" 

4. -V minne habe des iemer danc = 59/7. 

5. Ir guetlich lahin minneclich 1, 166^ 

6. Wie kumit daz mich ir 6gin gräz 1, 167* 
*7. Min mut stunt ebene vn wol 

8. -ich hat ein lieber wan 1, 167^ 



STRMVENAMP« DBR HEIDBLB. LIBDBRSAMILIINGBN. SSI 

9. War anbe sprich ich daz 

10. die na daz herze min 

11. ein reine hohgimute 1« 169^ 
^12. kande ich als ir gizheme 

IS. si firagent vd fragent abir alzi vil 1, 122* 

14. die schamelosin liesen ai mich ane not 1, 121*. 122^ 

15. ich aolte ein Inzil miner langen swere clagwi 1, 166^ 
*16. selicliohe deme geschiet. (gekört »u i^iWöbm) 

17. der STmerrü alle sin schone, rnochainwnne 1,1(8^ 
t8* der lieber svmer konde schöner nilh gesin 1, 167^ 

19. «ia sende Idt da2 ich von eime wibe drage. 

20. dv liebe lat mir scheiden niht von ir geschehen s: Rubin 

21. ^fz ich nach wane wezin vro 1, 109^ [19 i7. 
»wisckenraum van 10 zeüen, bl. 41 vw, unten. 

*S2. owe daz wisheit vn jugint 
28« des swar reimar dv ruwes mich 1» 105* 

zwücheurmiM von 9 »eilen i 
24. frowe ich höre weh so vil der tvgende iehin« 1, 114^ 
26. konde ich die uase als ich ir leidor niht inkat 

26. wir man wir wellin daz stetekeit 1, 115* 

27. ich sage weh wer vns wibin wol bihagit 
^28. ein wip mit wibis gute. -^ 
*29. nv borent tat weh wisin. 

30. -V minne Ut sich nemin da 1, 112* 

31. swa zhuene munde gerent gilibt r: 203 D. 

32. so minne ein gokil spil wil machen rr 202 D» 

83. Swa minne slusit vn vir drossln £=: 206 D^ 

84. tin schone magit Ulrich von Lichtenstein 512) 7. 
85« der wahter sanc von minnin wol 2, 98* 

*86« dv reine sfze sere ir srac 

*37. Von dannen schiet der käni tegin 

eine zeile Zwischenraum. 
*^%. Bi liebe lac 
*39. -v vil sfze sprach dmt gi seile 

eine zeile Zwischenraum* 
*A0. swer nu vir hole lige 
*41. wahtir din sanc ist grus 
*42. Dv liebi ir werdin gast 
^43. Der liebin leide wart 



8» STROPHBNAMP. DER BEIDELB. LIEDBRSAMMLUNG8N. 

44. mir armen wibe waz ze wol 1, 68* 
^45. -ie firoide mir verbotten hat 
'^46. Yns kamt div suzze samer zit.*^ 

n. Von einer dritten händ, von der mitte der rück- 
Seite des AZn blattes bis zum ende des 4An. 

47 • arlt ich ^ttes hoha wnder wert an da er hat geleit 2, 212* 

48. So wol dir gottes wnder tal ich meine dich tVrv weit 

49. Ir lobt gar alle gotes werc so lert der kynic daaid. 2, 212^ 

50. ich bore dicke sprechen so die haben sich abe getan 

51. So wol dir weit so wol dir hate vnde iemer mere wol. 
Zwischenraum, 

62. mAn schiltet got noch sinn wnder wert dar vmbe iiiht 

Müller m\. 

53. dv werlt ist ein garte de got inne brechen sol Malier 992. 

54. -b man die werlt niht m^hte schelten vnd ir missetat 

Müller S9Z. ' 
"^55. -wer von der weite seit an ir si wandelberes niht 

56. -V weit von rehte wirt bescholten verre deste mer 

Müller 390. 

a. Von einer vierten kand, auf der vorderen seite des 
Rn blattes. 

57. Wie kom daz mich ir ongen grnez 1, 167* 

58. Ich wnnsche daz ich ir gelig 

59. Die minne habe dez immer danch = 4ii. 

Aitfder riickseite des 45n blattes stehen von einer un- 
gebildeten hand noch dreizehn verse^ die herr von der Jb- 
gen, ob sie gleich kein lied sind, in seine sammhmg aufge^ 
nommen hat, 3, s, 420 n. xvin, aber in den ersten zeiten 
tmbegreffUch entstellt, da in der handsckriß deutlich zu Ie- 
sen ist 

ach herze liep ach herz let 

ach libes lieplich erebet. 

ach gechant {d. i. jächant) min ach baisam tror. 

ach dv svsses zvkker ror 

libes vn herze min u* s* w. 

* hei Herrn von der Hagen 3, «. 468 n ^/ 



SntOPBBNANP. DER HEIDELB. LIEDERSABOILÜNGBN. 

D. Sammlung von Sprüchen in der heidelbergischen 
handschriß 350, bl. 1 — 40. 

1. abtheibmg, bL 1 vw, 

1. Ich sagt vch gerne na hört waz. = MS. 2, 138^ 

2. Do wonte ein magt vf erde hie. 2, 125* 

3. Do gdt her in erde wolte komen. 2, 138^ 

4. Adam» vn manic verlorn sei. 2, 125* 

5. 6ot vater diner manigen tagende. 2, 138^ 

6. 6ot nater svn heiliger geist. 

7. Crot aller g^n dinge frsprinc. 2, 137* 

8. Ibc dv gotes wunder bot. 2, 139* 
.9. MatHs menschen bilde hat. 2, 125* 

10. Crot herre swes dv an vns gerst. 2, 139* 

11. Crot herre gip vns hvte heil 

12. Ahi wie wnniclich ein schar. 2, 125^ 

13. Crot herre vater da dv bist. 2, 136^ 

2. abtheilung, bl. 3 vw. 

14. Ich wil iv singen nv merkent daz. 2, 139^ 

15. Owol dir Gabrieles mnnt. 

16. Groz wunder daz vns ist geschehen. 

17. Nv si vron Euen diz verclagt. 

18. Maria kuniginne her. 2, 140* 

19. Ez ist vil manigem minnere leit. 2, 125^ 

20. Swer gerne miüicliche lige. 

21. Dv svnden bloz dv ualsches bar. 

22. Gegrfzet sis dv kunig^. 2, 140* 

3. abtheüung, bL 4 rw. 

23. Er ist ein seldenricher man 2, 143* 

24. Gedinge höhet mir den mft. 
25« Tristram der leit vil groze not. 

26. Vrowe miner frouden heil. 2, 150* 

27. Sich vmme dich vil selic wip 2, 126* 

28. Sit trvwe ist al der werlte g^. 

29. Der guten wibe werdikeit. 

30. Wir wellen daz div minne si. 2, 145* 

31. Alle schfle slnt gar ein wint. 2, 142* 

32. Minne ist ein daz beste wort. 2, 142^ 

33. Wibes minne ist rehter bort 

34. 6ot hat mit hoher werdikeit 



SS4 STROPHENANP. DER HEIDELB. LIEDBRSAMHLUNGXN. 

35. Ein wip di gar geariet hat 2, 149^ 
*36. Vrowun lop ist reinez leben. 

37. Ich wil veh leren werdiv wip 2, 142*' 
"^38. Ir vrowen scheident man von man. 

39. Swer alder werlde werdikeit Hagen 2, 184* 

40. Ich gibe veh vrowen einen rat Hagen 2, 184^ 

41. Waz cleider vrowen wol an ste. MS. 2, \%^ 

42. Man tft vns michel wnnder knnt. 2, 145** 

43. Man seit von heilawage vns nil. 2, 149^ 

44. Der werlte rede ist ez ensol. 2, 147^ 

45. Ein man der so erworben ist 2, 126^ 

46. Ein man der niht erwinden wil. 

47. Ein gelle ir gelle niden m^z. 2, 144^ 

48. Der baisam ist den herren gft.'*' 

49. Die minne hat wanderliche sit. 2, 127" 

50. Ein lip. zv sele. ein mvnt. ein m^. 
'^51. Nv wil ich leren ovch di man. 

52. Vil maniger wenet vrowen leben. 2, 149" 

53. Di berge di sigent nach mir zv. 2, 145* 

54. Vnd het ich drier wansch gewalt. 

55. Swelich vrowe ir m^tes so irrencrt. 

4. abtheilungj bl. 10 tnv. 

56. Ein herre von gebvrte vri. 2, 138* 

57. Ein ivnc si lobelichen ivnc. 2, 127* 

58. Ein herre ivnc schone vn rieh. 

59. Der mft was wilent knehtes kneht. 2, 148^ 

60. Mulwille ist vbel er ist oach g^. 2, 127^ 

61. Vz sinwellem mvte ein man. 2, 148* 

62. Ein man im selber ist ze rieh 2, 146* 

63. Sage vngelobter richer man 2, 137** 

64. Gewalt mac melden vnder stan 2, 127'' 
*65. Die werlt ist vngelich gem^t. 

66. Di werlte was wilent so gestalt. 2, 148'' 

67. Nv volget ein gemeiner. site. 2, 141* , 

68. Waz eime rehten herren zimt. 

69. Wol dir richeit wol dir gewalt. 2, 141'' 

70. Daz gut ist eime hohen man. 2, 141* 

* hei Herrn von der Hagen zwei mahl, 2, 186* vnd 3, 332*, angeb- 
lich aus einer und derselben kandtehr\fi! 



STROPHBNANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLONeSN. 335 

71. Ez sint noch herren etswa. 2, 141^ 

72. Di erc was wilent also wert. 2, 127* 

73. Ez wart nie wip noch man belogen. 2, 128" 
*74. Div ere minnet niht dyrch g&t. 

*75. Vro ere ist magt. vn habt doch man. 

76. Ez ist ein forme di wunder birt. 2, 128* 

77. Swaz di yil reine trinitat.' 

78. Swaz in der werlt noch geschacb.' 

79. Di edeli ist ein hoher nam.' 2, 128^ 

80. Daz hoheste dino da man ron seit. 

81. Zwei adel sint an den Inten ouch. 

82. Ich bin edel sprichet manic man. 2, 129* 

83. Blanker geberde stunde ir ganc. 2, 141^ 

84. Verguldet kuphfer. versilbert zin.' 2, 141**. i6S D. 
*S5, Ez ist ein wac der lat sich waten. 

86. Ir vzgesanten br&der seht. 2, 129* 

87. Swa so di lute geordent sint. 

88. Vil manic gvt cristen svnden phligt. 2, 145* 

89. Svnden glust mit wider wer.' 2, 145" 

90. Swem liep geschiht. vn doch nit wol.' 2, 144*' 

91. Geluckes rat ist sinewel. 2, 140^ 

92. Man swaz dir vnnerdienet kome. 2, 147^' 

93. Waz hilfst ane selde kmist 2, 150^ 

94. Daz hoste vleisch daz ie getr&c. 2, 137' 

95. Di reine zunge ist also gut. 2, 143^ 

96. Oben vber. vn vnden durch geuam.' 2, 137** 

97. Sage an munt uol/wilt du dich 2; 124'' 

98. Den suren sAr. den scharphen scharf/ 2, 144"" 

99. Vnde solt ich malen einen man/ 2, 140" 

100. Strnzes ougen solt ein man.' 2, 140^ 

101. Ein adam der ein euen hat.' Hagen 2, 195" 

102. Swelch gut man hat ein bider wip/ Hagen 2, 195** 

103. Der edel wise vri adam.* Hagen 2, 195** 

104. Her hau ich wil iv siges iehen. 2, 129^ 

105. Swa gut man hat ein obel wip.' 

106. -Tvrnieren was c ritterlich. 

107. Owe dir spil wi böse ein amt. 2, 148^ 

108. Daz schoniv wip betwingent man/ 2, 124^ 

109. Der tvuel der geschuf w'rfelspil/ 



336 STROPHENANF. DER HEIDELB. UBDERSAMMLUNGEN. 

110. Ez ist ein würze div schaden birt 2, 129^ 

*iii. Swaz got durch der propheten mvnt. 

112. Vns ist von meren worden kunt. 2, 138* 

113. Di trunkenheit tnt grozen schaden 2, 130* 
*114. Wir haben nv eredinge vil. 

115. Zvcker sfz. honic benit. 2, 130* 

116. Ein schiltmezic ritters kneht der sol (von anderer 
hand verbefsert Ez sol ein ritter mezig knecht)2f 137*" 

117. In dirre wilden werlde uert Hagen 2, 189* 

118. Di hant di mfize selic sin.' JlfiS. 2, 147* 

119. Gern gewem vngeme biten 2, 140^ 

120. Di milte manigen herren hat.' 2, 130* 
'^121. Vro milt ir sit vn sit doch nit 

122. Ist milte ein tvgend als man ir gibt 2, 130^ 

123. Der toren milte di toren lobent«' 2, 124* 

124. Swind ist ein lop swer daz nv kan 2, 130^ 

125. Di clucheit ist der kundikeit 

126. Her vrinnt. her vriunt wi tvt ir so. 

5. abtheiltmgy bL 21 vw. 

127. Di engel sint noch engel kint 2, 131* 

128. Do got in menschen bilde erschein.' 2, 143** 

129. Swer bannen wil. yn bannen sol. 

130. Ir seht der kirchen in den mnnt 2, 144* 
131* Här vn hart nach closter silen. 2, 124^ 
132. Swer einen schonen wizen man 2, 144* 

*133. Der habest hat vil riebe kint 

134. Vnrebt. vn reht habent lange gestriten 2, 146* 

135. Wes snmes dv dich endecrist.' 2, 147^ 

136. Wes snmes dv dich endecrist.' 2, 137^ 

137. Des uaters swert vnt ouch des svns. 2, 131* 

6. abtheilungy bL 23 vw. 

138. Der triwum triskamer bort. 2, 149** 

139. Walt hat oren nelt gesiht 2, 131* 
*140. Der keiser wil des rlches brot.' 

141. E daz di knappen wider als t 2, 138* 

142. Daz rieh was vil sere siech. 2, 131* 

143. Vor kundiclicher gelichsenheit.' 2, 124* 
*144. Svren mvt vn vngewizzen lip. 

145. Got alter vn niwer crist. 2, 131^ 



SntOraBNANP. DER HBIDBLft. LIBDERSAMULDNODI. 337 
* 140. loh kaa gebraggeo noch gestegea 
147> Venedier di habent Ternomen 2, 146' 

148. Daz riche daz igt des keisers niht 2, 131^ 

149. Svmlichen vurgten ist das leit 

150. Ein kunic der wol gecront gtt. 2, 132* 

151. Ein kunic der aller der wil. sin 

152. Von rine so bin ich gebor.' 2, 14S'' 

153. Mir ist geswollen hie der m&t. 
164. Ich were vngerne da Ranit. 

155. Her berre rnt habt ir einen man 2* 13%* 

156. Swer einen gncgnc haben wil 
457. Swa logener ist herren bot. 2, 132^ 

*158. Swa meister Ernst wirt nertriben 

159. Der lecker munde znnge ist snel 2, 147^ 

160. Her hagene ir sit dem man so wis.' 2, 149* 
*161. Ich qoam geriten in ein lant 

162. Ein bouscbricbe w&nde ein lewe sin.' 2, ISt** 

163. Ein clage in minem herzen hat 

164. Ein valleDkomen mensch ranf sinne hat 2, 133* 

165. Merke tombes mnles innger man 

166. Swer minnen will nach mione site. 

167. Der rehte gäte sol niht gern 

168. Vergoldet fcappfer. nersilbert zin z= 84 D. 
.169. Ein vngebeten genaterschaft 2, 133^ 

170. Gesoten IVge gebraten läge. 

171. Dir weilt gelicbet sieb dem mer 
172> Di wildener di habent site. 

173. zvinel machet zwinel m^t 

174. ieh enr^che sagt weder abe noch an 2, 147* 

175. agez dn bist ein nbel diep 

176. vil wiser man nv bore mir. 2, 134' 

177. bescbaffen vnt ez mäste sin. 

178. nr merkenl alle wi daz zimt.' 2, 134'' 

179. ez was ein gar vnselic man. 

180. einem vischer trSmt er solle lani 

181. in miner abentzit ich bin 2, 135* 

182. di werlt ist wnnderlich. 

183. swenne ein vlurzvn drü iar gestat. 

184. wir haben gebort lange wol. 2, 135'' 

Z. F. D. A. III. 22 



3S8 STROPHBNANF. DER HEIDELB. UBDERSAMMLUNCaSN. 

185. atzunge ist herren hoae ^in hageL 

186. so wac gelit so wint geligt. 

187. -in sneller wol geuiertcr wagen. 

188. nv merket waz daz si durch got. 2, 149* 

189. nv seht wie listic daz er was. 2, 148* 

190. sich mensch dich vvr. warte wer du bist. 2, 136* 

191. vil tvmber mensch ich rate dir. 

192. swer ane svnde welle veruarn. 

193. ez vvr ein eben heriv diet 2, 150^ 

7. abtheilung, bL 32 rw. 
^^194. dO fro ere saz an ir gerihte, 
*195. ginge vngevuge vf von den nidern. 
'*'196. jch weiz wol daz ere iht mute. 
'*'197. geincke wil sich lazen vinden. 

* 198. stivre edel ritter dinem munde. * 
*199. vro werlt ir altet vn boset. 
*200. ez sprechent wol gezogene lüte. 
"^201. -i minne hat reht der sinnen craft. 

202. swa minne ein gougelspil wil machen. := 32 «r« 

203. swa zwene mvnde gernt gelich. ==: 31a. 
'^204. wer sol des einer vrowen danken. 
*205. man sol den vrowen minne eruleheii. . 

206. swa minne sluzet vnuerdrozzen. =: 33 ir. 
^"207. der hohesten zuht ein meislrinne. 
*208. swer vrowun diener wesen welle. 
*209. ein man der hoher minne lachet. 
^^210. schäm di man borget durch di geste. 
^211. jr vrowen swa di herren lazzen. 
^212. neronis volger vn erodis. 
"^213. man sagt der struz kunne isen slinden. 
*214. der tuvel ist ein lugenere. 
*215. so ich di ratg^ben des begruze. 

8. abtheUungy bL 36 vw. 
*2\%t der minniclichen vrowen twingen 
'*'217. daz von den wolgemuten wiben 
"^218. wil aber ir sehen so nahen reichen 
"^219. daz liebiv wip di man gewerten. 
*220. swa minniclicher vrowen gruzen. 

221. swa vrowun schone vnde vrowun gule. Hagen 3, 421* 



STROPHBNANP. DBR HEIDfiLB. LIE0BRSAMMLDN6BN. SS» 

222. -urch Uebi maniger wirt ze kinde. Hagen S^ 421^ 

'^223. -ich duhte ein trowe gecleidet wol. 

^^224. min vrowe der ich wol gutes gan. 

*225. der vrowen hören, der vrowen sehen. 

226. Waz hilfet mich daz ichzuvremedenvrSdenvar. 1, 165* 

227. Were ich na min als ich min e gewesen bin. Hgn i^ 309M 

228. Daz si mir ist so liep tete ir daz wol. MS. I, 165» 

229. So we dir werlt daz ich dir niht entrinnen mac. i, 166* 

230. Swer vrowen minne trvtet vn ir ere niht. Hgn 3, 421^! 
231 • Ein wol yersunne vrowe sol niht dienstes me Hgn 3, 422* 

'^232. Di iungen überwunden etswenne ir iugent. 

"^233. Swelch man di iar hat ane mvt. di doch manzitic sint. 

9. abtheiämg, bL 38 vw. 
*234. Vrone wahter nu wecke 

*235. Lat iv ir minne vnmere. 
*236. Vf dirre wilden werlte wart. 
"^237. Nach disen zwein svnden pflügen. 
^^238. Mannes herze in herren libe. 

10. abtheilungy bL 38 rw. 

239. Ez troumte des ist manic iar. MS, 1, 129* 

240. Die ueter habent ir kint erzogen. 

241. Wer zieret nu der eren sal. 

242. Owe dir werlte wi übel du stest. 1, 128* 

243. Nv wacht vns get zv der tac. 

244. Swer ane vorhte herregpt. 1, 12%^ 

245. Waz Wunders in der werlte uert. 1, 127'* 

246. Swer honbetsvnde vnt schände tvt. 1, 128^ 
1^47. Jvnc man in swelher ahte dv bist. 

248. Mit seiden mfze ich hivte vf sten. 1, 129* 

249. Der hof ze wiene sprach zv mir. 1, 129^ 

250. Mir ist verspart der seiden tor. 1, 128^ 

251. Vil wundern wol gemäht wip. 1, 118^ 

252. Ir houbet daz ist so wunnerich. 

253. Got het ir wengel hohen vliz. 

254. Si hat ein kvssen daz ist rot. 

255. Ir arme, ir hende. itweder ir vuz. 

256. Ich höre iv so vil der tagende iehen. 1, 114* 

Auf der hälße des ßinften quatems abgebroc/Oin 
mit den Worten kvnd ich leben, min 

22' 



310 JSTROraBNANP. DER HEIDELB. LIBDBRSAlilfLDNOBN. 

d. Von späterer kand^ bL 41 vw. 
i. nein ynde ia daz ist min eit. Docens müc. 1, 115; 

2. wEr koppen orden niet virbirt. 

d. Von einer dritten hand, bl. 42 rw. 

3. Min freude wert niht lange Hagen 2, 351^ 

4. Maria kuniginne. Hagen 2, 352^ 

5. Der dot wil hie verdringen. Hagen 2, 352* 

H. Sammlung geistlicher lieder, in breiter sächsi- 
scher schrißy der Sammlung D angebunden^ {Hei' 
delb. hs. 350, W.43— 64). 
*1* Wa sintnu alle die uon minnin sungin.e. Hagen Z^AhV 

2. Godherreuonanegengegod. unde auch ane ende gar.2^212^ 

3. Lob nach gode daz hohste. solle wir gebin der bohin med. 

4. Uns bezeichint der glaube daz anegenge si. [2, 213" 

5. Hz einem werte wus ein god der doch ie wesinde was. 

MiÜler 422. 
*6. Des boldirbaumis smag hat einin unadilichin smag. 
7. Ir engele hohit uwin sang. 2, 151^ ' 
'*'8. Maria dir wart gekunt 
*9. Dru groze wundir die sint beshribin. 
*10. Waz man von allin creaturin seit. 
*11. Uli wundir wundirlichir got. 
*12. Wol ieme der den bestin phat 

13. Man siehit nach gode ein bilde malin martiluar. =:116i!ir. 

14. Maria godis dohtir inudir lebindig brut. Hagen 2, 343^ 

15. 8wer godis brot wil niezin. und sin blut dar zu. = llTiT. 

16. Mieman sal sinis leidis also drurig wesin Hagen 3, .125* 
^17. Ein rieh gewaltig hoher kunig was hie benor. 

*18. Uil maniger noch besitzit sins uadir laut. 

*19. Gredenkit hohe furstin richir lande wit. 

20. War sint die Bebeste komin wa ist ir gewalt. ÜJ^ 3,125* 

21. Ich clage den uatir vor. ich clage die muter nach. Hagen 
*22. Moyses der rette ane allin haz. [3, 125^ 
^^23. Sit dich diz wunder umme ied. 

*24. Nf stat der walt mid füre gar. 






ich habe diese Sammlung früher zuweilen unter der heseichnung 
H ang^hrt; wodurch einem Zufall mehr als hillig ehre geschieht. 



STROPHBNANP. DER HEIDBLB. LIEDERSAMMLDNCBN. 341 

*25. Moyses dir wirt uon mir geset. 
"^26. Moyses der fragete für baz. 
*%7. Daz riebe sibin furstin bat. 
*28. Uor drizig iarin stunt iz baz 
*29. AYt Maria god in ewekeide. 
"^30. A¥e Maria mutir allir gnade. 
"^31. AVe Maria. Gabrielis gruzin. 
*32. AVe 'Maria, wer zu dir gedingit« 
"^33. AVe Maria, waz man von dir singin. 
*34. AVe Maria reinir spilindir sunne. 
'^35t. AVe Maria waz. d& gnade enpbienge. 
'^'36. AV« Maria, wol dir ganzir wunne. 
'^ 37. AVe Maria wundirlicbiz wundir.. 
*38. AVe Maria allir inegede frauwe. 
'''39.. AVe Maria- iemerlichis smerzin. 
^^"40. AVe Maria dinis berzin .sere. 
*AU AVe Maria suzir mandilkerne. 
"^42. AVe Maria, diz Jüdin gesiebte. 
*43« AVe Maria*, da non wart iiibt wnndir. 
'''44. AVe Maria. Got is ein griintiieste. 
'^45. AVe .Maria lebinde biemil spise. 
'^46. AVe Maria, zarte magt stete. 
"'47. AVe Maria, firoude manigfeltig. 
^^48. AVe Maria: uon yesse du gerte. 
^^49. AVe Maria mutir ane swere. 
*Ö0. AVe Maria. Wir warin üernibtit. 
*öl. AVe Maria. Nu ist bicn gesbeidin. 
*52. AVe Maria. Wer din maget gedenkit. 
*53. AVe Maria, aaronis i*ute. 
*54. AVe Maria reinir morgin steme. 
*55. AVe Maria. Magit wis ein Urkunde. 
*56. AVe Maria, lutir sint dine augin. 
* 57. AVe Maria. Reine frauwe wise. 
*58. AVe Maria. Wer ist isie die g&te. 
*59. AVe Maria. Sbnr der ungerebtin. 
*60. AVe Maria. Bit din kint daz reine. 
*61. AVe Maria, unsir beil besundir. 
"^62. AVe Maria. Grünt rebus glaubin. 
*63. AVe Maria. La dicb frauwe erbarmin. 



342 STI^HBNANP. DER HEIDBLB. LIEDERSAMMLUNeSN. 

*64. AVe Maria Rose in meien dauwc. 

*65. AVe Maria, wazzir für luft erde 

*66. AVe Maria, magit min lebin krankit. 

*67. AVe Maria. La mich niht uergezzin. 

*68. AVe Maria. Vor deme grozin zorne. 

*69. KVa din grozir widir mut. 

*70. Ave in gotis orin was. 

*7I. Eva daz ich mit fluche dir. 

*72. Ave du hohir erin hort. 

^^73. Eva du bist die erste gewesin. 

*74. Gehouit uerhonit unde ungehouit. 

*75. Uerhofter shalg waz sol din lebin. 

*76. Ich wil deme ungehoftin man. 

*77. God hat ime rehtin sin gegebin. 

*78. Dvrch god du sage mir meistir min. 

*79. TSOe der werde sich, in ganzin druwin hielt. 

*80. Uon winis kraft der aide in grozem freisin lag. -^ 

*81. Sem bot deme altin da er lag die linctin bant. 

*82. Ein kunig der geWaltis pligt. unde rehtis gert. 

*83. Uon einis wibis shone hub sich üngemabh. 

*84. God der wol alle sache shone riehtin kan. 

*85. Dauid der kunig leite da zu felde sich. 

•'^86. Saul der den risin bette der der krefte wietl. 

*87. Dauid die krönen alsus minnicliche erwarb. 

88. Gewalt mag meldin undirstan. MS. 2, 127^ 

89. Da miane menshin mut besaz. ir wunder weite dobin. 

[2, 177* 
"^OO. Da minne menschin mut besaz. sich hfib nnstedekeil. 

*91. • uf grozin ungewin. 

♦92. ir wnndir warin vil. 

*93. ^e lietle sie da uor. 

♦94, e. was sie wordin knnt. 

♦95. . uf wandillichin ker. 

♦96. — Dauid daz wart dir knnt. 

nach dem 59» fehlt ein blatte das 18« der sammbeng 
Hy d. h, drei ganze Strophen, 
MOO. bide Maria kunegin. 

*iOi. Da minne menshin mut besaz. sie wart Paulo bekant. 
*102. Petre waz det sie dir. 



STROPHBNANF. DER HEIOBLB. LIBDBRSAlOpJDNWN. 348 

*103. Da minne menschin mät besaz. ir sin was wandeis fri. 

*104» wer hclte sie uz gesant. 

*105. wie sie do deute sich« 

M06. AVe Maria. Mutir allir seiekeit. 
^^107. AVe Maria. Waz der creaturin lebt. 
'^lOS. AVe Maria. Magit du bist gnadin foi. 
^109. AVe Maria, zuht bi dir gehusit hat. 
"^110. AVe Maria. Tempil der driualdekeit. 
*111. AVe Maria. Mit dir ist der godis Thron. 
'^112. AVe Maria. Wol dem minnenclichin dage* 
'^ild. AVe Maria. Minninclichir morgin rot. . 
*114. AVe Maria. Gnade minnencliche magit. 
''HS. E Godis herze breche uon des dodis kraft» 

116. Man siehitnach gode ein bilde malin martiluar.s=13/f. 

117. Wer gotis brot wil niezin. unde sinblutdarzu. :=: 15/f. 

118. Ich sehe dich sheppher aller shepphenunge god. Hagen 

119. Maria godis dohtir muter lebindig brul. = 14ff> [3} 111^ 
bis zu den worten shrine. der dropphin durch die 
nach dem 63i2 feUt ein blatt, das 23to der Samm- 
lung H, 

die anderthalb .erstSh spalten des 64n blaHtes sind 
beschrieben, aber die schrift ist ausgekraM* hier 
eine probe ^ Das seste sprich. und6 mane mich daz 
ich an deme crfice schrei, mich durstet» niht nach 
liblichir krancheit. snndir naoh des menshin h^He. 
Daz siebinde sprich unde mane mich da^ich ge- 
drank 

A. Von späterer hand, bL 64 rw* 
1. Ih'c du wund^rere. MS. 2, 171^ 
S. Trost al der cristenheit. 2, !72* - 
3. Ob allen fw'en fw'e. 2, 170\ 

« 

jR. Lieder von Regenbog Mamer und Frauenlob, auf 
vier perganientblättem, den vorhergehenden Samm- 
lungen D und H angebunden in der Heidelbergi- 
sehen handschriß 360^ bL 65 — 68. 
1. Hie hebet sich an d^ Regepog in sin* langen weis. 
Ich hazze ivch ivden svnder mazze Hagen 3, 351* 



344 STROPHBNANF. DER HEIDELB. LISDERSAlfULUNGEN. 

2. Aber der Regenpog sin langweis. 
Wol her an mich welch ivd ist weise 

3. Aber sa der Regenpog di langweis. 

Jvd gelavbstv daz got hiel vn erden Hagen 3, 351^ 

4. AUez der Regenpog in siner langen weis. 

* Da kvnic pharao niht lazzen wolde 

5. Der Regenpog di langweis 

Jvd waistv waz pharaq bedevte. Hagen 3, 353^ 

6. Aber sa der Regenpog sin langer w6is. 
Pharao gelich ich lucif^n. 

7. Hie hebet sich an d* Marener in siner langen weis 

* Di moler molent an ein want 

8. D* mam* sin langweis . 

* Ein tyer so fremdz ich nie gesach 

9. Aber sa der Mamer sin langweis. 

* Johannes in ein latem sach 
tO. Mam* langweis. 

* Ich pinz ein moi^en rotiv prehen 
ii. Allez der Mam* sein langer weis 

* Maria lihter himel ran. 

12. Aber sa allez der Mamef sin langweisf 

* Maria höhst* himelhort 

13. Allez d' Mam' di langweis. 

Maria plrendez mandelreis MS. 2, 173^ . 

14. Der firowelop sin zartir weis 

* Maria rainer magetfm. 

15. D* frowenlop zartweis 

* Got seit deinger drei in ein crantz. 

16. Aber der frowenlop di zart weis. 

* 8m dr pist srn. sm erbes kint. 

LACHMAMN. 



i^ ^^^ • 345 



STROPHENANFANGE DER XXIV. UND XXV. 

ABTHEILUNG DER WÜRZBURGER 

HANDSCHRIFT (Ee). 

E. Hie hebent sich die lieder an des meist^s Ton der 
vogelweide hern walthers. bl. 168 rw.^ 

1. mir tut einer slahte wille = MS. 1, 138* 

2. Dicke dunke ich mich so stete 

3. Wii er mich verraiden mere. 

4. Ich getar vor tusent sorgen. 

5. Sit daz im die besten iehen. 

6. her walther. so, oder her walther von der vogelweide 

oder walther vor Jedem neuen ton. 
Der riffe tet den deinen vogelin we. 1, 138^ 

7. Uns hat der winter.kah vn andere not. 

8. Uersumde ich disen wnnnenclichen tac. 

9. Kerre got gesegene mich vor sorgen. 

10. AI min fraude lit an einem wibe. 

11. Als ich vnder wilen z^ ir gesitze« 

12. BKan sol gutes mannes wirdekeit. 1, 114* 

13. Ich bin als vnschedelichen fro. 

14. Manig* truret dem doch wol geschiht. 

15. Als ich mit gedanken fmme var. 

* 16. lia waz wirt der kleinen vogelin. 

*17. Owe daz ich also verre. 

*18. Wil sie wider sie lange striten. 

^19. Tumbe lute nement mich besunder. - 

"'20. lieh wil immer singen 

*21. Sie sint verborgen 

22. Frauwe ich wil mit hulden 1, 57' 

^^23. Nieman sol daz rechen 

*24. Mch' han ir gedienet 

25. Minne hat sich an genüme. 1, 120^ 

26. Minne sol daz nemen für gut. 

27. Minne hat noch einen site. 

28. Mch han ir so wol gesprochen. 1, 113'' 

29. Frauwe minne ich clage fch mere. 1, 114^ 



»16 . STROPHENANP. DER WURZB. HS. 

30. Frauwe lat sis niht geniezzen 
81. Frauwe minne ir sult mir Ionen. 
82* Ich bin fwer vrowe minne* 1, 137^ 

33. mir sagt ein enlender bilgerin. 1, 33^ 

34. Got der gebe der lieben guten tac. 

35. Si bat mich do ich iungest von ir schiet. 

36. Waz ob mich ein böte versfimde gar. 

37. Miner sinne ich do halber vergaz. 
88. IWil aber ieman wesen fro. 1, 114*" 
89* Wie die selde cleiden kan 

40. Vrauwe als ich gedenke an dich.- 

41. Swer verholne swere trage. 

42. Ilaz ich dich so selten gruzze. 1,139^ 
43» Ingesach nie tage slichen. 

44. Dt solt eine rede yermiden 

45. Win frauwe ist ein vnselic wip. i, IIB* 

46. Owe miner wunnenclichen tage 

47. Ingesach nie haubet baz gezogen. 
*48. Si hat mir bescheiden vi! manigen tac. 
*49. Maniger claget sin frauwe spreche nein. 
*50. Hertze liebez frauwelin. 

51. BVauwe nement disen crantz 1, 125* 

52. Frauwe ir sit so wol getan. 

53. Sie nam daiz ich ir bot. 

54. Mir ist von ir geschehen. 1, 136^ 

55. Die mir disen winter fraude bat benüme. 

56. Zwene herzeliche fluche kan ich doch. 

57. Herrent vn frunt nu ratent mir. 

58. Hertzeliebez frauwelin. 1, 117" 

59. Si verwizzent mir daz ich 

60. Bi der schöne ist dicke haz. 

61. Ich vertrage als ich vertruc. 

62. Hastu truwe vn stetikeit. 1, 11 7*' 

63. Bin ich dir vnmere 

64. Frauwe des yersinne 

65. Sol daz sin diu hüte. 
*66. Sie beginnent alle 

67. mich nimet immer wunder waz. ein wip 1, 189* 

68. Habe ir ieman iht von mir ^elo^en. 



smOPHENANP. DER WUHZB. HS. im 

69. Da sie wonet do wonent wol tusent mao. 

70. Wil sie fuge für die schöoe neme 

71. Lat f sagen wie ez fmme ir zauber stat. 
*72. Mch han die zit wol gesehen ander linden« 
*7g. Swaz grünes was. daz blichet besunder. 
*n. Alz ez nu stat so ist es z^ sorgen 

*75. Swer wip wil sehen, beide schöne vn wise. 
*76. Da mac ein man. wol yerliesen die sinne. 
*77. Sie selic wip. daz ich so lange mide 

78. Vrauwe ir lat fch nit v^ri^^zze 1, 106* 

79. Ich muz f z^ redene gunnen 1, 106^ 

80. Frauwe daz wil ich f leren. 

81. Beide schauwen vn gruzzen. 

82. Frauwe daz wil ich so wagen. 

83. üange swigen bete ich gedaht 1, 424*" 

84. Höret wunder wie mir ist geschehen 

85. Sol ich in ir dienste werden alt. 

. 86. Do mich duhte. daz sie were gut. 

87. Vwe waz sie fluche leiden sol. 
"'88. JFarlanc sint die tage trübe. 
*89. Sumer du hast manige gute. 
*90. Winter du hast lange nebte. 
*91. Ligens an angest vn warme. 
^^92. Wol bedurfte ich guter sinne. 

93. Bi den Ifiten nieman hat. 1, 139** 

94. Leider ich muz mich entwenen. 

95. Maniger wenet der mich siht. 

96. Ich han ir gedienet viL 

97. lehn weiz wie iz erwerben mac. 

98. IlTer gesach ie bezzer iar. 

99. Swa so liep bi liebe lit. 

iOO. Ich wil einer helfen clagen. 1, 140* 

101. Mr sult alle sprechen .wilküme 1, 119** 

102. Ich wil tuschen frauwen sagen. 

103. Von der elbe biz an den rin. 

104. Falsches volk ist gar betrogen 

105. Ich han lande yil gesehen. 

106. liTie han ich vil selig man. = 9 jP. 
^^107. Were ich bi ir tusent iar. 



348 STROPHENANP. DER WUBZB. BS. 

*108. Eines dioges prise ich sie. 
*I09. KJtnde ich des geoiezzea iht. 

110. leb bin DU so rebte firo. 1, UO* 

111. Icbn ucb die guten nie 

112. Disen vnnnenelicben sanc. 

113. DazQ Unde niemau mir ^ 

114. HAra walther wie ez mir slat. 
11&. 'VWer mac dir gewarten t, 120'' 

116. Dv hast guter dinge vil. 

117. Werit du solt uiht 

118. Werlt tä des ich dich bit«. 
*119. Werlt wie lange sol ich gem. 
*I20. Ich bau ir gediebet so 

121. Air bat enboten ürauwe gut. 1, 182^ 

122. Dv solt im böte minen dienst sagen. 

123. Do ich der rede- atrerst began.. 

124. Swergibtdäzminnesünitesi. =29*1^ (stitschr. lytSl) 

125. dot gebe ir immer gäten tac. 1, 140*^ 

126. Ich were- dicke gerne fro. 1, 140** 

127. Got bat vil wol ze mir getan. 

128. Ez tut mir iunencliehe we. 

129. Sit daz ich eigenÜchen strf. 

130. Weder ist ez fbel oder ist ez gät. 

131. Vwie kummet daz ich so manigem man 

132. Sie sehe daz sie inttS siob bewar. l,.|4i* . 

133. Swie noch min frande an.zwifel stat. 

134. Gnäge kfinnen deste baz 

135. !Die grisen wolten mich des fber kümen. 

136. Min.'ange michel' wunder- siht. ." . 

137. Hie bevor dos alle waren fro. • 
1S8> Sieb bub ein vngefäger zom 1, 164* 

139. Zehant do sie versundeli sich. 

140. Sie git vns immer fraude vii. 

141. Wenne daz ich sinnenclicben tobe. 

142. Ez wizzea alle lüte nibt. 1, 165" 

143. Mch bau ein berlze daz mir noch sol 1, 165^ 

144. Sol mir nu leide von ir geschehen. 

145. Der vngezogenen ist so vil. 
* 146. Uil setic man gedenke min 



STROPHENANP. DER WÜRZB. ES. 349 

47. Die liebes wal vö wehsei iian. * 

48. Mch lebet ir wol vn ane nit. 1, 115* 

49. Noch dulte ich taugenlichen schaden (/• haz) 

50. Mac ieman deste wiser sin. 

51. Min frauwe ist under wiln hie 1, 11 5*" 
51t Mch fraude belfeloser man. 1^ 119* 
58. Yil minnecliche minne ich han 

54. Genade firauwe minne ich v&ge 

55. Gnade riebe minne la. 

56. Df selde teilet fmme sich mich. 

• • •• 

57. Saget mir ieman waz ist minne. 1, 123* 

58. Ob ich rehte raten kunne 

59. Frauwe ich trage ein teil z^ swere. 

60. Ich wil also singen immer. = 48 F. 

61. Kan min frauwe suzze suzzen 1, 123* 

62. Die schamelosen liezzen sie mich ane not. 1, 1122^ 

63. Wie wol der beide ir manicvalte yarwe stat. 1,122* 

64. Ich mac der guten niht vergezzen noch ensol 

65. JDie zwifelere sprechent ez si allez tot 1, 120* 

66. Ich wände daz sie were missewende fri. 

67. Ich han f gar gesaget daz ir misse stat. 1, 120^ 

68. Der also gutes wibes gerte als ich da ger. 

69. Die losen schelten guten wiben minen sanc. 

70. Ich höre f so vil der tugende iehen^ 1, 115^ 

71. Könde ich die mazze als ich enkan. 1, 116* 

72. Sie wöllent daz die stetikeit. 

73. Ich sage f wer vns wol behaget. 

74. Mch wil teiln e ich var 1, 115^ 

75. Sit mir denne nit mer werden mac. = 31 f. 

76. Man mac wol offenbare sehen. =: 30 F. 

77. Ich han vil deine andir beiaget. = 32 F. 

78. Mch wil nu mer vf ir genade wesen fro. 

79. Ich wünsche so werde daz ich noch gelige. 

80. Min-yngemach daz ich durch sie erliden han. 

81. Owe daz mir so maniger missebieten sol. 

82. So die blumen vz dem grase dringen. 1, 116* 

83. Swa ein edele frauwe schone vn reine. 

84. Aller werdekeit ein fugerinne. 



390 STROPHBNANF. DER WURZB. HS. 

185. Nider minne heizzet die da swachet. - 

186. W61 dan ir sult die warheit. schauwen. 

187. Mch was leidic vor allen wiben. = 38 F. 

188. Man saget mir daz lute sterben. 1, 10* 

189. Wer hat ir gesaget mere. 1, 10^ 

190. Mir gat einez ime hertzen. 

*191. Waz wirret daz sie mich verneine. 
*192. IlTölt der wint* schier zer gan. 
^^193. Ich wünsche daz der winter zerge. 

194. Möhtich verslaffen des winters zit. 1, 113^ 

195. Vns hat der winter geschadet vber al. 
'^196. Swaz mir nu wirret des wirt allez rat. 

197. -in meister las 1, 141^ 

198. Ein tammer wan. 

199. Ywie sol. ein man 
200« Heiliger krist 

201 • A.lrerst sihe ich mir werde. 1, 104* 
^202. Me daüne tusent hundert wunder 

203. Sch&ne lant rieh yh here. 

204. Sit liez er sich taufen. 1, 104^ 
J^05. Daunen für er hin zer helle 

206. Do er den tufel dort geschande. * 

207. Cristen ijiden 

208. In diz lant hat er gesprochen 

209. Ynser lantrihtere rihten. 

210. Ir lat fch niht verdriezzen. 

211. Dar nach was er in dem lande 1, 105* 

212. Owe wa sint verswunden alle mine iar. 1, 141^ 
bis also ob ez si gelogen, die mine 

nach dem ISOn blatt fehlen sieben, im repertorium der 
handschrift bl. 2 vw. sieht xxiiij. Lid^ h'n walth*s 
vö d' vogelweide vnd binde nach ein getibt des Ru- 
phermäs. 

E. bL 181 VW. nach dem repertorium bL 2 w». 
Hern Repnai^ lied\ vnd hindenach vö alle sin^n ey 
lobelich rede, lupoides hornburgs vö roteb^g, 

213. also dar. vn hüten daz sie noch erwuten=Reim. 7%B. 

214. Mich genidet nimmer selic man. = 79 B. 



STROPHENANF. DER WURZB. HS. SM 

215. Ich wene ieman lebe, er habe ein leit. = 80 B. 

216. *Mir ist lieber daz ir ir enper. = 81 £. 
'^217. lo.engieDc ir Die daz icb gesprach.* 

218. h* reymar, so vor jedem tone, vor dem folgenden steht 

von späterer hand 13. sie zählt 46 lieder ff^althers 
bis an die lücke, und 44 Reimars. 
. ich faan varender frauden vil 1, 70* 

219. Lide ich not vn erbeit. 

220. Dax ich ir gediente ie tac. 1, 70^ 

221. Nie wart grözzar vngemach. 

222. Ich han immer teil an ir. . '** 

223. Mch gehabe mich woh vn enruchte ie dpch. 

224. Ez erlnurmet mich daz sie alle iehent. 
' 225. Ich bin aller dinge ein selic man. 

226. Die ich mir zf fravden bete erkom, 1, 82*" 

227. Treit mir ieman taagenlichen haz. 1, 71* ' « 
'*'228. Ich wil immer gerner fmme sehen. 

229. Miieber böte nu wirbe also. 1, 71^ 

230. Frage er wie ich mich gehabe. Hagen 1> 186** 

231. Sprech er daz er w611e her. 1, 71** - 

232. Des. er gert daz ist der tat. 
^^233. Dax ich also vil do von 

234. Mch tun mit disen dingen niht. 1, 80* 

235. Do ich frauden mich versach 

236. Uerliesen mich die fraude gern 

237. Ich bau in anders niht getan. 

238. Wie bin aber ich alsus gar verzaget. 1, 80^ 
"^239. Ich solt beliben si. 

^240. Wes versum ich tummer man. 

* ist diese strophe vielleicht irgendwo in der hagensehen samm' 
lung versteckt^ so kann ich sie wenigstens nicht finden. 

lo engienc ir nie daz ich gesprach. 
80 nahen daz ez were ihtes wert, 
sol mich daz veriagen daz ich sie sach. 
* vn ich auch ihtes dor vnder han gefert. 

daz ich solte han verswigen. 
owe wie ist daz gedigen 
vnschone. 

nach so cleime lone. 
hon ich selten noch genigen. 




352 STKOPHENANF. DEK WURZB. HS. 

•241. We daz sie so maQiger sibt. 

242. Swaz in allea landea 1, 68'' 

243. Sie hat selten 

244. Nieman immer verweste 

245. Miub betwanc ein mere. 

246. Ich M-il allez gaben. 

247. mir ist ein not Tor ailem mime leide. 

248. niht en vinde ich truwen dest ein ende. 

249. Swie dicke ich gefrege guter mere. 

250. Wol den äugen die daz wellen können. 
'251. Daz ein man der ie mit bdsem mute. 

252. ISertzelicber fraude wart mir nie so not. 1, 

253. Waz vmmaze ist daz ob ich han gesworn 

254. lehn gesprach nie daz ai an mir tete wol. Hgn 1, 199' 

255. Ungefüger schimpf bcstet mich alle tage. MS. 1, 82. 
*258. Waz ich hflser handelunge han. erliden 

257. Ich was vro \n bin daz vntz an minen tot. 1, 68' 

258. Ion singe ich zwarc durch mich eine niht. 

259. Ich wil aller der empem die min empern 
*260. Ich bin von minen iarn 

261. Waz ich dulde an mime libe. Hagen 3, SIS"- 

262. West ich rehte wie ez were Hagen 3, 318* 
*263. Ez ist allez an ir eine. 

264. Ich gesach nie wip so stele. Hagen 3, 318^ 

265. We war vmme Irnrn wir. MS. 1, 180^ 

266. Daz ein wip getruwe si. 

267. Die enwil mich niht gewern. 

268. Keht ist daz ein seüc man. 

269. ^Vest ich wo man frauden pflege. 1, 72.4 

270. Wil aber ieman guter lachen. 
*271. Der ie kam an liebe stat. 
'272. Ich gedinge vf der vil guten rat,* 

* auch diese Strophen kann ich i'n der hagensr.htn tammlttng tn 
ßnden. 

Der ie kam an liebe gtat. 
der bute sirh 
— mioer frauile was vil unch mal, 

wenne doz got mich 
brahte vx grozzer not. 



■ STBOPHENAJVF. DER WÜRZB. HS. 

273. Anc swere 1, 83* 

274. Mio geselle 

275. Min gedinge 

276. Wol den üben 

277. Ich wer Stele 

278. Zu dem scheiden 

279. An miDer bestea Iraade ich saz. l, 74' 

280. Hete ich zv dirre summ'zit. 

281. Ein missebieten tut mir niht 1, 75* 

282. Ich han nach wane dicke wol 1, 77' 
£83. Dem ich so nianiger eren sol. 1, 78* 
284. Cewaa ich ie dekeineii miit 1, 62'' 

2S5. Wie ist ime ze mute wundert mich. 1, 62* 
286. Do sprecheDS zit was wider die wip. 1, 62'' 
'9f287. Die liehe hat ir varende gut. 1, 63' 

288. Owe trurn vn clagen. 1, G3'' 

289. Ime ist vil wol der mac gesagen. 1, 63' 

290. So ez iergen nahet dem tage 

291. Der lange süzze kummer min. 1, 67' 

292. Mac sie mich doch lazzen sehen. 1, 68' 

293. Wa nu gelrüwer friinde rat. 1, 67'' 

294. Daz sie mich als vnwerden habe. 

295. Owe daz alle die nu leben. 

296. Ein rede der lüte tut mir we. 

297. Ich wirbc vmme allez daz ein man 1, 64*' 

298. Sie ist mir liep vn dunkel mich. 1, 65' 

299. Als etswenne mir der mut. 1, 64'' 

300. Swaz iar ich noch ze lebeue han 1, 65' 

301. Mac ich daz mirs min selde gan. 1, 64'' 

302. Uaz ich min leit so lange clage. 1, 64' 

gedeakea waz si mir gebot. 
ilo in fcrozzed sorgen stänt min lip. 
Ich gediajc vf der vil guten rat. 
als Act lüt. 

der sieb nleman ledigeo lal, 
vf al sin gut. 
vn hnn mich selber dar 
Begeben 

ich leider aiatea nibtei. aus ist min leben. 
Z. V. D. A. lU. 23 



SM STROPBENANP. DER WURZB. BS. 

303. Gnade ist endelioben da. 1, 64'' 

304. Ich wil von ir niht ledic sin. 

305. Wol im daz er le Wirt geborn. 

306. Waz ich n&wer mere sage, 1, 66^ 

307. Die Lochgematen zihent mich, i, 67* 

308. So wol dir wip wie rein ein namfe. 

309. Zwei dine han ich mir fftr geleit. 
*310. Ob icb na tdn vn han ^tan. 

311. Blich höhet daz mich lange eriiSbeh sol. 1, 66' 

312. Wie mac mir ein wip so rehte liep gesin. 

319. Ich sach sie wer tt alder werelde !eit. 1, 68^ 
314. Owe daz ich einer rede vergaz. 

316. In disen bdsen Tngetruweo tagen. 

316. Der aldie werlt gerraawet ie baz denneicfa. 

317. Ich alte ie von tage ze läge. 1, 63^ 

318. Ma mich min sprechen niht enkan. 1, 64* - 

310. So vil als icb gesano nie man. 

320. West icb nibt daz sie mich mac. 

321. lehn wände niht ez were spot. 1,63**. 

322. Daz beste daz ieman gespracb. 1, 65' 

323. Hets ich der gnten ie gelogen. I, 63^ 

324. Wie dicke ich in den sorgen 

325. Min rsde ist also nahen kommen, i, 65* 

326. Eya wiser man sol niht ze vil. I, 66* 

327. Sie iebent daz die stete sie ein tngeal. 

328. War fmme f&gent sie mir leit. 

329. T&t ein leit naeii liebe we. 1, 67* 
330- Des einen vn deheines me. 

331. Ich weiz den wec nu lange wol. 1, 66^ 

332. leb lebte ie nach der Inte sage. 1, 62^ 

333. Ist daz mich dienest helfen sol. 1, 63* 

334. Wie kummet daz iuh so wol verstan 1, 124* 

335. Slir kämmet elswenne ein tac. 1, 62* 

336. Ich han vil ledelichen brabt 

337. Ich wirde iemerÜchen alt. 
*338. Möhte icb der werlde 

339. Des ich nu lange han gedahi. 1, 81* 

340. Spreche ein wip la senede not. 

341. ICr ist ril we daz ich sol sage. 



STROPHENANF. DER WURZB. HS. 355 

e. bl. 189 vw.^ Anhang, van derselben hund ge- 
ichrieben, vor jedem ton steht h* reymar, nur 
nicht 350. 

342. Miop der reinen wibe mac 1, 170^ 

343. An der ich mit truwen bin. 

344. Wie ist die werlt also verzaget. 
*345. Ein vil hober nfiwer wan. 
*346. mir ist der werlde vnstete. 
*347. Wiscr denne ich were. 

*348. Sol ich des engelten. 

'^349. Vn ergienge ez immer. 

*35D. Mcbn weiz waz ich singen sol. 

355. Wie tut die reine suzze also. 1, 76^ 
*352. lehn kumme des willen nimmer abe. 

353. Sprech ich nv daz mir wol gelungen were. 1, 76^ 
*354. Ich wil dir selic frauwe minneclicben singen. 

355. BDe vor do man so rehte minneclicben warp. 1,116^ 

356. Zwo fäge han ich doch swie vngefiige ich si. 1,117* 

357. Ich sage ^ waz vns den gemeinen schaden tat. 1, 116^ 

358. Wip mäz immer sin der wibe bAst* name. 

359. Ich sanc hie vor den wiben fmme iem blozzen gräz 

1, 117' 

360. 9Ev n&wen franden stat min mut. Hagen 3, 444* 
^361. Die wile schone mir zergat. 

362. Eren vn minneclicber schfine. 

363. Uon ir hohem werden lone. 

364. RKir ist geschehen als eime kindeline 1, 57* 
*365. Minne die der werlede ir fraude meret. 
*366. Groz angest han ich des gewunnen 

^367. Hoher wip von tugenden vn von sinnen, 

*368. "Wol mich lieber mere. 

*369. Blichn hazzet nieman. 

*370. sölte ich mine liebe 

*371. So sie mit dem balle 

*372. Herre wer hat sie begozzen mit der milche vn mit dem 

blute. 
*373. In gesach mit minen äugen nie kein mflndelin so here. 
*374. Weizgot ich het ir daz bizzen noch vergolten, in der 

oster wuchen. 
23* 



1 



356 $TRQPHENANF. DER WÜRZB. RS. 

*87S» We mir sin A^^ er mir ^so sere drauwet e? werde 

mir ze leide. 
*376. leb hete im alle wile ror gestan. ob mieh die httte liezze. 
Hie gen vz her^ Reymars lieber, vor dem leisten 
wort t!y^ vb^sebe. übergeschrieben^ ungeww ob van 
derselben hand die meist unbedeutendes richtig ge- 
befsert hat, 
f^on anderer hand ist das hier, bl. 191 rw^^ Jblgende 
gedieht Leupold Homburgs geschrieben, s. Docen 
im altd. museum 2 s.Z2. LACHMANN. 



STROPHENANFANGE DER LEIPZIGER 

HANDSCHRIFT. 

(Stadtbibliothek Rep. U 70 a, 14 Jh. perg. kleit^foHo.) 

bl. 91 VW.'' bis 9Svw.^ 

1. Alle scole is gar eyn wint. MS. 2, 142* 

2. Wa lust wa wnne wa spebe, Hagen 8, 150* 
*3. Wyp seiden bort der wnnen spil Hagen Zj 390* 
*4. Man vint in rote bleyge szam. 

5. Wa wiplicb wip liepUcb tougin lebin mä MS. 2, 155^ 

6. Wa blic an blicke yint sin art Hagen 3, 15|^ 

7. Ouwe dat mir gebristit. MS. 2, 240* 

8. Wer sin tfze wil instricken. Hagen 2, 314** 
*9. Den reynen wibin spreebin t wol Hagen 3, 418* 
10. Eyn man d* niet erwindin wil. MS. 2, }26^ 

'^ll. So zart inwart gebore nie wip. Hagen 3, 41S* 
'^12. Wat eman sayt wat miqe si. 

13. Eyn mine dyef d^ lieflieb stilt Hagen 3, 28' 
*14. Wa lyep dyeplicb lyep sieb hayt mit vmbe vaQffll Hagen 

15. Wer aller vrauwen w*dekeit, Hagen 2,184* [3,418^ 

16. So war icb varin vnt wat icb vrauwen ban gesien. MS. 

17. la müt d* lugtit als d* ligte rubi doyt. 1, 134^* [1» 1^5* 
*18. Dy* wol getane tuingil minin sendin Hp. Hg^ 3,129* 

19. Ir wisin mirkint wye mir sendin si geszien. MS. 1, 185* 
♦20. Rijt ader gayt eman geuangin adergebundin. ^^3,451* 
21. Der edil wise vri adam Hagen 2, 195* 

* herr von. der Hagen hat 3, 710* die Leipziger h$. vergeben. 



f 

*- 



STROPttENANtr. DfiR LVttPZlGBK ttS. 397 

t2* So Wk efd ftdam tfne eüa bait üfe^M 2, 195" 
39« Wa ;oit man hait ejn byderue trip 198^ 

*24. Ich han durch varen widelaiU viid sngtedoch fnd* künde. 

Haffen 3, 493* 

'^25. Ich bin wnt geuangen in geslozsin mit vil ringln 

\bL 93 VW. ^ bis 94 rw." Ich qnam da mit vreaden sab- 
sen 9 atrophen. Hagen 3, 441*] 

bl. 94 VW. *" bis 96 rw. * 

1. Ob allen wnder mirket wol ein wnder grois MS. 2, 232^ 

2. Wol zunt der edel stein in rodim golde. 2, 236* 

^^3. Der eren vogil. {so) dat ist d* szilt. in och siiert. Hgn 

4... Dvrch le^be mang* wirt zu kinde. ^d^^3,421^ [3,419* 

*!i. Sich wunder wol gemachit wip. Hagen 3, 419' 

*6. Eyn spegil diner augin si. 

7. Im duser wider werelde einvreude vert Hagen 2, 198* 

8« Dy* truwe vf eyner strasin voir. yntruwe ir widert reyt. 

Hagen 3, 4^ 
9. Vranwe ere het groissen szaden ir ciage is manichvalt. 

Hagen 3, 10^ 
10. Was sal eyn keiser ane recht, eyn pais ane barremüge. 

JUS. 2,179* 
*11. Eyn valke vfeyme strigge wart Hagen 3, 468 1»* 
* 12. Eyn wiser alder edil man hatte eyne valkin guot. Hagen 

3/4M^ 
13« Wa vrauwen schone, in vranwen gude. Hagen 3, 421* 
'^14. Kusche inder iugent. Hagen 3, 41 9^ 

15. We vrauwin mine trudit in ir ere niet. Hagen 3, 421^ 

16. Somelich* wiue vnstede. MS. 1,163* 
17» Wif was ie der hoiste name 1, 116^ 

18. Ich geuen vch vrauwen eyne rait Hagen 2, 184^ 

19. So hie so dort so alienthalue aUd. bU. 2,121. Hagen 

3, 419^ 

20. Of al der werilde gar geweldich were ein man. MS. 

2,230^ aM. 6//. 2,131 

21. Mjr is als ich niet leoende si. wan ich intnucken sere. 

MS. 2, 206'' 



358 STROPHENANP. DER LEIPZiGfiR HS. 

22. So wemir dumbir. datmich ymmer langir dage irdruzsit. 
*23. Ich sach eine vraawe mineclich. Hagen 3,419^ [2,207* 
*2A. Der vraawen ich vch bescheiden wil. 
"^25. Die Toglin de da sangen ir. 

26. 'Der eren spegil ist die schäm. MS. 2, 175^ 

27. Eynwailvsunnevrauwe. Salmetdienstisme 17^3,422* 

*^, Wer tore vfer beringe sezt. der bet de szale Floren. 

Hagen 3, 452* 
*29. Gut is gut das man vor eren niet in spart. Hgn 3, 420' 
30. Hut der eren zaliin stundin. Hagen ^^ A20^ {vergL%\%^) 
* 31 . Wer ceygit kunst da man ir niet erkenit. Hagen 3, 378^ 

mit dem ende dieser Strophe schliefst der temio. es 

folgen bl, 97 vw. " von anderer hand Strophen aus 

Dietrichs drachenkämpfen, mitten in der 29n dieser 

Strophen ist abgebrochen ttnd das iibrige des- bL 99 

VW. * leer gelafsm (vergl. grundr. s. 44). 

bl. 99 fw." bis 102 VW.*" folgt von derselben anderen 
hand Nr hört eyn clage von werden vrouwin Ütn 
iamer mach man. niet vol schauwen u.s.w. darauf, 
wie es scheint von anderer hand, Sibilla hait gespnn 
eben U.S.W. 9 5 Strophen, Hagen 3, 468 A. von der 
rückseite von bl. 102 sind anderthalb spalten teer. 

HAUPT. 



KLEINE BEITRAGE ZUH DEUTSCHEN 

MYTHOLOGIE. 

Alles biei^ mitgetbeilte stammt, wo nicht der ort der 
herknnft ausdrücklich bemerkt ist, aus dem Jüchsetbale bei 
Meiningen, im fränkischen theile der alten grafscbaft' Hen- 
neberg. 

1. ZAUBERSPRÜCHE. 

1. gegen den rothlauf. 

Hällemast, h6p dich auf, 
rAtlAf, setz dich drauf, 
ich' ha dich änn tak: 



ZUR D. MYTHOLOGIE. SM 

ha dti's joio* o tak. 
im rtömeu* s. w. 



.. ^* gl^g^i^ das . abnehmen. 

Mta nimmt einen reisigknüttel, tabi ihn, stellt ihn dann in 
«ine kächenecke and spricht dazu 

knöttel, ich fafs -dich, 

knöttel^ steä ! 

st6ä of änn bä! 

des änäme ha ich. ; 

ich hä^s änn tak:. 

ha in*» joar o tak.- 

3. gegen das aufblähen des viehes. 

Man pihi am karfreitag (andere sagen, am ersten ostertag) 
vor^der '^sonne 'sUnscbweigehd an fliefsendes wafseir, spult 
mit tor rechten band und dem rechten fiils. bis übers gelenk 
darin nnd spricht dazu 

daTs nirs derplatz, dafs nirs derpl6ä, 

bäTs ich AfaTs, bäfs ich As^ä. 

im ndme u, s. w. 
dann nimmt man wafser mit nach hause: es hält sich ein 
ganzes jähr und wird nicht stinkend, damit beYietzt man die 
band oft, wodurch die kraft erneuert wird und bis zum 
nächsten * karfreitag dauert, bestreicht man mit dieser band 
blähendes rieh, so hilft es. plötzlich. 

•4. hühnersegen. 

Um ein ericauftes huhn an das haus zu gewöhnen,* so dab 
es nicht wieder zu seinem früheren besitzer läuft, spricht 
man, indem man es um das rechte bein dreimal herumzieht, 

bähte', gew6 o mä hae, 

bi ich mä bse! 
. im n6me u. s. w. 



M0 ZUR D. MrrROLOfllB. 

r 

5. taubensegen. 

Aus dem Camburgischen. eine fremde taube zu gewöhnen 
däfff sie nicht wegfliegt, spricht man über sie 

taube, du sollst wohnen in vier wänden, 

wie die mutter gottes, in Marias bänden, 

wie das kind in ihrer demut^ 

wohl hier auf diesem gut. 

im namen u. s. w* 

6. gegen das alpdrücken. 

' Aus dem Meininger unterlande. 

das wallala 

alle berge durchtra, 

alle wäfser durchbät, 

alle bl6Üich ablät, 

(«nerdesse wörds tlk/ 
dieBe famid steht schon gedruckt in Emtterichb Mmijkpn 
taschenbuch(1800), mitgetheilt von Reinwald^ der bei walM^, 
das auf den alp es gehen seheint und vielleicht das wallende 
bedeutet, von Walhalla und ihi^eü göttern foseit« ans jenem 
taschenbuch nahm die formel L. Bechstein in seinen thfi- 
ringi^ei sägenschatz auf. 



%•. 



1 ÄB£:IlGLAUBfiN UND GEBRÄUCHE. 

1. wer am trinitatissonntage etwas, and sei es geriagtk) 
arbeitet, darein schlägt der blitz, daher stricken und nähen 
die firauen ungern an diesem tage. 

2. an der Rhön im fiisenachischen glaubt man, wenn 
^ im apälheffbsi noch einmal recht blitz! und dotineft, dall 
däilm die gewitter heim ziehen. ^ 

8a wenn die kiader im merz zum fenster hiaaiis sbImhi 
wollen, rufen ihnen die matter zu 'guck nett naus, der merz 
hackt dich.' 

4. wenn die kinder in den bninnen sehen, rufen die mfii- 
ter *guck nett nei, der wafsermö zerrt dich säst mit sann 
hlke ins wafs^.' 



ZUR D. HYTHOLOGIE. SM 

5. ali goti die blindsoUeiche geschaffen halte, Mgtt er 
sie was- sie nan than wolle, daraof antwortete sie 'ich werde 
das kind im mutterleibe nicht Tersehonen.' da machte sie 
gott blind« 

6. ein zeisignest^ das gewöhnlich auf erlenbänmen an 
bXehißn Tersteckt ist, kann niemand entdecken, anber wenn 
er den schatten desselben im wafser sieht, denn der zeisig 
legt ein kostbares steinohen in sein nest» wodurch es nn-* 
sichtbar wird. 

7. auf den wiesen zwischen Bithschenhansen und Wöl* 
fenhansen,.die Bibra genannt, befand sich sonst eine quelle. 
Ton 'der erzählt man, vor ungefähr dreifsig jähren habe ein 
mann in der henernte daraus getrunken, sich erkältet, nnd 
sei davon an der auszehrung erkrankt: jemehr er abzehrte 
desto mehr h^ibe das wafser abgenommen, und sobald er ge- 
storben sei habe das brünnlein aufgehört zu fliefsen nnd sei 
Ua jeizt nicht wieder zum Vorschein gekommen« 

9. man erzählt dafs als Vorzeichen der thenrung vom 
jähre 1817 brunnen an orten hervorgebrochen sein wo wv 
dir vorher noch nachher welche waren. 

9« Wenn die landleute zum ersten mal im frühling anfii 
feld zom ackern ziehen, so werden sie des abends bei ilurer 
rückkehr von ihren frauen oder kindern, junge bnrsdieo ge« 
wohnlich von mädchen, mit wafser bespritzt, das nennt man 
einweihen. 

10. man glaubt dafs sich im mai die wafser reinigen 
und dab die kröten die darin hemmschwimmen das winter- 
gift an sieb saugen« 

11. von der zunähme des tages im winter sagt man 

der tag nimmt zu 
Weihnachten eineu hahnenschrei, 
heilige drei könige einen hirschenspmng, 
■"^r lichtmess eine ganze stunde 

12* wenn von einer getreidefrucht daa letzte gedro» 
sehen Wird, so heifst der welcher mit dem dreschflegel den 
letzten schlag tbut je nach der getreideart kom-| weizen-^ 
baber*, gersten-, linsenesel und bekommt puffe» 

13. wenn man den kukuk zum ersten male schreien 
hört mufs man den geldbeutel schütteln t dann geht einem das 



3«. ZUR D. MYTHOLOGIE. 

guix«»jtlir das geld nicht aus. oder man mab sich auf der 
erde wüzen : dann bekommt man das jähr über keine kreuz- 
achmerzen und bleibt gesund. 

14. wem die hexe läuse angehext (6gemächt) hat, der 
muts auf einem kreu2weg oder grenzstein ein feuer machen 
und einen tiegd darüber setzen in den neuneriei holz öder 
neunerlei kräater getham worden sind, wenn dies kocht, 
muTs er mit einex sichel hinein hacken: dann bekommt die 
hexe leibschneiden (denn jeder hieb geht in ihren leib) und 
die läuse sterben ab* 

15. wenn jemandem läuse angemacht worden sind und 
man thut davon eine^ ungerade zahl in einen federkiel.'und 
wirft sie stillschweigend in ein offenes grab , so verge- 
ben sie.. 

16. das bluten einer wunde stillt man, wenn man einen 
stein aufhebt der. sich .fest in die erde eingedrückt hat, ihn 
dreimal übers kreuz, auf die wunde drückt so dafs isieh blat 
anhängt, und den stein 'gerade so wie er lag wieder in die 
Vertiefung drückt iso- dafs das bliit in die erde kommt. .; .. 

17. eine Schnittwunde eitert nicht und heih bald, wenn 
man das mefser mit dem man sich verwundete in eine leha- 
wand steckt, oder in ein stück speck, so dafs das Uut mit 
hinein kommt. 

18. schmerz im hohlen zahn heilt man mit einem aarf- 
nagel den man hinein stöfst bis blut daran hängt und dami 
io einen weidenbaum schlägt. 

19* wenn man vor Sonnenaufgang eine schwarze Schnecke 
stillschweigend aufhebt, einen kröpf dreimal damit bestreicht,; 
und sie dann an einen .dorn im freien felde spiefst oder in 
den Schlot hängt, so schwindet der kröpf jemehr die schneid 
zusammendorrt. • 

20. zwei Vorderpfoten eines mäulwurfes von einem mm* 
sehen mit den zahnen abgebifsen und in einen läppen genihl 
ohne sie mit den blofsen bänden zu berühren und dann an 
einer schnür den kindern um den hals gehängt erieichten 
das zahnen. 

21. wenn man einen jungen hasen im banse aufeieht 
um ihn zn mästen und. dann zu schlachten, so stirbt er oder 
reifst aus, wenn man den abend vorher sagt 'morgen soll 



ZUR D. MYTHOLOGIB. 38». 

er gef chkehtet werden. ' er kann aasreifsen selbst whb alle 
anigänge verschlorsen sind. 

22. wenn der storch der anf einem haose nistet im 
friiUing nicht wiederkehrt, so brennt es bald nieder, das 
weils der storch nnd deshalb bleibt er aus. dasselbe sagt 
man auch von den. schwalben. 

23. die mütter sagen zu den kindem 'wer das broi 
nicht anfifst, sondern wenn er satt ist das übrige wegwirft, 
der kommt in die höUe: da muts er steinerne klöbe eben 
und mistjauche trinken (her brüt ziibrengt, der kpmt in di 
h.öUa: da mufse stsenere. hüz e'fs on mistpfötsche Mnk)* 

24. osterwafser, früh vor Sonnenaufgang unangesprochen 
und abgewandtes gesiebtes geschöpft, hält sieb das ganze 
jähr ohne zu verderben, ist gut für böse äugen und vertreibt 
den kopfschmerz. 

' • 25«^ stirbt ein kind ungetauft oder wird «s todt gebo- 
ren, so wird ein Irrlicht daraus, um das zu verhüten mufs 
man es anf dem gottesacker unter die daehtraufb der kirche 
begraben. 

• 26. wena bei einem begräbnisse.das zeichen (d.i. das 
läuten mit der kleinsten glocke nach dem zweimaligen Un- 
ten der grofsen glocke und vor dem ausläuten mit allen 
glocken) geläutet wird und man ifst dazu, so fidlen die 
zahne ans. 

27. wenn unter dem läuten bei einem leiehenzug die 
uhr sehlägt, so stirbt bald jemand, auch wenn es unter dem 
gewöhnlichen täglichen läuten zwischen dem dreimaligen an- 
sehlagen zum gebete schlägt. 

. -28. schlägt die abr unter dem kindtaufläuten, so muTs 
das kind sterben. 

29. die weisen männer «nd franen* die sympalbie brao« 
eben, oder, blutstillen, sind hilflos und mfifsen sterben, wenn 
dieselbe krankheit sie befällt die sie zu besprechen verste- 
hen, sie können nur fremden leuten helfen, sich selbst, nicht* 

SO. wer das feuer besprechen kann, hinter .dem springt 
es her während er es bespricht und er mufs deshalb hurtig 
davonlaufen. * 

31. auf einen regenbogen darf man nicht mit fingern 
deuten, sonst wird er blafs und verliert sein licht, (sdit 



SM zm D. MYtBOLOttlB. 

den ^ehtig«ii nsgenbogen, aber naeh dem detttet Hiebt 3 
denn wer deutet ungewogen, mufs e# büraen^ wie man aprieht. 
Riiekerla Scbi-king a. 65). 

32. wenn die rosen im spätheri)8t noch einmal xn blU* 
han anfimgen^ sei es in einem garten oder anf dem goiiea« 
acker ; wenn die rfiben, besonders die rothen rüben (ninkeln) 
im kelier weifs aasschlagen (weifse blätter treiben), oder 
wenn im Feld auf einer rüben oder mnkelsattel, einem klee* 
dder Wicken- oder erbsenacker eine Staude weifie bl&tter 
bekommt^ oder anch nur wenn der untere theil der blätler 
weifs wird, so mufs jemand aus der familie sterilen anf de- 
ren eigenthnm dies geschieht. 

33. es gibt ein farrenkrant im walde das heifst irrkraot, 
manche nennen es auch otterkraut (atterkreuticb)« Wenn man 
ohne es zu sehen darüber schreitet, so verwirrt es den ko^ 
und man kennt weder weg noch steg mehr, selbst wenn man 
atlf den bekanntesten stellen des waldes ist. nm das irreg^ 
hrä feu yerhiiten mofs man sich niedersetzen und die aehidM 
wechseln oder, wenn es ein frauenzimmer ist, die sehärce 
abbinden und sie umgedreht anbinden 3 alsbald weilb man 
wieder den rechten weg. 

34. wer das ottenikrant bei sich trägt^ den verfelgw 
die Ottern so lange bis er es wegwirft. 

35. wer von der otter gestochen ist, der moTs aogleieb 
M eteen bacfa oder sonst ein wafser laufen, kommt er der 
oCier, die so oft sie gebirsen hat das wafser suchte aavisf) 
sd bleibt er leben $ kommt aber die otter ihm zuvor^ aomb 
er sterben. 

' '36. blnmen, wie levkoijen oder goldlack^ deren bluten 
voll werden sollen, müfsen im vollmond gesät werden | Üml 
man ei im neomond oder im abnehmenden mond^ so werden 
nUe blütett niu* einfach« 

37. gftttse die viel junge ausbringen sollen müfsen wä 
eitern, freitag im vollmond wenn es am meisten schlägt (mib* 
tags ttm Ü) gesetzt werden. 

38. klopfen und anderer schall schadet den gänsen beim 
brüten und die eier stehen ab. um das zu verhindern mnb 
mu ein gef&fa mit wafser neben das nest setzen^ deon war 
fiffir zieht den schall an. 



ZUR D. MYTHOLOGIE. 106 

39. wenn ein bahn ein windei (schä^Ue3 m) legtf mnrs 
man eß aber das haas werfen, sonst brennt das haoa niedQr- 

40. banns ofPätterkätt (Petri ketteqfei^r) rftot, fowört 
tenering, on bann alle steutUch voll m&l blinge. 

4f. vom Wetter bei Marienheimsochaiig gilt 
gfe'tt di Marie tracke nu (über das gebirg^), 
ze gettse näfs rus 
g^'ttse näfs nu, 
ze gettse tr&cke ru. 
42. banns of Gehannestak gitt rft, 
da r6nts dernacb noch v^rze t^^'; 
banns of Gehannestak gitt göfs, 
geroate nirt di häselnöfs. 
.43^ den lein mafs man drei tage vor oder drei tage 
nach Johanni säen, dann geräth der flachs, auf den tag io- 
hanni darf man aber keinen säen. 

Mn scheint lichtmess di sonn offen sts, 

so Word der floes (flachs) klsß. 
45. wenn die junge fran in das bans ihres mannes ein- 
zog hält, so mufs sie von den wdbern dreimal wn den herd 
und am den tisch, dann in den kelier und in alle gßniäcb^ 
des hanses geführt werden, weil sie ao sich eher einge- 
wöhnt. 

46» wenn eine fraa das erste mal ihr Wochenbett ver- 
l^t, mnfs sie des mannes rock anziehen, seinen hat auf- 
setzen« seinen gehstoek nehmen and von der hebamme sich 
ip allen stuben and gemächern des hauses herumfuhren lafseii. 

47. wenn der teig eingesäuert ist und man macht drei 
krenze mit dem finger darauf, so können difs hej^en nicht 
darüber. 

48. wenn beim buttern der rahm nicht gerätben will, 
so . mufs man ein dreikreuzmefser, einen erbsoblüfsel oder 
eine erbschere unter das fafs legen : dann mufs die hexe ab- 
llifsen und die bntter geräth. 

49. wenn man kinder die noch kein jähr alt sind oft 
küfst, so lernen sie das reden schwer oder stammeln. 

50. tritt man in ein haus, so mufs man sich, wenn 
auch nur ein wenig, setzen, sonst trägt man den leuten die 
ruhe hinaus. 



SM zun D. «nriDUid«; 

itH ftMiügam ng&Aitfgimt »• ■•*' , '^alen die katzen 

denn wer dmitet ongewiigBH, mOtt ' ^>> 

Rfiokorti Sohi-kiny t. ttjü - 1/ üi die hrtspor eines 

bM arihogMi Mi M *-' ■^Jß'itt dides mit nadeln sticht, 

•cker, ynvAiait^'J^^fifet bein. 

in keller w^ '^J^^O'^iritt eines diebes ansschneidet, 

wani i» üöW ,^ ^^'^'' "löchert, so zehrt der diefc ab 

**« **** .^^^ die trappe dürr ist. 

k«**** y ^^il'^ ^tus von einem ^wachse mit nnter die 

T<^ * ^'''ii^'^rtriorrt das ganze gewächs. 

VM '* ^^' it^A^ stirbt, müfsen alle bienenstöcke des 

* ^^ .!^ irerdeo, sonst verderben sie. 
' ^^ ^r***" ^'e tanben ans einem todteokopfe saufen, 
fi\^ sieb keine ans dem sdilage nnd fremde tanben 
^ flm lifb herzn. 

^Zi irenn es im ranhen (bIStlerlosen) wald donnert, so 
^^^ dies jähr die gänse nicht (banns in den raue will 
^^0%, geroate die g^ns n!rt). 

St- wenn das vieh gedeihen soll, darf man es nicht mit 
isebener band füllem. 

bienen die über gräber Siegen müfsen , ster- 
t0B ab. 

81. wenn es regnet and die sonne scheint dszu, so 
bleicht der tenfel seine grol^mntter. 

62. wer sich die band aufschneidet, in die Öffnung ein 
Stückchen Ton einem donnerkeile steckt, und sie dann xn- 
heilen Ufst, der kann mit einer einzigen ohrfeige den stiik- 
aten mann todt schlagen. 

tS. wenn das jüngste kind im hause beim buttern hilft, 
so geriltb die bulter gleich. 

04. kinder die die blamen sehr lieb haben, werden 
aicht alt. 

65. wenn das wütende beer unschädlich an einem Tor- 
iiber ziehen soll, so mufs man sich entweder auf die erde 
legen oder den köpf zwischen die Speichen eines Wagenra- 
des stecken. 

66. häuser mit zwei eingängen in gerade entgegenge- 
setzter richtnng, so dafs eine thüre auf der Vorderseite, die 



ZUR D. MYTHOLOGIE. 887 

andere aaf der hinterseite des haoses ist, sind dem durch- 
zöge des wütenden heeres aasgesetzt. 

k 67« wenn es dreizehn schlägt und die hiihnwr anAuigeB 

^s» kriben, so kommt der jüngste tag. 

I 

3. VERMISCHTES. 

1. zu mytb. 39 f. bei dem dorfe Neubrunn in JoiAse- 
tbale, zwei stunden oberhalb Meiningen, liegt ein mit buchen 
bewachsener berg von dem die säge geht dafs ein schlofs 
darauf gestanden habe und dafs der letzte ritter dieses schlofses 
mit seinem goldenen Schwerte auf dem berge begraben worden 
sei : dieser berg heifst Alberg {Oalbcerk). ist das vietleicbt 
alahperac? mit alt kann das wort nicht zusammenhängen, 
denn in jener gegend heifst das adjectivum atter, aU, all 
(z. b. en aller mö, en all ß*ä, en all kent [ein grofser 
mmisch' der sich kindis<;h beträgt]) mit dem bestimmten ar- 
tikel all (der, di, des^ all mö, ß*d, kent), das unflectijßrte 
adjectivum aber dlt (der mö es dlt). seltsam bleibt wie das 
Volk eine tradition von einer bürg an den berg kiuipfen 
konnte, da offenbar keine darauf gestanden hat. denn man 
ü^ nicht die geringsten spuren davon, selbst nicht einmal 
voa einem gründe ; die spitze ist viel za klein, der berg 
überhaupt für eine bürg ungeeignet; auch gibt es keine ge- 
schichtliche nachricht von einer bürg auf diesem: berge, 
von L. Bechstein erfuhr ich dafs der verstorbene buefadmeker 
Hartmann in Meiningen, der sich viel mit alterthumem be- 
schäftigte, ihm gesagt habe, es sei dort eine maUstätte ge- 
wesen ) woher aber dieser die nachriebt gehabt habe wüste 
er nicht, übrigens liegt auch eine stunde von Schleusingen 
ein kleines dorf das den namen Ahhtädt fuhrt. 

2. neben jenem berge, ja mit ihm zusanmienhängend 
liegt ein zweiter berg, genannt Dieterich, in der mundart 
di Ditterich, wobei das dt seltsam ist, da alle bergnamen 
jener gegend masculina sind, aber auch bei Meiningen heifst 
ein berg die Dieterich, ist die ein vereinzeltes niederdeut- 
sches die = der? 



966 ZUR D. MYTHOLOGIE. 

51. wenn einer falsch schwört, so henlen die katafen 
fSrehterlich. 

52« wenn man einen Sargnagel in die fofsspur eines 
diehes schlägt, so stirbt der dieb. 

53. wenn man den foTstritt eines diebes mit nadeln Sticht, 
so bekommt der dieb ein lahmes bein. 

54. wenn man den farstritt eines diebes ausschneidet, 
in ein säckchen steckt und räuchert, so zehrt der dieb ab 
und stirbt endlich wenn die trappe dürr ist. 

55. wenn ein todter von einem gewächse mit unter die 
erde bekommt, so verdorrt das ganze gewächs. 

56. wenn jemand stirbt, müfsen alle bienenstöcke des 
hauseff verräckt werden, sonst Terdei4)en sie. 

57. läfst man die tauben ans einem todtenkopfe saufen, 
so gewöhnt sich keine aus dem schlage und fremde tauben 
gewöhnen sich herzu. 

58. wenn es im rauhen (blätterlosen) wald donnert, so 
gerathen dies jähr die g^se nicht (banns in den raue wUt 
dnnnert, geroate die gens nirt). 

59. wenn das vieh gedeihen soll, darf man es nicht mit 
ungewaschener band fättern. 

60. bienen die über gräber fliegen müfsen, ster- 
ben ab. ■»■ 

61. wenn es regnet und die sonne scheint dazu, so 
bleicht der teufel seine grof^mutter. 

62. wer sich die band aufschneidet, in die Öffnung dn 
Stückchen von einem donnerkeile steckt, und sie dann A- 
heilen läfst, der kann mit einer einzigen ohrfeige den stärk- 
sten mann todt schlagen. 

63. wenn das jüngste kind im hause beim buttern hüft, 
so geräth die butter gleich. 

64. kinder die die blnmen sehr lieb haben, werden 
nicht alt. 

65. wenn das wütende beer unschädlich an einem vor- 
über ziehen soll, so mufs man sich entweder auf die erde 
legen oder den köpf zwischen die Speichen eines wagenrsr 
des stecken. 

66. häuser mit zwei eingängen in gerade entgegenge- 
setzter richtung, so dafs eine tbüre auf der Vorderseite, die 



ZUR D. MYTHOLOGIE. m 

andere auf der hinterseite des haoses ist, sind dem durch- 
soge des watenden heeres ausgesetzt. 

67* wenn es dreizehn schlägt und die hiihn«r anfongen 
x«^4riKen, so kommt der jüngste tag. 



3. VERMISCHTES. 

1. zu myth. 39 f. bei dem dorfe Nenbmnn im Jüohse- 
thale, zwei stunden oberhalb Meiningen, liegt ein mit buchen 
bcTwachsener berg von dem die säge geht dafs ein schlofs 
darauf gestanden habe und dafs der letzte ritter dieses schlofses 
mit seinem goldenen Schwerte auf dem berge begraben worden 
sei : dieser berg heifst Alberg {Oalbcerk), ist das vielleicht 
aldhperac? mit alt kann das wort nicht zusammenhllngen, 
denn in jener gegend heifst das adjectivum allePy aU, all 
(z. b. en aller mö, en all fräy en all kent [ein grofser 
mttisch- der sich kindis<;h beträgt] ) mit dem bestimmten ar- 
tikel all (der, di, des^ all mö, ß*d, kent), das unflectierte 
adjectivnm aber dlt (der mö es dlt). seltsam bleibt wie das 
Volk eine tradition von einer bürg an den berg knüpfen 
konnte, da offenbar keine darauf gestanden hat. denn man 
si^t nicht die geringsten spuren davon, selbst nicht einmal 
von einem gründe ; die spitze ist viel za klein, der berg 
iiberiiaapt für eine bürg ungeeignet ; auch gibt es keine ge- 
schichtliche nachricht von einer bürg auf diesem: berge, 
von L. Bechstein erfuhr ich dafs der verstorbene buchdmcker 
Hartmann in Meiningen, der sich viel mit alterthumem be- 
schäftigte, ihm gesagt habe, es sei dort eine mahlstätte ge- 
wesen; woher aber dieser die nachricht gehabt habe wüste 
er nicht, übrigens liegt auch eine stunde von Schleusingen 
ein kleines dorf das den namen Aklstädt führt. 

2. neben jenem berge, ja mit ihm zusammenhängend 
liegt ein zweiter berg, genannt Dieterich, in der mnndart 
di Ditterich, wobei das di seltsam ist, da alle bergnamen 
jener gegend masculina sind, aber auch bei Meiningen heifst 
ein berg die Dieterich. ist die ein vereinzeltes niederdeut- 
sches die = der? 



968 ZUR 0. MYTIiaCiOGlB. 

S. imttr der Piolericb Hi Neubraim ist ein kleines 
jetzt angebftates, früher bewaldetes thal, genannt doi Dan- 
merlßck (4u Omnm-Khh). myth* 126 f. 

4. dem Alberg gegenüber liegt der Ansberg (mytb, IT)» 
zwischen beiden das dorf Bibra. 

5. myth. 248 veynutet Grimm neben dem ahd. masc^ 
der alp ein nentr. düx alp* im Hennebergischen ist die 
gebräachlichere form des alp, also neatr. ; das masc* hört 

Qi«n »elten. 

6. noiyth, 416. 'wagen» wagen/ bennebergiscb AmuM^ 
fpip, 417- henneberg. Kflmksster» gürtel und achwert des 
Orion. 

7. wytfa. {»27 anm, ff, henneberg. hä gett Mut gniße 
ärmSä oder ins gmß Mr^ er stirbt; hä 6$ bä der gr^fefi 
ärmiä% im gnffie A^r» er ist gestorben. 

8. myth. 557 anm. **. ein hennebergisohea Sprichwort 
lantet d^ lügt den teiffel e ür ra^ on UQh wider nö^ 

6. F. STfiKTZlNG. 



«OCABULARIÜS LATINO - TEÜTONICÜS. 

Aus der ks. 269 des Masters Admont, 11 jk. peifg. 
Jbl,,%Z bU.j auf der Seite 3 spalten, beginnt Adam hämo 
t terrenns. HOFFMANN. 

ArabOf pfant. Andela, brantraita. 

Acinip^, ferrefi basta i. azger. Adnola, höb^. 

Alnns, erila. Apium^ epfi. 

Abies, tanna. Ascolonium, ascbloircb. 

Amurca i. olei fex, drasna. Acumen, acies, wesai* 

do uentris i, aruina, smero. Alapa, orsl&cb. 

Ala ascella, 5chsay. Aulicus, houelinch ) honetrf 

Aqs^ banthaba. Aspidiscos, uncinos, er&pl 

Arnla, uas prunamm i glith» Auena, habere. 

phapni^. Artocrea, crapho. 

Atticus, humbel. Argilla, melgil. 

Attacus, hehera. Aquarius, achari. 



ADMONTBR VOCABDLARIUS. 



M9 



Apiamanilis, hantkar. 
Aselle, «cheiden. 
Aolea, ambehaoc. 
Anuabüe, halbiseo. 
Agam, kchen. 
Amphibalam, mandii. 
Acer, gundreba. 
Alea, zabal. 
Atriplez, molta. 
AbroUnaoi, stabeaarz. 
Anenaixa, seochilatein. 
AUicio, spanao. 
Auiariiun, yolgelweide (so). 
Adolatnra, partba. 
Asda, dehsela. 
Adabtmr, losari. 
AUido, elido i. icb zercbnuso. 
Anrifrigiam, goltporto. 
Arpago, crfiwel. 
Aarugo, gelesaht. 
Alopicia, grint« 
Ardea, regera. 
Aflstra, nustil. 
Asermi, baselwrz (so), 
Anaglifa, manliba. 
Acer, mazeldera. 
Arinca, wol&asila. 
Acomentarius, chanzilari. 
Apparitores, dienestman i. mi- 

nisteriales. 
Arpago, crSwil. 
Attenuätus, garincter. 
Auricularius, ratgebo. 
Assitara, spizprato. 
Asseram, lado. 
Birsa, pellis, bat. 
Botholitula, stovf. 
Babalus, wisant. 
Babo, huo. 

Z. F. D. A. III. 



Brama, riffo. 

Bastabao, bremo. 

Balbacas, stammelonder. 

Bastema, saoibaGh. 

Balla, blatere. 

Balbas, niselender. 

Bancbale, bancbadiaa (so). 

Bipenais, pigil. 

Balcio, polz. 

Braciam, malz. 

Brinna, handaz. 

Bacina, wegewabta. 

Baca, aaa, begelari. 

Brasicia, wrz. 

Brachus, keaer. 

Boletus, buliz. 

Brattea, blecb. 

Cidarim, mitra t pUeos, b&- 

telia. 
Cenocephalas, bantboobet. 
Cardiacus, berzsiecber ^d. 

herbs.). ' Ü 

Cris, bergesello. 
Colandram, colgras. 
Coliaadrum, abrotanam, sla- 

bewrz (cod. stabewrz). 
Claretum, latertranc. 
Cocodrillus, aicbvs. 
Caprea siluatica, steingeiz. 
Capra domestica, geiz. 
Concba 1 concula, mascalla. 
Cancer, crebez. 
Capus, falco. 
Cuculas, goacb. 
Caradrion, lericba. 
Cardaelas, distilainco. 
Cotumix, perdlx, rebobönh. 
Comix, cbra. 

Capreolas ) campolas, r^cb. 

24 



*\ 



370 



ADMOMTBR VOGABCLARIDS. 



Calcalus, kiselinch* 
Cautio, scripgeziuge. 
Cauteriam, ferrum quo anima- 

lia feruatur, i. bolz. 
Columbar, knebiL 
CoUadiom, spil. 
Cauaria, rotundita^ capitis, 

gibilla. 
Caluicium, calua. 
Ceruix, coUum, bals. 
Cubitus, elna. 
Costa, rippi. 
Coxa t claniSy diecb. 
Calx ) calcaneus, fersina. 
Crus t tihi{a)^ scinca. 
Cliens, genoz. 
Camera l arcus, gewelbe. 
Cementam, phlaster. 
Cementarius, murare. 
Corialis, houelino. 
Calips, stillil. 
Cuminum, chümich. 
Circinam, riza. 
Circus t circiiltts t clicus, 

ring. 
Carra, carraca, oarpentum 1 

plaastrum, wagan. 
Carpentarias , weginare l 

hfizwerchman. 
Cicuta, scerhlinc. 
Calathas ) canistnun, zaiona. 
Cratera, napf. 
CoUandram 1 c^rifolium, kor- 

uilla. 
Coclear, lephil. 
Caldariiim t Galdariolum, ke- 

zil. 
Cantaras t cancta, kanna. 
CBcumis ) ooourbita, gurbiz. 



Cucumerarina, kurbizgaito. 
Capedo, i. alant. 
Carectum, rieth. 
Cepa, cibulli. 

Cep§, phlanze t snitelovch. 
Carduus, distil. 
Cannabus 1 canoiaa, haipf. 
Celidonia, scellewrz. 
Celocasia, wildiu minza. 
Caulis, colgras. 
Cardamus, wilder eresso. 
Crocus, crSge. 
Cypressus, cipresboun. 
Cerasus, kersboum. 
Cinus, chriechbonm. 
Carpenus, hJigebScha. 
Corilus, hasil. 
Colurnus, heseliner. 
Coccus, rothphello. 
Calige, hosuQ. 
Calicula, linsooh. 
Culix, mucca. 
Carica, figa. 
Controuersia , altercalio» 

strit. 
Cardo, augo. 
Callis, phat. 
Capulus, helza. 
Camites l canti, felga, drca 

rötas. 
Callus, cutis spissata, giawü. 
Colustrum, Liest. 
Constellatio, gistirri. 
Conpluuium, daehtr5f. 
Carbasus, segil. 
Cicouia, storob, 
Colus, roccho. 
Colum, siha. 
Curtis, hof. 



ADMONTBR VOGABULARIDS. 



S71 



OniHe, hoaestat. 
CrispiLB, reider. 
Coliiiliiiim, gihilaichi. 
Couunaiiipalaris, comilito, ber- 

gesello. 
CripU, spelanca, gruf. 
Clitella, meisa. 
Capseila, dascha. 
Complodo, ich zesameren. 
Catitto, ich uascon. 
Coaouare, acitare, gisuren. 
Consnltatio, ra(^){raga. 
Compilator, zesamene blezare . 
Cinomia, hantfliega. 
CapiatnuD, halfdera. 
Conristorium, drinchas (so). 
Concionator, s5iiare. 
Corbis t cophinus, c6rf. 
Corimbus, drilbo. 
Cilindrum^ welleblech. 
Cliaus, halda (cod, habda). 
Cycladis, hema. 
Cremiimi, griebo. 
Go8, wezstain. 
Geraaam, kersa. 
Carpenta, bircha. 
Clmiis, goffa. 
Careum, garthamil (so). 
Carriola, daha. 
Cerebella, hinereba. 
Cinex, wan(Qlu8, 
Cobia, trinta (tratta), forinna. 
Canicula, zoha. 
Cassia, wibboum. 
Colobium, gottwebbi. 
Campana, gloca. 
Xlalatorium, siha. 
Xortis, selehof. 
Cicer, kichera. 



Cacuma, kachma» 
Cramacoia, hahila (eed. ha- 

büa). 
Cartilago, pnutleifel. 
Canterus, wibel. 
Gremium, spahha. 
Gontriboles, cmnelinge. 
Colocincias, wildiu churbez. 
Grustoliun, brecila, genot pa- 

nis concauas et tortot. 
Conpendium, chnrzi. 
Gartilago, crustik. 
Gardamum,nastarGiiim,cre880. 
Gicatrix, obductio aiÜBeris, 

masa. 
Dentilium, riest. 
Dextralia, lat§ armiiif , bou- 

gun. 
Damma, hiD(^)chalp. 
Delphin, merswin. 
Decipoia, ualla« 
Dolabra, ascia, barta. 
Decerniculum , ornamentiim 

uirginaiis capitis ex anro, 

nnderpant. 
Deliramenta, acosnnge. 
Dactile met|illum, geslageoeh 

(geslagen blech?). 
Depasco, consamo, ich firizzo. 
Dehisco, patescO) ich geinen. 
Dedo, subdo, ih irgibun. 
Dolo, ich imbore. 
Depranor, ich uerboson. 
Duciolus, zapfe« 
Dictannom, wizwrz. 
Deuocatio, 8chelia(ii)ga. 
Dipsane, lovchesueson. 
Demolitus, zostorta. 
Detentio, andant. 

24' 



S72 



ADMONTER VOGABULARIUS. 



Ecclesiastes , concionator, 

Sprechare. 
Euphebia, lupanar, huorhus. 
Electrum, metallum, i. gi- 

(^)melze. 
E(^)talis9 grSzdarm. 
Empticius, chöfscalc. 
EjLactor, qui aliquid exigit i. 

fridemari. 
Emanctoriam, zanga. 
Erodias, wiltfalco. 
Eraca, grase wrm. 
Ebor, helfinbein. 
Edero, ebov. 

Ebitado, slafzeit (/. slafbeit). 
Exox, lahs. 
Ericius, igil. 
Expedecio, hereuart. 
Essedum, sambach. 
Episumen, zem5se. 
Exentero, euiscero, ichscurfe 

chie (so)» 
Extubero, nodosas fio, ich 

maseren. 
Exploro, inquiro, ich spehon. 
EsculuSf eschilbovm. 
Emissarias, reino. 
Erpicarius, egidare. 
Erpica, egida. 
Elox, salmo. 
Ester, bisewrm. 
Enceaia, kirichwaht. 
Echo, galm. 
Emula, gella. 

Epistelia sapeimissa, bolster. 
Flascones t flasce sunt uasa 

uinaria. 
Fiola, glasecoph. 
Filix, lisca. 



Felis campeolis, rech cigeline. 

Fistula, suegula. 

Fascia, circumligatura t lim- 

bus, lisda. . 
Fascialis, windinch. 
Furca, haggo l zuiselia. 
Fenerator, wocherare. 
Furcilia, gabela. 
Fuium, rolez l elnez Ibrunez. 
Femorale, feminale, brScfa. 
Femen, coxa, diech. 
Fiscella, sportula, chorbelin. 
Fascis 1 fasciculus, gebunde- 

lin.. 
Fibula, concateaatio, nnschil. 
Fascina l fascinula, cr5wil< 
Falx fenaria, segensa. 
Feniseca, fennm secans, ma- 

dari. 
Falcastrttm, getesin. 
Fornix, suibogo« 
Fumarium, rochus. 
Flauens, faluer. 
Feri^, undaciones, firrao. 
Funda, slengerra. 
Fenus, lehan. 
Fundibularius, slingare. 
Fissura, scissara, scronda. 
Ficetula, snepha. 
Fringellus, uincho. 
Fucus, treno. 
Ficones, söcbschova. 
Fagus, böcha. 
Fraxinus, asch. 
Fusarius, spinnelbovm. 
Farnaicus i. cippns i. st6ch. 
Feniculum, uenichil. 
Fragum, erthbere. 
Fungus, su4m* 



ADMONTBR VOCABULARIUS. 



373 



FasciDum ) fescinatio, zSber. 
Fideiussor, bnrigo. 
Fertas panis i. flado. 
Flabrum ) flabellum, winda. 
Feciniiim,cocciiiiiun, reche(«o) 
Fimbria, foson. 
Fiado, dioido, ich spalto. 
Fascino, ich zSberon. 
Frico, ich ribon. 
Fiscina, kasechar. 
Fossorinm, rastrum, howa. 
Farcimeo, wrst. 
Fridarinm, salza.^ 
Frussar, garlät. 
Frondator, speht. 
Fisceila, saimma (so). 
Fikolas, fillon. 
F^liaster, stiephsun. 
Gith, ueltchumich. 
Glis, cisimus. 
Giogiue, partes circa dentibus 

i. bilare. 
Gnilla^ slant. 
Gupios, houer. 
Giila, kela. 
Gimticula, rost. 
Globosus, clinelin. 
Gratiosns, enstiger. 
Gluten, limen. 
Glaber ) glabelias, caluer. 
Graculus, r5ch. 
Grillus, grillo t heimo. 
Gladiolus, suertella. 
Gallus, hano. 
Gallina, henna. 
Glutto, fraz. 
Grrns, granich. 
Gurgolio, engerinch. 
Glans, eichilla l drSs. 



Glandula, droselin. 
Gannio, ich grino. 
Grassor, pugno, baobo,- senio 

i. ich doboD. 
Granariam, spieare. . 
Glarea, reddo. 
Gallicola, gebita. 
Galeras, hSth. 
Gener, eidam. 
Giabrio, grint. 
Herodion, wiltfidcho. 
Hydropicus, waxzenufaliger; 
Hannaue, hanif. 
Hnmemli, kipfii. 
Humerns, scnltera. 
Habena, zugil. 
Hulcitum, satilbnlft. 
Hirundo, sualwa. 
Hinnnla, alant. 
Hirado, tgela. 
Hibix, steinboc. 
Hio, ih ginen. 
lesus, salnator t salotaris, 

beilant. 
Ichoos, sonus i. gähn, 
lecor, lebera. 

Ingnina, pudenda i. heidrSse. 
Inaores, oringe. 
Interrasilis, interlimatns i« 

underfiliter (cod. — s— )• 
Inniperus, weckelderböom. 
Inclusus, chlosanare. 
niecebra, inmundicia, gir 

spensta. 
Iricias, igil. 
laculus, angnis, qui animalia 

transiacit i. lintwrm. 
luridicus, legis peritus L 

esago. 



S74 



AbHONTBR VOCABOLARIDS; 



•nun 



Incos, incullis, aneboz. 
Insector, ih anton. 
Indago, inuestigo, ih forsca. 
Indolco, ih smecche. 
Inputare, ih firwiza. 
Imbus, bortdo. 
Indactites, scubelinc. 
luvencus, stier. 
Inprecatio, flohunga. 
Inula, alant. 
niauies, UDSubri. 
Imppsiiisti, bitnige. 
Imcojnpetis, in den genvin. 
Indulcora, ih gesuozi. 
Isqüiam^s, biiisa. 
luger, agellns, mergen, cc' 

XI. pedura in longitadine. 
Brantia, kinnebacho. 
Brancus, morbus i. dampho. 
Iresipila est jnsuper morbus in 

superficie cutis, räbore 

slamnico i. mbescente i. 

4ocfitinde. 
Libra, xii. pfont, aintiet- 

wag^. (so). 
Libräm, hnmor sab cortice, 

Laras, mnsare. . 
Loafieoa,. groünspeht. 
Lasfros, otter. r' 
Lonibriciis, reginwrm. 
Laädila, lerocha. 
LoGOsta, höserecchil* 
Licisca, mistbeila, soha. 
Linter, wint. 

Liniib], leate. 
Linx, lahs. ' 

Laeerlas, mosralas brachii, 
mvs. 



Lamia, qaoddam monstnim 

mulieri simile, hohnahwa. 
Larue, lares mali, qaedara 

monstra, screza. 
Lanugo, fiructas mataros ear- 

duum l lana terre i. mia. 
Lathomus, steinmazsdl« 
Laquear, himilce.. 
Lima, wla (so). 
Later, ziegii. 
Laterculus, ziegili. 
Lineolus, filumi. snSr. . 
Lacinia, ora aestimentiy flörm 

l ort. 
Licium, harlopha t fitzza. 
Liciatorium, filzebim. 
Lumbare, 1 renale, dieohrfie. 
Lena, liiachen. 
Laoerna, aestis- fimbriata, 

chozzo. 
Lamina, fenuatum melalloiB, 

i. blech. 
Lagena, uas fictile t lapidenm 

i. chröc Mag«UaL 
Lecitus, uitreumuafli,ampalla. 
Lebes, caldariam magwuH, 

kezzel. 
Lentiscus, linde. . 
Licuta, scerline. 
Lacerta, egidehsa. 
Leuigo, ih erlihteron. 
Ligurio, ih chorieii« 
Lippus, s&roger. 
Litura, dunchange. 
Lubrum, 1 labnun t labimi, 

lefse. 
Lappa, pleticha. 
Lapatium, chledda. 
Lolium, raiiiii 



ADMONTBR VOCABULARIDS. 



sn 



LoUilidiiffl, hibesteche. 

Leos, linsi. 

Lens, dis, niz. 

Lnseiiua, nahlegela. 

Lepva, btflo. 

LintiM, strabns i. Milibinder. 

Later, Siegel. 

Leao, wibgernes. ' 

Ligo, seeh. 

Lezina, 15ga. 

Liuia. harlib. 

LardoBi, spee. 

Lauras, lorbSm. 

Laetnea, laddoeh. 

Laetiarida, springa. 

Lichis, eabraebe. ? 

LichoiB, hechil. 

Lodix, weppe« 

Lapatos, flado« 

Bfigma, commixtumtmixtora, 

seiCudba. 
Manupius, secchil. 
Helanoolia,iugniiii feli.fiisebe. 
Hiaparo, pama nanigatio i. 

scafin. 
Maeilenttts, macer i. magerer. 
Marennle, catenule teretes, 

snlrlin. 
MareDa, lantfrada. 
Hitia,^lioyi. 
Mala t maxilla l mandibiila, 

kinnebaobi/ . 
Maces, rotz. 
Medalla, march. 
Mamma 1 mamiUa, tuddi« 
Matrona, frSwa. 
Membranum t membraniila, fei. 
Manipülas, garba. 
Malus i. apfolUur. 



Menta, minza. 
Malua, papila« 
Millefoliom, ganraa. 
Marrubium, andom« 
Malleus, hamer. • 
Malleator, hamerare. 
Moneta, muniza. 
Monetarius, muiiizare« 
Mediolas, naba« 
Mansas, bSba. 
Megalis, poreas caslrmuis^ 

parch. - . . 

Metertera, 8ormrmalris,BiSMi. 
Malsam, latertranob. 
Mappa t mappala, bantfimo. 
Mergas t mergolos, dSehäre. 
Meralas t merala, amsila. 
Merops, groonspetb. 
Mario, cazza. 
Mas, mäs. 
Mustela, wisela. 
Migale, barm. 
Mascipola, iialla. 
Maaicipale, eongestam, ge- 

borlicb geding. 
Matricalarias, doompfiaffov 
Matta t matlab, madda. 
Mantica, pera, malba^ daiea. 
Marceo, langaeo, ib serwen» 
Mutio, modieum n morowin 

sin (so). 
Multor, percutio 1 punio, ib 

mordi. 
Metior, ih mizze. 
Mastico, dentibus commiono, 

caon. 
Mulgeo, ib milcbo. 
Mensale, disdachen. 
Manile, bantfaz. 



376 



ADMONTBR VOGABÜLARIDS. 



Milium, hirse. 
Malteam, balz. 
MancttS, einheoder. 
MelantimD, morcmt. 
Melones, piboz. 
Manubius, roubare. 
Mortariom, morsare. 
Manstruga, lachin. 
Noxticorax, nahtram. 
Nanus, getuverc (cod, — s). 
Nouaenla, scarsachs. 
Nouerca, stiufmöter. 
Nouitiicus, stiafater, 
Nuras, snura. 
Nucifraga, nazbrecha. 
Nacleus, nuzzikerno. 
Noctua, uvo. 
Nastarcinm, cresso. 
Naolam, uert. 

Nauclems }nauta,sceifmai8ter. 
Nauticus, scleflicher (so). 
Nausia, unwillo. 
Nates, arsbelli. 
Nudioa i. egesleren. 
Nenos (/. Neo), nes, neui, 

filoy filas, fademon. 
No, nato i. ih suimmo. 
Nola, scella. 
Napain, raba. 
Nuoeinas, nuzboum. 
Nepulas, n6spilb5m. 
Nectar, aeim. 
Nutricius, magezoge. 
Neni^, laitsanc. 
Natatoria, ursprinc. 
Nimbus estfasciola transuer- 

sa ex auro assuta in lin- 

tbeo, quod est in fronte fe- 

minarum borto. 



Ophakno, dolor oculorum, 

Scswere. 
Orphanus i. weiso. 
Oriza, subtilissima &rina, i. 

simiia. 
Onocrotolus, horduchil. 
Orarium, linteum, quod orä 

mortuorum tegit, ) stola ) 

mappula, hantfano. 
Ora, finis, s5m ) ort. 
Ornus, h4ginb5m. 
Orbita, uestiginm rote^ wa- 

ginlaisa. 
Olea l oliua, olebSm. 
Olor, elbiz^ 
Obses, gisil. 
Ocree, beinberga. 
Omentum, quod tegit intesti- 
na i. budminc. 
Operculum, lit. 
Oriza, snitz carnis. 
Ostrum, coccus, rotphellol. 
Orifium, geusprinc. 
Off6co, extinguo, ih wrge. 
Oscito i. ih gene. 
Obstipeo, obrigeo, ih erstabo. 
Ocimus, berba, girgila« 
Ofites, uogel. 

Opinatissimus, namehafteste. 
Parcherdum, prestigium, z5- 

berunte. 
Petasum, latumcalciamentom, 

scritscöhe. 
Pilax, catza. 
Papauer, mago. 
Pastonaca, moraha. 
Porfirio, ysaro. 
Psitachus, hincust. 
Platanus, abhom. 



AOMONTER VOCABULARIUS. 



S77 



PtiMna i. fesa. 

Palatofl, gSmo. 

Palus, br5hc. 

Palns*, pali, stecco ) phal. 

Pabi je5iiel. 

Panpilio, uivaldera. 

Pemiationes, cinsi. 

Parix, meisa. 

Paliimis, hagan ) ageleia. 

Paredras, pharefirit. 

Pardus i. leibart. 

Penicolimi, wadel. 

F^alum, fSter. 

Patina t patella, phanna. 

Palnmbes, addubun } heUabin. 

Pannicus, spile. 

Palla, baciteriam, sesetraga. 

Pauo, pbawo. 

Pancimn, pheoibc. 

Pepo, pbedema l erdaphel. 

Passus, y. pedes, scritmale. 

Perdix, rebeh5n. 

Persicns, phersichbSm. 

Petrosiiiiiam, peürsil. (cod. 

ptirsil). 
Patent, napf. 
Patibalum, galgo. 
Pessalam, grindel l dremel. 
Pestinaca, moraha. 
Peta, melda. 
Pedicolus, los. 
PeUicanas, sisegomo. 
Pellicatus, kebesoter. 
Petigo, prorigo, oredo cutis, 

iukedo. 
Peruicax, einstritiger. 
Peplum, amiculum i. uelan^en 

capitis t pectoris, hSbet- 

decba. 



Perna, tergus suis i. baeho. 
Pecten, champ. 
Papirus t papirio, lisc. 
Petuita, caligo 1 flegma oculo- 

rnm 1 morbus gallinaram in 

lingua i. cipphic. 
Pilleus, h5t. 
Pala, offa, baiza. 
Piium, phii. 
Pila, st^pb. 
Pincema, scencbe. 
Pisa, arwezzi. 
Pitacium } pitaeiolom, modi- 

cum curiolum -i. scedade- 

betSb } bletzo. 
Petacium, epistok, brief*. 
Picus, hebera (cod. beheta). 
Picea, forha. . 
Pix, buhsa, trucba. 
Pica, aglestera. 
Pinus, pinbSm. 
Pirtis, birbSm. 
Pirum, bira. 
Pisaie, pbiesel. 
Pistor, phister. 
Pistrinum l pistriUa, pacbos. 
Pens, brucca. 

Populus, arbor albis foliis, wib. 
Papulus, albare« 
Porrum, loubc. 
Poledrus, folo. 
Puls, brii. 
Pupilla, seba. 
Pulmo, lungula. 
Pobles, chnierade« 
Pustula, bulla, aneuvez (so). 
Pulix, flöhe. 
Pultrinus, uvlebin (cod. < — 

bin). 



978 



ADMOMtER VOCABDLARIUS. 



Pateai, locus t statua in foro, 

harfo. 
Poba, toccha. 
Pttlnillaa, cbassi. 
Panex, pamiz« 
Placenta, flado. 
Plaustmin, wagen. 
Plantago, Wegerich« - 
Plana i« scaba. 
Plutes, tabula parietis u dil. 
PlambaiD, bli.' 
Prignus, pfloumbim. 
Prelnm^-balco« 
Prinigniis, stin&un. 
Priuigna, stiaftohter. 
Proanas, . alterane. 
Pn^enies, gngeria (1 hmem" 

corrig, in e). 
Prediom, lehan« 
Prestatio, lehan. 
Pinnoi. ferio,premoi. ontirton. 
Prpponctoriam, stozisin. 
Polcita, aederbete. 
Plumatium, wancmsi. 
Pista, diech. 
Pascha, ertbcnre« 
Paro, gomno. 
Panaceta, renioano. 
Pülcina, hSninchil. 
Porro, sturi. : 
Plectalimatica, slifstein. 
Pelipodiam, steinfärii. 
Penus, spichare. 
Pultes, bSnbri. 
Ptisanas, linsame. 
Popo, uvrsteliae. 
Patinus, phanninsiil. 
PiUa, baUa. 
Propngnacoliun, prastwere. 



Parafrasten, loginare. 

Percreboit, mare mrart. 

Pelex, gella. 

Palatarum, figon. 

Pus indecÜDabile i. sanguis 
corruptus, inde bustule qoi- 
dam uolatir dicitur gaha. 

Qnisquila, spirti« 

Quacaria, wahtala. 

Quercus, eicha. 

Quernus, faeichiner. 

Qualus, spSla. 

Quisquila, wahtela. 

Reumatica, chraniohesnalnl. 

Racemus i. drnbo« 

Raua, frosc 1 creta« 

Ramma, agelei. 

Radii, ligoa in rotis,i. speicUn. 

Radix i. ratich ) gerta. 

Rafanum, merratich.- 

Rastrum, houwa. 

Rastellum, rftcho. 

Resina, harz. 

Renunculus, niero, lendibrato. 

Reticulum i. nezce. 

Recaluaster i. chiduer. 

Reditus, nutz. 

Remus, roder. 

Regius i. gelesuht. 

Reclinalorium, lineberga. 

Repagulum, obiectio i. spri- 
zile. 

Repuriunk, repurgatio i. uetm. 

Rima, scrunta. 

Recininm, acus t spenola. 

Runcina i*. nuil. 

Rnbigo, rost. 

Rumex, ruf. 

Rubricata pellis, loisc. 



ADMONTBR VOCABULARTOS. 



Bottnun, snabil. 

Aotula, cooaolata, cantula i. 

rodel. 
SLoa mariniUD, herba, nimphea 

i. grensinc. 
Raaoedo, heisir. 
R]q;a, raocilla. 
Rugosus, ranzohter. 
Rumino, iddrachon. 
Riseus, holder. 
Ranex, brama. 
I, salzfaz. 

lices, ML 
Radiimi, raia. 
HfitArta, wit. 
Rasia, wirz« 
RfliimioiiliiiD, bSb^tbant. 
Scena, uaibracaliini, louba. 
Stigma, signimi t figara in 

corpore i« Uchmale. 
Struma, chelc ) cbroph. 
Scia, coxa, diech. 
Salsngo, solza. 
SaDgoisnga, egela. 
Sardna, gos5me. 
Sartor, natare. 
Seandalia, ronsc5ha. 
Scandix, weit« 
Scandiceus, uvidiner. 
Sarculom, getisin. 
Suamarius, soumare. 
Salix, saliha t wida. 
Sangoinarius, harttrugil bSm. 
Sambacus, holare. 
Saccus, sacb. 
Sacculus, sechil. 
Sabona, seiffa. 
Salsicia uvrst, 
Saliunca, rietgras. 



Spiculum, scos I apies. 
Sellarius, satilros. 
Sidacivm, basip« 
Serpellnm, aeltchonda. 
Simia, affin« 
Simius, cmmpfnasi diachfl 

(steht darüber, m&n eiehi 

nicht wohm ee gehört^ 
Sistarciam i. mSalasdie. 
Siligo, rocco. 
Spelta, dincbil. 
Similago, simila. 
Seta, porst. 
Sisimbria, sisemeim* 
Sorex, grozmus i. imdda. 
Solarium, altnm edifieiom i* 

solare. 
Supercilium, oberbra. 
Suggellatio, derisio, repre- 

hensio, bouh l spoU 
Stellio, moltwrm. 
Submentum, underidnae« 
Sus, suin. 
Subtemen, weuil. 
Sudes, steccho. 
Snrurro, . rniizar^. 
Scurro, qui alium uictttB gnr 

tia sequitur i. nascbarü« 

Subulcus i. sninare. 
Suses, snsinV 

hoc 

Spint. Spinnela. hendi (<#)• 
Subparüm, caraisia t furbendi. 
Sumen, pingnedo in mamiUe 
scrofe, spunrunst. 

Suber, rinda, loft. 
Scurra, nascare t scemare« 
Sceda 1 sceduk, pleszo« 
Scarabeus, wibil. 



380 



ADMONTER VOCABÜLARIÜS. 



Scabro^ faornuz. 

Scrofa, sa. 

Scirpus i. piniz. 

Scitum, maadatam, decretam, 

ban. 
Searia, soura. 

Scnssoriam, rennila ) qnirn. 
Scabies, ruda. 
Scutica, geisili. 
Spien, milz« 
Spata, suert. 
Spams, sper. 
Spatarius, saertrago. 
Spacus, drat. 
Spartas, wint. 
Spartas, scaftinhou. 
Specalam, Spiegel l warta. 
Statera, waga. 
Stnicio, straz. 
Sternus l sternulas, staro. 
Sturio, sturi. 
S tarnen, warf. 
Stappa, aavirche. 
Stipes, stam. 
Stirps, genealogia, stam. 
Stapenm, colobiam, uzspunne. 
Sarcio, ih bizo. 
Sasorro, ranzon. 
Sucinus, saeizige. 
Stragalam, fechlacben* 
Solee, Solan. 
Salinain^ salzfaz. 
Saline, sajizgrabin. 
Sifonaa, sprizza. 
Scalpram, scrotisin. 
Scalpellum, scribmezzer. 
Sapara, lesa. 
Subticula, scarliz. 
Satere, wallen. 



Supputacio, zäla. 

Stiria, ibselle. 

Sarectum, sahar. 

Sagnea (fo), strala. 

Smigma, seipha. 

Subtulares, ficones, scSha. 

Seuum, unslit. 

Sorbius,' spib5m. 

Spinus, sceleb5m. 

Surculus, zui. 

Serculus, staro. 

Satureia, quonila. 

Solsequia, sannewerbil. 

Sabtellus, barbo. 

Taberne, edicule plebeioram 
parue, crämun. 

Tabernarius, caupo, cramare. 

Tabernio, tauemare. 

Talpa, müworfo. 

Tapetium, tepicb. 

Terebram l terebellum, na- 
biger. 

Tramaratia, mazbaldera. 

Thorax, branna. 

Tibias, crura, scinkin. 

Tremula, aspa. 

Ticio, brant. 

Torno, draio. 

Traha, slite. 

Tribulus, Irafolder. 

Tridens, crol. 

Tricolanam, garthago. 

Tralla, cbella. 

Tela, weppi. 

Toreuma, scafraida. 

Tortus, wit. 

Tignus, spara. 

Tananius, premi. 

Tamba, c5ffa. 



ADMONTER VOCABULARIUS. 



S81 



Tina, znber. 
Tribnta, diechbrato. 
TUimn, linda. 
Tinso, ih snitin. 
Tussis, hSsta. 
TipsanariuiD, stampf. 
Tofns, dachisteln. 
Tarmus, made. 
Timalus, asc. 
Trama, weppegerti. 
Temo, dicsila. 
Turdas, drosoala. 
Torrere, bachin. 
Vallis, tal. 
Uallam, grabo. 
Uiolentia, notnuinft. 
Ventriciilas, nmbilicus, nabel. 



Uepres, brama. 
Vemaciüas, genakneth. 
Uertex, sceitila. 
Uesica, plater t croft. 
VespertiUo i. fledermSs. 
Vespa, wefsa. 

Vestis mutatoria, padignanl. 
Uiaticas, wegiwiso« 
Violentia, uis ualida, ootmunft. 
Virago, mnlier que nirile oflB- 

cium implet i. friedela. 
Ulula i. uwil. 
Vmbo, rant. 

Umbraculum, h5tta 1 15ba. 
Vnco, eberzant. 
Vomer, waginso t scaro. 



•• 



BKUCHSTUCK DER HRABANISCHEN 

GLOSSEN. 



Atu cod. Find. 482. 

ex novo, fona dem niuumn. 
et uetere, et deru altan. 
lestamento, eu. 
recusare, uuidarsahan. 
abrogans, sanfmoti. 
ababapater, faterliih fater. 
abnuere, farlangnen. 
absque federe , auu uara 1 

trimia. 
abqae amlcitia, ana friuntscaf 

(cod. firiufscaf). 
abinmittentes, anaseutente. 
ab^it, fer si. 
ab est, fona ist. 
abdicati farquidit. 



HOFFMANN. 

abominat, laidazit. 
abstractum, farzogan, 
adseuerat, kasaket. 
abluit, ardnoog. 
refiitare, fartriipan. 
de est, uan ist. 
latens, midanti» 
adfirmat, kafestinot. 
adnitentem, zileten. 
aduectit, zokacgndpbit. 
asciscit, farspanit. 
adnixa, zokamahhot. 
adulta, kaauabsania. 
matora, riiffiu. 
arogautes {so), broomlibho. 



tt2 BRUCHSTÜCK DER HRABANISCHB»!« GLOSSEN. 



elate, keillübho. 

algor, firosl. 

aogor, sorga l tristor, kaum- 

frauuit pim. 
coartator, kiduungan. 
coDStringor, kaduangam pim. 
satis abertim, ubarkanooc. 
alternatim, uuehsalliihho. 
nicaria, uuebsal. 
redproeana, intuoibsleiiti. 
alecer, aneller. 
expeditas, mantar. 
armonia, liudeon. 



eonpetens, kalimfiiih. 
apta, cia» kafokia l kaforin. 
modolatio, missaliih sanc. 
ardaus, uuidarpegi. 
difficilis, unsenfti 1 nnodi. 
arua, angar. 
amoenam, ounnisam. 
delectabile, lusüiih. 
fertilis, uuasmiic. 
iocanditas, uunnisami. 
adtonitus, hiosanti. 
intentns, kemi. 
stapefactis, arqaeman. 



PRAGER GLOSSEN. 

Pergamenths. des ll/12yA., 51 blL foL, aus dem kloster 
We\fsenau^ in der fürstlich lobkowitzischen bibliothek zu 
Prag, glossen »um Isidor^ ein codex resöriptus$ darunter 
sind glossen aus dem %njh>, die hin und wieder durchschim- 
mern, an einzelnen stellen nur schwach ausgekratzt und atff 
blau 51^ stehen geblieben sind. HOFFMANN. 



hl. 51^. . . . paldlihho. 

Non praeaumant ni keturran. 

Disponere kastiften. 

Snbuenire kabelphe. 

Committere kafelabe. 

Leccionis lirnimcba. 

Altes list. 

Omne co.*. aSän. 

Carius liapora. 

mercis mieta. Seu iaub. 

Inperfectam unkiframit. 

Expleatur arfullent. 

Arripiant. fahant. 

In cenobiis Jn manistiiire. 

NoQ irepite nalles lute. 



Poenam uiiizzi. 
Concedatar fargebanl. 
Si qua piuualib. 
Cousummaü bobirom. 
Momcra broaraessi. 
Disiabimus danastankü. 
Perrimiscunt arfnrabtent. 
Rubigo rot. 
Affectate min mot. '^^ 
Parassitns scirnun. 
Magus cauculare. 
Mimorum diu uun (?)• 
Lacioris preitlibbora. 
Armaria puabscrini. 
Expremunt ardbuhent. 



PHA6BR GLOSSEN. S8S 

Bsteiit bmanit. Occapati nnmauKic. 



KS 

P^W 



itare amhhot. predieta kiquetan. 

kktatit. Gradient! dero caago. 



Cömienit karisit. Arbitrio friiaä. 

Qood prefessifl gebanti sinl. Qaamnis dob. 



•• 



MCNCHENER GLOSSEN. 

Pvrg. 4 bll., 9t Jh. foLt heseithnet Fragm. M8S. 
Monae. 4. HOFFMANN. 

sinapiones, cressa sax. 

1 
spalagias, musca uenenosa est autem similis fifeld^ sax. 

stilo, oueldeb&red^ sai. 

sora, bamm§ sax. 

tazata, broc sax. 



KLEIIVE BEMERKUNGEN. 

1. Wh. Wackernagel bat in den altd. bll. 2, 122 f. ein 
scbönes lied bekannt gemacbt das er wobl mit recbt noch 
in das zwölfte Jahrhundert setzt, in der Züricher bandschrift, 
die es allein aufbewahrt hat, fuhrt es die überscbrift Disiv 
lied sank ein herre kiex von kolmas. berr von der Hagen 
hat es in seine Sammlung der minnesinger aufgenommen 
(3, 468 m) und ihm die Überschrift Herre von Kolmar gege- 
ben ; 4, 762 anm. 1 meint er, kolmas in den altd. blättern 
sei wobl nur druckfebler. allein Wackernagels abschrift hat 
sehr deutlich kolmas, und es gab herren Ton Kolmas. in 
den yennischten naebriebten und anmerkungen zur erläute- 
rung und ergänzung der säcbsiscben besonders aber der ei- 
senachischen geschichte (von C. W. Scbumacber) 5, 48 be- 
zeugt ein dominus Henricus de Kolmas eine Eisenacber Ur- 
kunde, Anno domini Millesimo ccLxxiiij. xiii kalend, lanaarif. 

2. berr Gervinus in seinem handbuch der gesch. der 
poet. nationalUt. der Deutschen s. 53 erwähnt in einem pa- 



I 



384 KLEINE BEMERKUNGEN. 

ragraphcn der in den altd. bll, 2, I48fr. faerausgegebenen 
Iructi st ticke von Gawan und der kröne Heiarichs von dem 
Titr]in, den er fälschlich am 1342 setzt (vergt. meine vor- 
rede zu den liedern und biicbl. und dem armen Heinrich 
Hartmanns von Aue s. xif.). allein jene briiuhstücke sind 
«ben nichts weiter als stücke aus der kröne, vergl. altd. 
bll. 2, 156ff. mit Ferd. Wolf über die lais s. 430, 2151ff. 
3. in dieser Zeitschrift ], 29 macht in der zeile Ey wes 
teillekome lieb* b. . die ergünzung der verlorenen buchsCaben 
schwierigkeil, sie miirscn einen reim anf j« (vohis) ergeben: 
denn der notbbchclf den Jac. Grimm vorschlägt, bot (für 
böte) und in der folgenden zeile die Umstellung Herre, tu 
vei'geltis got, ist mir unwahrscheinlich, es kommt mir näm- 
lich vor als ob hier nicht männer unter einander redeten, 
sondern frau Treibe, die scbenkwirtin, von einem gaste, dem 
sie in ihrer geschäfligkcit nahe kommt, mit 'willkommen' 
begriil'st würde, ich glaube also dal's Heb* ein Schreibfehler 
ist für liebe oder liebiu und dafs darauf würklich briu folgte, 
dies finde ich, im reime auf rfr;'«, bei Neidhard Hag. 3, 228^ 
hüte also rtiojie ein alUit briu 'wä sint diu miniu kini, das 
si nikt ejispringent an die schar?' ob briu mit recht an 
das französische bru gemahnt weifs ich nicht; aber wenn 
man es als scherzhafte bczcichnung eines weibes, faier der 
wirtin, fafsen darf, so ist die stelle in ordnung. 

Dis ist vrowen Tribeit leben. 

man muos ir beidentkalben geben. 

schiere sie aber awinget 
^ - da jenre st6t unde singet. 

der ist beworrn in einer note : 
•p( der quit alles 'dorilote, 

^f- ey [wes] willekome, liebe briu!' 

. 2 "**» *■ ' *»^e, got vergeltes tu. ' HAUPT; M 

* 5? •? ■''^ ■ 



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zu HAVAiMAL. 



Der arsprüngliclic verband der im Hävamäl zusammen- 
gesleUteo, zuerst unter dem teuschcndcn namenEthica Odini 
von Resenius veröffentlichten, regeln und Sprichwörter für 
fahren und heimsitzen, ehre und liebe, erwerb und gemach, 
handeln und trauen, ist theils wegen der oh gestörten folge, 
theils wegen der volksmafsigkeit ihres inhalts nicht wahr- 
scheinlich, viele der Sprüche werden in den altern sagen 
schon als foiitquedin ord bezeichnet, als etwas sem maell er. 
erst die sammelzeit nannte auch sie, wie alles unvordenkli- 
che, Satzungen Odins, nach aussage der Überschrift 'des ho- 
hen lied.' ihn iafst man ralhen, warnen, als seine beobach- 
lungen, bewährt mit seinen erfahrungen, str. 66. 96—102. 
105 — II], treten die altüberlieferten klugheitssätze auf, mit 
seinem, des viel gereisten, 'ich sah, ich erkannte' sollten 
wohl die Sprüche neue krafl und eindringlichkeil erhalten, 
ein zweites ähnliches hier angefügtes lied, Lodfafnirsmäl 
Str. 112 — 140, legt in seinen mund ähnliche rathschläge mit 
bestimmter richtnng auch an einen sonst unbekannten Jüng- 
ling, die Selbständigkeit endlieh des Runenlieds str. I43fr. 
erweist sich durch sein vorkommen auch in der heldensage. 
wir schliefsen es aus als unfruchtbar für die gnomik. 

Über das aller des inhalts ist sicher zu sagen dafs er 
weil in die vorchristliche zeit hinaufgehl; Verhältnisse sind 
einigemal vorausgesetzt deren ancb die ältesten sagen keiues 
mehr kennen, die Sammler aber aus dunkler eriunerung als 
vor aller gcschichte liegend gedenkeu. dazu gehört das ver- 
brennen der todten str. 71. 81, wovon der gelehrte Snorri 
zwar weifs, eine zeit aber nicht anzugeben vermag, Heimskr, 
1, s. 13; die prosasageo keunen für nähere zeit nur das hÜ- 
gelwerfen, wie auch schon Brnnh. str. 34. so spricht die 
Svarfd. c. 6 von einer kiste für den leib; nur einer der ini 
hiigel noch nicht verzehrt war als mäu ihn ausgrub, wurde - 
verbrannt Isl. sog. 2, 191. mythologische eigen Ihümlichkei- 
ten sind die Schwachheiten Odins hei FIöl str. 14 und bei 
Z. F. D. A. HI. 25 



'« 

% 



38t ZU HAVAMAL. 

Billungs maid 97 ff., wie aach vom trank Gandlads erst die 
Snoiraedda wieder mehr zusammenstellt, nur auf altheidni- 
schen sinn passen ferner die aufforderuugen nur für sich 
schuhe zu machen, den üblen mann mit listigen Worten zu 
benutzen 45, und falschheit gegen die lüge zu setzen 45. 42, 
sich den besten mit runen anzulocken, in allen fällen aber 
heilrunen bereit zu haben 122; endlich der Unterricht für 
beute- und lebenfang str. 58. 

Danach bedarf es kaum eines beweises vom voriLommen 
einzelner dieser Sprüche in den ältesten denkmälero. es 
muste auch sicherer sein dafs die lieder welche die Heims- 
kringla alten dichtem zuschreibt, wie str. 84 dem Tbonnod 
(11 Jahrb.), würklich so alt sind, um daraus für hier verei- 
nigtes ein alterzeugnis zu entnehmen, jedesfalls gehört die 
Sammlung weit vor das Solarlio^, welches sich unverkenn- 
bar in ein meisterndes Verhältnis zu ihr stellt, wie es denn 
durchaus christlich ascetischen geist haucht, und nicht seilen 
gegen jene altheidnischen regeln stark sprühet, so S. str. 10 
im vergleich mit H. 84 berichtigt durch Coheleth c. 7, S. 
Str. 19 mit H. str. 45; S. str. 28 mit H. 37; S. str. 61 
mit H. 122; S. str. 64 mit H. 58. 

Noch schwerer dürfte sich eine bestimmte örtlichkeit 
dafür feststellen lafsen. wenigstens die erwähnung der renn- 
thiere, welche es in Island vor dem 18n jh. nicht gab, würde 
nur für str. 90 allein gebraucht werden können ; nicht zu ge- 
denken dafs an vielen orten alte Sprüche ohne die Sachen 
sind, die meisten aber überhaupt weit über Islands bebanung 
hinaufgehn. von der mehrzahl läfst sich nachweisen dafs sie 
allgemein germanisch sind; nur selten bat die concreto ge- 
stalt eines Spruchs so eigenthümlich nordische färbe erhal- 
ten, selten ein solches eiskleid, dafs er nicht auch bei den 
südlichem stammen gerade so aufgetreten sein könnte. 

Eine gewisse anordnung läfst sich in der hauptsache ans- 
finden. zuerst str. 1 — 38 kann man zusammennehmen un- 
ter beherbergen und fahren, und den folgenden, wo engere als 
gastliche Verhältnisse berührt werden, entgegensetzen, ohne 
nur zu hehlen dafs die regeln von der mäfsigkeit 19 — 21 
und von den merkzeichen des thoren 22 — 29 nur entfernt 
mit dem sonst verhandelten auswärtssein in beziehung ste- 



zu HAVAHAL. 387 

ben. abbrechen läfst sich aber noch nicht mit str.SO} wel- 
che ja ab gegensatz zu dem ganzen Torigen griiSrt, wie ein 
•olcber schon str. 5 vorkommt, besonders da str. 38 noch 
eine wichtige regel fiir wegemachen nachholt, alles folgende 
bis 104 hSsi man anter res domesticae zusammen, es wird 
aber darin dasjenige was man 'die guter' in der ethik nennt 
iia folgende gruppen zusammengestellt. freandschaft39 — 63, 
das wifsen 54 — 57, erwerb und dazu nöthige eigenschaften 
58 — 67, gesuudheit und leben 68 — 72 (unklar 73; str. 74 
und 75 stehen wahrscheinlich anrichtig), guter name and 
rahm das höchste 76 — 80, wo nur die beiden letzten Stro- 
phen wieder zu schon gesagten gegensätzen abfallen, yer- 
mittelt etwa durch den gedauken dafs keins der vorher be- 
trachteten dinge ein absolutes gut sei folgt nun was zeit and 
anstände selbst beschränken: zumeist mufs fürs trauen im 
handeln die zeit abgewartet, aber auch die rechte ergriffen 
werden 81 — 83; traue daher niemand dingen in unentschie- 
denen zuständen und den trauen nie 84 — 95; eine eigne 
er&hrang Odins liefert den beweis vom schlauen trug der 
schmeichelnden juugfraa 06 — 102; Weisheit und dichtnng 
aber kommt vom begeisterungstrank 103 — 111. 

Lodfafnirsmäl gibt ohne anordnung wieder regeln fürs 
reisen und verhalten als gast, besonders für Umgang mit 
franen freunden und fremden; in sprächen die zum theil mit 
den vorigen parallel sind. 

GAST- UND REISEREGELN (str. J— 38). 

1. dar gangi ßram. feinde können vor dem eigenen 
wie in dem fremden hause lauem, die vorsieht beim ein- 
tritt in ein unbekanntes scheint hier gemeint zu sein, da die 
ankunft sogleich beschrieben wird, so nahm es die Snorra 
Edda fab. 2. wo berichtet wird, Gylvi habe als gast bei^ Odins 
halle diesen vers gesungen. Odin nur wird, hier redend ge- 
dacht, zwar von dem bei der ankunft nöthigen im allgemei- 
nen, doch steht auch so seine eigne erfahrung im hinter- 
grund, die ja str. 13 und 14 auch mit dem Ich hervortritt, 
und die von ihm ausgesprochen um so eindringlicher sein 
muste, da man ihm das gröste reisen zuschrieb. — um 

25* 



388 ZU HAVAMAL. 

skggnax skyli ist eine wenn auch durch keine hs.^ so docL 
durch die Störung des Versbaues verdächtige zuthat eines 
der das umsehen einschärfen wollte ; da skyli völlig gerecht 
den Stab trägt, so ist der unterzeile mit umskoda skyli ge- 
nüge gethan. skodä, zwar auch noch Orkn. s. 448, scheint 
weniger gebräuchlich als skygnaz Frid. c. 11. — d ßeti 
für. fiel ist wohl nicht im allgemeinen haus sondern flur, 
nach Fornald. 3, 18. Svarfdoel. c. 2 liegt tintv t fletinu so 
dafs das feuer zur einen, der aschenhaufen zur andern seite 
ist und i miUi setstorkana^ sein eintretender bruder fällt 
über ihn bin. nicht selten sind fälle wie der hier vom feind- 
lichen . auflauem vorausgesetzte, so Olaf d. heil. c. 104. 
Glums. c. 16 lauert Skuta an der thür einer triftenhütle. 

2. hvar skal sitia sia. die frage gehörte zur sitte. 
der angekommene geht vor die welche den bochsitz einneh- 
men, und fragt nach den^ grufse, hvar peir vzsi honum Ol 
saetis Fornald. sog. 1, 295. selbst der jarl Rögnvald thot 
die frage in einer hütte, wo er ausgefroren von einer see^ 
fahrt eintritt, ^n eine magd, Ork. s. 265. sorgfaltig pflegt 
dann der wirt nach der erscheinung des gastes seinen stand 
abwägend den platz ihm näher oder femer vom bochsitz 
anzuweisen, könig Hring, der seinen gast gleich erkannte, 
Fridf). c. 13, läfst ihn zu sieb heran kommen c. 11, aber 
Gldmr mufs sich, da er bei seinem grofsvaterVigfus ankom- 
mend seine Verwandtschaft nicht bewähren kann, der sein 
äufseres wenig entspricht, auf seine bitte visa ser til saetis^ 
zu äufserst den sitz bestimmen lafsen, ok visadi honum tU 
saetis ä hinn öaedra beck utarliga : ok veitti hönum Ulla vir- 
dmg, Vigagl. c. 6. hier erhält die frage mehr den anstrich 
des bedurfiodsses, denn miök er brddr u. s. w. deutet an 
dafs ein so von der strafse kommender eben wenig warten 
könne. Finn Magnussen fuhrt aus dem munde des volks das 
nicht ^ ganz unähnliche Sprichwort an bräd eru brautingia 
erindi» nur ist hier von einem zustande nicht der geschäfle 
sondern der reisenden selbst die rede, wofür der eingang 
des Solarl. str. 2 in ähnlichem falle geradezu mödr ok nuh 
gin litilly d. i. müde und kraftlos, hat. und so ist die dem 
wort brdA; gewöhnlieb schnell, eilig, zu grande liegende 
aftschauung wohl das athemlossein. 



zu HAVAMAL. 389 

3. elds er ßörf. mehrere feuer werden eigens fiör die 
ankömmlinge angemacht, als im nordea natürlich erste pflicbt, 
Oric. B. 265. Fomald. sog. 1, 230, und selbst die ärmsten 
bringen dem fremden einen mantel oder in ermangelnng des- 
sen, wie die bondenfrau anf Hialtland dem grafen Rögnvald, 
einen fellrock, husfräin bar skinn/eUdar-skükm ai iarä 
Oik. 8. 265. — er heßr umfiallfarip. dafs die bergfahrten 
ana allen übrigen herausgegriffen würden könnte man sich 
gefidlen lafsen, von selbst verstünde sich doch dafs von see- 
fidirten dasselbe gelte, aber die parallele str.' 19 oAr heßr 
ßBId umfariä begünstigt die lesart zweier papieriiss., ßoU, 
gebirge. 

4. vatz, perro, pioäiadär. das waschen der bände vor 
jeder mahlzeit war im ganzen mittelalter allgemeine nnd we- 
gen des ermangelns der gabeln höchst nöthige sitte noch 
nach Zeugnis Thomasins bei Wack. 1, 505, 18 und der 
tischznchten in den altd. bll. i, 111. 281. hinter jeder 
thnr, von Island an bis in die Schweiz besagen es ger- 
manische quellen, befand sich handwafser und handtuch ; was 
hier perro heifst, nennt das deutsche mittelalter iwehele. 
das war der ort, zu dem sich Enite während ihrer abson- 
demng bequemen mufste Erec 3666% selbst unterwegs fehlte 
beim imbifs die twehel nicht ebd. 3550, noch auf der Grals- 
burg, wo hundert tische stehen Parz.237, 7ff. hiervon spricht 
aaeh Grimm zu Freidank 89, 12 f. wie es daher im nordi- 
schen für zu tische gehen hiefs toAa handlaugar, so blieb 
auch noch lauge bis ins 16e jh. im deutschen jenes hände- 
waschen sprichwörtlich, auch die pioälöä, das gute alte nö- 
thigen, das freundliche gesiebt des wirtes Vafj^mdn. 8 (die 
Zusammensetzung wie in piodrdd Fomald. 1, 88) empfiehlt 
noch Barth. Ringwald; der karge, sagt er. Da sie ihn über- 
raschen Mit jm die hend am tisch zu waschen Fnd zu ge- 
niejsen seine speis , Spuckt avff die erd, siht immer sawr, 
Vnd knackt viel erger als ein bawr laut, wahrh. s. 107, und 
Frank erklärt den spruch Das handwasser ist das süssest 
mit folgendem, dann wan man die hend wascht, so wil man 

* [st was gesezien von im an der tweh/Bbn ort heifst Sie safs von 
ihm entfernt an der ecke des tischtuches, am entgegengesetztea ende 
des tisches. Erec nnd Bnite sitzen an 6inem tische, s« 3731. Hpt.] 



390 ZU HAVAMAL. 

mit den zeenm dantzen^ dazu pfeifft das handwasser auff 
spr. I, 37*. auch Brant rechnet zur 'düches unznchf die 
nit weschen dunt ir hend, fFann sie sich zu disch dunt 
setzen narrensch. s. 287. 

5. daelt er heima hvat. dies fahrt auch B. Hald. als 
ein gangbares Sprichwort an, und erklärt es 'frei ist zu 
haase alles.' völliger trifft wohl den sinn das deutsche Du" 
heym ists geheym Frank 2, QQ*", worunter freilich auch be- 
griffen ist Da hat man deines munds gewont. Da bistu aUes 
zu ihm vnnd reden frey^ Da ist dein bedt, dein toeib vntid 
kind auch on gelt dein rechte freund 1, 20^. das nordische 
daeleiir, ddleikr ist Vertrautheit, ein ödaell der wenig und, 
hart spricht, unheimlich und ungemein, unbeliebt, wie der ge- 
gensatz ergibt, Thörarinn vor madrvitrokvinsaell, Thorvaldr 
Rrökr vor hölmgöngumadr ok üdaell Viga^ums. c. 5» hmm 
vor högvaerr ok daell i ollu vid folkit Orkn. s.' 146. — a»- 
gabragd ist Verspottung als blinken oder winken mit den 
angen zwischen zweien über einen dritten, denn sonst hei&t 
das wort augenblick. 

6. denke niemand, sein verstand (hyggiandi, wie auch 
E4d/2, 234. 1, 513 subst., daher gegen die Varianten hyg» 
gistnda und hyggindi zu erhalten) überhebe ihn des auipas* 
sena und der vorsieht, ähnlich steur dich nicht auf deinen 
wits Frank 1, 121'' vergl. 125^ das folgende liefse sieh 
hiermit unmittelbar so verbinden, Vorsicht bedarfs, wenn dei« 
ner. heimatshecke ein kluger und schweigsamer naht; wer* 
auf ^ann der allgemeine satz vom vortheil der gewahrsamkeit 
den grund brächte, vorzuziehen scheint es indess die regel 
auf das ankommen im fremden gehege zu beziehen; da ist 
die Warnung vor achtlosigkeit desto mehr an der stelle und 
befser schliefst sich die folgende Strophe an, wo weiter die 
vorsieht als zuhören und erforschen angerathen wird, etwas 
störendes haben aber jedesfalls die überschüfsigen letzten 
seilen, da hier gerade nicht einzig auf die tüchtigkeit des 
Verstandes, vielmehr auf die acht und hut gesehen wird, 
sollten sie mit unrecht hierher verschlagen sein, etwa von 
den Sentenzen über das unzuverläfsige? 

8. wäre dies eine bevorzugung des ruhmerwerbens ge- 
gen den verlafs auf anderer gesinnung, so liefse es sich mit 



zu HAVAMAL. SM 

den Usherigeu spröchen für das reisen and erfiüiren als eine 
avfforderong vereinigen sich in der ferne zn yersnchen und 
etwas der rede werthes zo nntemehmen ; aber den hanptao* 
oenthaidas likn-stq/t; stqfi, das aasgesprochene wort, wie 
29» 2j wird hier gegen das in der brnst verschlolsene her- 
vwgehoben; nnd die werthlegung auf das lob der lente ist 
der alten zeit jedes Volkes angemelsen gewesen, sie will 
liebe nnd ehning in körpem, im lobe des Volks, lieber als in 
def leichter verfliegenden unbethätigten gedankenzawendong. 
das folgende hebt ähnlich an, bringt aber eine nähere ver- 
atibidigang hinzu. 

9. nur mufs er auch selbst löbliches haben, selbst sich 
ralhen können das ganze leben hindurch, sonst kann er übel 
berathen werden: &st wie jenes selbst ist der mann nnd 

ieißtu sialfan pik Groug. 6. siu(fs er hond hoUnxt 
1. e. 4. Freid. 130, 26 — 131, 2. der poet. plur. brio* 
stom ist häufig, selbst im eigentlichen sinne : er hiör ne r^ 
mmars briostam i :=: wer das schwort nicht senkt in des an- 
dern brnst Edda 2, 178. 

10. mannvit mikil gleicht nicht völlig nnsenn menschen- 
verstand, noch weniger ist es Weisheit was als das anter- 
baltsmittel des armen gepriesen wird, sondern wohl alles 
wifsen als können, etwa rathfertigkeit und gescbicklichkeit, 
waa im deutschen mittelalter kunst hiers : kunst ist ein guter 
Mekrjffennig; man tregt nit schwer dran; kunst ist gut über 
das feld tragen Frank 2, 7^ auch in demselben vergleich mit 
dem reichthum wie hier rygheid fyl dicke forgait. De kunst 
io bestait laiendoctr. s. 157 Schell. 

11. andere Sprüche die vor dem rausche warnen, wie 
Edda 2, 208, setzen hinzu wie leicht er zu unheil, zu morde 
ffihre, und so das laiend. s. 37, oft zergehe die Wirtschaft 
mit morde, seidene guden ende unnt, wän de bösen fordnmr 
ken sint. 

12 — 14. grund und beispiele. der rausch wird als ein 
dieb bezeichnet auch Edda 2, 207 margan stebr vin viti, 
deutsch wenn wein eingeht, so geht witx aus Frank 1, 29*, 
ähnlich Braut s. 113. — dafs die auf die trunkenen herab- 
schwebende vergefsenheit ein häher heifst, beruht sicher we- 
der auf dessen schweben über den seen, noch auf den aus- 






Zu HAVAMAL. 

düiutiiiigeii der trinkenden wie J. will in der anm. zu die- 
ser stelle, sondern einzig auf dem rauschenden finge und der 
raubnator des vogels. gerade das vergefsen war auch dem 
altnordischen sprachgeiste ein verrauschen, wie in gleymia 
von glaumr (strepitus), und so ist hier besonders von sei- 
nen federn die rede, obwohl sie an sich nicht fefseln können, 
auch die deutsche dichtung bedient sich gern ähnlicher bild- 
reden, die hausfrau soll alles durchspähen ist laut, wahrh. 
291 mit dem spechtsgefidr reuchem und für schnelles auf- 
gehen der reichthüAier heifst es Reichtumb haben adlersfh-' 
dem, sie Icjsen sich nit bannen Frank 118^. würklich werden 
um schlaf und vergefsenheit zu wirken federn unter das pfühl 
gelegt altd. bU. 1, 145. auch im gegentheil erinnemng und 
anderes geistige schwebt und ist geflügelt, wie hugi and 
muni. — die vergefsenheit durch Gunulöds trank wird sin 106 
noch weiter besungen, und so soll diese Strophe woU zu- 
gleich vor dem warnen was Odin begieng. — Fialar heifst 
Volusp. 14 ein zwerg; man vermutet dafs es auch ein rie- 
senname gewesen sei, wonach dann hier auf denselben rausch 
bei Gunulöds vater, dem riesen Suttung, hingesehen wäre. 

15. 16. mut und frohsinn, pagalt ok hugalt, denn 
schweigen und denken kann niemand krencken Frank 2, 88*. 
pioääns bam erklärt B. Halderson durch inquilinus. im go- 
thischen bedeutet diese ableitung von piod (volk) den könig, 
im nordischen scheint sie würklich nur den freien volksge- 
nofsen zu bedeuten, den edlen der auf dem thing zu reden 
hat (str. 116) und ein vom volk angesehener mann ist, so 
dafs des königs söhn vorzugsweise diesen ehrennamen fuhrt, 
Atlaqu. Str. 22. auf solche aber die fdrderung des kampf- 
muts zu beschränken wäre wenig im sinne der alten zeit; 
Sigurd, als er in seiner Jugend den drachen tödtet, sagt ganz 
allgemein fär er gamall hardr, ef hann er t bemsku blauär 
Vols. c. 18. Fornald. 1, 160, wenig sind im alter kühn, die 
in der jugend feig sind, nur ist allerdings solche schmach, 
die furcht, am volksführer am schmählichsten, era konunglikt, 
at quida mörgo Edda 2, 185. dafs aber der Zuspruch hier 
allen gilt beweist auch die folgende Strophe von der speer- 
furcht der feigen, dazwischen eingeschoben ist die auffor- 
demng zu frischem lebensmut bis zum tode. in derselben 









ZU HAVAMAL. 91» 

verbiaduiig mit der männlichkeit wird er ancli laiend. 203 
und 192 gefordert, und so wird der sinn des spmcbs giäir 
ok re^fr nicht so allgemein an dieser steOe sein als im deut- 
sehen e$ ist nichts vber guten mut; kurtx traiir&n, fang le^ 
h€m Frank 1, 26*"; mehr entspricht hvötom er beim enn ee 
SktStam i hildileik hafaz; glödom er betra enn sS gläpnan- 
dm h»mt sem at hendi kömr Edda 2, 180. — das idter gibt 
dem ängstlichen doch keinen frieden, d. h. doch sieohthnm 
and tod (sprichwörtlich nach* Sn. Edda c. 12), und ist der 
itrohtod befser als der speertod? auch die spätere zeit re- 
det noch immer gegen die todesfurcht, we äänßntgtet, wat 
geehrt, drovig is he alle tyd^ dog en helpet it nigtes nyt, 
de dod mot ummer kernen to laiend. 132, räth aber nur noch 
dat men mögt mit magte skal weren^ nigt dorg wrake styv. 
ebeüd. 130. ein kecker mut ist ein guter hämisch Frank 1, 
IS^ $ m nöten sieht man wer ein mann ist, fleuchstu, so ligstu 
ebenda. 

17. der sprach knüpft sich an 12 und die finihem re- 
geln Tom zusammenkommen mit menschen an, und bereitet 
die besonders von der mafshaltigkeit beim mahle handelnden 
Strophen 19 und 20 vor. kopir afglapi. die hss. schwan- 
ken auch in kopir und köpir. jenes kopa ist sonst kraft- 
los sein oder werden; die zu gründe liegende anschauung 
wird das starre klotzartige dasitzen sein, denn kdp heifst 
der Seehund, den man sich nur auf dem land sitzend vorzu- 
stellen braucht, um die gemeinte geberdung des tölpels am 
tiifche lebendig zu erhalten, so ein unbeweglich und stumm 
dasitzender wird auch Isl. sog. 2, 177 ein qfglapi genannt, 
vorher ein fifl, nachher heimskr 178, obwohl er es nur der 
erscheinung nach war. dieser name bezeichnet genauer den 
stnmpfsiun ; denn glapna heifst fehl, stampf werden von den 
äugen, gldpeygdr ein stumpfsichtiger, glepia verblenden, 
stören; freilich ist glöp nur faselei. — ein solcher nimmt 
sich vielleicht vor zu schweigen um seinen rühm zu ret- 
ten, aber der wein 'hat kurzen athem, er läfst nichts ver- 
schwiegen.' 

18. oITenbar ist auf den blofsen ersten blick das mafs 
der fafsungskraft einem erfahrenen (ein solcher sagt auch 
Alv. 6 ek hqfi vipa ratap) — das könnte gegensätzliche an- 



ÜH ZU HAVAHAL. 

fBgnng za dem vorigen ausmachen, wenn überhaupt Verbin- 
dung anzunehmen ist. ob die letzte zeile übrigens zu kverr 
gehört oder zu sd etitit kann man zweifelhaft sein; das letz- 
tere wMre eine nothwendige ergänzung, nur der würde die 
leute- alsbald durchschauen, der schon auf das reisen ver- 
stand mitgenommen hätte; die andere Verbindung würde ana- 
sag0B dafs der schlufs von besonderm äufsem auf besondere 
begabung und gesinnung überhaupt erst die Sicherheit über 
sonstige Verständigkeit eines beobachteten voraussetze, jenes 
wird einfacher sein, die Umschreibung durch das part. und 
veri). subst. vitttndi er = veit war auch im deutschen sehr 
gewöhnlich und findet sich bei dichtem bis ins 16e jahr- 
hnndert« 

19. haldi maär ä keri könnte man wie das folgende als 
Warnung fafsen, man halte an, zügele den becher; und so 
wird das halda der zunge str. 29 gefordert, aber das fol* 
gende p6 wird 'dabei jedoch' sein, und der erste satz sonadi 
auch ein Zugeständnis, wie es die Kopenhagener heransgeber 
nehmen, tractetur licet^ poculum. gegen unnützes reden auoh 
Vaffr. 10. 

ökjfnnis pess varßik engt soll deutlich die untadlichkeit 
des zeitigen Schlafengehens den mäfsigkeitsregeln beigesel- 
len, vor müste =: varar sein : es warnt dich keiner davor, 
die Kopenhagener heransgeber schreiben vdr, was nicht dentp 
licher ist, leichter hat R. vtte, conj. von vita arguere. 

20. nema geds viti^ er wifse denn Vernunft, im popoll^ 
ren sinne, zu nehmen, der gen. entspricht unserm zusätz- 
lichen etwas, recht ausfährlich schildert das lächerliche der 
gierigkeit am tische, die der vemunfft, hoßsucht vergessenj 
Braut s. 287 — 289, der auch die namen solcher vögel auf- 
bewahrt hat, wie schlind-rab, leer^s-kerli^ sckmirwanst, 
JÜtl-den-mag; ein ähnlicher katalog bei Frank 2, 98% (ßei- 
cher rath im Cato 323. 

22. gegen das schadenfrohe lachen spricht auch str. ISO. 
hitki han veit, • at kan er vamma vanr. hier ist die lesart 
der übrigen haudschriften era, dafs er nicht fehlerlos ist, of- 
fenbar gegen die der ältesten vorzuziehen, man müste denn 
übersetzen, dessen ist er sich doch nicht bewust, was in 
ihm sein müste, der fehlerlosigkeit; aber das ist gezwungen. 



zu HAVAMAL* 895 

dem sinne nal^e kommt unser viel geschreü, toenig wolU 
Fnnk 2, lOS**, greiff in deinen eygen busen 126% spoUes 
werih ist, der spott jederman und schaut nicht vor sich sei* 
her sm Frosehm. 2 c, 5. 

23. der grand gegen das sorgen nnd grämen, ali er 
M sem vor = der ganze jammer ist wie er war, A. h« nieht, 
wie man sonst wollte, das klagen hebt da von neaem tD, 
sondern, dessen gegenständ bleibt ja unverändert; daher älwh 
die lesnngen vit oder vis (da ist er so weise wie er war) 
abaehwächangen sind; der spruch ist allgemein nnd triffl 
nicht nur geschehene dinge, sondern anch unerreichbare^ 
SB Signrd, als er die unzagänglichste besitzen wollte, sagte 
so Alsvidr er ßat illt at spta er madr faer eigi, iibel ista 
nm das sich zu ängstigen was man nicht erreicht, Fomald. 
1, 176. ähnlich laiend. 182, und von dem körperlichen nach- 
theil Zu viel sorg die ist niemanßir, Sie machet manchem 
Ueieh und dürr Braut s. 126, was besonders die sorge ob 
die gens blofs gehn trifft; swer elliu dmo besorgen wil, 
doM ist alles leides sil Freid. 58, 13. Iqfs die vogkin sor* 
gen, dann sie haben schmale bein Frank 2, 86* und bei 
Brant 250. 

24. hilhi han fidr p6tt peir um hann far lesi, das fin» ' 
det, merkt er nicht, wenn sie gefährdendes über ihn reden ; 
denn p6tt kann hier nur si, nicht etsi sein, obwohl es auch 
den conj. bei sich hat; fdr geben die Kopenhagener durch 
pesUfera convicia. aber str. 153 ist es auch nur wie sonst 
feindseligkeit, gefährdung, ahd. tära. wie hier so ist lesa 
auch 137 sprechen, nicht wie sonst sammeln oder lesen, 
sampieln und' sagen findet sich aber auch in singen, g^th« 
siggvan, Grimm gramm. 2, 36. 

25. wenn sichs nm das mein und dein handelt oder 
sonst etwas wichtiges auf dem spiele steht, was auf dem 
thing verhandelt werden mufs, dann findet sich ob die zu wil- 
len sprechenden (vilmaelendr wie vilsiigr str. 100 lustpfad, 
und wie vilmaeli 87 das mundreden) freunde sind, 'freund 
in der noth gehn zehn auf ein loth/ 

26. wer sich einmal zu helfen weiTs in einem schling 
men falle, soll nicht gleich seiner klugheit sich überheben $ 
die zeigt sich erst, wenn mit stichelreden, oder mit fragen 



396 ZU HAVAMAL. 

die £a rathen geben, die probe gemacht wird, wie sehr dies 
auch die alten Nordländer liebten zeigt z. b. Frld^. c. 14. 
Bügn. Lodbr. c. 4; 

27. auch Str. 80 wird dem thoren das schweigen em- 
pfohlen; wenn der narr schweigt, so wird er we\fs sagt auch 
bei Frank 1, 112*" die erfahr ung eben so ironisch wie hier 
häOi zurücknehmend hinzugesetzt wird veita . • til mart^ nnr 
firmlich weifs der nichtswifsende auch nicht, wenn er zu viel 
spricht. bA das mittlere glied, * niemand weifs dafs er nichts 
kann, wenn er nicht zu viel spricht' — ein sehr veri>reite- 

' tes wort, bei Braut mancher ßtr witzig würd geschetzt, wann 
iüt^sich nii hett selbst geschwetzt s. 118 ; bei den warten kent 
mm den thoren, bei dem gesicht den mohren Frank 1, 16* — 
schliefst sich näher an 

28. der nnwitz verräth sich dem kundigen übrigens 'auch 
bei änfserer gewandtheit; fragen und sagen können gehört 
zwar 211 den erfordernissen des geistreichen (str. 62), tbnt 
es aber nicht allein; im munde des ungescheiten hats doch 
sein gepräge. daher wel kunnen spräken isjylgud An deme 
der is wys unde früd laiend. 128. — 'jta synir menschen- 
kinder; so oft in diesem liede, auch Orkn. s. 156 hoe yta.*^ 
den satz pvi er gengz um guma beziehen die Kopenhagener 
auf eyvita (= övitä) mit der übers, quoniam ea grassatnr 
inter homines, aber pvi er ist nicht gleich pvi at, man prüft 
ob vorzuziehen ist Simulatque inter homines itur, wie str. 57, 
oder Ei qui inter homines versatur, was passender erscheint, 
denn dem erfahrnen erst verhehlt sich die halbheit nicht in 
jenem -sagen' und fragen können, die ähnlich klingende zeile 
94, 2 kann hier nicht entscheiden. 

29. von dem verderben was die zunge anrichten kann 
sind aller Völker sprüche umständlich und scharf, die vor- 
christliche zeit spricht nur von dem zu viel des stattlosen 
was nothwendig der beständige zungenkitzel mit sich bringe, 
die sjiätere zeit hat men segt, an feleme spräken enmag 
nigt wol sunde enbräken laiend. 55. — statt gelr hat eine 
papierhs. getr, wie str. 8, findet, erwirbt, oft übles; aber 
farbiger ist Die zu geläufige zuuge singt, ergellt sich übles. 

30. ßott til kynnis komi kann nicht sein Etsi [ignotus] 
ad hospitium veniat, sondern Si ad notum hospitium (kynm 



zu HAVAMAL. 397 

setzt ja das kunna voraus) veniat. und das ist ein grund 
fiir das nichtbespötteln ; der rath wird jedesfalls an den ge- 
mächlich im hause sitzenden gehen (dem von der strafse 
kommenden würde spötteln wenig anliegen); dann aber sol( 
es der wirt nicht thun, weil einer im vertrauen auf seine 
gastfreundschaft kommt, es wird aber auch ein anderer grund 
hinzugefiigt : es könnte dadurch eine eigne blöfse sichtbar 
werden, dies scheint die Verbindung der beiden vershäUten 
zu sein, und margr pickis wieder auf den ersten, den wirt, 
zu zielen: mancher dünkt sich auch schon weise so lange 
das fragen, das freisia (str. 26), ihn noch nicht von einem 
er&hmen ankömmling getroffen hat, und er es erlangt hat ioh 
mer mit trockner haut zu sitzen, letzteres bezieht Johnson 
auf das ungewaschensein von spottreden und scharfer zunge, 
mit berufung auf die ähnliche stelle in Oegisdrecka hr6pi ok 
rdgi ef pu eyss d holl regin, a per mvno pau perra paty 
wenn du schelte und Schmähung giefsest auf die guten göt- 
ter, so werden sie es an dir abtrocknen, Edda 1, 152. auch 
im deutschen hiefs es einen mit scharfer lauge waschen und 
ungewaschen davon kommen, inzwischen könnte auch gemeint 
sein, mancher rechne sich sein glück und das seinige aufs 
trockne gebracht zu haben für eigene klugheit an; gerade 
immer in ruhe und im trockenen sitzen können macht über- 
mütig und zum spotten geneigt. 

31.. er ßotta iekr nach Johnson 'cui fugam capessendi 
fiatcultas est, vel qui alios fugientes opprimere potest' (ßotta 
r=: fbgiens in den Zusammensetzungen), bleibt man aber 
bei dem gewöhnlichen stehen, wonach ßotti m. = flucht, so 
wird die Vorstellung sein Klüglich scheint sich der zu han- 
deln der nach der Verspottung, die er dem mitgaste angethan 
bat, sich davon macht, wie es heifst der war klug, der laur 
fen erdacht Froschm. 2 c. 5; aber klüger wäre es gewesen 
solchen höhn zu unterlafsen, denn Mer über tisch spöttlich 
lachende kann nicht wifsen ob er nicht gegen einen grämli- 
chen, der das nicht vergifst, poltere.' auch Tacitus weifs 
ad convivia procedunt armaii, — crebrae ut inter vinolen- 
tos rixae. 

32. und doch scheint, bei all den spätem folgen die 
solche neckerei unter gastmahlsgenofsen haben können, es 



MS ZU HAVAMAL. 

über tische gar nieht anders als mit gegenseitigem schrau- 
ben, rekaz, digehen zu können, 'dieses aufisiehen/ rSg auch 
in der nnter 30 angeführten stelle, 'der männer wird immer 
danem;''sein vorbild hat es in dem berühmten götterworfc- 
streit, der Oegisdrekka, und die sagen sind toU der bei- 
spiele dazQ, wie Faer. c. 5 wo der Wortwechsel selbst beim 
opfermahl zu thätlichkeiten führt; auch Edda 2, 207 wird dä- 
.vor gewarnt; ein völliges gewerbe machten aber die berser- 
kir daraus die gastmähler im laude umher aufeusuchen, am 
dann mit yerfönglichen fragen oder herausfordernden zamü- 
tongen dem kämpfe vorzuspielen. 

S3. eine andere gastregel, 'damit man zum gespräche 
nicht verdrofsen nur nach der schüfsel denke, nehme man 
bei Zeiten etwas zu sich.' ist dies der sinn, so erwartet 
man für nema til kynnis komi vielmehr pött wie 30 ; liüre 
die negation recht, so müste sich die ausnähme auf den fall 
beziehen dafs man zu guten freunden gienge ; jedesfalls mnfs 
man bei sitr ok snapir sich ein 'sonst' hineindenken, die 
veibindnng der beiden verstheile ist sehr lose und vielleicht 
nicht ursprünglich; anderwärts folgt auf den ersten theil, 
auf den rath sich früh zu versehen, nur der allgemeine 
grund, man weifs nicht, ob man bald wieder unter leute kommt ; 
80 Lodfafh. 7 (118) und Edda 2, 165. 

34. 'ein umweg ist es zu einem üblen freunde' kann 
anf die ge&br gehen oder auch auf die vergebliche erwar- 
tQ&g der aufnähme wie str. 66. ein beispiel für den ersten 
M wird Vigagl. c« 28 erzählt ; für den gegensätzlichen sprach 
itta& es auch ein kürzeres wort im volke gegeben haben, 
dentsch freund semd gut bei dem weg Frank 2, 57^; eine 
ihnlicbe spur liggfa til Giuka groenar brautar Edda 2, 185. 
ab^ gagn - veg bildet den gegensatz zu aßivarf, und wird 
nicht sowohl den gerade entgegen stehenden weg bezeiehnen 
als den näheren pfad auf dem man zustreckt, von gagn ge- 
winn, and dies wird behauptet, wenn auch der freund fern- 
ab wohnt, entsprechend dem vielleicht am wege wohnenden 
übelgesinnten. 

35. deutsche Sprüche geben auch ein bestimmtes mafs 
an, drei tage sd es räthlich die gastlichkeit in ansprach zu 
nehmen; das kann aber nicht sehr alte bestimmung sein. 



zu HAVAMAL. 399 

B6. S7. das befiier in den Worten vom eignen heerd 
tritt offenbar im gegensatz zu den unmittelbar voriiei^ehen-> 
den vom aufenthalt bei andern, und bildet so mit einem in 
aller weit anerkannten gefühlten satze den schlafs zu den 
räthen fürs ausgehen und in die fremde ziehen, die sprüehe 
selbst aber setzen bestimmter wenig und nichts haben gegen- 
über; daher die deutschen vom goldeswerthe des eigenen 
rauchs, herdes, feuers, kohls, daches Frank 1, 20^. 37*. 144*. 
2» 99* f. Wack. 1, sp. 215 nur zur hälfte parallel sind. 

38. vapnom sinom . .Jett ganga framarr erklärt John- 
son 'armis suis in solo collocatis nemo pede procedat ulte- 
riuff/ aber velü d wird wie vellt at str. 11 nicht erdboden 
sein, sondern das feld dranfsen. schwierig ist auch die con- 
stmction, mit den waffen am boden ausgehen, zusammenge-. 
hören wird vapnom framarr ganga^ wer dranfsen unter freiem 
himmel ist gehe keinen schritt von seinen waffen. 

VOM FREUNDSCHAFT ERWERBEN (39 — 62). 

89. zum erwerben von fireundschaft fiihrt immer schon 
das schenken; auch der mildeste und reichste läfst nicht un- 
gern sich etwas geben, das folgende versglied und des Tä- 
citus gaudent muneribus bestätigen diesen Spruch, zur mii- 
digkeit der edlen wird aber als ein haupterfordemis gerech- 
net, freigebig in speise und trank {matar gddr Edda 1, 38) 
zu sein. — die bestimmtere beziehung auf freundschaft er- 
werben in einem ^o allgemeinen Spruche wie es hat sich nie 
keiner mild genommen (Frank 1, 74*) finde ich fireilich erst 
dnrch die Stellung' zu den folgenden regeln vom freigebigen 
anstheilen und den ehrgeschenken. 

40. die erste hebt gegen jede knickerei an, nnd trifft 
zusammen mit den deutschen Sprüchen was du hast^ des bifs 
du gast Frank 1, 75* wer wird seins mauls ein Stiefvater 
sein? 2, 73*; und dafs man auch etwas aufgehen lafsen soll 
um freunde damit zu Werehren% dafs dagegen das ihnen ab- 
gesparte oft doch auf unerwartete weise verloren geht, das 
halte ich für den sinn des zweiten verstheils nach mafsgabe 
der deutschen mahnungen was man zu ehren spart, fuhrt 
der teufet sonst hin Frank 1, 118*, 2, 149*, was man zu eh- 



400 zu HAVAMAL. 

ren spart, kompt zu ungefel Ringw. 1. ir. 114. — der 
satE matt gengr verr, enn vartr hat seine örtliche bezie- 
hang hier auf die mäglichkeit -dafs das erworbene und freun- 
den blofs zugedachte aber aufgesparte eine beute des feindes 
werde, was in jeder zeit jeder stärkere sein konnte, wie 
etwa ndch guote wirbet manec man^ unt wirt dem, dem ers 
ilbele gan Freid. 56, 19, — ist aber ein in mehreren fafsun- 
gen im nordischen sehr gangbares wort, margan hendir, pat 
er minst vartr Ork. s. 82. pat verär miök {morgu sinnt\ er 
mbmst vartr sialfan Lodbr. c. 15. Fornald. 1, 282. ähnlich 
Faer. c«, 43. Solarl. str. 8. 

41. mit Waffen und kleidern sollen sich freunde erfreuen, 
das waren überhaupt gewöhnliche geschenke. als Glüm fremd 
zum hofe seines grofsvaters kommt, empfängt er einen pelz- 
rock (Jelld) spiefs und schwert Vigagl. c. 6, und sehr oft 
kommen geschenkte skarlatskirtill vor. dem kaiser Heinrich 
dem 5n schenkt herzog Knut lävardr einen zobelpelz und die 
gegengabe des kaisers bei dessen abfahrt war ein goldge- 
sämaCes kleid Knyll. c. 90. — statt pat er d sialfom synst 
ziehen die Kopenh. die lesart R's vor, soemst am gezie- 
mendsten; synst wäre am meisten in die äugen ÜEdlend, au- 
genscheinlich, und dürfte nicht zu verwerfen sein ; auch holl. 
hiefs es falresienst, was altd. bll. 1, 73 durch das allerge- 
sefainste, beste erklärt wird. — vidrgefendr ok endrgefendr 
erox lengst vinir hat sich nur in einer etwas massiveren 
form. erhallen in dem sächsischen Nemen unde weddergeven 
dait Jrunde tosamende kleven laiend. 39. das ist gemeint, 
denn vidr-gefendr sind die das geben aus freien stücken 
anhebenden, wie vidrkenna freiwilliges bekennen ist, endr» 
gefa ist das zurück, dagegen geben, wie endr dem lat. rt 
entspricht in endmyan, endrfoeäing d. i. renovatio, recrea- 
tio. sogleich auf das erste kennenlernen pflegte ein solcher 
gabenwechsel zu folgen ; auf dem handelsplatz zu Grimsboer 
in England lernt der Ork. Kali den kaußahrer Gilla-Krisl 
kennen; das stiften ihrer freundschaft wird so beschrieben, 
peir Gilla-Kristr ok Kali skriptuz giöfum vid at skünaäi, 
ok het hvor ödrum sinne vinattu ßillkominne hvar setn ßm- 
di peirra baeri saman. deutsche sprüche gehen noch wei- 
ter ; da heifst es geben macht freund und leben ; auch unter 



zu HAVAHAL. 401 

den blatsverwandten, dat ü ein gemeine word, jkind ßickr 
umde moder, darto suster unde broder med givte rint ^0% 
mende bunden; — wän men mid tydliken gttde gewint frunte 
tmde möge Laiend. 39. 100. — der zusatz ef pat btdir verda 
vel kann freilich bedeuten Wenns gut geht, weYin weiter 
nichts bedeutendes vorfällt ; es scheint genau genommen auf 
das vergönnen des Schicksals rücksicht genommen zu werden. 
42. den Spruch lausing vid lygi, losheit gegen läge 
annehmen, verstehe ich wie böjs mit böji vertreiben Frank 
if 18*, gott und die Juristen schreiben dq/i man sol hart 
mit hart vertreiben Ringw. 1. w. 123. über die ursprüng- 
liche bedeulung von höldar sprechen die Kopenh. heransge- 
ber der Edda 1, 322 mit beziehung auf die kenningar n. d. 
w. konung. 

44. drei regeln um sich freunde zu erwerben, von de- 
nen nur die erste hier einzig dasteht, die zweite führt str. 41 
ans, die dritte str. 121 ; sie hat hier die hauptbetonung wie 
laiend. 98 und verr hat nit ehr; die äugen lieben Frank 
1, 9. im spruchtoort man gemeynlich giecht, eyn Jprundt 
den andern oft besiecht, was nur anders ausgelegt wM von 
Brant s. .125. liebe komt fan den ogen laiend. 43. — das 
gedi blanda den sinn, eigentlich mit dem sinne, mischen 
(sißom blanda 126) ist wie lagdu hugi saman in Frid]^. 
und wie niederd. mengen in dem satze ji sholen an nenen 
dingen mid hofärdigen frundskop m'dngen laiend. 50. — das 
motiv ok vill pu qf honom gott geta ist der unverzierten 
zeit eben so gerecht als der salz sem fornt mal er: at i 
pörf skal vinar neyta Heimskr. 4, 294. 

45. dazu möchte sich aus keiner christlichen zeit ein 
gleiches finden lafsen als grundsatz. 

46. um kug maelay um den eignen sinn herum ohne 
ihn zu berühren und zu verrathen, ist schon milder als str. 45 
und wird auch zu dem vorigen die rechtfertigkeit angefügt,, 
dafs die entgeltungen (giöld) den gaben gleich sein sollen. 

47. einn saman . . vard ek villr vega, des weges irr sagte 
man auch im deutschen, viele sprüche erheben sich gegen 
die einsamkeit. e^ soll niemand im selbs leben u. s. w. 
Frank 1, 123\ 224'. laiend. 64. 204 ; selbst im kloster, heifst 
es, wird ein kovent errichtet. 

Z. F. D. A. ni. 26 



402 ZU HAVAMAL. 

48. mädir fraeknir • . statdoH sät ala, fireigebige näh- 
ren seltmi sorge, meint wohl nicht, wie Johnson will, das 
ans der wohllhätigkeit entspringende gute gewiben; auch 
fraeknir, starkmntige, wird zu betonen sein, Reinm. v. Zw. 

die kend^ mäezen saslic sin, da milte und eilen beide hänt 
gekäsei in MS. 2, 147". als folge wird nächst dem Wohler- 
gehen überhaupt auch betrachtet die i»orglosigkeit um das aus- 
kommen, der milde quält sich darum schon nicht, indem er 
gibt, und hat auch nachher wenig sorge, denn laut der er- 
fiihrungsweisheit kommt es ihm auf andere weise wieder zu 
gute, so dafs sein vorralh nie durchs geben abnimmt, bonis 
distribuere non est minuere altd. bIL 2, 137. qui dat libenr 
ter valeat Jrequenter ebendas. der milt gipt sick reick, der 
geitig nimpt sich arm Frank 1, 117^. daher wird in dem 
gleichen nachsatze der karge geradezu mit dem thoren ver- 
tauscht, der immer furchtet und sorgt, nämlich, er möchte 
arm werden, wie es deutsch heifst förcht den der armut 
/orcht Frank 1, 73^; so hier sptir ae glaej/ggr vid gioßm, 
und «p, sind die gaben gewiss nicht die welche einer em- 
pfangt soll, wie Johnson geneigt ist anzunehmen, SQndern 
solche mit deren Zurückhaltung , während er sie geben soll- 
te, einer denkt schlau, genau zu sein. — die schreibang 
glaeyggr für glöggr ist wie neycquidr (49) für nöcqtddar 
(R) = nakinn $ ' klag für karg auch in glöggmngr Snom 
Edda s. 196. 

49. vidir minir gaf ek... iveim trimönnum, die Über- 
setzung 'hominibus ligneis' vermag ich nicht zu Iheilen. da 
Odinn spricht, so kann man schon an mythische geseUen 
denken; holzwip und baumweibchen kennt auch die deutsche 
Vorstellung, Grimm myth. 243 ; ein vierzig eilen hoher ganz 
alter mosbewachsener trämadr kommt auch Ragn. Lodbr. 
c. 21 vor. wie nun kornweibchen splitternackt erschienen 
(myth. 617), so schrieb man dies auch namentlich den banm- 
männern zu, ja der in der Ragn. sage erwähnte singt 'nir- 
gend schützt mich fleisch noch kleider.' wenn sie nun nach 
dem, empfiinge der kleider sich beiden dünken, so erinnert 
das freilich daran dafs kleider leute machen, nur dafs der 
volle nordische spruch auf eine lebendigere art auch aus- 
sagt gut macht mut Frank 1,19^. — neiss er neycquidr katr. 



zu HAVAMAL. 403 

d6r schmähiuig ausgesetzt ist der nackende, scheint mehr 
als kleiderlosigkeit einzuschliefsen, und in dem sinne 'ein 
blofser kann kein held {reckr) sein' fortzuleben in der Um- 
schreibung vei^ebliches Unternehmens einen nackenden vff 
die schiitwacht stellen Frank 1, 4*. neiss hat wahrscheinlich 
seine wurzel in nidä hafsen verachten, und stünde für neid^ 
wie viss für vits. 

50. die auch unter uns wohl bekannte vergleichnng des 
Teriafsnen mit einem entlaubten stamm scheint hier ihre stelle 
gefunden zu haben durch str. 49. — mit ßorp^ könnte wohl 
nach der gewöhnlichen bedeutung die dorflinde bezeichnet 
sein; gerade sie, dem walde entnommen, ist die einsame und 
am meistej^ der entschälung ausgesetzt; Johnson aber gibt 
es hier durchs 'locus propatulus', so auch Mohn. Frithiob. 
s. 175 'in der öde', zwar ohne beleg, aber möglich wäre 
daTs das wort ursprünglich nur den dem walde abgewonne- 
nen platz, das gereute, bezeichnete, und für eine einsame 
gegend scheint es auch Ragn. c. 21 zu stehen, wo der baum- 
mann, der auf dem walde am strande gefunden wordefl war, 
sagt pd vard ek pessa porps rAAandi. ebenda ist auch von 
den schützenden hüllen wie hier hl^ra gebraucht, für die 
letztere auffafsung liefse sich auch anführen was Ten der 
im walde ungekannt verblühenden linde altd. bll. 1, 110 ge- 
sagt wird, manec schcßniu linde stdt^ der nieman keine ahte 
hat u. s. w. ; dagegen für die trauer der verpflanzten linde 
spräche die anwendung dieses bildes im Erec 6007 — 29. — 
in der frage Was soll der freundlose länger leben? ruht ein 
Sprichwort, niederdeutsch heifst es de nenen frund hat m 
der nöd^ is luttik bäter wän de död laiend. 42. 63. in 
Franks Sammlung ist kein sprach mehr von dieser starke; 
da heifst es nur man kann ehr ohne geld als ohne Jreimde 
leben; ßreundtschafl thut mehr not dann wasser und brot 
u. dergl. 

51. in dem vergleich mit dem feiier liegt wohl ^gähe 
freundschaft, lange feindschaft'; nur scheint die meinung 
zugleich zu sein dafs andere freundschaft als unter guten 
nicht aushält. 

52. ok med höllo keri wird richtig erklärt durch 'in- 
clinato poculo'. das seltene höll gehört offenbar zu der ver- 

26* 



404 ZU HAVAMAL. 

lornen Wurzel goüiisch kiipan und würde ebenda halp^ lau- 
ten; die gleiche assimilation gieng auch in dem ebendaher 
sUgnmenden hoU, geneigt, hold, vor sich, denn dafs huld 
und hold zu diesem stamme gehören steht fest, s. Grimm 
in d. Wien« jahrb. 70, 50. der spruch Oft erwirbt man 
sich mit wenigem lob, besteht nach Finn Magnussen noch 
im dänischen; deutsche schliefsen mehr den grund ein, es 
gilt ein trunk wasser zu seiner zeit ein vq/s mit' wein, ein 
heller ein gülden oder die gaben macht der will gut Frank 
1, 9'. SS**? wie und wer, nit was 2, 87^. 

53. die Kopenhagener ausgäbe macht keinen versuch 
diese dunkle Strophe zu erklären; die Übersetzung ist 'mi- 
uutarum arenarum instar, minutis cum ingeniis, minuli sunt 
animi hominum'. sollen die Sandkörner aller menschen ver- 
stand bedeuten, so widerspricht die wendung 'nicht alle wer- 
den gleich klug;' eben so stark die sonstigen erfahrungsge- 
mäfsen Unterscheidungen der menschen in kluge und thö-* 
richte, sollte also der sinn sein dafs vergleichungsmäfsig 
der menscbenverstand ein sandkorn ist, gegenüber dem uni«- 
versum das er durchdringen möchte, oder gegenüber dem 
Schicksal welches ihm des vergangenen viel und die Zukunft 
ganz verhüllt, oder gegenüber dem wifsen der götter? dann 
wäre der spruch parallel bei Biörn Hald. 279. nur läfst sich 
das folgende dazu gar nicht als grund reimen, wenn man 
nicht iafiispakir etwa auf das gleiche wifsen der zukunft, 
die späherischen gaben, bezieht, die man einigen zuschrieb ; 
ungenau wäre dabei nur immer noch dafs danach die men« 
sehen überall in zwei hälften zerfallen, könnte man dage* 
gen in der ganzen zweiten hälfte der Strophe eine meiosis 
annehmen, die eigentlich so viel sagen wollte als Eine grofse 
Unebenheit findet unter den menschen statt, wquu sie nach 
der Uugheit eingetheilt werden sollen, dann könnte die erste 
hälfte ' bedeuten Die summe der einsichten gleicht Sandkör- 
nern. — beides bildete eine passende einleitung zu den fol- 
genden Sprüchen Man solle nicht nach zu viel wifsen stre- 
ben, da sich überhaupt nur wenig wifsen lafse. doch wiche 
diese erklärung gern jeder die sich näher an die werte an- 
schlöfse und* beljseres Verhältnis der beiden verstheile her- 
stellte, vor der band denke ich die construction mir abge- 



ZD HAVAMAL. 405 

brochen so, Kleiner Sandkörner, kleiner geisteskräfte — 
(sind die menseben ; ja) klein sind die geister der männer. — 
keine einzige Variation gibt es die eine befsere Verbindung 
oder anslegung-an die band gäbe. 

54 — 56. vel mart vita ist auch das lob des echten wei- 
sen Fafnir Edda 2, 174. die sprücbe von den vorzfigen des 
nicht allzu viel wüsens braucht man nicht fiir spätere einle- 
gungen aus christlicher zeit zu halten, welche das prediger- 
bucb viel fiir solche Sammlungen benutzte , wie im Freidank 
und besonders im laiendoctrinal zu sehen ist. ein Zweifler 
könnte sich auf Coh. 1, 18 berufen, 'wo viel Weisheit, da 
ist viel grämens' und 7, 16 'sei nicht allzu weise, warum 
willst du dich verderben?' aber die erfahrung liegt zu sehr 
auf der band als dafs man sie nicht jedem volke unabhängig 
zutrauen sollte, und sie hat im munde des germanischen 
Volks viele eigenthümliche und stufenweise immer stäiHkere 
ausdrücke, der allgemeinste ist alto feie is seiden güd: wän 
aUe dat korti boven gemikke (übermäfsig viel) up demfelde 
stau to dicke, fordrukket dat andere, also dat des de liide 
werden unfro laiend. 125; wer viel wet/s, der wirt nitfeyfst^ 
wer ml erfert, der mufs vü leiden; was einer nit wet/s, 
das tut im nit wee; wer nicht versteht, den nicht gräet; 
vil kunst, vil müh und nnwirfse Frank 1, 17*. 67^. 90^; bei 
ml kunst ist vil vnmvfs; unvemilnftig schadt nicht, es lebt 
nur einer dester bafs; narren haben gut Uben^ man hat 
jn nicht ßir vbel ebend. 2, 99^. du solt underwilen sintm- 
wiser denne ein kindelin Cato 294. sehr ausführlich im 
Froschmäusler c. 6 wer viel versteht — und kan der ist 
ein hochbeschwerter mann u. s. w. auch der gegen das be- 
gehren der weifsagungen gerichtete spruch str. 56 beweist 
noch nicht christliche zeit; in den nordischen sagen kommen 
genug bei spiele von einem solchen hinwegsetzen über die 
neigung die zukuüft zu erforschen vor, wie tief sie auch im 
heidnischen volke safs, so Vigagl. c. 12. Örvar Odd. c. 2. 
ähnlicher rath erhebt sich noch im laiend. 133 nog klein nog 
grot begären wetende iuen död, 

57. madr at manni verdr af mdli kud, der mann wird 
durch den mann in (mit) der rede kund, wird so viel sein als 
berühmt, so dafs bei der vergleichung mit dem feuer das 



406 ZU HAVAHAL. 

sich nur Tom feaer belebt, entzündet, das ganze wohl eine 
aaCTorderang ist unter die menschen zn gehen und es mit 
ihnen zn halten ; dann dürfte aber anch til daelskr af dul 
nicht sein 'sed impudens ex silentio (superbla ignorantia) 
sondern Eben so wie der echte mann als solcher durch an- 
dere bekannt wird, zeigt sich der unwerthe am verborgen 
und daheim sitzen bleiben, diese bedeutung für dul, das sich 
verstecken, verliegen, wie es altdeutsch hiefs, läfst sich aus 
dem dylia entnehmen, wie es z. b. Frid^. c. 11 steht. — 
was hier von der ehre und tüchtigkeit gesagt wird, schreibt 
ein ähnliches wort der Freundschaft zu, beiwomtng' macht 
kundiichqft, so brint leicht stro vnd fewr beysamen Frank 

1, 35*. 

58. 'früh soll aufstehen wer des andern gut oder leben 
haben will' stimmt zu gut zur zeit der rachegerechtigkeit 
als dafs man es mit Johnson möchte verallgemeinem, einen 
nachklang davon finde ich noch in dem gewiss uralten sprä- 
che frisch daran tödt halb den mann Frank 1, 26*. auch 
die angeknöpften Sprüche sind im deutschen gangbar gewe- 
sen neben dem dafs der sl^fenden vöhe selten eine mäs in 
den munt hufet; noch Schottel sprachsch. 1130* führt an 
dem schlafenden wo(fe lenffet kein schaqf in den mund. 

59. sins vei'ka d vit, soll seiner arbeit ins angesicht 
gehen ; Jara, ganga d vit ist der gewöhnliche ausdruek für 
aufsuchen, nach etwas gehen ; hier wohl absichtlich zu her- 
vorhebung des eigenen Zusehens, lug selbst zu seinem ding, 
wer wül dqfs ihm geling Frank 2, 43*. — zu mart ...er 
«01 margin sefr vergleichen die Kopenh. herausgeber das 
dänische morgenstund giver (kar) guld t mund, mit der er- 
klämng' gibt es in die band' (wofür mund früher allerdings 
der aUgemeine name war). — hdlfr er audr und hvötom, der 
halbe erwerb ist unter (liegt an) dem raschangreifenden d. h. 
als solchem; ähnlicher gebrauch des concreten adjectivs in 
der priamel langsam und bös hat kleinen lohn, behend und 
gut behält die krön Eschenb. denkm. 416. er mer undir 
heifst sowohl es liegt mir an, als es liegt an mir, so dafs 
der sinn ist wol ang^angen ist halb thon; frisch ange- 
lauffen ist halb gefochten Frank 1, 4". und = undir Edda 

2, 159. 



zu HAVAMAL. 407 

60. pakbma naefra deckeoder rinden oder schindeln, 
der form nach ist das part. ins pass. umgeschlagen, was oft, 
je nachdem die ausspräche bequemer ist, im nordischen ge- 
schieht, so heifst es a liäandi degi und d Udnum, so auch 
lifdam =z lifandi str. 70. — pess kann madr miöiude da- 
von weifs man das mafs — was nöthig ist, um sich gegen 
frost und sein dach gegen das wetter zu schützen: also — 
diese aufforderuog ist verschwiegen, daher der ausdmck wohl 
sprichwörtlich war für besorgung dessen was mindestes be- 
dürfnis ist um nicht nachher elend zu leiden; wer nü im 
summre gablen kan^ der mufs im winter mangel han, den 
berendantx dick sehen an Brant 201 — 3. man sol schnei' 
den weil die emt ist. wann du nun im sommer vnd herbst 
nä jeilt einemdten und lesen^ so darb im winter. wer leidt 
dqfsjm in sein eygen hat^fs regnet oder schneiet^ des erbarmt 
sich gott nit. — die form miötudr ist freilich selten, doch 
nicht mit Johnson in miöt abzustutzen; sicher ist zu lesen 
anötude (nicht nuötudc) ; der dat. bei kann ist wie im deut- 
schen können mit. die form miötudr aber wie ags. vearod 
ahd. werod (menge) gramm. 2, 230 und wie munod (liebe) 
Str. 79, obwohl das ags. meotod den mefser, Schöpfer bedeu- 
tet, d. myth. 15. 72. — er vinnas megi; der vollständige 
ausdmck für hinreichen ist vinnaz tilßillu. — mdl ok missere 
hat etwas formelhaftes ; der acc. pl. mdl bezeichnet einzelne 
bestimmte Zeitpunkte, wie die tagsmahlzeiten, die Jahreszei- 
ten, gericbtszeiten ; missere für misseri ist wieder als pl. zu 
nehmen (es ist ebenfalls neutr.); die halbjahre aber ist ste- 
hende bezeichnung des jahrs, dessen älteste beobachtung sich 
überall an die beiden Sonnenwenden knüpfte, wo die grofsen 
opfer und gerichte waren ; seiner Wortbedeutung nach hiefse 
es wohl Wechseljahr, Jahreswende; so heifst Er hielt sich 
da einige halbjahre auf ok var sva pd nockr missari Vigagl. 
c. 20 ; jähr aber ist es in der straftestimmung hqfa 3 hei- 
meK d kverium missarum ebend. c. 19. ebenso 13 und 9. 

61. in dem zusatze 'obschon er nicht zu wohl geklei- 
det sei' kann ich keine Warnung sehen zu sollen wo die 
kleider herkommen, wie in Matth. 6, 25, was Johnson hier 
anfährt, sondern einzig eine hervorhebung der ordentlichkeit 
und reinlichkeit gegen das sehen auf guten anzug. schämen 



408 ZU HAVAMAL. 

sollte man sich, will es sagen, ungewaschen zn kommen,- 
aber nicht in einem geringen rocke oder auf nicht allzuga- 
tem pferde zu kommen ; und eher schäme man sich der blöfse 
als der schuhe und hosen, wenn sie nicht besonders sind, 
ein ähnlicher spruch setzt das gekämmt sein hinzu kemdr 
ok poeginn skal kaenna hverr, ok at morgni mettr Edda 
2, 165. saed steht für sM (se-at) wie saevi für sein, sefi 
und öfter aez:=,e geschrieben ist. 

62. die vielerwähnten erfordernisse des weisen, fragen 
und besonders sagen können (so str. 104), vergl. Grimm 
Andr. s. 91, stehen hier nur des gegensatzes halber; der 
Übergang scheint der zu sein. Zu sprechen wifse der ver- 
ständige, doch sein geheimnis verschweige er. die form die- 
ses 'allein wifse man seine sache' u. s. w. kommt auch sonst 
ähnlich vor ; wenn ein ding bis an den drit man kompt, so 
bleibt es selten verschwiegen; was einem zu eng ist, ist 
auch dreien zu weit Frank 1, 11''. formlos im laiend. 67. 
nach diesen beispielen ist nicht der deutung Finn Magnus- 
sens beizustimmen ' merkwürdige neuigkeiten sind nicht einem 
oder zweien, sondern dreien zu sagen, da es dann das ganze 
Volk weifs', eine Wendung die nur daraus hervorgieng dafs 
ihm die Übersetzung Johnsons einen Widerspruch zu enthal- 
ten schien; diese war 'unus sciat licet, non item alter, to- 
tns populns seit, si tres sunt conscii.' so auch Mohnike in 
der Frithiofssage. aber auch dies hat seine parallele, der 
Winsbeke räth — din tougen niht den tumben sagen, daz 
zwein ist reht, deist zenge drin MS. 2, 251^. was vber 
zwey hertz kompt, das kompt auff (aufs?); was einem zu 
eng ist ., ist allein ziveyen gerecht Frank 1,11*. es bleibt 
nicht verschwigen was vber zwey hertzen in das dritt kompt 
2, 113\ 

63. das unruhige flattern des adlers an der see, wo er 
sieb nicht halten kann, und die läge dessen der keine für- 
spreoher, besonders nöthig im alten thinge (str. 25), zur seite 
hat. das Also — wird sein eifien got und vil Jreund sol 
man haben Frank 1,7^. alt heifst das meer wie der riese 
(vergl. zu Str. 105) unter dessen namen.auch Oegir war. 
Sn. Edda R. s. 210. 



zu HAVAUAL. 409 

64. tiki murs hier allerdings gewalt im aUgemeinen sein { 
das vorige und die anwendung erweisen als mittelgUed Man 
mache sich keine feinde, das zweite versglied, welches %ier 
aussagt Verlafs dich nicht auf deine eigene stärke, begegnet 
aneh als selbständiges Sprichwort von Selbstüberschätzung, 
wie 'der stärkste findet noch immer leicht einen stärkeren 
tapferem' Aegü-hialm bergr einugi, hvars shüo reüHr 
vega. pa pat finnr er med fleirom kömr at eingi er emna 
hvaUuir Edda 2, 175. fomald. 1, 162. es ist auch keiner 
so geschwind^ der nicht einmal sein meister find Proschm. 

-2, c. 14. 

65. für die vorsieht im trauen klingen viele spräche; 
die deutschen geben auch ein mafs dazu, trau niemand^ du 
habest denn ein salzscheiben mit ihm gefsen Frank 1, 111^ 
(104). 2, 16. 

66. 'bald war das hier getrunken, bald nicht ausgele- 
gen, wenn ich kam' könnte man als klage über ungastlich« 
kdt fafsen, nicht xu geben findt der geitsig allweg ursach 
Frank 1, 72**; hier gilt es aber dem der den andern nicht 
gern sieht, wie die letzte zeile sagt Selten kommt der lei- 
dige zum trunke recht, lid n. ist auch ein im deutschen 
gebräuchlich gewesenes wort, wie es im Ludwigsliede für 
rauschtmnk steht. Sn. Edda R. s. 208 lid heitir öl. 

67. hier der gegensatz, Während man beim übelwollen- 
den immer nach dem feste kommt, gibt der freund immer den 
geringsten vorrath her, und den ziehe ich allen gastgeboten 
vor. — mundi mer heim uf bodit es würde mir entboten, 
ich könnte eingeladen werden, denn Er lud ihn zu sich heifst 
baud hönum til sin Vigagl. c. 20. budu peir heim Hbgn^ 
Edda 2, 419. 1, 363. 

VERGLEICHÜNG DER GÜTER DES LEBENS 

(68 — 80). 

68. in dem ausdruck eldr er beztr med pta sonom ok 
solar spn fand schon Finn Maguussen spuren der alten hei- 
ligkeit der sonne und des feuers, mit vei^leichung des per- 
sischen cultus; auch Grimm bemerkt 'wie schon Julius Cae» 
sar Sol uniFulcantiSf und die Edda, beide als das höchste 



410 ZU HAVAMAL. 

preisend, feaer und sonne nebeneinander nennt' d. m. S40. — 
wenn dieser halbvers auch aufser der Verbindung, in der er 
hier erscheint, ein gangbares wort war, so ist diese Vor- 
stellung unverkennbar, da aber hier darauf noch ein Wenn 
folgt, welches nur mit dem vorangegangenen lobe des feuers 
und der sonne verbunden werden kann, so vermag ich nicht 
eine unbeschränkte, sondern nur eine bedingte vorz,üglich- 
keit jenen dingen zugesprochen zu finden, und es bleibt mir 
nur die nüchterne erklärung übrig Dann ist das heimatliche 
feuer, dann der sonnen anblick köstlich, wenn der mensch 
die gesundheit zu behalten und ohne fehl und Schmach zu 
leben erreicht, statt ' leben' zu sagen ' die sonne anblicken' 
wurde sich kein dichter nehmen lafsen; dafs aber (69 — 71) 
das leben als unersetzliches und jedem andern unter seinen 
gutem vorzuziehendes gut in immer hellem und stäriLcm 
ausdrfidLen bezeichnet wird beweist auch hierher zurück dafs 
es hier gemeint sei, damit man zum voraus verstehe was 
76. 77 schärfer ins äuge gerückt wird, ehre sej noch höher 
als leben, ein fehlloses leben das höchste. 

69. gesundheit nicht das einzige gut im leben, qfver^ 
Ami vel von wei4en, thaten genug, bezieht sich nicht auf 
wohlthäti^eit. 

70» dazu führt Finn Magnussen das noch gehörte dil- 
nisehe Sprichwort an qtieger mand faar vel ko, mem dod 
faar aUrig Üv. auch deutsche Sprüche gedenken der kuh 
als des mindesten bausbedarfs, wer wil hohen ruh, bleib bey 
semer kuw Frank 2, 84*, und preisen das leben, das leben 
ist Heb; der leib ists hauptgut 1, IT*". — die lesart Olafs, 
nuttä für manni, wonach der sinn entsteht Die reichthümer 
kann das feuer verzehren, zieht Finn Magnussen richtig vor; 
sonst könnte man nur an das bestattungsfeuer denken, und 
dann ist der tod nicht mehr blofs vor der thüre ; auch str. 78 
spricht dafür. 

71. so viel anschauung als hier dürfte sich in späterer 
zeit schwerlich wieder zusammenfinden, wo gesagt wird dafs 
gebrechlichsein immer noch befser ist als todtsein ; denn mit 
Verbreitung der christlichen lebensansichten vermindern sich 
die Sprüche von dem werthe des irdischen lebens. unberührt 
davon musten sich aber natürlich solche erhalten wie bqfser 



zu HAVAMAL. 411 

den arm ah dm hah abgefallen Frank 2, 7^ ; die todten 
mögen uns nit mehr helfen 1, 35". — brendr r= dmtdr aaoh 
Str. 81. 

72. über die bautar - steinar Snorri zu an&ng der 
Heimskr. — eptir genginn guma nach dahingegangenem 
mann (vater) geboren. 

73. toeir ro eins heriar Mao inter se sunt ad^ersarii/ 
so die Kopenh. herausg. und die lesart R^s, einheriar^ 
bedeute dasselbe, einheri wäre monoheros gr. 1, 661 (wie 
einba?ii)f einziger auserlesener held wie Vaffir. 40. Grimn. 
18. 23. merkwürdig dafs die Variante eins heriar ebenso 
Yaffir. 41 voikommt. man hat es auf die im folgenden ge* 
nannte feind$chaft zwischen zunge und haupt bezogen, deren 
spriehwörtlichkeit sich aus jenem alten zusatz zum Uplanda- 
lag beweist, worin der lästerer, wenn er im Zweikampf fallt, 
als eine das eigene haupt trefiende zunge (tunga huodbani) 
ohne bufse bleiben soll s. 130. Finn Magnussen hält die 
ganze atrophe als abgerifsen und dem versbau widersprechend 
für unecht und eingeschoben, gerade die dunkelheit der letz- 
ten Zeile spricht eben nicht dafür, und längere dreiatäbige 
Untersätze widersprechen dem Liodahattr nicht, wie ich in 
dieser Zeitschrift nachgewiesen habe, selbst Resenius, bei 
dem sonst manches nicht stand, hat die zeilen nur offenbar 
entstellt, bane er naer i bedenn^ hveim kandarvane. aber 
die pergamenths. war den Kopenh. herausgebem nur bei 
haufiids, was sicher richtig gesetzt ist, undeutlich, gar nichts 
blieb schwankend in den folgenden schwierigen worten er 
mer i hedin hvem handar vaeni. das seltene hedmn läfst 
sich durch nichts anders erklären als durch rock, Finn 
Magnussen verglich richtig geit-kedinn, wenn auch die ab- 
leitung von kud unrichtig ist. auch in der zusammenziehung 
ülßieänar die wolfspelzträger Heimskr. 1, 95. 4, 17 liegt 
dasselbe wort, sicher ist nun dafs die Verbindung dieser i 
hedin hvem m\i vaeni bei den Kopenh. herausgebem, so dafs 
der rock der gegenständ der erwartung, hofibung, sein sollte, 
unzuläfsig ist; nähme man auch handar -vaeni etwa für be- 
hende oder sichere erwartung zusammen, das worauf man 
hofft oder rechnet, wird immer im gen. zu vaeni oder vdn^ 
von gesetzt, so Rönorr var styriar vaeni Har. harf. c. 19 



412 ZU HAVAMAL. 

and in dem Sprichwort er mer fangs von af frekom ulfi 
kämpf erwarte ich von einem schnaubenden woIfe Edda 2, 
lö9j illra oräa er mer on at ykrom syni Försk. 2, hvert 
er honum ßik/nr skiöls van wo ihm Sicherheit zu hoffen 
schien fomald. 1, 218, könig Gnnti gieng darauf ^u, wo er 
hnndegebeli hörte pviat honum pötti par heizt manna von 
weil er da am ehesten auf menschen zu treffen rechnen konnte 
fomald. 3y 5, koma t lands von auf der Seefahrt 2, 305; in 
dem grofsen walde mufs man auf manche reifsende schädli- 
che thiere gefafst sein, en par vdn marga skaeära d^a 
bl. 2, 330. ebenso das verbnm fengjar vaena fomald. 2, 309. 
bieraach kann er mer hander vaeni nichts anderes heifsen 
als Ich rechne' auf eine band, Versehe mich einer faust, und 
dann wird in dem präpositionellen zusatze das wann oder wo 
zn suchen sein ; völlig eben wäre ein mit i verbundener da* 
tiv, das hier gewählte i hedin hvem mag aber sein In jeden 
rock setze, denke ich mir, eine faust. ist dem so, dann er- 
gibt sich völlig angemefsen zu der warnung der durch die 
ziinge oft drohenden lebensgefahr die fortsetzung der vor- 
sichteinschärfung, Und sicher wähne ich niich nirgends dafs 
sich nicht eine verborgene band gegen mich erheben könnte, 
dies mochte sprichwörtlich sein durch den kurzen satz aus- 
Eudrticken Wo ich einen rock sehe, da denke ich mir eine 
fanst darunter, ein Spruch gerade so identisches verbindend 
zur sohäriung der aufmerksamkeit wie der gangbare deutsch 
bei Seb. Frank zu findende und oft im nordischen gebrauchte 
pur er mer ulfsins van, er ek eyrom sd, da wähne ich den 
wolf, wo ich sein ohr sah Edda 2, 183. Fomald. 1, 164. 
alt. blL 1, 11. belegen läfst er sich kaum mit Laxdoelasaga 
6. 160 M. (unter diesem kleide weifs ich meinen tod woh- 
nen), wohl aber durch opt ern vorgugar hendur undir vor» 
gugum felldi d. i. saepefortes manus sub sordida toga, ein 
sprach den B. Hald. (s. 462) gelesen hatte, der fortschritt 
vom ober- zum Untersatze ist dann hier ähnlich wie str. 65, 
oft mufs man für seine worte entgeltung erfahren. 

74. auch diese Strophe hält Finn Magnussen für eine ein- 
geschobene, aber ihr bau hat nichts ungewöhnlicheres als 
dafs eine 3e oder 4e kurzzeile zu viel ist, und ihre dunkel- 
beit ist nicht so grofs dafs man darin nicht eine aufTorderung 



zu HAVAMAL. 413 

zar Vorsicht auf reisen erkennte, wodurch sie sieh wenig- 
stens in einige Verbindung mit 73 setzt, olwohl sie sieh 
befser an die regeln vom einkehren 34. 35 oder 33 aoschlö- 
fse; denn dem sinne nach würde ich sie so umsohreibeo, 
Freue dich der ruhebringenden nacht nicht einzig schon dann 
wenn du reisevorrath hast, ohne ein obdach ist es auch beim 
heitersten abend misslich, verä|iderlich ist ^ie herbstnacht 
U.S.W, nicht ganz sicher zwar scheint die von Finn Malus- 
sen angenommene bedeutung herbstnacht für haust grima; 
da grima nur hülle, larve, heim bedeutet, so könnte die 
meinung auch sein Oft ändert der herbst seine maske, sein 
aussehn, für die erstere erklärung spricht aber dafs im ags. 
die nacht ein heim genannt wird, Grimm Andr. und Hei. 
s. xxxvi^ und dafs sie in den kenningar u. Alv. 30 mdl-gri^ 
ma heifst. sollte in diesem siebenfüfsler etwas eingescho- 
benes sein, so ist am verdächtigsten skammar ro skips rar 
kurz sind des Schiffes rahen, deren sinn etwa ist Oft schlägt 
der wind um — herbeigeführt durch die folgenden sätze vom 
Wetterwechsel ; der wind aber hat für den wanderer weniger 
bedeutung, und so ist erst ohne diese zeile der Zusammen- 
hang der ganzen anschauung ungestört. 

75 — 80. vom reichthum und dafs er dem thoren nichts 
hiia. 

75. die befserung qf audrom (Finn Magnussen) für afl 
auärom wie in der pergamenths. steht, wird unverwerflich 
sein; sehr annehmbar scheint aber auch die änderung af 
audom vom reichthum, die derselbe mit vergleichung von 
Solarl. Str. 34 margan heßr audr apat vorschlägt, indem 
so erst ein leichter Zusammenhang mit dem folgenden ent- 
steht, sonst heifst es Der thor weifs nicht, wenn ihn an- 
dere zum besten haben (Brant narrensch. 196); niemand ver- 
spotte einen blofs der armut wegen. 

76. 77. unvergänglichkeit des nachruhms, des guten oder 
üblen namens, nach dem tode. was hier orx^tirr wortruhm 
heifst, drückt auch das einfache tir aus; so ags. tir^eddige 
häled Andr. v. 2. //r 105. wenn man tir erworben, will 
man gern sterben, göds höfom tirar tengit, ßott skylim nü 
edr i gaer deyia Hamd. 29. on par feil Bardi med godun 
ordstpr Isl. 1, 308. — domr ist zwar gewöhnlich ein form- 



414 ZU HAVAMAL. 

lidies gerieht, hier aber nur das über jeden menschen sieh 
bildende urtheii. 

78. Vergänglichkeit des reichthoms ; ein eigenthümlicher 
aosdmck dafür aus deutscher liberliefemng wurde zu 13 an- 
geführt; die benennung Fitiung liefse sich eiw9L mit FeisiMg 
oder Fettling wiedergeben. 

79. 80 bilden einen pur lose sich anschliefsenden an- 
hang zu den sprächen über die lebensgüter ; nachdem hinzu- 
gefügt ist dafs der reichthum, ja jeder besitz, nur für den 
klugen, nicht für den thoren, ein eigentliches gut ist, dem 
letzteren wachse nur die aufblähung davon, wird fiir einen 
solchen der schon 27 gegebene rath des Schweigens wieder- 
holt, hier mit wohl absichtlich pomphafter einkleidung als 
wäre es ein hohes geheimnis. peim er gördo gmregin wel- 
che hauptrunen die hochheiligen götter machten; peun ist 
von nmom angezogen, wie gewöhnlich, so dafs in er erst 
das volle relativum ist; die Zusammensetzung gin^regin ist 
wie gin-heUagr hochheilig Vol. 6, doch wohl eigentlich zum 
anstaunen heilig, denn gin von gina ist die mundesöffnung. 
ein ags. adj. gin (patulus amplus) weist Grimm Andr. 1523 nach. 
Finn Magnussen fuhrt auch ginfast (zum erstaunen fest) an; 
so wird später auch forkunnar wel (wunderwohl) gesagt 
Orkn. s. 84. dunkler ist die gleichfalls steigernde Zusam- 
mensetzung mit ßmbuly die auch str. 104 begegnet und in 
fimbul^vetr Vaf^r. 44. Grimm vermutet es möge ursprüng- 
lich das rauschen bezeichnet haben wegen JSndmffambi 
Str. 104 und ags. Jifeldor, fifelstream. Andr. und E. s. 147. 

ZEIT ABWARTEN UND WAHRNEHMEN 

(81—83). 

81. was die sechs einzelnen bilder auf gleiche weise 
aussagen, das findet sich später auch nackt, zusammengezo- 
gen in einen spruch, dargestellt: als Brjrnhild sagt 'du hast 
gut zufrieden sein, da dir alles nach wünsche geht' antwoi^ 
tet Gudrun snemt er pvi enn at haela, früh ists noch des- 
sen sich zu rühmen fornald. 1, 189. nämlich mer spräkt 
unde is 6k al wäre, allen wärken werd lov gesägd in deine 
ende 9 alse men se lägt laiend. 32. schilt und lob niemand 



zu HAVAMAL. 415 

bM Firak 1, 72*. auch die einzelnen bilder waren fBr sieh 
gangbar; noch jetzt haben wir es ist noch nicht aUer tmge 
abend wie Frank 2, 84^, wo auch es ist wol so grüns vor 
nachts zu hew worden als das. aber auch wie hier galt 
guot&i tac man ze dbent loben sol, aus Laurin Wh. Grimm 
Freid. xcvii; ferner das erprobte schwert Freid. 95, 18 ; und 
stäriLer als mey er geßn er findet sich nach der hochzeit 
erkent man des weibs bojsheyt, was Frank 2, 71* in glei- 
chem tone auslegt. 

82. die zeit wahrzunehmen hat das deutsche noch mehr 
bildliche außorderungen ; schneid pfeifen weil du in den röh- 
ren sitzest; schöpf oder trink dir genug weil du bei dem 
brunnen bist und andere bei Frank 2, 92^, 153'; doch ist 
hier noch in jedem bilde zugleich eine selbständige gute re- 
gel ; die zweite versbälfte gebt von der einschärfung der rech- 
ten zeit zu der der bestimmung über, in jeder aber hat sicht- 
lich die letzte, die aufforderung zum genufs der liebe, den 
hauptton. — a skip skal skridar orka eigentlich mit dem 
schiff soll man schritt, lauf wirken, skrid^ sonst n«, hier 
f., druckt einen hinrauscbenden gang oder lauf aus, das hin- 
streichen, will aber hier doch kein recht volles bild geben. 
R. hat skreiäar orka fische £angen, aber skreid wird nach 
Biöm Haldorson nur von den getrockneten fischen ge- 
braucht. — maeki höggs hängt noch von til ab, wie vedri 
von {. 

83. eine ähnliche kaufregel sogar im laiendoctrinal, wten 
skal datfä kefen so dar jung sy unde wasse to 113; hier 

. aber, wenn es unscheinlich ist. in heima hest feita schon 
mnts feita eine andere bedeutung haben als die welche die 
Wörterbücher und Finn Magnussen geben, mästen ; denn die 
wenigsten pferde wurden ja zu opfermahlzeiteu' verwendet, 
und auf den hund passt es gar nicht, die bedeutung ziehen 
schliefst sich leicht daran an und meint hier jedesfalls die 
dressur; belegen läfst sie sich vielleicht mit dem englischen 
to fit zurechtmachen u. s. w. die regel den hund auswärts 
gewöhnen zu lafsen befolgen noch alle Jäger, bi. ist freilich 
allgemein der anbau und war str. 36 heimatlicher besitz, er- 
hält aber öfters den sinn eines aufser der heimat noch, also 
auswärts, errichteten neubaues, landgutes; so Orkn. 151, 



■*• 



41» ZU HAVAHAL. 

Sigord ' hatte ein amt, also niederlafsung in Tonsberg, ok 
diu bü d Austr-Ogäum. ein reicher bonde in Norwegen 
hatte 1!^ bügarda fyrir utan pann köfudboe, er kann sat 
d sia(/r fornm. 11, 422. 

WORAUF NICHT ZU TRAUEN (84—91). 

84. die tbatsache der wandelbarkeit der frauen (deutsch 
st hdnt kurzen muot und langez här Wh. Grimm Freid. 393f.) 
beklagt auch der verfafser des Solarl. 10; aber er lenkt ein, 
wie Cohel. 7, geschaffen sein sie wohl gut, aber — • 

85 — 89 hangen die dative alle ab von dem schliefsen- 
den verdtt maär sva tryggr ai pessi trui öüo. sollte daher 
wohl die in der construction wie im metrum unterbrechende 
Str. 88 vor oder nach dieser längern priamel ihre ursprüng- 
liche Stellung gehabt haben? freilich ist wohl auch nicht 
zufällig dafs anfang und schlufs nach der gegenwärtigen Ord- 
nung auf das unzuverläfsliche der frauenliebe als das bitter- 
ste im besten gehn, so dafs das übrige zu diesem als dem 
am meisten betonten in ein ähnliches Verhältnis tritt wie 
in Str. 82 und sonst, wie es auch deutsch heifst brunst, des 
meeres ßut, und des weibes duck sindt vber alle stuck 
Frank 1, 23**. die einzelnen stücke dieses katalogs der un- 
ZQverläfsigkeiten sollten sich wohl auch sämmtlich in deut- 
schen Sprüchen nachweisen lafsen, und könnten daher be- 
trächtlich vermehrt werden; z. b. schon in gesellschaft des 
bogens pflegt noch mehr zu kommen, ein schwager und ein 
erlenbogen, ein schnelle that nicht wol erwogen^ ein alte, 
brück und fahles pferd, wenn sie bestehn, sein lobenswerd 
B« Ringw. 1. w. 371. der kurze mann und der röte bort 
Freid. 85, 19. Frank 2, 179^ sind auch nordisch verdächtigt, 
wenigsj^ns im 13n jh., ai pü truir aldrei Idgum mannt ok 
rauäskeggjudum fornm. 11, 428. — 86. bami konungs, 
weil er als regierender sich ändern kann. — 87. sialfrada 
praeli einen, so zuvorkommenden diener verdächtigen auch 
deutsche spräche, völo vil-maeli, denn sie thaten es ge- 
wöhnlich um guten gewinnes willen. Vigagl. c. 12. — val 
ny-feldom doch wohl, weil 'es sich oft begibt dafs der sich 
noch selbst rächt der den todesstreich empfieng , fomald. 1 , 1 62. — 






zu HAVAMAL. 417 



die folgenden 4 stücke heidrikum . . . skiaekiu sini nnr am 
einer papierhs. aufgenommen ; die beiden ersteren hatte flL^ 
senias schon nach 85 ; warum sie Finn Magnussen für an sich 
verdächtig hält, abgesehen von Aerra, dessen richtigkeit in 
der alten spruchform aufgegeben werden kag», ist schwer 
zn sehen; der spruch von den thränen der bnhldirae steht 
jedem alterthum an, für die beiden ersten zeilen aber gibt 
es ein zeugnis aus dem I2n jh., ridenti domino t^ffide, po^ 
lofue sereno altd. bll. 1, 11. und wieder im 16n klarem hm* 
mel und lachenden herreH sol niemand trauen Frank 1,77^, 
2, 179^. roter barty erlinbogen; herrengunst, frauenüeb^ 
aprillenwetter ebeud. — was würde. aber hunda gellH^ dem 
gebeil der hunde, für eine anschauung voraussetzen? etwy 
die eines in fremder gegend verirrten, der dadurch zu fein- 
den oder in andere gefohr geleitet wird? oder stand ur- 
sprünglich hunda hellti oder heltiy dem hinken der hunde? 
dies wenigstens haben deutsche Sprüche, kund hmcken, wei* 
her weynen, krämer schweren, sol sich kein weiser anke^ 
ren Frank 2^ 83^. 

88. das trügliche des früh gesäten ackera auch bei 
Frank, früh sat selten ßir sich gat 1, 5^. 104*; und zn 
vedr raedr akri vergL das jar bringt treid, nit der acker 
1, 19S die genaue parallele mit dem früh gesäten acker 
wäre, wie deutsche Sprichwörter haben, Einem früh sich ent- 
wickelnden söhne traue man nicht; hier steht aber allge- 
mein auf keinen söhn hoffe man zu früh, etwa wie es heifst 
ein vatter nerei eh \0 kinder, dann 10 kinder einen^vatter 
Fraük 1, 78''. — aus dieser stelle wird sich das in jeder 
handschrift anders gestaltete Sprichwort Vigagl. c. 7 herstel- 
len lafsen. Astridr hofft die durchführung ihrer gerechten Sa- 
che von ihrem jüngsten söhne Glum, wenn er von seinen 
fahrten zurückgekehrt sein werde; da sagt ihr gegner zn 
ihr seint til vanar sä man erja nach Rafu 2, 341, sä nnuni 
erja C, um pä mann-erju B, sä mann erfa nach Peter- 
sen ; keine lesart befriedigt recht, denn man, knecht, ist neu- 
trum, manerja (geringer ackerkuecht) aber femininum; und 
warum sollte der söhn geschimpft werden? wäre aber der 
sinn *spät soll man hoffen, da man den acker bestellt,' so 
Z. F. D. A. III. 27 



418 ZU HAVAHAL. 

spränge das Sprichwort nicht aas dem bilde in schmährede, 
imd zu lesen wäre etwa pd menn erfa oder pd er. 

89. brddur - bona sinam, dem nicht zn trauen, wird 
anch dem Sigurd von den schwalben voi^esangen Edda 2, 183, 
so wie anch der gmnd, vill bölva-smiär brödr he/na. viel- 
leicht dafs ans der heldensage sich diese gestalt des Sprich- 
worts erst entwickelte, oder dafs es doch seine ursprüngli- 
che Stellung zwischen Sigurd, Fafoir und Regin hatte, es 
hätte ja eben sowohl Jadir^bana sinom heifsen können, denn 
der söhn hat gleich starke rachepflicht. in der vorliegenden 
form wird es auch Edda 1, 76 berührt und Solarl. 20 — 23 
mit einem beispiele erklärt, nur dafs gemäfs den da her- 
gehenden christlichen grundsätzen die selbstrache abgewehrt 
wird. 

90. friSr qvennay Hebe der firauen, goth. ßriadca, wie 
Str. 51. — sem aki, als ob man führe mit unbeschlagenem 
pferde auf glattem eise ; hdl war auch im deutschen noch im 
16n jh. so gebräuchlich, sie hat keine helen schlangenhaut 
Frank 1, 112'; jenes aki braucht nicht reiten zu sein, eine 
eisCahrt mit einem einspänner kommt ja auch Frid^. c. 12 
vor. — eitt hross prSvett, ötamit Isl. 2, 177. 

91. anch der männer reden gegen die firauen sind un- 
sicher; und so wird bisher das warnen vor zu schnellem 
trauen ausgedehnt, doch liegt schon in str. 90 ein ansatz zu 
dem, was nun ausführlich besprochen und mit einem beispiel 
belegt wird, was es mit dem liebkosen der firauen auf sich 
habe, so dafs man auch schon 90 und 91 zu dem folgenden 
ziehen könnte. 

VON FRAÜENLIEBE (92 — 102). 

92. wie frauenliebe zu erwerben sei, erfahrungssätze 
die man nicht von Ovid geborgt zu glauben braucht, sd 
faer er friar .ßia heifst später gewöhnlich loslafsen und 
nachlafsen, hier noch im alten und in unserm sinne sich be- 
werben um liebe; deutsch Heb überkömpt man mit lieb; 
iffil einer geliebt werden, so lieb er; dem mutigen wird die 
braut Frank 1, 9" und sonst, etwas massiv, aber nicht un- 
gewöhnlich ist y^ bioää. mit geschenken von goldringen 



zu HAVAHAL. 419 

n. 8. w. wird in vielen sagen liebe gekauft ; so rersncht es 
Skimir taiit zwölf goldenen äpfeln und einem goldringe von 
wnnderimrer kraft, frdlich vergebens, bei Grerdur Edda 1, 77 f. 
deshalb möchte ich nicht mit Finn Magnussen vorziehen 
was R. statt fe hat, fir^U oder fridty gutes, schönes ; die 
Edda sagt geradezu friä at kaupa^ ich schenke dirs. 

93. dstar fima, über liebe sich verwundem, setzt also 
schon einen solchen grad voraus, wie er 94 klar ausgedruckt 
wird. 

94. deutsch, besonders im 16n jh., noch stärker lieb 
maqht läppen Frank 1, 10*. 

95. da mit dem sinne, der dem herzen zunächst wohnt, 
und mit neigungen allein dasteht, wiefern diese nie völlig so 
von andern empfunden werden können, offenbar ein Vorgang 
des innersten selbstbewustseins, der nur der eigenen persön- 
lichkeit entspringt, eingeleitet werden soll, so kann das be- 
zeichnete siechthum schwerlich die gewöhnliche Unzufrieden- 
heit mit seinem jedesmaligen Schicksale sein, was sich er- 
gibt, wenn man ser öngo at una mit Finn Magnussen über- 
setzt 'sorti suae ncdlatenus adquiescere.' die folgende erzäh- 
lung, die eine erfahrung davon beibringen soll, spricht nur 
von der quäl unbefriedigter liebe, deshalb nehme ich ser 
una als gegenliebCf liebesgenufs finden, nach lehre der deut- 
schen Sprüche lieb haben und nit geniqfsen tnöcht den teu- 
fei verdriefsen — ; wie wee dem ist, der lieb sticht da keyne 
ist Frank 1, 88^ und wie es auch in der Vols. heifst 'schwe- 
rer ist es den barm der daran liegt (an entbehrung der ge- 
genliebe) zu dulden als scharfe waffen' fornald. 1, 177. 
kaum wäre es so stark, wenn hier geradezu unna für una 
stände, die angesprochene bedeutung für una bestätigt sich 
völlig durch Edda 2, 216 vergl. 219. 

96. sie war mir fleisch und herz; dennoch um nichts 
mehr habe ich sie. das heßk gleicht also einem 'erhielt 
ich sie.' 

97. Billing ist sonst unbekannt; Finn Magnussen sieht 
dessen hier ungenannte tochter in derRinda welche nach Saxo 
Gr. Odhins antrage mehrmals abgewiesen. — jarls yndi, 
keine königslust ohne sie; iarl ist also nicht in seiner spe- 

27* 



420 ZU HAVAHAL. 

cielleB bedeutaD^ za nehmen, wie schon ahd. keiserlich so 
yoriLommt. 

98. die versprechende rede der jungfran geht gleichfalls 
von dem str. 82 gegebenen grondsatze ans. 

99 . visom viliom frd, Finn Magnussen 'ab certa volantate' ; 
er zieht aber ^rt (L) vor, d. i. wegen; es scheint aber in 
Übereinstimmung mit pottumz jenes frd besser, wenn man 
es so erklärt, 'obwohl ich von gewisser neignng (von gewiss- 
heit ihrer neigung) in der that fern war/ 

100. in n^ta viy-drotty jene nütze wachschar d. i. die 
tüchtige. — of vitadr ist abgesperrt, verhindert. ^ 

102. g6ä kann hier, da sie nachher schlimm geCipbiil 
wird, nur etwa gütlich, freundlich sein. — haäungar I/ukt- 
äi mhr. 80 wird leita mit dem gen. auch in rdäs leita ver- 
bunden, und die person die es zu leiden hat, tritt in den dat. 
wie in *es jemandem ansuchen oder anthun mit etwas.' — 
ha/da ek pess tetki vifs. wie im lat. wird adj. und subst 
gern durch einen acc. getrennt. 

VOM BEGEISTERÜNGSTRÜNK BEI GUNNLÖDH 

(103 — 111). 

iD3. deutlich ist dafs durch diese und die folgende lehre 
die erzählung vom besuche bei des riesen tochter eingeführt 
wird, wie nämlich hier munterkeit und gesprächigkeit ein- 
geprägt wird, so heifst es gleich im anfange der kcÜBhsge- 
schichte 'wenig hätte ich bei dem schönen riesenkinde durch, 
schweigen vermocht, viel sprach ich in meiner sache;' und 
so wird noch str. 108 wieder eingefügt 'dem verständigen, 
der sich zu helfen weifs, geht wenig ab.' dennoch kann 
man schwerlich sagen dafs der ganze mythus dieselbe Stel- 
lung hier habe wie das abenteuer bei Billingsmaid, welches 
allerdings, wenn es etwas lehren soll, wenig mehr sagen kann 
als was zur einleituog vorangeht str. 95. der nun folgende 
liebeshandel kann nicht blofs wegen seines glücklichen ab- 
laufs den gegensatz haben bilden sollen zu dem verdriefsli- 
chen und vergeblichen; denn in den Vordergrund tritt der 
geistentzündende becher, der nun zu den menschenkindem 
heraufgekommen ist str. 108, aber weder der liebesgennfs 



zu HAVAMAL. 421 

noch die kluge art durch witsE und bewegliche werte dazu 
zu gelangen ; von seinen gesprächen mit Gunnlöd sagt Odinn 
gerade gar nichts. <— desto nöthiger ist es eine eigenthüm- 
liohe bedentung der erzählung von derjenigen zu unterschei- 
den die ihr durch die Stellung hier gegeben ist, als sollM' 
sie nur beweisen wie nöthig kluge rede, erinnerung und an- 
knüpfiing an das vergangene, und überhaupt gesprächigkeit 
sei; regeln die ohnehin zum theil schon da waren 15. 62. 
105. diese Selbständigkeit des mythus von Gunnlöd be- 
weist auch seine ausfnhrung und benutzung in der Snorra- 
edda« Suttnng haust tief in der erde, der weg gieng durch 
gMraltige felsen (107), von seiner tochter geniefst und ent- 
fÜB^ Odinn den begeisternden trank, der miöd (106) odrerir 
geisterreger (108) heifst. deshalb erklärt Finn Magnussen 
diesen Vorgang für eine mythische darstellung der erzeugung 
der feldfruchte durch den in die erde eindringenden befiruch« 
tenden himmelseinflufs und für einen lobspruch auf den aus 
diesen fruchten bereiteten köstlichen biertrank, den allge- 
meinen nordischen begeisterungstrank auch der dichter, so in 
der Athene 6, 242. dann käme es nahe an den mythus von 
Proserpina. nach dem hier vorliegenden aber ist schwer zu 
finden wie an die feldfrucht, an die gerate, gedacht sein solle, 
woraus der trank gemacht war ist der erzählung gleichgil- 
tig, sie nennt ihn meth ; das eingehen in die erde hat keine 
lär sich erklärung fordernde Stellung, denn riesen wohnen 
einmat in bergen; und der same käme ja doch nicht unter 
felsen. der mythus scheint daher zu beschränken auf den 
Odrerir. die frage, wo kommt die dichterische begeisterung, 
jeder höhere schwnng des geistes her? veranlafste an einen 
tiefen Zusammenhang mit den geistern der natur zu denken; 
das uralte dasein der dichtenden kraft gebot eine zurSckfüb- 
rung auf Odinn, wie bei allem unvordenklichen geschah; er 
also muste ihn von den riesen in der erde, und, weil ohne 
Hebe kein höherer aufHug, durch die gunst einer riesentoch- 
ter gekostet haben, und mit adlersfliigeln, setzt die Snorra- 
edda hinzu, verliefs er sie wieder ; die hier zuletzt gegebene 
Wendung läfst das ganze als einen trug, öder doch als einen 
gewaltthätigen raub erscheinen, denn Suttnng wird getödtet 
und Gunnlöd somit in doppelter trauer verlaTsen. 



422 ZU HAVAMAL. 

106. den numen Gannlöd erklärt Finn Magnussen durch 
laäa einladen, kampfladerin, und hält dies für personifica- 
tion der erde, lex. myih. s. 408, welcher beziehung je- 
ne bedeutung nicht eben günstig ist. wenn die Schreibung 
der Snorraedda Gunnhlöd die ältere form enthält, so hat 
man an hlada (struere und prosternere) zu denken, wovon 
laäa (invitare) goth. lapon verschieden ist, dafür spricht der 
walkyrienname Hlaägtiär (Bellona stemens), welcher in an- 
derer Ordnung dieselben bestandtheile enthält. — ühgipld, 
entgelt, eine Zusammensetzung wie mhd. itewiz, ahd. itidn 
Kero 7. zu der zeile sins ins heila hugar dürfte ein un- 
nöthiges echo svara saeva sein. 

107. rata munn letomk . .fä erklärt Finn Magnussen lex. 
myth. s. 664 durch 'des bohrers mund liefs ich räum fafsen% 
nach dem bericht der jungem Edda, daemis. 72, dafs Odinn, 
bevor er in Schlangengestalt hinunterfuhr, sich durch Snttungs 
bruder Baug mit einem bohrer den weg durch die felsen habe 
bahnen lafsen wollen : unter diesem bohrer sei aber der Son- 
nenstrahl zu verstehen, das letztere hängt mit seiner deu- 
tung des ganzen zusammen, das erstere ist auch der Wort- 
bedeutung nach schwer zu finden; rati heifst später nur 
thöricht und staarblind ; damit ist nichts anzufangen ; at rata 
ist sich schnell und gut fortbewegen, schlüpfen, stürzen, und 
wird für gut den weg finden gebraucht, entsprechend dem 
goth. vratön gehen, vraiddus weg ; daher denn nordisch auch 
krata daneben steht, deshalb nehme ich das snbst. rati für 
wegfinder, durchdringer oder stürzer, und dies dt uudirei- 
bung für schlänge selbst, der die dichtung das sichere ein- 
dringen in den felsigen erdengrund zuschrieb, nach zeugnis 
der kenningar, welche unter orm auffähren als gleichgeltend 
grq/bitr und gräßngr. — der bericht der Sn. Edda aber 
mag erst durch eine deutung dieses rati entstanden sein, 
die eben den geschmack verräth als die erklärung des Ur- 
sprungs der afterpoesie. — stödomk, nicht wie gewöhnlich 
st6d-omky sondern hier stödö-mik, welcher acc. abhängig 
ist von j(/{r ok undir (gr. 4, 40), hat zum subj. iotna vegir 
u. s. w. iötna vegir was, wie im deutschen, riesengänge 
oder steige, wohl nicht die felsenmassen an sich sind, son- 
dern klüfte und würkliche p&dbildende abhänge, dieses 'ich 



zu HAVAMAL. 423 

stand zwischen riesengängeo und so- gefährdete ich das hanpt' 
soll nnn die fiircht und die trauer zur zliit der Sonnenferne 
nach der winterwende sein: sogar das haupt Odhinns hätte 
nach Finn Magnussen etwas besonderes für sich, nämlich die 
sonne, zu bedeuten, was schwerlich einleuchtet, anf winter 
'und Sommer könnte man aber jede reise, jedes gehen und 
wiederkommen eines himmelsgoltes beziehen. 

108. Mt mufs hier allgemeiner als färbe oder antlitz 
sein, denn hier geht es gewifs auf die mehrmals verkaufte, 
vertauschte gestalt. als schlänge durchstreifte Odinn die klüfte 
um einzudringen, angekommen aber trat er als mensch un- 
ter dem namen Bölverk (HO) auf. — ödrerir kommt eben 
so geschrieben auch 143; anderswo es heifst, die nome 
Urdur habe ihn zu bewachen gehabt, ödhraerü skyUU Urdur 
geyma mdttk at veria mestum porra Hra&ag. 3. danach wäre 
es geistrührer, nach der sonstigen Schreibung öäreirir geist- 
binder oder sammler, von reira vincire. 

109. peirrar er noch von nytak bestimmt: hätte ich 
nicht ihrer genofsen, die ich umarmte. 

HO. hrimpursar reifriesen, denn aus reif war der erste 
aUer riesen Ymir geschaffen, daher allgemeine namen wTe 
krimnir u. a. für dieses geschlecht entstanden. Grimm d; 
myth. 305« — häva rdds at fregna wird ganz eigentlich 
sein; die riesen die jedesfalls ausgehen um die ermorduiig 
Suttnngs und den raub des ödrerir zu rächen, wenden sich 
zur halle des höchsten, um zu erfahren, wer und wo der 
vemduitliehe Bölverk (der übelthäter) sei, oder ob er zu- 
gleich mit Suttung gefallen sei; vielleicht auch schon mit 
ahnung des richtigen: rathgeber oder berather war ein göt- 
temame (regin). — meä böndom. neben dieser bezeichnung 
für die götter hat Snorra Edda s. 176 auch hopt, eigentlich 
fefsel, hvemig ero nöfn goäanna ? pau heita bönd . . . ok 
köpt. 

111. der baug-eiä, ringeid, war jedesfalls der reini- 
nigungseid, womit sich Odinn, etwa seine angenommene an- 
dere rolle vorschidiend, lossagte; das hiefs da vinna auch 
in der Vigagl. c. S4» wer spricht aber diese letzte Strophe? 
etwa tAie riesen selbst? 



424 ZU HAVAMAL. 

DIE RATHSCHLÄGE AN LODDPAPNIR 

(112—140). 

Das LoddMursmId war sicher ein selbständiges spmch- 
gedicht und nicht ursprünglich mit Hävamdl verbunden, da 
es sieh durch die neue einkleidung, die Versetzung an den 
Urdarbrunnen, wie durch die besondere form, die einschlie- 
fsung eines kehrverses, absondert, und nun zusammenhang- 
los aneinander gereihte regeln enthält, die zum grofsen theil 
im Hävam&l schon enthalten sind. 

' 112. der sprechende ist Loddfafnir selbst, eine übrigens 
unbekannte, vielleicht mythische person. seine Weisheit stammt 
aus Odins halle; was er da und am Urdarbrunnen schwei- 
gend hörte, vermutlich von Odinn selbst, das theilt er nun, 
zum rednersitze gekommen, den um ihn her lauschenden Zu- 
hörern mit und wegen dieser einkleidung braucht man dem 
Lodd&fnir noch nicht mehr als menschliches anseheu- beizu- 
legen ) ein gewöhnlicher götterverehrer konnte noch . 861 zu 
Ansgars Zeiten seiner rede vor dem schwedischen volke ge- 
gen die annähme des christenthums. zu gründe legen, er ha- 
be sie in der Versammlung der götter des landes gehört, und 
sei von ihnen damit ans volk beauftragt, Rimbertus vita Ajisg. 
e. 2S. jeder der sagen oder gedichte sprechen konnte, fuad 
überall auf den böfen der könige wie der bonden gute gast- 
liche aufnähme; war nach vollbrachtem tagwerke die fami- 
lie um das feuer oder die lampe versammelt, so begnui der 
angekommene oder der heimische Sprecher (pulr) von dem 
ihm in der mitte hingestellten höheren sefsel haiab Minen 
vertrag, so schildert die isländischen abende noch jetzt Hen- 
dersens reise nach Isl. 1 , 384 und die wandernden geschichts- 
eneähler s. 385. mal er at pylia ist formelhaft, wie mal 
er at segja Sn. Edda s. 212 R. Urdarbrunni at möchte 
ich nicht so erblafsen sehen dafs es so viel wäre als unter 
fireiem himmel, indem brurmr den äther bezeichne (FinnM.), 
denn sonst würde wegfallen dafs der Sprecher seine Weis- 
heit vom quell aller Weisheit bei den göttern hätte, der 
brunnen Urdhs, der vorzüglichsten der nomen, sprudelnd bei 
der himmlischen Wurzel der weltesche, ist die statte wohin 
die alten götter und nomen gericht zu halten reiten, dag 



zu HAVAMAL. , 425 

hoem^ er pdr döma fara at aski YggdranU Grimn. 90 
(woran auch mdl hier und doma 113 erinnert), ihre spräche 
sind Weisheit Grimm d. myth. 460. — ^ sd ek haben zwei 
alte handschriften sat ek^ nur leichter. 

113. rünar hier wohl nicht geheimnisse im allgemeinen, 
sondern von eigentlichen Zauberbuchstaben zu verstehen, 
denn es folgt risting, das von einschneiden der runen stets 
gebrauchte wort (ßaer runar^ er reist pin sysär Edda 2, 422). 
da nun hier nur ratbe folgen, so könnte man vermuten dafs 
das ursprünglich selbständige Loddfafnirmül auch ein runen- 
lied umfafst habe, weiches hier wegblieb weil man ein an- 
deres anzufügen vorzog. 

114. den namen Loddfafnir^ wofür nach der perga* 
menths. und L Loddfabntr herzustellen ist, eriLÜrt der nber- 
setZ|W durch 'haeres', Finn Magnussen durch *jnngling dem 
der bart sprofst/ mit bemhing auf das lex. myth., wo aber 
ein artikel darüber vergebens gesucht wird, er scheint bei 
dem ersten worttheil an lodinn (haarig, rauh) gedacht su 
haben; aber was sagt der zweite aus? er ist offenbar der- 
selbe als der name des in drachengestalt gebannten riesen, 
den Sigurdr erschlug, denn für Fafiiir steht auch Fabnir; 
dessen bedeutung ist aber ebenfalls noch dunkel.* **- ßer 
mtmo göd sc. vera, oder soll man sagen, die verba muMy 
skal waren noch so voll dafs sie das sein einschlofsen? 

115. Warnung vor zanberfrauen, doch bestimmter als 
Brynii. 1, 26 und 27. fornald. 1, 171. die valan, spAkonar, 
elfett find schmeichlerisch, aber ihr Umgang ist gefiihrlich; ein 
beispid in der Odd. sage. 

116. dieses vergefsenmachen aller männerbeschäftigung 
n. 8. w., was hierauf die fiolkkunnigir allein beschrankt wird, 
stellt die Brynhild fornald. 1, 171 als die art aller schönen 
feinen hin ; Brynh. 1, 28 wird nur vor dem glänz der Schönheit 
gewarnt, die zweite vershälfte gibt weitere mögliche folgen 
der bezauberung in der liebe ; daher ist manxkis gaman we- 
der allgemein hominis gaudium noch (von mann und Jungfrau) 
mädchenliebesgenufs, der schlecht hierher passen würde, son- 
dern 'dafs du keinerlei männerfreude willst' d. h. kämpfen 
u. s. w., mag man nun mannzkis lesen oder das hier ste- 

* unter den bezeichnangen für seh wert steht esSn. Edda s. 1^1$. 



426 ZU HAVAHAL. 

fahnde dafür annehmen, eine hs. (L) hat auch mannkis, was 
später nnverwerflich war, mit nur einmaliger flexion. die 
doppelte negation hat in keinem älteren germanischen dia- 
lecte etwas auffallendes. 

117. denn man hat beispiele dafs männer blofs um ver- 
trauliches gespräches willen das sie mit andrer franen führ- 
ten getödtet wurden. Vigagl. c. 21. 

118. Jästu zusammengezogen aus Jäz (versieh dich, 
fang dir) pu; regel wie 33, mehr wie Edda 2, 165 ok ai 
morgni mettrz pviat 6synt er, hvar at aptni iömr, deutsch 
bei brot üt gut wandern. 

119. laTs den unfall den feind nicht wifsen; so auch im 
laiendoctrinal. 

120. das verderbenbringende der worte übler .franen, 
wird im zweiten verstheile insonderheit auf Verleumdung be* 
zogen; manchem mann ward eine zunge lebensgefährlich, 
die doch '-nicht um -ein wahres verbrechen sich erhob ; das 
allgemeine Sprichwort lautete opt stendr illt af tali hennu 
Isl. 2, 172. 

121 . der zweite satz sagt aus, was sich von selbst ver- 
steht, dafs der nicht betretene weg vergrast, ist daher auf 
das Verhältnis zum fireunde selbst zu übersetzen, auch an- 
dere sprichw<Nrter stellen einen alten weg und einen guten 
alten fireund zusammen, nemo viam veterem vel andei sper- 
9ia€ tmorem aus dem 12n jh. angeführt und mit nachwei- 
sung im deutschen versehen altd. bll. 1, 11. — ireyA" steht 
fSr das gewöhnliche treär von troda, als gäbe es ein irioda* 

122. gegensätzlich zu 117; nur mit guten männem sei 
vertraut, das wird viel in deutschen Sprüchen ausgeführt, 
etwas allgemeiner laiend. 59 we wont med unäven, mot mid 
eh hulens de appel wü gerne fölen, de by forroteden üp^ 
pelen Ugt. — die empfohlenen heilsprüche mögen sich hier 
auf solche beziehen mit denen man sich gegen übeles äu- 
ge und übele rede, besprechen der leute, oder auch. gegen 
krankheiten schützte. 

123. brich nicht mit dem freunde so viel an dir ist; 
weitläufiger und mit einschliefsung des nachgebens laiend. 41. 
als grund folgt hier wieder ein allgemeinerer spruch von al- 
les theilender freundschaft, ohne die sich das herz in sorge 



zu HAVAHAL. W 

verzebri ; ähnlich der deutsche Cato 353 ff. dinen Morgen grd^ 
zen soltä vreude understözen: tuostu doMy s6 vertreit dm 
muot vil unglich arbeit, dazu stimmt auch das zu Str. 47 ans 
dem laiend. angefahrte wort. 

1%A. ordom skipta wohl nicht Wortwechsel als streit, 
wiewohl ein solcher rath sonst gegeben wird, Brynb.f,24y 
sondern allgemein gar nicht ins gespräcb eingehen mit dem 
narren; wie z. b. bei Braut ausgeführt wird, weil weder 
ihm ein nutzen noch dem sprechenden ehre daraus erwach- 
sen kann, auch im Spiegel der tugend heifst es mit die Um- 
beny swd sie g^n, swar sie sitzen oder stän (altd. bll. 1, 99 f.). 

125. stimmt als grnad nicht so zum abrathen vom Um- 
gang mit dem thoren (124) als zur aufforderung mit guten 
umzugehen, wäre also wohl die Strophe versprengt? zu 122 
ist sie freilich auch nicht ganz gerecht, gut flöfse alles, wenn 
man unter osvinna apa den üblen mitverstehen könnte; 
doch da sich schwerlich diese im hebräischen vorhandene ge- 
dankenverbindung für das nordische nachweisen läfst, so wird 
der Sprung nicht wegzubringen sein. 

126. knüpft an 123 an; der ist nicht freund dem aur 
dem» er vilt eitt segir, entweder Der nur das mittheilt was 
ihm selbst angenehmes begegnet oder im sinne liegt, in der 
absieht mit dem schmerzlichen den andern zu schonen — 
wogegen auch dj^s volk immer sich erklärt, z. b. aus dem 
munde des Wandsbecker boten 2, 8 — oder. Der nur das 
was dem andern angenehm sein kann entdeckt, nicht dessen 
fehler oder unrecht; in diesem sinne redet viel, Brant narr 
rensch. s. 166; Frank 1, 64^, wahrer freund soll igelshaut 
haben 1, 112". dann entstünde auch ein Zusammenhang in 
der Strophe: nichts übleres als unstät (brigdam angezogen 
von betra wie im lat.) zu sein; gibt dir der andere durch 
beleidigung oder sonstiges unrecht dazu anlafs, so gehört es 
zur freundschaft das durchzusprechen, durch rüge auszu- 
scheiden. 

127. primr ordom senna — perviäverramasm*^^ per ge- 
hört zu verra 'mit drei Worten hadern sollst du nicht mit 
einem mann, der unwerther ist als du oder der dir zu schlecht 
ist'; darauf genügte vollkommen 'oft kommt (in solchem falle) 
der befsere in nachtheil,' und so ist die über das gewöhn- 



428 ZU HAVAHAL. 

liehe mab der gliederzahl schreitende letzte zeile pA er mn 
vtrri vegr wohl der anflickung durch einen redseligen \>vlv 
sehr verdächtig. 

128. skd'snndr enthält keine gewaltsame Übertragung, 
im nordischen ist smida jedes bearbeiten aus rohen Stoffen, 
sei es bolz leder stein oder eisen, auch im ahd. ist bah* 
tmith blofs iibelthäter, und noch jetzt heifst es auch goldr 
sehmid und jfeifenschmid. deutlich setzt dieser rath zu- 
stände voraus wo handwerke sich nicht verbreitet haben, 
aber gerade das führt eben nicht nothwendig auf hohes al- 
ter; noch jetzt sind in Norwegen gegenden zu finden wo 
die hofbesitzer Schuhwerk wie sonstigen bedarf von geräth- 
sehaften selbst anfertigen. — -- der angeführte grund aber trtigt 
die liirbe ältester sorge nur für sich selbst, mö^ch indess 
däfs mit der zeit der spruch sich etwa dahin entfärbte, Dein 
andern ist schwer recht zu machen was er am nöthigsten 
braueht^ iafs dich davon ihm einen dienst zu thun der leiehl 
von ihm selbst verrichtet werden, dir aber übel ausschlagen 
kann: * wer nicht undank leiden, kann, sei der weit ein tm* 
fiätxer mann* und wie er später ausgebildet wird, nun seh 
iehy mancher hab das glücke trüg er seinen feind auff d^m 
rück b\fs hin gen Rom ein weiten gang, so verdient er 
doch keinen dancky wenn er ihn mit eim wort verletzt odr 
am thar unsanfflt niedersetzt Froschm. 204 und 547. 

129. mitleid habe mit jedem, aber den feinden laft kei- 
nen firieden — sonst übermannen sie dich, der erste spmeh 
aneh deutsch altd. bll. 1, 96. 

130. lit per at gödo getit Finn Magnussen ' onra ut 
bonum tibi placeat,' im strengen gegensatze wis vr4 swenne 
ieman gescM wol altd. bll. 1, 96; das sollte wol der sinn 
sein; aber kann geta gefallen heifsen? drei papierhss. haben 
in den Variationen pin statt jSer; -das wäre einfach 'mache 
dafs man dein im guten gedenkt,' wie in der Svarfd. ok vaeri 
min stäan getit at nokkru, da wäre doch einigermafsen von 
mir gesprochen worden, Isl. sog. 2, 121 . danach könnte man 
das schwierigere, gewifs richtigere, per so erklären, "Iafs 
dir es (das üble, welches, wenn du es hörst, dich nicht znr 
Schadenfreude reizen soll) zum guten gesagt sein, also dafs 
es ein reiz zur hilfe wird, oder, wenn von anderer mangeln 



zu HAVAMAL. 429 

die rede ist, dafs du statt dessen ihrer zum gaien, ihrer gu- 
ten Seiten, gedenkst, wie gedenke ntemansae arge altd. bU. 

1, 99. der deutsche dato 357 ff. sagt geradezu emes o»- 
dem rede und müsetäi, diu dich niht 86re an gdi, lä dir 
wol gevallen, so liebestu dich m allen 357 ff. 

131. 'aufschauen sollst du nicht m kämpfe, gialti gU- 
kir verda gumna synir, dem eher gleich werden die men- 
scbensöhne' (die - das thun ; man mufs ein wnst hinzuse- 
tzen, wie Str. 33), d. h. sie nehmen feig die flneht, söFinn 
Magnussen mit berufung auf Vatusd. s. 107. sonst fiirchtet 
man sich aber auch wohl- vor dem thiere, namentlich der 
Zuchtsau Isl. 2, 203. 4. «ttt* pitt um heilli haür scheint ein 
neuer grund zu sein gegen das aufschauen; ist heHU pL 
conj. von heilla verhexen, durch zauber wegbringen, so ver- 
langt man allerdings was Finn Magnussen vorschlagt, pik, 
'desto weniger möchten dich die leute berücken;' beber aber 
denkt man wohl ein m^ zu pitt^ deine sache. über die be- 
hexnng durch ansehen mit übelm äuge Grimm d. myth. 624 f«» 
wo auch ein amulet genannt ist; hier würde dem kämpfer 
schon das nichthinsehen dagegen genügen, heüla ist ablei- 
tung von heill Vorzeichen, wohl auch mittel, wodurch von 
anfiemg an der ausschlag bedingt wird; solche bedeutungs- 
volle zufalle für das unternehmen eines kampfes werden Edda 

2, 163 aufgezählt; zu den g6d heill gehört einen raben beim 
ausgehen zu sehen, einen wolf heulen zu hören, zu den 
Übeln (pzfdr)^ mit dem fufse anzustofsen; da, heifst es 
Str. 24, ' stehen Unglücks disen dir an jeder seite und wol- 
len dich verwundet sehen/ ist da etwa das sehen auch als 
bewürken gedacht? 

132. fögro skaldu heita. verheifsen wird mit dem daL 
verbunden; die regel ist also nicht 'lobe ihre Schönheit,* 
wie sonst, sondern 'versprich ihr etwas hübsches, ok lata 
(nicht Idt-a, sondern inf. von skaldu abhängig), und erfülle 
es dann, lafs es wahr werden.' ^— leidiz mangi gott {/* 
getr, nimmt man mangi z=z homo non, so wird der sprucb 
so allgemein wie 39, 1 ; es kann aber auch = vii^ non 
sein. 

133. von den drei rathschlägen war der erste schon 11. 
31. 32 da, der andere 117. 



490 ZU HAVAMAL. 

I 

iS4« auch dies mag sprichwörtlich gewesen sein, den 
fiihrenden unbekannten nicht zum besten zu haben; üvitr^ 
Kgt bragdy at spotta ükutma menn heifst es Vigagl. c. 3. 
deutsch nur noch halb in dem Sprache wüste manch man, 
wer manch man war manch mann erböte manch mann ehr 
Eschenb. denkm. 425. 

135. die erste vershälfte hat Finn Magnussen mit recht 
ans dem rande der hs. L aufgenommen, sollte sie auch eine 
spätere wendung des stärker und bestimmter gefafsten sprachs 
der zweiten sein.' die daraus fliefsenden regeln, hier dem hö- 
rer uberiaTsen, dürften sehr fruchtbar sein ; sicher waren sie 
schon dem alterthum die der mäfsigung und des vertragens. 
Freidank hat den sprach unter der aufschrift von erkant- 
nüse 120, 17 f. nieman ist so vollekomen . . . , und nach vie- 
len unbegreiflichen dingen zuletzt ich sihe wol eines andern 
nae, den minen ich niht gesehen mac. ez gewan nie man 
so herten muot, er getaste doch etswenne guof 136, 5 — 7. 
derartige spräche auch bei Frank 1, 90, es ist niemand an 
fehl, wißr kein tauben hat, der hat mucken, mit einem an- 
dern bilde selten man ein haupt erfind aw dem nicht auch 
ein gründlein stund Ringw. 1. w. 302. dunkel ist, welches 
biid in galli (fehler) liegt ; Finn Magnussen denkt an galt n. 
galle ; das deutsche dne galle, was dem reh, der taube u. s. w. 
beigelegt wird, liefse sich dafür anführen, aus dem gebrau- 
che des Wortes Solarl. str. 26 läfst sich nichts entnehmen. 

136. or skörpom belg, aus rauher, runzlicher haut yer- 
sUmdige werte, scheint älteste form des vorher bildlos ge- 
gebenen sprachs; der sich gerade so angewendet forum. 3, 
97 findet, die zeilen peim er hahgir . . . vilmögom. verra- 
then einen Sprecher der die gelegenheit ergriff durch aus- 
mahlen zum lächeln zu bringen. 

137« ßeir muno . . . lesa, ein znsatz, der, da er offen- 
bar aus dem gegensatze am'^ende von 138 entstanden ist, 
auf dem iande hätte steEen bleiben sollen, aus dem er hier 
eingeführt ist. 

138. 'fest ist der riegel der allen aufzuschliefsen los- 
gehängt werden soll,' nach Finn Magnussen 'sehr reich 
mufs der sein, der alle einlafsen will; bist du es nicht, so 
gieb einen scherf.' — möglich scheint auch der sinn 'es 



zu HAYAMAL. 431 

giM sieh keiner arm, sicher und wohlhabend wird gerade, 
der milde. 

139. die klammem haben schon die papierfass., gewiss 
sehr mit recht, die Wiederholungen sucht Finn Magnussen 
wegen der darin sich aussprechenden gesinnung des lehren- 
den und des reich thums an Wendungen zu retten, sicher 
aber wurden sie nicht im rathe der getter gesprochen (113)^ 
das alterthum hält nichts vom wortkitzel, am wenigsten das 
nordische. 

140. da 139 mit Wiederholung des anfongsspmches of- 
fenbar abgeschlofsen hat, so kann diese Strophe nur als Über- 
gang zum runenliede angesehen werden, sie enthält aber 
gewiss alte sprüche von den geheimsten heilkräften der ele- 
mentarisclien dinge und ihrer haupterzengnisse. dals erde 
fener eiche ähre mond helfen, das beruht auf der heili^eit 
dieser dinge ; auch das körn wurde so angesehen, Grimm d. 
myth. 646. was die erde hier thun soll, den rausch verhü- 
ten oder vertreiben, das schrieben auch die' Deutschen bdid 
steinen bald kräutern zu; in dem Verzeichnis solcher mittel 
bei Frank 1, 30^ kommt aber die blofse erde nicht vor, wäh- 
rend der glaube an die wunderbare stärke die sie mitthei- 
len oder erneuern könne allgemein ist. die heilung die d^m 
feuer ferner beigelegt wird bezieht sich nicht auf anwen- 
dung des ausbrennens bei äufserlichen schaden, sondern auf 
den gebrauch heiliges unmittelbar durch reiben von hölzern 
der natur abgewonnenes feuers gegen krankheiten und Seu- 
chen, wie auch in Deutschland noch im 17n jh. das vieh 
bei Seuchen durch solches wildes feuer, nothfeuer, hindurch 
getrieben wurde, d. myth. 342 ff. zum anreiben dieses mu- 
ste eichenholz genommen werden; die eiche, ein heiliger 
bäum, wurde auch in Deutschland gegen schaden angewen- 
det, d. myth. abergl. n» 877, von verwundeten aufgesucht 
ebend. s. 45 ; auch krankes vieh liefs man durch eine ge- 
spaltene junge eiche gehen, abergl. n^ 923; ihre anwendung 
gegen leibverhärtung, wie hier, beruhte sicher auch nur auf 
dem Volksglauben, die schutzkraft der kornähre gegen Zau- 
berei gilt ähnlich auch in Deutschland; am gewöhnlichsten 
werden zwar als solche bewahrungsmittel neben dem körn 
oder brot das salz und die kohlen genannt, 'd. myth. 634, 



4S2 ZV HAVAHAL. 

abergl. n^ 564. 713. 760, doch standen auch in ansehen er- 
ste kornblüten, und drei Strohhalme abergl. n^ 652. 646 ; 
schwed. n^ 125 f. 150. ob die höU, die halle die gegen ge- 
sindestreit angesprochen werden soll, sich auf hausgeister 
bezieht? ein grüfsen, anmfen wenigstens des mondes wird 
änsdrücklich verlangt zor ahwendung von zomeswut, nnd 
dies weist anf den auch sonst vom mond erwarteten glückS" 
znAufs z. b. abergl. n^soi d. myth. 401. — beiti viä bü^ 
sottom beziehe ich nicht mehr zu queäia; denn schwerlich 
würde ein thier, welches durch bifs siechthum hervorge- 
bracht hat gegrüfst worden sein^ sondern denke mir ein neh- 
men oder wählen dazn, wie am anfang und schlnfs der Stro- 
phe, so dafs der bis auf diesen tag überall im volke vorhan- 
dene glaube zu gründe läge, die bifswunde heile durch anf- 
legung namentlich auch von blut oder, haar des bifsigen thiers. 
von Mnmer dem arzt erhält Reinecke gegen hundsbifs hunds- 
blut unter andern mittein z. b. Froschm. (1683) s. 219; 
hundshaar wird angewendet 220 ; gegen wolfsbifs woUshaut, 
auf skorpionenbifs skorpionenöl 228. 
MARBURG. DIETRICH. 



•• 



BEITRAGE ZUR DEUTSCHEN HAIVD 

SCHRIFTENKUNDE. 

VON PROF. DR REÜSS IN WÜRZBÜRG. 
ERSTE LIEFERUNG. 



Pupierhandschrift des 15» Jahrhunderts, von 178 blL in 
J6L,^%weispaltig mit 31 — 38 versx eilen und rothen tmitiO" 
len, im besitze seiner durchlaucht, des herm JUrsten van 
Lowenstein-fFertheim- Freudenberg zu Kleinheubaek; 
enthält 
I bl. 3* bis 65*. Strickers Daniel von BhünenthaL 
anfang ll^er gern alles daz vernympt 

Daz guten Inten wol gezimpt 

Der wirt es selten one mutt 

Untz er der werck ain tail getnt 



DEUTSCHE HANOSGHRIFTBN. 4S3 

Wer aber dea Worten ist gehafe 
Der ist ze den wercken dicke lafz 
ITon bisenze maister albricli 
Der brachte ain rede «n mieh * 
Ufz falscher zungen 
Die hon ich des bezwungen 
Daz man si in tintschen yemiempt . 
Wann kurtzwyle gezymel 
Nieman der enschelte mich 
Log er mir so luge ach ich 
Stunst hebt sichdifz mare 
Hie will der strickbere 
Mitt Worten ziehen sin kunst 
Unt hant des gerne iuwer gunsl u. s. w, 
schlti/i Daniel hätte üröde sit 
Alle tage mitt bochgezit 
Ze cluse in sinem lande 
Sin leben stund ane schände 
Do in do selten vlehen 
Den lech er. die selben sieben 
Die in der kunig leh der da lag 
Daz si turrnierten allen tag 
Darzu lech er in me 
Das sie es bas tetten danne e 
Do behielten si sinen willen an 
Es ward nie kain Man 
Dem gott bette gegeben 
Ze dirre weite ain besser leben 
Als er untz an sin ende 
Ane alle missewende 
Mit eren YoUebracbte 
Dauuon man sin gedachte 
Ze den besten do und ymer sit 
Dauon ward sin lob so wiit 
Wun mufz ich der rede gedagen 
Das ich dauuon hortte sagen 
Daz hand jr alles' vernomen 
Gott lausse uns sin riebe komen. 
1464. Amen. 

Z. F. Üi» A. IIL 28 



434 DBDTSGHB HANDSCHRIFTEN. 

vergL Hagens undBüschings liter, grundrifs 144—149. 

2 bl, 66* bis 70**. die unschuldige königin von Frank- 

reich. 
4mfang Vom kimig von franckiych 

Die geschrift sagt ans waz geschach 
Daz man id hoben em sach 
Von franckiich ainen kunig gut 
Der was vor schänden wol behnt 
Und der bett ain frowe minneclich 
Wie die ward verratten jsemerlicb u. s. w. 
scUufi Hie mit die rede ain ende niempt 
Von dem kunig von hoher art 
Ain grosser hof gemffet ward 
Ze dienst dem zarten edeln bilde 
Die er do in dem gewilde 
So erlichen bette fanden 
Wir sund zu disen standen 
Die rede nun hie lassen beliben 
Und gedencken allezit guter rainer wiben 
Die sich der schänden band erwert 
Wem gott der aine hat beschert 
Dem kau nit misselingen 
An kainen gutten dingen 
Gott mit siner götlichen crafft 
Die sällig frowe sigbafit macht 
Her durch diu hailig trinitat 
Und durch din höchsten Haut 
Und durch din wirde maria din muter 
Hilff uns herre vil gutter 
Vor allen bösen valschen zungen 
Daz uns. hie und dort mufz lingen 
Und durch din heilig fünf wunden rot 
Hilff uns hie und dort usz aller not 
Und vor allen schantlichen dingen 
Got wolle daz uns wol muge gelingen. 
AMEN. 

vergl. Graffs Diutiska 3, Z7%ff. altd. blätter 2, 95. 

3 bl, 75* — 174. geschickte der kreuzzOge, in prosa. 
anfang Dem fursichtigen berren graue riiprecbten ze flan- 



DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 4» 

dem und allen fursten cristenlichs gloubens and 
liebhabernn Entbutt der kaiser von Constantino- 
pel bail und frid u. s. w, 
tchlufs In der ere goUes und miU siner hilff und erten 
do furbafs das haiUig grab mit mangerlay gottes 
dienst tag und nacbt. 1465. 



Papierhandsckrijt des \^n Jahrhunderts, 264 zweispaüig 
beschriebene Jolioblätter mit 31 — 33 Zeilen und rothen 
initialen enthaltend, im besitze des. herm prof. dr H. 
Müller zu fVürzburg. die hs., welche zu anfang und 
ende sowie in der mitte deject ist, enthält eine cycÜsche 
prosaische bearbeitung der sagen von der tqfelrunde. 
(vergL Hagens und Büschings grundr. s. 156) und be- 
ginnt 

— wapin brengen. unde do er gewapint wart do bing 
er den schilt an synen hals, und saz uff sin ros unde scheit 
von dannen. unde befal die brudere unCserm herren gode. 
und ywan was gewapnit unde waz uff sin pert gesessen und 
Saide er wulde galahat geselleschafft dun. unde er antworde 
das is nyt mochte sin. das er dar zu keyner geselleschafl 
nit in dorffte. wann dysen knecht. unde also scheyd eyner 
von dem andern unde iegelicher reit sinen weg. unde herr 
ywan reit in den walt u, s. w, 

schlufs Do leiffen ir beider helffer dar, unde iegelich^ 
solde syme herren uff helffen von deme andern do erholten 
sich carados lüde als vil. daz sie eliader namen myt ge- 
walt. unde zugen yme den heim uz. wan si6 fanden in 
daz yme die sele itzunt zu deme übe was uz bescheiden — 

3 

Papierhandschrift des \5n jahrh., mit 433 zweispaltig be- 
schriebenen jolioblättem und 126 cölorierten feder Zeich- 
nungen, zu anfange und in der mitte defect, aus dem 
benedictinerkloster Schwarzach in die königL Universi- 
tätsbibliothek zu fVürzburg eingewandert, enthält Kon' 
rads von fVtirzburg Trojerkrieg, 

28* 



AM DKUTSGBB HANDSGRRIFTBN. 

m^fang ISin koning wiis za troye 

Den twanc der lügende boie 

Das er do noch hoher wordikeit vachr 

Uff ere leit er sine macht 

Das er die völleelichen stritte 

Er was rieh nnd wolgesitte 

Gewaltig mylte und ellenthafft 

Oach diente siner mayen craflt 

Und siner hende manig lant 

Gludt hat af in gewant 

Vii hoher wnrdikeit alsus 

Er was geheissen pryamus u. s. w. 
schlufs Ich bit ouch fliszclich alle die 

Difz buch gelesen jemer hie 

Das sn die knsch maget Rein 

Maria bitten alle gemein 

Da» so erbsHTmehertzclirb 

Uh^r disen schriber erbaremet sich 

Obe ich icht von firowen geschriben h»n 

Das villiehi ist myssetan 

Das mir doch ist leit 

Wie wol es mir ist vor geseit 

Man sol frowen nit se vil schelten 

Wan man mag sin wol engelten 

Darumbe ich doch von hertzen ger 

Wie wol ich geschriben han die mer 

Das mir volge erbarmberzkeit 

Wan mir in truwen ist so leit 

Was von frowen unheil uff stunt 

Das ist den luten worden kunt 

Das uns die muter aller barmherlzkeit 

Alles nyder hat geleit 

Und uns ouch gnode werbe so 

An yrme gemyuten sune fro 

Das er die ewige froyde mir 

Zu myssewende guune dort mit ir. Amen. 
die handschrift wurde von herrn dr Frommann aus Koburg 
zu seiner neuen ausgäbe des Trojanerkrieges bereits ver- 
glichen. 



DfiUTSOHE HANDSCRRSrnCNv «ff 

4 

PäpiBrkandschriß des \5n jahrh. mit 2AS ßfäobläitem und 
col&rierten federzeichnungen, zweispaltig beschrieben^ in 
der königL Universitätsbibliothek zu Wür^Aurg ; enthält 
Rttnrads von Megenberg buch der natur. , 



Papierhandschrift des 15» jahrh.^ 154. qumrtblättery vor- 
mals in der cistereienserabtei, jetzt in der JärstUch Lö^ 

. wenstein-ff^ertheim-Freudenbergischen bibUothek zu Bronn- 
bachy enthält 

1 bl. 3 — 9 Ein sehoea aue maria darin dij gebereria go* 

leä vil historiea der beiigeB scbrifft geleicbt wird. 
Ave. Ich grüss dicb iunckfrawe reyn 

Au£z ganozem herezen icb dafz mein 
Versmech mich armen suader nicht 
Wenn ich vor sunde meyn angesicht 
Gen got dem berrn nil wenden dar 
Defz nym du edele iunckfrawe war u.s,w. 

2 bl, 10 — 20 Hye hebet sich an gar ein schon rede von 

dem leyden cristi Jesu. 

3 bL 21 — 35 Hye hebet sich an der geystiiche Cremer. 

4 bl. 35 — 84 Allhie hebt sich an gar eyn schon hystorien 

von eynem prediger, wye der zw eynem 
heyligen bescheulichen leben kam u. s. w, 

5 bL 84 — 153 Hie hebet sich an der franckforter und sectt 

gar hoche und gar schön dingk von eynem 

volkomen leben. 
schlufsschriß Dyfes bucblein hat der almechtig ei^g got 
aufsgesprochen durch eynen weysen verstandigen menschen, 
der do vor zeyten gewest Ist eyn deutzser herr eyn prie- 
ster und eyn custos yn der deutzsen berrn haufs zu franck- 
furt und leret gar manchen lieblichen unterscheide gotlicher 
warbeyt. Hie endet sich der franckforter. 1497. 



Papierhandschriß des i^njahrh., 2\\ folioblätter, zweispal- 
tig beschrieben, mit 40 —•45 zeilen undrothen und blauen 



438 DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 

initialen, in der ßirstlich Löwenstein-fFertheim-Preuden" 
bergischen ;^klosterbibliothek zu Brönnback aufbewahrt, 
enthält eine aus zwanzig büchem bestehende naturhisto- 
rische encyclopädie. 

anfang Die vorrede difs bachs. Die vorredt des bnchs 
von der natnr and eygenscbafiFt der dingk, die got der berre 
scbaff. Als do spricht der grofs lerer der heyden Sant Pauls 
zu den Romemn u. s, w. 

sehUffs Dirs bucb ist beschryben worden zu lybe und 
zu nutz der sele des wolgebomen und edelen herm herm 
Jobannsen Grauen zu werthem. und ist aufs funffoderseebrs 
lateinischen büchern gezogen in deutsche sprach nit one 
grosse arbeyt. Und in eim sulchen cleynen buch sein be- 
griffen und beschryben das under den lateynischen und ge- 
lerten des ^leychen kain fanden mög werden wann als der 
meinster des eynen bucbs spricht. So hot er an dem sey- 
nen buch xv Jar gesammet und hot kein kosten kein arbeytt 
angesehen, dor noch zu wandernn. In Franckenreich In 
Engellandt. In deuthsschen landen. Auch in den landen 
über mere und hot aus allen buchern die er fiaded mocht 
das besste und das nutzte gezogen genomen und jn ein buch 
begriffen und geschryben. Michael baüman. Conuent Bruder 
zu Brunbacb. Anno 1478. 



Papierhandscktift des 16n Jahrhunderts, 385 zweispaltig 
beschriebene Jblioblätter stark, in der bibliothek des geist- 
lichen Seminars zu fFiirzburg, enthält 

i bL 3 — 242 Summe der beychttiger Johans von Freybei^ 

brediger ordens, übersetzt van bruder 
Berchtold, predigerordens. 

2 bL 243 -:r 335 deutsche psalmenversion* 

anfang Beatus vir. Selig ist der man, der nit ab- 
gieng In dem rott der unmilten. und nit stund in den weg 
der sunder. in dem stul der pestilenz nit ensafz u. s. w. 

schlufs Got sey got und ymmer lob gesagt. 

3 bl, 336— -384 prosaische bearbeiämg der sieben weisen 



DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 439 

meüter {vergl. Hag. und BiUcA. liter, grundr. 
310). am ende fehlen einige blStter. 
anfang Hie hebt sieb des bucbes erst capitel on do 
saget von dem kaysser prooaciaBQS und von seinen sone dem 
jungen DIaclecianus wie er den bencken wolt und siben mai- 
steren erlosten in mit irem sprachen und ist mit figuren 
gemolt. 

Das erst capitel do bittet die frawe die kayserinne 
iren berren den kayser das er nacb irem tode welches weip 
er neme u, s. w. 

sckh{fs Do antwort er und sprach Ach alexander ein 
freunt meins lebens wie sol ich mich hutten wan ich dein — 

_f 

8 

Papterhandschrift des ibn Jahrhunderts, mit 131 octav blät- 
tern, Jrüher eigenthum des carthättserklosters zu Amster-- 
dam, jetzt der königl. universitätsbibKothek in fVOrZ" 
bürg: Dat spieghel der volcomenheyt ghehieten herp. ii. 
anfang Het is te weten dat tot een volcomen leuen 
te comen : dau men gode alre ghelycste mede mach warden : 
ende in den gheest alre meest vereincht : twe dinghen prin- 
cipalyck toe noot syn u, s. w. 

sehbffs nfosce te ipsum. Kent. v. seluen. 

• 

9 

Papierhandschrift in folio, 15^ jahrh., 303 W/., in der 
königL Universitätsbibliothek zu fVürzburg, enthält 

1 bL 6 — 125* Johannes von mente ville Bitter geboren 

US Engelaut, merfart, us weliscbe ünde 
latyne in duezsche verwandelt von otho 
von diemeringen eyn dumherr zu Mecze 
u, s, w. 

2 bL 125^ — 154 vier mittelhochdeutsche gedickte, 
a. anfang lü^er druwe gulde mit truwen 

Des wolde ich nimmer haben ruwen u. s. w. 
schlufs Ewicljch an underlaz 

Nu wunschent alle mit mir daz. Amen. 



44U mCUTSCHB HAMOSGHRIFTEN. 

^. offfang Die alden frommen haut uns geseyt 
Daz tagen t ist ein eren cleit u. $. w, 
schhf/i Habent got für äugen and lobent yn 
Hie mide myn rede sal ende sin. 
-e. anfang Difz ist der slafiBnde hunt. 

Iirer getrawen dinstladen dinstlich dut 
Mit arbeit und mit fiifzes mut u. s. w. 
sehhf/s Ewicliche an endes stunt 

Nicht befzers mag ans werden kunt. 
d. atifang Eyn wort das wart von ober laut 

Hit eyme Engel her abe gesant u. s. w* 
soUif/s Na hilff uns got zu freuden ye 

Das werde war in gotis namen. Amen. 
d bi. 157 — 297 Dis ist die uzrustunge dez herczaugen 

gotfndes von ballion. So hebet hie an 
die vorrede Ruprechten uff die historie 
Crotfirides hirczaagen des vorgenaniiten. 

10 

Papierhandschr\ft; von 89 quartblättem, aus dem Ibnjakrh*, 
m der kSnigL Universitätsbibliothek zu fViirxburg^ emt* 
hält H. Susos buch der ewigen Weisheit. Vw t> 
anfang Bie hebet sieh an. das buchelin daz maa nen- 
net zu latein eirloyum sapiencie und zu teutsche heiszet efz 
das buche der ewigen wifzheid. 

11 

Pofierhandsokriß in guart, aus dem iSn jahrh., 365 bll., 
e^emtkum der kSnigl. Universitätsbibliothek zu Würz- 
bürg» 
i bli 2 — 223 Cresta Romanorum cum applicationibus my- 

sticis. 
2 bl. 248 — 357 epistelncjfolus des Jahres. 

anfang Fratres scientes quia. Bruder ir schalt wis- 
sen das sein nv zeyt ist. Das wir auff sten von dem slaffe 
Wan unser beyl nv neher ist Dan wo wir erst gelaubten 
u. s, w. 



DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 441 

schlufs pitet got um uns H^ uns werde gegeben das 

bimilische Ion. Amen. 
3 bl. 358 — 365* . ein gedieht von 327 versen, 
anfang Blie bebt sich an der spigel der gotbeyt. 
Mcb wil von got eynen spygel 
Do schult ir stylle zu gedagen 
Und mich yil rechte mercken 
Ich wil den glauben stercken 
. Vor eynen spigel stunt ein man 
Von dem der spigel ein biid gewan 
Ein stuck her von dem spigel brach 
Dor inne er ein ander pild sach 
Aber ein stuck brach her do von 
Das stuck das dritte pild gewann 
Seit manick stuck her do von brach 
- Also maniches als er dor ynne sach 
Der spigel doch sein bild gancz behild 
Das bedeutet got der ie gewilt u. s. w* 
schbffs Maria himel kungin 

Los uns in deinen hulden sein 
Bebut uns vor der helle pein 
Durch das plut des kindes dein. 
Amen. Explicit speculnm deitatis. Hy endet sich 
der spigel Der gottheyt et cetera. 

12 

Pergamenthandschrift des lAn jahrh.^ 87 zweispaltig be- 
schriebene folioblätter starke von dem würsburgischen 
protonotar und kansler, mag. Michael de Leone ("i* 1355) 
dem vormaligen collegiatstijte zum neuen miinster in 
Würzburg geschenkt, gegenwärtig eigenthum der königL 
Universitätsbibliothek daselbst, enthält 
1 bL 40 — 42. Diz ist ein mercliche rede von dem laufe 
des romischen richs. und ein clag von sinen anligden ge- 
brechen. 

Höret unde lazt uch sage. 

Von dem Romschen Riebe eyn clage. 

Der sage mich niht enwndert. 



442 DEirrSCHE HANDSCHRIFTEN. 

Der Birne sint wol zweihundert 

Und sehs und vierzig und niht mer 

Da mite wil er daz Ryche er. 

Von karlstat Otte Baldeman. 

Alsus hebt her die Rede an. 

Eya wie wol ich nutzte 

Daz irn tichkunst schützte u.s.w. 
schlufs Davon bekert uch des tut not 

Tut Recht dem Rych daz ist min Rot. 

Noch Crist geburt daz ist war 

Ebin druczehenhundert Jar 

Und in dem ein und virzigesten glich 

Dise rede von dem Römischen Rieh 

Und dise derbermeliche clage 

Vil ebin an sente Mychels tage. 
dieses 506 verse enthaltende^ von Otto Baldemann, aus 
Karlstadt am Maine get&rtigy pfarrer zu Ostheim in Fron- 
keuy 1341 verfafste didactisch - politische gedieht ist eine 
freie Übersetzung des in derselben handschriß bL 37-^—39 
aufgezeichneten Ritmaticum <pierulosum et lamentosum dicta- 
. men de modernis eursibus et defectibus Regni ac Imperii 
Romanorum des Lupoid von Bebenburg, bischqfs von Bam- 
berg (^ 1363). beide dichtungen erschienen im drucke her- 
ausgegeben vom Professor J, M. Peter, als gynrnasialpro- 
gramm, fFurzburg 1842. 4. * 

2 bl. 64 bis 66. Wettstreit der heiligkeit von Klein Hein- 

zelin von Constanz, 
anfang Dise rede gelichtet ist 

Von den heiigen Johansen zwein 
Der ein heizzet Johans baptist 
Und ist got der liebsten ein 
Der ander Johans ewangelist 
Und hpt heintzelin der klein 
Von Costentz geticht wer ez Ust 
Der bitt sie für uns all gemein 
Cvot herre diu almehtickeit 
On ursprunk und on ende 

* vergl. Böhmers gesohwhtsqueUen Deutschlands i, xxxvii. Hpt» 



^ DEUTSCHE HAIYDSCHRIFTEN. 443 

Zu hoch zu 'tief zu lank zu breit 

Ist sunder missewende u. s. w. 
sckltf/i . Von, dez gewalt und dez gebot 

Alle aneuenge kamen 

Dez nam der sie gesegenot 

On ende sprechent Amen. 
vergL Hagens museum 2, 30^. Varianten str. 5, 2. niht 
lazzen über drangen. 12, 6. wer niht 4er werck beginnet. 
44, 4. ich wen und immer tribe. 47, 4. gar sunder arg 
akuste. 49, 6. gar sunder alle twale« 59, 4. dinhalb du 
solt in lazzen. 60, 4. wernt ock ir verrihtet 62, 4. alsus 
swant die gezierde. 77, 2. ez sie on not begunnen. 79, 5. 
ebenheuzzen siht. 

13 ^^ 

Pergamenthandschriß des i4n Jahrhunderts, 100 quartblät- 
ter mit auslaufenden Zeilen und rothen initialen enthal- 
tend, in der königl. Universitätsbibliothek »u fFtlrzburg 
aufbewahrt, deutscher psalter. 
anfang Beatus vir. Selig ist der man der nit. abe get 
yn dem rade der unguten und der an dem wege der sunder« 
nicht gestanden ist u. s, w. 

schlufs Lobet in mit czymboln die wol klingen lobet 
in mit czymbolen der freuden alle geiste loben! unsern herren. 

14 

Pergamenthandschriß des i\n Jahrhunderts, 191 octavbläP- 
ter, früher eigenthum des dominicanerklosters in Barn- 
If^ff» jetzt im Privatbesitze und zum verkaufe ausgebo- 
ten; enthält bL 104 — 115 eine althochdeutsche glaubens- 
und beichtformel, beide noch ungedruckt, und daraiff 
nachstehende ahd. beschreibung des himmels und der höUe 
(welche an die kleinen mhd. gedickte In. der helle ist 
michel unrät und In himelriche ein hüs stät in Hagens 
Sammlung deutscher minnesinger 2, 376 erinnert). 
Diu himilisge gotes bürg diu ne bedarf des sunnen noh 

des manskimen da ze liehtenne. in ire ist der gotes skimo 



444 DBOTSGHS HANDSGHRIPTBN.«. 

der sie aldlahtet in gemeinemo nuzze. das ist in eben alleu 
al daz sie wellen, da ist daz gotes zorftel. der anendige 
tag. der bürge tinre lieht fez. Dia borg iit gestiftet mit 
aller tiuride meist ediler geist gimmon. der himel meregriez- 
zon. der bärge fundamenta. di6 port^ ioh di£ mare daz sint 
di£ tiüren steina der gotes farst helido. andaz ingehellist 
aller heiligone here. di6 der tagentlicho in heiligemo Ait^ 
benne demo burgkunige ze varston gezamen. Sid stAt in 
quader werke, daz ist ir ewig stift. ande sint oach dar ane 
errekket alle gotes trat iriünt diö der hant eruullet diA uier 
euangelia in stater tagent regala. in gelichimo einmudte. 
Siu ist in iro sträzzon daz rot lobezoute golt. daz meinet 
daz da uarstisot diu tiure minna aber al. der gotelicbo wfs- 
taöm. mit allemo wole wille. Siü ist in goldes sconi. samo 
daz darb liebte glas, alliu darhscoüwig ioh durh lather. Da 
wizzen al ein anderen unnertougenlicho di6 himilisgen erben 
dift diA barg baent in darhskonen tagindan. an aller misse- 
tate pfleg. Da ricbisdt diu minna mit aller milt frowida. nnd 
aller tagidone zala mit st&ten arasmande. da aerselel did 
warheit daz alte gedinge. da nijnet HA glouba ende aller ir 
gdieizze. Danne habet resti der engilo arosank daz suAzze 
gotes wnne lob. did geistliche meindi. der wndertiure biment 
stank aller goteswolon. da ist daz zi^riste here allez in 
ein hei. daz dienest ewent sie mit senftemo nlizze. Da ist 
des firides stAti aller gnadone bn. Da ist offen vemunft aller 
dingo. al gotes toügen. daz ist in allez offen, sie kannen 
alle liste, in selber wärheite. der ne habent si6 ägez. der 
bnge in ne wenket. in ist ein alter, eines riches ebenteil. 
Da ist alles gaotes aber genaht mit sichermo babenne. der 
dnmohteste trAst. diu meiste sig 6ra. da nist forehtone nieht. 
nichein missebebeda. da ist einmaoti. aller mamminde meist, 
der stilliste last, diä sichere rawa. da ist der gotes firidndo 
■ander gibiuwe. da nist sandöne stat. forgono wizzede. 
da nist angesundes nieht heile meist ist der. der nntridwen 
akust ne taret der niAht. Da ist diA neste weneskaft. aller 
salidono meist, diu miltiste* drdtscaft. die kunninglicben era 
daz unerrahliche Ion daz gotes eben erbe, sin wuniglich 
mitewist. diu lussamiste anesiht. ander siner minnftne gebe 
üAristo. Daz ist daz hereste gu6t daz der aore gegarawet 



«DBUTSGHB HANDSGBRIFTBN. 445 

ist goieS trut friundeu mit imo ce niezzene iemer in ewa. 
So ist taz himelriübe einis teilis getan. 

In dero holio da ist dot ane tode. karot unde iamor. al 
utthroawida mandange bresto. beches geroucbe. der Alerkiste 
sveuelstank. uerwazzenlich genibile. des todes scategruoba. 
alles truobisales wäga. der uersvelehente loug. di6 wal- 
lenteü atredema uiuriner dunste, egilib uinster. diA iemer 
ewente brnnst. diä orei^samen 4ot bant. did betanngeniste 
phragina. claga uuoft ine trösL uafi ane wohm. nuizze 
ane resti, Aller wenigbeite ndl. diä bertiate rfteha. der 
handegöste nrsuoch* daz serige elelentduom. aller bittere 
meist, kala aoe uriste. ungnadooe oliz. üppige riüwa. 
karelich gedözze. weinleiches abcbizot alles unlastes zal- 
sam gestarme, forbtone. biba, zanoklaffunga. aller wftskreio 
meist. Diu iemer uuerente angest. aller skandigelfeb. daz 
scamilicbeste offen aller tongenheite. leides inende, und 
aller uuewigelicb. marter unerrablicb, mit allem unbeile. 
diu uueunigelicbe haranskara. uerdamnunga svelreden an al- 
ler barmida. itniugiu ser ane gudt gedinge. «aaerwandel- 
lieb. übel, alles gudtes ateil. di& grimmigiste beriscaft. diu 
uiantliche sigenunft. grifielich gesemine. der uulida unsubri^ 
beit mit allem ununscone. diu tiunallicbe 4nesibt. aller egi- 
silicb. alles balez unmez. diu leitliehe heima. der helle kar- 
kare. daz richiste trisehus alles unwnnes. der hizze abgrun- 
de. umbigebilUch fl6r. der tiuualo iobebeit. daz ursinniglicbe 
zorn. und aller ubelwillo der ist da uerl4zen in aHer ahtunga 
uliz. und in alla tarabafti der hella erbon ane cites ende 
iemer in 6wa. So ist taz helle riebe einis teilis getan. 

15 

Zvm pergamentfoUoblätter des lAn Jakrh., zweispaltig be- 
schrieben^ mit rothen capitelüberschriften, enthatten bruch' 
stücke aus einer deutschen Übersetzung des hohen liedes 
und des buches der Weisheit. ' 

' anfang — yn dy palmen. und wil begreifen yr fruchte. 
Der preutegum sprichet von der praut. Und deyn pruste 
werden als die weyntrauben des weyngartens : und der ruch 
deynes mundes wirt als der ruch der opfel Deyn kele wirt 
als der pest weyn u, s. w. 



NU 



446 DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 

schbf/i Wyr uQsynnygen. weDten scyn. yr leben cyn 
uusynnikeit: und yr ende an ere wy synt sy dorumme ge- 
achtet ander den sunen gotes. und under den heiligen ist 
ir los Dor — 

16 

Acht pergamentquartblätter des \Zn jahrh., vom einbände 
einer theologischen papierhandsckri/i der königl. untcer^ 
sitätsbibUothek in fVürxburg abgezogen^ leider sehr ver- 
stUmmelt, mit über tausend versen aus dem Barlaam und 
Josaphat des Rudolf von Ems ; sie beginnen 274, 31. der 
ausgäbe von Köpke, 

Do an die reinin kristinheit 

AI dirre weite muz sin virseil 

Die krist got der gute 

Blit sinim suzin bl&te 

Loste von des todis not 

Und an in tote den tot u. s, w, 
und schließen 

Vur iosaphatin er do gie 

Vnr in viel er uf siniv knie 

Sin sunde tet im von herzin we 

Vor dem kunige er Ivte shre 

Wir sin an disin stundin 

Mit warheit ubir wnndin 

Herze liebir herre min 

Josaphat der sun din 

Des heiligin geistis rat 

In sinim reinim herzin hat 

Qot hat an dirre seibin stvnt 

Mit uns giredit durh sinin munt — (329, 10). 



447 



VERSUCH EINER STROPHISCHEN ABTHEI* 

LUN6 DES HILDERRANDSLIEDES UND 

DES RRUCHSTÜCKES VOM JÜNGSTEN 

GERICHT. 

Der folgende versuch das Hildebrandslied Ai Strophen 
von drei und das bruchstück vom jüngsten gericht in stro^ 
phen von vier langzeilen (oder sechs und acht halbversen) 
abzutheilen* bedarf im voraus einer nähern begriindung.^-^ 
dqfs die strophische abtheilung hei alliterierenden gmUchten 
überhaupt suläfsig ist^ das beweisen schon zur genüge die 
altnordischen gedichte, und es würde sich selbst ohne die^ 
sen äu/seren grund annehmen Iq/sen dq/s auch bei der her* 
schq/i des Stabreimes die dichtung in Strophen, weil sie be- 
sonders sich für den gesang eignet, eben so die ältere und 
einfachere war, dafs sie erst bei weiterer ausbildung der 
kunst gegen nicht strophische zurücktrat, wie mit recht die 
kurzen reimpaare der mittelhochdeutschen dichter als eine 
auflosung der früher gewöhnlichen Strophen angesehen wer^ 
den. wenn nun diese außösung der Strophen besonders da^ 
durch herbeigeführt wurde dafs die kunstdichter sich be- 
mühten den sinn aus einem reimpaare in das andere zu 
übertragen, so darf es in dem vorliegenden falle als beweis 
der strophischen dichtung gelten dafs das Hildebrandslied 
eben so wohl wie Muspilli bei der durchgeführten abthei- 
lung durchweg mit dem abschlufs des gesetzes auch einen 
gewissen abschltfs des sinnes erkennen läfst, wogegen man 
bei der nicht in Strophen abgefafsten altsächsischen evan- 
gelienharmonie bald wahmhnmt, wie der dichter gefli- 
fsentlich den schltfs des sinnes in die mitte der langzeile 
zu verlegen sucht, am deutlichsten und auffalligsten zeigt 

* die hriider Grimm haben (nach s, 37 ihrer ausgäbe) schon im 
Jahre \%\% versucht das Hildebrandslied in Strophen zu Aerlegen; 
es wollte nicht gelingen, weil die lücken desselben damals noch nidht 
so fest bestimmt waren, auch Lachmann stellt in seiner Vorlesung 
die strophische form des gedachtes nicht in abrede. 



448 , HILDBBRANDSLIED UND MUSPILLI. 

Hch dkmr abschlufs des sinnes mit der stropke in dem Hü- 
debrandsUede, wo unter andern der formelhafte vers Hilti- 
braot (Hadobrant) gimahalta u. s. w. naturgemäfs immer den 
a^fkmg einer straphe bildet; doch wird auch die abtheilumg 
dee kruehMtückes vom jüngsten gericht nur da unneherer 
wo luden und entstellungen des textes Dorigtnmen. 

An diese bemerkung reiht sich eine zweite* gewöhn- 
lich hat Jede Strophe des Hildebrandsliedes und des Mus-' 
püU eine hmgastHe mit drei reimbuchstaben. die Stellung 
derselben in der Strophe seheint gleichgUtig-xu sein, da 
sie bald im atifang, gewöhnlicher in der mitte, bald am 
ende des gesetxes zum porschein kommt, im Hildebrands^ 
Hede zeigt sieh eine auf diese weise gebaute langzeüe nicht 
Str. 6. 9. 13. 21. in der sechsten Strophe, deren zuleite 
zeile oifffnll^ gonz ohne alliteration ist, kommen m der 
dritten langzeile drei stäbe zum Vorschein, sobald man anti 
auch als reimwert ansieht» ob in der neunten und in der 
ehatndawanzigsten Strophe die zwei überschlagenden reime, 
welche sieh aber auch sonst neben den zdlen zeigen, die 
drei stäbe vertreten sollen, mujs unentschieden bleiben.* 
im Muspilü haben die vollständigen Strophen 10. IS. 22 
(»9 aber in der 2n zeile die ksart nicht fest steht) 23 {we 
z^ 4 zwn überschlagende reime, z. 3 gar keine alUteratien 
hit) und 27 keine langzeilen mit drei reimbuchstaben, in- 
dess können diese v}enigen ausnahmen die regel doch nicht 
verkennen Iqfsen^ und wir dürfen dessen ungeachtet die be^ 
merkte formelle eigenthümUchkeii als einen zweiten grund 
für die strophische natur der beiden gedichte hinstellen. 

Die beiden gefundenen Strophen entsprechen endlich 
nicht nur den vier- und dreiseiligen Strophen des altnardi^ 
sehen epischen fomyrdhalag, sondern sie Iq/sen sich auch 
in den kleineren alliterierenden althochdeutschen denkmälem 
mit Wahrscheinlichkeit nachweisen, das gedieht von den 
Idisi besteht aus einer Strophe von vier langzeilen, van 

* $tr, 3. 15. 19, vielleicht auch 7, haben Jede eine langweile mit 
vweif eine »weite mit drei stöben, eine dritte mit uwei überschlagen- 
den reimen; eine kunstvolle abwechselung, welche mit der dreithei^ 
ligkeit der eirophe sehr schon stimmt, str. ^y vielleicht euch 8, %eigt 
zwei langzeilen, jede mit drei reimbuchstaben. 



HILDEBRANDSLIED UND HUSPILLI. , 449 

welchen die zweite (sumä Aapt Aeptidan, sami AenUJezidan) 
gleichfalls drei reimbuchstaben hat, das gedieht von Phol 
und ff^ödan hat acht langzeilen, also zwei vierzeilige Stro- 
phen, die siebenzehn sicher alliterierenden haUnierse des 
ff^essobrunner gebetes Iqfsen sich dagegen^ wie das Hilde- 
brandslied, in drei dreizeilige Strophen zerlegen^ in Jeder 
erscheint auch hier eine langzeile mit drei Stäben.* 

Wir lajsen jetzt unsere beiden gedichte strophisch ab- 
getheilt folgen, indem wir. dabei die abweidmngen von 
Wackernagels lesebuch sp. 63 — 68 und 69 — 7% bemerken. 

• 

DAS LIED VON HILDEBRAND UND HADUBRAND. 

i Ik gihftrfa dhat seggen ...... 

dhat sih z^rhfittun wn^n muottiii 

^Itibraht enti iTadhubrant untar Aeijim ta6m« 

2 SanufatarungAs irA «aro rihlun, 

^nitun s6 irA ^nidbamun, partim sih irA saert ana, 
ÄelidAs> ubar Aringä, dA siA tA derA Mtja ritan. 

$ iTiltibraht gimabalta: her was AArAro man, 
y*erahes ^AtAro ; heryirägAn gistuont 
yAhAm uaortum huuer sin^ter unäri 

* nach fFaekemqgeU lesebuah sp, 67 
f Dat ga/regia ih mit/irahim /irianizz^ meista, 
dat ero ni nnas noh iSfhiinil^ 
Boh pAum nohheinig noh /^ereg ni auas; 

^ Ni noh sanna nl seein, 

noh tnkno ni liahta noh der mareos^o. 
d6 d&r nit/t/iht ni was ente6 ni uueutet, 

3 Enti d6 uuas der etno almahtico cot, 
fitanno miltisto; enti dan anaran auk manake 
mit in an cootlihhe geista 

das folgende, dessen poetische form von fTackemagel bestritten ist^ 
gewährt nach der von den brüdeim Grimm ausgeführten abtheilung 
sechs langzeilen, also zwei Strophen, 

Z. F. D. A. III. 29 



4S0 HILDBBRANDSLIED UND MUSPILLI. 
4 Fire6 inybiohe 

5 'eddo haelibhes cnaosles du sis. 

ibu du iiii «pnan sagAs, ik mi d6 ödvk uu^t, 
chini in cAunincriohe : chui ist mi al irmindeot/ 

6 ^adubraht gimahalta, ^TiltibraDtes sunu, 
'dat sag6tun mi userö liuti: 

a\\A anti fröt£, deä ^r hina uuärun; 

7 Dat £Piltibrant hsdlii min fater: ih Aeiltu /Tadubrant. 
,/bru ber (jstar giweit, y*16h ber ()tachres nid, 

bina miü 7%eolrihbe, enti siner6 deganö filu. 

8 Her fur/aet in /ante /uttila sitten 
prut in Äure, &arn nnuuahsan, 
arbeolaosa (ber raet ^star hina) d^t. 

9 Sid 1^6tribbe darbä gistuontuu 

yateres mines, dat uuas so yriuutlaos man: 
her was ^tachre t^mmet tiuri. 

10 Deganö cfechisto was ber Z^eotrichhe 

[darbä gistdntun] 

Ao^blcbes at ente: imo was ^o^ebta ti leop. 

11 Ch&i was her . . . cMnn^m mannum, 

ni uuänju ih iu lib babb6 

{es fehlt zum wenigsteji eine strophe.) 

7, 1 nach diesem verse nimmt mit Wahrscheinlichkeit Lachmann eine 
lücke an : fehlen drei langzeilen ¥ 

8, 3 nach Lachmann, d^t tilgt W. 

10, 1 nach L. unli D. fT. mit der handschrijt. 3. nach L, her 
was eo W. mit der handschrift. 



HILDBBRANDSLIED UND MUSPILU; 451 

12 'Ua:tUi ffiniiigol obana ab bevane 
dat da nAo cfana balt ifinc ni gileitAs 
mit 8U8 sippan man '.' 



IS </)Mant ber d6 ar arme uunniAut bougä, 

cÄeisuringfu gitdn, sd imo s£ der cAnmng gap, 
HAne^ truhtin: 'dat ib dir it nn bi Auldi gibu.' 

14 ^adubraht gim^ita, ^Itibrantes snna, 
'mit gMi seal man ^eba infäban, 

ort widar orte. dA bist dir, alt^r HAn^ 

15 Ummet gpäMr spenis mib 

mit dinftm tn^ortun, umü mih dind sperA aitierpan. 
pist also gialtit man, sd du ^uin inuuit förtös. 

Iß Dat «agAtnn mi ^Aolidant^ 

lo/estar ubar iit/entilsffio, dat laan ntfie fimiam ; 
t6t ist /filtibrant, ^eribrantes snno.' 

17 /Snitibrabt gimabalta, üferibrantes suno, 
'nnela gisiba ib in dinto bmstim 

dat da Aab6s Mme b6rron g6ten; 

18 Dat du nob bi desemo riebe reccbeo ni unorti 



{es fehlen mehrere Strophen?) 

19 '{/»elaga na, «rc^tant goti m/6aaort skibit* 
ib f^z/aliöta ^umard enti uaintr6 sebstic, 
dar man mib £o «cerita in folc jeeotanierd. 



4' 



20 Sd man mir at £urc aenigeru Aannn ni gifasta: 
nu scal mib ^näsat chind ^uertA baunaan, 
iretön mit sinA MjA eddo ib imo ti ianin uncrdan. 

17. vor dieser strophe bezeichnet Laehnumn eime HUke, 

29* 



402 HILDBBIIANDSLIBD UND MUSHLLL 

21 Doh mäht du na irodlihho, ibu dir din eilen laoe, 
in sus Aftremo man Arusti giuoinnaa, 
ranba birahanen, ibu du dar 6nic reht habts. 

(e^ yi^A/^ xum wenigsten eine, wahrscheinlich nkehrere 
Strophen.) 

1t% 

'der si doh nn mrgdsto ^starliutd, 

der dir nu tmiges loiarn^, nu dih es s6 titiel htstii* 

23 Gddea gimeinun niusfe d6 mhiii^ 

Auerdar sih der4 Aregil6 Aiutu Aruomen mooUi^ 
erdo deserö Arunnönö &Merö uualtan.' 

24 Dö laettun s6 censX. askim scritan, 
«carp6n^curim, dat in d£m sc\\\im stönt. 
dö «Idptun ,to samane ^taimbort chludun, 

25 i7euuun Aarmlicco hxAiXk seilte, 
nnti im irA fintAn Aittilö uuurtun 

gitmigan ni ti t/iaimbnum 



•• 



VOM JÜNGSTEN GERICHT. 
1 , 



■sin tSiß picpiemiK, daz er .^duujan scal. 

2 Uuänta sftr sd sih diu ^6hi in den «ind arhevil, 

enti si den /ihhamun fikkan ttzxit, 

s6 c[uimit ein Aeri . fona Aimilzungalon, 

dak iplar fona /^hhe : dar /^ägant siu umpi. 

3 iSorg6n mac diu ^^ftla unzi diu «uona argftt, 
za unederemo Aerje si giAaldt uuerdi. 

22, 1 liißt sieh ergän%en i7iltibrant gimahalU, J/eribrantes tonu. 



HILDEBRANDSLIED UND MÜSRILU. 453 

uuanU ipu sia daz ^atanazses küindi kiuuiniiil, 
daz /eitit sia sftr dar iru /eid uoirdit; 

4 In yiiir enti in yinstri : dazi ist rehto t^irinlih ding, 
upi sia avar kiAaldnt di6, di6 dar fona Aimile qaemant, 
enti si derA engiiö eigan uuirdit, 

dift pringent sia sär üf in himild rihbi. 

5 Däri ist Zip äno töd, Aoht äno finstri, 
«elida äno Morgan ; dar nist n6o man siuh : 
denne der man in /lardisü pd kinuinnit, 

Aus in Aimile . , 'dar quimit imo Mifa kinuok. 

6 Pidiu.ist dürft 0iihhil aller6 mannö uuelibhemo 

. . . • daz in es sin muot kispanft, 
daz er itotes uuillun itematuo, 

7 Enti Aella fuir Aarto uuisft, 

pehbes jvina, dar /liutit der satanaz altist 
Aeizzan laue. so mac Auckan za difi, 
soTgbn dräto der sich «untigan nneiz. 

8 Uu£ demo in mnstri scal sind t^irinä stuen, 
/irinnan in pehhe ; daz ist rehto /^aluuic dink, 

daz der man Aar^t ze gote, enti imo Ailfia ni quimit. 
uukaii sih kinÄdä diu i^i/^naga s61a. 

d Ni ist in kiAuctin Aimiliskin gote 

(i^t^nta hiar in uuerolii after ni tit^erköta), 

st' denne der ^Tiahtigo khuninc daz mahal kipannit: 

dara scal ^eman cAunnö kilihhaz. 

6, 2 ^. bezeichnet hier keine lücke, nimmt sie dagegen kMtr kispä- 
nd an, 6, 3 fängt auf einem neuen blatte an; es echeiat daher, 

weil die handschrtft oben und unten verstümmelt ist {vergl, Schmelz 
lers MuspilÜ ^.9), vorher etwas weggeschnitten/ ähnlich verhält es 
sieh mit den str, 14 und 7>i angenommenen lücken. die unvollstänr 
dige Str. 14 bildet den schiff at^ foL UOS str, %i den af\fang anf 
foL \%\^i woraus hervorgeht dqß foL \%\, verstümmeU ist. 



454 HOJNSBRANDSLIED UND MUSPILLL 

10 Denne ni kitar parnö nohhein den pa.n furisizzan, 
ni allerd mannd naelih ze demo mahale sculi. 

dar scal er vora demo rihhe az rahhu stantan 
pi daz er in m^erolti ki?/</erk6t hap6t. 

11 Daz h6rtih rahh6n diä aaeroltrehtnuison, 
daz sculi der iintichristo mit £Iiase pägan. 

der t^arch ist kif/t/äfanit 

denne 2/;edrdit untar in umk arhapan. 

12 Kkenhn sint so Äreftic, diu A^sa ist s6 mihhil. 
iTAlias stritit pi den ^wigdn iip, 

nnili ädn rehtkerudn daz rihhi kistarkun: 
pidiü scal imo Aelfan der Aimiles kiuaaltit. 

13 Der antichristo st6t pi demo altfiaBte, 

8t6t pi demo satanäse der inan farsenkan scal: 
pidiu scal er in deru zmicsteti uuani pivallan 
enti in demo finde rigalös uuerdan. 

14 Doh uuänit des yila gotmannd 

daz Hellas in demo i^ge an^a . . . • • 



15 SAr so daz JTiftliases pluot in ^da kitriufit, 
s6 in/7rinnaut di6 pergä, ponm ni kistentit 
einic in erdu, ahä artrukn^nt, 

mnor var^uuilhit sih, ^lizdt lougjä der himil. 

16 MAao vaiiit prinnit mittilagart: 
stein ni ki^^entit einik in erdu: 

11, 3i. 4 to' ^. ohne lücke als eine langzeile. 

H,i doh QuÄiiit des vila | * g^otmann^ fT, vila scheint nicht die rechte 
iesart; cod. nnla, vielleicht -w'iWo placitum, senientia; vergi» Gr^ff 
1, 822. über die ß)lgende lücke vergL zu 6, 2. 

ift, 2. 3 nach Schmeller eine langzeile ohne lücke. -— Steivi ni ki^fen- 
tit. I denne «teatago in lant Verit mit din vuird AT. v. % ist allere 
dings verdäalffßg'i tf^rgl. 15, % 3. 



/ 



niLDEBRANOSLlGD UND MUSPILLI. 4» 

verii deane stuatago .... in hnt, 
2)erit mit diu t^uiril t*irih6 aoisön. 

17 Dar ni mstc denne ififtk andremo helfan vora demo 

iTzuspille : 

denoe das /^reita uuasal allaz vaiT^reBiiit, 
enti «^uir enti luft iz allaz ar/hrpit. 
uuär ist denne dia anarba dar man dar 60 mit sin6n 

mägon piec? 

18 Diu marha ist farprunnan; diu sMa st^t piduungan, 
ni uueiz mit uuiA puoz6 : s^ verit si za tnrize. 
pidiu ist demo manne s6 gfuot, denner ze demo nvahale 

quimit, 
daz er rahh6n6 unelihha rehto arteil^. 

19 Denne ni darf er ^org6n, denne er ae dem ^uonn 

quimit. 
ni tweiz der uuknago man tiüieliblian urteil er hap^t, 
denner mit den miatdn marrit daz rehta, 
daz der äuval dar pi kitarnit stentit. 

20 Der bap^t in movu rahbdnö uuelibba, 

daz der man ::::::::: upiles kifrumita, 

daz er iz ailez ki^ag^t denne er ze deru ^ uonu quimit. 

ni scolta sid mann6 nohbein 



21 



mann6 nobbein miatiin intfäban. 

22 So daz Aimilisca Aorn kiAlütit uuirdit, 
enti sib der «uonäri in den find arbevit: 
denne Aevit sib mit imo Äerjö meista, 
daz ist allaz so jvald, daz imo nioman kijpägan ni mak. 

20, % das der man in firihin? 

21. vergL zu 6, ^. 

%%^ % nach Sehmeilers früherer Vermutung. — enti sik der : : : : : : 



456 HILDBBRANDSLIED UND MUiSPILLL 

23 Denne veiit er ze deru »lahalsteti dera dar kimarcböt ist. 
dar nnirdit diu «aona dia man dar io sagtta. 
denne varant engilä aper diö marhä, 

tMMchant deotä t/mssant ze dinge. 

24 Denne 9cal mannö gilih fona dern molia arstftn, 
/össan sih ar der6 /6ua6 vazzön: scal imo avar sin 

/ip piqaeman, 
daz er sin reht allaz kirahhdn muozzi, 
enti imo after sin6n tätiu ar^eilit auerd6. 

25 Denne der girizzit, der dar ^uonnan scal 
enti ar/eillan scal t&i&n enti quekkb^n: 
denne st0t dar umfi engild menigi, 
^oterö ^omönö , ^art st ::::::: : 



26 Dara qnimit ze deru rihtungu s6 vilo diä dir ...... 

arstönt, 
s6 dir mannö nohhein üuiht pimidan ni mak. 
dir scal denn6 Aant sprehban, Aoupit sag6n, 
allerd Rio üuelih unzi in den Aizigun vinger, 

27 Uuaz er nntar des6n mannun movAes kifrumita. 
dar ni ist £o s6 ästic man, der dir iouuiht ar/iu- 

gan megi, 
daz ^ ki/arnan megi täiö dehheina, 
niz al fora demo ArAuninge kiMundit uuerdA: 



28 I7zzan er iz mit alamusanu fu 

enti mit^stün di6 mrini kipuazta 

denne. der kipuazzit hapAt, 

denner ze deru ... 

29 Uirdit denne /uri kitragan daz ^ön6 chruci, 
dir der Ailigo christ ana ar/iangan uuard. 

: : : in den sind arhevit, der dar : : : noan scal toten enti lepen : : : 
eod. enti sih der in den siud arhevit, der d&r raonnan .scal. Denne 
hevit fr. 

25, 4. gart staenterft? 



HILDEBRANDSLIBD UND HUSPILLI. 487 

denne angit er diö iTtäsAn diA er in dem menniski 

intfiang, 

dia er durah deses mancannes 

WILHELM MÜLLER. 



FRIESISCHE WEISSAGUNGEN AUS DEM 

XVI JH- 

In dem landesarckwe des kerzogtkums Oldenburg be- 
findet sich eine aufseichnung friesischer Weissagungen in 
drei verschiedenen handschrißen {einseinen bogen), von de- 
nen die älteste um 1 580 geschrieben su sein scheint, die 
beiden andern vielleicht ein paar jahrxehende spater, nach 
der ältesten {A)/die zwar die richtigste ^ aber doch nicht 
ohne fehler ist, gebe ich hier die wahrscheinlich einst viel- 
verbreitete atfzeichnung der Weissagungen: das besondere 
der beiden andern handschriften (B und C) überall genau 
anzt^eben schien mir nicht überfliifsig. es bedarf wohl 
kaum^ der bemerkung dafs diese unier sich verschiedenen 
Weissagungen einen innem Zusammenhang nur scheinbar 
durch die Zusammenstellung erhalten haben. 

Wenn de Kercke tbo Busckmonnyckenn Js henwech vnd 
dat Cruitze tho Maryenhaue^ Vnd ein Raue' Jnn den Kerfs- 
hilligen Daghen Jungen tho Norden vp den Thornn hefffc, 
Vnd ein Smeene tho Oistell vp den Welerkolck^ Jungen 
hefft, So schall Freefslandt Jnn so grote Noedt synn alse 
Jdt vorhenn nichlt^ gewesen Js. 

Hyr by werth gesecht, dat Wanueer ein witte Arendt 
buyten Oistell . witte Jungen tuchtiget, Vnd wenn alle Vn- 
laade tho Lande werden, So schall sulckes alles gescheen. 

Noch Jst geseht, wenn de Ekenbohm tho Auwrick Yor 
den Stalle wech genhamen where. So schulde ^ Jdt myt den 
Hufsmann yp dat hogeste synn, Vnd wenn die Poerte tho 
Auwrick yptymmerth wurde, So schulde ^ damha die Adel 

1. ein schwarte Raue B. %, Schmente vp den Elsklock by Oistell 

B, smeeadt vp de Elleklock tho Otteel C. ^. nnwerle B. 

4. wert, So schal i^C 5. nyest getimmert wert, So schall BC, 



4d8 FRIESISCHE WEISSAGUNGEN. 

Jnn so grote vorachtiiDge kamen alse hie nicht' gewesen 
where, Aaerst ^ vann Eyner Yngeachteden wedder tho Ehrenn 
geuorderth werden, gelyck alse hie gewesen where. 

JUibdann scholen Drier Wedewen Sone einen Slach^ 
vp dea Rifspell dhoen, Vnd dat kleene Heer van Oisten, 
weick vanWiltmnnde vnd den Vpsloth^ tho samende kumpt, 
schall Erstenn den boep van Westen slaen, Auerst van Ey- 
nen myt Eynen bruynen Peerde vnd Einer Witten Vedder 
vp dem Helme entsetteth werden, vnd den Priefs beholden ^, 
Vnnd den Freesen ere olde Frieheit vormhanen, vnd thom 
Leslenn die Freesen by Vpstaendes Bom vhoeren*, alse by 
ere olde Richtplaetze, vnd myt einer witten Roden dar ahn 
slaen, Spreeckende: 6y Freesen, sehet nu tho, wat gy 
dhoen, Nn synn gy alle wedder frie. Vnd dieser schall synn 
Einer myt gele kruyse harenn, Jck gedencke aSgescharen ^. 

Hir by Jst gesecht, Dat eyn Meer by Reepsolth gele- 
gen (oder dammme trenth®) vnd dar by ein Deep, wenn 
dat Deep vnd Meer werden Jn Einander lopen, Alfsdan 
schulde') Esens Wittmunde vnd Jbeuer Einen heren hebben. 

Aaerst Embden vnd Gronunghen scholen eines dages ^^ 
gewhnnnen werden'', Vnd de Baden ^^ scholden sich hejege- 
nen vp den Delffzyll (Ettliche seggen vp der Mherde), vnd die 
Eine schall seggen van Groningen vnd die andere van Embden. 

1. nnwerie ß, 2. B hat diesen sehlvfs nicht, in C heijkt es dm- 

ßtr Auerst wenn der Vngeaehter wedder tho ereoa geworden, alb 
vorben gewesen, dan sali der Wedewea soen eia schlach «. «. w. 
darin ist also der schlt^fs zum anfang der folgenden Weissagung ge^ 
macht, 3. schall der wedewen söhne ein schlachtnnge B, 

4. vnd aner den Vpschlot BC, 5. vielleicht vnd de seliali den 

Priefis bekolden? wenn einer mit einem branen perde kumpt vnd 

-ein Witte Fedder vp dem Heimet selten, wert den Priers «• «. «. B, 
wen Einer mit ein bnm Pert vnd ein witte Plum vp den Helm heilt, 
wert den stritt beholden C, 6. vormahnen, vnd vöhren na dem 

Vpschlotsbohm u. s, w, B, vermanen, nnd foeren see by de Vpstals- 
bom u. s, fü. C, 7. dieser etwas seltsame sehl%fk (Ick %, aff||r*) 

fehlt BC, 8. das hier und weiter unten eingeklammerte fihlt BC. 

9. wenn de in einander sint gegrauen, alsdann schall ». «. io. BC. 

10. vp einen Dach BC. W, B schiebt hier noch ein Die eine Stunde 
sehall Gronningen nergen nichts van weten, de ander stunde de grauen 

mit Sparren vnd Vuhren , einige warte sind erloschen, 

\^. Baden, de de Tidoiige . . . . , eifin wort erloschwi, B. 



FRIESISCHE WEISSAGUNGEN. 4M 

Dit Js Jarcke van der Mayden syn Prophecie : ' Aaersl 
die Herenn van Freeslandt scholen seggen: Dit Js voseVa- 
derlandl gewesen, wenn sie vor Freeslandt vor ahuer theen. 
Vnd Ein wedwe myt Einen golden Wagen Jnt.L«if4l ge- 
uoreth, schoId#myt Einen Mefs wagen dar vth genoreth wer- 
den. Vnd dit scholde gescheen, wenn die herenn Wytt Jnt 
Oisten fnenn. ^ 

1. 4le9$r anfang der letzten Weissagung fehlt BC, % hierauf ^n 
Jeder maeb biddea, dat em Gott bewabre vad de straffs nacb vth 
blioeD-Aiaeii. C 

Die eine dieser Weissagungen, welche von einer sehlacht xu 
Rispel spricht^ erinnert an eine ganz ähnliche die im Pä- 
derbomischen zu hause ist. ich hörte sie von landleuten 
in der gegend von Büren im december 1832, als man über- 
all in der erwartung eines schweren krieges war, und schrieb 
sie mir damals mit folgenden werten nieder, bald, so sag- 
ten die landleute, werde eine grofse Schlacht auf dem Sint- 
felde geschlagen werden^ gegen ein heer das aus westen 
komme, das sei schon eine alte prophexeiung, die gröste 
noth des krieges werde angehen wenn der ha/er reif sei. 
dann werde eine zweite Schlacht geliefert am bimbaume bei 
Werl, und die letzte endlich bei den Färstmer linden im* 
weit Ermtte, in der erst das heer aus westen den sieg 
habe, bis von links her (aus süden?) ein general auf wei" 
fsem Schimmel ansprengend die schlackt fUr die unmgen 
entscheide, so habe es auch schon lange der alte fFtoker 
zu Weiberg bei BUren gesagt, nach der Schlacht bei ÄK 
witte aber werde das volk so dünne sein dcfs die menschen 
sich wieder zu eintmder suchen miisten. — diese Weissagung 
veranlqfste bei einer ungewöhnlichen naturerscheinung im 
herbste 1832 ein gesicht von einer Schlacht, über welches 
damals von den anwohnem des Sintfeldes {des schlacht/hl" 
des Karls des grofsen) wenigstens zwanzig menschen «fit- 
lieh zu Protokoll verhört worden sind, die stellen am bim^ 
bäum bei Werl und an den Färstmer linden haben^ so viel 
ich mich erinnere, aufser dafs kreuze daselbst aufgerich- 
tet sind, nichts in die äugen fallendes, sind aber weit und 
breit im munde des volks bekannt. 

OLDENBURG. DR LEVERKUS. 



460 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSEN AUS 

S. PAUL. 

Zwei pergamentblätter eines uncialcodex der e9>ange- 
lien aus dem 6n oder 7n jh.y mit übergeschriebenen flössen 
des Sn Jh., vorgebunden einem uncialcodex des Ambrosnts 
de ßde catholica aus derselben zeit, in der benedictmer- 
abtei Sanct Paul im Lavantthale. die besternten Wörter 
sind xusätxe des glossators, das eingeklammerte ist van wir 
ergäbt. HOFFMANN. 






Evang. Lucae 1, 64. loque- 
batur, sprah. 

65. &ctas est, (ke)tan 
(uua)rdh. 

iimor, frahta, forahta. 

'''saper, über. 

omaes, aüe. 

nicinos, kepurun. 

eoriun, iro. 

'^ super, {üjber. 

uniuersa, ^omnia, aUe, €Ule. 

montana, peracara, pergara. 

iadaee, dra . d. 

diffamabantiir, * diuulgaban- 

tur, kemarit (uuä)run. 
haec, deisu. 
uerba, (uuor)t. 
omnia, {al)liu. 

66. posaeront, sazton. 
^omnes, alle. 

^qai, dea. 
^audierant, horten. 
corde, (her)xin. 
suo, iro. 
diGeat4)S, chu(e)danti. 



qaid, uuaz. 
^patas, uuanis. 
erit, ist. 
puer, chind. 
iste, deze. 
'^eienim, so. 
manas, (han)t. 
domini, (truhti)nes^ 
cum, (mi)t. 
illo, imu. 

67. eius, (si)ner. 
impletus, eru(u)lter. 
spiritu, atume. 
sancto, uuihemOm 
profetabal, uuizagota. 

68. benedictus, k(t)u(mkiy 
ter. 

quia, (huuah)ta. 
uisetauit, . . , . ta. 
fecit, (mahho)ta. 
redemptionem, urlosida. 
populo, (J6t)che. 
suo, (sine)mu. 
70. qui, d(ea). 
aba, ßfi)na. 



S. PAULER GLOSSEN. 



401 



eoy tmu. 

72. memorari, k{e)hukit uue- 
san. 

testamenti sancti, {um)kun 
euua. 

73. iasiurandum, rehian eid. 
iaraiiit, {suu)ar. 

daturom, k{eban)tan. 

76. praeibis, J(o)racas. 

77. ad dandam, z(a ke)banne. 
scientiam, uiästuam. 

in remissionem, m antlaz, 

78. per uiscera, (du)ruh in- 
nodi. 

oriens, lif chuuemoy uf 

ckumjt* 
ex alto, Jtpna ho)hemo. 

79. illaminare, {liuhtan)ti. 
umbra, scue (I. scateuue). 
dirigendos, (rih)tan. 

80. crescebaty (uu)has. 
conroborabatur, * confortaba- 

tar, kestarchit uuas, . ke* 

strengit uuas. 
indesertis, in uuiastim, in 

uua(stim). 
diem, (ta)c. 
ostensionis snae, (sin)ura 

keaugida. 
2, 1. exiit, uz keanc, 
, edictum, kechuuit. 
a caesare, J{ona) kheisure. 
agusto, eruuirdiskemu. 

* im texte qui aba bo. der 
Schreiber des uncialcodex schrieb 

für a saecalo , wie die vulgata 
hat, deutsch aba eo oder meinte 
ab aevo. der glossator nahm es 

ßir ab eo. 



"^uniuersus orbis, alliu 
uurft. 

2. haec, de%e. 

professio, "^descriptioi kfscrip, 

prima, ejnst. 

facta est, uuorUma». 

(^a) praeside, ßma demu fo- 

rakesa . . . 
syriae, d(e)ra nr. 

3. ibanl, keangti(n). 
omnes, (al)le. 

nt, dax. 

profeterentor, sie/uarm.* 

unasquisqae, * singoli, irm- 

luze. 
in suam, in iro. 

4. ascendit, tffsieie* 
ciuitatem daoid, (bü)ruc da* 

uides. 
que uocatur, diu ist.. 
eo quod essit, pidiu das 

uuas. 
domo, huse. 
patria, ^familia, hiuuiske. 

5. profeteretur, erßtari.** 
cum maria, (mi)t (marifun.' 
spunsa, "^ desponsata, kema^ 

haltera. 
'^sibi, imu. 
"^uxore, chuuenun. 
pringnata, ^^pregnante^MMii»!- 

grera, suuangrera. 

6. factum, {ke)Um. 
autem, keuuisso. 
dum, denne. 

* der glossator hatte proficisce- 
rentar im sinne, 

** der glossator meint proficis- 
ceretur. 



4fit 



S. PAULER GLOSSEN. 



ibi, dar» 

essenty (uu)arun. 

impleti sunt, ermUte (uua)rwi. 

dies, {ta)ga. 

pareret, parL 

7. peperit, par. 

fiUum, chindh. 

'*'saum, ira. 

primogenitom, {e)ristporanaz. 

pannis, laehanvm. 

eum, (t)mm. 

connoluit, '^inuoluit, pümanL 

posiiit, ""reclinauit, keaasta. 

6iini, tjud. 

in praesepiam, in pamin, in 

chripiun. 
qoia, (humai)ta* 
erat, uuas. 
^ei, imu. 
locus, stat. 

ia diuertorio,^«« casihuse. 
^pastores, (kir)te. 
erant, (uud)run. 
in regioBe^ in lantscafi. 
illa, ^eadeiB, deraselbun. 
uigilantes, (uuah)hente. 
eastodientes, haltente. 
uigilias, (uu)ahta. 
noctis, d(e)ra naht* 
gregem suum, chortar iro. 
9. ecce, inu. 
angelus, {m)gü. 
domini, (truhti)nes. 
stetit, stuanU 
circa^ '^'iuxta illos, /»' im, 
claritas, perhti, perehti, 
*dei, cotes. 

circumfulsit, (umbi $)kein. 
illos, sie. 



timuerunt, forohton. 
timore, forahtun. 
magno, michilleru. 

10. dixit, (spr)ah. 
Ulis, im. 
angelus, (an)gil. 
nolite, ni churiL 
timere, ßtrahtan. 
ecce, inu. 

nuntio, * euangelizo, eual" 

spel/on. 
uobis, iu. 
gaudium, mendi. 
magnum, michila. 
quod, dax. 
erit, ist. 

omni, eocouuelichemu. 
populo, {fol)che. 

11. quia, dax. 
natus, keporaner. 
nobis, iu. 
hodie, hiuto. 
conseruator, '^saloator, Aet^ 

laut. 
qni, (ife)r. 
xps, uuiher, 
dominus, {truk)tin. 
eittitate, (pu)riki. 

12. hoc, '''est, uobis, daz 
ist iu. 

Signum, zeichan. 
inuenieles, findat ir, 
infantem, chindb, 
* pannis, lachanum. 
'^inuolutura, piuuntanaz. 
positum, kesaztaz. 
in praesepio, in pamin. 

13. subito, chahun^ cakun. 
facta est, (ke)tan uuardk. 



S. PAÜLBR GLOSSEN. 



46S 



^cam.ftngelo, mit angele. 
muUitttdo, manaki, 
exercitus, keri. 
*iniliti§9 dera chamflieiti* 
caelestes, d{e)ra himüiski. 
landantiam, lobantero. 
deum^ (co)(an. 
diceafiuip, (guedan)iero. 

14. gloria, (ruami)da. 

in altissimis, * excelsis, in 

hohem, 
deoy (co)te, 
terra, (er)du. 
pax, fridvy fridu. 
homiiiibus, {man)imm. 
bone uolantates, d{e)s cuatin 

uuillin. 

15. pastores, (hir)te. 
dixenmt, "^loquebantar, ^ra- 

chun. 
ad inuicem, untar im. 
transeamus, Jhrames. 
asque, (un)zi, 
in betbelm, in bedhlem. 
uedeamns, kesehemes. 
boc uerbum,. daz uuort. 
c[uod factum est, daz (ke)tan 

ist. 
*qaod, daz. 
ostendit, keaucta. 
nobis, ?ms. 

16. uenerunt, chuuamun. 
festinantes, illante. 
inuenernnt, funtun. 
mariam, (mari)un, 
infantem, chindh. 
positum, kesasftdz. 

in praesepio, in pamin. 



17. '*'aidentes, keseante^ kese^ 
kante. 

cognouerunl, er(chan)ton. 
de uerbo, piuuorte, pi warte. 
qaod dictum Bst, da» kechu^ 

uetan uuas. 
Ulis, 11». 
de poero hoc, fona ckmde 

demu. 

18. omnes, {al)le. 
qui, {de)a. 
audierunt, kehorton. 

mirati sunt, eruunifaie muh 

run. 
de bis, idei (I. umpi dei?) 
que, dei, 
dicta erant, kechuuetan una- 

run. 
^ pastoribus, ßfi)na hirtum. 
ad ipsos, jse im.. 

19. coDseruabat, kehealt. 
omnia, (al)liu. 

*uerba, uuort. 

haec, deisu. 

conferens, ebtmo ketraganti, 

ebanoketraganti., 
corde, (ker^xin. 
suo, ira. 

20. reuersi sunt, unarpaiUe 

(uuQ)run' 
pastores, hirte^ 

*glorificantes, numante. 

laudantes, lobonte., 

deum, (co)tan. 

Omnibus, (al)lem. 

quae audierant, dei kehorton. 

uiderant, kesahun. 

"^dictum est, cÄtfuato». 



464 



S. PAULER GLOSSEN. 



^ad illos, ste im. 

21. cum impleti sant, "^post- 
quam consummati sunt, qf- 
ter diu keenteote {wia)run. 

dies, (td)ga. 
VIII, hatouui. 
ut circamcideretur, dax um- 

bisnitan uuari. 
puer, ckind, 

uocatum est, kenemit uuas. 
numen eius, {nä)mo siner. 
qaod, dag. 

aocatumest^ kenemmit{uua)s. 
ab angelo, ßona ange)le. 
priumqaaiD, er denne. 
*\VL utero, m innode. 
conceperetur, entfangan uua- 

rt. 

22. cum, '''postquam, impleti 
sunt, eruulte {uua)run. 

dies, {ta)ga. 

purificationis, dera reinidassi, 

reinidassi. 
eius, stnera. 
secundum, (af)ter. 
legem, euu. 
mosi, d(e)s moysenes, 
duxerunt, '''tulerunt, namun. 
'^illum, inan. 
*vX sistereut illura, daz saz- 

tin, saztm inan. 
domino, {trukti)ne. 

23. scriptum est, (kescri)ban 
ist. 

lege, euu. 

domini, (truktz)nes. 

quia, daz. 

omne, eoceuuetichez. 



masculum , * masculinam, 
common chunt^ chunt. 

(* ad)aperiens uuluam, intuan- 
ti uuamba* 

sanctum, uuihaz^ utdha», 

domino, {truhti)ne. 

uocabitur, kenemmü ist. 

24. ut darent, daz kebin. 
sacrificium, "^ostiam, xebar, 

zebar. 
secundum, (qf)ter. 
quod dictum est, dius chu9t&' 

tan (uua)s. 
lege, euu. 
par turturum, xuuei kemesü- 

diu turturono. 
duos pullos columbamm, 

zuuei iungi huaninehiM Ui- 

bono. 

25. ecce, inu. 
homo, (mä)n. 
cui, demu. 

nomen, (na)mo. ^ 

erat, uuas. 

homo, (ma)n. 

hie, *iste, deser. 

iustus, (rek)ter. 

religiosus, *timoratus, ymiA- 

taler. 
expectans, peitonti^ 
consolationem, trost. 
israhel, (israhe)les. 
Spiritus ssLücius jatum{um)her. 
cum ipso, '^in eo, mit imu. 

26. respunsum, antuurti. 
acceperat, entfeanc. 

ab spiritu sancto, J{o)na atu- 
me (uui)hemu. 



S. PAULBR GLOSSEN. 



46G 



tton, (nat)les. 

8e, WA. 

nortem, d(o)dh. 
(*iii8i) prias quam, uxan er. 
vederit, keaahi. 
cfaristnm domini , (utii)kaK 
trohUneg. 

27. neait, chmam. 
io spiritu, m atume. 
in templo, in kuse. 
com, (den)ne. 
Indacerint, üxteHtiiaa). 
'parentes eias, cataUnga 

Jord(o)roH aldo. 
iesnm, heilant. 
nt, ((&)x. 
facerent, teßn. 
aecaadam, {qf)ter, 
confiaeludinem, keuuoneheiti. 
legis, (^e)ra etwa. 
pro eo, pi man, Jbra imu. 

28. ipse, er, 
accipit, entfeano. 
eam, man. 

ia manus, 'ulnas, snas, in 
elitq>ogun, in elirgiogtin 
sino. 

benedixit, uaikta. 

denm, (co)Can. 

dixit, (chaua)dh. 

29. nnac, nu. 
dimitte, Jorlax. 
seraum, (scal)c. 
secundom, {af)ter. 
uerhmu, (uuor)t. 
taum, (di)naz. 
pace, (Jri)diu. 

30. qoia, (kiaian,)ta. 
Z. F. D. A. lU. 



Didernnt, keta(httn). 

oculi mei, (ou)gtm (mOhAi. 

salalare tunm, da» htil d&t, 

31. qaoi, (da)x. 
parasti, kekaroUu. 

ante fadem, J(o)ra tätne. 
omni um, (at)tero. 
popnlonun, tiut(eo). 

32. Inmen, iehot. 

in, *ad, reneiationfliB, g« an- 

trihidu, 
gentium, deotono. 
gloriam, ze (ruami)da. 
popnli ini, *plebis tue, d(e)s 

(Ji}lc)ket (di)nei. 

33. mater, (mua)te(r). 
mirantes, (uuun)trontiu. 
super his, (u)ber dei. 

qae dicebantur, dei kecku(e)- 

tan (uua)run. 
de eo, J(ona) imu. 

34. benedixit es^ vttihta tiu. 
dixit ad mariam, (e&ua)dh 

xe (mari)un. 
eius, (t)ru. 

positas est, ketaster itt. 
in ruinam, üi aal. 
restirrectionem, «rrietu. 
mnltornm, {ma7ta)gero. 
in signnm, m sdekan. 
Gui, demu. 
contradicitar,u»«&ir chi(fiten) 

ist. 
3.5. tuam ipsius animam, ifm- 

na selbes sela. 
pertrausiet, (du}rtih /erit. 
gladius, uuqfan. 
renelentnr, tin < 
30 



■ 



466 



S. PAULBR GLOSSEN. 



ex moltis eordibus, er mana" 

gern herxam. 
cogitaliones, ke(dan)cha. 

36. erat, (und)*. 
profetissa, uuiaaga, 
filia, thoter, 
fanoel, (Jbnoe)les* 

de tribu aser, y(omi) chunne 

{ase)res. 
haec, disu. 

processerat, ßramgeanc. 
diebus, (tä)gum> 
ihttltis, managem. 
nixerat, lebata. 
Cum uiro '^'sao, {m{)t mane 

ira, 
a uirginitale sua, J\p)na ma- 

gahiheiti ira. 

37. haec, disu. 
uidua, uuituua. 

(usque) *ad annos, unzi ze 

tarun. 
Lxxxnr, ha^ozo feoriu. 
que non discebat, diu ni ke- 

leid. 
^' de templo, f(pnd) huse. 
ieiufiiis, (Jas)tom. 
orationibus, '''obsecratiombus, 

pisuuartim, ptsuüartim. 
seruiens, deonönti. 
nocteet, ^ae, die, (tä)kes 

enti naktes, 

38. haec, disu. 

ipsa *hora, d(e)rä selbun 

uuilu. 
"^ueniens, chuuemanti. 
confitebatur, iah. 
domino, (truhti)ne. 
loquebatur, sparch (so). 



'^qui, dea. 

expectantibus, * exspectabant, 

peitoton, 
redemptionem, irlosida. 

39. nt, ^0. 

perfeceruDt, {du)ruh tatun. 

omnia, (ai)liu. 

seeuDdum legem domini, (qfy 

tei* euu {truhjti)ne9. 
reuersi sunt , iuua)rpante 

{uua)run. 
ciuitatem suam, (Jbu)ru€ mur. 

40. crescebat, uu.as. 
plenus sapientia, foUer spa- 

kida, . 
conroborabatur, * fortabatur, 

(ke)starchit uuas. 
gratia dei, ensti (co)tes. 
erat in eo, * eam illo, ^(uua)s 

(mi)t imti. 

42. cum, (den)ne, 

factas esset, (ke)tan€r (uua)s. 

*iesus, (hei)lant. 

annorum xii, {ia)rum (xij) 

ueo, 
ascendentibus, vfstigantem. 
secundum consuetadinem, 

{af)ter keuuonaheiti. 
diei festi, (tul)di tagin. 

43. "^ consummatisqne diebus, 
enti keentolem tagum. 

cum redirent, {den)fi€ uuar- 

pton, 
remansit, pileip* 
puer, ckeneki, cheneht. 
non cognouerunt, ni erchan- 

ton. 
parentes eius, catalinge sine. 

44. exisümantes, nuannante. 



S. PAÜLER GLOSSEN. 



407 



eam, '^'illam, (i)nan, 

e^se, {uue)$an. 

in comitata, inkesinde^ (t)n' 

gestnde. 
uenerunt, (chuua)mun. 
*iter, smdh. 
diei, d(e)s tages. 
quirebaHt, suahton. 
eam, {i)nan. 
inter cognatos, untar kelan- 

genty kelangem. 
notos, chundem. 

45. non inaenientes, ni fin- 
dante. 

reuersi sunt, utiarpante (tma)- 

requiredtes eum, auar sua- 
ckante (i)nan. 

46. factum, (ke)tan, 

post dies tres, "^triduum, c^- 

ter drim tagum. 
inuenerunt eum, funtum nan. 
templo, huse, 
sedentem, sizantan. 
\vl medio magistrorum, *do- 

ctorum, in metolodemeistro, 
audientem, horrantan, 
'^illos, im. 
interrogantem, fragentan, 

47. stopebant, erchuuamun. 
omnes, (al)le. 

audientes eum, '''qui eum au- 
diebant, dea inan kehortoji» 

super prudentiam , über 
clauuida. 

et respunsa, "^responsis, en- 
ti antuurtim sinem, 

48. uidenteSi kesehente. 



obstepuerunt, ammirati sunt, 

eruuntrote (uua)run. 
ad eum, '''ad illum, (a)z inan, 
mater eins, (mi^)^^ (si)niu. 
fili, chind. 
quid, uuaz. 
fecisti, taii. 
nobis, uns, 
sie, so. 

*pater tuus, {fd)ter diner. 
ego, hih. 

doientes, serassantiu. 
querebamus, suahtomes. 
te, (dt)h. 

49. dixit, *ait, ad eos, "^iUos, 
(chuuä)dh »e im. 

quid "^est, uuaz ist. 

(*quod me) quaerebatis, daz 

mih suahtot. 
nescitis, ^nesciebatis, ni ut- 

sotot ir. 
quia in * bis que, dax in dem 

dea. 
patris mei '^sunt, d(e)s Jate^ 

re (min)es sint. 
oportet, ketrekü. 
me, (mi)k. ' ' . \ . 

esse, (uue)san. 

50. ipsi, sie. 

non intellexerant, nifarstuan- 

tun. 
uerbum, (uuor)t. 
quod locutus est, das spre- 

chanter (uua)s. 
eis, "^ad illos, im. 

51. discendit, nidof'steic. 
cum eis, (mi)t im. 
uenit, . . . dh. 

30* 



46S 



PRAGER GLOSSEN. 

Pergamenthandschrifi des iin jakrh. in ociav, in der 
ßtrstlich lobkawitzischen bihliothek zu Prag, aiff dem var^ 
setzblatte von alter hand Liber . s . Petri . a . in Angia mi- 
norj; und unten von neuerer Biblioth. Weifsenav. 

HOFFMANN. 



i^ Adam homo uel terrenus. 

Abel uapor uel luctus u.s.w. 
2^ Antidolam contradatuoi i. 

tranc, 
Ala ascella. Schesa. 
Arisa hanthaba l hasta. 
Arola aas pranarcini gl5t- 

phanna. 
Alietam auis. erigriz. 
Attacas. hehera 1; uel ut qui- 

dam aolunt hiombel. 
Areola lectulus in horto. i. 

bette. 
Alz genas besti^. elaho. 
Aqua manile hantcar. 
Andela brantreita. 
Ariola hSba. 
Amiculum peplum. fascia pe- 

ctoralis. hovbetSeh. 
3* Absinthium warmSta. 
Acer herba (dies wort Über- 
geschrieben) gundereba t 

arbor mazziltra. 
Anetum tille. 
Apium ephi. 
Allium cnobelovhc. 
Ascolinum asclovch. 
Anguilla aal. 



Alapa orsciac. 

Aurugo. spes coloris. i* ge- 

liu. 
Aulicus hoaeliac t hoaetrat. 
Ancomiscos incastratara« i. 

n5t. 
Aspidiscos. uncinus« i» er^ho. 
3^ Axidonum sessorium. i. 

st51. 
Alopiciosus intra caluos. 

Grindohte. 
Ascia debsela I barta. '" 
Auca t Anser gans« 
Aruina pinguedo i. unslit. 
4* Alliceo. inuito. spano 

{aus a ein e gemacht, aber 

so spemo) 
Assentior adulor i. stichelon.J 
Amus angil. 
Achalantus carduelis t car- 

dellus distilvlnco. 
Alibrum haspil. 
Alnus erle. 
Alopicia grint. 
Alopitiosus grindochte. 
5' Birsa pellis. i. hat. 
Bothoma urna. i. eimber. 
Botholicula stovf. 



PRAGER GLOSSEN. 



409 



Balafium ymago. i. bilide. 
5^ Bubttlcas i. ohsinare. 
Bacerus bobalas. i. wiesent. 
Bubalus wiesent. 
Braga femorale i. brSeh. 
Bulla sperala aurea. i. rinch. 
Balista sagitta l genas iacnli. 
. i. phederare. 
Ballena. i. walare. 
Bräncia gnttnr. i. chela. 
Bastaban bremo. 
Bitumen i. ertlim. 
Bncolare labium. i. lauitroc. 
Bracile bruc^aho. 
Bipennis barta i pial. 
Botrus wintrubo> 
6* Birrus cottus fimbriatas. i. 

chozo. 
Basis, i. stafel. 
Buccella. i. pizzo. 
Balbutto blabpizon. 
Bombix goteweppewrm. 
Basterna species uehiculi. i. 

samboch. 
Balbns neselente. 
Blatta s])ecies purpnr^ bla- 

tera. 
Bulla blätera. 
Blesus lisbinter. 
6^ Cidarim. mitra l pilleus. i. 

hStili. 
Catarus mundus. i. i^ine. t. 
Ciclad^ gottewppe. 
T Cinifes huntflivga. 
Cenocephalus hunhovbeto. 
Cardiacus herzesubtige. 
7^ Contubemalis bergeselle. 
Caprea siluatica steingeiz. 
Cartilago ossis. i. crustila. 



Castor. i. biber. 

Cuniculus c5noL 

Capreolus rech« 

Capedo. i. alant. 

Conca t concnla m'^alta. I. 

(die a sehr undemihch). 
Cancer crebizo. 
Cucnlus govch. 
Caradrion lericha. 
Carduvellus distilvinco. 
Cotturnix i. rebhSn. 
Cicendula deno. 
Cautio scripgezuch. 
Caluaria gebel. 
Caluitium cälua. t. 
Ceruix hals. 
Colaphus halslac. 
Celaphus elnie. 
Cost^ rippe. 
Cleffal tenar. 

Coxe 1 clunes diech t goffe. 
Cerebella himecreba. 
Calix 1 calcaneum uersena. 
8' Crus l tibia sincha (Kes 

scincha). t. 
Cliens. gnoz. 
Camera absida l arcus. i. ge- 

welbe. 
Cripta cruft. 
Cementum pflaster. 
Calces calch» 
Cementarius mArare. 
Curia dinchvs t sprahns. 
Curialis fisagö. 
Calips ferrum. i. stal l iain. 
Clauus tyyirnagel l zvec. 
Clauis slozzil. 
Circinus rizza. 
Ceagra f^scinola. i. crowil. 



470 



PRÄGER GLOSSEN. 



Circus. rinc. 

Carro 1; carraca. wagen. 

Carpentarius wagenafe ) holz- 

wercman. 
Cuna. Trage. 
Cenaeolani musgadem. 
Cartallam canistmm.i.cratto. 
Calatas zeina. 
Ciatns calix modicas. i. 

stovf. t. 
Cratera oapf. l eopf. 
Coclear lephel. . 
Caldarium chezzib'n. 
Celatara erhevei. 
Cantaras naph ) eanneta. 
Ciminum chSmihe. 
Cucumis } Cucurbita, i. cur-« 

biz. 
Cucumerarius curi>izgarto. 
Carectum riet 1 saherab. 
Cieuta wotich. 
Cepa lovcb. 
Cepe phlauza. 
8^ Cerofolium oheruilla. 
Corilus hasel. 
Carduus distel. 
Caniua banif. 
Celidonia scellewrz. 
Colocasia wiltminza. 
Casia ttirgula corticis robnsti 

purpureiis foliis. i. wih- 

boum. 
Coriandnnn eollindir. 
Caulis choli. 
Cardamus wildeoresso. 
Crocus. i. crAgo. 
Consitus t plantatus gimbe- 

tote. 
Cilta t cortex. i. rinda. 



Cippus stoc ) bloe. 
Cedrus cederbovm. 
Cerasus criseboum. 
Cinus crihboum. 
Carpenus hagenbSeh. 
Colufnus hesebrier (mo). 
Calcnlns. cbiselinc. 
Coccus rotphellol. 
Coccinum rptez. 
Culix mugga. 
Caliga sc5h l soc. 
Calicula soehili. 
Ciauge hosvN. 
Capulus heize } bantbaba. 
Cassidapera mubsina t ta- 

scha. 
Cb6s wezzein. 
Culter mezzer. 
Cliuus halda. 
Crepido steccbili } bAli. 
Controuersia. i. strit. 
Cardus äuge. 
Callis pbat l wec. 
Callus swil. 
Cetramentum blacba. 
Colostrum biest. 
Carbasus segel. 
Constellatio geslime. 
Cola siha. 

Calcatorium torcular trita. 
Conpluuium dacbtrovf. 

9" Colus rocco ) ebuncula. 

C61um siha. 

Clana kolbo. 

Crispns reide. 

Curtis hof. 

Curtile houestat. 

Conmanipularis hergesello. 



PRAGfiR GLOSSEN. 



471 



Cotossus altissima columna. 

i. irmensvl. 
Calceas t callga scab. 
9^ Cistella capselia. i. tasca* 
Glitella cistella meissa. t. 
Corrödo dilacero. i. bignago. 
Clepo füror. i. stilo. 
Caüllo alienas domns more 

catalomiii giro. i. nasco. 
Cauillum ii cauillatio b5ch l 

spot. 
Goacuo in acetum uertor. d. 

irsvren. 
ConsulUtio ratfraga. 
Collimito anamercho. 
Confuto gebÖDO. 
Confrico gerosto l geherto. 
Compilator zesaminiplezzare. 
Capistrum halftere. 
Capitium hobetlovch. 
CoUariam hastvvch {so). 
Ceraical chussi. 
CoQsistorium dincbus. 
lO*" Castorium bibetrviz (so). 
Causape mensale l ambet* 

lachen. 
Calta. i. cle. 
CoQcionator sprachare. 
Corbis corp. 

Com^do glutto. uilephraz. 
Corimbus trübo. 
Cylindmm wejleblec. 
Cribrum sib.^ 
Cortin§ aarea uelamina. i. 

rugelachen. 
Cinoglossa huntzun^e. 
Cymex wantlos. 
Ciconia storch. 
Comum herba letalis et per- 



niciosa bae stnnii, stara 

uescuntnr sine periculo. 
Cloaca phul. 
Colus arsdarm. 
11* Didimns geminus gezvyi- 

nele. 
Doliuia eruca. i. grasewrm. 
Discns magna scutella. sen- 

tra. 
Discofoms. i. tr5baaz. 
Discriminalia mulieris capitis 

omamenta. i. härscaida. 
Damma! l dammnla« i. dama. t. 
Delicatus zarliche. 
11^ Dumus Spina, i. dorn. 
Deditio zurgift. 
Decipula ualla. laqneus t 

drub. 
Dolabra ascia. i. barta. 
Ductile metallum. geskgenez^ 
Digero ordino t deoito« t. 

frizzo. 
Dolo snido. 
12" Debisco scrindo. 
Dedo. irgibo. 
l^** Eclesiästes concionator. 

i. sprabare. 
Ephebia lapanar bSrhus. 
Electrum. gesmelze. 
EUeborum ueratrum h6niera. 
Enigma. ratsca. 
Eucharistia bonum donum. i. 

wizzot. 
13^ ExUlis grozdarm. t groz- 

magga. 
Emissus emissarins. i. rei- 

nescare. 
Empticius coufscalcb. 
Erodius wiltfalco. 



472 



PRAGER GLOSSEN. 



Examen swarm } vrsSh. 
Eraca. i. grasewrm. 
Erago. i. rost. 
Ebnr helfenbein. 
Elephans helfentier. 
Edera ebah t hebehwoi. 
Ezsox lahs. 
Extrex posterior pars capitis 

i. n5o. 
14* Ebnmeus helfenbeininer. 
Expeditio hervart. 
Eqaes reitman, 
Essedum speeies aehicoli, i. 

sambSch. 
Episumen zSmSse. 
Emunco snuzo. 
14^ Exentero uentrem aperio 

scorpfo. 
Excorio fillo t scindo. 

j 

Extubero nodosos fio. i. ma- 

seloht. 
Exploro spehoD. 
Extundo. bl5e. 
Emorroidae ficblatera. 
Ephialtes scrate. 
Ei^steriam werchas. 
15' Farcilla gabela. . 
Fistttla calamus } swegela. 
Fascialis . windinc. 
Fiirga hacge t zivselle. 
Fulttom rotez. elewez. pru- 

nez. 
Feminale t femoralia brage. 

i. brich. 
Femur coxa. i. dieh. 
Fiscella sportula. i. c5rbilie. 
Fascis } fasciculus gebundili. 
Fibula concatenatica mnskil. 
Forceps zanga. 



Fuscina t foscinula erorvel 1 
cfapho. 

Falx sichela. 

Falx fenaria segense. 

Feniseca madare. 

Falcastmm mtsegensa t ge- 
tisen. 

Fomix swibelo.' 

Fumas l fomax ouen. 

Fnmarium rovhcfaas. 

Planus falwe. 

Feri§ firra. 

Fanda slinga. 

Fenns qnestns } nsnra t le- 
ben. 

Fnndibularius slingare. 

Fiscedula snepha. 

Fringellus uineo. 

Fucus api similis treno. 

Ficones socscuha. 

Fagus bScha. 

Fraxinus asce. 

Fusus spinnela. 

Fusarins spinnelbovm. 

Famaicus cippus. i. stoc. 

15^ Fenicnlum fenichil. 

Fenicium fenicb. 

Fragum ertbere. 

Fungus swam. 

Fascinum zovber. 

Fertus "flado. 

Flabmm } flabellnm nentiu. i. 
wale. 

Fenicium rotez. 

Fimbria fase t treimo. 

Fidis corda seito. 

Fundus praedium l gmnt } 
bodim. 

Fidicen seitspilare. 



PRÄGER GLOSSEN. 



473 



Fimus taisoh. stercus boum. 

16* Fax faccula. 

Fonalia stup^ lucernaram. i. 

dahte. 
Flaoeto arefio. marceo we- 

seiiNT. 
Findo spalto. 
Fascino zovberon. 
Frico rAsto. herto. ribo. 

gnito. 
Farcimen wrst. 
16^ Gazophilatium, scazhvs. 
Glis cisimus. t potius gurgu- 

lio engerich. 
Gammi fliet. 
Gene, hafelen« 
Gingia^ caro circa dentes. i. 

bilare. 
Glivla slant. 
Gippus hover. 
Gala kela. 
Gesticulatio motus masicas. 

i. wigunga. 
Globalus glaeli. 
Gratiosas engestiger (lies 

enstiger). 
Gluten lim. 
Gremium siccamen lignoram 

t gramen novum post se- 

ctionem. i. ämat. 
GriUas macho; 
Glarea griez. 
Graculas rvcho. 
Gladiola swertella. 
Genuinus dens kinnezan. 
Galli castrati t banirr. 
Gargulio engerich. 
17' Gnato gulosus. i. uilefraz. 
Grus cranicb. 



Glans eichilla t dris. 

Glandula drSsili. 

Gannio grino. 

Glis gliridis bilich. 

Glis glissis est lappa. i. 

zaisila. 
17** Herodion auis i^ota. i. 

wiltfac (so). 
Hydropicus wazersuhtiger. 
Habena scvhel (so). 
Humerus abseile. 
Humeruli chipphen. 
Hinnit weioth. 
Hulcitum bulst. 
Hirundo swalwa. 
Heruca grasewrm. 
Hirudo sanguisuga. i. egela. 
Hibix steinboc t steingeiz. 
18" Herniosus ponderosus. i. 
. h61olt. 
Hio ginen. 

18^ Ichoos sonus t galm. 
Inuolucrum conuolutio ue- 

stium. i. wel. 
lecur lebera. 
Ilia lancha. 

Inguina pudenda \ hegedrSs. 
Inaures orringe. 
Interrasilis interlimatas. i. 

underfigelote. 
Incastratura coniunctio tabu- 

larum. i. sitöt (so). 
Inpetigo grintlus. ruda. 
luniperus rechelterbom. 
Inclusus closenare. 
Imbrex tegula. i. scbindela. 
Iritius igil. 
laculus. Untwrm. 
luniperus wechelterii 



474 



PRÄGER GLOSSEN. 



19* Incaaslum atramentum. 

i. tincta. 
lagerum iuch. 
loridicus esag&re. 
Incas aneboz. 
Introla interior tanioa. i. 

hemede. 
19^ Libra xii. pbaat. nnti^ 

} wage. 
Libram hninor sub cortice 

saph. 
Laras musare. 
Luter Otter. 
Lumbricos rogenwrm. 
Laüdula lericha. 
Locusta hovstaphel. 
Licigea miatbella ) brechinne. 
Liater canis. i. wint. t. 
Liex lahs. 
Lnmbi lendiv. 
Lacertus musculus brachii. i. 

mds. 
Lamia qaoddam monstram ma- 

lieri simile. i. holzmua. 
Large lares mali. qu^dam 

monstra. i. scrate. 
Laiigo fructas maturas car- 

duum I lana terr^. K mieis. 
Lathomus steinmeizel. 
20' Laqaeare himelze. 
Libisticam lobestechel. 
Lopati freni aculeati i. chami. 
Lorum z5hel. 
Lacinia ora aestimenti. i. 

sovm. l bore. 
Licimn harlvfe. 
Lumbare modica braca. i. 

diebbrSh. 
Lolium raten. 



Laceraa uestis fimbriata ace* 

cho. 
Lamina blech. 
Lagena uas fictile l lapideom. 

i. lagelia. 
.Lubrum 1: labram t lalnuin 

lefs labetroch. 
Leuter conca labrom l labil. 
Lapates. i. fladen^ finictas 

fici inter doas turtas pressi. 
Lappa lapatium bletieha 1 

zaisla. 
Leos lendis niz. 
Luseinia. i. nahtegel. 
Lepus hase. 

Lincus strabas. i. sehilhiBte. 
Later ziegel. 

Lenowibgernerl hörmaelMire. 
Leuir zeichir. 
20^ Ligo sech. 
Lexiua. i. lovga. 
Larua scema. 
21* Miric^ geneste. 
Malagma confectio medieo- 

rum. i. gefa*c^. 
21^ Min^ murorum samiiiita- 

tes. i. cinna. 
Macilentus macer. i. magere. 
Mauras swarce. 
Mentum chinnebein. 
Murena. i. lantprida. 
Mitra h5ba. 
MeduUa marg. 
Mammal' maxilla t tutti. 
Matrona frovva. 
MenbraDom l menbranula uel- 

Uli. 
Manipulus. i. garba. 
22* Muscam bisemo i mies. 



PRAGER GLOSSEN. 



476 



Menta minza. 
Malua papilla. 
Millefolium garaa. 
Mkllens hamer. 
Malleator hamerare. 
Moneta muneza. 
Mediolus naba* 
Mansus h5ba t hisaz. 
Magalis poreus castratus bare. 
MeDsale tislachen. 



Mappalis mappabi' haetfan l 

hantilla. 
Merga scarba. 
Merulus I menila amissel. 
Merops grönspeht. 
Murio cazza. 
Mustela. i. wisela. 
Migale harma, 
Melos dahs. 
Monicipiale gestum gebürli- 

cher dinge. 
Matricularius eompbafib (so). 
Mattalis matta 1: tucha. 
Mulgeo milebo. 
Mantica tasca } malaba. 
Mingo. i. seicho.- 
.22^ Mastico dentibas commi- 

nuo. i. cbiao. 
Manticor fraudem facio. i. 

stilo. 
Nanus getuverc. 
Neuns maoula 1: Iebeto(7) 
23" Nouacula scarsach. 
Nacifraga nuzbrecha. 
Nucleus nuzzecheme. 
Noctua. i. welc. 
Naslurtium creiS;sa. 
Naulum feriscaz. 
Nauticns scheflBicber. 



Nates a'rspelli. 

Neo spinno. 

No nato swimme. 

23*" Oriza subtilis faiina si^ 

mila. 
Onocrotnlas hortSbel. 
24" Orarium, hantfano. 
Ora sovm. - 

Ornus ribovm. 
Olor helbez. 
Obses gisel. 
Ocre§ arma cmrhnD. i. bein- 

berge. 
Offa balla. 

Omasus uilevart (so). 
Operculum lit. 
24^ Ostrum rotepbellel. 
Opium thwalm. 
Offa pars frusti ainlnz'. 
25" Platanus ahorn« 
Ptisana far I hordeum nondam 

exutum cortice, i. fesa. 
Palatus hör. 
Palus paludis. i. m6s. 
Palus, i stecco ) phal. 
Pala scuuela. 
Paxillus elauuiB. i. nagil. 
Parix meisa. 
Papauer mago. 
Phalanga pertica gerta. 
Paliurus lägen l hageUa. 
Paredus uilis equos. i. par»- 

frit. 
Pardns lebarte. 
Patina l patella pbanna. 
Palumbes hagetvba. 
Pauo phavvö. 
Palile hoystadil. 
Panitium fenich. 



**. 



476 



PRAGBR GLOSSEN. 



Patibnlnm jj^algo. 


Pupa simulaerum pueromiii. i. 


Pessulam rigel. 


tocha. 


Pepo phedema. 


Puluillus cussie. 


PeSolnm fl6z {wolU Pessulam 


Pumex petra cauemosa et Je- 


sloz). 


uis. i: pnmiz. 


25^ Pendcns pbersichibim* 


Puluinar ovssi. 


Pastina morha. 


Plaustrum wagen. 


Peta herba bieza. 


Plantago wegerieb. 


Pedacoliis \H. 


Plana ferrum sc4ibe. 


Pellicanos busegome {so). 


Platona lapis poUtus. i. platta. 


Pelex gella. 


Pluteus tabula parietis dile. 


Petigo pmrigo iucbede. 


Plumbum bli. 


Perna bacbo. 


26^ Prinus phlumboym. 


Pecten kambe. 


Priuignus stinfsm. 


Pitaita. morbus gallinarum 


Prurigo iuchedo.- 


pbipbiz. 


Quasquila wabtela. 


PUleus b&L 


27' Quercus eicb. 


Pila offa balla. 


Quemus ^icbine. 


Pila stampb« 


27^ Reumatica berba quedam 


Picus spebte. 


craniches snabel. 


Pisa amiz. 


Racemus trvbe. 


Pixis bohsse. 


Rasorium scarsacb. 


Pica agelstra. 


Rana firos. 


Pinus bioboym. 


Ramnus spina albi eoloria« i. 


Picea foraba. 


agaleia. 


Pirus birbim. 


Radii speiohen. 


PisAlis domus que calefieri 


Radix raub. 


polest, i. fiesei. 


Rafanum merratbicb. 


Pons bnigga. 


Rasa uestis. i. flosa. 


Pqmim'lovcb. 


Rastrum hova. 


Poledrns folo. 


Rastellum reche. 


Pultrina fulicba. 


Renunculus niero t lendibmto. 


26" Puls pri. 


Reticuhim nezzili.' 


Plumen os gntturis quo cibus 


Regius morbus, i. lancsoht. 


deuoratur sluntbein. 


Remus rSder. . 


Pulmo lungenne. 


Remiges'ferigen. 


Poplaa knirade. 


Reclinatorium lineberga. 


Pustula pillle } angweiz. 


Repagulum obiectio qua ostium 


Pus sanies wäre. 


clauditur. i. dramel. 



PRAGER GLOSSEN. 



477 



28* Riflcas sumbir. 
Rima senrnta. 
Renieiiim acus } spenüla. 
RaBdna ii51. 
Rnüiex rnf. 
Roslnun SDabil. 
Rubigo r6st } milva. 
Ruf gowe. 
Rnga z5cha. 
Rumino itraehe. 

Rugosus ranzellote. 

Rapa ribCk 

29^ Stina gatta l stilla i. is- 

silla. 
Stelaba offa balla. 
30^ Sagma stSl l sovm. 
Sagam filz. 
Sardna in qaa portantar. i. 

meissa. 



Sarcio naige. besto. bSs^. 
Sartor nfttare. 
Solnm erde. 
Sandix weithin. 
Sandiceas waitine« 
Sarcaiiun getisen l h&ve. 
Sacmarios siman. 
Sambucus holder. 
Sangninarins harttmgelin. 
Satureia chenela. 
Sandle toniolaehen. 
Salsities^ wrst. 
Salinnea rietgras. 
Sellarins satelare. 
Sedatinm h&sib. 
Semispatinm. i. sahaa. 
Serpillum wiltkenele; 

alles übrige aus dem etm- 
bände ausger(/ien* 



ALSFELDER PASSIONSSPIEL. 

Die handsckrifl aus welcher ick die nachfolgenden am^ 
»iige mittheile enthält ein vollständiges deutsches passüms^ 
spiel, das erste und bis jetzt das einzige dieser ort wel^ 
ches sich aus der gewiss grofsen menge vorhanden gewe^ 
sener spiele solches inhalts hat wollen wiederfinden Iqfsen. 
sie besteht aus 82 Unks^ am untern rande gezählten (oder 
vielmehr, da durch übergehung der zahl 77 JUe Zählung 
falsch ist, aus 81) und zwei ungezählten blättern van och^ 
senkopjpapier in gebrochenem folio oder richtiger der länge 
nach zusammengelegtem quart — ein seltsames, aber auch 
bei der Insbrucker hs. ähnliches inhalts, aus welcher Mane 
die ' altteütschen Schauspiele* herausgegeben hat, vorkommen^ 
des formal, die Zeilen sind abgesetzt, bis bL 31 auch die 
initialen mit roth durchstrichen und die Überschriften oben 
so unterstrichen; interpunctüm ist nicht vorhanden, mit aus* 



478 ALSPBLDER PASSIONSSPIEL. 

naku^ eimger menmgdütmctionen in den überschreien und 
solcher Jolle tpie (hier I, 165) das stehet zu, moncheii vnd 
pfaffen; auf der seite finden sich 52 — 53 seilen, sie ist 
von einer und derselben dem ausgange des ibn jh. ange* 
hörigen hand geschrieben; es finden sich aber im innem 
mehrere ebigehqflete xettel mit erweiterungen des Ursprünge 
liehen textes von drei andern bänden^ sämmtlich gleiches 
alters mit der ersten. 

Dm qfiel ist in drei tage eingetheilt, der erste tag 
reicht von b.L i bis 33". bl. 33^ heifst es Hie incipit fiecuii- 
da dies passionis {beginnt mit der frage Domine ubi tIi 
parari tibi pa^cha); bl. 55^ Hie incipit tercia dies p^sioqi& 
{beginnt mit der domenhrönung). der ursprüngliche iewt 
schläfst mit hl. 82*^ {würklich 81), woratf noch ax^ dem/- 
selben blatte von der ersten hand Processio huius ludi folgt, 
auf den beiden nicht gesohlten blättern steht dann noch 
von der dritten hand eine fortsetzung des passionsspieU, 
Apostoloram dimisio. 

Alf einem vom eingehefteten quartblatte stehen fol- 
gende notizen von der zweiten hand, 

Amio Domini 1501 habuimus hunc ludam passionalem 
tribus diebus festiuis. post festum pasce. 

AnDO Pomini 1511 post pasce tribus diebus eundem ha- 
buimus ludum scilicet multom dilatatum sicut duodecim vexil- 
li&. reaiM^rectione» asoensione Spiritus sancti missione et di- 
misione. 

Anno Domini 1517 die dominioa in Septuagesima ha- 
buimus ludum de natiuitate Domini et Tribus Regibus satis 
Gompetentem a nona usque ad teroiam horam. 

Anno Domini 1517 diebus tribus sequentes diem. pasce 
habuimus ludum passionalem usque ascensionem quia pluvia 
et ingens frigus nos abire compulit 4*" hora. 

Die handschrift befand sich bis 1842 in dem archive 
der Stadt Alfeld im grofsherzogthum Hessen; als in dem 
genannten jähre das rathhaus unbebaut wurde, fand man 
es wohlgethan die unnützen scrq^turen des alten städtischen 
archivs an die Juden zu verkaufen; auch diese handschrift 
hatte dieses Schicksal und gelangte so in meinen besitz, 
allem anscheine nach ist das stück nicht allein in Alsfeld 



ALSPBLDBR PASSI0N8SMBL. 479 

aujgeßüirt (worauf sich die so eben mitgetheHtm notisen 
beziehen)^ sondern auch daselbst niedergeschrieben^ 100 nicht 
gar dem gröfseren theile nach abgefafst worden, der dialect 
ist mit ga7iz geringen ausnahmen der noch jetzt in Stadt 
und Umgegend herschende halb niederdeutsche hessische: 
mer (wir und mir), der (dir), er (ihr), en (^ihn und ihnen), 
zuweilen durch den reim sicher gestellt, z. b. mer : bege- 
re(n)y mer : hern ; sodann brengen (bringen), heu (hin)^ bie 
(wie), siberlich (suberlich), sieben (suochen) u. s. w, nur 
das in der hs, oft vorkommende dit (ditze) ist nicht mehr 
hessisch, da an dessen stelle in diesem dialect jetzt das 
mhd, dilz getreten ist» 

f^on bl, 62** bis bl. 69^ findet sich die aus einer Trierer 
hs. in, Hoffmanns fundgruben 2, 260 — 272 abgedruckte 
Marienklage mit einigen abweichungen theils im gemein- 
schq/ilichen texte selbst theils in der anordnung desselben, 
sodann aber mit ziemlich umfangreichen Zusätzen, so wie 
einigen geringeren und einei^ ansehnlicheren auslafsung 
(Hoffinann 270, 1 — '271, 3); die singstäcke sind auch hier 
mit noten versehen. 

Einer der eingehefteten zett^l enthält^ auch eine scene 
zwischen dem marktschreier, dessen frau und diener^ wel- 
che in der haUung der in dem osterspiele bßi Hoffmann 
fundgr. 2, 31 Sy*. vorkommenden sehr ähnlich ist und sogar 
in einzelnen zeilen wörtlich mit derselben übereinstimmt. 

Zeichen am rande beweisen dafs die rollen Christi und 
der Maria Magdalena aus der hs. ausgeschrieben wor- 
den sind. 

Ich gebe, ohne für jetzt die wüste Schreibung corri- 
gieren zu wollen, jedoch mit hinzu/ügung der interpunction 

1. die einleitung des ganzen mit dem vorspiele, dem ge- 
sprach der teufet, welche zum theil dieselben namen 

führen wie in Schembecks frau Jutten spiel, bl. 1' 
— 4^ mit dem hier eingehefteten zettele 

2. die bekehrung der Maria Magdalena, bl. 20^ — 23^, 
als einen der eigenthümlichen abschnitte des spiels. 

3. die Salbung Christi durch Maria, als fortsetzung des 
vorigen Stücks und ^ als probe der matteren stellen des 



'48* : ALSFELOER PASSIONSSPIBL. 

sfidb$, neÖMt der sctdufsdeclamation des ersten tages, 
bl. Sr-7r33*- 

4. die höUenfahrt Christi bl. 76*— (78)79^ »urverglei- 
chung mit den darstelhmgen in den osterspielen bei 
Hoffmann ßmdgr. 2, 303 — 307 undMone altt. schausp. 
s. 115 — 121 . auch hier folgt die höUenfahrt erst nach 
der auferstehung, 

MARBURG. DR A. VILMAR. 



1. EINLEITUNG UND VORSPIEL. 

^ bL V Primo igitur omnibus personis ordinate in 

suis locis constiiutis Angeli canunt ei- 
lete prodamator in medio ludi didt 
Na boret alle vnd vornemet mich, 
JBr sijhet alt, jung, arm adder rieh, 
Alle die hie vorsampt syn 
Vornemet wol. die redde mynn: 
Szo wie ich dick hon gelefsenn 5 

^ Das nummer mentsch magk genefsenn 

Des ewigen todes vnd helscher pynn, 
Hie bedenke dan yn dem hercze synn 
Das groirs lyden vnd den bittern toid 
Vnd alle die manchfeidige noitt iO 

Die vnser her gelidden hott 
Vor vnfser alle missetadt. 
Synt en das na nit bot vordrossenn, 
Hie bot dar vmb syn blat vorgossenn 
AI an dem fronen crucze bere, 15 

Szo soln mer efs em danckenn (/. d. sere), 
Wan hie es tad darch VQfser willenn, 
Das hie da midde mochte gestillenn 
Synes bymmelscbes vatters grosfses zomn 
Mer weren anders alle vorlomn. 20 

Alfso noch bude yff disser erden 
Alle die vorloren sollen werdenn 
Vnd nach disser zyt za den tafeln farenn, 
Dye sich nicht von sanden bewarenn 



I 



# 









Vi 



Vnd airso sie.Vorgosrseii goädes' :r/r ^rXl 
Das sie nicht achten synes gebeddq|t: // 
Vnd alzyt von em waniluinD^ 
Die em synes lydes . nit . endanckenn 
Das hie szö williglicben leyt 
AI vor die arm menscheyt • 
Die grosfse vbel hatte begangenn^ 
Do vor gab hie sieh gefaügenn • 
Vnfser her ihü crist 
Der fso ser gepynniget ist 
Ymb das mer gesundiget hon; if 

Das sollen mer en genislüsen Ion -■■'* 
ynd:danckea efs em myt.grosrsen flyb^ 
Das hie yns hyr nach nyt vorwyfa .i[ 
:. :Wan iner komen vor i^ecicbte) .' '.:/ 
Konden mer tlas bewarn : mit . iohte»: * m ' f 
Das mer dan mochten fynden: gnade. <iAl 
Ja wer da folgette mymirade, • - -*\\ 
Als ichrdo iVof.Voiananetthonn^J i f> ')<\ 
Den magk es dan. alle wol hergawau: f 
Vnd dor^zu gudes Tele gei^cheennvv iiil 
Dar ymb : sollet m<nö ansehet V^ 
Myt Innikeit das schone s^filt >. *- /* 
Das man hie begynnea well ;^ 
Vonn demtlydenn vnsers Herrenii» .'> 
1^ Dor zu sollet er vwer hercze kerenn /i 
Ir man vnd auch er firawenn; ■'^^ 

Mit andacht sollet er jüfs scbawenn . 
Ynä in alle. Vwem tagenn ' ' 

Jhü syn ocaoze helffen tragen. 
Mit wiesen vnd synnen. 
Nu fWoln mer begynnenn ' / 

Disfses sj^ele» vnd hebenn an .-i 

Von dem teufer sancte Jofaan, ' ' 

Wye der prediget eyn bufsvertig lehenn. 
Dar nach sollet €t mercken ebenn 
Wie en Herodes toden lyfs 
Dar vmb das he en losrsen hyfe 
Die sunde die hie hätte gethayn... . ■^' 
Z. F. D. A. IIL 31 



25 



30 



35 






40 



45 



50 



55 



60 



ALSntLDBH PA9SI0NSarilL. 

Dar nach wirt nan an fohenii 

Wie-JRirnr her Jbüs orist 

Noch Johaitai koveii ist 

Vsd ffiici predigens b^^on, 

AlszQ vorgesproohenn hatt« Johann, 

Vnd was hie anders wooders thet, 

Das mercket wol wan er es seth 

Szo man es vhet yn dem spyel: 

Zn sagen wirt es zu viel. 

Des wel ich die redde heslyssieoD, 

Das Tch do namer darife vordrisfaenu) 

Des losrien mer die redde ■£ blibm. 

Got gebe das mer das spiel szo triben 

Das ner got da midde ereon 

Vnd alle snnder Tnd lunderyn sieh bekerenn 

Die ditsze hören vnd sehenn. 

Das dt» alaza gescheen, 

Das helfe tbs der meyite son 

Der do liesiczet des hymels threns, 

YnTser berra Jbn ciist 

Der vor vni gestorben ist. 

Deimde ragens dmt rigmiOK 
Na swiget lieben lade 
Vnd lat vch betödenn 
Wie dtt spiel sal vor sich gebenn ; 
Dar rnb mer bidden vch vad flehen 
Das er alle awiget stille 
Dorch vnser liebenn frawen wyllea. 
Mer woln bade spielen von der martcl Jbfl crist 
Der aller wemt eyn erlorser ist; 
Dar vnib solt er alle innigk syna, 
Vnd eben bedenckean die groiafse fjva 
Die Jhs al an dem crucz gelidden bot 
Vmb viifser sunde vnd miasetad, 
Want alle vnser heyl dar an lyt 
Na vnd vmcr zn ewiger zyt. 
Nu stehet stille vnd swiget schone, 
Das Tch got von hymeln lone; 
Wanl wer Ue zu siel nit ynnjkeyt, 



AL8FBLDBR PASSIONSBPIBL. 483 

Dem Wirt das hymelrich bereyt. 

Des woln mer singen mit Iroliehem Miitll 

Ynd bidden den heiligen geisl all 

Das hie vns syn gnade yoriyhe 105 

Vnd alzyt vns wesze bye. 
* Et sie regens inc^t canere f^enl äatote Spi- 
ritus, post hoe praelamutor dioU Hgmum. 

Ir liebenn mentschen alle, 

Swiget nfi viid lal vwer kallen; 

loh wyl vch-vorkandigenn eyn gdiotl - 

Das der her sehnltheys thnt, 110 

Wer da betredden wirt in dissem kreym, 

Er sy heyncz adder eonoz addet wie er heysz, 

Der do nit gehöret in fit spiel, • 

Yorwar ich yoh das sagenn wel, 

Der niAsz syn bafse groiplich eatphan, 115 

Mit den tufeln mflsz er yn die helle gali. 

Vogefiig sal npnant hie tribenn 

Wel hie anders yn der herren holde blibenn. 

Hyr vmb szo' swiget vnd höret mirser redde 

Vnd stehet stille, des woln mer reh gütlich 

bidden, 120 

Vnd swiget anch dar zn, 

Szo moget er das spiel defs du bafs' vome- 

men nd« 

Her sehnltheys macht ir den slagk, 

Do sich eyn iglioher nach richten magfe. 

Nu wyt gnung, wol vmb, 125 

Die wyde vnd aneh die knmime,' ■■ ^i 

Die lenge vnd auch die ferro, 

Vns sal nymauts irren^ 

Mer woln vngedmngen syn : 

Ir bot wol geboret der herren pynn 130 

Die der scbultheys bot gethon. 

Dar vmb rdmet vnrs dissen plann. 
Hoc facto Luciper ascendit doleum. Et dicit 

Woil her, woil her vfs der faellenn 

Sathanas vnd alle dyne gesellen ! [aus ridden) 

Kommet z«. mer, er helle rodden (corrigtert 135 

31* 



t' 



484 ALBFBLDBR PASSIONSSHBL. 

Das vch .die ridde m&sx schiddenn, 
'Vni losszet Mrii nit alleyn slan, 
Willet er anders den Ion von nter honn. 
,0: Et tunc omnes dyaboU cürcueuni doleum aori- 

sando et cantanth- 
-Lucifer in dem throne, ryngelyn i^sz, 

^ . Der was ein engel schone, ryngelyn rysz. 140 
Post hoc Luoiper dicit 
Eya wilch eya gnt gesangk! 
Ach vndacfa. were hie iangk! . 
Wie schyer. sollet er mer mer syngena't 
, Das ich yS disser bodden isoige gespryn^enn. 
Ei dicit sine intermedia . 
Owe ynd bwe, faoffiirt rad qbermnt, -ü 145 

Nn erwiii>estu doch nomer gut! f/ 

Aehnn byn ich rorlorenn, . -. « ; 

Want kh hat-^ie hoffart vfserkorenii. l 
2^ Ich thun reh allen kant in träwenn ^ 
vj Das vch nnmmer magk berfiwenn: 150 

-Hfe vor was ich eyn engel dar, . 
. . UNu byn ich vorstoissen gar^ 
Geheysszen was ich lucifer, 
Ich was in dem obersten thron eyn Rcht 
'>:;:.>■•» '^,-: •: treiger; .. -i 

Des erhub-fch mich allso sere, 155 

Ich wcd: myn stull seczen vber myn soheppere 

ISnd- wol mich em glichenn 

In den fronen hymelrich;, <■■ 

Dar vsz wart ieh>vorstoisszen 

Myt allen roynen^genoisszenn 160 

Viel tieff in der helle grünt, 

Dar vmb werde ich numer gesunt. 

Kottelrey diabolus didt 
Luciper hcre, 

Bistn nA worden eyn predigere?> 
Das stehet zu monchen vnd phaffen ; 1 65 

Ich wel dich nfi glichen eym affenn, 
Want dy'n predigen vns schaden thut, 
Dar vmb saltu Ifgen in der heile glat/ 



,{.' .* 



ALSPBLDBR PASSIONSSnBL. 4M 

Et SIC percucitmi luciferum. ' Et bieifer dteit 
Neyn, neyn ich liegenn, k^^h • 
leb wölde vch alfso betriej^nn, ^. ■ - 170 

Er sollet disses nicht gleaben mere ; ' 

Ich werde widder als ee, 
Viel schöner dan die sonne 
Vnd lachte als eyn röstrige phanne. 

Et ' subfungit sine wtedio 
Na radet lieben frahde vnd knecht, 175 

Das thut er als wol mit recht, '^ 

Wie mer dit dingk griffea an, 
Das vns der zeaberer Jhüs nit entga, 
Want hie ist alfso gar swynde 
Mit synen listigen fyndenn; 180 

Begriffet er en- sso :haldet en fieste, ' ! 
Szo wel ich vch entphaen ab liebe geat^ 

Sathanäs dioä 
O e^de herre hiciper^ - ^ 
Ich han ydnbracht dyn beger: 
Ith byn gewest in der Jadden schär, M 185 
Ich han sie alle yorsenclbet gar, - 
Sie hon geswom' Jhm brengeii ymb syn lebenn, 
Das sal der gebllen gar ebenn. 
Ich wel dar vff dencken firae vnd spade - 
Pas mer en brengen za dem tode; 190 

Ich wyl kommen yn synen Jangerb Jndaa, 
Das der yfserwelt was, : 
Den wel ich 6^ zu brengen gar trode 
Das hie synea'meynster sail ¥orraddenn, 
Vnd sal den Jndden syn: blAt vorkeaffemi ; 195 
Dar vmb mocht hie wol schryen wöffenn. 
Dar ymb- salta mer Ionen in der bell» 
Vor anders allen inynen gesellenn« 
3* Luciper dicü 

DeLUck habe, sat&anas, myn lieber knecht !' 
. Za vnsen dingen bistn gerecht. 200 

Dar vmb wel ich der Ionen schyer 
Mit der heischen krönen: fäer; 
Da Salt jo der beste synn. 



I 



486 AL8VBLDER PASSI(»ISSPIBL. 

Sftthanaa du lieber knechi mynn ; . 

Vor anders allen dynen gesellen 205 

Beuellen ich der die porten der hellenn. ' 

Bone dicit 
Luciper, du werest eyn morgen stem vor, 
Nu luchstu als eyn swarcz kesser gar« 
Ich wel kommen in der Judden gedinge 
Das sie ihm keuffen ymb dryssigk penninge; 210 
Das magk der wol lieb synn, 
Want hie bot dich vorstoissenn 
Myt allen dynen genosszenn. 
Luciper respondit 
So myn lieber knecht bone, 
Du dienest mer alTso schone, 215 

Dar vmb wel ich dir geben ze lone 
Was mer entfellet nach der none. 

Milach dicü 
du edeler her Lumfemn, 
Auch wel ich der dienen gemt 
Ich wel &ren in annas vnd caipbas 220 

Vnd wel sie besiezen als myn eygen valii, 
Ynd wel en das wol radden 
Wie sie ihm brengen zu dem tode; 
Hyr vmb wel ich keyn mwe gewynnen^ 
Ich brenge en dan zu der groissze pynn^ 225 

Dar vmb saltu mer Ionen 
Ich wel ihm mit nichte schonen. 

Lucqfer respondit 
Habe danek, milach, myn lieber kneehl. 
Sich, dym dinge tbustu sere recht; 
Dar vmb saltu der beste synn 230 

Vnder allen den gesellen dynn, 
Vnd wel der geben zu Ion 
In der helle eyn furige krön. 

Natyr dicit 
Luciper, du werest der schonen sonnen 

glancz. 
Ich wil mich machen an der Judden danez, 235 
Ich wel besiczen ainagogen, den alten Judden, 



ALSFfiLOGR PASSI0NS8P18L. 4« 

Vnd solde en die ritte scbiddenD, 
Vnd wel das tbun froe ynd spad^ 
Vff das bie ihn» breiige £« dem todOi } 
Want bie ist gar eyo wyfser pbaffe^ 240 

Vrs der Juddi^oben .ee kan bie viel Uaffetii. 
Dar vmb geberei der das n& 
Das da mer sali Ionen dar sa« 
3^ Ituoiper dicit 

Eya da lieber knecbt naiyri 
lob wel der geben dis Ion gar sobyeri 245 

Vnd wel der des vmer sagen danck 
Vnd der beuellea der helle bänek 
Vor anders alle dynen gesellen, 
Want du bist gar wert yn der bellen, 

Batmkranc» dicit 
Luciper, du werest eyn dar epgel satt. 250 
leb wel miob aach macben vff die fart, 
Do icb ibw den trogenere 
Möge mit der niartel beswerenn 
Vnd pilatum den ricbter besiezenn. 
Dar vff wel ich deneken myl syn vnd wieMn, 255 
Das bie sal eyn falsch ortel vber ihm geben 
Das em mürs geben an synn lebenn« 
Want er en tbut mer nit sn synen sa/oben, 
Szo wirt efs sieb korczlicb macbenn 
Pas bie kommet vor der. belle thore 260 

Vnd kloppet do also geweldigliebeQ yors 
Lessestu en dan nicht en» 
Szo byndet bie dich in die helle pynn ; i 
Dar vmb saltu mer Ionen snel 
Vor anders allen jnynen gesellenn. 265 

Ludper dicit 
Szo myn lieber knecht rorsenkraücz^ 
Du weyst den alden reyen ga^ncz: 
Dar vmb wel icb dich fogenn 
In die belle zu den grossen kriegenn; 
Dar yts salt« den alden Judden scbengken, 270 
Myt sw^bd iFüi blB^b saltu sie drengken. 



\i- 



4» ALHiVLDBR PASSIONSSPIBL. 

T Bqßfhnsann dicit 
Her Lucifer;: da holst groisfse ere, ' 

Der du doeh woü eatb^re; . v 

<' * Du bist'eyu lufel clar.irnd fynii, * '-' 

^Dtl^>niiisi ewiglicbeft yn der helle - synn. ^^ 275 

Ich wel der sagen zu disser frist •• ^ 
Wie myn nauie gebeysseu i«t, - "^i 

Das du mer desla bafs mögest geloDenn 
In den ewigen bellen trone, • ' ■ • -/^ 
Vmb djak ich $zo viel schände han gebriM 280 
Ynd damidde dfn freydde han ernfih$ret^^ 
Ich byns'geheyssen paffenisani ''■- - ^ 

Alle bofsbeyt heben ich, gern an; •'* -" ^ 
Myn hercs ist falscher list vol, • i>. // 
Das hon ich bewyfset an den Judden wol ; 285 
®eti hon ich geradden alzyt - ; w 

Das sie solden tragen hafs vnd nyt ' ■ '^ 
Vff ihm d^n fromen mentschenii, ^ 

Dar vff was alle myn gedenckelin ; = - 

Ich hon' auch, gestifftetvnder en, ^. 290 

^Das sie en qit woln boren adder sehen * 
i'Vnd ▼örsmeheh en als eyn vntedigen maA, 
Vnd hie doch nie keyn suade gewann^ ■'* 
4''^^'iAMer'iiie'.keyn vbbel yn sym herczen höt 
* r. gedacht. » 

Her Lüciper^'^das hon ich als Tolnbracfat ^ 295 

Icb^^^el knieb. der erbeit vört vnderstan, ' 

Abe es möge nach inynem willen gegan ^ 

Das-^j^eiem brechten zn dem tode; . • 

Das wel ich en flyssiglichien raden, 

Szo triben mer mit den Judden rnrsf^ir gewtalt 300 

Vnd synt yn ypfsern reyen gezalt, 

Den woln mer mit eh treden yn der heuen 

Mit allen tufcdsöhen gesellenn, ' 

Das sal wefsen ir lone ^ '■' 

Das iiie an ihü vordien6tihO»n. 305 

Her Luciper nu gib mier orltopp, 

Si^ wel ich alwege prisen dyn l^» -- 



fe 



• t. 



ALSPBLDBR PASSIÜNSSPIEL/ ' 48(6 l 



Lvciper didt 
Sdthanas vnd dyn gesellen, 
Ir sollet Veh dar za stellen, 

Vnd nym dissen frant raffenzan, 310 

Der bebet alle ächalkeit an. 
Ir sollet vcb Tmb tbun yn alle lant, 
Dor in wirt vcb bekant 
Alle vbel vnd sunde, 

Vff das mer die Jiidden knnden 315 

Brengen in vdrser scbar. . 
Nu laoffet in erem lande alle bere vnd dar. 

Binckenbangk dicit 
Herre luciper wol gemütt, 
Dieb bet gott vorstoissen yn die helle glut. 
Myn nam ist dyr wol bekant, 320 

Ich byns binckenbangk gnant; ^ 

Vil ban ich der gethayn zu loibe. 
Dar ymb saltu mich birlich begabenn. 
Ich ban gefaren die wernt alle rmb 
-Die wyde Tnd auch die krumme, 325 

Dar in hon ich viel arges zu bracht, 
Beyde tage vnd nacht, 
Das wel ich alles losszen stau, 
Vnd das nu eyn fromekeyt wisszen lan. 
Eyn from mentsche ibüs gnant, 330 ^ 

Dem wart nye keyn sunde hekant. 
Des hon die Jndden gefangen eyn basz, 
Ymb syn gerechdikeyt geschach das; 
Das hon ich geradden en allen. 
Das las der, lieber herre, woil gefallene 335 

Ich wel die sach vort tribenn, 
Abe sie an em wolden beclibenn 
Das sie em brechten vmb syn leben, . 
Das sal vns allen kommen gar eben: 
Gefyellen sie vns vff der selben fart, 340 

Mer wolden sie werffen zu vnfsehn hart 
Vnd myt vnfsern zenen zurissen, 
Das sie des solde . sere vordrissenn. 



490 ALSFELOBH PASSI0NS8PIBL. 

Her Lacifer, ich wel mich des vnderwynden 
Ynd yvßl myt flyfs dor nach ria^ean. 345 

4^ Luci/hr reddü aibi graten 

Sathanas vod dyn gesellant 
Ir sollet vcli dar zu atellea, 
Ynd mym kneoht binokenbangk 
Aa thon belle pyn an wangk 
Vmb solch groisse gntf 350 

Dar vff lange ge$tat myn müt. 

Spiegelglant»^ * 
Herre mich heysfsel Spiegelgiantz, 
Ynd fdre diafsen schonen danUs. 
Die rutter ban ich gar lieb, 
He ay renber oder diep, 355 

He konde gestellen oder gemorden, 
Szo han ich sie gerne in mynem orden. 
Hirumb wel ich von henen faren 
Her vnd dar vnder der Juden scharen 
. Ynd wil sy reyfsen mit noidt 360 

Yff des medtschen sone vnsehnldigen toidt. 
Hirumb bore miqh^ lieber frundt annas, 
Ynd mit der Juden schaden bischoff cay- 

phas, 
Gatten raidt wel ich vch geben t 
^ Loysfset hieaas nicht leben, 365 

He wil vch eawer ehe zwbrechen. 
Das solt ire ane aynem bala rechen. 

•Krentsslynh, 
Meinster, ich heys krentzlynn, 
Das ist mit recht der name myne. 
Ich han mich des besonne, 370 

Ynd byn gerne bye der firawen summe, 
Ynd verde den alwege, 
Sye sollen vnkuscheyt plege. 

* das von hier an folgende gespräch der teufel ist zusatz einet* 
andern hand (und »war derselben welche . die noÜxen über die at^f- 
führung des Stücks "iorti eingeschrieben), at{f einem besondem klei- 
neren hier eingehefteten blatte beßndlieh. 






AL8PBL0ER PASSIONSSPOOU 4M 

FedenopMoh. 
Herre, Tso heys ich rnji namen fedderwyich, 
Ynd byn zw aller scbalkeyt lyscbe, 375 

Ynd kaa myt monichen vnd mit pJERffen . 
Schalkeyt trieben md yorsebaffen, 
Vnthogeat zw aller stuodt, 
Ynd füre sie dau in der belle gitindt. 

Beltatbugk. 
Meinster, ich kao acbalkeit ganngk, 380 

Ynd bin zw aller boifsheit klogki 
Dem riehen rade ich vff mynen eydt 
Das ire trybe groifse gyrheit, 
Ynd wacher sere dar zwj 
Das trybe ich spade vnd fru. 385 

Astarodt. 
Herre, ich heys astoroth; 
Phnnt qwentia vnd loyth 
Lere ich die kremer falsch machen ; 
Myt soliohen bebelichen Sachen 
Wel ich sye in die belle dynfsen, 390 

Szo mysszen sie efs thür gnung yerzynf^e». 

Bßrith, 
Schande vnd lasier kan ich wol. 
Dar mit mach ich die helle voil| 
Myt zorne kan ich mich rechen, 
Morden bnwen vnd stechen 395 

Trybe ich in der tab^ne; 
Das kan ich myne kynder gelerne. 

BeUal. 
Hßrre, ich heys beliall. 
Wart wye dyr myn dynat geMe: 
Ich mache die gelartenn 400 

Das sie werden die vorkarteiin, 
Ynd predigen defs sye thun nicht. 
Mancher selber die ehe bricht; 
Den neme ich zw der selben stundt 
Mit myr in der hellen grundt. * 405 

Sekerbrantk. 
Schorbrant ist myne name; 



4te AUStTBLDBR PASSIONSSPIIÜ,. 

Ich bvn in den lenden lame : 
^DimBOch kan ich bofsbeit triben 
Mf t manne vnd anch mit wyben. 
Die l»«:ich affter kofsen, 410 

Liegen, triegen ynd bofsen, 
Szo mufsen sie in der belle pynn: 
Das ist die arbeit myn. 

Heihundt. 
Ho bo bo lieber meyster, 

Was soUn dyr alle die leyster? 415 

leb käti.die Inte geleren 
Das sie fluchen vnd swerenn 
Ynd breoben diezcene gisbotb, 
Ire eitern tbun sie boen vnd spot: 
Dafs sint myne bofsen fände 420 

In der belle aptgmnde. ' 

Schoppenstugk. 
Her, lieh heyis scboppenstnck ; ' 

Die lute icb in dye belle zwgk, | 

leb reyfsö sye.zw vnlbogenl 
hnk alter vnd in jugentb; 425 

Morden Stelen vnd rauben, 
Ynkuscbeit trieben mit firauwen. 
Das kan ich alle gare, 
Szo icb die werlt durch fare; 
Des mufs sich in der bellen 430 

Mancher bornen vnd qwellen. 

HeUekrugk. 
Sone, du bayst inyne vorgesfsen. 
Doch byn icb auch myt scbalkeit besesfaen : 
leb byn dyne mntter bellekrugk. 
Ist inyr wol kromme der rück, 435 

Dach bene icb in der kyrchen gerne: 
Die alten wyber ich lerne 
Kebeln swatzen vnd waschen: 
Das syiit myne lieben glapperdescben ; 
Szo brenge icb sie in der helle j^udt, 440 

Der zw willen,, lieber sone gudt. 



ALSPEU»BR PASSIONSSPffib. 4«3 

Sathtmas. 
Here lucifer, lieber meyster myne, 
Das ist das saode gesinde dyne : 
Fedderwusch beltzbock .vnd spiegelgUiitz, 
Ästoroth berilh vnd RosenkraaüSi 445 

Kottelrey bone jnylach vnd natyr, 
Raffentzene vnd binckebangk dar su sdnr, 
Scberebranth helhunt vnd schoppenstuok, 
Krentzlyn belial vnd dyn mntter heliekrack ; 
Die leuffel hynden an den reygen nach, . 450 

Das ene geschee leyt vnd vngemäch. 
Efs ist eyne gesinde bofse, 
Habet die giecht in enwerm gekrofs. 

Luciper. 
Ja ja mutier vnd vil lieben kneoht, 
Euwer dynst gefeilet myr wol vnd siecht; 455 
Ire syt togetsam vnd kynder frome, 
Ynd sollet- alle zw samen komme. 
Myr willen widder in die helle, 
Die armen sele syden vnd qwelleal«'^- 
Sic Luctfer descendit de doleo» Proelamutor dioit rigmum 
superius notatum scilicet Ir lieben ment$cheh^ Tknc Johan- 
nes baptista exeat de deserto cum duc^üKs Et cantans 
Vox clamantis in deserto et dicit rigmum 
Na boret alle arm vnd rieh 
Johes der teufer byn ich 

u, s» w. 

* von noch andtrer kand Ut nach qwellen hin%vff^/ügt Sic omnes 
cnrrant ad iaf^rnum, laciper primus, et taoc »alhaoas seqaitar et 
cantant 

Hanget an hanget an 

Ir theufel alle gemeyne '- 

Mir woln in- die helle gan 

Vnd truren ynd weynen. 
mit Sic Lncifer, welches neh an *• 351 anschli^t, beginnt wieder der 
text der ursprünglichen hs. 



494 ALSnLDBR PASSIONSSPIHL. 

2. BEKEHRUNG DER MARIA MAGDALENA. 

20^ Hoc facto maria magdalena stqiferbo haUtu 
ineedit cum Uidfero et alm demüMibus 
corisang. Lueiper dicit 

Wan, maria, bie schone bista gestall! 

Dye man werden nnmmer alt, 

Die dich an schaawen. 

Die schonfaeft aller franwen 

Die hostn genczlich weil an der, 5 

Des saittt glenben mer. 

Nu sich her an dit Spiegel glafs 

Der sohonesten schone der da holst; 

Nach schöner dan noch ye keyn wypp, 

Sich szo schone ist dyn lipp. 10 

Man sal vns aber lieren, 

Ich wyl dich wol denczerenn. 
Maria magdalona respondet demonibus 

idL viel lieben knecht, 

.Er koiiiet mer wol gerecht. 

Da fagest mer^reyden gnungk, 15 

Du bist woil myn gefog; 

Bn hilffest danczen vnd singen, 

Ich wel mit der springen 

Manchen firolichenn sprungk. Naiyr sp. sit 

apttd inariam. 
Dyabolt omnes ctamant 

Das was eyn gud fundt. 20 

Et sie vigellator indptt mgellare et eori» 
sant luciper cum maria magdalena et 
alii demones. Maria magdalena dicit 

Ich wel zieren mynen Upp, 

Want ich byn eyn schönes wypp, 

Vnd wel anch gern reyen 

Mit paffen vnd myt leyen; 

Dar vmb wel ich springenn 25 

Vnd eynt gut lilgen singenn. 

Quo ßnito cantat corizando sola 

Ich breytte mynen mantei yn die awe, 



ÜLSraLDSR PASSlONSSnfeL. 415 

Da begunde mich zu fragen myne frawe^ 
Wo ich szo lange were gewesl. 
Was wolde sie des? 30 

Sd ich mynes jungen 
Libes nicht gewaldigk synn?* 
Wole mich, wole mich der seh'gen stundt! 
Nach freyden wel ich reygen (/• ringen), 
Freyde ist mynem herczen knnt 35 

Mit tanczen vnd myt spryngenn. 
Wole mich, wole mich der lieben zyt! 
Dye blümlyn yn der aawe, 
Der bot mieh alszo grosszen nyt; 
Die geseischaff kan mich erfraawen. 40 

21* Et tunc pHmus mites Herodis deieendet 

de Castro ad mariam magdalenam sa- 

lutando eam. Et dicit 
6ot grassze dich, frewlyn zart! 
Da bist gebom von hoher art ; 
Alles das da lebet 
Vnd yn den iofften swebet, 
Das mocht mer nyt szo lieb gesynn 45 

Als da yfserweltes frewiynn. 

Maria amplexando miHtem 4icit 
Danck habe, her jungelin^; 
Is magk gat werden Twer dingk, 
Want Twer redde kont er vorzelen wol: 
Von recht man vcb eren sail. 50 

Na nemet hyn das krenczlyn, 
Dar zn wel ich vwer eygen synn, 
Vnd myt Tch danczen vnd springenn^ 
Vnd myt vcb frolichen singenn. 

Maria verttt se ad anctllam et dicit 
Eya na gib mer her den scheyben hat, 55 

Der ist mer vor der sonnen gatj 
Mer woln gehen vff die awenn, 
Vnd woln da springen vnd vns da frawen* 

• diese stelle (Ich breitte — gewaldic; syii) ist in der hs. mit 
noten versehen. 



496 ,iiij8PBy>£ai PASSIOlNSSintt.. 

Ancüla sua dkü 
Gerne liebe frawe mynn, ^ ' 

« Was ir gebiedet das sal synn. ' 60 

Dissen bat soll er yff vwer heubt' sec&enn 
Vnd dar vnder gar wol ergeczenn. 
. Maria dicü ad servum sdL di/abßhim 

natyr i 

Wo bistu kaecbt natyre? 
Brenget.mer den spiegei gar schyre. ' 
Seruus seil, dyabolu^ natyr offert e£ tspe- 
culum et dicit < 

Nemm^t hen den spigel, frawe, M 65 

Dar ya sollet ir vwer schone .schawesnl 
. ■ Maria dioit ad seruam seil, dy^Aolum' ■ ;* 
. natyr 
Alle hobscheyt hon ich von der^ 
Lieber fi^ant vnd knecht natyre ; > 

Des mufs :ich vmmer wefsen fro, 
Want myn gemüde heldesta ho; 70 

An der wel ich nyt vorzagenn, < / 

.., Ich wel vmb dynt wyllen hoch gemade trB|genn. 

Maria smpiciendo speculum didt- 
Myn frnnt Spiegel» habe dangk, 
Want myn hercz nymet manchen wangk, 
Wan ich die schone klarheyt mynn . 75 

JSeschawe yn dynes glanozes schynn.^ H 
'•>,: Et maria eorizando cum miUte et seruus 

dyabolfu natyr cum ancilla. Et coHtat 
vt supra Ich breytte etc. Mihs 4kit 
Frewlyn, er sollet mer orlaupp gebennY 
Got lors vch myt freyden lange lebete. ; 

Maria regraciando ei dicit -. 
Ich dancken der des danczes dynn^ 
Loib saget der das hercze mynn. \ 80 

Miles reuertitur ad castrum snum. Et 
maria incedendo jubilat canii vt Ich 
breytte postea hoc dicit 
2\^ So, so, her so, 



ALSFELDBR PASSIONSSPIBL. WT 

Was wolde ich der geseichin daaczea vff eyn 

strol 
Der ist gereyde müde worden jo, 
Wer er mer, ich tede en allen alfso. 
Post hoc martha obtdando et dicü 
Maria liebe swester mynn,*^ 85 

Werlich ich focht sere dynn, 
Das du vordyenes godes zom: 
Szo mussestu syn vjnmer vorlom. ^ 
Das enbostfi gude gelesfse (?) 
Ich thu das ich dich heylse (?) 90 

Vnd thu nyt alfso torlich ^ 
Liebe swester bekere dich, 
Vnd nym an eyn gotlich lebenn, 
Szo wel der got das ewige rieh gebenn. 
Du Salt mer nü horenn. 95 

Maria dicü 
Nu bore vmb die aide thoren^ 
Kan sie nicht yr kibbeln gelan? 
Ich wel myn freude han; 
Sie magk es woil begebenn^ 
Ich wel hon eyn fireyes lebenn. 100 

£ya liebe swester, 
Ich wen der treymet gestemn: 
Das frage disse lüde. 
Was der träum betude. 

Lofs mich an disser wyfse farenn; 105 

Kundestu dyn eygen sele vorwarenn. 
Das gonde ich der von herczen woil: 
Myn freyde ich doch triben saiL 
Swester auch bidden ich dich 4sere, 
Want du dich wylt zu hymel keren, 110 

Szo lofs mich des entgelden nicht, 
Vnd steube mer yn die äugen nyt. 

Martha dicü 
Ach, maria, das ye wordest geborn! 
Du host dyn synne vorlornn. 

* vergl, die Ordnung des passionsspiels der BarthotomäistiftS' 
schule zu Fran1{ftirt am Main in Fichards franl^. archw 3, 14^. 
Z. F. D. A. in. 32 



49S ALSFBLDER PASSIONSSPffiL. 

Lofs dififM VBwipplich mere : 115 

Da host nicht gade gebere, 

Dyn lipp ist torheyt vol. 

Maria, swester, horestu das woil? 

Du host viel zu viel gethan, 

Du magest nach wol abe lan. 120 

Liebe swester bore mer eyn wort. 

Maria respondens 
Ich hon dich gnungk gebort, 
Lofs dyn allen effen fort. 

Luciper dtcit 
Nu bore auch mer, maria. 

Da solt myt mer bliben, 125 

Wer wollen freyde trybenn. 

Maria rnt* 
DiÄ behaget mer viel wol; 
Ich wei thun wa^ ich sail, 
Vnd springen aber eynen sprang. 
22^* Dyaboli respandent omnes 

Das was eyn gut fond« 130 

Martha dtcit 
Ach liebe swester, bedenck dich noch, 
Vnd lofs dir nyt syn nach der dorheyt goch. 
Ich föchte efs neme eyn bofse ende, 
Szo werden dich die tafeln alle sehenden. 
Maria respondit vertendo se ad poputum 
et dicit 
Warte, her, warte, i, 135 

Was wil myn swester marthe? 
Er klaffen ist gar vmb nicht, 
Wie cleyn gebenn ich 4ar vff icht. 
Myn hercz ist myt freyden vormyst 
In viel lenger in disser firist (?) 140 

Mit zieren vnd pryfsen, 
Vnd mynen holen fraotschafft bewyfsenn. 
Solde ich alfso eyn stulczes lebenn 
Vmb myner swester klaffen begebenn? 
Mer woln mir dar zu raden (?) 145 

Ich wel er schyer eyn bodenn 



I 



ALSnOLM» PASSiONSSPIBL. 49» 

Schigken, der si sere sail slan, 

Wel sie mich nit mit freydden lan, 

Vnd losszen mich yn disser wyfse iarenn. 

Kondestu dyn sele selber vorwareim, 150 

Das gonde ich der yon hercze wol; 

Myn freyde ich doch tribenn sail. 

• Martha dicit 
Maria, swester mynn, 

Kere dich von den sunden dynn, 

Vnd kere dich zu godes wort, 155 

Szo magk dyn woil werden raytt. 

Maria dicit 

Martha, hettestu synn vnd wyczenn, 

Dtt hyssest dyn honer vbber die eyer siezenn, 

Adder spynnest dynen rockenn; . 

Ich wel mich myt den Jnngelynn zuckenn. 160 

Solde ich dar vmb dynen wyllen losszen?* 

Du peltenerszen, ganck dynn strayssen, 

Vnd kastyge dynen lipp, 

Want du bist eyn aldes wipp. nP 

Du kirchenfistem, gan^ von mer, * 165 

Das radden ich sicher der. 

Granck hen, du bitter galle, 

Vnd lafs mich yn fireyden schalle. 

Angelt canunt Silete, Hoc facto ordtnan- 
tur sessiones' predicaciones et xps se- 
dendo predicat discipulis- et^ marthe et 
magdalene ponendo thema seil. Dico 
vobis gaudiäm est^mgelis dei super vno 
peccatare agente penitentiam. et dicit, 

Ir seligen lüde, ir^godes kynnt,'^ 

All die nu hie gesammet synt, 170 

Vornemet heylsamen raydt, 

Das er vmb vwer missetadt 
22^ Habet ruwe vnd leydt; 

Das hymmelrich ist vch bereydt. 

Ich sagen vch auch vorware, 175 

Das sich aller engel schare 

* vergl. Fiehard 3, 142. 

32* 



300 ALSFfiLDER PASSrONSSPIBL. 

Prawet werdeclicbe, 

Wau eyn sonder sich 

Bekeren wel von siinden. 

Dar vmb ich tch vorkandenD, 180 

Das er myt ganczen truwen 

Vcb losfset vwer sunde ruwenn. 

Hoc facto ^inagoga cantat cum Judeis. * 
Interim ihüs vadit ad alium locum fa- 
ciendo sermonem marthe et magdalene 
ponendo thema seil, beati pauperes spi» 
ritu et dieit 

SeUgk synt die armen,* 

Want got wel sich» erbarmen 

Vber sie vnd wel en geben f85 

Das hymelrich vnd das ewige lebeftn. 

utb synt auch seligk anderwert, 

)>ie hie halden myldikeyt. 

Die das ertrich besiezen tmerlich. 

Die synt auch seligk ewiglich: 190 

Di|i^ leben hie ist frolich, 

Dfe sollen dort syn truerlich. 

Vnd die synt godes kynde gnant, 

Seligk synt sie auch erkant. 

Der von herczen reynn ist sunder spot^ 195 

Der schauwet aucft ewiglichen gott. 
' Die synt auch seligk sunder wan 

Die hie betrübet leben hau, 

Die da truren vnd weynen hie: 

€rot wil selber trösten sye. 200 

Seligk synt auch die godes kynt, 

Die hie barmherczig sflil; 

Die sollen alle wolle genefsen, 

Got wel en barmherczig wefsenn. 

Seligk synt aber alle dye, 205 

Dye sich losfsen tersten hye 

Vnd hongern nach gerechtikeyt; 

Den wirt gnung bereyt. 

Ir syt seligk aUe gar, 

• vergL Fichard a. a, o. 



ALSPBLDER PASSIONSSPIBL. 501 

Wan vch die lade schare 210 

Be^net hassen hie dorch mich; 
Do Widder wel vch sicherlich 
Myn vatter dar zu lone gebeon 
In dem hymmelrich das ewige lebenn. 
Sermone facto surgit ancilla marthe de 

loco predicaeionh et clamat Beatus ven 

ter qui te portauit et didt 
Gebenediget ist der lypp/ 215 

Vnd seligk gar vber alle wypp, 
Der den herren hol getragenn ; 
Die brost sal man seligk sagenn. 
Die du herre host gesogen, 

Vnd dich lypplich band erzogenn. 220 

23' Jhüs rnt. beati qui audiunt verbum deietc. 
Ja du host viel recht gebort: •' 

Seligk synt die gottes wort 
Hören vnd die behalden woil; 
Mynes vatter rieh en werden §ail. , 
Converno marte Hie ihüs manet stare, Marimmag- 
magdalene. dalena convertitur recedens a xpo 

et didt circumeundo drculum 
Nu geseyne mi^h faude aller meyst 225 

Gott vatter, sone vnd heilgeyst. 
Owe rosenkrencz ! 
Owe myner swencz! 
Owe gele gebende! 

Owe myner wyszen faende! 230 

Owe myner hoffart! 
Owe das icb ye gebom wart! 
Nach ist myner snnde me 
Dan wasser troppen yn dem sehe, 
Vnd laubes bot der walt, 235 

Do zu des meres sant vngezalt. 
Nach mer ist der sunde mynn 
Wan Stern yn den hymel synn. 
Ich byn nit wirdigk, das ich geben. 
Das myn äugen sollen sehen 240 

* vergL Fiehard a. a, o. 



502 AL8PBLDER PASSIONSäPOCL. 

Die hohe von dem hymmelrrch. 

Ich byn nit wirdigk das die (erde) träge mich. 

Ich hon gesundiget leyder. 

Weil hei^^'ir vorflachten kleyder! 

Ir hot mich gar vorwont 245 

Vnd gesencket yn die helle gmnt. 

Yorfluehet masz der spiegel synn, 

Da ich en besach die schone mynn. 

Owe du vnreynes haret 

Du host mer gemachet die sunde gar. 250 

Woil hen er vorfiuchten loek ! 

Ich wel nicht mere gehen als eyn lock. 

Yorbafs wel ich nyt springenn: 

Nach bufs wel ich rynngen. 

Myn hobscheyt wel ich lan, 255 

Dar yn ich mich gepriset han. 

Yorworffen syb äugen vnd wengelynn^ 

Die dick woUen hobsche synn. 

Myn jsele hon sie gar vorwont. 

Df^ KQ der vnselige^ mont^ 260 

Vni auch myn spyczen schoe^ 

YorworfTen synt sie vminer üA. 

Wes ich nü myt vch gegangen han, 

Des wel ich vorbas nA mer lan. 

We mer das ich ye wart gebomn I " 265 

Wie eyn torlich leben bat ich vfserkomti! 

Hoc facto chorus cantat f)t seguitur 
Mirabantur omnes de hys ^ae procedelmnt 

de ore ieii'^ 
23^ Sub tali öantico maria magd^letut Mutat 

habitum et didt marthe 
Swestei* marthe^ nd glenbe mer,^* 
Ich wel sicher volgen der, 
Ich wel dit lorecht lebenn 

Yff nach dym rade gebentt. 270 

Ich sehen woil, eb ist der seien toidi 
Das her ibüs nu geboit^ 

* diese stelle ist mit noten versehen. 
*• vergl. Fiehard a. a. o. 



ALSfELDER PASSIONSSPtBL. M3 

Man solde inj^t gancsen Urawen 

Habea stede leyde vud ruweoii 

Vns (/. vmb) alld suQtUch teidy 275 

Das was syn lere vnd syu raM|. 

Ach were mich au eatbuade 

Von mynen groissen sunde, 

Die ich arme honn gethannl 
Martha respondit 

VnG»er herre Jbüs crist* 2^ 

Jo barmherczig isl, 

Der vns zu trost wart gesan^ 

Vom bymmel berre yn disse Uni. 

Zu dem ich hoffnung bann 

Sicher gar an aUen wan; 285 

Hie dut vns gnade kunt 

Vnd hilffet vns zu disser »tund, 

Das mer von sundea werdenn fry, 

Vnd syn barmherczikeit sij vns by. 

Quo Jaoto angeli canunt oanticum aliquid. 
Et martha et maria magdaiena rece- 
dunt. Sed Jkesus mamt in loco Inte^ 
rim venu regulus ad ihm st didt 

Her ihtts beilger geyst'^'^ 290 

Myn sone yn groissen sicbUgenn iai 

* nergL Fiehard a. a, o, * * f>9rgL Fiehard a, a. o, 

3. SALBUNG CHiUSti DURCH MARIA MAGDA- 
LENA, SCHLUSS DER ERSTEN ABTHfilLUNG. 

31* Ttmc sinagoga cantat» Interim sj^mim le- 
prostis preparat mensam ad inmtandum 
Christum. Et transit ad christum dicens 

Herre meynafter ibü3,^ 

Myt mer saltu geben zu hfils, 

Du Salt essen da mit mer; 

Des saltu herre mich gewerrenn, 

Want ich myt träwen von dir gern. 5 

• ver^L Fiehard 3, 144. 



504 ALSFBLDBR PASSIONSSPIBL. 

Saluatör dicü 
Frunt symon, westn host begert,* 
Des salta rwht syn gewert: 
leh wel db äym tiscb knmmen, 
Recht als ich hon vornammen. 
Na gangk du vor, szo volgen mer, 10 

Das mer erfoUen dyn begere. 

Jhüs cum dücipuUs suis vadunt cum eo et 
ür cum pervenerint ad memam domum «,- 

mortis Symon dicit inclinando ad cum 
Byfs wilkom, dauldes sone, 
Dtt host mer nA liebe gethayD. 
Syt wilkom er andern, 

Die mit ihü plegen zu wandern, 15 

Die do Junger sint des bem. 
31^ Syt alle wylkomen mer, 

Seczet vcb nidder myn lieben gest, 
Ich wel vcb tbun das best. 

Et wie pcnunt se ad mensam prandendo. 

prandio facto tune venit maria magda-- 

lena cum vnguento £t cantat 
Viel sandop bot des meres grünt, 20 

Nach mer hon ich dan tasent stund 
Widder got misse thayn ; 
Owe das ich das leben han!^'^ 

Chorus canit Jesu mea redempcio etc. tmmn 

versum post hoc maria magdalena dicit 
Ich klage der ihüs berre 

Myt myner ganczen begerre, 25 

Das ich viel vnseliges wypp*** 
Habe eynen sündigen lipp: 
Hoffart han ich viel getbayn 
Die wyl ich gelebet han, 

Myt Worten vnd auch gyrikeyt, 30 

Myt zorn vnd myt ytelkeyt. • 
Ynkensch byn ich gewefsenn, 

* vergl. Fichard a, a, o, 
diete stelle ist mit noten versehen, 
vergl, Fiehard a. a. o. 



« * 
« «« 



ALSFELDfiR PASSIONSSPIBL. 

Des enkan ich nyt wol geneCseDn. 

Des bidden ich dich herre -yniiiglich, 

Das da wyllest begnadenn uMl^ 35 

Vnd gebbest mer heylsamm ^ti jpjp b ist, 

Das ich von mynen sanden werde erlöst. 
Et sie accedit ad pedes ihü. Chorus canit 
Accessit ad pedes etc. Sub isto cantico 
mariamagdalena lauat pedes ikü et ter^ 
git capülis suis et vngtt eum et postea ^ 
dicit *■ 

herre vatter ihü crist, 

Wie gar eyn mylde herre da bist, 

Zu vorgeben die sandel ^ 40 

Allen mentschen ich kabde: 

Die da gnade an der sieben (/. suchen), 

Den gibbesta, her, myldiglichenn. 

Da hoist^ here^ bewyCset an mer/j 

Des wel ich vmer dancken der. 45 

Want ich arme was gar vorlornn": ^ *<, 

Do ich dich, heylant, hat vfserkom^ 

Do was dyn barmherczikeyt 

Mer armen sundoyyn bereyt.||^ 

Alfso wirt sie aller wernde ' gemeyn 50 

Die snnde sij groifs adder kleyn $t 

Hot der mentsche ruw dar vor 

Sie (/. So) wiltu sie em herre vorgebben gar. 
Hoc facto Symon pharüeus dicit 

Czwar eynes dinges wondert mich* 

In mynem herczen sicherlich: 5f* 

Werre eyn prophete disser man, 

Alfso hie sich- bewyfsen kan. 

Er waste wer disse frawe wer, - 

Von der man saget soliche mere. 

Das sie eyn sanderyn ist, 60 

Die en roret za disser fnst. 
32^ Jhüs dicit symo habeo tibi aliquid dicere 

Ifs was ein rechter wacherer, 

Der hat zwen schulder: 

vergl, Fiehard a, a, o. 



M6 AL8FSLDER PAS8I0NSSPIBL. 

Der eyn solde em fanffzigk pennige, 

Der ander fanffzigk Schillinge ; 65 

Do erlieCi er sie der schulde, 

Vnd gab enbeyden syn holde. 

Na.salta mich des bescheyden, 

Wileher dancLet bilcher mder den beydenn? 

Simon dicit 
Meynster, dem hie mehe lesset fare, 70 

^ Der danckei em bilcher zware. 

Jhs dicü rede judic€isti et didt 
Symon yn dissen sundenn (/. stunden) 
Hostu eyn recht orteyl funden. 
Wissze der mentsche sunde frncht 
Hän mich vff disse erden bracht; 75 

Dofoh eren wyllen qwame ich here. 
Auch sistn disser frawen ger, 
Wie sie er sunde kan geklagenn; 
Myn fuTs hcit sie mer gezwagenn 
Myt eren trenen vorware; 80 

Sie dmoket sie myt eren bare* \ 

Myt gutter salben sie mich begofs \ 

Myn heubet, des sie nyt vordrofs. 
Dar vmb wirt sie erhöret 
Vnd wirt yn mynes vatters hufs gefort., 85 

Jud€Ls olameLt vt quid perdieio haee* Et ; 

omnea apostoU si placet. Et Judas dicit { 

Sehet was thul noit disser vorlast?'^ 
Disse salbe bot fso viel gekost, 
Man het disse salbe woil vorkaufit. 
Als nd ist der wernde laufft; 
Man het golt da nüdde gelost, 90 

Vnd arme lade da midde getrost. 

Jhüs rnt Quid molesü estis hmc nmlieri 
et dicit 
Ir herren, saget, vmb was'*''*' 
Draget er der frawen hafs? 
Gude werck bot sie gethayn; 
Ir moget arme lüde hayn 95 

* vergl. Fiehard a. a. o. '" vergL Fiokerd 3, 145. 



AL8F£LD£R PASSIONSSPIRL. W7 

Zu allen zyden wan tac wylt; 

Nicht laoge er mich haben soit. 

Jks dicit marie magdalene 

Stant yff, maria, selick "wjpfk-f-^ 

Nicht vorsandige dynen iypp, 

Habe torbafs eyn reyn iebenni* tOO 

Dyn sunde synt der vorgebbenn. 

Nu ganck md habe gatten mad^ 

Vnd dyne gode, das ist der gud. 
DüdpuH eanunt Dindssa sunt ei pe6cata 
multa etc* PhiUppus didt 

O du armer snnder, hie sich an, 

Was dyn scheppere^ habe gethann 105 

32^ Magdalenen dem sündigen wybe. 

Myt erem hoffertUcben lybe 
, Hot sie viel sunde gethaynn, 

Die bot ir gott alle vorlan. 

Groisse sunde synt er vorgebben, 110 

Want sie bot Ueb. gehabt an eren leben 

Inn der zyt der barmherczikeyt. 

Sie hat gesundiget^ das was ir leyt; - 

Sie hat sich hude zu dem aroz gekari 

Vnd ist geneisen vff disser fort. 115 

Wer dw arcz nyt hye gewefsenn/ 

Szo enwere magdalena nicht genessen. 

W«r httde vff disser ^erden 

Gesunt wel werden, 

Der sail an dit exenipel sehenn, 120 

Wie madalenen ist gescheenni 

Sie soln auch leyt ynd* ruw han; 

Szo wel en gott alle er sunde Verlan. 
Maria magdätena dieit 

Ich hon versmehet der wemdcf rieh 

Vnd eren gesmock siberlich 125 

Vmb die liebe mynes herren^ 

Der mer die sele magk ernerenn. 

Der mer den lipp bot gegebenn, 

Dem byn ich nd worden ebenn. 



508 ALSFELDER PASSIONSSPIBL. 

Ich hat en lieb vnd han en gesehen, 130 

Des ist mer eyn groisfses heyl von em ge- 

scheen. 
An en hon ich geglaubet gancz, 
Das hie sij der sonnen glancz, 
Von dem Johannes sprichet vorware: 
Got ist eyn licht clare, 135 

Vnd ist vns zu troiste gesant 
Von sym vatter dem heylant, 
Die sunder alle zu erluchten gar. 
Hyr vmb wer do wnlde war 
Syner sunde werden ledigk yn der zyt, 140 

Der mercke den synne der da lyt, 
Do got sprichet yn der warheyt, 
Vnd die schrifft vfs leyt: 
Des sunders toid ich nicht begere, 
Sunder das hie 4sich bekere. 145 

Hyr vmb keret ych vmb, ' 

See werdet er syn ynn. 

Das mercket alle by myner geschieht: I 

Das er von mer bot gesehen, 
Das mu(s vch auch allen gescheen. 150 

Des helff vch der vatter vnd der sone, • 
Vnd der mer disse gnade bot gethayn. ' 

Maria recedit et incipit canere rigmum 

mundi etc. chorus continuabit^ post hoc ' 

dicit 
Weil mich das ich trägen das lebenn! 
GrHHsfse sunde bot mer vorgebbenn 
Myn liebe herre ihüs crist, . 155 

Der gottes sone vom hymmel ist. 
33* Alle die an dem wege stan, 

Die sollen mynen frunt emphan. 

Ich was eyn vorloren wipp 

An sele vnd an lipp; 160 

Ich hat mich sere vergessen: 

Sieben tufel hatten mich J>esessenn, 

Nu ist myn[er] lieber her ihüs Xq komen, 

Vnd hat da von genomen. (/. die von mir genommen). 



ALSraLDER PASSIONSSPHBL. 909 

Ich was gar eyn sundiges vafs, 165 

Nu ist mer wordenn bafs. 

Alfso mufs vch got belffen allen glicb, 

Beyde arm vnd rieh. 

Tunc luciper äicit plangendo ad mariam 
magdalenam 
maria magdalene, 

Wie werestn yn tnynen angen szo schone! 170 
Do werest myn fafs der vAreynikeyt, 
Das vol was aller bofsbeyt. 
Nu hoistu mich szo gar vorlayssen, 
Das tbut mer we vnd allen mynen gnosfsen. 
In dich woren geplanczet die sieben heubt 

sunde: 175 

Da von bot dich gelofset ihüs der swynde 
Myt synen falschen listen. 
Ich rech es an der yn knrczen fristen; 
Mer brengen yn nach in groisse noitt, 
Hie mocht lieber kiefsen den toidt. 180 

sathanas, dar vff lafs vns dencken 
Wie mer en myt er krencken. et recedit. 

Tunc Christus recedit a^ symone et dieit 
Symon, dich mnfs got bewarenn,'^ 
Vmb das mer woil han gefarenn; 
Des habe ewiglichen lone. 185 

Var woil lieber symon. 

Et XPo modicum recedente 

Conclusio prime diei, proclamatar dieit 
Allen den die hie gewest syüt, 
Den danek das hymelsche heiige kynt, 
Das szo vnschnldiglichen wart ermort. 
Nu swiget vnd höret vort: 190 

Hie masszen mer dyt speie lasfsen bestan; 
Zu der kirchen sollen mer alle gann, 
Vnd got danckende synn 
Syner grossen martel vnd pynn. 
Alfso byfs mom fro. 195 

Got gebe vns gut widder dar zu, 

• vergL Fiehard a. a. o. 



1 

j 



510 ALSntLDER PASI^NSSPIBL. 

Szo woln mer Torter an spieleHn, 
Auch Yorter vorzelen 
Von di^ raariel ^ottes, 

Was em die Judden toden quodes, 200 

Vnd wie die Boit sj an ein gescheen. 
Das solt er vorbafs sehen; 
Vnd wie die reyne maria /üe mntter synn 
Aneh bot gelidden groissze pyn 
Von syner martel swere. 205 

Gebet beym vnd komet morn widder here. 

F. 



4. CHMSTI HÖLLENFAHRT. 

76* Tunc saluator cum angelis facti processio^ 

nem ad mfcmum cantando En rex glo- 
riae etc vsque adventsti. Dein anime in" 
femaUls cantant aduenisti vsque te no- 
stra. Tunc luciper dicit ad Säthanäm 

Sathanas was betndet das, 

Das die seien an hafs 

Singen vnd frolich syn 

Albye in der belle pyn? 

Sathanas respondit 

Luciper ber, des bifs beriebt, 5 

Das icb dir sagen die gescbicbt 

Von ibü dem gerechten man, 

Den die iudden gemartelt bon. 

Der ist von dem tode erstanden 

Vnd wel disfse sele lofsen vfs banden, lo 

Vnd syn gewalt wel ober vns gen. 

Ntt hiUP berre laciper das mer em widder sten. 
Luciper clamat horribiliter 

Acb satban nü riegel feste zu, 

Das vns keyn sebade gescbe nä. 

Sathanas dicit 

Herre luciper des ensyme ich nicht; 15 

Ich ryegel zu, des syt bericht. 



ALa?BLDBR PASSiONSSHBL., Mt 

Lucipet' dicit md saihanam 
Ach sathan, wie hostu gesehen 
Das dem man ist gejscheen 
76^ Der (?) von der iuddischeyt, 

Den du myt raide hoist zu geleji 20 

Vnd die betrogen alfso gar, 

Dafs mer eb du wol werden gewar? 

Sathanas rfiU 
Lueiper berre, des bifs beriebt, 
Das ich ib hon gesimet nicht. 
In der wustenung ich en bnd, 25 

Da mir syn hunger wart bekant 
Albo von eyn mentschen vorwmre: 
Ich leget em dry steyn vore, 
Ab hie keyn zeichen wille thun, ^ 

Das ich erkent godes sone. 30 

Auch forte ich en vff den tempel hohe 
Vnd hieb en her abe fallen do. 
Ab ich do mochte haben gesehen, 
Das em ichte wer wee gescheen. 
Auch forte ich an wane 35 

Vorbab vff eyn berck dan, 
Vnd wyfset en aller wernde rieh, 
Vnd hiefs en an bedden mich; 
Do mer nicht me gesehach. 

Her lueiper, dan das hie sprach : 40 

Sathana nu ganck hen dan, 
Nymandes dan eynen gott sol man bedden an. 
Auch horde ich en schryen an dem cracze 
Nach der iudden gedincze: 

Do konde ich nit erkennen mere, 45 

Wan das hie eyn pner mentsche were. 
Deinde angeli canunt Tollite portas prin- 
cipes vestras Sextu^ angelus dieit 
Ir fursten thut vff vwcr thor,* 
Hie ist der konig der eren vor. 

' vergl. Fichard 3, 152. 



512 ^SPBLDfiR PASSIONSSPIBL.. 

DiaboU r^e^pondent QtUs est Ute rex glo- 
rie cmn strepitu Luciper dicit 
Wer ist der konigk der eren fso rieh/ 
Der do fso geweldiglich 50 

Cloppet an vor layoer thore? 
Vff myne pyn, komme ich hervor, 
Ich gebe em eyaen kulen slagk, 
Hie feilet nidder vff synen sagk. 

Angelt canunt submisso tono Dominus vir- 
tutum ipse est rex glorie. Quintus ange- 
lus dicit 
Ich sagen vch zu disser Mst, 55 

Dfts der konigk der eren nu hie ist. 

Deinde saluator pracedit circueundo a lan- 
ge cantando En rex glorie vt supra 
vsque advenisti. Tunc anime infernales 
canunt Te nostra vocdbant etc vsque 
Tu Jactus es, Post hoc sextus angelus 
cantat TolUte portas principes vesiras 
et dicit 
Ir forsten nu that vff vwer thore, 
Hie ist der konigk der eren vor. 

DyaboU respondent Quis est iste rex glo- 
rie Angeli canunt subtnisso tono Domi- 
nus virtutum ipse est rex glorie* Pri- 
mus angelus dicit 
JT** Ich sagen vch nu zu disser firist, 

Das der konigk der ere hie vor ist. 60 

Luciper videns per fenestram legit Sub 
accentu prophecie 
Quare rubrum est ergo indumentum . tuum et 
vestänenta tua sicut calcancium in torculari 
Et dicit 
Nu du so geweldigk bist. 
So sage mer, wo von ist 
Der dyn kleyt von binde roit, 
Als ab du sijest geslagen doit? 

* vergL Fichard a, a. o, " nach der be^tchnung 78. 



i 



. ALSPBLDER PASSIONSSPIB^ 5tS 

Saluator cantat Sub aecerikt prophecie Tor- 

cular calcaut solus De gentibua non erat 
. vir mecum Et cantat Alpha et o Et dicit 

rigmum 
ich byn mentsche vnd gott, - 65 

An der meDtScheyt hott ich gelidden den doit, 
Das alle djm gewalt 
Die da an den' mentschen host gestalt 
Sal dir syn benomeii) 

Vnd vort den mytten zu hilff komen. 70 

. Tercius angelus dicit ad Luoiperum 
Luciper dyn obermut 
Der wirt dir nä nach nnmer gut; • 

Dar vmb mustu vorstoissen syn 
Von den hymeln yn disse helle pyn. 
Von dem das du gelidden hoist, 75 

Der hoit gebangen an ^ des crudzes ast 
Vnd ist geweldiglich erstanden, 
Vnd wel nemmen vfs dynen banden 
Alle die da hon 

Vff erden synen wyllen gethpn. 80 

Tunc tercio procedunt cantando En rex 

glorie Tiinc anhne infernales canunt Tu 
Jactus es de speratis vsque allehtja. An- 

geli cantant ToUite povtas etc, Jesutru- 

dente ianuam inferni et aperietur. Sal- 

vator dicit 
Myn lieben, nA gehabet vch woil, 
Want ich vch erlofsen soil 
Hynne von disser pyn. ' ■ ■ 
Nu kommet her vor ir lieben myn. 

Tunc ornnes angeli canunt alia voce Ad- 

uenisti usque te nostra. Adam didt 
Bys wilkom, lieber berre szo berel 85 

Mer hon dyn begeret sere, 
Vnd hon lange dyn gebeyt 
In dissen betrübten jamer leyt. 
Vnfsep-betrupnifs bot dich dick geruffen an, 
Der da vns nicht mochte vngestraoffit lan. 90 

Z. F. D, A. III. 33 



^ 1 



v** 



514 ^||U9PBLDER PASSKHISSPIBIn % 

Na bbia kofjllAl z« tfoist yn mrser pyn, 
. Das mer nyt lenger sollen dar yn syn. 
* Woil mich das ich ye gewart 
Disfser seligen fartl 

DejMchepper der mich gemacht hat, «, 95 

DjiP wei mich erlofsen von disser stad. 
Et post hoc vertit se ad euam et dicit 
77^ Nu frawe dich eua, da frauwe myn! 
Ich sehen den geweidigen gottes schyn 
Vnd syn gebeneditten bant. 

Woil mich das ich ye wart mentsch genant, 100 
Got bot geloissen synen zorn. 
Woil mich das ich ye wart gebom! 
Hie wel vns yn syn riebe, 
Das sollen mer besiezen ewigliche. 

Adam et Eua cum altis cantant Gloria tibi 
trinitasetc. Dein Eua dicit ad saluatarem 
Gebenediget'sistO) wörbafftiger gott, 105 

Das da vns wilt nemmen vfs der belle noit« 
Mich sol rawen vort ymmer mer, 
Das ich dyn gebot vorsme^ 
.0 da bochgeloibter gott! 

Want mer hatten gebrochen dyn gebott, 110 

Vnd mästen [syn] ewiglichen wefsen toid; 
Hyr vmb bostu vorgoisfsen dyn blat szo roit. 

Ysaias dicit 
Ich beysPse ysaias. 
Die wile ich an dem leben was, 
Do wysagette ich das licht, 115 

Vnd bot mich betrogen nicht. 
Das erlachte vnfser vinsternisfse gar, 
Vnd wart (/. wirt) vns genezlicb vnd vorware 
Myt em foren gar sicherlich 
In synes ewige vatters rieh. 120 

Sffmeon propheta dicit 
1t berren, ich heyssen Symeon, 
Vnd kan vcb wol sagen da von. 
Ich mag wol yn der worheit iehen: 
Mit mynen aagen hon ich en gesehen 



. ALSPELDBR PAlAlONSSPIBL.^ 5t5 

In syner heiigen kyntheyi. 125 

Nn wysfset von der worheyt 

Das hie nu kommen ist 

Vnd wei vns lofsen za disser firist. 

Johannes baptista dicü 
Johannes der tenffer heyssen ich, 
Vnd der herre erkant weil mich, 130 

Do ich en danfft yn dem Jordan. 
Do thet sich yff an alle wane 
Die oberste hymmel porten: 
Des vatters stymme wart gehorte, 
Den heiligen geist hon ich gesehen. 135 

Nu wirt hie sich zu vns nehen 
Vnd wirt sich an allen tufeln rechen; 
Ir gewalt wirt hie zubrechen. 

Daniel dicit 
Daniel der prophet byn ich gnant, 
Vnd wyfse saget alle zu haut, 140 

Do ich yn dem leben was: 
Vnd erkant woii das, 
Das ihüs vnfser lieber scheppere 
Solde kommen schyere. 

Moyses dicit 
Moyses heisszen ich, 145 

Vnd nam auch an mich 
Zu eriLcnnen den sone ihüm crist, 
Der vns zu troist komen ist. 
78** Saluatar dicit ad luciferuni 

Lncifer ist des nit zu viel? 

Wisrse ichs nicht lenger iiden wil. 150 

Ich wel mich an dir rechen, 
Die helle wel ich zu brechen, 
Vnd dar nfs nemmen an wane 
Die mynen wyllen hon gethan. 

Saluator vocat angelum primum ad allu 
gandum dyabolum et dicit 
Wo bistu nu, michael, eyn engel clarT 155 

Ganck her vnd nymme des war: 

' nach der bexeieänung 79. * 

SS* 



516 JlLSFBLDBlf PA8SI0NS8P1BL. , 

Nfm laciper den helle hant 

Vnd bynt cd vn der helle p*aDt; 

Da Salt en feste hefflen, 

Das hie myt allen synen krefftenn 160 

Myme volck nicht möge geschaden; 

Dk wel ich yn den hymel laden. 

Primus angelus dicit ad saluatarem 
Myu herre md myn gott, 
leh erfolle gern dyn gebott. 

Et sie intrat ad inferum et didt ad bici- 
peruwi 
Woil her, da bofser valant, 165 

Da bist vdier an ende gesehant; 
Vnd dyn grcrif» vbermöt 
Der sal nammer werden gut. 
Ich wel dich bynden sere, 

Das da naeh nammer mere 170 

Keynen menUcheu mögest betriegenn 
mit dynen bofsen falschen liegenn. 

Saluator vocat saluandos et dicit cantando 
yenüe benedicti patris mei. Ei dieil 
'.Gehet her, ir gebenediten, yn myn hant, 
Ist das vwer pant, 

Das ich vch erlost hon von dem tode 175 

Vnd von vwern groisszen neden. 
Ich wel vch foren yn mynes vatter rieh. 
Dar er in blibet ewigliche. 

j4d maledictas ditit 
Blibet ir vorflachten yn der ewigen pynt 
Do solt er ewiglteben yn syn. 180 

Da argier sonder, na ganck von mer, 
Trost vnd gnade vorsagen ich dir, 
Vnd kere dich von den aagen myn; 
Myn anczlicz wirt dir nammer schyn. 
Gehet von »er vnd schriet ach und we, 1 86 

Vwer wirt keyn raid nammer me. 
Tunc amme infernales cantant miserere mi- 

serere popula tuo primo arnma imfemalis dicit 
Mer bidden dich lieber herre szo sere, 



^ 



ALSPISLßBR PASSIOlNSSnySL. M7 

Daa da goadeo wollest «u- vns kareo 
Durch dyn thures bloit sso roit, 
Das du vorgoisrsen durch aller aunder ooit. 190 
Jhs dicit 8ub aceentu ewangelij ^meti 

Amen dico vobis nescio VQ9 et dicit 
Vorwarc ich enweiss Glicht wer ir siji, 
Want ir naoh nye zu keyner zyt 
Mich selber erkant bot. 
Nach gedienet Me Widder spade. 
Des musszet ir bliben yo der ewigen pyn, 195 
Vad auch des hymmels freude beraubet syn. 
TS*" Et sie diaboli claudunt inferum Et perdite 

anime olamant in ir^erno. Sekunda uni- 

ma dicit seil, in sim^tro-latere 
Owe die thüfel thnn vns alTso we! 
Lieber herre lafs yns mit dir gehen! 

SßluatQV non advertiti vadit cum $ui$ qui 

cantant in via Jesu nostra redempcio etc. 

unum versum. Et post primum versum . 

Secunda amma infernaUs extendit caput 

vltra ianuam. inferni et clmnat post saU 

vatorem et dicit 
Owe, owe, vnd vmer mere! 
Lieber herre loifs vns myt.dir gehen! 200 

Die thufel thun vns alfso we, 
Das mer enkonnen gesiezen adder gesten. 

Et eanjt. Cui adam respondit 
Man gant der des weges woil; 
Wart das dich, nymandes widder hoile, 
Tunc dyabolus scilicet Useganck inuadit 

iatam animam reducens eam ad iffferum 

et dicit 
Du enferest alijso von hynnen nicht. 205 

Du werest eyn rechter bofsewicht. 
Dn enkanst mer nicht entlauffen. 
Ich wel dich stan vnd reyffen. 
Du must auch yn der belle bliben 
Vnd ewiglichen dar yn beelibenn. 210 



518 ALSWBLDER PASSIONSSPIEL. 

Bernde anima prima Hone in porta infemi 
clamat nriseremini mei miseremini mei 
sattem vos etc. Et dicit 

Nq helfet» frnnde vnd mage, 

Mer vfs disser helle plage! 

Hilff her gott vnd erbarm dich ober mich ! 

Zu der wel ich hoffen ewiglich. 

Tunc saluator procedit cum suis ad cehun 
Qui canunt Gloria tibi domine qui sur- 
rexisti a morUds etc. Et eua dicit stans 
in porta celi 

Gelobet sijstu, milder crist, 215 

Want da eyo geweidiger konig bist. 

Geloibet sista, heiiger geist, 

Want dyn hilff aller meynst 

Vns ZQ dissen fireiden bot bracht. 

Wofl vns das vnfser ye wart gedacht! 220 

Wml yns hnde vnd vmmer mer 

Das mer dich nn sollen ewiglichen sehen mei 

Sub isto rigmo Qayphas annas Synagoga 

cum iudeis coeunt ante sinagogam. Et 

finito rigmo Saluator cum suis intrat 

celum cantantes Gaudent in celis amme 

Sanctorum etc. 



DIE BEKEHRUNG DES H. PAULUjS. 

BRUCHSTÜCK AUS DEM XII JH. 

Gviuff hat bekanntlich in seiner Diutiska 2, 297—301 
ein bruehstück einer sehr alten, wohl noch früh im zwölf- 
ten Jahrhundert gedichteten geistlichen erzählung unter der 
schon von Lachmann {über singen und sagen s. 5) gerügt 
ten bezeichnung als 'eines gereimten oder vielmehr asso^ i 

nier enden gebetes* aus der handschrift 77 des klosters < 

Rheinau abdrucken l({fsen. einer freundlichen mittheilung 
Ettmüllers danke ich es dq/s ich diesen abdruck vervoU- 
ständigen kann, aber Graffs geringe genauigkeit zeigt sich 



DIB BEKEHRUNG DES H. fiAULDS. M9 

auch hier, und dqfs ihm nirgend weniger xu trauen ist aU , 
wo er durch cursivschrift die urkundlichkeit seiner texte 
versichert, statt seine angaben zu berichtigen U^fse ich He- 
ber Ettmüllers abschrift des ganzen kleinen Stückes ab- 
drucken; 

Die handschrifty in quarty aus dem \2n Jh., enthält 
einen lateinischen commentar über das neue testament und 
anderes lateinisches, von anderer aber gleich alter hand sind 
die deutschen verse in fortlati^enden »eilen auf die erste 
Seite und (von heizin t^. 135 an) auf die unterste hälfte der 
letzten seite, dicht unter den dort schäq/senden lateinischen 
text, geschrieben, früher mögen mehrere blätter oder eines 
vorgebunden gewesen sein^ aber es bereift sich nicht leicht 
warum der Schreiber mit dem. deutschen gedickte nicht auf ^ 
der leeren rückseite des ersten blattes fortfuhr ^ sondern %u 
ende der ganzen handschr^ft. 

Was auf der letzten seite steht, und von Graff über- 
sehen worden ist, hat EttmüUer durch gall&ffeWnctur les- 
bar gemacht, es lehrt dqfs das bruchstück von der bekeh- 
rung des iqtostels Paulus handelt , und danach habe ich es 
benannt. H. 

sieine 

daz ich niut besize 

die vereislichin izze 

di die hell^ dine th . . . habin ^ 

des bittich tich dur die drie chnabia 5 .^ 

die du beschifdos domine 

in demo glugindin bovine 

Ananias. asarias^ 

io sa^t uns daz buch daz 

dir trilte daz was misahel 10 

in tet daz vür niiiit we 

ez inmahte sie niut gebrennin 

du wäre sand in drinne 

do beschirndos tu .die dine 

mit dinis selbes segine 15 

Me da hulfin vehtin 

wider dem unrehte 



^m DIB BEKEHRUNG DBS H. PAULUS. 

daz vur si niut inmute 

süi hartfe der ovin givte 

'^ Unze du mit tinime troiste 20 

■ sie deraz lostos 

nu bit hieb die cbnabin drie 

daz si mir belvinte sien 

daz do miob irlosest dinea schalob 

* mit der dinir gewaltb 25 

mit demi seibin troiste 

so da sie druz lostos 

so lose euch mine sele | 

genadichlieh herre I 

daz sia nioth brinne sere 30 j 

- O rex angeloram. I 

na sholta mich irhorin 

dur dine warin triuwe ^ 

also da vemami dine diwe < 

mariam unde martam 35 

i 

die umbe dich irdigitoo 

daz ir bradir Lazarus gbenas 

der drie nathe begrabin was 

undi da in hisze uf sten 

vroliche dane gen 40 

in den seibin namin bit ich tioh 

daztu gelich haftos mich 

undi gimmir urstendide 

allir minir sfindon 

dar tinin heligin totb 45 

den du dur unsir noth 

an dem cruce iresturbe 

do du dir mite irwurbe 

daz du die dine alle 

irlostest von der helle 50 

dur die selbun losunge 

bittit dich min zange 

daz du irlosest mine sele 

gnadichlicher herre 

dur tine gotilichen craft 55 

42. Graffs gelibhaftos ist wenigstens eine rioktige ed^fectur. 



OIB BB&GHRUN6 OBS B. PAULU». 'm 

undi dur taz heiige grab i 

da din licham inüe lach 

Himilchuninch berre v 

io hulfi du daniele 

uzer der lewin grübe 60 

daz in niuwet getorsion* bemrin 
der er drin was gegebio 
daz in zerbracbin ^ie lewin 
do beschirmdos tu dinin scbaioh 
mit tinir gewalth 65 

daz tie iewin von imo vliüun 
in einin winchil ßieh smugin 
daz machot al din gotehait 
sin tatin ime inbein laith 

unzi du mit abaouchis brote 70 

in druz iostos 
nu<bit ich den herrin 
den gutin danielin 
daz er mir sie weginde 

undi du mir sies rergebinde 75 

die sundi minis libis 
also du täte dem wibe 
diu dur rüge 
vur dich warth gevnrith 

die di iudin vurtin 80 

drethin dir gute 
vur dich dur daz eini 
daz du si hizist steinin 
si scigin si einis buris 

sin wäre werth des todes 85 

als ie diu alte euwe gebot 
do lostos tu si uzir der not 
do scribi du an der erde 
den iudin unwerde 

der ane sunde wäre 90 

daz er niuwin verbare 
er ni wurfi an si einin stein 
do inwas ir ailir inchein 
62. den er Grqff. 



k 



522 DK BEKEHRUNG DES H. PAULUS. 

der sich des vermasze 

aini si sie iiezin 95 

do gingin si alle dannin 

eine nach andirmo 

nnos post unum 

do begandon sie mmin 

do rawin si ir snnde JOO 

dv vergäbe ir zer stunde 

dar dine guti 

allis daz siu ie gusundote 

do hisze da si heire 

daz sia isz intati niath mere 105 

daz ir sandon lize sin 

do warth sia din trutinne 

vaste gl5bte sia an dich 

des anthlazes gerin ich 

des ta nbir si täte 110 

dar dine gate 

vro da si lieze 

na la mich ir genizin 

andi danielis 

dinis wisagin heris 115 

andi dinir schalch allir 

di da irlostost von der helle. 

dar di, seibin caritate 

so d5 ubir se täte | 

so bit ich tich gotes san 120 

dar dinis vatir willin 

daz ta gebitis herre 

sancte michahele 

daz er mine sele bringe 

swenne sia geschaidi hinnin 125 

in den barm abrahamis 

zi dinin genadin 

dar dine trie namin. ameo. 

Do der hedine man 

so verre warth gehorsam 130 

mit gloabe ande mit pigithe 

andir also warlich 



j 



DIB BEKEHRUNG DES H. PAULUS. 528 

sine sande begundi rugin 

do inpbing in der gotes sun 

do hiez er in t5fin 135 

andiris heizin 

6 hiz er sälas 

nu is er genamot der miite sanctas paulus 

weih e wäre der name sin 

nu nist sin gnadigir ni'hein 140 

nu ist er ein irweltiz gotis vas 

den seibin. gewune er ime gab 

do sich . i . iudis von f. stiz 

den herri. er do vari hiz 

in daz laut zen chriechen 145 

do becherter mit den buchin 

manigin hedinin man 

nu sint se gpte gehorsam 

und ist daz diu allir eriste dieth 

nu ist der herre gote uil lieb 150 

er in da ze himile .... 

der ouch uns hi niden ir gehiz 

ze uns vil manege gnade 

westin wir umb in verdinin 

DIE FÜNFZEHN ZEICHEN DES JÜNGSTEN 

GERICHTES. 

1 Prima dies seculo tale signum dabit. 
Mare surgens turgidum undas elevabit: 
Quadraginta cubitis montes superabit: 
Terram non operiet, sed ut murus stabit. 

2 Signum erit postea tale quod sequetur. 
Mare petet infima: sie et absorbetur, 
Quod vix illud oculis hominum cernetur: 
Et ad statum pristinum post hec revertetur. 

3 Die pisces tercia supra aquam stabunt 

Et rugitus maximos versus celum dabunt: 

die handschrift 1, 1. die seh' ' 1, 3. cobitus 1, 4. Tra 

%, 3. ocli's holbi 3, %. rogitos 



524 DIR XV ZEICHEN DBS GERICffTBS. 

Congregali volucres pUngent et clamabont: 
Nee non omnes bestie planciu resonabunt. 

4 Quarta lux horribile Signum exhibebit. 
Mare cum fluminibus omnibus ardebit: 
Omne genus bominum videns hoc pavebit: 
Tremens metu nimio pro se quisque flebil. 

5 Non bis minus horrida quinta lux mönstrabit. 
Totam terram sanguinis sudor occnpabit: 
Omnis herbe speeies sanguine rorabit: 
Totum genus «rboris pariter sudabil. 

6 Sexta die menia cüncta dirnentur ; 
Domus turres opida simul distruentnr: 
Instrumentis bellicis non bec sie labentuv ; 
Ymmo propter proximum finem contundentor. 

7 Die vero septima lapides pugnabunt 
Et alternis ictibus in vicem certabunt: 
In cavemis homines metu latitabunt 

-A Et ut illos obruant montibus damabunt. 

8 Totam terram tremere lux octava dabit: 
Supra pedes animal suos nuUum stabit, 
Cunctis terram partibus nona lux equabit, 
Valles implens arduos montes inclinabit. 

9 De cavernis homines prius delitentes 

3, 4* flanctvire aonabtint . 4, 1. lax] dies 4, 3. hoiii 

5, 1. hys oimis 5, 3. oiBs herbe speeies sagwine r. 6, %. simalj 
SDDt 6, 4. proon fioeo coDfundeot 7, 2. Et ictibus alterius 
7, 4. ut ipsos? 8, 3. ooua 8, 4. ardaas 9, 1. dieser zeiie 

geht voraus Nona dies ptibus nooa lux equabit Vallens impleus ardaas 
montes inclittab^; stait De steht In, und auf 9, 4 folgt naoh-VlAnge- 
bat suis manibus corde trepidantes. man könnte in oav^mi« bomines 
nach 7, 3 für ein versehen des Schreibers halten und darum Jeden fol- 
genden ersten halbvers eine zeile höher rücken und 9, 4 plangeot suis 
manibus loqni nescientes schreiben wollen, wodurch man eine völlig 
untadelhafte Strophe bekäme: doch zeigt sich in keiner der Übrigen 
darstellungen der \ 5 zeichen von dem Zusatz plangent suis .manibus 
eine spur, während die tporte de cavernia bomincs best&Hgi werden 
durch Petrus Comestor hist^ evang, cap» Hi Decim^i (die) exibunt 
homines de caveriiis et ibunt velut am^ntes, nee poterunt mutno loqui, 
und durch Berceo de los signos que aparecerän ante del Juicio 17, i, 2 
El dia que viniere el noveoo pafsado saldräp todos los omes cada udo 
de SU forado. 



1 



DIB XV ZBIGHBN DBS 6BR1CHTBS. 526 

Ibunt die decima campos per patentes 
Et errabunt undique veluti dementes, 
Pre timore nimio loqui nescientes. 

10 Post terrorem siquidem talium signorum 
Die sab andecima, claustris sepulcrorum 
Fractis, foras salient ossa mortuorum 
Et terrorem oculis facient vivorum. 

11 De supemis partibus postea pressure 
Die duodecima mundo sunt venture. 
Fixe cell penitus stelle sunt casure 
Et per partes aeris .flamme volature. 

12 Die tema decima cuncti morientur 
Qui viventes seculo tunc reperientur, 
Cum defunctis aliis ut resuscitentur 
Et secundum merita sua iudicentur. 

13 Tgnis quartadecima die succendetnr, 

Ut quod homo polluit ignibus purgetur. 
Ergo superficies celi comburetur 
Atque terre Facies idem pacietur. 

14 Dies quintadecima celum renovabit 
Atque terre pariter novam formam dabit: 
Et post hec angelice tube vox sonabit, 
Que defunctos insimul omnes suscitabit. 

15 Aer post incipiet totus rutiiare: 

Nam in luce veniens Christus nube clare 
losaphat videbitur supra vailem stare, 
Vivos atque mortuos omnes iudicare. 

9, 4. Pretimore 10, 2. sepultorum 10, 3. foris 11,3. stelle] 
de celo : vielleicht liegt der fehler vielmehr in celi penitas und bei ät 
celo ist nur de zu streichen 11, 4. per piagas? 1!2, 1. teroia 

(zweisilbig)? cüeta 1%, 2. Que 13, 2. Et 14,1. Die 
14, 3. tuba 15, 3 und 4 sind umgestellt, vivos atqae mortuQs 

glaube ich nicht ändern zu dürfen (etwa in justo3 atque noxios), weil 
der dichter viel/eicht absichtlich den biblischen ausdruck beibehielt, 
obwohl derselbe hier ungenau ist, da am dreizehnten tage alle men- 
schen gestorben und am fünfzehnten alle auferstanden sind. 

Dieses gedickt flicht Brun von Schönebeck seiner Um- 
schreibung und erklärung des hohen liedes ein (hs, der 
rehdigerschen bibliothek zu Breslau, in einem bände mit 



526 DIB XV ZEICHEN DBS 6BRIGBTBS. 

der von WUh. Grimm mit f bezeichneten hs. der goldenen 
schmiede^ s. 370 — 375). ich habe nur die abkOrzungen 
aufgelöst^ die Orthographie unverändert gelqfsen. Brun 
übersetzt jede Strophe einzeln in drei kurzen reimpaaren 
und sagt ausdrUcklich, so spreche Der vyl heyliger sente 
Jerom* (so), wonach er Hieronymus vielleicht ßtr den ver- 
f({fser des geddchtes selbst hielt, bekanntlich benffen sich 
auch sonst mittelalterliche Schriftsteller bei angäbe der JUnf- 
zehn zeichen welche dem jüngsten tage vorangehen wer- 
den auf Hieronymus; doch kommt in den werken deeselr 
ben eine solche Zusammenstellung nicht vor (mytk. s, 473, 
vergl. Hoffmanns fiindgruben 2, 127), und es ist nicht zu 
bestimmen ob diese berufungen sich auf eine verlorne sckrift 
von Hieronymus beziehen oder durch irgend einen irrthum 
verantl(fst sind, erweisen aber Iqfst sich dqfs schon im 
12n jh. zwei verschiedene' Schilderungen der 15 zeichen 
vorhanden waren, die beide Hieronymus als gewährsmann 
nannten, so dafs wenigstens bei einer von beiden die beru- 
fkng bereits tradition war, mit unserem gedichte nämlich 
summt Petrus Comestor (f 1178) in der historia evangeüea 
ctqi. 141 '^ genau überein. eine völlig andere. beschreibw^ 
und Unordnung der 15 zeichen enthalten dagegen zwei 
deutsche gedichte des 12n j'h., in Hoffmanns fundgruben 
1, 196—199 und 2, 127 — 129; und obgleich auch diese 
wieder unter einander abweichen, so ßihren sie doch auf 
eine gemeinsame quelle, die von Thomas Aquinas, in guar- 
tum librum sententiarum magistri Petri Lomb. dist. 48 
quaest. 1 art. 4 (opp. Parisiis 1660 tom. 10 s. 730^) und 
von Richard von Middletown, ebenfalls in den eommenU^ 
rien zum An buche des Petrus Lombardus dist. 48 art. 1 
qu. 3 {Venetiis 1509 s. 214*), ziemlich genau scheint erhol' 
ten zu sein; da jene gedichte beide, besonders aber das zwiäe^ 
oft wörtlich mit Thomas und Richard übereinstimmen. ** die 

* %u Lueae )21, 25 et erunt signa in soie et luna et stellis. die 
stelle i$t wiederholt in Nicolaus de Lira^ postillae perpetuae sive 
brev. eomm. in universa biblia (Norimb. 1487, unpaginiert; auch gu 
Lueae !^1, 25) und fast wörtlich übersetzt in Felthems Spiegel histo- 
riael b. 8 cap, 11. 

** vergl. X. b. Thomas und Richard Quinto (die) omnia volatilia 
caeli congregabnntar in ciampis, invicem plorantes, non guatanfea neqve 



i 

i 



DIB XV ZEICHEN DES GERICHTBS. 527 

hauptabweichungen dieser darstellung van dem latemischeu 
gedickte bestehen darin dqfs in ihr die vier ersten »eichen 
am wafseTy die drei folgenden an der Itffty das achte bis 
zwöffie an der erde, und die drei letzten an den menschen, 
zuerst an den todten dann an den lebendigen, geschehen^ 
dq/s der angstruf der ßsche vöget und. der thiere des Jel- 
des an drei besondem tagen, dem An 5n und i2n, ver- 
nommen wird, indem jedes gethier bei den zeichen seines 
dementes klagt; dqfs das einstürzen der geb&dde und berge 
OH denselben tage (dem 14», im gedachte dem 6it und 9») 
erfelgt, die rückkehr des wafsers in seinen früheren stand 
aber ßir ein besonderes, das dritte,^ zeichen gilt (s, 2, 4 
des latein. ged.), und dqfs endlich der die weit, reinigende 
brand und die emeuung des himmels und der erde nicht 
mehr zu den Vorzeichen des jüngsten tages, sondern zum 
jüngsten tage selbst gehören (s. fundgr. 1, 199 y*. und 
2> \%^.f; Thomas von Aquino und Richard von Middle- 
tewn erwähnen den weltbrand gar nicht, doch ohne zwei* 
fei nur weil sie für ihren zweck blofs die 15 Vorzeichen 
des gerichtes anfuhren wollten), offenbar sind die zeichms 
in dieser darstellung befser geordnet, was das lateinische 
gedieht jedoch verliert, indem es die gleichsam logisch 
strenge anordnung aufgibt und vorzüglich die noth der 
menschen, die auch hier am \0n tage besonders geschildert 

bibentes {so) ; fundgr, 2, 128, % des vivnftin dagis beginnint sich lei- 
chin an den veldin daz gevugele, igelichis nah siner edile. zesamin sie 
dizint, yil harte sie rizint ; des mazes sie vergezint, sie drinchint noh 
in ezint. — Nono omnes lapides tarn magoi quam parri dividentnr in 
qvatnor partes, nnaqnaqne aliam coiiidente {bei Rieh, nnaqnaqne petra 
al. eo\k.)\ßindgr. 2, 128, 28. des nivndin dagis ^a isilch steiii^ er li 
cleiae odir groz, in vier deil er mvz» die steine zerspringint, dir sty- 
che samint ringint; fundgr, 1, 198, 23 an dem niwenden tage ... so 
zerbrestent di staine grozz vnde chleine. daz geschiht vor dem vrteiL 
ai ebliebent sieh en vier tail. — Daodecimo omnia animalia yenient 
ad. eampes de silyis et montibns ragientia et nihil gnstantia; fundgr, 
2, 129, 1 ez si yihe «der dier, an dem zweiftnn dage yil schir sie 
loyfint yz dem walde an daz velt balde, sie rvhilint vn Ingint, keinis 
mazzis sie sich mvgint; fundgr, 1, 199, 3 an dem zweiften tage so 
hilft yns daz vihe oblagen, so g^t daz vihe vf dem velde; daz tier nz 
dem walde; yil I5te si rerent, so si zesamen eherent mit 15tem ge- 
aehreie. 



528 DIB XV ZEICHEN DES GERICHTBS. 

wirdf sokan mehreren früheren tagen einmischt, dag ge- 
winnt ei an poetischer kraß; und schon dies JUhrt auf 
die Vermutung dafs der lateinische dichter seilest erst von 
jener früheren darstelhmg abwich^ und dqfs die itkrigen 
gleichlautenden Schilderungen aus dem lateinischem gediehie 
genommen sind. zweifrJhqft wird dies nur durch einen mh 
satz bei Petrns Comestor. bei der erscheinung Christi näm' 
lieh sagt er et ante eum erant iostnunenta mortis siiae qoasi 
▼exilla triumphi, crux, clavi, lancea, et iD carne eins yide* 
buntar cicatrices; dies muß- auch in der ursprünglichen 
von Hieronymus verfaßten oder ihm zugeschriebenen quelle 
gestanden haben^ da es auch in jenen beiden deutschen ge* 
dichten, fundgr, 1, 200, 10 und 2, 130, 42— 131, 5, dk 
mit Comestor durchaus nichts gemein haben, vorkommt 
doch läßt es sich, wenn Comestor das lateinische gedieht 
auszog, nicht anders erklären als daß er entweder die an- 
dere darslellung auch kannte, oder daß dem gedickte der 
Schluß fehlt, das letztere ist weniger wahrscheinlich, dth 
gegen sprechen ßir die annähme daß Petrus Comestor 
nicht mit dem lateinischen dichter aus gemeinsamer quelle 
schöpfte, sondern daß er das lateinische gedieht selbst vor 
sich hatte, die stärkeren gründe, daß bei ihm kein einzi- 
ger zug vorkommt der nicht im gedickte stände, während 
einige zilge die das gedieht mehr hat auch in der darstd- 
lung der entgegengesetzten klasse ej^scheinen (z. b. beim 
2n und Zn tage), und daß vorzüglich Comestor mehrmals 
im ausdruck mit dem gedickte übereinstimmt, wie er z. b. 
beim 3» tage von den fischen ebenfalls sagt ragitus dabunli 
was im gedichte nur eine durch den reim veranlaßte Um- 
schreibung scheint, die einleitung bei Comestor, Hierony- 
mus in annalibus Hebreorum iovenit signa xv dienim ante 
diem iudicii; sed ntrum continui futuri sint dies illi an in- 
terpolati non expressit, kann durch eine Überschrift des ge- 
dichtes veranlqfst sein, aus der wahrscheinlich auch Brun 
von Schönebeck seine beziehung auf Hieronymus nahm, 
sehr viel älter aber als Petrus Comestor wird das gedieht, 
seinem versbau nach, wohl nicht sein. — unzweifelhafi ist 
es von Berceo daß er die 5e bis 22e Strophe seines ge- 
dichtes de los signos que aparecer4n ante del jaicio (Sanchez 



DIE XV ZEICHEN DBS GERICirrBS. 580 

coleccion 2, 273) nach diesem lateinischen gedickte gear* 
beitet hat. er stimmt nicht blofs in der ganzen anarAnmg 
und besckreibung der zeichen, sondern in fast allen ein* 
zelheiten der ausßlhrung die dem lateinischen dichter al^ 
lein gehören mit ihm überein, was niemand entgehen wird 
der beide gedickte mit einander und mit den übrigen be* 
kandlungen des Stoffes vergleicht, scheinbar abweichend ist 
nur das zeichen des 4n tages, los mares h los lios andariin 
k grant poder (10, 2), dock ist statt andarän, welckes über-, 
kaupt kein deutlickes bild gibt, wokl ardr&n zu lesen, auf 
Hieronymus beziekt sick Berceo zwar auck, dodk verspricht 
er nur an sermon que fae pfiso de un sancto libriello qae 
fizo Sant Jheronimo (1, 2. 3), worin nock nickt liegt dqfs 
er selbst nack Hieronymus gedicktet kabe, denn ßJtr den 
verfafser des gedicktes konnte er als priester Hieronymus 
weniger kalten als Brun^ der sick mekrmats einen laien 
nennt, vielleickt drückte sick Berceo, indem auck er diese 
beziekung aus der übersckri/i des gedicktes beibekielt, ab- 
sicktlick so allgemein aus. der folgende bei weitem grö" 
Jsere tkeil von^ Berceos gedickt, welcker das gerickt selbst 
sckildert, entkält nur . allgemeine bibliscke und kirchUcke 
Vorstellungen und ist wokl von Berceo zugefügt, dessen 
gedickt übrigens unter den mir bekannten über die 15 zei- 
cken näckst dem lateiniscken das sckönste ist. die fr€Lge 
aber ob der lateiniscke dickter vielleickt nack Berceo (er 
ist sckon 1220 diaconus, f i2ßA ;Brun dicktet 1276 nack 
s. 81 der ks.) arbeitete und von ikm den vierfacken reim 
beibekiehy wodurck sick meine obige Vermutung über Co-' 
mestor von selbst widerlegte, ist darum tmzuläfsig weil die 
wenigen züge welche das lateiniscke gedickt dock mekr 
entkält auck sonst vorkommen^ z. b. die genaue bestim- 
mung dq/s das wq/ser am ersten tage um vierzig eilen die 
berge überrage, während das was Berceo mekr kat (vergiß 
13, 4. 19, 4. 21, 2—4) nirgend wiederkekrt. — mit dem 
lateiniscken gedickt stimmt ferner die im fFunderkom 
3, 199 — 202 gedruckte dar Stellung über ein; und ikm stekt 
auck das Asegabuck absckn. 7 § 11 weit näher als dem 
Thomas Aquinas und den verwandten sckilderungen, ob- 
gleick es auck von dem lateiniscken gedickt im gange und 
Z. F. D. A. III. 34 



530 DIB XV ZEICHEN DES GERICHTES. 

m den emzelheiten mehrfach abweicht und an das gedickt 
selbst nur durch den ausdruck beim 6/i tage mit tna bld- 
diga dftwe bifangen {sind bamn und gras; occupabit 5, 2) 
e rinnern kennte^ der jedoch nichts beweist, aufserdem be- 
rühre ich nur noch das im \n bände dieser zeitschr. s. ii7ff. 
mitgetheilte gedieht, welches sich durch viele eigenthüm' 
Hohe Zusätze auszeichnet, die gewiss nicht vom dichter er- 
ßmden sind, sondern auf dem Volksglauben beruhen, an 
eine annäherung an die ursprüngliche beschreibung der 15 
zeichen ist jedoch nicht zu denken : vielmehr glaube ich 
dqfi des verfafsers schriftliche quelle nur das gedickt im 
\n bände der fundgraben war; da sich in diesem alle sü' 
ge wiederfinden die jenes jüngere gedieht überholet mit 
den übrigen darstellungen gemein hat, und da besonders 
beide gedichte mehrmals in den ausdrücken überein kom- 
men; «• b. zeitschr. f d. a. \^ 118, 29 {vom meer) ez 
laint sich Af, fundgr, 1, 197, 2 vil b6b laiat iz sieb wider 
df; zeitsckh. 118, 32 des widersetzet sieb der strftn, ^iritii^. 

197, 13 so widerg^t im der sträm ; zeitschr. 119, 62 y*. des 
tages allez daz zergki daz fl6ze UDde grät b4t, fundgr. 
197^ 23/. b6 wirdet des lutzel rät swaz fldzze nnde grAt 
bftt; zeitschr. 122, 169 y*. des tages allez daz zergfttdaz yeder 
and e\ä bftt, ßmdgr. 197, 35/. des tages barte zegftt swaz 
vetieb nnde eblä bat; zeitschr. 122, 222/. so vervalient die 
bürge die [da] dureb tibermuot geworbt wurdep, ßmdgr. 

198, 33/ so zervallent di bürge di dureb raom gebowen 
worden; eben so zeitschr. 118, 35 z=l fundgr, 197, 15; 
zeitschr* 123, 2 (/. flüben si denne in diu bol; vergL 7, 3 
des lat. ged.) =i fundgr. 194, 18; zdtschr. 123, 227 = 
ßmdgr. 198^ 38; zeitschr. 123, 232 = fundgr. 197, 39 

u. s. w. auch dafs das meer am ersten tage sinkt und 
am zweiten steigt, so wie dafs die thiere sterben ist die- 
sen beiden gedickten eigenthümlich ; und das jüngere kat 
den letztem zug nock weiter ausgebildet, indem hier eigent- 
lick nur die drei ersten tage den Weltuntergang verkün- 
den, der an den folgenden sckon gesckildert wird. 

E. SOMMER. 



I 



SSI 



SPICILEGIEN ZUR DEUTSCHEN GRÄMMA- 
TIK AUS DER KELTISCHEN. 

3 DIE REDUPLICATION DER VERBA. 

In ganz ähnlicher form wie die golhische spräche kennt 
die gälische eine reduplication der verba. im gothischen bilden 
verba deren stamm den vocal a oder einen mit a componier- 
ten doppellaut hat ihr präteritum rednplicierend ; im gälischen 
bilden verba welche ein a im stamme haben durch die re- 
duplication factitiva, die in den deutschen mundarten in der 
regel von dem präteritum der ablautenden stamme heimele!- 
tet werden, dem sinne nach ist also die gälische redupli- 
cation ganz verschieden, wie man an folgenden beispielen 
sehen kann, claidh ich grabe, begrabe, ceachtaidh ich ma- 
che begraben d. i. ich tödte, zerstöre, vernichte. — jreagh 
ich antworte, fiafraigh ich mache antworten d. i. ich for^ 
sehe, frage. — mair ich lebe, daure, bleibe, meamhait ich 
mache dauern, mache bleiben d. i. ich erinnere. — reagh 
ich bringe in Ordnung, regiere, riaraigh ich mache dafs et- 
was in Ordnung gebracht wird, d. i. ich satisfaciere. — der 
unterschied wie die ähnlichkeit sind hier interessant, da ja 
auch in den deutschen mundarten die facti tiva, wie schon 
bemerkt ist, eine beziehung zu präteritivformen haben» ganz 
abgesehen aber von der erscheinung im allgemeinen, von be- 
deutung ist die Zusammenstellung des gälischen fiafraigh 
mit dem deutschen fragen^ da ja auch jenes eine wurzel 
ßreagh hat. 

4 DAS ALTHOCHDEUTSCHE ADVERBIÜM 

BORA. 

Die althochdeutsche mundart hat in diesem adverbium 
ein sonderbares wort, sonderbar auch dadurch dafs es oft 
(wie das französische du tout für point du tout) in negati- 
ver bedeutung gebraucht wird, in welcher Verwendung es 

34* 



532 ZDR DEUTSCHEN GBAMHATIK ADS D. KELTISCHEN. 

dann aach noch im mhd. und mitteiniederländischen öfter 
begegnet, das französische du tout weist nur auf keltisdien 
Sprachgebrauch zurück, auf eine spräche welche, weil sie 
eigne modi der negation in der verbalbildung kannte, zawei- 
len in kurzer rede die Verneinungspartikeln selbst fallen la- 
fsen konnte, jenes altdeutsche bora ist aber auch der form 
nach keltisch, im gälischen heifst barr als verbnm In die 
höhe gehen, wachsen, zunehmen und grofs sein; als snb- 
stantivum Die gröfse, macht, majestät; als adjectiv Und ad- 
verbium Grofs, herrlich, mächtig, es wird aber adverbia- 
lisch ebenso zu adjectiven gestellt wie das altdeutsche bora 
oder bor. z. b^ suil heifst das äuge; smlleach mit angen 
versehen; bor^shuüleach mächtig mit äugen versehen d. i. 
grofsaugig. 

Die mischnng des deutschen schon in ältester zeit mit 
keltischen werten findet in gröster ausdehnung statt, ich 
will nur noch einige recht augenscheinliche beispiele anfuh- 
ren, das wort gabel ist im deutschen eine hieroglyphe. im 
gälischen lautet es gabhal und ist ganz dnrclisichtig, denn 
es ist von dem verbnm gabh-, nehmen, festhalten, abgelei- 
tet ; gabhal wird also sofort als werkzeng des nehmens oder 
festhaltens verstanden, das wort küssen (pulvinar) ist dentsch 
etymologisch nicht zu erklären ; althochdeutsch lautet es kus- 
sin. im wälschen heifst cysu schlafen ; und damit verwandt 
cws der schlaf, im gälischen ist das verbnm verioren, aber 
ableitungen sind übrig, nämlich cosatr das bett und cuiäm 
das küssen. — aber auch unser deutsches wort kuss (osen- 
lum) ist keltisch, es lautet wälsch cüs und küssen (oscu- 
lari) heifst cusanu oder cusaw. gälisch ist dasselbe wert» 
nnr mit regelrechtem Übergang der gutturale in die labiale, 
also bus. dies heifst der kuss, aber auch der mund, wie 
bei uns in der Volkssprache mäulchen einen kleinen mnnd, 
aber auch einen kuss bezeichnet, und selbst die form bus 
ist im südlichen Deutschland noch für kuss vorhanden. — 
unser wort morgen ist durchaus im deutschen ohne erklä- 
mng; im gälischen heifst mdrach crastinus und a mdrach 
cras ; im wälschen mory crastinus und e Jbry (für e mory) 
cras. gälisch aber und wälsch sind diese Wörter ganz durch- 
sichtig ; denn marach ist hergeleitet von matr- leben, dauern. 



ZUR DEUTSCHEN GRAMMATIK AUS D. KELTISCHEN. S33 

bleiben, fortgesetzt werden, fortgehen, bedeutet also conti- 
nuttns, durans, progrediens, und wie der morgende tag vom 
Standpunkte des heutigen als ein fortgesetzter, danernder, 
übrigbleibender, wenn der heutige beendigt sein wird, be- 
zeichnet werden kann begreift sich, leicht, ebenso bezeich- 
net mor im wälschen das dauernde, fortgesetzte, endlose, 
' bleibende, und dann specieller die zeit und das meer. erst 
im deutschen scheint sich an den begriff crastinus der von 
matutinus angehängt zu haben. 

Fast überall wo man auf ein altes und dennoch in sei- 
nen etymologischen beziehungen mit den mittein der deut- 
schen spräche nicht zu erklärendes wort stpfst ist es bei 
näherer betrachtung ein keltisches, und die alten deutschen 
mundarten stellen das bild einer aus deutschem und kelti- 
schem so combinierten spräche dar als jetzt die englische 
spräche aus deutschem keltischem und romanischem compo- 
oiert ist, nur dafs in der spräche selbst noch eine gröfsere 
kraft der assimilation und damit zusammenhängend überhaupt 
der Wortabwandelung zu finden ist. 

Trotz aller seit dem ersten aussprechen derselben dage- 
gen erhobenen klagen mufs ich nicht nur bei meiner frühe- 
ren behauptung des mischverhältnisses unserer spräche blei- 
ben, sondern, diese behauptung jetzt nach fortgesetzten Stu- 
dien weit verstärkter aussprechen als früher. 

Wörter die aus dem lateiuischen oder engl&chen und 
schottischen erst in die keltischen sprachen übergegangen 
sind erscheinen auf der stelle dem geübten äuge fremdartig; 
niemand wird ridire (eques) pearsan (persona) deamon (dae* 
mon) u. s. w. für keltische Wörter haken, die behauptung, 
alle jene im deutschen und keltischen identischen Wörter 
seien ursprünglich deutsch und erst zu den Kelten gebracht, 
ist vpUig willkürlich, und hier und da kann man sie lächer- 
lich machen, wo zum beispiel nicht blofs das keltische sei- 
nen eigenthümlichen lautwechsel bewahrt, sondern die an- 
gelsächsischen und englischen Wörter den keltischen weniger 
nahe stehen als altdeutsche, oder wo angelsächsische und 
englische dieser art nie vorhanden waren. Wörter wie 
chwegyr die schwieger, chwegrwn der schwäher, chwys 
der Schweifs, chwysu schwitzen, können nicht durch da^ 



534 ZUR DEUTSCHEN GRAMMATIK AUS D. KELTISCHEN. | 

angelsächsische oder englische dem wälschen vennittelt iein 
(höchstens chwegyr darch das ags. sveger), nnd im^ittt- 
schen sind überdies chweg (süfs, lieblich) nnd chwys regel- 
rechte wnrzelwörter, während beide familien bei uns wur- 
zellos sind. LEO. 



DER HEILIGE ALEXIUS VON KONRAD 

VON WÜRZBURG. 



Konrads Alew^itis ist von seinem herausgeber so schmäh^ 
Uch verwahrlost worden dqfs ein neuer abdruek keiner 
reehtfertigung bedarf; das nicht lange gedieht^ von argem 
schmutze befreit, liest sich angenehmer als anmerkungen 
die des herausgebers verstöfse gegen grammatik versbau 
gewohnheit des dichters und sinn bei seite räumen, und »u 
lernen ist nichts an der berichtigung von fehlem wie die 
folgenden groben grammatischen, wä statt swft 154* wer 
statt swer 611. 1286. 1292. waz ^to^swaz 753, stati swtM 
332. wan statt swenne 624. 1289. beginnet als participwm 
832. dnnkte 418. twnncte 428. spnorte 542. so statt des re- 
lativen pronomens 617. kies als imperativus 627. pin als 
femmimm 710. 728. 760. 964. 1234. teten statt täten 835. 
sint als erste person des pluralis 989. offenbsere als zweäe 
person eines Präteritums 1054. saht statt saehe 1134. wurde 
statt wart 1291. 

Zwei handschriften dieses gedichtes sind bekannt. 
nenne ich die durch Oberlins auszüge zum theil sa^ 
gängliche Strafsburger hs., A 100 der JohanniterbibUo' 
thek, nach Oberlins diatribe s. \\ eine pergamenihs. m 
quart, sie ist verloren gegangen, s. Engelhardts rittet von 
Stauffenberg s. 26, wo ihr format als folio angegeben wird, 
ihr inhalt läfst sich aus den anßihrungen in Oberlins glos* 
sare ziemlich genau berechnen. 1. ein martyrologium, bL 
2 bis 99. — 2. Carmen de wenodochio Hierosolymüano, 
bL 101 bis 112. — 3. Konrads Aleanus, bl. 113 bis 123. — 
4. wie es scheint ein gedieht, aus dem Oberlin ^.317 und 
1011 eine stelle anfuhrt, bl, 124. — 5. Hartmanns Gre* 
gorius, bl. 125 bis 158. — 6. sermones sacri, bL 160 bis 
207.— 7. Eckehartes bredien, bL 209 bis 231. — 8. vitae 



KONRADS ALBXIUS. 5tt 

paimm, bL 235 bis 303. — aus dem Aleanus gibt Oberlins 
dimiribe de Conrado Herbipolita (Strafsburg 1782) s. 11 
drei stellen^ z. 376 — 383, 1078—1081, 1360—1384, und 
s. 33 j^. den anfang des gedicktes bis 176. aus Oberlins 
glossare zählt herr Mafsmann s. 6y. sechsundzwansig Wör- 
ter auf unter denen sich Zeilen des Aleanus ßnden; er setzt 
hinzu, es gebe wohl noch einige andere, das wahre ist 
da/s er über die hälfte der stellen übersehen hat, und dar- 
unter solche in denen die Strafsburger hs. wesentliche hilfe 
leistet, 

I, die elf letzten blätter der papierhs, ix D 2 des 
Insbrucker museums, geschrieben durch den bruder Johan- 
nes Ritter, ordinis minor, termioarias in wintertur et con- 
ventuat. schaffhus. anno domini m^gggg^xxv^ feria 4* ante 
Oculi (so hat Mone gelesen, bei herm Mqfsmann s. 8 steht 
an 9tuU icl). erwähnt hat dieser hs. zuerst Mone in sei' 
nem anzeiger 8 (1839), 217. ich habe sie nur in herm 
Mqfsmanns ausgäbe benutzen können, unterscheide also 
durch, I was von ihm ausdrücklich als ihre lesart angege- 
ben wird von dem was sein text bietet; dies habe ich mit 
i bezeichnet. 

Die Insbrucker hs. ist eine späte und sehr schlechte, 
obwohl es stellen gibt in denen sie be/seres enthält als der 
tewt des herausgebers ; also verstand sich von selbst dq/s 
von der älteren und weniger schlechten Strq/sturger hs. 
zu ihren gunsten ohne noth nicht abgewichen werden durfte, 
meine eigenen Vermutungen werden sich hoffentlich bei ken- 
nem des dichters meistens selbst rechtfertigen, einige stel- 
len des Alexius habe ich in den anmerkungen zum Engel- 
hard behandelt, mehreres bleibt unsicher. HAUPT. 

Got, schepfsere über alliu dinc, 
Sit der wisheit ursprinc 
von dir vliuzet unde gät, 
so lä mir diner helfe rät 

zuo vliezen nnd die sinne sieht, 5 

daz ich gepnse dinen kneht 
und ich des leben hie gesage 
1 — 176 diatr, 33 — 35. %. Sit das d. /. 



536 kONRADS ALBXIUS. 

der also lAter sine tage 

in dime dienste wart gesehen. 

sin lop dornehtecliche enbrehen 10 

maoz von wären schulden. 

er hftt nach dinen hnlden 

geworben also vaste . 

daz in der 6ren glaste 

sin name sol erschinen. 15 

da von so lä mir dinen 

wisen rät ze helfe komen, 

daz sin leben uz genomen, 

daz in latine stät geschriben, 

werde in tiusch von mir getriben 20 

alsA bescheidenliche nu 

daz da von gepriset du 

werden mügest unde ouch er. 

sin höher name was da her 

so vremde genuogen liuten. 25 

nu wil ich iu bediuten 

unde entsliezen die getät 

die der vil saelden riebe hat 

begangen uf der erden, 

durch daz gebezzert werden 30 

müg eteswer von siner tugent. 

wan swer daz leben siner jugent 

durchnehtecliche merket, . . 

der mac da von gesterket 

an gnoter sache werden hie. 35 

der saelden riehen leben ie 

macht ander liute sseldenhaft. 

ez gap in edele bischaft 

8. alfl6 t: alz 0. 10. Din (auch gl. 31!^). Sin lib dar lueh- 
teclichen emphelchen /. 12. hat /. 13. also I, als O. 

14. Das /^ swas 0. 18. daz Oberlin: so was 0, Das ich /. 

20 fehlt I. werde zvo tun (auch gl. 1681). 21. Also be- 

schaidenlich na /, alz beMhddeiliehen nv 0. 25. Ze frömde gaug 
den I. /. 28. s&ldrieha /. 29. erde 0. 30. werde O. 

35 fehlt I, Sachen 0. 36. Der seiden riebe lebete ie O, Des 

«lldenrichen lehn je : Gebrast an de jQglin nie /. 37. vn mabte O. 
38. Er {auch gl. 159) /. 



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KONRADS ALEXIUS. 

und ein so nützez bilde 
daz in din sünde wilde 
ilrart von gotes 16re. 
da von.bab ich nd sftre 
minen miiot geleit dar an 
daz ich gesage voll eime man 
der bsete gar ein heib'c leben, 
durch daz sin tugent müeze geben 
den liuten höhe sselekeit 
den hie sin leben wirt geseit 
und daz lobeliche dine 
wie der kiusche jtingelinc 
beleip der houbetsünden .vri. 
swer nd s6 reines muotes si 
daz er mit willen hoere sagen 
daz wunder sines lebetagen, 
der sol mit vlize bieten her 
sin ören und des herzen ger. 

Ze Röme ein edel berre was 
der in sii^ reinez herze. las 
milte und ganze erbermekeit. 
gröz wunder was üf in geleit 
richtuomes nnde wirde. 
sin muot und al sin girde 
vor schänden luter; wären, 
er diente in sinen jären 
mit vlize dem vil werden gote 
und wolte gerne sime geböte 
wesen iemer undertän.. 
er was genant Eufömiän 
und wielt getriuwes muotes. 
vil 6ren unde guotes 



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50 



55 



60 



65 



70 



i%. Davon so h. 0, 44. gesage : xkch ' sage /. einem i. 
45. sälig /. 46. Dem da s. t. h5rt $. -^^^r 48. Den den dz 1. /. 
il. B. den höbt sinden fri /. 54. ISjj^ V^'Sü.e lebtagen /. 

i7. edler /. 59. erbarm h^cykait /. it: jAlik w. /. Hfc S. m. 
f. sin begirde /. 63. An seh. /. 64. Er / und Oberlin: Im O, 
}6. sinen /. 68. gehaisen enfamion (: uj^dertön) /. 60. verf^i, 

9 gl. ^0Ji7. 



Ä'r 



S3S KONRADS ALEXIUS. 

het er in siner höhen pflege. 

weiz got, im dienten alle wege '.. 

driu tosent fironwen nnde ouch man 

die pfelle und siden tmogen an 

bi den selben jiren 75 

und nmbegürtet wiren 

mit riehen borten gnldin; 

er mnoste liep dem keiser sin, 

wan er in sinem palas 

der oberste und der beste was 80 

des er di bi der zite wielt. . 

sin hus er miltecliche hielt 

nach der wären scbrifte sage. 

dri tische wurden alle tage 

bereit den armen dinne. 85 

die wären gotes minne 

tmoc sin tugentricher lip. 

ouch haete er ein vil saelic wip»^ 

diu was Agleis geheizen 

und künde in.wol gereizen 90 

uf milten unde uf b6hen mnöt. 

si was liutsaelic unde guot, 

bescheiden unde verwizzen. 

ir tage si verslizzen 

haete in ganzer reinekeit, 95 

wände ir herze was geleit 

an got Til harte s^re. 

in beiden guot und 6re 

was gegeben unde beschert. 

iedoch haete in fireude erwert 100 

daz si wären äne kint, 

71 — 1^ fehlen 0, 74. Die purpur u. siden Bn 19 Pfellor yon side 
tmoc er an derselbe getmye man 0. 75. Tragend bi den J. /. 
77. riehen Oy siden /. 78. sünfehU I. 80. beste /.- libette 0. 
81. Das /. 83. gesebrift /. 84. Drie 0, Die /. 85. B. d. a. 
binden /. 86. wäre 0, Die da wäret gottes miner /. 

87. toot^V. tagetbafft* /. 89. agies /. , 91. vf hohen 0, 

raine /. 94. si 0: bett si /. 95. Hetten in g. r. O, Crar in 

rainer stätikeit /. 96. Wo I, vn 0. 98. Ir 7. 99. gebn /. 
100. in 0: in daz t. 



KONRADS ALEXIUS« S89 

dia richer liute wanne sint 

onde ir spil uf erden hie. 

daz reine wip ehhaete nie 

sun noch tohterlin getragen. 105 

daz hörte man si beide klagen 

dicke Sander allen spot. 

si gäben dnrch den werden got 

almuosen rilich alle stunt 

dar umbe daz in würde knnt 110 

von sime tröste ein kindelin 

daz noch ein erbe solte sin 

der höhen gülte manicvalt 

der wunder was in ir gewalt. 

Nu wolle si des got gewern 115 

des ir gemüete künde gern 
gar inneclichen zaller zit. 
er liez ir edel herze sit 
ervröuwet werden nnde ir leben, 
in wart ein schoener sun gegeben 120 

von gotes. helfe si zehant. 
der wart Alexius genant, 
den riehen und den höhen vromen 
het er vil schiere an sich genomen 
daz er begnade minnen 125 

mit herzen und mit sinnen 
den wären got für alliu dinc. 
er wart ein saelic jüngelinc 
an libe und an gebäre. 

der edele und der kläre 130 

zuo der schnole wart geleit 
und hsete in siner kintheit 
enpfangen schiere die. vernunst 

104. noch nie /. 107. dicke t: Dvi zwei 0, alle /, ane 0, 
108. werden I, riehen 0, 109. Billich a. alle st. /. 110. der 

vmbe laze in werden k. 0. 114. D. wnnsch wz in ir gezalt /• 

115. %o\. des /. 116. Das ir mat /. 117. Gar inneclicher 0, 

Als mineklich /. \%\. goltes 0, siner /. 1^. 1^. Vnd helto 

an sich genome D. r. v. d. h. fromen /. 1)^9. gebärde /. 

130. vn d. werde /. 131. gelert /. 133. schiere /eA/< /. 
yernunft t. 



540 KONRADS ALEXIUS. 

daz er von götelicher kanst 

wart vil unmäzen wise. 135 

mit lobelichem prise 

gezieret staont sin reiniu jugent. 

er wart ein Spiegel richer tugent 

und aller 6ren bluome. 

wer möhte alhie mit roome 140 

durchgründen ouch sin höbez leben 7- 

im bsete got den wünsch gegeben 

üz erweiter dinge. 

dem werden jüngelinge 

wart allia schände wilde. 145 

er hsete ein klärez bilde 

nnde ein luter angesiht. 

an im brast aller sselden niht 

die man uf erden haben sol. 

sin herze sam ein beizer kol 150 

in der gotes minne bran. 

daz schein im in der jagent an 

vil üzer mäze vrüeje. 

man seit, swä tugent blüeje, 

daz da vil richer sselden frufat 155 

beginne wahsen mit genuht. 

diz wart an im bewaeret wol. 

sin herze was der tugende vol : 

da von sin lip gar saelic wiprt. 

ein maget rieh von h6ber art, 160 

diu von keisers künne was, 

wart im ze wibe, als ich ez las, 

gegeben in der kintheit. 

doch wizzent daz er si vermeit 

und er si kiusche lie besten. 165 

si was nach wünsche wol getan 

134. kunft i. 138. aller /. 140. mit fehU J, 145. Vor aller 
schänden w. /. 148. brast (auch gl. 185): brist /. 149. erden 
{auch gl. 185): fehlt I. 150. 151. vergl. gl. 808. 152. in 

0: an /. 153. V. vzzer maze O {auch gl. 1913): V. rff der mäi- 
sen /. 157. Dis I, als 0. 158. ward /. 161. keisers 

{auch gl. 846): des keisers /. 166. nach 0, vö /. 



KONOADS ALEXIUS. 541 

ynd üzer mftze schoene. 

mit lobe ich immer kroene 

ir werdez leben ande ir lip. 

si wart im als ein ^lich wip 170 

gemahelt in dem tempel sus 

da sante BonifAcias, 

der marteraere gensedec, ist. 

vil werder priester, wizze Krist, 

ze samene g^ben si des tages. 175 

des wart an vröiden vil bejages 

enpfangen in der veste wit, 

wan da gescbach ein h6chgezit 

diu rilieh unde schoene was. 

diu brut uf einem palas 180 

des nabtes da zebant beleip, 

dö man den tac vil gar vertreip 

mit wunne und mit geriete. 

Alexius der bsete / 

bevangen faöber tugende scbin. 185 

Eufömiän, der vater sin, 

biez in minneclicbe gän 

zuo der meide wol getftn 

uf die kemenäten bin. 

lieplicbe sprach er wider in 190 

'sun, vil herzelieber trat, 

ganc üf ze diner scboenen brut 

in daz gadem wünneclich.' 

mit disen Worten buop' er sich 

äf den palas da zebant, 195 

dar in er wol gezieret vant 

die werdet keiserlicben fmbt. 

an ir lac scbcBne bi der zubt 

und uz erweltiu staete. 

si was mit richer waete 200 

167. uz der maze X), u. d. mässen /. 168. ich : ich si /. 171 . t. has /. 
174. werde 0. 176. d. w. an fr. v. bejagpes 0: D. w. da fr. v. 

bejagpet /. bejagei gl, 11)^ scheint druckfehler.' 178. h6chzit t. 
179. riebe f. 181. des nabtes dk beleip i. 19%. gangr üf, schon 
din brut t. %Q0, si 474 : ant t. 



542 RONRADS ALEXIDS. 

bekleit n&ch wünsche garwe. 

ir minneclicbitt varwe 

gap durchliiihteclichen schin. 

si was gar edel und gar vin 

an libe und an gebäre. 205 

diu sselige und diu kläre 

fi«blüemet wol mit 6ren saz. 

Alexius dö nibt vergaz 

der tagende der sin herze wielt. 

reine und kiusche er sich behielt 210 

vor allen, houbetsünden, 

wan in begunde enzünden 

diu wäre gotes minne. 

diu lac in sinem sinne 

s6 brinnende und so glüejende. 215 

sam ein rAse btüejende 

vor im saz diu guote. 

dö wart im ze muote 

daz er sich von ir libe schiet 

und ir daz aller beste riet 220 

des er gevlizen künde sich. 

mit süezen werten minneclich 

begunde er si daz l^ren 

und df den willen kören 

daz si bestüende kiusche. 225 

er warf ir daz geUusche 

der trügelichen werlte für 

und Seite irdaz man gar verlür 

ze jüngeste an ir l&ne. 

dar nach dö gap er schöne 230 

ein vingerlin der süezen dar 

und ein gezierde liehtgevar 

da si nach dem lantsite 

bedecken solte ir houbet mite 

1tO\. garwe 0: wate l¥ ^03. darchliahtigeo i. 205. gebärde /. 
206. Q. d. werde /. ;^08. d6 niht] der mit /. ^16. Sam so /. 
226. getvesche 542, c& tausch /. 227. trvgeiilicher 6, tmrigen /. 
230. ir schöne /. 232. lieht gevar 933, lichtgebar /. 

233. landsitte 0, sitte /. 234. B. — mitte 0, ir boabet dabte da 






KONRADS ALBXIUS. 543 

daz adelliche was gestalt. 235 

'gemaher sprach er, 'daz behalt 

die wile ez gotes wille si. 

der muoz uns immer wonen bi 

und kiusche bi uns bliben gar/ 

hie mite schiet er sünden bar 240 

von ir nnde meines blöz. 

daruehtic michel unde gröz 

wart sines herzen riuwe. 

der siieze und der getriuwe 

ein teil d6 sines guotes nam. 245 

mit dem so k^rte er unde kam 

tougenliche sine wege. 

gar staete wolle er in der pflege 

beliben und dem dienste gotes 

und immer gerne sins gebotes 250 

volgen üf der erde. 

der edele und der werde 

saz üf daz iner in efnenkiel 

und fuor als ez im wol geviel 

und als in ih sin wille bat 255 

vil schiere zeiner schoenen stat, 

diu nennet man Laud^tiä. 

doch was er niht ze lange da, 

wan er zehant von danneii schiet. 

sin edel herze im dö geriet 260 

daz er k^rte zeiner stift> 

diu ist geheizen in der lichrift 

bescheidenliche EdissÄ. 

diu selbe stat in Sirii 

lit, daz sagent uns diu buoch. 265 

da was gedrücket in ein tuoch 

daz bilde J6su Kristes, 

mite t. !235. 16. 23a<^ immer /e^/^ /. 240. sander bar t. 

241. un meines blos 0, 168 (pergl, 1847)^ vnd main was los /. 

242. 263. 247. tDgentliche t. sinen weg /. 248. Garwe 
(Gar J) stseter Toller pflege (pfleg /) t. 249. and] in t. 

250 sin /. 256. schoener u 262. g«8chrift t. 264. sirean /. 

267. Jesus i, xpus /. 



544 KONRADS ALBXIDS. 

gar itel karges listes 

und ftne menschen werc gemäht. 

ouch staont ein münster wol geslaht 270 

gezieret da vil s6re. 

in sant Bfarien 6re 

gewihet ez vil sch6ne was. 

in dirre veste, als ich ez las, 

Alexius sich nider lie. 275 

mit reinem willen er da gie 

ze kirchen aller tegelich. 

er ougte mit gebete sich 

den äbent und den morgen. 

in riuweclichen sorgen 280 

wart daz. herze sm begraben. ~ 

daz edele und daz riebe haben 

daz er von guote brähte dar, 

daz gap enwec der guote gar 

den armen liuten unde enpfie 285 

mit in daz almuosen hie 

vil gemeinlich alle stunt. 

im wart vil manic breste kunt 

an spise und an gewande. 

nu daz er von< dem lande 290 

was vil tougenliche komen 

und daz ze Röme wart vernomen 

daz er sich hsete enwec gehaben, 

dö wurden sine friunde begraben 

in jämer unde in maneger not. 295 

si wären alle an jröuden t6t 

durch sine leiden hinevart. 

der vater sin von höher art 

hiez in d6 suochen alzehant. 

vil boten wart nÄch im gesant. 300 

der kom ein teil zEdisse, 

274. ezfehU i. 275. lies gie l¥ 276. äk fehlt I. 

278. zöngte t. 280. Ir ruweklichem orden /. 282. haben t: 

ding /. 284. enwec der g. gar 325: er wiUicHche dar /. 

293. enwege bete t. 295. mange(r) ü 301. ze disse {scheint es) 

245, ze edissa /. 



KONRADS ALBXIUS. 845 

« and sähen in gewisse < 

di sitzen bi den armen, 
si liezen sich erbarmen 

den kumber sin vil tiar^. 305 

d6 gäbens im ze sünre 
ir almuosen alzehant, 
wände er was in unbekant 
an Übe und an gebärde. 

in bete sin beswaerde 310 

entschepfet unde der breste sin, 
daz in niht mohte werden schin 
daz bilde sin ze refate. 
doch wären im die knehte 
und die boten alle kunt, 315 

wan er bekande bi der stunt 
ir namen unde ir leben woL 
für war ic